Schweden – USA 2:1 / Nordkorea – Kolumbien 0:0

Vorbericht:

  • (PPP) Überraschung! Sensation! Freude! DAS EINZIG WAHRE KOREA IST WELTMEISTER! Die gute Nachricht traf die Mannschaft um den vielumjubelten und nie um einen Scherz verlegenen Trainer Kim Kwang Min just beim großen Festbankett anlässlich ihres gewohnt überragenden Auftretens bei der Fußball-WM in der Deutschen Demokratischen Republik und den angeschlossenen 11 neuen Bundesländern. Sepp Blatter, das unumstrittene und wirklich auch sehr ordentlich viel geliebte Oberhaupt der internationalen Fußballkommission, überbrachte höchstselbst ein von allen Mannschaften des Turniers unterschriebenes Manifest, in dem die drückende Überlegenheit des roten Kollektivs, die blendende Attraktivität seiner Spielerinnen und die Unfehlbarkeit des die Liebe seines Volkes mittlerweile in Brühwürfelform stapelnden und lagernden geliebten Führers Kim Jong-Il ihre offizielle Bestätigung fanden. Das Ministerium für Freude rief umgehend alle Genossinnen und Genossen auf, ihrem Jubel Ausdruck zu verleihen: „Öffnet die lange aufgehobene Extra-Dose Reis! Braut euch eine leckere original Geliebter Führer-Kraftbrühe! Bis zur Sperrstunde um 18:00 Uhr ist es darüber hinaus jedem Bürger erlaubt, ein traditionelles nordkoreanisches Feuerwerk zu zünden. Papier falten! Anzünden! Hochwerfen! Vaterland!“ (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Es reizt mich ja schon, in die Begegnung Nordkorea gegen Kolumbien reinzulinsen. Denn ich erwarte einen gepflegten Tollwutlauf des kommunistischen Kollektivs. Man und frau will ja schließlich mit wenigstens drei Punkten und einem überzeugenden Sieg nach Hause kommen. Mir fiele im Falle des Ausbleibens eines Sieges gegen die wirklich putzig harmlosen Kolumbianerinnen ehrlich gesagt auch keine gute Ausrede mehr ein. Aber vielleicht wäre das ja eine Aufgabe für die nächste WM: Offizieller Pressereferent der Auswahl Nordkoreas. Bringt bestimmt eine ordentliche Stange Geld, eventuell eine schicke Uniform mit Kim Jong-Il-Anstecker und ob ich jetzt ein paar arme Asiaten in der Heimat anlüge oder die Presse, ist doch egal.
  • Schweden gegen die USA ist natürlich das interessantere Aufeinandertreffen. Mit einem Sieg oder einem Unentschieden gehen die USA einem Viertelfinal-Duell mit Brasilien aus dem Weg. Fände ich jetzt unschön mit Blick auf ein späteres Aufeinandertreffen mit der DFB-Elf. Gerüchten zufolge will allerdings Pia Sundhage, Schwedin und US-Trainerin, den amerikanischen Superstar and everybody’s darling Abby Wambach schonen. Auf der anderen Seite wird jedoch die Frau mit dem herzigen Augenaufschlag und den meisten versiebten Chancen, Lotta Schelin, auflaufen. Hat die Dinger danebengesemmelt, da springt der Elch aus der Pfanne und der Hering aus dem Salat. Wenn ich die Zeit und das Material hätte, würde ich ein Video auf YouTube hochladen.
  • Zum Abschluss noch ein Ähnlichkeits-Insider: Immer wenn ich Schwedens Trainer Thomas Dennerby von der Seite sehe, will ich ihn Thorsten Fink rufen. Gut, dass die WM nach diesen beiden Spielen bis Samstag pausiert.

Nachbericht:

  • Überraschung! Sensation! Freude! U – S – A – what the fuck??? Die haben verloren! Gegen die Minimalschwedinnen mit Schelin, dem schönen Chancentod. Die erste große Überraschung des Turniers und gleichzeitig auch das spannendste Spiel, weil man natürlich dem Außenseiter die Daumen drückt, bis die Nägel rot werden.
  • Kleiner MelB-Fan-Service-Einschub: Melanie Behringer sitzt neben der Kanzlerin, würdigt sie aber keines Blickes und redet kein Wort mit ihr, solange die beiden im Bild sind. Eine tolle Frau!
  • 7. Minute: Schelin stürmt alleine auf Solo zu, die mit einer edlen Beinschere abwehrt. Nichts Neues für Lotta, aber für mich die Bestätigung: die Hope kann was.
  • 16. Minute: wieder na-wer-wohl alleine auf weiter Flur, LePeilbet stürzt rein und die schwedische Unglückstrine um. Ein klarer Elfmeter, den uns Lotta clevererweise nicht selbst schießen will. Solo wirft sich in Pose, als wäre Fotoshooting, aber Dahlkvist verwandelt sicher – 1:0 für Schweden.
  • Was ist überhaupt mit diesen Schwedinnen los? Vorne gefährlich, hinten mit guter Aufteilung und starker Aufräumarbeit. Die Amis sind beeindruckt und fangen an, verzweifelte Distanzschüsse loszulassen. Die anders als beim Spiel gegen Kolumbien aber nicht ihr Ziel finden.
  • 35. Minute: Freistoß Fischer, die Frau, bei der ich mich stets frage, ob sie sich die Haare selbst schneidet und weshalb sie die wilden Reste unbedingt mit einem Haarband einfangen muss. Unhaltbar abgefälscht von -hello again- LePeilbet. Das 2:0, die Sensation macht sich breit.
  • Die Amerikanerinnen finden kein Mittel, die Defensive steht wie Wackelpudding und vorne fehlt der Masterplan. „Hoch auf Wambach“ scheint das allgemein akzeptierte Motto der Hilflosigkeit zu sein. Ich rechne derweil verzückt aus, dass sich bei einem Sieg Schwedens Amerika und Brasilien gegenseitig eliminieren dürfen, während wir nach Japan entweder auf Schweden oder Australien treffen. Prima Sache!
  • 67. Minute: Abby Wambach And The Shoulder Of Doom. Nach einer Ecke von Cheney stürzt sich die Stürmerin mit allem, was sie hat in den Ball, trifft die Schulter und das Tor. Ich habe das Gefühl, dass den Schwedinnen nach diesem Anschlusstreffer zum 2:1 die Puste ausgehen könnte.
  • 86. Minute: O’Hara verzieht frei vor dem Tor. Ich mag gar nicht hinschauen. Hat sich wohl zu lange in der Nähe von Lotta aufgehalten.
  • 91. Minute: Jetzt aber – Lotta Schelin schließt nach gutem Zuspiel fulminant zum 3:1 ab, der Treffer wird jedoch zu Unrecht wegen Abseits aberkannt. Egal, Lottalein, in meinen Augen bist du jetzt rehabilitiert. Noch eine schöne Momentaufnahme zum Schluss, als bei einem Eckball der Schwedinnen keine einzige gelb-blaue Trikotträgerin im Strafraum und außerhalb davon zu sehen ist. Abpfiff. Sensation. Ich liebe Schweden.
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3 Gedanken zu “Schweden – USA 2:1 / Nordkorea – Kolumbien 0:0

  1. Manchmal sieht man ja, wenn man im Stadion sitzt, ein komplett anderes Spiel als die Leute vorm Fernseher… Wir waren ein kleines bißchen genervt, weil die Schiedrichterin gefühlt alle drei Minuten mit ihrem Pfeifchen den Spielfluss unterbrach, weil mal wieder irgendwer über einen Grashalm gestolpert war. Aber schön war, das sämtliche Tore des Spiels auf der Seite fielen, auf der wir saßen. 🙂
    Ich war ja lange sehr unentschlossen, wem ich bei diesem Spiel meine Unterstützung angedeihen lassen sollte. Einfach ein schönes, hochklassiges Spiel genießen, dachte ich mir. Der Mann an meiner Seite, der Tatsache geschuldet, das sein Zweitarbeitgeber eine amerikanische Firma ist, litt mit den US-Damen mit und verfluchte eine vermasselte Chance nach der anderen. Bei mir hingeben brach irgendwann dann doch die Schweden-Affinität aus frühen Teenietagen durch. Auch weil die schwedischen Fans hier bereits gestern Nachmittag die ganze Innenstadt in Gelb getaucht hatten und dort mächtig Stimmung machten. Und Stimmung machen können die Schweden ja, muss man mal sagen. Sowas erlebt Wolfsburg äußerst selten. Beim gemeinen Wolfsburger kommt ja ohnehin nur sowas wie Stimmung auf, wenn man ihm alles haarklein vorkaut… ach, über das Thema könnte ich ganze Essays schreiben.
    Ein kleines bißchen gemein war es ja schon von den DFB-Damen, so kurz vor dem Anpfiff da oben auf dem Balkon zu erscheinen. Plötzlich interessierte sich kaum einer mehr für das, was auf dem Spielfeld los war, alle gucken da hoch und jubelten Celia, Nadine, Kerstin und natürlich MelB zu. Sehr geil! Keine 15 Meter weg von mir!
    Und Celia hat mir zugewunken! Hach! Ok, könnte auch sein, das sie ganz generell den da hochstarrenden Fans gewunken hat, aber… nein, ich bin sicher, sie hat nur mir gewunken, mir ganz allein!
    😀

    Und wenn mir jetzt noch jemand eine Karte für Samstag schenkt, bin ich echt glücklich!

  2. Pingback: Das Buchhörnchennest » Bioschokis WM11-Erlebnisse: Langeweile in Bochum: Nordkorea – Kolumbien

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