[Viertelfinale] Brasilien gegen Kolumbien 2:1

  • James, ausgesprochen nicht wie der Butler, sondern Cham-es, ist der neue Star der Kolumbianer. Spielt beim AS Monaco, genau wie sein verhinderter Kollege und Stürmergott Falcao, der übrigens heute nicht im Stadion sein darf, weil der Fürstentum-Club ihn lieber im Training sehen will. Strenge Sitten. Die Brasilianer würden sich bestimmt freuen, wenn diese Aufforderung auch für seinen jungen Kollegen gelten würde.
  • Ich mag den James auch, vor allem, wenn er heute wirklich die Gastgeber rausschießen sollte. Was habe ich mich geärgert, als die die armen Chilenen im Elfmeterkicken eliminiert haben. Da schoss stellenweise ja Not gegen Elend vom Punkt. Aber vorher war diese eine Szene kurz vor Abpfiff, als Pinilla nur die Latte traf. Die geht mir nicht aus dem Kopf. Wie mit einem Schuss ein paar Zentimeter tiefer plötzlich absolute Stille im Stadion gewesen, die Euphorie zu starrem Entsetzen mutiert wäre. Oder um es leicht ergänzt mit Mehmet Scholl zu sagen: Gänsehautentzündungsentzündung.
  • Luiz Gustavo, die deutsche Ordnung zwischen Verteidigung und Angriff, kann wegen seiner zweiten gelben Karte im Turnier nicht mitspielen. Das könnte ein entscheidender Faktor sein. Früher gab es diese Vermittlerrolle gar nicht in der brasilianischen Mannschaft, da hieß es: „Ball nach vorn und hoffen, dass er nicht zurückkommt“. Mittlerweile spielen aber auch die Gastgeber mit funktionierender Abwehr. Wobei ich von dem Julio Cesar im Tor immer noch nicht so überzeugt bin. Wer in Kanada im Kasten steht und dabei keine Maske trägt, dürfte nicht nur den Leuten dort seltsam vorkommen.
  • [An dieser Stelle bitte abhängig vom Ausgang des ersten Viertelfinals Bekundungen wie „Egal, wer da weiterkommt, die machen wir platt, ‚woll“, „Schlaaaand“, „Oje, die hauen uns die Hucke voll“, „Heul, die WM ist tot“ oder „Hoffentlich kriegt wenigstens der Holländer auch noch einen drauf“ einfügen]

  • Verrückte Welt. Bei Brasilien schießen die Verteidiger die Tore nach Standardsituationen. Erst Thiago Silva nach einer Ecke, später Luiz mit einem direkt verwandelten Freistoß. Die Offensivkräfte fallen auf, in dem sie aus dem Spiel heraus scheitern (Hulk), sich verletzen (Neymar) oder einfach plötzlich keinen Schnurres mehr tragen (Fred).
  • Thiago Silva mit einer bemerkenswert dummen gelben Karte, die ihn für das Spiel gegen Deutschland sperrt. Überhaupt viele Fouls und eher wenige spielerische Höhepunkte. Zumindest das 2:0 durch Luiz hätte Manuel „Die Hand Gottes“ Neuer ziemlich sicher gehalten.
  • Trotz einer 2:0-Führung am Ende noch ein spannendes Spiel, weil James mit seinem 6. und letzten WM-Treffer per Elfmeter die Cafeteros nochmal heranbringt. Leidenschaftlich gekämpft haben sie, die Kolumbianer aber Brasilien steht letztlich im Halbfinale. Egal, die machen wir platt, ‚woll. Schlaaaand.

Tore:

1:0 Thiago Silva (7.)
2:0 Luiz (69.)
2:1 James (80., Foulelfmeter)

[Viertelfinale] Frankreich gegen Deutschland 0:1

  • Ich bin mir sicher, das wird heute ein ganz anderes Spiel. Weil nochmal wie gegen Algerien überlebe ich nicht. Es sollte zumindest in der ersten Hälfte diesmal schon etwas mehr mit Fußball zu tun haben und weniger mit „Komm-ich-am-Torwart-vorbei-und-kann-den-Ball-ins-leere-Tor-schießen?“. Aber die Aussichten sehen gut aus, denn die Deutschen wiederholen sich ungern. „Locker durch dank Platzverweis“, „Zurückgekämpft nach Rückstand“, „Souverän weil’s beide wollten“ und „Durchgekrampft“ war das jeweilige Fazit nach den bisher gebotenen Leistungen. Jetzt wird es Zeit für „Wunder (60 Jahre nach dem von Bern)“, „Unverschämtes Glück“ oder „Freistoßlegende“.
  • Für letzteres hat man sich erneut akribisch vorbereitet. Schon vor Ertönen des Freigabepfiffs stürzt Mertesacker ganz vorne mit existenzialistischen Fragen die französischen Verteidiger in die Krise („Was wollt ihr von mir?“, „Was macht ihr überhaupt alle hier?“, „Sind wir vielleicht gar nicht im Jetzt und Raum, sondern nur eines göttlichen Wesens Traum?“), Müller jodelt, Kroos schubst Özil, Özil weint,  Schweinsteiger spielt per Hacke zurück auf den 80 Meter anlaufenden Neuer und … naja, lassen wir uns überraschen.
  • Die BILD-Zeitung meint, Großkreutz würde spielen, Boateng erst gar nicht auflaufen und vorne Müller mit Götze tauschen. Laut den Datenwürgern von Google Cloud haben die Franzosen eine Siegchance von 69%. Ich vertraue da weiterhin nur der NSA (überwachen alles, was sich Richtung Tor bewegt) und meinem Cristiano Ronaldo-Barometer, das eindeutig sagt: „S-piel wird niche sön, weil söne Cristiano Ronaldo niche meh dabei“.
  • Vor knapp vier Jahren standen die französischen Fans hier im Grenzgebiet noch in den Einkaufscentern an, um billig einzukaufen und Jogi-Löw-Nivea-Pappaufsteller zu umarmen, weil ihr eigener Trainer blöd wie drei Tage altes Baguette war. Jetzt sind sie plötzlich Favorit. Und das ist gut so! Denn wer heute weiterkommt, spielt das Halbfinale mit großer Wahrscheinlichkeit gegen Brasilien. Gegen Algerien haben uns alle im Stadion ausgebuht, weil wir Favorit waren. Heute müssen wir harmlos genug sein, dass die Einheimischen im Stadion die Franzmänner niedermachen, weil sie diese als größere Gefahr für die eigene Mannschaft betrachten. Allesch Taktik, würde der Jogi sagen.
  • Mein Lieblingsspieler bei den Franzosen: Blaise Matuidi, allein schon wegen des Namens. Das perlt auf der Zunge, da kämpft der US-Kommentator mit den Tränen, dem Kaugummi im Mundwinkel und dem Cheeseburger im Magen, wenn er das aussprechen soll. Blaze Matthew Die – so dürfte sich das dann wohl anhören und läge damit phonetisch näher am verbalen Mordauftrag als am Fußballspieler.
  • Und zum Schluss ein Gedicht mit dem Titel

Jogi für Anfänger: Wer meditiert, der nicht verliert

Den Neuer stell‘ ich in das Tor
Besser: ins Halbfeld gleich davor
Doch wo pack‘ ich den Lahm bloß hin?
Hat das mit Höwedes noch Sinn?

Was wollen alle bloß mit Durm?
Es spielen doch genug im Sturm!
Der Özil schleppt sich übers Feld,
Der Götze träumt von NIKEs Geld.

Des Müllers Lust platzt aus den Nähten
Bricht sich beim Freistoß fast die Gräten
Es bleibt die Frage aller Fragen
Wie kann ich den Franzosen schlagen?

Der Schumacher war einst dabei
Im Halbfinale ’80-2
Der Toni grinst, meint ungelogen
„Ein bisschen half der Ellenbogen“


  • 0:1. Durch. Ohne Verlängerung. War’s schön? Nein. Aber wer schön will, schneide sich eine Mp3 mit Steffen Simons schönsten Kommentierpausen zusammen, werfe mit Lavendel um sich und lege sich platschlings ins Entspannungsbad. Wobei ich nach diesem Spiel der festen Überzeugung bin, dass Manuel Neuer seine eigene Entspannungsproduktreihe bekommen MUSS. Allein wie der in der letzten Minute den Schuss von Benzema wegwinkt wie eine lästige Fliege. Manuel Neuer-Baldrian, Manuel Neuer-Fußbad, Manuel Neuer-Beruhigungstee, Manuel Neuer-Badezusatz. Herr oder Frau Allgäuer-Latschenkiefer, übernehmen Sie!
  • Nach dem 0:1 durch Hummels war ich richtig relaxt. Es passierte auch nicht viel. Die Torschuss-Statistik mag da anderes verlautbaren, aber ich bin der Meinung, die müsste eh mal reformiert werden. Wenn Neuer nicht zum Ball geht, ist es kein Torschuss gewesen. Wenn Neuer lacht und fängt, vielleicht ein halber. Nach dieser Zählweise hatten die Franzosen etwa dreieinhalb Möglichkeiten.
  • Die Deutschen ab der 70. Minute platt. Das hätte böse ausgehen können, wenn den Franzosen noch der Ausgleich gelungen wäre, denn die DFB-Elf hatte zu diesem Zeitpunkt stellenweise das Momentum eines Elefanten in Zementschuhen. Die Konter gelangen erst spät, aber Schürrle vergab sie. Immerhin wissen wir seit heute: Wir können auch mal einen Vorsprung heimbringen. Wenn man es genau bedenkt, war das heute Capture The Golden Goal mit 72 Minuten Nachspielzeit.

Tore:

0:1 Hummels (12.)

[Achtelfinale] Belgien gegen USA 2:1 (n.V.)

  • Von den Pommeskickern muss jetzt aber mehr kommen. Gruppensieg schön und gut, aber gerade mal vier Tore in drei Spielen ist schon eher sparsam. Okay, gegen die Amis können sie sich nochmal zurückhalten, sonst geht meine In-den-Achtelfinals-nicht-mehr-als-drei-Tore-Wette in den Eimer. Sofern Messi sie nicht bereits vor ein paar Stunden pulverisiert hat. In dem Fall: Danke für nichts, Lionel!
  • Unentbehrlich für alle Freunde kritischer Berichterstattung: die investigative und bewegende Recherche von Triumph, The Insult Comic Dog [Teil 1, Teil 2, Teil 3]. Ich gestehe, dass ich mir damals sogar die Best of Triumph DVD als US-Import zugelegt habe. Witziger als Poschmann, derber im Fragestil als Müller-Hohenstein, besseres Englisch als Beckenbauer und animalischer als Oliver Kahn.
  • Belgiens Trainer Wilmots bereitet sich auf einen Krieg vor, Klinsmann hingegen fordert den Hunger auf den nächsten Schritt (wobei ich ja finde, dass man den Suárez wirklich nicht mit der Aussicht auf neue Lokalitäten in Versuchung führen sollte), Jermaine Jones tritt eventuell mit Spezialmaske an. Hoffentlich beißt er keinen und alle halten sich an die Genfer Konvention. Dieses Gebrabbel vor einem Spiel ist aber auch wirklich stellenweise anstrengend zu lesen.  Und damit verabschiede ich mich schon mal in die Pause bis Freitag. Wo es dann heißen wird:

  • Der fußballangefixte Ami bekommt heute wahrscheinlich von seinen resistenten Kollegen ein herzliches „I told you it SUCKS!“ zu hören. Dabei konnte die Begegnung gestern als eines der besten und unterhaltsamsten Achtelfinalspiele gefallen, vor allem in der Verlängerung.
  • Es waren in der Tat 120 Minuten, die man vorne bis hinten angenehm ansehen konnte. Die Belgier direkt mit Zug vors Tor, schon in der erste Minute prüft Origi den US-Keeper Howard, der eine ganz große Partie abliefern sollte. Die Verteidigung der US-Boys sieht das mit dem knallharten Zudecken der Räume nicht ganz so eng, läuft auch gerne mal locker neben der Spur und lässt was zu. Sicherlich ein Ausfluß der Klinsmann’schen „Have fun!“-Philosophie.
  • Während die Belgier also Howard die Bälle um die Ohren hauen (39 Torschüsse, 15 Paraden), bleiben die Amerikaner gefährlich bei ihren allerdings immer seltener werdenden Vorstößen. Erst mit Beginn der Verlängerung fällt das verdiente 1:0 durch Kevin de Bruyne nach Vorarbeit des eingewechselten Lukaku. Der noch vor dem Seitenwechsel für das 2:0 mit einem ohne schuldhaftes Zögern abgefeuerten Schuss sorgt.
  • And that was when it escalated quickly. Denn die Yankees setzen nun, angetrieben von Michael Bradley, alles nach vorne in Bewegung und pumpen nicht nur de Bruyne die schweißnasse Röte ins Gesicht. Der Bayer Green verkürzt zum 2:1, das Spiel wogt hin und her, Chancen entstehen und vergehen hüben wie drüben, die Amerikaner sollten jedoch nicht mehr belohnt werden.
  • Ich bin mir sicher, die US-Boys hätten den Argentiniern mit ihrem Kampfgeist und dem vollbärtigen Chancenvernichter im Tor das Leben sehr schwer gemacht. Allerdings schafft es der Belgier vielleicht eher, den Gauchos mal hinten einen ins Netz zu legen, um sie endlich zum Abschied aus dem Turnier zu bewegen.
  • Die gute Nachricht zum Schluss: Das 0:0 nach 90 Minuten hat meinen leeren Geldbeutel dank „Nicht mehr als drei Tore in den Achtelfinals“-Wette mit knapp 60 Euro zum Klingeln gebracht. Manchmal hilft eben nur der Angsthasentipp.

Tore:

1:0 de Bruyne (93.)
2:0 Lukaku (105.)
2:1 Green (107.)

[Achtelfinale] Argentinien gegen Schweiz 1:0 (n.V.)

  • Ich bin noch so fertig von gestern. Argentinien und Schweiz liegen gerade dermaßen weit weg. Gegen einen von denen kommen wir ja frühestens im Finale. Sofern man nach dem Match gegen Algerien noch von dem Finale reden möchte.
  • Trainer Sabella macht auf mich einen onkelhaft gutmütigen Eindruck, so ein bisschen wie auf der anderen Seite damals Köbi Kuhn, der Vorgänger von Ottmar Hitzfeld. Beim Training stelle ich mir vor, wie der allen seinen Jungens übers Haar streicht, bei Fehlpässen ein leises „Na na na!“ murmelt oder kurz vor dem Spiel bzw. Wiederanpfiff anmahnt, dass alle jetzt noch schnell Pipi gehen sollen. Wo Messi heute wahrscheinlich nicht alleine sein wird, denn der Ottmar schickt bestimmt ein paar Schweizer hinterher.
  • Wie stoppt man Messi? Hitzfeld weiß Bescheid; mit einem eng aufgezogenen Netz. Ich nehme mal an aus Spielern. Nicht dass der kleine Kampfderwisch Shaqiri im klassischen Gladiatorenoutfit mit Dreizack und Netz aufläuft. Würde mich aber auch nicht so sehr wundern. Sicher ist in jedem Fall: Wer heute keine Tore macht, für den wird es schwer. In dem Zusammenhang hat mein Bruder heute auf ein Weiterkommen der Schweizer im Elfmeterschießen getippt. Ich lasse das jetzt mal unkommentiert so stehen.
  • Natürlich drücke ich den Schweizern mit dem deutschen Trainer die Daumen. Bisher waren alle Achtelfinals eine knappe Angelegenheit, da darf der Gaucho auch gerne mal auf Normalmaß gestutzt werden. Oder im Idealfall nach Hause fahren. So würde der große Traum vom Finale Costa Rica gegen Deutschland weiterleben. Wo Manuel Neuer dann jeweils die zu seinem Tor gehörende komplette Spielhälfte abdeckt. Ach Mist, ich wollte seit gestern doch nicht mehr darüber nachdenken.

  • So langsam kann man sich als Zuschauer die erste Hälfte bei dieser Ausscheidungsrunde sparen. Vielleicht sollte man die Spieler 45 Minuten durch die Katakomben des Stadions jagen und dann direkt mit der zweiten Hälfte beginnen. Die Schweizer immerhin mit den besseren Chancen. Wobei Romero im Tor der Argentinier die Kunst beherrscht, jeden auf seinen Kasten kommenden Ball gefährlich aussehen zu lassen.
  • Die Argentinier nach über einer Stunde mit einer richtigen Torgelegenheit, aber Benaglio rettet gegen Higuain mit einem Reflex. Messi wacht langsam auf, gibt zwei gefährliche Torschüsse ab, einer aus der Distanz, einer nach dem für ihn typischen Durchgewurschtel. Die Schweizer zu diesem Zeitpunkt nur noch auf Verteidigung des Unentschiedens bedacht.
  • Bis gegen Ende der Nachspielzeit Messi bei einem schnellen Gegenstoß auf di Maria legt und dieser flach einschiebt. Ein Querpass macht den Unterschied in 118 Minuten großem Kampf der Schweizer, für die Dzemailis sogar noch den Pfosten trifft.  Wieder gewinnt der Favorit, dem Außenseiter bleibt nur der Respekt, der leider nicht den Zugang zum Kreis der besten acht Mannschaften gewährt.

Tore:

1:0 di Maria (118.)

[Achtelfinale] Deutschland gegen Algerien 2:1 (n.V.)

  • Rabah Madjer und Lakhdar Belloumi. Das waren die algerischen Torschützen 1982 beim 2:1 gegen uns. Falls jemand heute Abend mit „Genau wie ’82 Madjer!!“ oder „Die späte Rache von Belloumi!!“-Aufschreien beeindrucken möchte. Meine persönlichen Highlights  im verlinkten Video: die sich pirouettenhaft wegdrehende deutsche Abwehrkette beim 0:1 und der moserige Ton von Rudi Michel als Kommentator. So was gibt’s heute nicht mehr. Obwohl: direkt nach dem Ausgleich mit dem ersten Spielzug den erneuten Rückstand einfangen, traue ich unseren Jungs durchaus nochmal zu. Da würde der Jogi wohl alle Geschmeidigkeit aus den Gesichtszügen verlieren.
  • Aber in die Gegenwart: Algerien wird ein schwerer Gegner. Die können laufen, kämpfen, köpfen, beten und zwar bis der Mann vom roten Halbmond kommt. Manche hoffen ja, dass die Fennecs wegen des Ramadan etwas geschwächt sein könnten. Stelle ich mir schon hart vor, den ganzen Tag über fasten zu müssen und erst nachts essen und trinken zu dürfen. Mir gelingt das Fasten nur nachts und wenn ich schlafe. Aber dann auch mal lockere acht Stunden hintereinander! Über diesen Witz hat mein Dönermann übrigens nicht lachen können, weshalb ich letzten Sonntag ungefragt extra viel Zwiebeln bekam.
  • „Schweinsteiger oder Khedira?“ ist die Frage, die derzeit die Medien umtreibt. Freunde, wir machen uns das Leben viel zu schwer. Die Algerier fassen sich bei sowas doch an den Kopf, die haben ihr Leben und ihren Fußball souverän vereinfacht: bei denen dürfte ein Schweinsteiger erst gar nicht mitspielen und dennoch sind sie ins Achtelfinale gekommen!
  • Zweimal gespielt, zweimal verloren: das ist nicht nur das entscheidende WM-Fazit der Engländer, sondern auch unsere Bilanz gegen die Algerier. Unser Vorteil: die standen uns seit 32 Jahren nicht mehr auf dem Rasen als Gegner gegenüber. Vielleicht kennen die uns gar nicht und unterschätzen uns deshalb. Das würde ich dem Jogi jetzt aber nicht als Tipp anempfehlen.
  • Falls es wirklich wider Erwarten doch in die Hose gehen sollte, zum Schluss noch ein Aufruf der Gemeinschaft der deutschen Beamten und Altpapiersammlern mit Vervollständigungsneurose e.V.: Bitte die angehäuften WM-Spielpläne weiterhin ausfüllen, auch wenn Deutschland ausgeschieden sein sollte. Ordnung muss sein, selbst wenn alles scheiße ist.

  • „Autokorso? Nein, lass mal gut sein, mir fehlt die Kraft zum Hupen“. Ein Spiel, das Körper und Geist geschlaucht hat. Burschen, ihr seid nochmal gerade so davongekommen. Und gerade in der ersten Hälfte hatte ich den Eindruck, wir könnten heute rausfliegen. Algerien mit den besseren Chancen, immer wieder schicken sie ihre Angreifer mit langen Pässen los, die deutschen Außen sind überfordert. Nur Manu, der Libero, lässt keinen vorbei und grätscht mit Risiko Furchen von der Länge Chiles aufs Spielfeld.
  • Dennoch kommen viel zu viele Schüsse der Hellgrünen auf sein Tor, die zwar vorbeigehen, aber ein abgefälschter Ball von Boateng hätte beinahe sein Ziel gefunden. Für Hoffnung sorgt lediglich die Unsicherheit des algerischen Keepers M’Bohli, der einen guten Versuch aus der Distanz von Kroos nach vorne abprallen lässt. Aber Götze zielt den zweiten Ball für einen gekonnten Beinschuss ein wenig zu hoch. Pause. Ich ziehe mir das Partyhütchen vom Kopf, das wird heute mehr Krampf denn Spaß.
  • Zweite Hälfte: besser. Es scheint, als hätten die Wüstenfüchse beim Fastenbrechen in der Halbzeit ein bisserl zu sehr zugelangt. Sie lassen die Deutschen mehr kommen, geben mehr Räume. Lahm, Müller und Schweinsteiger mit besten Möglichkeiten, aber M’Bohli zeigt keine Schwächen. Dennoch wirken die Deutschen für eine Verlängerung besser gewappnet zu sein, ein Tor schwirrt wie ein Geist über dem Strafraum der Algerier.
  • Verlängerung: der eingewechselte Schürrle hackentrickt eine flache Hereingabe des wie immer emsigen Müller zum erlösenden 1:0 in die Maschen. Das muss es doch gewesen sein. Jetzt gegen demoralisiert wirkende Nordafrikaner das 2:0 eintüten, Klose bringen, dessen 16. WM-Tor bejubeln und noch ein bisschen feiern. Nix. Stattdessen raffen sich die müde gewordenen Wüstenmänner zu einem Eckball auf, den Mostefa knapp neben das Tor setzt. Erst Özil per Nachschuss nach voriger umständlicher Zusammenarbeit mit Schürrle markiert den zweiten Treffer. Der in allerletzter Minute noch von Djabou mit dem 2:1 beantwortet wird. Damit ja bloß keine Entspannung auf der heimischen Couch aufkommen kann. Neuer muss gar nochmal einen Ball abfangen, ehe der Schlusspfiff den Spielstand offiziell macht. Der übrigens exakt umgekehrt das Ergebnis von 1982 widerspiegelt. Eine Finesse, die man mir gerne hätte ersparen können.
  • Jetzt am Freitag Frankreich. Quasi die technisch und offensiv noch eine Spur geschliffenere Ausgabe von Algerien. Das kann ja fast nur leichter werden. Meint glaube ich auch Per Mertesacker.

Tore:

1:0 Schürrle (92.)
2:0 Özil (119.)
2:1 Djabou (120.)

[Achtelfinale] Frankreich gegen Nigeria 2:0

  • Klare Sache für Frankreich. Ende des Vorberichts.
  • Halt, Moment, eine Sache hätte ich da doch. Mich hat dieser SPIEGEL-Artikel um den Singapurer Wilson Raj Perumal erschüttert. Eben jener hat den Ausgang der Partie Kamerun – Kroatien vor dem Spiel in einem Facebook-Chat vorhergesagt (0:4) und sogar den Platzverweis für die Afrikaner korrekt in der ersten Hälfte terminiert. Nun stand Nigeria ja jüngst unter Manipulationsverdacht (das lustige Video mit dem Torwart, der sich den Ball selbst reinschmeißt). Also, ich frag‘ mal: kennt einer diesen Perumal und kann dort anklopfen, was der meint, wie es ausgeht? Ist jetzt ein bisserl kurzfristig, zugegeben. Aber ich würde mich echt freuen!
  • Sonst müsste ich mir selbst den Kopf zerbrechen. Was könnte die Wettmafia von den Nigerianern als Gegenleistung für die Beschaffung der Antrittsprämie verlangen? Verlieren? Naja, es sollte schon Quote einbringen. Gewinnen? Haha, guter Witz. Elfmeter? Gleich mehrere?  Platzverweise? Eigentore? Für zwei oder mehr Elfer in der regulären Spielzeit gibt meine Tippbude 1:8,5.  Platzverweis und Eigentor: Läppische 1:3,4 bzw. 1:8 (mehrere erhöhen leider nicht die Quote).
  • Sehr heiß: bevor es das erste Mal einen Einwurf, Abstoß, Freistoß oder Eckball gibt, ist bereits ein Tor gefallen (1:33). Das würde dem Jogi gefallen, denn da bedarf es durchaus schon sehr früh im Spiel der hökschten Konzentration!  Erst ab einem 8:0 lohnt es sich auch, ein paar Treffer extra reinzulassen (1:80).  Ich hätte ja auf „Kein Spielerwechsel während des Spiels“ getippt (1:100), aber da müssten die Franzosen auch mitmachen. Falls jemand noch einen 100%igen Tipp hat – ab damit in die Kommentare, wenn möglich vor Anpfiff. Wenn das Spiel schnöde 1:0 ausgehen sollte, mache ich mir jedenfalls Sorgen.

  • Was für Enyeama! Nigeria konnte die Partie sehr lange ausgeglichen gestalten. Frankreich zwar mit mehr Räumen in der ersten Hälfte, aber ohne konsequenten Abschluss. Von den zweiten 45 Minuten habe ich leider bis zur 70. Minute alles verschlafen. Immerhin sollte ich die französische Drangphase mitbekommen inklusive Lattenschuss von Cabaye und zwei Großchancen durch Benzema, an deren Ende das 1:0 durch Pogba stand.
  • Vincent Enyeama bis dahin mit einer sicheren Torwartleistung, aber hier lenkte er den Ball auf den Kopf des freistehenden Schützen, der nur noch einnicken musste. Kurz vorm Abpfiff noch das 2:0 durch ein Eigentor von Yobo. Meinen Glückwunsch, wer da drauf gewettet haben sollte. Aber von  Manipulationen war trotz meiner Kalauer im Vorbericht nichts zu sehen. Frankreich damit im Viertelfinale, wo hoffentlich wir als Gegner antreten werden.

Tore:

1:0 Pogba (79.)
2:0 Yobo (90., Eigentor)

[Achtelfinale] Costa Rica gegen Griechenland 6:4 (n.E.)

  • Lieber Fußballgott, bitte lass‘ Costa Rica weiterkommen. Ich meckere auch nicht mehr über die Griechen, die in ihrem letzten Spiel durchaus gezeigt haben, dass sie nach vorne was reißen können. Aber halt nur, wenn es sonst gar nicht mehr anders geht. Ich finde das nicht schön. Wenn du mitspielen kannst, sollst du auch mitspielen. Und nicht die meiste Zeit wie ein Bully brutzig mit verschränkten Armen vor der Brust rumstehen und die anderen unnötig anrennen lassen, bevor du ihnen eine reinhaust. Genau das befürchte ich nämlich heute Abend.
  • Costa Rica ist das erste Mal bei dieser WM Favorit in einer Partie. Sowas kann auch bei den besten Wuslern die Beine lähmen. Selbst das Spiel machen zu müssen, liegt keinem der beiden Teams so recht. Also, lieber Fußballgott, ich schlage Folgendes vor: Lass die Ticos in Führung gehen und wenn die Griechen dann noch gewinnen, soll es halt so sein.
  • Ach ja, wo wir gerade so schön am Plaudern sind: Wenn im Viertelfinale dann die Holländer gegen die Männer von der reichen Küste die Nachhausefahrt buchen müssten, fänd‘ ich das richtiggehend witzig.
  • Griechenlands Nationaltrainer Fernando Santos ließ jedenfalls verkünden: „Wir werden angreifen, so viel wie möglich“. Den Satz klebe ich hier aus wissenschaftlichen Gründen rein, damit ich mir in der Nachschau vielleicht eine Maßeinheit für griechische Angriffs- und Spielstärke erarbeiten kann. Einen Namen dafür hätte ich schon: 1 grAuS.

  • Dear God of football, you have chosen… wisely. Erinnerte vom Ablauf doch ein wenig an die Partie ein paar Stunden zuvor. Lahme erste Hälfte, frühes Tor zu Beginn der zweiten, ein nicht gegebener Elfmeter, Anrennen der zurückliegenden Mannschaft und sehr später Treffer durch einen Bundesligaspieler. Diesmal gab es allerdings noch Verlängerung und Elfmeterschießen, auf die ich gerne verzichtet hätte.
  • Die ersten 45 Minuten ließ ich das Spiel an mir vorbeitröpfeln und habe hauptsächlich „Valiant Hearts“ am PC gezockt (sehr empfehlenswert übrigens). Was ich aus den Augenwinkeln mitbekommen habe, war das ziemlich genau 1 grAuS, wobei Costa Rica auch nicht so richtig zauberte.
  • Der Treffer von Kapitän Ruiz schien mir wie in Zeitlupe ins Tor zu kullern. Flache Direktabnahme, flach ins Eck, den Torwart auf dem falschen Fuß erwischt. Griechenland geschockt, Torosidis kurz darauf mit einem klaren Handspiel im Strafraum, das vom Schiri übersehen wurde. Hellas nun im Vorwärtsgang, unterstützt von Costa Ricas Duarte, der die gelb-rote Karte sieht.
  • Sokratis verwandelt in der Nachspielzeit einen Abpraller von Navas in die Maschen. Die Ticos, kräftemäßig schon bei Minuswerten, überstehen die Verlängerung und retten sich ins Elfmeterschießen. Wo im Gegensatz zum Samstag gekonnt eingenetzt wurde, bis Gekas schließlich scheitert. Umana schießt die Griechen aus dem Turnier.

Tore:

1:0 Ruiz (52.)
1:1 Sokratis (90.)