Uruguay – Russland / Saudi Arabien – Ägypten / Spanien – Marokko / Iran – Portugal

Dritter Spieltag, Leute! Bald haben wir es geschafft. Wobei die letzten Partien durchaus ansehnlich waren im Gegensatz zu so manchem 1:0-Gewürge in dieser Vorrunde. Ab heute heißt es generell Augen schonen, da es in den nächsten Tagen nur je zwei gleichzeitig ausgetragene Spiele gibt. Wer will, kann natürlich auf zwei Fernsehern parallel gucken. Wer will, kann auch 10 Mikrowellengeräte aufeinander stapeln und 2 Kilo Sushi parallel darin aufwärmen – macht aber beides nicht wirklich Sinn.

Die Saudis gegen die Ägypter etwa brauchen sich eigentlich nur folgende Menschen anzusehen. Saudis. Ägypter. Beinharte Nahost-Fußballfanatiker. Nochmal Bernd Höcke mit dem Kraniometer. Anhänger von Fußballspielen, in denen es um nichts mehr geht. Denn es geht um nichts mehr. Movin on, wie John Oliver sagen würde, nachdem er sich angesichts des Spiels seiner Engländer einen weggegiggelt hat.

Viel spannender ist, wie der Russe den Uru handhabt. Ich behaupte immer noch, dass der noch keinen richtigen Gegner hatte. Denn jeder weiß: Bevor du nicht den Gebißabdruck von Luis Suarez an der Schulter trägst, hat das Turnier noch nicht richtig angefangen. Dazu kann es heute kommen. Schon mit einem Unentschieden könnte sich der Gastgeber die Gruppensiegerkrone aufsetzen und auf ein Duell mit Spanien oder Portugal freuen. Wenn es ganz seltsam läuft, auch mit dem Iran. Dazu später mehr.

Spanien – Marokko. Marokko schon raus. Bin ich da auch bei. Das war kein gutes Deutsch. Aber inhaltlich stimmt’s.

And finally…
Der große Kampf…
Tausende sind gegen ihn….
Sie werden alles geben….
It’s CR7 vs. VUVUZELA.
Wer immer den Iranern die alten Tröten der Italiener von der WM in Südafrika angedreht hat, müsste mindestens 2 Monate lang einen Tinnitus in Form von Modern Talking-Songs in den Ohren klingen haben. Cristiano Ronaldo dürfte das nicht aufhalten, schließlich gilt es den aktuell Führenden in der Torschützenliste, Harry Kane, abzufangen und auf die Plätze zu verweisen.

Iran muss übrigens gewinnen, um ins Achtelfinale einzuziehen. Sorry, aber die gewinnen höchstens den Vergleich um die meisten Hörgeschädigten. Empfindsame Menschen wie ich schalten daher nach dem ersten Tor von CR7 ab. Sollte dies erst ein Elfmeter in der 92. Minute sein, gerne auch schon bevor der Ball im Netz landet.


40 Minuten drin, 2:0 Uruguay, Russen mit einem Mann weniger.
So. Ich fülle jetzt das erste Achtelfinale-Feld im WM-Planer aus.

 

Advertisements

England – Panama 6:1 / Japan – Senegal 2:2 / Polen – Kolumbien 0:3

Walter Eschweiler hatte die ganze Nacht über kein Auge zugetan. Er musste einfach Bescheid wissen, was gestern passiert war. So stand er in aller Herrgottsfrühe an der Pforte zu den geheimen Gemächern des Fußballgottes in den Katakomben des Olympiastadions zu Sotschi und klopfte vehement.

„MEIN GOTT WALTER! ISSES IMMER NOCH NICHT VORB… Moment, nee, Walter! Du bist zu früh, wir ham ja noch nicht mal den dritten Spieltag hinter uns. Und überhaupt isses viel zu früh am Tag.“

„O mein Gebieter, ich wollte nur mal nachfragen, wie es euch geht. Was habt ihr euch denn gestern beim Spiel der Deutschen gedacht?“

„Ja, Walter, ich hab’s halt immer noch drauf. Hatte gestern Antrittsbesuch von der Konkurrenz und musste mal zeigen, wo der Opa seinen stollenbeschuhten Fuß Samba tanzen lässt. Im Arsch des Gegners nämlich, Walter, im Arsch!“

„Die Konkurrenz, Eure Heiligkeit?“

„Klar. Haben schwer aufgerüstet, die Burschen dort unten. Schickten gleich eine fünf Kopf starke Delegation. Auf der Agenda: Chaos, Zwietracht, umstürzlerische Triebe, Stimmung runterziehen, Fußball kaputt machen. Der übliche Firlefanz halt. Na, dann probiert’s mal, hab ich denen schallend lachend zugerufen!“

„Wer war denn alles dabei?“

„Uuh, Walter, Namen kann ich mir so schwer merken. Außer die von aktuellen Kickern, da muss ich berufsbedingt dranbleiben. Lass mich mal überlegen. Einer von eher kurzer Statur, nur noch wenige blonde, dünne Haare, schmallippig, tote Augen, sprach Deutsch mit russischem Akzent. Hatte den Blatter Sepp mit im Schlepptau. Alt isser geworden, der Sepp. Dann zwei deutsche gefallene Engel, die ich damals wegschicken musste, weil sie mich wie Sau genervt haben. Mein Fluch wirkt übrigens immer noch: Beide scheiße als Trainer, aber mit großer Klappe, der eine kann weiterhin nur pfälzisch, der andere nur fränkisch. Vollhupen hoch drei. Ein weiterer war Luka Modric als Frau. Da bin ich immer noch verwirrt. Ach ja, so’n Chefdummfried von der BILD wollte noch rein, aber die haben bei mir Hausverbot.“

„Und wie habt ihr euch gegen sie durchgesetzt, Eure Ballherrlichkeit?“

„Hab sie erstmal schön machen lassen. In Sicherheit gewiegt. Drucksituation aufbauen lassen. Hopp oder Topp-Spiel. Führung der Schweden. Platzverweis Boateng. Die Modric und die beiden Vollhupen waren schon hibbelig, haben auf ihren Tablets rumgehackt. „Deutschland am Ende“, „Der Löw muss man jetzt rausduun“, „Mett mir wär das awwer annerschda geloff!“. Und schwupp, mit einem Schuss von Kroos konnten se den ganzen Schund löschen. Ich hab so gelacht, Walter! Der Dünnhaar-Russe blieb ganz ruhig, aber innerlich hat der gebebt. „Doswidanja, man sieht sich zweimal im Leben„, hat er beim Rausgehen geraunt. „Jaja, du mich auch„, habe ich ihm noch hinterhergerufen.“

„Das hätte man aber auch nervenschonender angehen können, mein Herr.“

„Ach was, Walter. Drama, baby. It’s what the game is all about. Der Lineker ist immer noch fertig, der kriegt jedes Turnier frisches Traumafutter von mir.“

„Wird denn jetzt alles gut, o Hüter des Balligen und Schönen?“

„Wart mal ab, Walter. Ich muss launisch bleiben. Heute kommen erstmal die Engländer durch. Unentschieden oder gar Niederlage gegen Panama? So fies bin ich nicht drauf. Später dann meine Lieblingsgruppe, die „anything goes group“. Also der senegalesische Trainer ist mir ja ein hipper Bruder, den winke ich wohl durch. Ob dann Lewa, Japan oder Kolumbien? Mal schauen. Da entscheidet bei mir Tagesform und Stuhlgang. Aber eines sag ich dir, Walter: Wenn der Pole heimfahren muss und ihr übergießt ihn mit Häme, drückt euch am Mittwoch der Son aus Korea in den ersten 10 Minuten zwei Stück über die Linie!“

Und so kam es, dass dieser Vorbericht sehr wenig mit den heute stattfindenden Partien zu tun hatte.  Aber die interessierten nach dem Spiel gestern eh kaum jemanden.


Darf man denn in einer Halbzeit so oft? 5 Stück? Aber hallo. Und der Panamese freut sich über sein Tor, als wäre er Weltmeister geworden. Schön.

Später zwei jeweils sehr unterhaltsame Partien mit Mannschaften, die beide wollten. Im Falle der polnischen Auswahl aber nicht konnten. Die Polen sind draußen, Lewandowski hingegen bleibt noch. Bei Bayern.

Deutschland – Schweden 2:1

Joachim Löw war akribisch vorgegangen. Hatte alle Fehler aus dem Spiel gegen Mexiko analysiert und behoben. Gegen Schweden würde es laufen wie die Lätta vorne im Volvo auf dem Armaturenbrett im Sommer. Die Pfeiler des Erfolges bestanden aus Sischerheit, Dischziplin, Ruhä und auch mal einen Gegner mit dem Ball „glücklisch andotzele“. Im Bademantel und mit dem Frühstückstablett in der Hand erklärte uns Löw sein Konzept.

Maßnahmä 1: Sischerheit

Im Training zeigt der Bundestrainer klare Kante: Auf dem Anstoßpunkt ruht in sengender Sonne eine halb geöffnete Dose Surströmming, dem stinkendsten Fisch, den der Schwede sich erdreistet zu exportieren. Wer Hummels oder Boateng alleine in der deutschen Verteidigung zurücklässt, muss zum Punkt traben und einen vollen Atemzug schnüffeln. Leider erwischt es als ersten den herumirrenden Hummels selbst, der sich, als er vom Gestank ruckartig zurückweicht, einen Halswirbel verdreht. Löw zuckt auf, als er fehlenden Einsatz am Blech entdeckt und schreit: „SAMUEL AKIRA SAMANTHA GOTTHILF KHEDIRA! RUNTÄR! RAN AN DIE DOSÄ! DAMITT DU’S LERNSCHD!“

Joshua Kimmich ist erneut dabei, diesmal aber mit Fußkette, die auf halber Höhe der Außenlinie der jeweils eigenen Spielhälfte an einem Pflock befestigt ist. So hält man den ausflugfreudigen Bayernspieler in einem überschaubaren Aktionshalbkreis. „Damit mir imme wisse, wo er ischd!“, kommentiert Jogi.

Maßnahmä 2: Dischziplin

Müller, Brandt, Reus und Kroos müssen durch die schwedische Wand kommen. In dem Fall die vor dem Tor platzierte IKEA-Schrankwand Lasse Hoylen, die es immer wieder aufs Neue abzubauen gilt. Ohne Schraubenzieher, nur mit den Fingernägeln. Löw kontrolliert mit strenger Miene. „Schaffe, schaffe, Wändle abbaue. Mehr Einsatz Marco, anlaufen, reinnagele, Tor, wieder von vorn!“.

Maßnahmä 3: Ruhä bewahren

Groß war die Gefahr, dass die Spieler in ihrem „Jetzt! Muss! Erst recht! Zsmmn!“-adrenalindurchtränkten Zustand einfach mal einen Blondbart vom Platz holzten. Rote Karte, Unterzahl, Spiel im Arsch. Auf dem Trainingsplan daher: Quälend lange Seminare im kollektiven Knäckebrotkauen, Blutdruckmessen und Elchkuhniederstarren, um aufbrausendes Temperament direkt zu zähmen. Nur Mesut Özil musste freigestellt werden, weil das Tier sich bei seinen Blicken offensichtlich unwohl fühlte. Stattdessen wurde er zwecks Motivationsstärkung angewiesen, allein an der Eckfahne stehend Rammsteins „Mein Herz Brennt“ zur Melodie der deutschen Nationalhymne zu singen. „Suupa Trotzreaktion“, ist der Bundestrainer begeistert.

Maßnahmä 4: Topp Sigrid

Eigentlich ein Geheimnis, aber „bei dir liest ja eh koiner mit“, wispert Löw verschwörerisch mit einem Augenzwinkern. „Wenn gar nix klappt, im Straafraum falle lasse. Egal wer. Der Timo wär aba wohl zu offensischtlich“, gibt Löw zu bedenken. Doch auch in der Not zeigt er Anstand. „Wir falle net hin wie der Subbekaschpar aus Brasilie, der Neymar, der Graskuschler, der vermaledeit! Bei uns isch des authentisch, erarbeitet, symbadisch. Hald so, dass die Videoschiris sage misse: „Elfmeter? Mmmh, do simmer mal net so“.

Mit diesen Worten lässt uns Löw zurück. Der Kopf sagt: „Das wird ein übler Krampf werden, wie bei fast allen Spielen dieser WM“. Doch unser Herz sagt: „Denkt um Himmels willen an die Herzmedikamente!“.


TONI KROOS, DU COOLE SAU MIT RIESENEIERN! Ich schmeiße jetzt die Fauna komplett durcheinander, Charles Darwin rotiert im Grab, aber ich bin mit den Nerven so fertig, da macht das jetzt auch nichts mehr aus. Wobei der Charles mir zustimmen würde: Der mit den dickeren Eiern überlebt.

Dabei waren wir mausetot. Erste zehn Minuten ordentlich Rabatz gemacht, aber ohne Fortune. Rüdiger patzt, ein Schwede durch, Boateng grätscht nicht elfmeterunreif dazwischen, Neuer kriegt noch etwas Körper dran. Puh.

Das 0:1. Eingeleitet von Kroos, abgeschlossen von Toivonen, der in seinem Team (FC Toulouse) die ganze Saison über nicht getroffen hat. Geschätzter Wert: 1,5 Millionen Euro, also nicht mal ein halbes Butterbrot auf dem Transfermarkt. Kann nicht sein. Das ist Schicksal, der WM-Titelverteidigungsfluch, das kann man nicht mehr abwenden. Vorher bricht sich Überraschungsgast Rudy die Nase und muss raus. Ersatz Gündogan eher zaudernd denn zaubernd.

Zweite Hälfte. Ich hole tatsächlich nochmal das Deutschlandfähnchen aus dem Finale 2014 und schwenke es sinnlos umher. Einer muss ja was machen! Denkt sich auch: REUS! DAS KNIE! DER AUSGLEICH. Haben sich die ganzen Rehas doch gelohnt. Kudos an Werner für die Vorlage und Gomez für die komplizierte Abfälschung. Noch ordentlich Zeit auf der Uhr, Fluchüberwindung möglich. Kroos hat kurz darauf direkt die Führung auf dem Fuß, lässt sie aber noch liegen.

Die Zeit verrinnt, Gomez hubelt einmal wie anno 2008 aus kurzer Distanz drüber, war allerdings Abseits. Später zielt er seinen Kopfball frei auf Olsen im Tor. Die Erlösung will nicht kommen, stattdessen gab Gott die Zeit, von Eile hat er nicht geredet – das Motto der Schweden für die gesamte Spieldauer. Irgendwo dazwischen schickt der Unparteiische Boateng mit Gelb-Rot vom Platz. Erinnerungen an Frankreich 2016 werden wach. Köpfe sinken.

Der eingewechselte Brandt trifft den Pfosten, es geht in die Nachspielzeit. Da fällt mir ein: Ich würde bei einem Remis ja Geld gewinnen, siehe hier:

betathomekroos

Klare Sache für mich: Der Schwede würde noch einen reinhumpeln. Nur um mich zu ärgern. Macht er aber nicht trotz diverser Kontermöglichkeiten. Stattdessen versaut mir Kroos mit seinem Freistoß in der 95. Minute die sicheren 18,04 Euro. Scheiß drauf, Toni, die Kröten erlass ich dir. Das nächste Mal aber gerne früher für die Entscheidung sorgen, ihr wilden Hühner!

Noch’n Gedicht:

Sie nannten ihn Eier

Erst hilft er beim Rückstand – au weia
Zeigt kurz vor dem Schluss aber Eier
Kroos schnappt sich den Ball
Setzt hoch an mit Drall
Versaut den Zeitspielern die Feier

Belgien – Tunesien 5:2 / Südkorea – Mexiko 1:2

Es geht um alles. Für Tunesien. Nur ist mir das herzlich egal. Ich kriege im Moment nicht mal mehr zusammen, wie die gespielt haben. Ach ja, gegen England. War durchaus tapfer. Klar bester Fight seit Karthago, nur auf den jungen Feldherrn Harry hamse am Ende nicht aufgepasst. Nordafrika ist aktuell eh geschlossen auf dem Weg nach Hause, kommt’s auf einen mehr auch nicht an (von dem Satz träumt das Horstl Seehofer übrigens gerne mal in der Nacht und ehrlicherweise auch am Tag). Zumal der Belgier mit seinen Flugschneisenflanken à la de Bruyne wie beim 1:0 gegen Panama auch diesmal mindestens einen Ball reinlegen wird.

Es geht um alles. Für Südkorea. Was mir keineswegs egal ist. Die müssen liefern. Gegen Schweden wollten sie einen Punkt wegschlawinern, leider jedoch hat sie der VAR ertappt. Technik schlägt Technologienation, da sei heute aber der heilige Samsung davor! Drei Punkte wären optimal gegen die Mexikaner, die nach dem Sieg gegen uns sicher mit so schweren cojones auflaufen, dass sie sich kaum bewegen können. In dem Fall hätten wir es auch für den Fall eines heute Abend errumpelten 0:0 gegen die Schweden noch selbst in der Hand.

Wie um Himmels willen KimLee allerdings ein Tor erzielen soll, da rätsele ich auch gerade drüber. Der Kollege aus Japan hat ja vom Prinzip her ein ähnliches Problem, dessen Sieg gegen Kolumbien kam durch Überzahl, einen Elfmeter und einen Kopfball zustande; alleine mit dem Ball am Fuß vorm Tor darf man die Racker nicht lassen, das gibt nur Gesichtsverlust. Die Fußball-Legende (eigene, glorreiche Bezeichnung) Kim Jong-Un vom Nachbarn darf man noch nicht bringen, der mexikanische Feldspieler hat zu wenig Körperfläche, um beim gezielten Anschießen die Hand zu treffen. Den VAR Room hacken, damit im entscheidenden Moment allen Schiris knalliger K-Pop in die Ohrmuscheln und Bildschirme rauscht, Ellenbogen gegen den Keeper raus, Gehirnerschütterung, Ball reintänzeln? Nee, das bringt der höfliche Koreaner nicht. Selbst wenn er vorher die Sergio Ramos-Kampf- und Arschlochschule in Madrid besucht hätte.

2014 gab es das Duell Südkorea gegen Russland und vielleicht liegt hier die Lösung:

Toller Publikumsservice: man konnte die Begegnung prima mit geschlossenen Augen verfolgen. Denn wenn es in Strafraumnähe ging, wurde man rechtzeitig von den spitzen Schreien koreanischer Mädchen aufgeweckt. Es müssen koreanische Mädchen gewesen sein, denn russische Männer dürfen glaube ich von Gesetz wegen nicht so schreien.

Also Mädels, schreit ihn rein. Irgendwie. Ihr seid unsere letzte Hoffnung, bevor wir selbst ran müssen.


Das Feelgood-Spiel dieser WM. Vogelwild auf beiden Seiten. 7 Tore. Respekt an Tunesien und mindestens Halbfinale für Belgien, bitteschön.

Ach Kim, ach Lee. Wieder einen Elfmeter fabriziert. Wieder gute Chancen liegenlassen durch Son. Aber kurz vor Schluss noch einen reingeschlenzt, um die Tipper zu ärgern. Kann man machen, hilft uns aber nix.

Brasilien – Costa Rica 2:0 / Nigeria – Island 2:0 / Serbien – Schweiz 1:2

„Denn sehet, ich gebe euch Hoffnung“. Und die Menschen sahen und Hoffnung ward in ihnen. Als der Jünger Ante den Ball auf sich zukommen sah, umtrieb ihn große Unruhe. Doch Gott (Abteilung Fußball) sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht! Gehe er hin und tue Gutes. So stoppe er nicht den Ball und spiele ihn zurück zu seinem weit entfernten Bruder im dunklen Gewande. Auch nicht laufe er auf den langen Dürren mit dem glänzenden Haupte, um zu fallen über ihn. Führe er auch nicht den Ball eng am Fuße, auf dass er vertändele.“

„AAALDER, WAS WILLSTE? SAG MA KONKREET AN, ALDER!“. „HERRGOTT! ROTZ‘ DAS DING VOLLE KNOLLE IN DIE MASCHEN, BRUDAAAAA! „GEHT KLAR, MACH ICH“. Und so kam es. Und es ward gut. Groß war die Freude. Nur das MessiAs weinte. Aber der soll sich mal zusammenreißen. Amen.

„NOCHMAAAAL, NOCHMAAAAAL“, ruft mir die auf dem Drucker stehende Plastikfigur des Baby Sinclair aus der Serie „Die Dinos“ entgegen.  Heute mittag bei Brasilien gegen Costa Rica? 0:3? Neymar am Boden? Weinend? Oho. Ja, gerne. Würd‘ ich nehmen.

Danach wird es richtig emotional. Die Isländer müssen gegen Nigeria gewinnen, damit sie die Niederlage der Gauchos gestern richtig ausnutzen können. 99,6% Einschaltquote verzeichnete in der Heimat ihr Auftaktspiel. 0,2% weniger als auf dem Höhepunkt der EM 2016, als man England rauskickte. Hat wahrscheinlich der verpeilte alte Einsiedler Grymml Grimmbartsson in seiner Hütte statt auf den Fernseher durchs Fenster hinaus auf die Geysire geglotzt und sich über das verwaschene Bild aufgeregt. Wie auch immer, ich drück‘ denen ab 17 Uhr die Daumen.

Über Serbien gegen die Schweiz hatte ich schon so viele Gedanken vorbereitet. Wer wäre uns im Achtelfinale genehmer? [Antwort: nicht die Serben] Wer käme unserer Spielanlage mehr entgegen? [Antwort: nicht die Serben] Wer würde ein Weiterkommen gegen uns ruhig zur Kenntnis nehmen und nicht groß drauf rumreiten, den Weltmeister aus dem Turnier geworfen zu haben? [Antwort: nicht die Serben]

Doch bevor das Ding am Samstag mit den Schweden nicht zur allseitigen Zufriedenheit gelaufen ist, grübele ich über diese Fragen nicht länger nach.


Harter Abnutzungskampf der Ticos gegen die Brasilianer, mit dem besseren und letztlich natürlich auch verdienten Ende für die Sambatänzer. Im zweiten Duell gewinnt das Duo Kuipers/VAR allerdings haushoch gegen Neymar, die alte Brühwurst. Ich könnte jetzt einen ganzen Absatz mit Beschimpfungen füllen über das kleine Meckerwiesel, das bunte Fallobst, das Frisurenwechselbalg, den Gewinner des „Goldenen Arschtritts wegen erwiesener Unsympathie auf dem Feld“. Aber das ist mir zu blöd.

Island, das Argentinien des Nordatlantiks. Messi wieder im Turnier. Musa nur gegen Nigeria gewinnen. Viel Spaß.

Abends schließlich ein sehr ansehliches Spiel zweier Mannschaften, die beide Tore schießen wollten und das auch hinbekamen. Das hätte ich mir eigentlich für alle WM-Spiele als Standardeinstellung gewünscht. Die Schweizer sind die ersten, die einen Rückstand in einen Sieg umdrehen konnten, Respekt! Und irgendwie hat auch der Kosovo gewonnen, wenn ich das richtig verstanden habe. Obwohl der nicht mal die Qualifikation geschafft hat.

Dänemark – Australien 1:1 / Frankreich – Peru 1:0 / Argentinien – Kroatien 0:3

„Messi, du alte Scheiße, fahr nach Hause und räum‘ mal auf. Wisch mal durch, kleiner Lurch, WISCH! WISCH!, WISCH!, LURCH!, LURCH!, LURCH!“. Seit dem Debakel gegen Mexiko sind meine Nebeneinnahmen als Song-Ghostwriter drastisch eingebrochen. Obige Premium-Refrainzeile etwa wurde mir eben von Mickie Krause zurückgeschickt. Wäre die Hymne zu einem möglichen Halbfinalduell unserer Elf mit den Gauchos geworden. Schadenfreudige, hirnlose Ballermannhits funktionieren halt auch nur, wenn die eigenen Jungs noch sicher im Turnier sind. Angesichts der dürftigen Ergebnisse beider Teams muss ich jetzt versuchen, dem hippen Nordatlantikinsulaner mit einem rumpeligen „HU! HU! Island Mann!“ auf der Melodie von „Dschinghis Khan“ ein Denkmal zu setzen. Ärgerlich.

Und damit zur heutigen Tagesübersicht. Ich fühlte mich gestern wie damals, als ich samstags morgens Examensklausurenkurs hatte. An einem Schreibplatz saß,  müde, unwillig, unbekömmlich war und viel lieber das Borg-Raumschiff im Star Trek: Next Generation-Flipper in der Studentenkneipe zu Klump geschossen hätte. Da legte mir grinsend der Kommilitone, der das Erste Staatsexamen bereits in der Tasche hatte, die Hand auf die Schulter und fragte: „Na, macht’s noch Spaß?“. Weinend mag man zur Beantwortung der Frage zusammenbrechen! Mein Tipp für Dänemark gegen Australien steht jedenfalls. Darf ich lösen, Herr Professor? 1:0, Herr Professor. Entweder Elfmeter oder Eigentor, Herr Professor. Wird kein sonderlich attraktives Spiel, Herr Professor.

Auf Frankreich gegen Peru setze ich heute meine Hoffnungen. Die Franzosen noch nicht ganz durch und nun mit den schweren Gegnern in der Gruppe konfrontiert. Peru unter Druck und mindestens zum Unentschieden verdammt, falls die dänische Konkurrenz nicht gewonnen haben sollte. Die können mit ihrer Spielweise glaube ich aber nur Hopp oder Topp. Durchaus gefällig in ihrem Auftaktkick, aber die Chancenverwertung lässt jedem Lotterieveranstalter das Blut rückstandslos in die Schwellkörper laufen.

Kroatien hat übrigens sein erstes Spiel 2:0 gewonnen. Weshalb sind die noch nicht Weltmeister?


Ansehnliche Partie zwischen Dänemark und Australien. Sehr feine Bude durch Eriksen, die Socceroos dank ihres patentierten Handelfmeters noch vor der Pause mit dem Ausgleich. Danach die Australier mit einigen spielerisch gut herausgearbeiteten Situationen. Verdientes Remis.

Peru: Sehr bemüht, gab alles, aber es war zu wenig. Mein bisheriger Gewinner des „Schade, dass ihr schon gehen müsst“-Trostpreises. Frankreich: Tat das, was es tun muss, mehr aber auch nicht.

„Steig‘ mir auf die Füße“ – das Spiel. Kroatien stärker, aber zunächst unkonzentriert im Abschluss. Für die zweite Hälfte gebe ich ab an die Spieltagslyrik:

AAARGCRO

Der Torwart setzt zum Lupfer an
Was Caballero gar nicht kann
Auf seiner Glatze perlt der Schweiß
Weil Rebic zu vollenden weiß

Der Lange im orangenen Dress
Bekommt von Modric diesmal Stress
Nun null zu zwei, WM verpatzt!
Ob heut‘ noch Maradona platzt?

Rakitic, der Schalker Recke
Wirft auf Messis Sarg die Decke
Getrauert wird heut‘ nacht im Stillen
Doch vorher: Sampaoli grillen

Portugal – Marokko 1:0 / Uruguay – Saudi Arabien 1:0 / Iran – Spanien 0:1

Freunde des einwandfrei herausgeholten Elfmeters, des Eigentors und der Standardsituation! Schönen Fußball mag ich das nicht nennen. Den kann, wie wir seit gestern Abend wissen, anscheinend nur der Russe. Heute machen wir das mal anders. Ich frühstücke in einem Beitrag alle Spiele des Tages ab. Gewichtige Gründe sprechen dafür. Erstens muss ich heute auf den Handwerker warten, weil der Wasserhahn in der Badewanne sanft vor sich hin sprudelt, ohne dass man ihn aufdrehen muss. Zweitens bin ich arg lustlos und drittens sind das eh alles Hasenspiele. Wie in der Mär mit dem Hasen und dem Igel. Nur ohne zweiten Igel, damit erst gar keine Spannung aufkommt. Ich erwarte dreimal fruchtloses Einigeln und drei Niederlagen. Wenn nicht, wäre ich aber auch beleidigt.

Hase 1: Portugal. Cristiano Ronaldo is beste, ich hab’s verstanden. Hat den Countdownzähler auf 10 gestellt. So viele Tore fehlen noch bis Klose. Vier heute, gegen die Saudis sechs – scheint machbar, wenn kein Marokkaner oder die eigene Mannschaft den Großartigen beim Alleinkicken stören. Mir wäre es eine riesige Freude, wenn CR7 im Finale den entscheidenden Elfmeter zum 1:0 verwandelt, indem er sich selbst mit der Hacke anschießt.  Vorher bestelle ich aber noch ein hübsches Grabgesteck für die Beerdigung des Fußballs.

Hase 2: Uruguay. Hat das Auftaktspiel 1:0 gewonnen. Wird die faktisch eh schon ausgeschiedenen Saudis mit demselben Ergebnis überrennen. Die Urus weiter, die Saudis kriegen in der Kabine ein paar Peitschenhiebe weniger, alle glücklich.

Hase 3: Spanien. Haben mir gegen Portugal Spaß gemacht, Moral nach einem Rückstand bewiesen, nicht so rumgeknoddelt wie in ihren schlimmsten Zeiten. Ich musste kein einziges Mal „Schließ doch ab, Amigo, schließ doch um Himmels willen einmal ab!“ rufen und nachts nicht mehr von dicken spanischen Austauschschülern bei der Intimrasur träumen. Lest es im Vorbericht zu Spanien gegen Portugal nach.

Die sollen jedenfalls weiterkommen. Also auch gegen Iran gewinnen. Jene sind zwar aktuell Tabellenführer, aber: Durchhalten bis einer (wegen eines Eigentores) weint ist nicht meine Definition von Fußball. Aber die weicht bis dato eh deutlich von dem ab, was die WM bisher bietet.


Puh. Hart erarbeitete, insgesamt drei Punkte in den drei Spielen des Tages. Kein weiterer Kommentar.