Schweden – Frankreich 2:1

Vorbericht:

  • Ein Wohlfühlhallo in die Runde! Mein Name ist Dr. Bettina Hohl-Nuss von der Werbeagentur Schönfärb & Wort-Müll. Sie kennen uns vielleicht noch von unserer spektakulären Kampagne Holländer? Nicht während meiner Arbeitszeit! mit Dr. Dieter Hundt während der Fußball-WM in Südafrika. Aktuell zeichnen wir für die Aktion „Dritte Plätze sind was für Männer!“ verantwortlich, die derzeit großen Anklang findet und die Reputation des Frauenfußballs mit Sicherheit nachhaltig fördern wird.
  • Weil dem Stammautor dieses Blogs bis auf den gemurmelten Hinweis „Interessiert doch eh keine Sau“ nichts zum Themenkomplex „Spiel um den dritten Platz“ eingefallen ist, möchte ich im Folgenden dankbar die Möglichkeit ergreifen, unseren freshesten & hottesten marketing pitch zu präsentieren: Du hast gekämpft. ALLES gegeben. Rückschläge konnten dich nicht aufhalten. Das Ziel liegt vor dir. Es ist an der Zeit, dir alles zurückzuholen. Andere waren nur dabei. Du bist die 3Be all you can be. BE A THREE (powered by Käsfüssener Latschenkiefer, der Nr. 3 im Fuß- und Beinpflegemarkt mit Duftextrakten).
  • Bei den Männern gab es letztes Jahr für den Trizeweltmeister einen neuen Bundespräsidenten, der die Medaillen verteilte, eine geschüttelte Hand vom Blatter Sepp und zum guten Schluss eine dicke Umarmung von Onkel Theo. Zweifelhaft, ob der Wulff extra deswegen abdankt, aber sonst kann diesmal wieder alles drin sein. Vor allem letzteres scheint mir ziemlich sicher. Der Theo lässt doch nix anbrennen, wenn er die Bompastor, die Boulleau, die Landström und das Lottchen knuddeln kann.
  • Die Schwedinnen wollen in Sinsheim nochmal alles geben, um am Ende ihren Hoppsala-Tanz aufführen zu können. Frankreichs Trainer Bruno Bini hingegen hält gewohnt knallhart dagegen: „Vor zwei Monaten hätte keiner einen Cent auf uns gesetzt. Jetzt haben wir uns für Olympia qualifiziert und spielen um den dritten Platz. Ich sage Ihnen: Das Leben ist schön!“. Klingt schwer nach laissez-faire bzw. laissez-gagner. Um am Ende dann doch mit einem Baguette unter dem Arm und einer Flasche Wein in der Hand selbst zu tanzen.

Nachbericht:

  • Die haben meine Sonia Bompastor ausgebuht! Schämen sollen die sich, diese Zuschauer! Wie kann man nur? Das arme Ding war nach Schlusspfiff ganz brutzig und das vollkommen zu Recht. Erst Opfer der bisher einzigen und mit einer roten Karte ausgezeichneten Tätlichkeit in diesem Turnier werden und dann vom Publikum bei jedem Ballkontakt Schmähungen ertragen zu müssen, das haben wir ja gerne. Wenn Frauen treten, zerbrechen Seelen. (Ja, kann sein, dass Madame auch ein bisschen ausgekeilt hat, aber das war im Überschwang und maximal gelbwürdig)
  • Eine angenehm zu verfolgende Partie mit schönen Toren. 29. Minute: Lottchen schenkt zum zweiten Mal im Turnierverlauf ein, weil die französische Torhüterin sich gewohnt verschätzt und beim Rauslaufen zu spät kommt. Un autre jeu, un autre boc – ein weiteres Spiel, ein weiterer Bock.
  • Der Ausgleich durch Thomis in der 56. Minute mit einer Seltenheit bei dieser Weltmeisterschaft. Der platzierte Flachschuss wurde bisher so gar nicht gepflegt, wenn ich zurückblicke. Fans dieser Torerzielungsmethode werden also auch nicht enttäuscht. In der Folge entwickelte sich das typische französische Spiel: gut nach vorne, aber wenn es an den Abschluss geht, möchte man einen traurigen Chanson anstimmen. Trotz Überzahl gelingt es der französischen Auswahl nicht, ihre Überlegenheit in Tore umzumünzen.
  • So kommt es, wie es gerne kommt. Nach einer falschen Eckball-Entscheidung hämmert Hammarström die Kugel unter die Latte. Sehenswert und endgültig den Französinnen den Spaß verderbend. Am Ende tanzen die Schwedinnen und dürfen die Abwesenheit von Onkel Theo Zwanziger beklagen, der stattdessen Innenminister Friedrich zur Medaillenvergabe vorgeschickt hat. Eine großzügige Geste, so konnte der Mann endlich mal nicht übersehen werden und sich ihm freundlichen gesinnten Menschen gegenüber sehen.
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Frankreich – USA 1:3

Vorbericht:

  • Das erste Halbfinale mit den Drama-Queens. Und ich weiß gar nicht, von wem ich mich trennen soll. Beide lagen in der regulären Spielzeit zurück, beide trafen kurz bevor der Mannschaftsbus Richtung Heimat vorfuhr, beide gewannen im Elfmeterschießen und beide haben mir echte, herzliche Freude bereitet.
  • Natürlich mussten die Amerikanerinnen noch eine Spur epischer den Sieg davontragen, denn sie traten gegen das Böse an featuring Marta, der Meckerhexe mit dem magischen Fuß und Erika, der zaudernden Zombiefrau, die zwar nur langsam zum Fallen zu bewegen ist, dann aber hurtig von der Bahre springt und rasend schnell wieder auf das Feld spurtet. Ein Albtraum übrigens für alle Zombiefreunde, denn üblicherweise schlurfen diese Gesellinnen ja eher gemächlich. Mit ein paar Erikas allerdings wäre der durchschnittliche Zombiestreifen bereits nach wenigen Minuten rum, denn welches Opfer leistet nach einer erschöpfenden Auseinandersetzung noch Widerstand, wenn die tödliche Gefahr plötzlich putzmunter fidel wieder vor einem steht und durch ein Loch in der Schädeldecke nach seinem Gehirn puhlt? Gut, dass die US-Damen sich kurz vor der finalen Lobotomie am Spirit of the Brave sowie der Hope of the Free gepackt und am Ende doch die Welt gerettet haben.
  • Die Französinnen hingegen kamen über England im Elfmeterschießen weiter. Das ist zwar immer wieder schön anzusehen, aber so spektakulär, frisch und bemerkenswert wie die FIFA-Hymne, die beim Einlaufen der Mannschaften ertönt. Komponiert von Franz Lambert, dem Orgelgott aus Heppenheim. Muss man sich einfach mal in kompletter Länge reinziehen, da groovt es dir die Gedärme durch, da kriegst du Lust, deine alte Bontempi anzustöpseln und krasseste Sounds in den Äther zu schicken. Diese Nummer werden wir wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit hören, aber dennoch schlage ich eine Alternative vor. Das Thema zu „Game of Thrones“ in einem feinen Mashup, das meiner Meinung nach noch viele tausend Views mehr verdient hat. Nach DEM Einstieg würde ich sofort jemanden heroisch umtreten wollen:
  • Frankreichs Trainer Bruno Bini sichert sich weiterhin nach allen Seiten ab. Für ihn war klar, dass nur Deutschland Weltmeister werden kann. Wahrscheinlich bekommt man vor dem Spiel gegen die USA nun zu hören, dass er es als Ehre empfindet, mit seinen Frauen gegen denselben Ball treten zu dürfen wie die Amerikanerinnen. Dabei werkelt der alte Luchs schon an einem Kniff: im offiziellen Vorbericht auf der FIFA-Seite wird enthüllt, dass sich die Französinnen unmittelbar nach Sichtung des Viertelfinals USA – Brasilien mit Hamburgern stärkten, um den Kräftverlust gegen England auszugleichen. Alles mit dem Segen der medizinischen Abteilung. Burger-Doping gegen die Amis – muss man auch erst mal drauf kommen.

Nachbericht:

  • Mon petit chou, je suis désolé. Meine Herzdame Sonia Bompastor wird nicht Weltmeisterin. Allerdings verstehe ich nach diesen 90 Minuten, weshalb die französischen Rundfunkanstalten sich schwer tun, Spiele der Frauenmannschaft zu übertragen. Die waren wohl mal beim Training der Torhüterin dabei.
  • Der Reihe nach: In der 6. Minute meine ich Angela Merkel unter einem zartroséfarbenen Regencape erspäht zu haben. Aber weilt die nicht gerade irgendwo in Afrika? In der Tat. War nicht Angie, sondern die Mutter von Abby Wambach. Vom Gesichtsausdruck und der Begeisterung in den Augen könnten die beiden Zwillinge sein.
  • Frankreich beginnt offensiv, Decib setzt einen gefährlichen Schuss aufs Tor, doch quasi im Gegenzug das 0:1 durch Cheney, die eine Hereingabe von O’Reilly verwertet. Claudia Neumann freut sich wieder so deftig über das „Hineinspritzen“, dass selbst ich mich als Mann unwohl fühle.
  • So aber der 25. Minute dominiert Frankreich, die Amerikanerinnen hat eine gewisse Heldenmüdigkeit erwischt. Aber noch lassen die Französinnen zu viele Schussmöglichkeiten liegen. Verdaddeln nennt das die Reporterschaft. Immerhin trifft Bompastor in der 33. Minute die Latte. Es geht noch etwas.
  • 55. Minute. Mesdames et messieurs, je présente: Bompastor mit dem 1:1. War möglicherweise als Flanke gedacht, Thiney war jedenfalls keineswegs dran, mein Herz pocht vor Freude, das Schätzelein hat eine Bude gemacht. Félicitations! Die Amerikanerinnen tun weiterhin nichts mehr außer Hinterherlaufen. Ich will jetzt die Französinnen im Endspiel haben.
  • Die wiederum haben keine gute Torhüterin. Okay, das ist nichts Ungewohntes, die Franzosenmänner sind aber schließlich auch mit Fabien Barthez in der Kiste Weltmeister geworden. Sapowicz allerdings ist nochmal eine Handelsgüteklasse tiefer anzusiedeln. Erkennt man schon bei einem Freistoß in der 70. Minute von Rapinoe, der einzigen richtig ansprechenden Aktion der Amerikanerinnen in der zweiten Hälfte bis dahin.
  • Ecce ist lateinisch und – das wissen wir kleinen Latinumsinhaber – heißt übersetzt etwa: „Siehe da“. Das muss die französische Torhüterin auch in der 79. Minute staunend gedacht haben, als sie Wambach mit ihrer freundlichen Unterstützung das 1:2 einköpfen lässt. Drei Minuten später läuft sie sinnfrei aus dem Tor, um von Morgan zum entscheidenden 1:3 überlupft zu werden.
  • Schade, ich hätte es den wirklich gut aufspielenden Madames von Herzen gegönnt, ins Finale einzuziehen. Aber gut vorne zu sein reicht alleine nicht, wenn hinten der Mangel regiert und zum Toreschießen einlädt. Trotzdem: die Schande der Männer aus dem letzten Jahr haben die Frauen von meiner Warte aus einigermaßen auszubügeln vermocht.

England – Frankreich 4:5 (n.E.)

Vorbericht:

  • Sie ist angebrochen – die Woche, auf die Linda Bresonik schon so leidenschaftlich schwer hingearbeitet hat. Die Woche, in der mir Cristiano Ronaldo während Weltmeisterschaften immer die meiste Freude bereitet. Die Woche, in der Millionen britischer Fußballfans die Rückkehr ihrer Frauenauswahl mit einem „so f*cking what“ kommentieren werden. Ja, es ist die Woche der Ausscheidungsspiele.
  • Beginnen wird sie mit dem europäischen Klassiker England gegen Frankreich. Und vielleicht wird dabei eines der größten Geheimnisse gelüftet werden: Was reden Frauen eigentlich während dieser entscheidenden 90 Minuten und mehr auf dem Platz miteinander? Bei den Männern ist die Sache relativ klar erfassbar: „‚SchhaudiraufsMaul“, „‚Schmachdischplatt“, „Arschlochwichserhurensohn“ oder, für gebildete Abwehrspieler wie etwa Per Mertesacker, „Deine Frau liest heimlich die BILD-Zeitung“.  Nun, da die News of The World-Journaillenmeute von Rupert Murdoch ab morgen spielfrei hat, könnte man die ganzen schicken Abhörapparate doch einem nützlichen Zweck zuführen, bevor die Garantie abläuft. Auf ein paar Trikots gesteckt und den Ton als zweite Kommentarspur freigegeben, wenn es dem Kommentator oder der Kommentatorin gerade ein wenig an Esprit mangeln sollte. Ich persönlich würde mich auf englisch-französische Begegnungsklassiker wie „Ihr trinkt doch nach dem Onanieren kaltes Wasser“, „Du verkackter englischer Frischbiertrinker“ oder auch „I fart in your general direction“ freuen.
  • Die Vorteile der Französinnen liegen meiner Meinung nach klar auf der Hand. 1) In den letzten zehn Partien konnten sie von den Britinnen nicht geschlagen werden, der letzte Sieg datiert aus dem Jahre 1974. 2) Ziemlich sicher wird mon petit chou Sonia Bompastor spielen. 3) Die #3 der Französinnen, Laure Boulleau, ist optisch auch sehr lecker. 4) Der vorzeitige Abflug der Britinnen würde viel mehr Aufhebens machen, denn die Franzosen scheinen sich für ihre kickenden Landsfrauen kaum zu interessieren. Einziger Nachteil: die Stammtorhüterin Bérangère Sapowicz ist wegen ihrer roten Karte aus dem Spiel gegen Deutschland gesperrt. [Nein, ich schreib das jetzt nicht hin] [Doch, mach!] [Nein] [Nun mach schon!] [Okay, *seufz*] Bei den Engländerinnen wäre ein solcher Ausfall bedeutend unterhaltsamer.
  • Wie immer die Begegnung auch enden wird, gegen uns kommen die Siegerinnen frühestens im Finale. Realistischerweise dürften sie aber vorher an dem scheitern, was aus der Schlacht Brasilien gegen die USA übrigbleibt. So oder so sind die Frauen mit dem Einzug ins Viertelfinale jetzt schon erfolgreicher als ihre männlichen Pendants 2010. Denn die Engländer haben, wie ich mich gerne erinnere, gegen uns mit 4:1 den Kürzeren gezogen, während die Franzosen vom Erreichen der Ausscheidungsrunde in etwa so weit entfernt waren wie die RTL2-Sendung „Frauentausch“ von einer Grimme-Nominierung.

Nachbericht:

  • Diesen Nachbericht schreibe ich nach dem Ausscheiden der DFB-Elf gegen Japan. Wer Anzeichen von Lustlosigkeit herausliest, liegt nicht falsch. Also kurzgefasst. England unterliegt im Elfmeterschießen, soweit schon mal nichts Überraschendes.
  • Die Engländerinnen mit der ersten Chance nach 16 Sekunden. Doch Smiths Schuss wird abgeblockt. Ersatztorhüterin Deville sieht schlecht aus und behält diesen Zustand, sofern die Inselfrauen mal in ihre Nähe kommen. Die Französinnen spielerisch besser, mit 2-3 gefährlichen Torschüssen. Aber nichts fällt richtig zwingend aus.
  • Scott schießt in der 59. Minute das 1:0, Deville lungert viel zu weit vor dem Tor, wirkt bei dem Schuss überfordert. „Die kann nix“, ruft Bruder in die Stille hinein. Ich wage nicht zu widersprechen. Frankreich rennt an, aber vor dem Tor brennt es nicht.  Zehn Minuten vor Schluss drehen die Französinnen plötzlich auf, machen Alarm in der gegnerischen Hälfte. Thomis läuft in der 85. Minute frei durch, doch statt voll draufzuhalten, wie es jeder anständige Kerl machen würde, versucht sie einen Lupfer. Eine Minute später kratzt White einen Kopfball von Lepailleur von der Linie. 88. Minute: der Ausgleich, le triomphe dans le winkel, ein wunderbarer Schlenzer aus dem Gewühl von Bussaglia, der Ball geht ins linke Kreuzeck und prallt von dort hinter die Linie. Chapeau, madames!
  • Verlängerung. Stürmerin Kelly Smith beantragt den Halbinvalidenpass, kann aber nicht mehr ausgewechselt werden. Und was machen die Franzfrauen? Nix mit überrollen, überlaufen oder kaputtschießen. Nö, monsieur. Stattdessen verfällt man in die Spielweise der ersten Halbzeit. Wenn sich das nicht mal rächt, denke ich mir. Vielleicht gilt die alte Elfmeterregel doch nur bei den englischen Männern.
  • Erster Elfmeter Frankreich. Mon dieu, Bardsley fängt den Ball, als wäre vorher abgesprochen worden, wo er landen soll. Es scheint wirklich, als hätte die Schützin gewartet, bis die Torhüterin abspringt und den Ball dann zielsicher dorthin bugsiert. Aber am Ende versagt England dann eben doch: Rafferty tritt ewig den Elfmeterpunkt platt, ein sicheres Zeichen für Verunsicherung- und schwupp, rollt die Kugel am Tor vorbei. Faye White schließlich trifft unglücklich die Latte, das war’s. England is coming home after the penalty shootout. And now for something completely usual…

Deutschland – Frankreich 4:2 / Kanada – Nigeria 0:1

Vorbericht:

  • Die schlimmste Nachricht gleich vorweg: Melanie Behringer wird mit ziemlicher Sicherheit nicht spielen, sondern wird geschont. An ihrer Stelle wird wohl Hochglanzkickerin Fatmire Bajramaj auflaufen, was für mich Anlass genug ist, folgenden selbst erdachten Witz einzuschieben: Was haben junge Italiener und Frauenfußball-Fans gemeinsam? Beide hätten gerne die alte Lira wieder, obwohl sie sich gar nicht mehr an sie erinnern können. Geht mir ähnlich, ich kenne die eigentlich nur aus der Werbung und wenn sie mich heute Abend wieder nicht überzeugt, ordne ich sie in die große Reihe der Werbemißverständnisse ein – so wie damals, als ich dachte, die hübsche Blondine aus der Alice-Werbung käme persönlich bei mir vorbei, würde mir meinen DSL-Anschluss einrichten und dann noch auf eine Runde Gears of War bleiben.
  • Birgit Prinz wird übrigens auf der Ersatzbank Platz nehmen, entsprechende Andeutungen von Trainerin Neid haben sich verdichtet. Dabei hat die Gute wirklich alles versucht, ihre Tor- und Spielhemmung zu überwinden. Oft sah man sie an der PS3, wie sie faustreckend bei FIFA11 im allereinfachsten Schwierigkeitsgrad an allen Gegnerinnen vorbeilief und einnetzte. Wie sie sich ganz im Stil von Brasiliens Marta beim Spiel gegen Norwegen die Ellenbogen anspitzte und tückisch in diverse Sparringspartner rammte. Oder sich als Verteidigerin tarnte, die einen Abpraller mit der Hand aufnimmt und in der Folge so blitzartig hinter die Linie schiebt, dass jede Schiedsrichterin der Welt sofort auf Anstoß entscheidet. Alles umsonst.
  • Die Krux der Wahrnehmung des deutschen Spiels liegt eindeutig in der naiven Vorbereitung, diesen Vorwurf muss sich die Frau Neid gefallen lassen. Wer um Himmels willen gewinnt denn in den unbedeutenden Spielen vor einer WM fast jede Partie mit 5:0? Da kommen doch ganz falsche Hoffnungen auf! Hier hätte man durchaus von den Männern lernen können. Wenn ich etwa lese: „Die deutsche Nationalmannschaft um Joachim Löw hat im Vorlauf der Weltmeisterschaft Freundschaftsspiele mit Polen, Venezuela und dem Vatikan vereinbart“, ist mir als Fan sofort klar, was zu erwarten ist – knapper, bockloser Sieg gegen Polen, Gebolze und infolge von 11 Auswechslungen fehlender Spielfluss gegen Venezuela und schließlich Kantersieg gegen den Vatikan, um ein positives Abschlusszeichen zu setzen. Würden Jogis Jungs hingegen alles mit mehr als drei Toren niederbrennen, würde umgehend das Gemaule mit dem Vorwurf des verschossenen Pulvers losgehen.
  • A propos Jogis Jungs: ich suche immer noch nach einem entsprechend schneidigen Ausdruck für die Frauennationalmannschaft. „Unsere Mädels“ soll ja leicht verpönt sein, „Neids Frauen“ hört sich dezent phallozentrisch an, „Silvias Mädchen“ eindeutig zu puffig. Vielleicht sollte man es wie der große Pelé halten, der sich den Namen Schweinsteiger nur als „Swine’s Tiger“ merken konnte und insofern zu einer zünftigen phonetischen Einenglischung greifen. „Knight’s Ladies“ etwa hat doch was Erhabenes. „The Knight’s Ladies winneth the game against France by three goalth to noneth“.  Passt auch gut zu meiner aktuellen Lieblingsserie „Game of Thrones“, die ich hier bepreiset und belobiget habe.
  • Ein paar Worte zu den Französinnen. Nun, da meine Melanie nicht spielt, kann ich es ja rauslassen. Ich finde die #8 bei der Equipe Tricolore,  Sonia Bompastor, schwer süß. Die freut sich immer so schön, wenn ein Tor fällt. Wenn die „Va te faire enculer, sale fils de pute“ zu mir sagen würde, würde ich strahlend mit einem „Oui, mon chou“ antworten.
  • Frankreichs Trainer Bruno Bini predigt hingegen schon seit Turnierbeginn, dass die Deutschen Weltmeister würden und er sich freut, maximal Vizeweltmeister zu werden. Der alte Fuchs hat bestimmt schon Ausreden bereitet, weshalb sich an dieser Einschätzung auch nichts ändert, wenn die les Bleus heute den ersten Platz in der Gruppe verteidigen sollten. So macht man das, Lady Knight!
  • Kanada gegen Nigeria spielt auch. Sollte es Schwerverletzte geben, werde ich darüber berichten. Würde mich aber wundern, denn selbst der Afrikaner wird zahm, wenn es nichts mehr zu holen gibt.

Nachbericht:

  • Erster! Und das nach dem wohl besten Spiel bei dieser Weltmeisterschaft. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ohne Melanie Behringer soviel Spaß an einer Partie haben würde. Die deutsche Auswahl stand hinten geordnet, ließ wenig zu, dominierte im Mittelfeld, nur nach vorne wollte der Ball nicht so richtig gefährlich rollen.
  • Bis zum 1:0 durch Garefrekes. Ein langer Ball von Peter, an der Langen der Franzosen, Mademoiselle Sturmfrisur Renard vorbei, auf den Kopf der großgewachsenen, um nicht zu sagen äh langen Deutschen. Reaktionstechnisch gesehen ein désastre complet der französischen Abwehr. Aber gut für die heimische Seele.
  • 2:0, wieder Kopfarbeit, diesmal von Inka Grings nach Flanke von Laudehr. Zweimal gefährlich aufs Tor gekommen, kein Mal das Bein benutzt, eine saubere Leistung. Ich bin so gut gelaunt, dass ich nicht mal mehr meiner Sonia Bompastor nachtrauere, die wegen einer gelben Karte erst gar nicht eingesetzt wurde.
  • Nun das Unschöne: zwei Gegentore, ebenfalls allesamt mit dem oberen Halsfortsatz eingenickt. Erscheint auf den ersten Blick ärgerlich, aber stellt euch mal den japanischen Trainer vor, der sich das mit ansehen musste. Der war sicherlich total geknickt, denn wenn das die einzige Möglichkeit sein sollte, die deutsche Abwehr zu überwinden, kann er gleich die Koffer packen gehen. Gibt es überhaupt ein japanisches Wort für Kopfballpendel? Wenn ja, wäre es dennoch das wohl nutzloseste Trainingsgerät im Gepäck der Asiatinnen.
  • Die erste rote Karte, der erste verwandelte Elfmeter durch Grings (mit Vorarbeit durch Bajramaj, die aber niemals ansatzweise so gut war wie Behringer), ein bisschen banges Warten wegen der Gegentore, bevor Klopfer mit einem feinen Abschluss den Sieg sichert. Meinen absoluten Respekt, den hätten nicht viele Kickerinnen so souverän ins lange Ecke geschaufelt.
  • Fazit: wir haben wieder die Favoritenstellung inne, das Viertelfinale ist praktisch ein Selbstläufer. Kritisch wird es erst ab dem Halbfinale, wo die Amerikanerinnen auf uns warten. Die hätte ich mir lieber bis zum Finale aufgehoben (die Alternative wäre wohl Brasilien geworden, aber die hätte man mit guter Deckung von Marta und Beschäftigung der Abwehr zermürben können) – egal, sei’s drum: es hat Spaß gemacht. SCHLAND!

Kanada – Frankreich 0:4

Vorbericht:

  • Auf geht’s in die zweite Runde. Und diesmal wird getippt! Jawoll, ich opfere wieder 2,50 Euro bei Oddset (plus 0,50 Cent Bearbeitungsgebühr), um mit einer Handvoll souverän richtig angekreuzter Tendenzen das große Geld zu machen. Was zwar nicht passieren wird, aber so habe ich wenigstens die Motivation, weiterhin bei allen Spielen mitfiebern zu können. Aktuell haben alle Teams einmal vorspielen dürfen und wenn ich einen Trend unter dem Mantel der Verschwiegenheit herumraunen darf: egal, wer spielt, es wird immer eine enge Kiste. Ausnahme vielleicht England, da geht es gewohnheitsmäßig geräumiger zu, sofern ein Schuss drauf kommt.
  • Kanada gegen Frankreich, das legt die Vermutung nahe, dass sich die Verantwortlichen vor der WM in einem Café in Quebec getroffen, einen guten Roten gesüffelt und alle nicht französisch sprechenden Gäste von oben runter angemaunzt haben. Bei einer Niederlage wäre Kanada draußen, ein als felsenfest sicher geltender Sieg unserer Elf gegen Nigeria vorausgesetzt. Also unentschieden oder knapper Sieg von Kanada. Kommt wohl drauf an, ob Christine Sinclair auflaufen kann.
  • Die hat bekanntermaßen am Sonntag den Ellbogen von unserer Babett Peter ins Gesicht bekommen. Kein Beinbruch, möchte man meinen: „Doch“, entgegnet daraufhin die Nase. Auf der anderen Seite fehlt mit Sicherheit die hochgewachsene und zu meinem Unmut nun tieftoupierte Wendie Renard. Im Rahmen der Aktion „Tipp dich reich mit Onkel Ini“ setze ich meine Moneten auf ein Unentschieden. Hatten wir bisher nur einmal und nach meiner reichhaltigen Erfahrung bei Weltmeisterschaften wird es langsam Zeit für ein 0:0. Selbstverständlich übernehme ich keine Haftung für meine Wettvorschläge, mitmachen läuft auf eigene Gefahr und Verstand.
  • Den französischen Trainer finde ich übrigens goldig. Ein lebensfroher und lustiger Mensch, der mich an Gérard Dépardieu erinnert, den alten Speiseöl-und-auch-sonst-alles-was-in-Flaschen-abgefüllt-wird-Trinker. In einem Interview zu Frankreichs Titelchancen meinte Bruno Bini: „Wir sind auch dabei. Da kann man doch sagen, dass das Leben schön ist, oder? Dazu wird es so sein, dass alle Teams zu elft gegen uns spielen werden. Das haben wir uns zusichern lassen“. Ein cleverer Hund!

Nachbericht:

  • Zeit, den Abgesang anzustimmen: O Canada, du warst nicht wunderbar. Dein Sturm war schrecklich lahm, im Beutel machst mich arm. 2,50 Euro schon mit dem ersten Spiel in den Sand gesetzt. Dabei spielte doch Frau Sinclair, die Maskenhafte, blieb aber leider sehr blass. Frau Matheson hätte ich erneut gerne unter die Arme geklemmt und mit nach Hause genommen, so quirlig ackerte sie über den Rasen. Leider konnte das zehn Ausfälle nicht gutmachen.
  • Anders die Französinnen. Mit dem Fuß, mit dem Kopf, wuchtig ins Tor oder lässig die Keeperin hinter sich gelassen. Die Madames zeigten, dass die Frau am Ball auch entschlossen abschließen kann. Dass ich im Zusammenhang mit Franzosen mal von einer großartigen, geschlossenen Leistung schreiben werde, hätte ich mir mit Blick auf die Kerle 2010 in Südafrika auch nicht erträumt.
  • Jetzt sind wir unter Druck, Frankreich hat gut vorgelegt. Nachmachen, Nachlegen, Nigeria niederspielen.

Nigeria – Frankreich 0:1

Vorbericht

  • Wer erst heute Abend um 18 Uhr mit Schal und Trikot vor dem heimischen Fernseher sitzt und die offizielle Eröffnungsfeier in Berlin vor 70.000 Zuschauern mit dem sich daran anschließenden offiziellen Eröffnungsspiel Deutschland – Kanada verfolgt, dem darf ich an dieser Stelle freudig gratulieren: Sportsfreunde, gut gemacht, ihr habt das erste Spiel der WM verpasst. Denn Nigeria und Frankreich stoßen bereits um 15 Uhr an. Frauen sind doch für ihr Organisationstalent bekannt, wie kann denn sowas passieren? Ich hätte da zwei Theorien:
  • Theorie 1: der Austragungsort Sinsheim war für die Eröffnung vorgesehen, die Promotionkampagne fürs Fernsehen bereits von übereifrigen, aber fußballerisch ahnungslosen Marketingstudenten ausgearbeitet worden: „Willkommen zum Start des Sommermärchens 2011! Begleiten Sie uns in die Rhein-Neckar-Arena, dem Sitz des ruhmreichen 1899 Hoffenheim mit seinen unzähligen deutschen Meisterschaften, seiner jahrelangen Präsenz in der höchsten deutschen Spielklasse, seiner tief in der Tradition verwurzelten Fankultur und auf Vereinstreue geeichten Mannschaft“. Dummerweise schaffte es OK-Chefin Steffi Jones nicht, den zweiten Satz ohne lautes Prusten und schallendes Gelächter aufzusagen. Woraufhin der Kaiser Franz sie tröstend in den Arm nahm und meinte: „Lasst’s halt was anders spui’n. Vielleicht’s merkt’s ja keiner. Afrika gegen die Franzfrauen zum Beispiel. Die aus Frankreich, nicht meine, ja mei, obwohl i könnt‘ elf zsammkrieg’n, haha.  Mia fahr’n jetzt nach Berlin, gelle Steffi?“.
  • Theorie 2: die FIFA ist ja infamen Gerüchten zufolge ein verschworener Bund alter Männer, in deren muffigen Hinterzimmern viel geraucht und gesoffen, der Herrenwitz gepflegt wird und die neuesten Escortservice-Bewertungsbögen ausgetauscht werden. „Obacht, trug ein Bändchen mit einem Logo der Hamburg-Mannheimer“, „Lobenswert: Beherrschte Herzmassage!“ oder „Suppr! Konnte „SEPP, DU KANNST JA IMMER“ akzentfrei in vier Sprachen sagen“ sind die üblichen Einträge. Nur der für die Spielplanausarbeitung zuständige Greis musste sich ein „Darling, ohne Vorspiel keine feierliche Eröffnung!“ anhören und war darob so vergrätzt, dass er die Nigerianerinnen und Französinnen zum Spiel vorm Spiel verdonnerte. Alternativ könnte die FIFA auch Mario Barth als offiziellen Bespaßungskoordinator eingestellt haben. Daran will ich aber gar nicht denken.
  • „Chérie, isch bömb solange auf Libyen, bis wir in irschendwas wieder Weltmeister sind! Isch schwör’“. Schwer getroffen bis hinein in seine größten oder auch kleinsten Vertreter -je nach Sichtweise-  hat die französische Nation das Debakel ihrer Männer im vergangenen Jahr in Südafrika. Gegen Afrikaner in der Vorrunde verloren und mit einem dicken Schandfleck in der ruhmreichen WM-Historie ausgeschieden. Das Schöne: das kann dieses Mal wieder passieren!
  • Für Nigerias Kicker war ebenfalls nach insgesamt enttäuschender Leistung frühzeitig Schluss, u.a. verlor man(n) dabei sogar gegen Griechenland. Ich persönlich hätte  Verständnis gezeigt, wenn die Staatsführung daraufhin einen militärischen Konflikt vom Zaun gebrochen hätte. Aber Nigeria hat ja keine schweren Waffen und Machetenschmeißen über Kontinente hinweg ist ein eher fruchtloses Unterfangen. In jedem Fall bleibt festzuhalten: die Frauen müssen die Ehre ihres Landes wiederherstellen, es könnte also was auf die Stelzen geben.
  • Zu den wichtigsten Fakten: Nigeria dominiert üblicherweise den afrikanischen Spielbetrieb, die Mannschaft nennt sich Super Falcons, hat einen Deutschen als technischen Berater und flott mal 0:8 gegen unsere Mädels im letzten November verloren. Stars des Teams sind Perpetua Nkwocha (35, dürfte bei dem Vornamen auch noch länger mit dabei sein) und Rita Chikwelu (23). Es fehlt -und da weint mein saarländisches Herz- Cynthia Uwak (24), Afrikas Fußballerin der Jahre 2006 und 2007, die bis zum Saisonende für den Bundesliga-Absteiger 1.FC Saarbrücken spielte. Damit steht für mich fest: die können nicht weit kommen.
  • Frankreichs Damen sammelten jüngst diverse Erfolge, Olympique Lyon ist amtierender Champions League Sieger und hat im Finale Turbine Potsdam geschlagen. Auch wenn es verwundert: die #2, Wendie Renard, spielte damals nicht für Turbine, obwohl das optisch wirklich gepasst hätte wie Trockenhaube auf Haar. Die Qualifikation gelang eindrucksvoll mit 10 Siegen und 50:0 Toren. Gut möglich also, dass die gegen uns unter fünf Stück kassieren. Wichtigste Spielerin: Sandrine Soubeyrand (37) und jetzt höre ich aus Gründen der Schicklichkeit wohl besser auf, das Alter der Ladies mitanzugeben. Bevor noch eine älter ist als ich.

Nachbericht

  • Pfeif‘ auf Berlin, Sinsheim hat seine eigene Eröffnungszermonie! Eine Choreografie mit drei Ausdrucksstehtänzerinnen und lustlos am Anstoßkreis und an den Seitenlinien herumstehenden Mädchen – das weckt Erinnerungen an die Schulzeit des Autoren, wo die selbe Konstellation oft zu beobachten war, wenn im Sportunterricht Fußball gespielt wurde. Irgendwo liegen auch Flaggen rum. Warum liegen da Flaggen rum? Ach ja, die werden zum Schluss hochgehoben. Ich kriege direkt Lust aufs Spiel, weil ich weiß, dass dann die Eröffnung vorbei ist.
  • Wendie Renard spielt anders als noch im Champions League-Finale mit geglätteter Frisur und hat mir deshalb den Witz aus dem Vorbericht kaputtgemacht. Das gibt direkt einen Minuspunkt. Die ersten Minuten lassen mich jetzt nicht vor Ekstase mein komplett gefülltes PANINI-Album der WM 2010 verbrennen, ich habe damals aber auch schon Schlimmeres gesehen. Paraguay gegen Japan etwa, wenn sich daran noch jemand erinnern kann oder will.
  • 26. Minute: die Französinnen dominant, Nigeria aber mit der größten Chance. Ein Konter, abgeschlossen von Desire Oparanozie. Wobei abschließen in dem Zusammenhang lieb umschrieben ist. Juristen würden diskutieren, ob das eine fahrlässige Verschießleistung oder eine vorsätzliche Schußnichtleistung war. Ich mach’s mal am Vornamen fest: wäre nicht zuviel verlangt gewesen, den zumindest aufs Tor zu bringen. In dem Moment haben sicherlich tausende Nigerianer die Hoden in die Höhe gewuchtet und geschrien: „Den hätt ich reingemacht!“.
  • Zweite Hälfte, selbes Bild: Nigeria mit den besseren Aktionen, bei dem Wetter laufen die Afrikanerinnen auch gerne mal länger, wird also nichts mit Kräftenachlass. Dennoch geht Frankreich in der 56. Minute durch Delie in Führung. Hätte man die Positionen nach der Flanke mit Männern besetzt, hätten die das Ding wohl auch nicht verhindern können. Es geht doch.
  • 65. Minute: Frau muss sich auch mal richtig fallenlassen können, so mein Rat an die junge Nigerianerin, die just im Strafraum umgestupst worden ist. Lässt die Mannschaft sympathisch erscheinen, dass sie den Kniff nicht im Repertoire hat, ist aber schlecht für die Punktetabelle. Als Lehrvideo möchte ich diesen Clip zur Verfügung stellen.
  • Fazit: am Ende doch nur ein knapper Sieg der Französinnen, die gegen uns naturellement keine Chance haben werden. Ab Montag werde ich definitiv Begegnungen tippen, denn Oddset hat für einen Sieg Frankreichs gerade mal eine Quote von 1,15 ausgegeben, dafür war das am Ende doch ganz schön knapp.


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Frankreich – Südafrika 1:2 / Mexiko – Uruguay 0:1

Vorbericht

  • Bei dem Franzos‘ ist was los! Action, Drama, Betroffenheit und harte Worte – hätte die Mannschaft auf dem Platz diese Einstellung mit ihrer bis dato auf dem Rasen zur Schau gestellten „pas de boc“-Attitüde getauscht, wären jetzt ein paar points mehr auf dem Konto.
  • Va te faire enculer, sale fils de pute! Diese Worte soll Nicolas Anelka seinem Trainer Domenech in der Halbzeitpause des Spiels gegen Mexiko verbal angedeiht haben lassen.  Hört sich jetzt nicht so schlimm an, wenn man des Französischen nicht mächtig ist. Könnte auch ein Gericht mit Pute und Salzkartoffeln sein – et bon appétit! Aber das ist eh das Problem unserer lieben Nachbarn: selbst wenn sie fluchen, hört es sich wie eine Liebeserklärung oder was zum Essen an. Deshalb brauchen sie auch eine Zeitlang, um den bösen Kern zu begreifen, aber dann heißt es sofort Revolution und ab die Rübe.
  • Wie soll ich die Beschimpfung  jetzt am besten übersetzen? Vielleicht so: Liberté, Egalité et Fraternité war gestern, heute lautet das Motto Kopulité in Allerwertesté, männlicher Nachkommé einer Prostituierté. Nach der Suspendierung von Anelka wollte die Mannschaft nicht mehr trainieren, Domenech selbst(!) las eine Erklärung der Streikenden vor  – es hätte nur noch gefehlt, dass diese mit „Wer das liest, ist doof“ begonnen hätte. Und Sarkozy schickt seine Sportministerin runter ans Kap. Jetzt mal ehrlich: wenn Monty Python einen neuen Film drehen wollten, könnten sie sich doch kein besseres Skript ausdenken. Domenech in der Fortsetzung von „Die Ritter der Kokosnuss“ auf der Suche nach dem heiligen Pokal, Thierry Henry besorgt per Hand die Klangkulisse, während Sarkozy den beiden aus seiner Burg eine Kuh auf den Kopf katapultiert.
  • Heute sind beide Partien zeitgleich für 16 Uhr angesetzt, damit keiner auf das jeweils andere Ergebnis reagieren kann. Eigentlich haben weder Franzosen noch Südafrikaner eine Chance aufs Weiterkommen. Beide benötigen einen hohen Sieg (jetzt ham wa mal herzhaft gelacht) und es darf kein Unentschieden zwischen Uruguay und Mexiko geben. Weshalb ich dennoch das Duell der l’équipe tricolore mit dem Gastgeber schauen werde? Weil ich sehen will, ob die französischen Zuschauer zur Halbzeitpause eine Guillotine am Anstoßkreis aufbauen.

Nachbericht

  • 26. Spielminute im Stadion zu Bloemfontein: Gourcuff erhält die rote Karte. Wieder ein Ellbogen zuviel im Gesicht. Ich glaube, in dem Moment sind in den Wettbüros die Quoten für ein Weiterkommen Frankreichs etwa auf das Niveau einer noch heute stattfindenden Invasion aus dem Weltall durch braune Gummibärchen in rosafarbenen Untertassen  gestiegen. Aber mal ohne Witz: weshalb gibt es für solche Vergehen nicht so etwas wie eine Zeitstrafe? Rot ist übertrieben, zieht man nur Gelb, machen es alle Spieler. Aber bevor die FIFA sich mit solchen Regeländerungen beschäftigt, halte ich lieber weiter abends Ausschau nach Gummibärchen.
  • Die Südafrikaner waren deutlich mehr bemüht, gingen verdient in Führung (selbst der sonst sichere Lloris hat sich vom Chaos in der Truppe anstecken lassen), spielten ständig nach vorne. Aber ich war mir weiterhin recht sicher, dass es vergebene Mühe sein würde. Auf dem anderen Platz nämlich erschien ein 0:1 gerade als ein ganz tolles Ergebnis: kein Anzeichen von gemauscheltem Unentschieden und beide weiter. Damit sind die Südafrikaner wirklich die ersten Ausrichter einer WM, deren Mannschaft die Vorrunde nicht überstanden hat. Schuld war die zu hohe Zahl an Gegentoren im Spiel gegen Uruguay, denn mit dem Mexikaner konnte man ja punktemäßig gleichziehen. An solchen Kleinigkeiten kann es hängen.
  • Frankreich hat ein Tor erzielt, dazu noch das bisher einzige in Unterzahl! Allez les Bleus! Und zwar directement nach Hause. Immerhin: so bis auf die Knochen blamieren können sich unsere Jungs schon gar nicht mehr. Clevererweise hat man 2016 die EM zu Hause und muss nicht wieder jemandem das Ticket für eine Endrunde rauben, um es dann umgehend im Papierkorb der fußballerischen Tristesse zu versenken.


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