Spanien gegen Niederlande 1:5 (!!!!!!)

Kommt der Spanier zum FIFA-Sepp und sagt: „¡Hola amigo!, ich würde gerne wieder Weltmeister werden“. „JETZT IST ABER MAL GUT!“, empört sich da der Sepp lautstark, damit es jeder hören kann. Dann legt er dem Señor die Hand auf die Schulter und flüstert verschwörerisch: „Da wäre nun langsam aber wirklich ein Gebührli fällig, oder?“

  • Ein dummer, fiktiver Witz, der aber doch einen Kern an Wahrheit in sich trägt. Schon wieder Spanien wäre irgendwie langweilig und eigentlich nur für Weltenbrandfreunde interessant, wenn die Iberer auf dem Weg dorthin Brasilien ausschalten sollten. Was theoretisch schon im Achtelfinale passieren kann! Aber soweit wollen wir nicht gewaltfantasieren.
  • Spanische Mannschaften haben die Champions League und die Europa League gewonnen und erschreckenderweise finden sich viele aus deren Reihen auch im Nationalteam wieder. Die Recken Casillas, Ramos, Xabi Alonso, Xavi, Iniesta oder Villa, die das Finale von Südafrika trotz aller niederländischer Bemühungen körperlich verarbeiten konnten, sind freilich älter geworden. Allerdings lauert mit u.a. Koke, Juan Mata, Cazarlo und Diego Costa schon die nächste Titelklaubergeneration mit gespitzten Krallen. Vor allem Diego Costa ist ein echter Strafraumräuber, der alle klassischen Stürmertugenden in sich vereint und der dir beim Begriff „falsche Neun“ zur Demonstration mit dem Ball die Zähne aus dem Mundwinkel schießt.
  • Der niederländische Coach van Gaal führte hierzulande während seiner Zeit bei Bayern München die Redewendung „Tod oder Gladiolen“ in den verwunderten Sprachgebrauch ein. „Van der Vaart oder Robben“ trifft es in Bezug auf die Mannschaft eher, denn zwischen diesen beiden Extremen scheint alles möglich. Die Truppe hat eine überragende Qualifikation gespielt, vorne ist mit van Persie, Robben und Sneijder noch genug Klasse drin. Andererseits fehlt mit Kevin Strootman verletzungsbedingt ein funkelndes Juwel im Mittelfeld, die Abwehr ist erschreckend jung und möglicherweise nagt das frühe Ausscheiden bei der EM 2012 mit null Punkten am Selbstvertrauen. Wie auch schon damals können die Niederländer nur dann mein Herz wärmen, wenn sie den Schalker Klaas-Jan Huntelaar spielen lassen. Machen sie aber wahrscheinlich nicht.
  • Lustig könnten die Interviews mit van Gaal werden, denn der Mann ist ein Meister der perfektionierten Unberechenbarkeit, wie dieser Artikel anschaulich darstellt. Sollten die Oranjes diese heutige Partie mit 0:4 verlieren, hätte ich gerne Jochen Breyer im Interview mit van Gaal und der Eröffnung: „Na, Louis, schon zeitig die Tulpen eingepflanzt, damit sie pünktlich zur Heimreise blühen?“
  • Tippmäßig war ich schlimm unentschlossen und setzte auf „under 2,5“, also dass weniger als 3 Tore fallen. Vorher muss aber eben auch Kamerun gegen Mexiko gewonnen haben, was zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch nicht der Fall war. Hat sich dank KAMERUN!!!!!! erledigt.

  • Dicke Gladiolen für die Oranjes und der kleine Tod für Spanien. Moment, ich muss kurz nachfragen: Habe ich eben ein Testspiel gesehen und die in den weißen Trikots waren Gibraltar? Nein, das war ein verdammtes WM-Spiel und der amtierende Europa-Welt-Europameister ist vom Platz geschmirgelt worden!
  • Ich hatte mit einem 1:0 nach reichlichem Rumgeknoddele gerechnet. Vielleicht 2:0, wenn die junge Abwehr der Holländer Lehrgeld hätte zahlen müssen. Und nach dem Elfmeter sah es auch danach aus. Ob Diego Costa da nun wirklich gefoult worden ist, dürfte strittig bleiben. Ich sag’s mal so: wenn du dich so täuschend gut filigran statt plump hinlegen kannst, dass es wie ein Foul aussieht, fällt das unter den Kunstbegriff und ist daher schützenswert. Machte am Ende eh keinen großen Unterschied.
  • Der Ausgleich ein Traum, von dem Engländer heute Nacht noch Ergüsse bekommen dürften. Robin van Persie rushet und headet wonderfully nach kick from far outside. Spaniens Abwehr um Ramos schaut interessiert nach.
  • Zweite Hälfte: Aufruf der Chaostage in der spanischen Verteidigungszone. Vogelwild wäre da schon ein untertriebener Ausdruck. Robben dribbelt alle in die Steinzeit und trifft zum 1:2.
  • Das 1:3 dann wieder ein Schiedsrichterfehler, dem die Spanier die große Genickbrecherqualität anhängen werden. Hätte wegen eindeutiger Behinderung des Torwarts nicht zählen dürfen. Im dritten Spiel der dritte Aussetzer, so langsam sollte man wohl den Begriff „FIFA Referee Mistake“ (TM) markenrechtlich schützen lassen. Frédéric hat Recht – wenn es so weitergeht, kommt bald das Publikumsvoting per Handy.
  • Casillas danach im „Einer geht noch“-Modus, van Persie schiebt kurz vorm Lachkrampf ein zum 1:4. Robben kurvt alle ins Nirvana, 1:5. Und es hätten locker noch 2-3 Tore fallen können. Fragt mich morgen früh nochmal, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich nicht doch von einem Freundschaftsspiel Gibraltar gegen Niederlande geträumt habe.

Tore:

1:0 Xabi Alonso (27., Elfmeter)
1:1 van Persie (44.)
1:2 Robben (53.)
1:3 de Vrij (64.)
1:4 van Persie (72.)
1:5 Robben (80.)

Niederlande – Spanien 0:1

Vorbericht

  • Wer wird denn nun anstelle von uns Weltmeister? Spanien. Sagt jedenfalls Orakel-Krake Paul und so langsam bin ich kurz davor, das Viech für unfehlbar zu halten und einen Termin zur Ausrufung der Rückkehr von Cthulhu anzuberaumen. Gut, dass das Achttentakel nun in Glibber-Rente geht, sonst müsste die FIFA für die nächste WM nur noch einen Glastank an den Anstoßkreis schleppen, kurz die Hymnen der beteiligten Mannschaften bei dem Einlassen der Kisten anstimmen, Krake rein, Ergebnisbestimmung, Interviews mit den Trainern, Abgang. Würde Kosten sparen und so den Gewinn für Sepp & Co mächtig steigern. Wer nun Assoziationen irgendwelcher Art zwischen den Begriffen „FIFA“ und „Krake“ auf der Zunge spürt, sollte sie übrigens runterschlucken. Hab ich eben auch getan. Da kommen keine Anwälte mächtiger Fußballorganisationen mehr dran.
  • Wem drücken wir denn nun die Daumen? Das ist die nächste Frage. Der Niederländer ist laut eigener Nationalhymne ja von deutschem Blut (Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van Duitsen bloed), so dass man sagen könnte: „Hey, wenn schon nicht wir, dann halt was aus unser aller Herzpumpe“. Andererseits fährt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit heute Abend dann halb Holland über die Grenze und hält unsereins in den kommenden Jahrzehnten vor, dass man den Spanier besiegt hat, an dem wir noch gescheitert waren. Und dass sie einfach abgeklärter waren, deutscher gespielt haben als die Deutschen. Das im Zusammenwirken mit einem Grinsen in Mark van Bommels Gesicht lässt die Wahl schon deutlich schwerer werden.
  • Der Spanier hingegen könnte dem Größenwahn anheimfallen. Deutschland geschlagen, Weltmeister geworden, dazu immer noch amtierender Europameister, zu Hause nennen sie manch international eher erfolglose Mannschaft auch schon die Galaktischen. Die Schweizer würden darüber hinaus total durchdrehen und sich als Welt- und Europameisterbezwinger feiern lassen, niemand in der Folge des Überschwangs auf den CERN-Teilchenbeschleuniger aufpassen und wir verschwänden alle in einem fußballrunden, schwarzen Loch. Kurzgefasst: das Gleichgewicht der Fußballmächte würde schwer gestört werden. Weitere Folge eines spanischen Triumphs wäre aber auch, dass sich Neuseeland als einzige unbesiegte Mannschaft des Turniers brüsten könnte. Die dürften das Ende der Welt dann schon leichter akzeptieren und im Jenseits fortan für alle Ewigkeit den Australier aufziehen.
  • Am Ende entscheiden vielleicht sogar die königlichen Hoheiten. Nach jahrelangem Studium der „Echo der Frau im Spiegel mit Herz“ weiß ich glasklar Bescheid – Throninhaber- und Thronfolgerpaare kennen eigentlich nur zwei Gefühlszustände. Entweder ist was unterwegs („Sie hält seine Hand, er schaut an ihrem pastellfarbenen Kostüm herunter und lächelt. Sehen wir da etwa ein süßes Babybäuchlein? Sozialpsychologin Dr. Sigrun Bloed-Kuh analysiert“) oder es kracht hinter den Kulissen („Sie sucht seine Nähe, doch er hat nur Augen für das Spiel auf dem Platz. Hach! Wie lange geht das noch gut? Laut zuverlässig informierter Quellen vom Hofe soll sie nachts sehr oft weinen“). Mir gefallen die jungen Oranje-Thronfolger schon ein bisschen besser, aber heute soll ja auch der König von Spanien anwesend sein. Auch hier wieder der Blick in die niederländische Hymne: „Den Koning van Hispanje heb ik altijd geëerd. Den König von Spanien hab’ ich allzeit geehrt“. Das könnte direkt nach Abpfiff Krieg geben. Der Spanier weiß schon, weshalb er seiner Hymne immer noch keinen Text angedeihen lassen hat.
    • Ich entschuldige mich für den letzten Absatz. Da ist etwas mit mir durchgegangen. Wir sind hier in einem Fußballblog, also analysieren wir einfach kritisch die vorhandenen Spieler. Denn entscheidend ist auf dem Platz (hier übrigens die anderen Mannschaften dieser WM).

    • Meiner Meinung sind deutliche Vorteile für Holland zu erkennen. Dirk Kuyt liegt in meiner Gunst weit vorne, Mathijsen, Robben und Sneijder könnten spielentscheidend sein, mit van der Vaart hat man noch einen Trumpf in der Hand.

  • Der Spanier setzt mit Iniesta, Puyol, Ramos und Xavi gut dagegen – ich denke allerdings, dass Bert von Marwijk am Ende den besseren Riecher haben wird.
  • Wie immer die verehrte Leserschaft auch ihre Sympathien verteilt, ich schaue mir das Finale ganz gelassen an. Der Verlierer wird mit ziemlicher Sicherheit mehr geknickt sein als unsere Jungs vor vier Tagen. Denn wir haben bereits drei WM-Titel. Einer der beiden heute Abend wird die verpasste historische Chance bejammern müssen.

Nachbericht

  • Das war’s. Spanien ist Weltmeister, Holland zumindest für ein Spiel der Weltmeister der Härten (de Jong, van Bommel) und wir sind Weltmeister der Herzen, weil wir ohne Zweifel den besten und herzerfrischendsten Fußball des Turniers gespielt haben. Ich habe den beiden Finalteilnehmern extra noch die Chance gegeben, besser zu sein als wir – aber das haben sie vermasselt.
  • Ein bisschen langweilig war es ja schon und als selbst Jesus (Navas) den Zuschauer nicht erlösen wollte, hatte ich schon das Bild vor mir, wie die Spanier im Elfmeterschießen an ihrer zu ausgefeilten Technik scheitern. So aber versenkte Iniesta tatsächlich eine der gegen Ende herausgespielten Chancen zum 1:0. Ich denke, das ging auch in Ordnung. Ini ist ja die Abkürzung meines Nicknames, esta bien hintendran geschoben ergibt ein: „na gut“ und so lässt sich das ganze Finale zusammenfassen. Iniesta esta bien. Iniesta, na gut.
  • Nicht unterschlagen darf man das persönliche Muskel-Drama des Arjen Robben. Vor der WM verletzt, daraufhin bei einer Mischung aus Spezialdoktor und Medizinmann in Behandlung. Auf der Bank sodann die ersten Spiele hindurch die Oberschenkelmuskulatur gedehnt, bis sich die Kollegen durch das davon ausgehende, hochfrequente ZING!-Geräusch belästigt fühlten. Als er aber nach guten Bewegungen in den Ausscheidungsspielen samt Kopfballtor(!) im Halbfinale schließlich auf dem Weg zur Krönung alleine auf Iker Casillas zulief, machte prompt der Lupfmuskel zu. Keine Ahnung, wie der Lupfmuskel medizinisch korrekt heißt und wo er im holländischen Fußapparat bei aufkommender Torschuss-Panik zu finden ist, aber Arjen hätte sicherlich alles dafür gegeben, ihn zu aktivieren. Oder auf das spärlich behaarte Haupt ausweichen zu können. Wofür das Spielgerät aber wohl etwas zu dicht an der Grasnarbe lag. Obwohl: nach der vergebenen Chance hing der Kopf des Rasenwühlers tief genug. Um das Drama noch zu steigern, ärgerte sich Robben wegen seines Versagens und mangels Bauches eben ein Loch in den betreffenden Muskel. So hätte ich jedenfalls als Fußballverband seine aktuelle Verletzung erklärt und sämtliche Ansprüche der Münchener Bayern zurückgewiesen. Aber mich fragt ja keiner.
  • Ich für meinen Teil verabschiede mich nun auch von diesem Blog. Die nächsten Wochen werde ich leider die weiteren Reaktionen nicht mehr verfolgen können, denn der Teamarzt hat mich heute gedrängt, im Laufe des Tages ein Krankenhaus seines Vertrauens aufzusuchen. Ich bedanke mich für alle Kommentare, Verlinkungen, Lobpreisungen in Wort und flattr-Punkten. Bis zur EM 2012!
  • Schließen möchte ich wie schon bei der EM 2008 mit einem Lied. Vielleicht dem Lieblingslied von Jogi Löw, der ja ein großer Fan des Laufens ist – Diamond Head mit „Run“ aus dem Jahre 1993:

Diamond Head – Run auf Grooveshark anhören


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Uruguay – Niederlande 2:3

Vorbericht

  • Schiedsrichter-Ikone Walter Eschweiler ist in Aufruhr. Seit Beginn der WM hatte sich der Fußballgott nicht bei ihm gemeldet. „Afrika ist nicht so meine Baustelle“, hatte er offiziell zu Protokoll gegeben und sich als Vorbereitung für die nächste EM seinem neuen Lieblingshobby, den lustigen Spielmanipulationen in den unterklassigen polnischen und ukrainischen Ligen, gewidmet. Pünktlich zu den Halbfinalspielen klingelte nun aber doch das rote Telefon: „Sitzung heute nachmittag. Bin ernsthaft sauer“ lautete die knappe Anweisung.
  • „Mein Gott Walter, wie lange isses denn noch?“
    „Nun, Eure Ballherrlichkeit, wir haben zwei Halbfinals, ein Spiel um den dritten Platz und das Finale. Was hat Euch denn so erzürnt, dass Ihr nun eine Einmischung anordnet? War es die frühe Heimreise der Favoriten? Das Scheitern der Superstars aus der NIKE-Werbung? Die fehlenden afrikanischen Mannschaften im Halbfinale? Das kleine, dicke, weinende Maradona?“
    „Walter, alter Schwarzkittel, das ist mir doch Latte wie Pfosten. Über den Maradona habe ich sogar selbst kichern müssen. Aber der Uru, der Uru, das…, das ist ein Spitzbu! [Der Fußballgott hatte die Jahre zuvor so ziemlich alle saarländischen Mannschaften absteigen lassen und dabei den Dialekt gelernt; Spitzbu bedeutet in etwa kleiner, ungezogener Junge] Wie der sich durchs Turnier geschlichen hat, das geht nicht an! Da muss man was gegen tun! In einer Pille-Palle-Gruppe Erster geworden, dann gegen fußballerisches Mittelmaß wie Südkorea nur knapp gewonnen und schließlich den Ghanaer im Elfmeterschießen verhohnepipelt. Hast du den Suarez gesehen, wie der erst mit beiden Händen den Ball von der Linie schaufelt und sich danach grinsend von seinen Leuten feiern lässt? Wenn die ins Finale kommen, schieben die MIR das noch in die Schuhe. Kennst ja die Südamerikaner. „Hand Gottes, Wille Gottes, Querbalken Gottes“ und der ganze Kram. Ich muss auch an meinen Ruf denken!“
  • „Ja nun, wie soll es denn laufen, Eure Fußballhoheit?“
    „Okay, Walter, schreib in die Mannschaftsakte: schnelle 2:0 Führung durch Diego Forlan. Unspannendes Ballhalten und -rumgeschubse bis zur 87. Minute. Eigentor zum 2:1. Was ganz Unglückliches, aber auch was zum Lachen. Vollspann vom Verteidiger in den Winkel, so was in der Richtung. 94. Minute: gleich noch ein Eigentor. Vom selben Spieler! Verlängerung. 121. Minute: Robben zieht nach einem Pass auf die rechte Seite nach links Richtung Strafraum, schießt, Ball klatscht an den rechten Innenpfosten, tänzelt schnurgerade über die Linie, touchiert den linken Innenpfosten, prallt an den Popo des am Boden liegenden Torwarts und trudelt infolge eines unerklärlichen Flatulenzanfalls von Muslera ins Tor. Fertig. Der erste eingepupste Siegtreffer der WM-Historie. In HD und Dolby Digital Plus.“
  • „Und wer gewinnt das zweite Halbfinale, oh Hüter von Ballhalla?“
    „Ich mochte ja den Neuseeländer. Zähe kleine Hobbitse. Haben zudem auch kein Spiel verloren. Mach den Neuseeländer ins Finale, Walter.“
    „Würde ich gerne tun, aber die Kiwis sind leider ausgeschieden, weil sie einen Punkt zu wenig hatten. Wir wär’s denn mit den Deutschen? Deren Kapitän wäre rein größentechnisch auch prima als Frodo durchgegangen“
    „Na gut. Von mir aus. Ist zwar langweilig, aber ich mag kleine Kämpfernaturen. Leg beim Rausgehen nochmal die Herr der Ringe-Blu-rays ein und mach die Himmelstür hinter dir zu“.
    Zufrieden trug Walter Eschweiler ein 5:1 der Deutschen gegen Spanien ein. Wieder hatte er für seine Jungens eine weitere Runde klar gemacht.
  • Interessantes, aber sinnfreies Detail – mit einem 3:0 heute könnte der Niederländer doch noch Südamerikameister werden. Bisher liegen wir glatt mit 4:0 vorn, die Oranjes haben bekanntermaßen erst ein 2:1 auf dem Konto. Wünschen wir ihm dafür alles Gute, denn Weltmeister kann er ja leider nicht werden. Unseretwegen.

Nachbericht

  • Ich dachte schon, der Fußballgott wäre wieder so mies drauf wie bei der WM 2006 und würde dem Uru ähnlich damals dem Italiener noch ins Finale helfen. War aber auch so leicht gemein; zweimal durfte der letzte Südamerikaner Endspielluft wittern, nur um letztlich wegen eines Robben-Kopfballs sein Ziel zu verfehlen (dabei ist Robben das Wesen des Kopfballs üblicherweise so fremd wie der kraftvolle Schuss mit dem rechten Spann). Sein Ziel erreicht hingegen hat der Niederländer – nach über 30 Jahren kann er endlich wieder im Finale einer Weltmeisterschaft hinter uns Vizeweltmeister werden. Dafür schon jetzt meinen herzlichen Glückwunsch!
  • Ein Spiel mit Toren aus dem Nichts. Giovanni van Bronckhorst, die alte Abwehreule, die normalerweise alles jenseits der eigenen Spielhälfte doch nur noch schwummerig sieht, zerrt einfach mal aus über 35 Metern einen oben in den Winkel. Beim ersten Hinschauen dachte ich mir noch: „Wie hat sich denn der Muslera die Gelenke verrenkt, dass er da nicht rankommt?“. Aber der Schuss war wirklich sauber, der Uru-Torwart hat nur zu lange staunend hinterher geschaut und so lange im Kopf „uiuiuiuiuiui“ gemacht, bis er zu spät kam.
  • Auch der Ausgleich unerwartet und per Distanzschuss via Diego Forlan. Ich hol jetzt nicht den Edwin aus der verdienten Rente, aber ein gewisser Herr van der Sar hätte den locker rausgefischt und als Matjes zwischen zwei Brötchenhälften eingearbeitet, egal wie der auch gezappelt haben mag. In dem Moment sind wahrscheinlich Podolski und Trochowski, unsere beiden Schussbolzen vom Dienst, sofort zum Trainer gerannt („Jogi, wir wissen, wie man den Holländer schlägt!“) und sind dann raus aufs Trainingsgelände, eiernde Bälle produzieren.
  • Der Uruguayer ist nicht mehr der Holzhacker von früher, das muss man sich eingestehen. Aber er erschafft doch noch erinnerungswürdige Szenen voller körperlichem Einsatz. Siehe die Steigerung des bekannten „Fallrückzieher am Mann“ durch die eingesprungene Figur „Fallrückzieher in den Mann“. In dem Fall die #14 der Elftal, Demy de Zeeuw. Auf meinem Fernseher sah es so aus, als würde dem armen Kerl das halbe Gebiss rausfliegen. Dabei war es nur ein Grasbüschel. Analoges Fernsehen regt halt anders als HD noch die Fantasie an.
  • Zweite Spielhälfte: einen so gemein und heimlich flach unten reingezwirbelt, dass die Abseitsfalle zu lange überlegen musste, ob sie nun zugeschnappt war oder nicht. Obendrauf das Kopfballunikat von Robben. Das schien’s gewesen zu sein. Aber einen durfte der Uru dann doch noch machen, die Nachspielzeit schien sogar extra lang, um ihn besonders verzweifeln zu lassen. Der gesperrte Suarez hat darüber diesmal bestimmt nicht lachen können.


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Niederlande – Brasilien 2:1

Vorbericht

  • Zwei Tage ohne Fußball und schon krieg ich Gicht in den Fuß. Ohne Witz! Direkt Dienstag Abend nach dem letzten Spiel fing mir der dicke Onkel an meinem rechten Vollspannvollstrecker anzuschwellen. Die folgenden Stunden bin ich schlimmer durch die Gegend geeiert als der Italiener, der Franzose und der Engländer zusammen über die Fußballfelder dieser WM. Gestern rasch zum Dr. Müller-Wohlfahrt der Allgemeinmedizin im Ort und eine Spritze sowie ein paar Tablettchen später geht sich’s einigermaßen wieder. Jogi wird nun aber wohl endgültig nicht mehr anrufen („Hökschte Konzentration isch subber, abba nich‘ in d’r Harnsäure, ha noi“).
  • Wird denn heute gezaubert?“ Bei den sich heute duellierenden Mannschaften kommt man sich schon ein bißchen vor wie der hoffnungsvolle kleine Junge beim Einlass in die Zirkusmanege. „Gibt’s was zu gucken, was zu staunen, was zu raunen?“ Oder laufen die doch nur wieder in ihren knallbunten Hemdchen auf, schieben sich die Bälle zu wie Buchhalter die Fehlkalkulationen, bis einer weint und die Akte nicht richtig einsortiert bekommt? Woraufhin ein Tor gegeben und ein Sack mit neuen Ordnern verteilt wird. A propos Zirkus: ich würde meine Kinder nicht mit einem Clown spielen lassen, der sich „Das lustige Kaka“ nennt – aber ich schweife ab.
  • Ich glaube, beide Trainer können die Frage des Buben aus dem letzten Absatz beantworten. Wahrscheinlich würden sie sagen: „Junge, Fußball ist nicht mehr Zauberei. Es geht darum, zu gewinnen. Am besten mit einem Tor mehr und ohne anzuecken, sich überanzustrengen oder den Sponsor zu verärgern. Aber wenn wir heute Nachmittag ausscheiden, heben wir uns einen Trick doch noch für die Fans auf. Dann sind wir nämlich schneller wieder am Flughafen und weit in die Welt verstreut, als die uns Abracadabra nachrufen können!“
  • In jedem Fall ist das ein würdiges Spiel für ein Viertelfinale. Hat sogar das Flair eines möglichen Halbfinales oder gar Endspiels. Paraguay – Spanien und Uruguay – Ghana hätte ich jetzt als gehobene Vorrundenbegegnungen bzw. maximal Achtelfinals verortet.  Wenn ich jetzt meine Sympathien in die Runde werfen sollte, wären die Niederlande leicht vorne. Stichwort Südamerikaüberschuss und so. Und der Brasilianer heult auch viel schöner, wenn er als Verlierer vom Platz geht.
  • Unglaubliche Nachricht: Johann Cruyff, holländische Fußball-Legende und orangefarbene Personalunion von Statler & Waldorf hat die Brasilianer scharf kritisiert. Zitat: „Es ist eine Schande für die Fans und das Turnier. Normalerweise verfügt Brasilien über eine Mannschaft, die die Menschen gerne spielen sehen wollen…. Ich habe kein Geld übrig für eine Eintrittskarte, um Brasilien spielen zu sehen“ –  mmmh, wahrscheinlich sind deshalb so viele Plätze bei dieser WM leer. Der Afrikaner hat ja auch seinen Stolz. Obwohl: der letzte Satz des Zitats könnte auch als finanzieller Hilferuf gedeutet werden. Den hätte ich jetzt aber eher dem Südafrikaner zugetraut.

Nachbericht

  • Das, meine Herrschaften, war mal ein Fußballspiel! Eigentlich lag der Brasilianer schon uneinholbar vorne, als er die von Mathijsen hinterlassene Lücke (gefühlt so groß, um die Titanic drin untergehen zu lassen), durch ein witzig gemeintes 50-Meter-Pässchen zum 1:0 durch Robinho nutzt. So witzig gemeint, dass die Niederlände alle stehen blieben und lachten, weil plötzlich Robben verteidigen sollte.
  • Aber dann keilte der Niederländer mit mitteleuropäisch geprägtem Anti-Samba-Fußball die Südamerikaner doch noch aus dem Turnier. Nix Hackentrick, nix Doppelpass, nix SuperMove aus der Playstation, sondern grob reingeschnittene Flanke (1:1) und herzhaft eingehackter Kopfball nach Eckball (2:1). Sneijder macht den Metzger der brasilianischen Verteidigung.
  • Und was macht der Selecao-Mann, wenn er hinten liegt und die Zeit davon läuft? Nachtreten und vom Platz fliegen. Immer noch eine der natürlichsten Reaktionsketten, die ich kenne. Genauso wie theatralisches Beglubschen und Befuchteln so ziemlich aller Schiedsrichterentscheidungen zuvor. Der Schiri hieß übrigens Nishimura und nicht wie die Raumstation aus Dead Space Ishimura – hat mich als Gamer die ganze Zeit leicht wahnsinnig gemacht, sodass ich nachgucken musste.
  • Ehrliche Einschätzung: mich freut’s. Vielleicht hätte es die Mannen um Carlos Dunga schon eher treffen können, heute konnten sie zumindest in der ersten Hälfte ab und an zaubern. Zu viele südamerikanische Mannschaften im Halbfinale hätten die Leute aber auch wohl zu größenwahnsinnig werden lassen. Nun ist ein Großer zumindest auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Morgen folgt der nächste. Und die Oranjes kämpfen wir im Finale nieder – mit Freistoß, Kopfball und Eckball. Das heben wir uns bis dahin auf.


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Niederlande – Slowakei 2:1

Vorbericht

  • Ich bin heute schon wieder so was von entspannt. Siege der deutschen Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften scheinen wirklich gesundheitsfördernd zu sein. Viererpack gegen Herzinfarkt, Müller-Tor beugt Hirnschlag vor, mit Miro Klose rockt die Hose, dank Poldi wieder auf die Oaldi. Nur zu Schweinsteiger fällt mir jetzt nichts ein.
  • Seltsames tut sich im Trainingslager der niederländischen Auswahl. Wenige Stunden vor dem Achtelfinale ließ Bonds-Coach Bert van Marwijk eher ungewöhnliche Übungseinheiten anordnen. Elfmeterschießen mit einer Orange auf dem Kopf, 100 Meter Langsam-Trotten, gemeinsames Bong-Reinigen, lockeres Danebensemmeln aus der Distanz und schmucklose Hackentrick-Fehlpässe. Arjen Robben, der wegen Unterforderung zu rebellieren drohte, erhielt umgehend den Hinweis, dass seine Schnelligkeit und Agilität im gegenwärtigen System keinen Platz hätten.
  • Zufrieden kehrt Marwijk nach erledigter Arbeit zurück in seinen beschaulichen kleinen Wohnwagen, zieht die Vorhänge zu und widmet sich seinem kleinen Geheimnis, das niemand erfahren darf. Eine Vinyl-Single der Gebrüder Blattschuss aus dem Jahre 1978. Damals, als seine Landsleute das letzte Mal in einem WM-Finale standen. Sanft legt er die Nadel des Plattenspielers auf die Rille und wartet auf seinen großen Moment: die Liedzeile, die er selbst umgetextet hat und immer tonlos in sich hineinschreit: HOLLANDS WM-TOUR WIRD LANG, HOLLANDS WM-TOUR WIRD LANG. ERST FANGEN WIR GANZ LANGSAM AN. ABER DANN. ABER DANN!
  • Der Slowake hingegen wundert sich. Ist er wirklich noch im Turnier? Hatten seine Kollegen nicht erst kürzlich gepackt? Nein, es war der Slowene, der leise Tschüss gesagt hatte und hoffentlich nicht in das falsche Land abgereist war – das wäre eine unangenehme Überraschung am Flughafen von Bratislava geworden. Robert Vittek, derzeit lustlos bei Ankaragücü in einem Leihgeschäft gefangen, weiß um seine Torjägereigenschaften: „Ich machen wie bei drei Tore vorher. Wir nicht spielen gut, aber ich schießen Tor und Sieg und alles gut“. Blöd nur, wenn der Gegner auf dem Platz  genau die selbe Taktik hat.

Nachbericht

  • 1:0 für Holland!„. „Ach Mist, das hab ich jetzt verpasst. Kannst‘ es mal beschreiben, ich hab doch dieses WM-Tagebuch, wo ich über die Spiele berichte“. „Also, der Robben kriegt einen langen Pass auf rechts, läuft, zieht nach innen, haut mit links drauf und drin ist das Ding„. „Ja, nee, is klar“. „Was denn? Genau so war’s!„. „Quatsch, du hältst mir wieder das Tor vor, dass er im Pokal auf Schalke erzielt hat“. „Glaub’s mir, genauso war’s. Der kann gar nicht anders„. „Ist gut, ich schau’s mir selber an. Danke für nichts“.
  • Ein Treffer und dann Spielkontrolle, Ballberuhigung, Passverwaltung. Nichts ist mehr mit dem ungestümen Sturm und Drang. Gestümes Abwarten, Malgucken und vielleicht kurz ein, zwei Chancen abliefern ist der aktuelle Trend im Fußball. Fast hätte es sich gerächt, denn die Slowakei ist zweimal frei im Strafraum, doch diesmal kriegt Robert Vittek das Tütchen mit dem Instant-Kill nicht auf, die Suppe bleibt unversalzen.
  • Fehler von Mucha (dessen Namen irgendetwas Beruhigendes hat, ich wiederhole den reflexartig, wenn ich ihn höre – Mucha), Kuyt legt rüber auf Sneijder, Mahlzeit. Beim Elfmeter von Vittek haben die Niederländer schon die Schlafanzughosen an. Schonen heißt es, denn als nächstes wartet wohl der Brasilianer. Der macht ja seit neuestem auch nicht mehr als nötig.

Dänemark – Japan 1:3 / Kamerun – Niederlande 1:2

Vorbericht

  • Nun also der Niederländer. Gegen Kamerun. Vor der WM hätte ich gesagt, dass das eines der Topspiele sein müsste. Samuel Eto’o gegen Arjen Robben, da wird der Rasen zur Aschebahn und der Ball zum Hochgeschwindigkeitsobjekt. Und nun guck ich es nicht mal, weil Kamerun bereits draußen ist und der Elftal wegen des besseren Torverhältnisses der erste Platz in der Gruppe praktisch nicht zu nehmen ist. Glücklicherweise läuft die Partie heute auf RTL, da fällt es leichter, Dänemark gegen Japan den Vorzug zu geben. Dabei hat der Jauch sicher extra den Mario Barth eingeladen, damit der blöde Witze über den Holländer reißt (Hömma. Freundin. Wohnwagen. Autobahn. Haha!). Oder den van Bommel voll lustig nachmacht. Vielleicht sogar den Klinsi! Ich werde es nie erfahren.
  • Also Dänemark gegen Japan. Meine Sympathien sind klar verteilt. Während der Däne zumindest gegen Kamerun eine tolle Leistung abgeliefert hat, konnte der Japaner bei mir noch keine Wurstscheibe vom Brot, äh, kein Sushi vom Teller ziehen. Ich find den Trainer von denen auch so erschreckend lustlos. Der sieht aus, als dürfte er beim Abendessen nur mürrisch in den Fischköpfen herumstochern. Dann doch lieber Morten Olsen, den alten Haudegen, der ja mittlerweile von den Trainerbänken dieser Welt mit Vornamen begrüßt wird.
  • Die Ausgangsposition ist klar: Dänemark muss gewinnen, Japan reicht ein Unentschieden. Was auf erhöhte Verteidigungsbereitschaft der Nipponmannen hindeuten könnte. Spielt gar der bisher in jedem Spiel von mir geforderte Atsuto Uchida? Ich lasse hier nicht locker, bis ich den mal in Aktion gesehen habe! Ansonsten befürchte ich, dass das ein ziemlich langweiliger Abend werden könnte. Gut, dass mir die Pizza, die ich nebenbei essen werde, als schöne Erinnerung an ein anderes Spiel dieses Tages dienen wird.

Nachbericht

  • Die psychotherapeutische Fachliteratur hat ein neues Forschungsthema. Ball Hui Tor-Phobie oder auch: die Angst vor japanischen Freistößen. Dänemarks Keeper Sörensen ist der meines Wissens nach einzige internationale Patient, hat seine Krankheit heute aber mutig zur Schau gestellt. Zwei direkt verwandelte Freistöße reingelassen und sich einen dritten fast selbst reingeschubst. Überhaupt scheint der Japaner einen neuen Exportschlager vermarkten zu wollen – den Fernschuss aus Fernost. Dabei war das bisher doch unsere Domäne, siehe meinen Merkspruch „fear ze power of the german weitschuss“ vom WM-Tagebuch 2006. Aber Özil hat ja schon einen Anfang gemacht.
  • Weiterhin chronisch unbehandelt geblieben ist die Torchancenversieberitis von Jon Dahl Tomasson. Mit Müh‘ und Not einen Elfmeter nachträglich reingehumpelt und ein knappes halbes Dutzend Mal dem Chancentod herzlich die Hand geschüttelt. Damit ist Dänemark draußen und der Vertrag von Morten Olsen wird diesmal vielleicht nur um zwei weitere Jahre verlängert – ab 2012, denn bis dahin bleibt er sowie der Trainer.
  • Sollten wir im Laufe des Turniers wirklich auf den Japaner treffen, hier ein wertvolles Schulungsvideo (ich habe eh so das Gefühl, dass deren aktuelle Mannschaft viel von dieser Serie gelernt hat):
  • In der anderen Partie (die ich nur in Ausschnitten verfolgt habe), hat der Kameruner gut gekämpft, aber der Niederländer gewonnen. Schauer über den Rücken hat mir der Kurzauftritt von Robben gejagt – da kommt ab dem Achtelfinale was zu auf die Gegner.

Niederlande – Japan 1:0

Vorbericht

  • Der Japaner versucht sich heute als Robbenfänger. Ich wollte jetzt gerade von der problematischen Beziehung des Asiaten mit dem Flossenfüßer anfangen, da fiel mir ein, dass der Japaner ja eher dicke Löcher in Wale bohrt als Robben hinterherjagt. Mit den tierischen Zeitgenossen befasst sich eher der Kanadier auf die unschöne Art. Hat der ein Glück, dass er nicht bei der WM mitmachen darf, dem würde ich was erzählen! Aber zurück zu Arjen. Gut möglich, dass der heute spielt. Würde mich freuen. Die japanische Abwehr hatte gegen Kamerun (KAMERUN!) ja so gut wie nichts zu tun. Reimt sich und schmerzt mich hinzuschreiben.
  • Von den Asiaten im Turnier hat mich der Japaner trotz seines Sieges am meisten enttäuscht. Frisurtechnisch machen die fast alle auf wilden Samurai bis harten Grungerocker (ganz im Gegensatz zum Nordkoreaner, der die Bum Kun-Cha-Einheitsfrisur aus den 80ern aufträgt), aber wenn der Ball in ihre Nähe kommt, wird’s handzahmer Kuschelrock mit stumpfem Taschenmesser statt Hattori Hanzo-Schwert. Wenn doch wenigstens der Neu-Schalker Atsudo Uchida auflaufen würde, damit ich dessen Spielkunst kritisch würdigen könnte.
  • Der Niederlande hat im ersten Spiel gegen Dänemark nicht überzeugen können. Aber gewonnen und darauf kommt es an. Hoffentlich liest von unseren Nachbarn im Westen niemand den vorhergehenden Satz. Er könnte das Geheimnis für den WM-Titel in sich tragen! Also, liebe Oranjes, spielt heute mal wieder jubeltoll und wunderbar – kann doch nicht sein, dass die Vorrunde ohne fußballerische Demonstration von Sneijder & Co. zu Ende geht.

Nachbericht

  • Direkt und offen heraus damit: mich hat das Geschehen auf dem Platz (es muss so nach 20 Minuten gewesen sein) in den Schlummer getrieben. Ich habe nur noch orangene und weiße Rechtecke gesehen und als ich aufwachte, erzählte Philip Lahm gerade etwas auf einer Pressekonferenz. Ich bin untröstlich. Hiro, reiche mir mein treues Harakiri-Schwert. Moment, da soll gar nichts passiert sein? Puh. Dennoch als kleine Entschädigung folgender kostenloser Rat, wie man 45 Minuten unterhaltsamer gestalten kann. Normalerweise bin ich ja nicht als WM-Spiele-Befasler, sondern US-TV-Show-Abhängiger unterwegs. Und in dieser Eigenschaft kann ich guten Gewissens sagen, dass die dritte Staffel von Breaking Bad richtig super geworden ist.
  • Ist das die neue Taktik der Niederländer? Abwarten, bis sich der Gegner selbst einen reinlegt? Zu meiner aktiven Torwartzeit hat mir das Lehrbuch von Sepp Maier folgendes beigebracht: Schüsse zur Seite abwehren. Wenn’s gar nicht anders geht, halt nach vorne. Ins Tor ist ganz schlecht.
  • Danach plötzlich der Japaner wie mit einem Toyota inklusive eingeklemmtem Gaspedal unterwegs und mit Okubo am Steuer. Die Orangehemden kontern, kriegen den Käse aber nicht ins Tor gebacken. Kurz vor Schluss gar eine Riesenchance für Godzillas Erben, aber wenn’s drauf ankommt, kriegt die Reisschüssel eben den Torwärtsgang nicht rein. Sieg für die Niederlande, die diese WM wirklich ernsthaft knacktrockenen Ergebnisfußball anbieten will. So werden die noch Weltmeister. Herr Marwijk, bitte hören Sie auf, hier drin mitzulesen!