Vorwort

Willkommen beim unfassbar kompetenzfreien WM Tagebuch 2010

Wieder regiert der Fußball, wieder begleite ich das Ereignis in kommentierender Weise. Zwar ohne Ahnung, aber mit Charme. Und mit dem Panini-Klebealbum im Anschlag, wenn gar nichts mehr geht.

  • Südafrika, du geplagtes Land! Was musstest du schon alles über dich ergehen lassen? Burenkriege. Apartheid.  Howard Carpendale. Die Hartz IV-Aliens aus „District 9“. Und jetzt auch noch die wahrhaft beschis… also unerfreuliche Auslosung in der Vorrunde zum Cup der guten Hoffnung mit Uruguay, Mexiko und Frankreich. Damals half nicht einmal die liebliche Charlize Theron als Präsentatorin, die ja deinem Schoße entsprungen ist und deren Angebot auf ein ausgiebiges 11cm-Schießen im Schlafraum ich sicherlich nicht ausschlagen könnte.
  • Doch am unteren Ende des schwarzen Kontinents sammelt sich auch viel Lebensfreude. Lebensfreude, die sich mittels der Vuvuzela auszudrücken pflegt. Dem versierten europäischen Zuschauer unter dem Fachbegriff „verkackte Dreckströte“ bekannt, spiegeln dieses Instrument in magisch lautmalerischer Weise das Leben in der afrikanischen Steppe wider. Vor dem geistig umnachteten Auge des Betrachters entfaltet sich das Bild von immergrün wuchernden Hartlaubgewächsen, in deren Mitte ein Rudel junger triebgestauter Elefantenbullen gerade die leidvolle Erfahrung der ejaculatio praecox durchlebt, während um es herum ein Schwarm aus Moskitos, Wespen und Hummeln ekstatisch dem Fruchtbarkeitstanz anheimfällt.
    Bzzzz’Trö-Rö!‘-Röö?’Bzzzz.

  • Dass dieser gar liebliche Klang nun auch in den Stadien erschallen darf, ist einem Mann zu verdanken, der vor vier Jahren bei der Eröffnungszeremonie vom Publikum noch vollsten Herzens ausgebuht worden war. Seinen Namen und die Organisation zu nennen, der er vorsteht, werde ich mir verkneifen, da beides wahrscheinlich zutiefst markenrechtlich geschützt ist und diverse Anwälte sicher nur darauf warten, mir das Gummiband aus der Sporthose zu klagen. Gerüchten, dass die Vuvuzelas allein deshalb zugelassen wurden, um erneut aufbrandende Buhrufe zu übertönen, trete ich hiermit herzhaft gegen das Schienbein. Es könnte andererseits aber auch etwas Wahres dran sein…
  • Ke Nako ist das Motto dieser Weltmeisterschaft. Es ist Zeit.
    Ebenfalls passend scheint der Sinnspruch No’Balla’Ball-Ack! aus dem Johannesburger Straßenslang, dem übersetzungstechnisch gleich doppelte Bedeutung zukommt. Einmal als Hinweis auf die unerfreuliche Abwesenheit des deutschen Kapitäns auf dem Spielfeld und als lieb gemeinte, aber fehlgeschlagene Aufforderung an die in der Fußgängerzone freundlich herummarodierende Jugendgang, doch bitte nicht von der Schusswaffe Gebrauch zu machen.
  • Überhaupt geht der aktuelle Trend bei dieser WM  zum Hinfahren und Gar-nicht-Mitspielen. Vorreiter und  damit Trendsetter ist natürlich David Beckham, der die englische Mannschaft vor Ort durch Werbespots für Eau-de-Toilette-Spülungen, Posing für Handtäschschenfutterpflegemittel und die Teilnahme seiner Frau an der Wahl zum schönstbemalten Speer Afrikas unterstützen wird.
  • Eine wichtige Serviceinformation noch hinsichtlich des Turnierplans: die Begegnung Nordkorea gegen Südkorea ist frühestens im Halbfinale möglich. Freunde von Kriegserklärungen auf offenem Feld müssen sich also in Geduld üben. Pech für den geliebten Führer Kim Yong-Il, der bereits die ersten Einwegstürmer mit Atombombenzündern in den Stollen hat produzieren lassen. Anstoß! Sieg! Vaterland!
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