Chile gegen Australien 3:1

Living after midnight, rockin‘ to the dawn
Lovin‘ ‚til the morning, then I’m gone, I’m gone

  • Willkommen zur ersten Mitternachtsbegegnung! Ich dachte, ich fange gleich mal mit was kernig Hardrockigem an, jetzt, da die ganzen Ballkuschler mit Sicherheit in den Federn liegen und wir ganz unter uns sind. Hier trennt sich der Freak vom Wohlfühlfan, der knallharte Allesgucker vom verweichlichten Wann-spielen-denn-jetzt-die-Deutschen-Frager. „Chile gegen Australien?“ rufen letztere, „Nein, das guck ich nicht. Ist doch beides Wüste und Berge“. Da zuckt die Hand mit der Erziehungsschelle, denn der Weltenbummler weiß: in Chile ist nur der Norden staubig. In der Mitte ist klimatisch Mittelmeer, im Süden oft nass. Und überhaupt ist Chile schmal und Australien breit. So!
  • Chile gegen Australien, das wird ein Kampf zwischen harten, gestählten Männern. Keine Schönspielerei, sondern drauf auf den Ball und wer am Ende stehenbleibt, darf vielleicht aufs Tor humpeln, wenn die Achillessehne noch nicht ganz durch ist. Jedenfalls stelle ich mir das so vor, wenn ich in die entschlossenen Gesichter von Arturo Vidal, Mauricio Isla (beide Juventus Turin), Alexis Sanchez (Barcelona) oder Gary Medel (Cardiff City) schaue. Der Australier setzt Mile Jedinak (Crystal Palace), Tim Cahill (New York Red Bulls) und Tommy Oar (Utrecht) entgegen. Aus der 2. Bundesliga grüßen Ben Halloran (Fortuna Düsseldorf) und Mathew Leckie (FSV Frankfurt), im Kasten lauert der Dortmunder Mitch Langerak, der allerdings wie bei den Schwarzgelben auch hier nur Ersatzkeeper ist.
  • Fakt zum Angeben in der Expertenrunde: vor 40 Jahren haben die Aussies bei der WM ein 0:0 gegen Chile geholt. Das dürfte heute schwierig werden, denn die Roja ist klarer Favorit, was sich in den weitaus frischeren Erfolgen gegen Spanien (2:2), England (2:0) oder Deutschland (0:1 Niederlage, aber die haben uns damals gut durchgemischt) widerspiegelt.
  • Aktueller Einschub: Ich habe eben Spanien gegen Niederlande gesehen. Wenn die Chilenen oder die Australier (warum nicht? Tippen kannst du eh seit 22:50 Uhr MESZ komplett vergessen) gleich so was Ähnliches abziehen, können die Spanier schon die Heimreise buchen. Zwei Tage drin und die WM ist schon kaputt!

 

  • Gäbe es fürs Fernsehschauen wie bei Videospielen Achievements oder Trophäen, wir alle hätten uns gestern Abend einen schönen Sticker mit der Aufschrift: „Ich war dabei, es war spät, es war Poschmann, aber ich habe durchgehalten!“ auf die virtuelle Brust tackern können. Ich fühlte mich jedenfalls beim Ausschalten des Fernsehens so schlaff wie die Chilenen in der zweiten Hälfte.
  • Nach 15 Minuten schon 2:0 für die Chilenen. Okay. Habe ich nach dem Wahnsinn von Salvador einfach mal so akzeptiert. Das Spiel schien nur eine Zehenübung für die südamerikanische Roja zu sein. Die europäische Roja bangte derweil wohl, ob man nach Ende der Begegnung nicht vielleicht schon wegen des Torverhältnisses ausgeschieden sei. Mathematisch hochgerechnet war da ein 12:0 drin.
  • Aber der Chilene ließ locker und seine Abwehr zeigte sich für zweierlei Dinge empfänglich: Kopfbälle von Tim Cahill und Schüsse von Mark Bresciano. Die durften üben, die durften machen, als wären sie in ihrem früheren Leben mal Inkagötter gewesen. Wenn wir auf die in den Ausscheidungsspielen treffen, spitzt sich Klose vor Freude schon den Schädel an. Nach dem Anschluss drehten die Aussies sogar noch richtig auf, hatten in der zweiten Hälfte gegen einen unlustvoll auftretenden Gegner durchaus Chancen auf den Ausgleich.
  • Ein satter Schuss von Beausejour beendete den Spuk und alle australischen Wiederauferstehungsversuche. Bonjour, gute Nacht Poschi. Und heute stehen gleich vier Partien an, ächz.

Tore:

1:0 A. Sanchez (12.)
2:0 Valdivia (14.)
2:1 T. Cahill (35.)
3:1 Beausejour (90.)

Schweden – Australien 3:1

  • Nee. Bäh. Ich mag nicht. Das hat doch keinen Sinn mehr. Ich habe letzte Nacht davon geträumt, wie Mario Basler und Nico Rosberg in Sport-BHs um mich herumgetanzt sind, sich gegenseitig an den Genitalien gezogen und dauernd „Oh, wie ist das schön“ angestimmt haben. Bis Cristiano Ronaldo hereinkam und mir sein neues Parfüm verkaufen wollte, während Melanie Behringer dauernd Flanken nach ihm schlug, die er alle mit dem Kopf ins sperrangelweit offene Fenster einnickte. In dem Moment bin ich schreiend aufgewacht.
  • Ich komme mir vor, als hätte ich mir ein neues Spielzeug gekauft, das schon nach ein paar Tagen kaputt gegangen ist. Und jetzt bin ich zu enttäuscht und leer, um es umtauschen zu lassen oder mein Geld zurückzufordern. Stattdessen starre ich das Ding an und stelle mir vor, wieviel Spaß ich noch damit hätte haben können.
  • Aber angefangene Dinge soll man nun mal beenden. Schweden gegen Australien also. Gegen die Siegerin wären wir gekommen.  Die hätten uns beide sicher besser gelegen. Lotta Schelin hätte man ruhig in der Verlängerung einmal aufs Tor laufen lassen können. Die Frau hätte den Anstand gehabt, den Ball in dem Moment neben das Tor zu setzen. Um dann im Elfmeterschießen zu treffen, das wir dann aber gewonnen hätten  Während bei den Australierinnen Servet Uzunlar hinten sicher einmal lieb zu unseren Gunsten gepatzt hätte.
  • Die Statistik spricht mit 5:1 Siegen klar für die Skandinavierinnen, aber seit gestern wissen wir ja, dass Statistiken ganz großer Mist sind. Wenn ich alleine schon die Ballbesitzstatistik sehe, kommt es mir schon hoch. Die sagt doch nur aus, wie viel länger eine Mannschaft den Ball in den eigenen Reihen rumspielt als die andere. Egal. Den Schwedinnen gönne ich ein Weiterkommen, die haben mir gegen die USA viel Spaß bereitet und den traue ich zu, diese flinken und zähen Japanerinnen nach Hause zu schicken. Wo sie sich mal ruhig in eine Ecke setzen und darüber nachdenken können, was sie gestern Abend angestellt haben.

Nachbericht:

  • Wenn Wissenschaftler eines Tages die DNA von englischen und australischen Fußballer/innen mischen, könnte sich das Problem der englischen Erfolglosigkeit am Elfmeterpunkt erledigt haben. Allerdings leider, weil das Ergebnis sich schon in 90 Minuten aus dem Turnier verteidigt hätte. Das ist jetzt gemein gegenüber den großartig kämpfenden Matildas, aber mit den Abwehrleistungen braucht es schon übermenschliche Kräfte, um den Rückstand immer wieder zu egalisieren.
  • Schon in der sechsten Minute das Zusammentreffen der Chancenfrauen dieser WM. Eine australische Verteidigerin schafft die Gelegenheit, Schelin verstolpert sie. Ein Duell, das die Australierinnen auf lange Sicht verlieren sollten. Denn Lotta kommt fünf Minuten später über außen, passt nach innen auf Sjögran, die trocken ins kurze Ecke abzieht. Barbieri braucht zu lange Richtung Boden und lässt den Schuss passieren – 1:0.
  • 16. Minute: Torschützin Sjögran flankt, Dahlkvist steht vogelfrei alleine im Strafraum, von so einer Situation träumen die kleinen Japanerinnen nachts, wenn sie im Dunkeln vom Hotel aus auf das Kopfballpendel schauen. Souverän oben eingenickt, 2:0. War es das schon? Das Spiel scheint für die Schwedinnen wie Urlaub auf Bullerbü zu werden nach den Auseinandersetzungen mit den USA,  Nordkorea und Kolumbien.
  • Bis Australiens #6, Ellyse Perry, wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff vom Strafraumeck einen Ball wunderbarst in den Winkel schlenzt. Sicherlich eines der schönsten Tore dieser Weltmeisterschaft. Es geht in die Pause, der Urlaub auf Bullerbü ist gestrichen.
  • Wird es nochmal spannend? Können die Aussie-Ladies zurückkommen? Hält die Abwehr? Nein, nein, ach was sind die korrekten Antworten. Grausamer Rückpass von Kim Carroll auf Lotta Schelin und den lässt sich die #8 der Schwedinnen dann wirklich nicht mehr nehmen, tanzt die Torhüterin aus und schiebt zum 3:1 ein. Lottchen hat getroffen, das kann nur das Ende bedeuten.
  • Die Matildas laufen weiter an, aber es wird nichts mehr. Besonderes Vorkommnis: Garriock haut Schelin den Ellenbogen ins Gesicht, eine klare Tätlichkeit, die ungeahndet bleibt. Ich bin mir aber sicher, heute Abend bei USA gegen Brasilien fliegt noch jemand vom Platz. Ich benenne meine Favoritin im Vorbericht.
  • Schweden steht im Halbfinale gegen Japan und schnappt sich den letzten europäischen Platz bei Olympia. Die deutschen Frauen werden 2012 also nicht in London dabei sein. Schade, aber nicht zu ändern.

Äquatorial-Guinea – Brasilien 0:3 / Australien – Norwegen 2:1

Vorbericht:

  • In Gruppe D gibt es nicht mehr allzu viele Fragen aufzuarbeiten. Hält Australien Norwegen auf Distanz und zieht ins Viertelfinale gegen die USA ein, wo es mit Sicherheit ordentlich auf den Känguruhbeutel geben wird? Welches Spiel läuft in der ARD, welches auf ARD Festival, dem Knallersender, der -egal, wann ich auch einschalte- immer nur die Promo mit dem Chamäleon laufen lässt und nie mal eine gescheite Übertragung eines Rockkonzerts. Und kann sich der größte und einzige Weltstar, den diese Sportart bisher hervorgebracht hat,  im Kampf um den Ball auch gegen echte Männer durchsetzen? Moment, die Frage ist schon beantwortet: leider nein, siehe Cristiano Ronaldo bei der WM 2010.
  • Bibi rettet die Welt. Jawoll, die Deutsche Bibiana Steinhaus, sozusagen die Lira Bajramaj der Schiedsrichterzunft, zieht heute los und rückt das schief gewordene Bild der weiblichen Referees ins rechte Licht. Fallobst, Handgesindel, Foulfußvolk und andere Tunichtgute haben keine Chance. Möglicherweise der entscheidende Grund für die ARD, Äquatorial-Guinea gegen Brasilien zu übertragen (zum Zeitpunkt dieses Vorberichts ist noch alles offen). Denn dort dürfte es law’n’order-mäßig ordentlich etwas zu tun geben.
  • Australiens Stürmerin Lisa de Vanna war im September vergangenen Jahres in einen Facebook-Sex-Skandal verwickelt, als sie verwirrende Bilder hocherotischen Inhalts auf ihrer Seite des sozialen Netzwerks veröffentlichte. Gerne gebe ich an dieser Stelle die Moralinstanz im Sinne von des Deutschen liebsten Schmuddelblattes und echauffiere mich: „Schmutz, Schund, einfach nur widerlich, hier ein Beispiel„. Mich erinnert die gute Frau ja immer an einen Charakter aus den Asterix-Comics, ich komme aber jetzt nicht auf den Namen. Vielleicht weiß die werte Leserschaft Rat.
  • Nachtragen muss ich noch meinen Schock über den Stromausfall im Dresdener Stadion während des Matches Kanada gegen Nigeria. Kurzzeitige komplette, auch für das Schiedsrichterinnengespann deutlich sichtbare Dunkelheit. 10 Minuten ging gar nichts mehr auf Rasen. Unmittelbar nach dem Anpfiff das 0:1 für die Nigerianerinnen. Ich werde jetzt nicht den Witz bringen, dass die Afrikanerinnen Dunkelheit eher gewöhnt sind. Ich habe auch noch Würde.
  • Wo wir beim Nachtragen sind, hier der beste Couchdialog während des Spiels Deutschland gegen Frankreich, so stattgefunden unmittelbar nach dem verwandelten Foulelfmeter von Inka Grings. (Bruder) „Die hat die Ecke gehabt!“ (Ich) „Wie bitte?“ [Es läuft die Wiederholung, die französische Ersatztorhüterin fällt nach rechts, der Ball schlägt weit links von ihr ein] (Bruder) „Äh“ (Ich) „Bewirbst du dich jetzt heimlich als Reporter beim ZDF?“ Gelächter.

Nachbericht:

  • Spektakuläres Geständnis gleich zu Beginn: ich habe die ersten 9 Minuten des Spiels verpasst, weil ich dachte, der Anstoß wäre erst um 18:15 Uhr. Das soll sich aber auch einer merken können. Ab dem Viertelfinale kommt übrigens noch die Anstoßzeit 17:30 Uhr hinzu. Die FIFA wünscht frohe Verwirrung.
  • Viel verpasst habe ich allerdings nicht in der ersten Hälfte. Absolutes Highlight: Superstar Marta wird in Manndeckung genommen, Äquatorial-Guineas Handspezialistin Bruna lässt sie nicht aus den Augen und folgt ihr sogar auf dem Weg zum Trainer, als sie dort taktische Anweisungen holen bzw. realistischerweise eher geben will. Es ist eine kühne Vermutung, aber ich glaube, in dem Moment hatte Otto Rehhagel vor dem Fernseher eine Erektion.
  • Die zweite Halbzeit habe ich umgeschaltet. Woraufhin ich feststellte, dass auf EinsFestival HD wieder nur die Promo mit dem Chamäleon läuft. Lediglich auf dem nichthochaufgelösten Kanal gibt es Fußball. Liebe GEZ-Zahler, Ihre Gebühren am Werk! Norwegen für ein Team, das gewinnen musste, erschreckend lustlos im Spiel nach vorne, Australien viel spielbestimmender. Dennoch gehen die Norwegerinnen nach einem wieder mal katastrophalen Fehler durch die abwehrschnitzerprobte Servet Uzunlar mit 0:1 in Führung.
  • Direkt im Gegenzug der Ausgleich durch Simon. Danach das bekannte Spielmuster. Der Kommentator brabbelt aufgeregt die Erfolgsgeschichte der Skandinavierinnen herunter, erklärt ein Ausscheiden zum Weltuntergang. Den Spielerinnen ist es egal, nach vorne kommt wenig, mit Ausnahme eines Freistoßes ans Lattenkreuz durch Rönning. Drei Minuten später das entscheidende 2:1 durch einen Simon-Kopfball und kreative Orientierungslosigkeit der norwegischen Torfrau. Der ex-Weltmeister, ex-Europameister und ex-Olympiasieger ist nun offiziell auch ex-WM Teilnehmer 2011. Ha det, Norge!

Australien – Äquatorial-Guinea 3:2

Vorbericht:

  • Ich eröffne die heutige Vorberichterstattung mit einem Zitat der australischen Torhüterin Melissa Barbieri: „Unser nächstes Spiel wird genauso unterhaltsam werden wie das gegen Brasilien„. Schnell in meinen Beitrag zur besagten Begegnung gespickt und nüchtern festgestellt: entweder lebt die Frau in ihrem 16-Meter-Raum in einer Welt voller Fantasie, wo Einhörner springen und Regenbogen in den schillerndsten Farben strahlen oder sie will den Zuschauer warnen.  Mittelbar vor Drogenkonsum, unmittelbar vor einer sturzlangweiligen Partie. Ich bin für beides vorbereitet.
  • Bei Äquatorial-Guinea, immerhin selbst hinter Australien mit 50 Weltranglistenpunkten platziert, hat mir die Mittelfeldspielerin Anonma gefallen. In einer Auswahl, bei der Geschlecht und Nationalität angezweifelt werden, sticht die ab nächster Saison für Potsdam spielende Kapitänin hervor. Sie schießt gerne und häufig, zusätzlich sieht das Ergebnis dieser Aktionen bedeutend mehr nach Torgefahr aus als bei ihren Kolleginnen. Wichtig erscheint mir folgender Hinweis: weshalb muss die Frau Vorwürfen entgegentreten, dass sie ein Mann sei? In ihrem offiziellen Pass wird sie als Genoveva Anonman geführt. A – Non – Man.  Frau Einnichtkerl sozusagen.  Deutlicher kann man es doch nicht machen, da haben sich die Eltern doch etwas dabei gedacht.
  • Ich hatte bei dieser Partie übrigens auf ein Unentschieden getippt, aber meine 4-Spiele-Kombi durfte ich nach dem souveränen Nichtsieg von Nordkorea bereits zerreißen. Dieser WM täte eine Überraschung mal richtig gut, in diesem Fall das Weiterkommen der Afrikanerinnen anstelle der Norwegerinnen. Sonst könnte man sich die dritte Runde eigentlich sparen angesichts der breiten Durchsetzungsfähigkeit der favorisierten Teams.
  • Meinen Dank für die vielen aufmunternden Kommentare und die Werbung für diesen kleinen Blog. Wer Facebook-Fan werden will, möge diesem Link folgen (dieser blöde Like Button lässt sich hier aus irgendwelchen Gründen nicht einbinden).

Nachbericht:

  • Eine weise Entscheidung von Trainer Sermanni: statt Melissa Barbieri hütet Lydia Williams das Tor. Obendrauf sollte es eine ansehnliche Partie werden, in der die Socceroos nach schöner Kombination frühzeitig durch Khamis in Führung gingen.
  • Handspiel im Strafraum zu pfeifen ist oft eine komplizierte Angelegenheit: ging der Ball zur Hand, lag eine natürliche oder unnatürliche Handbewegung vor, war es gar ein Reflex? Erfreulich einfach die Regelauslegung hingegen bei den Frauen. Nimmt eine Spielerin den Ball im Strafraum mit der Hand auf, bleibt sie straffrei, sofern sie das Spielgerät innerhalb von 5 Sekunden wieder brav auf den Boden legt. So von der Schiedsrichterin gesehen in der 16. Minute, dargebracht von Bruna.
  • Die Matildas, benannt nach der inoffiziellen Volkshymne Australiens, Waltzing Matilda, walzten den Großteil des Spiels auf das Tor  Äquatorial-Guineas, erzielten zwei weitere Treffer durch van Egmond und de Vanna. Nur Servet Uzular besann sich ihres Namens und servierte Anonma zwei Mal den Ball zum Reinschießen.
  • Es gilt ein paar Preise zu verteilen: brutzigster Gesichtsausdruck (#4, Carolina), härtestes Foul (#5, Ana Cristina), tapfere Kommentierung des Offensichtlichen (Claudia Neumann, „Es wird eine zweite Halbzeit geben“).

Brasilien – Australien 1:0

Vorbericht

  • Wer ist eigentlich die beste Fußballspielerin der Welt? Wer hat bis auf die Heiligsprechung alle nationalen irdischen Titel gesammelt, gilt als Gesicht ihrer Vereinsmannschaft, schießt die schönsten Tore, ist ein Idol für die weltumspannende Fangemeinschaft, hat allerdings noch nie mit der Nationalelf eine Weltmeisterschaft gewonnen? Klar, da kann es nur eine Antwort geben: Cristiano Ronaldo Marta.
  • Die 25-jährige Brasilianerin ist auch dieses Jahr Topfavoritin auf die Torjägerkrone, die sie sich schon 2007 sichern konnte. Schwedische Meisterin 2005-2008, Brasilianische Meisterin 2009, US-Meisterin 2010, Weltfußballerin der vergangenen fünf(!) Jahre – wo die Frau auch hinkommt, gravieren die örtlichen Goldschmiede schon weit im Voraus ihren Namen in die Pokale. Wie kann es da sein, dass die gute Frau noch nicht Weltmeisterin geworden ist? Ach ja, dafür müsste sie in der DFB-Elf spielen.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass die brasilianische Elf in Hilflosigkeit verfällt, wenn es nicht rund läuft und im Strafraum keine Samba getanzt werden kann, sondern sich görendreiste Abwehrspielerinnen frech in den Weg stellen. In diesen Momenten verfällt die Auswahl gerne in den MAWAMA-Modus (MAchWAsMArta), die Auserwählte reiht daraufhin panisch Übersteiger an Übersteiger bis heiße Luft aus dem runden Leder quillt. Vergleiche mit der brasilianischen Herrenmannschaft verbieten sich eigentlich, aber hier fallen sie positiv aus. Viele sehen in der Spielweise der Frauen die Wiederbelebung der temporeichen, kreativen und leichtfüßigen Ballbehandlung früherer Selecao-Mannen. Die Verteidigung übrigens soll ähnlich sattelfest sein wie damals.
  • Matilda hingegen ist der Star in der australischen Truppe. Für diesen Satz fällt mir wahrscheinlich Berti Vogts gleich um den Hals, denn Matildas lautet der Spitzname der Auswahl von Down Under. Die Chronistenpflicht, journalistische Sorgfalt und die aktuell eher darbende Zugriffszahl hier drin gebieten es, darauf hinzuweisen, dass sich die Auswahl von 1998 für einen Kalender zur finanziellen Unterstützung ihres Verbandes ästhetisch wertvoll nackig gemacht hat. Den Link dazu gibt es hier, die folgenden Zeilen widme ich der lieben Googlesuchmaschine: Frauenfußball, Kalender, nackig, nackt, australische Frauen nackt, australische Fußballfrauen nackt, australische Fußballfrauennationalmannschaft nackt, Justin Bieber, Lady Gaga,  Transformers 3.
  • Asiens Fußballerin des Jahres ist die Australierin Kate Gill. Was mich wieder zu der Erklärung nötigt, dass Australien fußballtechnisch zu Asien gezählt wird, Neuseeland hingegen zu Ozeanien. Deshalb sind beide Mannschaften oft bei Turnieren dabei, treffen dort meist aber nicht aufeinander, weil nach der Vorrunde schon gewohnheitsmäßig die Heimreise ansteht. Frau Gill ist das letztlich egal, denn sie spielt wegen eines Kreuzbandrisses eh nicht mit.  Realistischer treffen, weil noch mit intaktem Bandapparat im Kniegelenk, können Samantha Kerr und Kyah Simon.

Nachbericht:

  • Es mag sein, dass ich in letzter Zeit zu viel Frauenfußball gesehen habe. Vielleicht drücken mich abends auch die Betablocker runter, die ich wegen meines Bluthochdrucks nehmen muss. Aber: war das in der ersten Hälfte wirklich wie von Kommentator Norbert Galeske beschrieben ein „ordentliches, passables Spiel“? Ich fand es genauso langweilig wie tags zuvor die ersten 45 Minuten von USA gegen Nordkorea und wenn ich nicht zur Pause die Augen zumachen hätte können, wäre die zweite Halbzeit ohne mich gelaufen.
  • Beschäftigt hat mich folgender Gedanke: weshalb spielten die Brasilianerinnen nicht im traditionellen Gelb-Blau, obwohl sie doch den zugelosten Heimvorteil hatten und daher ihr Trikot bestimmen konnten? Sagt schon einiges über die Qualität der Partie aus, wenn es nichts gab, was mich von dieser Grübelei ablenken konnte.
  • Nerven tut mich auch, wenn unspektakulären Aktionen der Anstrich der Torgefahr gegeben wird. Ein „guter Kopfball“ etwa ist keiner, der 5 Meter am Tor vorbeirollt. Andererseits wird erst ein „gelungener Schuss“ gelobt, den die Torhüterin ohne Probleme aufnehmen kann, wenige Minuten später kommt ein Ball ähnlicher Kajütte auf den Kasten und es heißt: „Ein Schlenzer, eher wie eine Rückgabe“. Man tut dem Frauenfußball doch wirklich keinen Gefallen mit diesen Aufbauschungen. Ich möchte hier nicht zum ständigen Rumnölen aufrufen, aber ein kleiner Realitäts-Check hier und da täte manchem Kabinenvogel mal ganz gut.
  • Kein Problem habe ich damit, das 1:0 durch Rosana als technisch gelungene Ballannahme, gefolgt von einem tollen Schuss, einzuordnen. Aber der Rest? Ich erwarte keine Knaller in den Winkel, Hackentricktore, Heber (obwohl die Japanerinnen gezeigt haben, dass das geht) oder Seitfallzieher. Weit übers Tor zimmern tun auch die Männer. Allerdings kann auch frau in guter Position mal den Ball gezielt flach oder mit einem feinen Schlenzer über die Linie bringen.
  • Wie auch immer: Brasilien gewinnt, ohne seine Favoritenrolle auch nur ansatzweise untermauern zu können.  Die Leistung von Marta, der auserkorenen Überstürmerin, fand ich ernüchternd bis enttäuschend. Vielleicht brauche ich jetzt wirklich eine Pause. Gut, dass es morgen kein Mittagsspiel gibt, sondern um 18 Uhr und 20:45 Uhr erst wieder angepfiffen wird.

Ghana – Deutschland 0:1 / Australien – Serbien 2:1

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Ich dachte, ich fange direkt mit dem Satz an, der auch den Vorbericht zum Spiel gegen Australien eröffnete. Fußballer sind ja bekanntermaßen abergläubisch. Heute also die letzte Partie der deutschen Auswahl. In der Vorrunde. IN DER VORRUNDE! Meine Herrschaften, bitte ruhig bleiben, Zeit für den dramatischen Herzinfarkt oder die spontane Hirnblutung bleibt noch heute Abend zwischen 20:30 und 22:25 Uhr.
  • Ich bin optimistisch. Wir hatten ja schon mal so eine Situation; erstes Spiel gewonnen, zweites gegen irgendwas vom Balkan verloren. Und damals, bei der EM 2008, ging es zum Abschluss mit Siegesdruck im Fuß auch gegen einen Exoten, nämlich den Österreicher. Unvergessen, wie dieser eine Spieler beim Freistoßtor zum späteren 1:0-Endstand im Gesicht die Entschlossenheit eines unter Darmverschluss leidenden Kassenpatienten auf der Schüssel darstellte. Wer war das nochmal gleich? Ach ja. Michael Ballack. Mist.
  • Ein bisschen Bammel habe ich aber dennoch. Vor zwei Jahren hieß mein Schreckgespenst Metzelehmann, das war dieser Torwart-Abwehrspieler-Hybrid, der in der 90. Minute beim Stand von 0:0 den Ball vor die Füße seines Verteidigers fallen lässt, welcher selbigen dann von Panik erfüllt in die eigenen Maschen drischt. Diesmal ist es (falls er denn spielt) der Boateng. Nicht der Böse, sondern der Gute, der Jerome, also der von unserer Seite. Nicht auszuschließen, dass der in der 5. Minute mal einfach aus Spaß an der Freud‘ einen Ghanaer im Strafraum ummäht. Als Jogi Anfang Mai die Mannschaft zusammenstellte, habe ich auf Twitter geschrieben: „Falls Boateng nominiert wird, ist die Taktik klar: den Gegner früh mit einem Platzverweis und Elfmeter zu seinen Gunsten überraschen.“ Das geht mir seitdem verdammt nochmal nach!
  • Ich hasse jetzt übrigens Brasilien. Ach, ich lege noch einen drauf, ich hasse ganz Südamerika. Weshalb? Na, wegen dem Schiedsrichter Carlos Simon, der von dort herkommt, wie kann man da noch fragen? Der ist korrupt, wird Sheriff genannt, verteilt Karten schneller als Trochowski vor Verzweiflung  abziehen kann. Was fällt denen ein, so jemanden unsere schöne Partie pfeifen zu lassen? Der will uns doch draußen haben, damit all die ach so tollen Südamerikaner die WM in ihre Copa América verwandeln können. Und wenn das nicht gelingt, verwarnt er mindestens alle vorbelasteten deutschen Spieler. Dann müssen wir im Achtelfinale mit Gomez im Sturm, Gomez im Mittelfeld und Gomez in der Verteidigung antreten. Überall Gomezze! Natürlich mag es auch ganz anders kommen. Aber wenn die BILD, das Volks- und Fachorgan für Verblödung zum vorauseilenden Meinungsgehorsam aufruft, kann man doch nicht hinten anstehen!
  • Ich werfe ein paar Spielverlaufsszenarien ein, die mich die Angelegenheit beruhigter angehen lassen würden: Platzverweis für Kevin-Prince Boateng direkt am Anstoßkreis. 3:0 für Deutschland nach 10 Minuten (Cacau, Podolski, Eigentor Kingson). 3:0-Führung der Australier auf dem anderen Platz gegen Serbien. Die realistische Aussicht, dass der Aussie dieses eine Mal wirklich in voller Mannschaftsstärke das Spiel beendet. Das kann doch nicht so schwer sein, lieber Fußballgott!
  • Die Ausgangslage: mit einem Sieg sind wir im Achtelfinale, höchstwahrscheinlich sogar Erster. Wo der Engländer, so er sich denn wirklich durchwurschteln sollte, auf uns warten würde. Bei einem Unentschieden gehört uns der zweite Platz in der Gruppe, wenn der Serbe dem Australier keinen einschenken kann. Andere Spielausgänge gibt es nicht. Basta.
  • Ganz zum Schluss noch der Hinweis für alle ganz Abergläubischen. Die wie ich die Partie in der exakten Umgebung sehen werden, wie bei dem deutschen Turnierstart, möglicherweise in derselben Ober- und Unterbekleidung. Vor 10 Tagen, beim 4:0, hatte ich meinen ersten Flattr-Punkt bekommen. Ich würde niemals behaupten, dass dies irgendeine Kausalität zum damals deutlichen und entspannten Sieg begründet hätte. Aber wer weiß.. ich setze mal einfach einen Flattr-Button hier drunter. Nur, falls jemand auf Nummer sicher gehen möchte.

Nachbericht

  • Diese jungen Leute nehmen aber auch wirklich keine Rücksicht auf Menschen mit schwachem Herzen. Egal. Hauptsache weiter. Meinen Dank an Mesut Özil, obwohl er mich in der 25. Minute fast auf die Intensivstation der Kardiologie geschickt hätte. Nicht vergessen darf man die Leistung der Australier, die mit ihren beiden Treffern gegen Serbien die Schlussphase unseres Spiels entkrampfter gestalteten. Thanks, mates!
  • Ein Partie voller Chancen für die Black Stars, ich will gar nicht mehr drüber nachdenken. Obwohl der Ghanaer bisher noch kein Tor aus dem Spiel heraus erzielen konnte, verschickten Mertesacker & Co Einladungskarten mit Schnörkeln und Herzchen. Neuer rettete großartig, stand aber auch einmal leicht neben sich.
  • Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn der Erlösungsschuss nicht gefallen wäre. Das hätte noch ewig ein fröhliches Ballschieben rundum den Strafraum werden können. Aber hängen wir dem „hätte“ nicht länger nach. Wir sind weiter und gegen England wird es eine andere Nummer. Ich glaube, die Spieler von Ghana waren am Ende zufrieden, dass sie es mit den Amerikanern im Achtelfinale doch recht gut getroffen haben.
  • Schiri Simon leitete sicher, kein Sheriffgehabe, kein unnötiger Griff zur Karte und vor allem keine Verwarnung gegen Lahm, Cacau, Schweinsteiger, Özil und Khedira. So einfach kriegt es der Engländer mit uns als Gegner halt doch nicht gemacht.


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Ghana – Australien 1:1

Vorbericht

  • Heut‘ bin ich Känguruh, da gibt’s kein Vertun. Ich fände es einfach nicht in Ordnung, wenn der Ghanaer sich unsere Tabellenführung in der Gruppe unter den Nagel reißen würde. So gut hat der gegen den Serben auch nicht aufgespielt. Erst mit der Hinausstellung von Lukovic wurde es damals von der Spielanlage her lockerer. Und schließlich brauchte es einen Handelfmeter (der bei den Serben bei dieser WM zur Tradition zu reifen scheint), ehe der Sieg gesichert war.
  • Wenig hilfreich ist natürlich, dass der beste Mann der Socceroos, Tim Cahill, wegen seiner roten Karte gesperrt sein wird. Für das Spiel der Australier kommt das der Situation nahe, als müsste sich Crocodile Dundee mit einem Teelöffel seinen Weg durch die Wildnis bahnen. Aber ich baue auf den Aussie, der lässt sich nicht unterkriegen, der biegt sich das Ding zurecht und bekämpft damit das Gestrüpp der gegnerischen Abwehr.
  • Sollte der Ghanaer heute hoch gewinnen, haben wir den Druck im letzten Spiel, weil er schon so gut wie im Achtelfinale steht. Sollte er verlieren,  muss er gegen uns auf Sieg spielen. Bei einem Unentschieden… nee, ich will kein Unentschieden. Ich will eigentlich so wenig Spannung wie möglich für unsere Jungs am dritten Spieltag der Gruppe. Deshalb bin ich heute Känguruh.

Nachbericht

  • Der Australier als trinkfester Geselle schießt sich ja gerne mal selbst weg. Meistens hat er dabei ein Foster’s in der Hand. Bei dieser WM gelingt ihm das auch ganz ohne Alkohol, wobei er stets seine Besten trifft. Erst Cahill, nun Kewell. Wenn ich darauf wetten könnte, würde ich Marc Schwarzer als den Kandidaten für das Spiel gegen Serbien benennen.
  • Aber der Reihe nach: beginnen wir mit dem schönsten Baggerversuch des Spieltages. Majestätisch, wie Ghanas Kingson den Freistoß von Bresciano von sich wegschaufelt. Leider sowohl im Volleyball (der Ball hatte schon aufgesetzt) als auch im Fußball unbrauchbar. Holman staubt ab und ich lasse den Bumerang kreisen. Jetzt soll der Ghanaer mal gucken!
  • Schon wieder die falsche Sportart, diesmal Handball im Strafraum der Aussies. Kann man lange drüber diskutieren, wie Kewell seinen Arm hätte halten müssen, dass es keinen Elfmeter gegeben hätte. Schnellamputation und hinter sich ins Netz schmeißen wäre mein Ratschlag gewesen. Asamoah Gyan schiebt so ziemlich genau wie unser Podolski, hat aber Schwarzer ins andere Eck geschickt. Das ist der Unterschied zwischen Elfmeterheld und Elfmeterversager.
  • Mit 10 Mann zum Sieg verdammt gegen 11 entspannte Afrikaner – schwierige Ausgangslage. Wenn ich Löw noch eins in den Notizblock schreiben darf: passt mir auf den Gyan und den Boateng auf – und um Himmels willen schießt öfter mal auf den Kingson!
  • Kurz vor Schluss noch eine Riesenchance für die Australier. Wilkshire, du oller Pflaumenbaum! Schießt einfach den Torwart an! Und Reporter Simon macht eine sensationelle Parade daraus. Der hätte damals im Wilden Westen bei Revolverduellen seine Freude gehabt: „Und wieder großartig mit der Brust abgewehrt!“. Den Schlusspfiff bekommt er als einziger nicht mit. Es sind immer dieselben, die aus der Reihe fallen.
  • Okay, nun müssen wir am Mittwoch gegen die Ghanaer gewinnen. Das kann auch schiefgehen. Vom Australier würde ich keine große Hilfe erwarten, der hat sich mehr ausgebeutelt als ein Beuteltier. Druck aufbauen, schießen, wenn die Verzweiflung groß ist, vielleicht Trochowski wild draufballern lassen. Irgendwie muss das Ding rein. Ich verspreche auch, diesmal nicht im Nationalmannschaftstrikot und nicht in HD zu gucken.