Kolumbien – Schweden 0:1

Vorbericht

  • Kolumbien und Brasilien vertreten also den südamerikanischen Kontinenten bei dieser Weltmeisterschaft. Moment, gibt es da nicht üblicherweise noch eine Nation, die man bei so einem Turnier erwartet? Ach, jetzt komm ich nicht auf den Namen. Wo dieser Messi spielt. Wo der Trainer so geheult hat letztes Jahr. Weil sie gegen uns 4:0 im Viertelfinale verloren haben. 4:0! Argentinien, ja genau. Wo sind die eigentlich?
  • Meine erste spontane Theorie war folgende: weil bei den Gauchos der Macho noch seine Stiefel auf den Esstisch legen kann, ohne dass es ihm droht angemault zu werden, hat man keine eigene Trainerin für die Frauenmannschaft angestellt, sondern den gerade zufälligerweise unbeschäftigten Diego Maradona engagiert. Dessen Übungseinheiten orientierten sich streng an dem ihm vorschwebenden Frauenbild: 100 Meter-Sprints in Pumps und ohne Sport-BH, Steakzubereitung am Anstoßkreis, Bikinischau in Tornetzstrümpfen und Schminken während des Zweikampfs. Am Ende hatte Diego ein Team zusammen, welches ein Fotonegativ seiner Selbst war: sahen alle prima aus, aber keine konnte was mit dem Ball anfangen. Das Qualifikationsspiel wurde schließlich infolge einer zeitlichen Kollision mit einer privaten Feier im Hause des Trainers verpasst, die Mannschaft nicht zur WM zugelassen und Maradona fühlte sich wie gewohnt als Opfer einer gigantischen Verschwörung. Okay, in Wirklichkeit hat Argentinien mit 0:1 gegen Kolumbien verloren und erreichte deshalb nur den dritten Platz bei der Südamerikameisterschaft. Aber mit Maradona liest sich alles doch gleich viel lustiger, oder?
  • Kolumbien gilt als Außenseiter und Exot, die Mannschaft trägt den Namen „Cafeteras“, was für mich verdammt schwer nach Kaffeeausschank klingt. Und übersetzt in der Tat auch Kaffeekanne oder Kaffeemaschine heißt. Die haben schon Humor da unten, ihre Frauen Kaffeekannen zu nennen, Liebe zum nationalen Getränk hin oder her. Man stelle sich vor, wir würden unsere Auswahl Wurstaufschnitten rufen, da wäre aber was los. Wie auch immer: Chefkännchen draußen ist die 17-jährige Yoreli Rincon, Ingrid Vidal und Maria Cataline Usme können ebenfalls gut einschenken, der Trainer sieht die größten Stärken seines Teams im Glauben an Gott, dem großen Selbstbewusstsein und der Liebe zum eigenen Land. Die Fähigkeit, Bälle ins Tor schießen zu können ist -wie bei Südamerikanern üblich- eher zweitrangig.
  • Schwedinnen lächeln beim Kopfball, Schwedinnen sehen aus wie Agnetha Fältskog von ABBA in den 70ern, Schwedinnen strahlen den doppelten Bänderriss weg und machen aus jedem Humpeln einen Gang auf dem Catwalk. Mag sein, dass das alles großer Käse ist, aber eines ist sicher: da zuckt der Mann auf, das will er sehen, da begehrt er auf, drängt sich vor den Fernseher und stellt mit schwitzigen Händen auf der Fernbedienung die Bildschärfe höher. Meine Zuneigung muss sich dieses Land nicht auf solche billige Art einholen, als audiophiler Lärmfachverarbeiter stehen dermaßen viele Alben schwedischer Bands in meinem CD-Regal, dass ich den Nordfrauen einfach zwingend die Daumen drücken muss: Amon Amarth, Spiritual Beggars, Grand Magus, PAIN, Dark Tranquillity und ganz frisch die neue In Flames laufen in der schwedischen Kabine doch sicherlich rauf und und runter, während wir uns betroffen einen grönemeyern oder heulend rumnadooen.
  • Musikalisch also top, fußballerisch leider nicht mehr ganz so erfolgreich wie früher. Die erste schwedische Liga war vor Jahren mal die stärkste der Welt, das Nationalteam immer ganz vorne mit dabei, wenn die WM- oder EM-Glocke läutete. 2007 allerdings überstand man schon die Vorrunde nicht: bezeichnenderweise in der Gruppe mit den USA und Nordkorea. Stürmerstar ist Lotta Schelin, Mittelfeldregisseurin Caroline Seger, die meisten Erfahrungspunkte sammeln konnte bisher Therese Sjögran und wenn die Frauen diesmal in die Ausscheidungsrunde vorrücken, dürfen sie ihre männlichen Pendants kräftig hänseln: die fliegen nämlich pünktlich zum Abpfiff des Achtelfinales immer noch Hause.

Nachbericht

  • Ich bin möglicherweise einer großen Sache auf der Spur, denn die schwedische Frau im Tor sah dem armen britischen Ding von gestern doch sehr ähnlich. Ob wir da ein Comeback von Frau Bardsley gesehen haben, konnte ich allerdings nicht überprüfen, weil sie keinen wirklich gefährlichen Ball auf die Kiste bekommen hat. Ich bleib aber dran, versprochen.
  • 2. Minute und schon widerlegt die kolumbianische Verteidigerin Natalia Gaitan eindrucksvoll ein von Witzbolden verbreitetes Vorurteil: wenn der Ball über die Linie zu trudeln droht, läuft frau nicht mit den Händen vor dem Kopf und einem „Uiuiuiuiuiuiui“ auf den Lippen panisch davon, sondern grätscht die Kugel sauber vor der Linie weg. Fein gemacht.
  • 13. Minute: Landström hubelt den Ball freistehend über das Tor. So schieße ich auch mit links, aber die Frau ist glaube ich Linksfüßerin. Oder heißt es Linksfüßin? Wie auch immer. Da hat jemand zu viel Bundesliga mit Gomez, Lakic und Błaszczykowski geguckt.
  • Feinschmeckerli für Freunde des Foulspiels. Landström läuft Gaitan mit Schmackes über den Haufen. Die Schwedinnen sind drückend überlegen, langen auch mal kräftig zu, das Wikingerblut schimmert durch. Nur treffen tun sie nicht.
  • Allen voran Lotta Schelin. Lotta, Lotta, Lotta, da wird doch das Knäckebrot trocken! Was die Frau alles liegenlässt. Dann endlich, in der 57. Minute die Erlösung: Flachpass Schelin, Abstauber Landström, da kann nichts schiefgehen.
  • Und die Kolumbiannerinnen? Ich lehne es mal an einen alten Werbespruch an: „Heute bleibt die Kanne kalt, wir fahren in den IKEA und kaufen unserem Sturm ein Sitzbänkchen“. Will sagen, da war nichts. Außer ein paar Fernschüssen gegen Ende, die selbst die möglicherweise englische Torhüterin nicht erschrecken konnten.


Argentinien – Deutschland 0:4 (in Worten: null zu vier!)

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Unsere Jungs gegen Diego. Den Armando. Den Maradona. 2006 lautete das Duell noch Kaiser Franz vs. Maradona und fand auf der Ehrentribüne des Berliner Olympiastadions statt. Damals war der Ozzy Osbourne des Weltfußballs nur als Zaungast in Deutschland unterwegs und unterlag schmachvoll gegen unseren Kaiser in der Königsdisziplin Anwesenheit im Stadion. 1 Kaiser, o Maradona.  Was zugegebenermaßen den riesigen Nachteil hatte, dass er das Ausscheiden seiner Landsleute nicht dekorativ für die Kameras beweinen konnte. Heute dürfte es daran nicht scheitern. Kameras müssten reichlich vorhanden sein, die Tränen dann so ab 17:50 Uhr.
  • No hay nadie. Es ist niemand da. Immer wieder wiederholt das spanischsprechende Zimmermädchen diesen einen Satz und versucht beruhigend auf den kleinen dicken Mann im Kleiderschrank einzuwirken. Si!,  stöhnt die aufgeregte Stimme, aquí estádoch, da ist er! Ein zitternder Finger streckt sich aus dem beschützenden Dunkel und zeigt Richtung Badezimmer. El alemán, el diablo, el GUIDO!!! Der Deutsche, der Teufel, der Guido!!! Und in der Tat lacht dem Betrachter aus der Duschkabine der kicker-Starschnitt des Weltmeisters Guido Buchwald aus dem Jahre 1990 entgegen. Jener Buchwald, der Maradona im Finale 1990 in Manndeckung nahm und nicht mal auf dem Weg zur Dopingkontrolle alleine ließ. Acht Worte hatten sich damals dem argentinischen Superstar ins Gehirn gebrannt, acht Worte, für die er die ganze deutsche Sprache verdammte, acht Worte, die Buchwald immer gluckste, wenn er auf ihn traf: „Hallöle, heit bischd a glois bissle langsam, gelle?“
  • Die neue Psychotaktik von Joachim Löw verfehlt ihre Wirkung nicht. Ein vollkommen verwirrter Maradona verkündet in der letzten Pressekonferenz vor dem Spiel (die Löw zuvor komplett in Schwäbisch abgehalten hatte), dass Superstar Messi wie damals 2006 auf der Bank Platz nehmen wird. Offizielle Begründung: Schonung und flexible Reaktionsmöglichkeit im Falle einer deutschen Führung. Die Wahrheit sieht anders aus – Liebling Lionel soll Guido von der Trainerbank wegtreten, falls dieser dort auftauchen sollte. Selbst erscheinen wird Buchwald nicht, doch Hansi Flick hält den kicker-Starschnitt stets griff- und einsatzbereit.
  • Falls es doch nicht so kommen sollte, bräuchten wir jemand, der Messi auf die Goldfüße tritt. Khedira? Schweinsteiger? Beide gleichzeitig? Jeder ein Fuß? Wäre vielleicht besser. Für das Angriffsspiel langt unter Umständen ja wieder ein weiter Abschlag von Neuer, den Klose dann einnickt, eingrätscht oder sonst wie über die Linie bugsiert. Alternativ wuselt sich Özil durch und findet hoffentlich einen Abnehmer für seinen tödlichen Pass nach innen, denn so sehr ich den kleinen Türken auch mag, ich will den nicht nochmal allein auf den Torwart zulaufen sehen.
  • War der Argentinier die letzten Spiele wirklich so toll? In der Vorrunde schnell durch dank den Siegen über Nigeria und Südkorea, im Achtelfinale 3:1  gegen Mexiko mit Abseitsdusel, einem nach einem Tor schreienden Aussetzer von Osorio und schließlich einem Weitschusstor. Da haben wir drei Gegenmittel: Arne Friedrich, der keinen Gegenspieler so ganz alleine lässt, Philipp Lahm, der alle Aussetzer korrigiert und Manuel Neuer, den man erwiesenermaßen nicht mit einem Fernschuss überlisten kann (und wenn doch, geht der Ball niemals über die Linie). Ich sehe ganz klare Vorteile für uns.
  • Ach, und sollte es doch nicht klappen, schieben wir es einfach der Bundeskanzlerin in die Schuhe, die sich ja als Glücksbringerin angekündigt und bereits jetzt ihre beiden besten Gesichtsausdrücke eingeübt hat. Tief empfundene Euphorie und leichte Geknicktheit. Leider kennt bis auf sie selbst niemand den Unterschied. Wie auch immer: ich sehe der Sache entspannt entgegen. Verlieren können wir nix mehr, wir haben den Engländer gedemütigt nach Hause geschickt, sind jetzt schon länger dabei als Italiener, Franzosen und Brasilianer. Wenn wir es nicht werden, soll es halt der Spanier machen. Oder der Uruguayer. Weitere Kandidaten gibt’s ja nicht.

Nachbericht

  • WRINGT MICH AUS, ICH QUELLE ÜBER VOR GLÜCK!!! 4:0!! VIER ZU NULL!!! VIER TORE FÜR UNS, KEINS FÜR DEN ARGENTINIER!!!! DIE FINDEN DEN WEG NICHT MEHR ALLEINE NACH HAUSE, SO RUND HAM WIR DIE GEMACHT!!!
  • 3. Minute: der Gaucho hat noch nicht mal seine Streifen richtig sortiert, da nickt der Müller schon ein. Müller, du alter Blitzschopf! Der Zopf von Sergio Romero hingegen fliegt traurig ins Leere. Wir haben nach Tausenden ins Leere gehubelten Bälle einen Standard reingemacht, ich werd‘ nimmer! Maradonas Gesicht fällt in die Feldherrenstarre, so Stilrichtung später Napoleon kurz nach Beginn der Schlacht von Waterloo, als ihm die ersten Soldaten schweigend vorwurfsvoll ein paar Gliedmaße vor die Füße legten.
  • Wo der Argentinier auch ist, der Deutsche ist schon da. Quasi der Guido Buchwald von 1990 als Kollektivversion ins Jahr 2010 gebeamt. Nix kriegt die Albiceleste hin, absolut rein gar nix. Klose haut eine Riesenchance drüber, aber da stelle ich den Tor-Countdown schon runter auf 1, denn wir wissen ja: einen braucht der Miro immer für die Justierung. Kurze Zeit darauf kriegt Müller eine gelbe Karte. Unschön, das hätte nicht sein müssen, das war doch keine böse Hand, Herr Schiri! Halbzeit. Hat Neuer eigentlich was zu tun gehabt? Jetzt außer Messis zu hoch angesetzten Schüssen nachzugucken?
  • Zweite Spielhälfte: Maradonas Jungs wollen, die Deutschen lassen sie eher, ich knabbere mir einen Satz Fingernägel weg. Wo bleibt denn der England-Konter? Wann zieht Özil von dannen? Wann schießt Podolski einen Unmöglichen rein? Stattdessen fängt Neuer an, Schüsse einzufangen. Muss auch deprimierend für die Zauberfüße sein, dass alles Abgefeuerte sicher in den Handschuhen landet.
  • 68. Minute: Müller im Liegen (ich muss mir schon wieder eine Portion Gerd-Müller-Nostalgie aus den Augenwinkeln reiben) zu Podolski, der rüber zu Klose, der das Ding noch vorschriftsmäßig stoppt und dann über die Linie schiebt. Da hätte er wie damals Rummenigge auch noch auf den Boden sinken und ihn mit dem Kopf rüberstuppen können. Aber so ist er ja nicht, der Klose. Ich befürchte, dass Messi und Co jetzt ganz aggressiv auf Ball und Knochen gehen.
  • 73. Minute: Kein gescheiter Angriff entgleitet den gegnerischen Füßen, stattdessen tanzt Schweinsteiger ein paar Verteidigerbeine aus, legt flach rein und unser neuer Verteidigergott himself, the Arne, the Friedrich macht das 3:0. Noch kein Treffer im Nationalhemd erzielt und heute frisch mal damit angefangen. Hat sich wohl hinten gelangweilt, der Arne. Weil Mertesacker diesmal klasse drauf ist und abräumt. Maradona guckt wie zwei Tage altes Graubrot. Das war’s dann wohl, jetzt mit heilen Knochen und ohne Karten rauskommen.
  • 88. Minute: Ach komm, einen hauen wir noch rein. Das Wetter ist heute ja auch recht angenehm für dieses Trainingsspiel- GEGEN ARGENTINIEN! Flanke Özil und Klose vollendet lässig samt Salto, als würde er eine frische Packung Chips aufmachen. 14. Weltmeisterschaftstor für Miro. So viele wie der Gerd. Dass ich das noch erleben darf – um den Gerd live mitzuverfolgen war ich ja noch zu jung. Ja, zu jung. So lang ist das schon her.
  • Ich habe soeben beschlossen, dass wir jetzt Weltmeister werden. Jawoll. Einspruch abgelehnt. Wir ziehen das jetzt durch. Spanien ist nur Zwischenstation. Und der Holländer wird im Finale wieder an Müller verzweifeln, wie schon 1974.
  • Ein letztes Wort noch: sehr fair, wie die Argentinier die Party, äh, die Partie zu Ende gebracht haben. Wir waren heute einfach zu gut und das wurde respektiert. Deshalb spar ich mir jetzt weitere Witze auf Kosten von Diego Maradona. Der dürfte für die nächste Zeit eh bedient sein.


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Argentinien – Mexiko 3:1

Vorbericht

  • Argentinien oder Mexiko? Egal. Denn: IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN. IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN.  MARADONA, WIEDER NACH HAUSE FAHREN, WIE 2006, SO 2010.  OLÉ, OLÉ, OLÉ, OLÉ, OLÉ!
  • DON’T CRY FOR ME, ARGENTINA, NO KNUTSCH FOR ME, MARADONA. DU KLEINES DICKES PUHBÄRCHEN, AM SAMSTAG GEHT’S ZURÜCK IN DIE PAMPA! DANN HEISST ES MIT MESSI ZUSAMMEN DIE BUDE AUFRÄUMEN UND DANN OHNE ZIGARRE AB IN DIE HEIA! OLÉ, OLÉ, OLÉ, OLÉ, OLÉ!
  • MEXXXIKO  KANN AUCH GEWINNEN, SICHER. ABBA NUR HEUTE, GEGEN DEN ARGENDINGENS, NICH GEGEN UNS! SO IS‘ DAS, WOLL!

ARG – MEX 2:1 n.V.

[Nachbericht]

– Argentinien ist also unser Gegner im Viertelfinale. Abgesehen von diesem richtig abgefahrenen Siegtreffer (der wieder die Frage aufkommen lassen wird, ob die Mexikaner nicht mal bald einen 2 Meter-Schlaks für die Torwartposition heranzüchten sollten) darf man aber konstatieren: die Gauchos kochen auch nur mit Wasser bzw. spielen den Ball auch nur mit dem Fuß.

  • Das war 2006. Und wieder hat der Mexikaner einen kleinen Goalie im Kasten rumhüpfen, die werdn auch nich schlauer. Ach, soll doch jeder machen wie er will. SCHLAND!

Nachbericht

  • Unglaublich, diese Fehlentscheidungen! Das Spiel wäre doch ganz anders gelaufen, wenn der Schiri oder seine Hansel an der Linie mal die Glubscher aufgemacht hätten! Das hat doch jeder im Stadion gesehen. Ich bin empört. Okay, das Geheuchele nimmt mir als Deutscher heute wohl niemand mehr ab.
  • Aber ärgerlich war es schon für die Mexikaner. Ich habe zugegebenermaßen die Partie nur zwischendurch gesehen, weil ich auf meinem Receiver SKY NEWS und BBC WORLD gesucht habe (der Brite trägt die Niederlage übrigens mit Fassung und kloppt eher auf die Mannschaft ein als auf den Deutschen). Das 1:0 hätte ich mich allerdings nicht zu geben getraut. Vor allem nicht nach einer peinlich berührt wirkenden Rücksprache mit dem Assistenten an der Linie.
  • Mexiko spielte zu Beginn sehr gut, mit krachigen Distanzschüssen anstelle des üblichen fruchtlosen Um-den-Strafraum-Gekniedels. Aber wenn bei Osorio mitten in der schönsten Verteidigung plötzlich die Birne ausgeht, wird’s natürlich zappenduster fürs Weiterkommen. Higuain schraubt ein – leider keine Ersatzleuchte, sondern das 2:0.
  • Nein. Ich spekuliere nicht darüber, ob sich der mexikanische Torwart beim 3:0 vielleicht doch lieber 10 cm mehr an flugfähiger Körperlänge gewünscht hätte. Wenigstens zeigte Hernandez unseren Jungs, wie sie es am Samstag richten können – einfach den Ball unter die Latte hauen. Funktioniert eigentlich gegen jeden Keeper.

Griechenland – Argentinien 0:2 / Nigeria – Südkorea 2:2

Vorbericht

  • Otto gegen Diego Armando – das hätte sich unser rüstiger Rentner Rehhagel auch nicht träumen lassen, dass er bei diesem Turnier nochmal in die Trickkiste greifen muss, um seine Griechen ins Achtelfinale zu manövrieren. Ein Sieg gegen die Gauchos (bei denen Maradona nicht selbst auflaufen wird, weil er tatsächlich noch 11 andere Spieler gefunden hat, die er nicht zu schonen braucht) bei gleichzeitigem Unentschieden in der anderen Partie und der Spaß geht weiter. Obwohl ich die griechische Spielweise jetzt nicht unbedingt mit Spaß in Verbindung bringen würde.
  • Rein theoretisch könnte Argentinien sogar noch ausscheiden, zwei Kantersiege von Griechenland und Südkorea vorausgesetzt. Da lacht selbst der Chaostheoretiker, der Utopieforscher und der Paralleluniversumsanalytiker.
  • Ich schaue mir Nigeria gegen Südkorea an (läuft auf dem ZDF infokanal), da wird meiner Meinung nach der zweite Platz hinter Argentinien ausgespielt. Der nigerianische Fußballverband hat mit großer Wahrscheinlichkeit per SMS ein Rundschreiben an die südkoreanischen Spieler verteilt, wonach sich im Falle einer deutlichen Niederlage mit Sicherheit irgendwo im Land ein reicher Erbprinz finden ließe, der sie adoptieren und ihnen eine Heidensumme aufs Konto überweisen würde. Blöd nur, dass der Südkoreaner moderne Spamfilter auf seinem Samsung-Handy installiert hat.
  • Dass der Nigerianer nach zwei Niederlagen überhaupt noch eine Chance hat, ist schon sensationell. Den dominierenden Südamerikanern sei Dank. Meiner Meinung nach könnte sich heute einer der potenziell stärksten Afrikaner aus dem Turnier verabschieden. Südafrika und Kamerun sind ja bereits draußen. Ghana hat einen Torwart, der ihnen spätestens in der Ausscheidungsrunde das Weiterkommen unmöglich machen dürfte. Algerien hat schlechte Karten als aktuell Letzter der Gruppe und die Elfenbeinküste müsste Nordkorea hoch zweistellig vom Platz schießen, um noch eine Chance zu haben.  Afrika scheint die WM schon in der Vorrunde zu verlieren.

Nachbericht

  • Jetzt habe ich beim Vorbericht glatt vergessen, dass Ottos Mannen bei einem Sieg von Nigeria auch ein Unentschieden genügt hätte. Das sei hiermit nachgetragen. Letzten Ende ja nur reinste Punktetheorie, denn was ich so gesehen habe, hatte Rehakles Messi wirklich in Manndeckung nehmen und die Vielzahl seiner Stürmer auf der Bank sitzen lassen, obwohl er Tore gebraucht hätte. Zwischen Geniestreich und Altersstarrsinn liegt manchmal nicht viel.
  • Ich habe doch zwischen beiden Begegnungen hin- und hergeschaltet, weil Poschmann auf dem ZDF infokanal die ersten Tore schon verkündet hatte, als der Ball noch nicht mal auf dem Fuß des Schützen lag. Oben drauf haute er wieder die Hammersprüche raus („Langkornreis. Der gute Langkornreis hat den Südkoreaner über die Jahre wachsen lassen“), da blieb kein Finger weg von der Fernbedienung.
  • Nigeria hat sich erneut selbst rausgeschossen. Die Mannschaft versiebte zwei Hundertprozentige so dermaßen brutal, dass sogar Trainer und Oberstoiker Lagerbäck für seine Verhältnisse vollkommen durchdrehte und sich gnadenlos durchs Haar fuhr.  Nun darf der Südkoreaner im Achtelfinale gegen Uruguay ran. Vielleicht isst er bis dahin extra viel Langkornreis und wächst weiter über sich hinaus. Den Spruch schenke ich Poschi.

Argentinien – Südkorea 4:1

Vorbericht

  • Der Asiate hat überrascht bei diesem Turnier. Das Auftreten des Südkoreaners würde ich mit einem wohlwollenden Hui, das des Japaners trotz seines Sieges gegen Kamerun (KAMERUN!) mit einem Pu und das des Nordkoreaners mit einem respektvollen Hui Hol-La bewerten wollen. Ob gegen den Argentinier nun auch das ganz große Ding drin ist, wird man auf dem Platz sehen müssen.
  • Der Schweizer hat gestern vorgemacht, wie man Offensivgenies reihenweise in den Wahnsinn treibt. Ein überragender Torwart, eine leidenschaftlich jeden Ball abwehrende Verteidigung und vorne ein frecher Bursch‘,  der das runde Leder, äh.. Plastik über die Linie kämpft. Ich bin mir sicher, Südkoreas Keeper Sung-Ryong Jung hat heute Morgen zur Vorbereitung schon in heißem Käsefondue gebadet (die sind dort so schräg drauf, ich hab da mal in eine Gameshow reingezappt). Und die Abwehr steht bestimmt nicht lächelnd und mit Fotohandy im Anschlag Spalier, um sich von Messi ein Autogramm abzuholen.
  • Argentinien kann sich mit einem Sieg heute den Einzug ins Achtelfinale sichern. Was auch zur Folge hätte, dass man den Griechen im letzten Spiel eigentlich auch alleine auf den Platz lassen könnte. Wo er sich sicherlich mit einem tapfer erkämpften 0:1 zufrieden geben dürfte, nachdem sich Maradona in der 90. Minute selbst eingewechselt und mit einem Solo vom Anstoßkreis für den Endstand gesorgt hätte.

Nachbericht

  • Der Gaucho spielt alles in Grund und Boden, so langsam werden die Begegnungen attraktiver und vor allem torreicher. Kritische Frage zum 1:0, einem Eigentor der Südkoreaner: das ist die Nation der eSportler (die wurschteln dir bei Starcraft schneller die Basis kaputt als du „Seoul“ ausrufen kannst) und dann sind sie nicht reaktionsschnell genug, ihren Fuß aus der Flugbahn einer scharf reingeschnittenen Flanke zurückzuziehen? Da bin ich schon ein wenig enttäuscht.
  • Beim 2:0 könnte ich jetzt etwas über fehlende Körpergröße schreiben, aber das Thema hatte ich ja bereits abgehakt. 1,82 m im Schnitt – aber was hilft’s, wenn der Schnitt nicht den Argentinier am Kopfball hindert?
  • Sauber hingegen der Anschlusstreffer: einen Fehler von Demichelis eiskalt ausgenutzt. Das hätte es früher nicht gegeben, da hätte der Asiate vor Panik nicht mehr gewusst, mit welchem Körperteil er den Ball schießen darf.
  • Die letzten beiden Tore habe ich nicht mitbekommen, aber drei Treffer von Higuain lassen schon erahnen, wer Torschützenkönig werden könnte. Habe ich schon erwähnt, dass ich auf Argentinien für diesen Titel und den des Weltmeisters getippt habe?
  • Zum Schluss noch eine Frage an Kommentator Thomas „HipHop-Yo!“ Wark – wo spielen die beiden Parks nochmal? Der hat das sicherlich 5x erzählt und ich hab‘ es schon wieder vergessen. Wohl weil es mich nicht interessiert hat.

Argentinien – Nigeria 1:0

Vorbericht

  • Von dem Titelfavoriten Spanien sagt man gerne, dass sich die Mannschaft eigentlich nur selbst schlagen kann. Bei Argentinien ist es fast genauso, hier kann aber auch Diego Maradona mit seiner schier überbordenden Kompetenz die Albiceleste aus dem Turnier kegeln. Als Fußballspieler war der Mann zweifellos mindestens ein Halbgott, als Trainer… nun ja. Gerne nominiert er mal Spieler, die im Krankenhaus liegen, fordert Journalisten zu homoerotischen Abenteuern heraus und ich würde mich nicht wundern, wenn die Torhüter im Training eigens geschneiderte Leibchen trügen, um nicht Gefahr zu laufen, im Spiel später als Stürmer eingesetzt zu werden.
  • Im Hintergrund werkelt die Trainerlegende Carlos Bilardo und wenn es die Truppe um die Superstars wie Messi, Higuain, Milito und Tevez schafft, ihren offiziellen Übungsleiter als eine Art Maskottchen zu sehen, das ihnen ab und an mal den Allerwertesten entgegenstrecken darf und im Gegenzug den Bauch gekrault bekommt, könnte bei dem Tunier mehr rausspringen als bei der grauenvoll mies eingespielten Qualifikation.
  • Bei der WM 2006 schrieb ich über die Schweden, die später gegen die deutsche Mannschaft im Achtelfinale antreten und ausscheiden durften: „Müssen die Schweden halt 2010 in Südafrika was reissen. Der Skandinavier fühlt sich in Gefilden südlich des Äquators ja auch sofort heimisch..“
    Das haben wohl irgendwelche Verantwortliche in afrikanischen Fußballverbänden tatsächlich ernst genommen (dass sich die Schweden erst gar nicht qualifiziert haben, ist ihnen hingegen entgangen). Weshalb Nigeria nun von dem ehemaligen schwedischen Trainer Lars Lagerbäck trainiert wird. Den Auftritt dieses Mannes als dröge zu bezeichnen, ist schon ein Ausbund an Untertreibung. Ich stelle mir den ersten Arbeitstag als ein richtiges Aufeinanderprallen zweier Kulturen vor; wo der Nigerianer es gewohnt war, gleich zu Beginn eine Voodoopuppe des gegnerischen Torwarts ins Torkreuz zu hängen, ein frisch geschlachtetes Hühnchen am Anstoßpunkt zu vergraben und sich mit dem Ball am Fuß vom eigenen Strafraum aus nach vorne zu dribbeln, muss er nun radikal umdenken. Quälend lange Seminare im kollektiven Knäckebrotkauen, Elchkuhniederstarren und Blutdruckmessen stehen auf dem Programm, um das aufbrausende Temperament der Westafrikaner zu zähmen. Und wozu? Für’s Achtelfinale, wo nach alter schwedischer Tradition Schluss sein wird.
  • Nigeria muss auf John Obi Mikel verzichten. Ganz schlimme Sache. Ich kenne den Mann nicht, aber was da an möglichen Werbeeinnahmen für das Handwerkerfachmarktwesen verloren geht, ist schon verdammt traurig.

Nachbericht

  • Die Gauchos mit einer Anfangsoffensive, da drückt’s dir die Stollen in die Sohle. Heinze mit Flugkopfball in den Winkel, das sagt dem Gegner schon gleich: „Euch schieben wir nicht die 08/15-Kuller rein, hier setzt es Abschlussfeinkost. Aber reichlich!“ Reichlich ist es zwar dann doch nicht geworden, weil das Messi-As noch nicht gestochen hat.  Wenn ich den Ritchie jedoch so den Rasen pflügen sehe, wird mir schon Angst und Bange vor einem möglichen Viertelfinale gegen unsere Jungs.
  • Aber auf die Nigerianer lass ich auch nichts mehr kommen. Bisher konnte ich die nicht so recht einschätzen, deshalb das ganze Ablenkungsgefasel um den Schweden-Lars im Vorbericht. Das wird verdammt emotional, wenn ich am Ende der Vorrunde entweder von denen oder meinen Südkoreanern Abschied nehmen muss. In dem Zusammenhang: Otto kann heute Abend schon mal die Frühbucherangebote für die Rückreise studieren.
  • Der Reporter (dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, was immer ein gutes Zeichen ist, weil er mich dann nicht genervt hat) hat es erwähnt: die afrikanischen Torhüter sind sehr stark. Früher stand stets ein großes „Heieiei“ und „Uuiuiui“ auf dem Programm, Veteranen wie ich erinnern sich auch gerne an die südamerikanischen Pendants, aber mittlerweile ist da Qualität auf breiter Ebene eingezogen.
  • Fazit: hochklassige Partie, die auch 3:2 hätte ausgehen können. Tolle Tempo-Vorstöße der Argentinier, starkes Dagegenhalten der Nigerianer, ab der zweiten Hälfte ein Duell auf Augenhöhe. Nur den Maradona mit seiner affektierten Poserart kann ich weiterhin nicht leiden. Wenn der Weltmeister werden sollte, trabt der sicher nicht getragen kaiserlich über den Rasen wie unser Franz 1990 in Rom. Der reißt sich die Kleider vom Leib, steckt sich eine Tröte in den Hintern und pupst die Nationalhymne.