Niederlande – Slowakei 2:1

Vorbericht

  • Ich bin heute schon wieder so was von entspannt. Siege der deutschen Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften scheinen wirklich gesundheitsfördernd zu sein. Viererpack gegen Herzinfarkt, Müller-Tor beugt Hirnschlag vor, mit Miro Klose rockt die Hose, dank Poldi wieder auf die Oaldi. Nur zu Schweinsteiger fällt mir jetzt nichts ein.
  • Seltsames tut sich im Trainingslager der niederländischen Auswahl. Wenige Stunden vor dem Achtelfinale ließ Bonds-Coach Bert van Marwijk eher ungewöhnliche Übungseinheiten anordnen. Elfmeterschießen mit einer Orange auf dem Kopf, 100 Meter Langsam-Trotten, gemeinsames Bong-Reinigen, lockeres Danebensemmeln aus der Distanz und schmucklose Hackentrick-Fehlpässe. Arjen Robben, der wegen Unterforderung zu rebellieren drohte, erhielt umgehend den Hinweis, dass seine Schnelligkeit und Agilität im gegenwärtigen System keinen Platz hätten.
  • Zufrieden kehrt Marwijk nach erledigter Arbeit zurück in seinen beschaulichen kleinen Wohnwagen, zieht die Vorhänge zu und widmet sich seinem kleinen Geheimnis, das niemand erfahren darf. Eine Vinyl-Single der Gebrüder Blattschuss aus dem Jahre 1978. Damals, als seine Landsleute das letzte Mal in einem WM-Finale standen. Sanft legt er die Nadel des Plattenspielers auf die Rille und wartet auf seinen großen Moment: die Liedzeile, die er selbst umgetextet hat und immer tonlos in sich hineinschreit: HOLLANDS WM-TOUR WIRD LANG, HOLLANDS WM-TOUR WIRD LANG. ERST FANGEN WIR GANZ LANGSAM AN. ABER DANN. ABER DANN!
  • Der Slowake hingegen wundert sich. Ist er wirklich noch im Turnier? Hatten seine Kollegen nicht erst kürzlich gepackt? Nein, es war der Slowene, der leise Tschüss gesagt hatte und hoffentlich nicht in das falsche Land abgereist war – das wäre eine unangenehme Überraschung am Flughafen von Bratislava geworden. Robert Vittek, derzeit lustlos bei Ankaragücü in einem Leihgeschäft gefangen, weiß um seine Torjägereigenschaften: „Ich machen wie bei drei Tore vorher. Wir nicht spielen gut, aber ich schießen Tor und Sieg und alles gut“. Blöd nur, wenn der Gegner auf dem Platz  genau die selbe Taktik hat.

Nachbericht

  • 1:0 für Holland!„. „Ach Mist, das hab ich jetzt verpasst. Kannst‘ es mal beschreiben, ich hab doch dieses WM-Tagebuch, wo ich über die Spiele berichte“. „Also, der Robben kriegt einen langen Pass auf rechts, läuft, zieht nach innen, haut mit links drauf und drin ist das Ding„. „Ja, nee, is klar“. „Was denn? Genau so war’s!„. „Quatsch, du hältst mir wieder das Tor vor, dass er im Pokal auf Schalke erzielt hat“. „Glaub’s mir, genauso war’s. Der kann gar nicht anders„. „Ist gut, ich schau’s mir selber an. Danke für nichts“.
  • Ein Treffer und dann Spielkontrolle, Ballberuhigung, Passverwaltung. Nichts ist mehr mit dem ungestümen Sturm und Drang. Gestümes Abwarten, Malgucken und vielleicht kurz ein, zwei Chancen abliefern ist der aktuelle Trend im Fußball. Fast hätte es sich gerächt, denn die Slowakei ist zweimal frei im Strafraum, doch diesmal kriegt Robert Vittek das Tütchen mit dem Instant-Kill nicht auf, die Suppe bleibt unversalzen.
  • Fehler von Mucha (dessen Namen irgendetwas Beruhigendes hat, ich wiederhole den reflexartig, wenn ich ihn höre – Mucha), Kuyt legt rüber auf Sneijder, Mahlzeit. Beim Elfmeter von Vittek haben die Niederländer schon die Schlafanzughosen an. Schonen heißt es, denn als nächstes wartet wohl der Brasilianer. Der macht ja seit neuestem auch nicht mehr als nötig.
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Slowakei – Italien 3:2 / Paraguay – Neuseeland 0:0

Vorbericht

  • Freunde, bin ich entspannt. Mir kann heute niemand was. Die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern, der Rasen hinter meinem Haus wächst und müsste wieder mal gemäht werden. Egal. Seit gestern Abend machen mir Rasen jedweder Sorte und Höhe sowie die darauf herumackernden Fußballerbeine keine Sorgen mehr. Heute darf von mir aus jeder weiterkommen. Wer spielt denn gleich überhaupt?
  • Ach, der Italiener. Nee, scusi, ein Freilos kriegt der dann doch nicht von mir. Nicht nach den bisherigen Spielen. Der soll erstmal schön den Slowaken besiegen, bevor er in unser Achtelfinale darf. Die Situation ist ähnlich wie beim Engländer gestern. Niederlage bedeutet „Ciao e Ciao“ (guten Tag und auf Wiedersehen), bei einem Unentschieden kann Neuseeland mit einem Dreier vorbeiziehen, bei einem Sieg ist der Italiener durch, könnte aber nur Zweiter werden, wenn der Kiwi höher gewinnt als er.
  • Ich würde mich daher an meinem lässig im Mund hängenden Grashalm vor Lachen verschlucken, wenn der Italiener heute 1:0 gewinnt, der Neuseeländer aber zeitgleich mit 2:0 die Paraguayer raushaut und es im Achtelfinale zu der Partie Italien gegen Niederlande kommt. Alternativ könnte natürlich auch der Paraguayer einfach gewinnen, dann hätten wir dasselbe Ergebnis für Italien. Aber ich würde gerne meine Lieblinge aus Neuseeland weiterkommen sehen.
  • Weiß eigentlich jemand, weshalb die Spiele der Gruppe F auf den Nachmittag vorgezogen worden sind? Eigentlich wäre doch Gruppe E mit den Niederländern dran. Wahrscheinlich wollten sich die Italiener nicht am Abend die Schenkel verkühlen. Vielleicht fliegen sie auch lieber abends nach Hause. Ein kleiner Scherz, ich tippe auf einen 1:0-Sieg über die Slowakei. Ich kenn doch meine Pappenheimer.

Nachbericht

  • Ohne Zweifel das gefühlt längste Spiel der Weltmeisterschaft, dieses 3:2 der Slowaken über Italien. Was habe ich den Kiwi auf dem anderen Platz angeschrien, dass er der ganzen irren Situation doch bitteschön mit einem Sieg noch die Krone aufsetzen soll. Aber da kam nix. Dennoch: Neuseeland scheidet unbesiegt aus – eine Leistung, die der Italiener heuer nicht geschafft hat. Normalerweise kommt er ja in der Vorrunde unbesiegt mit drei Unentschieden durch. Diesmal war aber der Slowake davor.
  • Der Robert Vittek ist ein eiskalter Killer, so habe ich den gar nicht in Erinnerung aus Nürnberger Zeiten. Beide Tore blitzschnell reagiert, abgezogen, eingenetzt. Sah man bisher nicht so oft bei dieser WM, wo gerne nochmal auf den anderen Fuß gelegt, ins Leere gepasst oder der Ball vertändelt wird.
  • Beim zwischenzeitigen 3:1 fiel mir der Spruch von Trappatoni ein. Die italienische Verteidigung war in dem Moment aber nicht wie Flasche leer, sondern eher wie ausgetrunkene Getränkegroßproduktionshalle. Dem Italiener, der erneut 90 Minuten ohne Mannschaft spielen wollte, fiel erst zehn Minuten vor Schluss ein, dass er mal ein Tor schießen müsste. Und prompt klappte das sogar. Morgen werden die Gazzetta della sporta wieder voll sein mit Verschwörungstheorien: der slowakische Torhüter Mucha hätte vom Platz fliegen, das Tor zum 2:2 zählen müssen und überhaupt mag niemand den Italiener. Alles wie gehabt.
  • Mein Bruder meinte direkt nach Abpfiff, dass er plötzlich Hunger auf Pizza hätte. Ich komischerweise auch. Gehe ich heute Abend mal gleich zwei Sophia Loren holen. Natürlich beim Kebabmann am Ende der Straße. Ich bin ja nicht lebensmüde.

Slowakei – Paraguay 0:2

Vorbericht

  • Eine Gruppe wie gemalt für Mr. Monk. Jeder einmal gespielt, ein Tor geschossen, ein Tor kassiert, macht zusammen für jeden einen Punkt. Die perfekte Symmetrie… DER LANGEWEILE! Nach dem Hurra-Festival gestern Abend bin ich verwöhnt und will den Unterhaltungswert jetzt bei jedem Spiel haben. Das geht allerdings nur, wenn beide Teams am Abgrund stehen und nur der Sieger eine Chance hat, weiterzukommen. Man könnte das Ganze doch prima als moderne Gladiatorenspiele vermarkten: Tor steckt schon im Wort drin, einer kommt weiter, der andere darf mit einem Schwert in der Brust in der Arena liegen bleiben. Angehörs der Texte so mancher Nationalhymne wäre das ein recht passendes Ende für die Teilnahme an der WM.
  • Das ist ja das Tragische an der Vorrunde. Wenn jeder unentschieden spielt, könnten auch drei Unentschieden langen, um ins Achtelfinale einzuziehen. Ich wüsste jetzt gar nicht, was passiert, wenn nach dem letzten Spiel alle die exakt gleiche Anzahl an Toren und Punkten aufweisen können – würde allerdings vorschlagen, dass Italien dann in jedem Fall nach Hause fahren muss.
  • Der Slowakei kann ich nicht böse sein; war zwar kein gutes Spiel, aber wie die meine Lieblinge Neuseeland kurz vor Toresschluss noch einen Treffer reinmachen ließen – das war sportlich und menschlich wirklich sehr fein. Der Paraguayer hat den Italiener geärgert, was ihm bei mir auch direkt Sympathiepunkte einbringt. Ach, ich weiß gar nicht, wen ich in der Gruppe gerne als Zweiter hinter Neuseeland sehen möchte. Für einen hervorragenden mindestens dritten Platz allerdings hätte ich schon einen Kandidaten…

Nachbericht

  • Alles klar, der Slowake darf von mir aus Dritter oder Vierter der Gruppe werden. Was habe ich eben nach dem Unentschieden meiner tapferen Neuseeländer geflucht! Weshalb habe ich bei Oddset auch auf den Slowaken gesetzt? Was kann man schon von einer Mannschaft erwarten, wo der Trainersohn mitspielen darf, deshalb der Jendrisek nicht eingewechselt wird und die in der 92. Minute nach 0:2 mal auf die Idee kommt, aufs Tor zu schießen?
  • Der Paraguayer mit drei Stürmern und mit deutlich intensiverem Bemühen. Weshalb sein Sieg absolut in Ordnung geht. Und mit einem wunderherrlichen Tor, vielleicht dem schönsten bisher in diesem Turnier. Danach war es trotzdem ein Grottenkick. Einziges Highlight war der Mann neben dem Kommentator, der einfach mal reinbrabbeln durfte. Öfter mal was Neues.
  • Hat jemand in der 37. Minute die stramme Armbewegung des Schiedsrichters gesehen? Dafür wäre Katrin Müller-Hohenstein sicher gefeuert worden. Aber der Mann von den Seychellen kennt natürlich die dunkle deutsche Vergangenheit nicht.

Neuseeland – Slowakei 1:1

Vorbericht

  • Gestern nachmittag konnte man ja wirklich ins Grübeln kommen, ob man es für das Anschauen der angesetzten Begegnung wirklich wagen sollte, eine Abmahnung oder gar Kündigung zu riskieren. Heute ist der Fall klarer: wer das nicht gesehen hat, ist mega-out bei seinen Freunden und Bekannten und braucht Twitter, Facebook oder das andere Social Network-Gedöns gar nicht mehr einzuschalten.
  • Der Neuseeländer, auch Kiwi genannt, hat es wahrlich nicht leicht. Trifft er auf einen ach so tollen Australier, muss er sich sofort ein herzliches „Hobbitse, ich rieche Hobbitse“ anhören. Oder dass wieder mal Flossy, das Schaf die Wahl zur Miss New Zealand gewonnen hätte. Oder dass das Bruttosozialprodukt auch dieses Jahr unter aller Sau sei. Das alles weiß ich aus der hervorragenden TV-Serie um das viertbeste Folkband-Duo des Landes, „The Flight of the Conchords“, deren Genialität ich jedem des Englischen fähigen Lesers nun ans Herz legen möchte. Go, Kiwi, go!
  • Geruhsam allerdings ist seine Qualifikation. Auf Fiji den Häuptling unter den Tisch saufen, auf Vanuatu frische Raubkopien vom Landesserver abgreifen und in Neukaledonien… also, da weiß ich wirklich nicht, was er macht. Meist gewinnt er mit ein bis zwei Toren Vorsprung, bevor dann im Duell mit dem fünftbesten Asiaten das WM-Ticket gelöst wird. 1:0 hieß es am Ende gegen die Fußballgroßmacht Bahrain. Da hat der Scheich sicherlich getobt und einen neuen sandfarbenen Rolls-Royce mit diamantenbesetzten Scheiben kaufen müssen.
  • Der Slowake. Oder doch der Slowene? Nein, heute spielt der Slowake. Sicher? Ich kann die ja immer noch nicht auseinanderhalten. Mit vielen Bundesligaspielern aus Clubs wie Bochum, Mainz, Hannover. An dieser Stelle brandet sicher Jubel auf. Ach ja, der Neu-Schalker Jendrisek ist auch dabei. Egal, ich halte zu den Kiwis.
  • Ich schwöre, wenn der Slowake ins Halbfinale kommt, beschäftige ich mich ernsthaft mit seinem Land. Wenn er mit dem Slowenen die Weltmeisterschaft unter sich ausspielt, fahr ich hin. Oder erleide einen Hirnschlag.

Nachbericht

  • Wieder was gelernt: der Spitzname der neuseeländischen Fußballmannschaft lautet „All Whites“. Da hätte ich vor dem Turnier in Südafrika aber nochmal die Landesbehörde für Political Correctness drüberschauen lassen. Auch wenn freilich nur die Trikot-Hose-Stutzen-Kombination damit gemeint ist.
  • Vittek hat das erste Tor für sein Land bei einer WM erzielt. Hoffentlich geht der sympathische ex-Nürnberger das heute Abend ganz groß feiern. Ich glaub angesichts des Gegurkes auf dem Platz nämlich nicht, dass da noch viel nachkommt.
  • Von dem was ich gesehen habe, war der Neuseeländer bei weitem nicht so enttäuschend wie der Slowake. Und im indirekten Torekassieren-Vergleich sogar ruhmreich klarer Verlierer gegen Australien. In your face, socceroo!
  • Gerade wollte ich schreiben: „Was soll’s, wird die Slowakei eben Tabellenerster. Das hat diese Gruppe verdient.“ NUN MACHT DER KIWI SOGAR NOCH DEN AUSGLEICH. Winston Reid! Da schnapp ich doch über. Mein Tabellenführer der Herzen, ganz klarer Fall. Die Fahrt nach Bratislava kann ich mir sparen.