Uruguay – Deutschland 2:3

Vorbericht

  • Juhu, wieder Fußball! Och nö, die Partie um Platz 3. Auch bekannt unter den Namen: Spiel um die goldene Ananas oder Spiel, auf das Philip Lahm schon am Mittwoch keine Lust mehr hatte. Der Sinn und Zweck dieser Übung verbleibt mir ja weiterhin im Dunkeln. Bekommt der Gewinner eigentlich etwas? Eine Bronzemedaille zum Herumschwenken? Einen Wangenkuss von Sepp Blatter? Oder einmal einen Köpper vom Sprungbrett im Geldspeicher der FIFA?  2006 ging das ja in Ordnung, unsere Jungs hatten mehr erreicht als unter Klinsmann erwartet, zum Schluss haben wir im heimischen Gottlieb Daimler-Stadion den Cristiano Ronaldo noch ein paar Mal auf dem Rasen abgelegt und mit 3:1 gewonnen. Aber jetzt? So viele Meilen von der Heimat weg, wieder mit Vuvuzela-Tröten in den Ohren und höchstwahrscheinlich mit ganz neuen Spielkameraden im Aufgebot – da kann man schon unlustvoll werden.
  • Sicher, es gibt Menschen, die wollen Mario Gomez mal von Anfang an spielen sehen. Hauptsächlich Mario Gomez und seine Familie, würde ich mal ahnen wollen. Desweiteren wohl Wiese im Tor, der aus reiner Boshaftigkeit (Interpretation Wiese) bzw. Reizpunktsetzungstaktik (Interpretation Löw) zur Halbzeit durch Butt ersetzt werden dürfte; Aogo, Tasci und Badstuber brauchen sicherlich auch mal Auslauf. Fraglich ist, ob Klose mit auslaufen kann – dem Mann würde ich noch 1 bis 2 Törchen gönnen, um ganz vorne in der ewigen WM-Torschützenliste zu stehen. Beten wir also, dass die Wirbelsäule hält. Thomas Müller muss ebenfalls spielen und am besten eher mäßig, damit ich mir nicht mehr einrede, dass der alleine uns ins Finale hätte schießen können.
  • Der Uruguayer hingegen ist beileibe nicht so erfahren im An-der-Trophäe-Schnüffeln wie wir und dementsprechend mehr motiviert. 1970 hat er gegen uns den dritten Platz durch ein 0:1 verloren und trauert dem wohl immer noch nach. Genügsame Burschen, mag man denken, aber wenn der letzte Titel schon 60 Jahre her ist, freut man sich über alles. Als Schalke-Fan kann ich das nachvollziehen. Die Fans fahren dort unten eh schon seit einer Woche Autokorso, ziehen sich Forlan-Stirnbänder über den Kopf und wehren Fußbälle ohne behandschuhte Finger vor der Torlinie ab.
  • Unsicher scheint der Einsatz von Diego Forlán, weiterhin verletzt ist Nicolás Lodeiro. Wieder mitspielen kann hingegen Luis Suárez. Und wenn ich noch hinzufügen dürfte: das ist mir alles ziemlich egal. Ich wollte die Namen nur einmal richtig mit dem korrekten Akzentzeichen über dem a geschrieben haben.  Hauptsache bleibt, dass sich unsere Jungs ordentlich verabschieden und nicht zu geknickt nach Hause fahren.

Nachbericht

  • Wieder Trizeweltmeister! Und diesmal habe ich mir auch gemerkt, was man für den dritten Platz bei einer Weltmeisterschaft bekommt: einen neuen Bundespräsidenten, der Medaillen verteilt (ab wann gibt es dann eigentlich eine neue Bundesregierung?), eine geschüttelte Hand vom Blatter Sepp und zum guten Schluss eine dicke Umarmung von Onkel Theo. Was hat der Zwanziger am Ende so erwartungsvoll mit dem Bronzegehänge in der Hand auf den Jogi gewartet – und der hat nicht mal anständig zurückgedrückt! Für mich das Bild dieses Spiels.
  • Eine schöne Partie mit vielen Toren, dem richtigen Sieger und einem angenehmen Abschlussgefühl. Ich kann mich in den letzten Wochen nur an wenige Spiele erinnern, die so viele Treffer und Chancen auf beiden Seiten verteilt anzubieten hatten. Dabei kann Fußball doch so einfach sein: einen draufgepfeffert von Schweinsteiger, kleiner Torwartbock und abgestaubt durch Müller. Eine Flanke, großer Torwartbock und ungewollt aussehender Kopfball von Jansen. Ein Eckball, Tohuwabohu mit zauderndem Torwart im Strafraum, hübsch vollendet mit Einnicktrick von Khedira. Man mag sich fragen, ob die Urus nicht vielleicht doch mit Suarez im Tor hätten spielen sollen…
  • Natürlich haben wir auch den Uruguayer mitspielen und Tore schießen lassen. „Ballverlust im Mittelfeld ischt strengschtens zu vermeiden“, würde Jogi sagen. Warum, sah man beim 1:1: einmal dem Schweinsteiger den Ball weggegrätscht und hinten war die Abwehr entblößter als das Pärchen im Biologie-Sexualkundebuch. Für das künstlerische Highlight schließlich sorgte Diego Forlán mit einem tückischen Direktabnahmeaufsetzer-Dingens (und einem Freistoß an die Latte in allerletzter Sekunde, aber das wäre dann auch zuviel des Guten gewesen).
  • Was bleibt? Wir waren verdammt gut. Haben 16 Tore erzielt und damit die lasch gestartete WM-Party erst richtig in Schwung gebracht. Haben zwei Mannschaften aus dem Turnier geholt, die ich nicht als Weltmeister hätte sehen wollen. Alt (Klose) und jung (Müller) haben gezeigt, dass sie wissen, wo das Tornetz hängt. Und wenn wir bis zum nächsten Turnier dem Özil eine Spritze mit Torgefährlichkeit verpasst haben, kann sich der Rest der fußballspielenden Welt ganz schön warm anziehen. Danke Jungs, es hat richtig Spaß gemacht mit euch!
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Deutschland – Australien 4:0

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Natürlich drängen sich viele Fragen auf: sind wir zu jung, sind wir zu brav, sind wir zu unerfahren? Fehlt da nicht einer, der mal seine Mitspieler anschreit, den Schiri bedrängt, Härte ins Spiel bringt? Bei dem Lahm kann ich mir das nicht so recht vorstellen. Dessen schwierigste Situation war es doch seinerzeit bei Bayern unter Klinsmann, sich nach dem Spiel ans Mikro zu stellen und Durchhalteparolen zu säuseln.
  • Ein fiktiver Blick in die deutsche Kabine vor dem Spiel gegen Australien: Miro Klose hat die Kopfhörer ins Ohr gestöpselt. Von dem Rest der Meute schon als Turnier-Opi gehänselt, widmet er sich voll und ganz dem vom Kaiser persönlich eingesprochenen Hörbuch „Jagut..äh –  Wenn WM war, konnte der Klose ja praktisch immer„. Marko Marin nuckelt an seiner Kaba und liest das Lustige Taschenbuch. Manuel Neuer beschwert sich bei Jogi, dass der fiese Wiese ihm schon wieder Milchschnittenfüllung in die Handschuhe getan hat.  Piotr Trochowski muss erneut diversen Hollywoodstars schreiben, die ihn vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina sahen, als er sich gemeinsam mit Lahm bei Neuer untergehängt hatte, dass er nicht adoptiert werden möchte.
  • Mein Liebling ist der Helmut, auch genannt Cacau. Der lacht immer freundlich und auch wenn es mal nicht läuft, denkt er sich als gläubiger Christ: „Der Herr gibt’s, der Herr nimmt’s“. Die Einstellung hätte ich auch gerne. Ein bisserl Angst habe ich um die Abwehr, Per Fußballgottesacker war da zuletzt nicht ganz so souverän. Müssen wir unser Heil eben in der Offensive finden, am besten mit der Achse Schweini-Poldi-Klosi – wie damals 2006.
  • Der Australier ist klarer zu erfassen. Er ist zäh, läuft ohne Unterlass und setzt seinen Körper ein, von dem er auch reichlich hat. Vorne allerdings ist er harmlos wie ein Känguruh-Baby. Ich denke mal, ein frühes Tor für uns und wir können alle beruhigter dem Treiben zuschauen. Das allerdings wird der Schwarzer im Kasten der Aussis verhindern wollen.
  • Interessanter Fakt: die Australier gelten qualifikationstechnisch als Asiaten und nicht als Ozeanier. Der Gruppensieger dort (Neuseeland) muss in jedem Fall ein weiteres Spiel gegen einen der beiden Drittplatzierten der Asien-Gruppe bestreiten. Der Aussi hingegen als Gruppensieger Asiens durfte entspannen und direkt die Tickets buchen. Soviel als Einblick in die Sahelzone der WM-Qualifikation.
  • Ich hoffe doch stark, dass sich die Socceroos gegen uns nicht eingraben. Denn eigentlich müssten sie aus Erfahrung wissen, wo sie in dem Fall wieder rauskommen.
  • Ich hab meine erste offizielle Beflattrung erhalten und fühle mich gerade wie Ghana. Vielen Dank, bullion!

Nachbericht

  • Ham wa die Australier vom Feld gehobelt oder nicht? HAMMER! Dabei begannen unsere Jungs in den ersten Minuten eher hüftsteif. Keine Minute gespielt, da steht der Australier im Strafraum. Kurz darauf darf er sogar schießen! Der erste Griff zum Herzmittel ist unausweichlich.
  • Die erste Chance durch Klose. Vogelwildfrei steht er und bugsiert den Ball dem Schwarzer wie auf dem Tablett in die abwehrbereiten Füße. Ich springe das erste Mal auf und lege ein Trampelsolo aufs Parkett. Den musst du doch machen, Miro!
  • 8. Minute: Özil Zuckerpass, Müller himmelsgleich schön auf Podolski mit seiner anbetungswürdigen Schusstechnik und -wusch- 1:0. Frühes Tor, alles wird gut, der Blutdruck kann sich bald auf sinkende Werte einstellen.
  • 24. Minute: Wieder hadere ich mit unserer Sturmspitze. Wie gemalt streichelt Poldi den Ball rein, ich will dem Klößchen schon für den eingesprungenen Jubelsalto in Hilfestellung gehen, da semmelt der das Ding neben die Kiste.
  • 27.Minute: Mit dem Kopf geht’s immer. Lahm flankt, Klose hält die Rübe rein, Schwarzer segelt mit voll beflaggtem Mast vorbei. 2:0. Das Herzmittel kann zurück ins Badezimmerschränkchen, die Nummer ist gelaufen.
  • Noch ein paar weitere Chancen für die DFB-Elf, aber mehr muss im Moment gar nicht sein. Geht ja nicht drum, die meisten Tore in der Vorrunde zu schießen. Sonst wären die Holländer seit Jahren schon Weltmeister.
  • Bela Rethy mit einem gelungenen Scherz. Redet zuerst von der U21, der gewonnenen Europameisterschaft und führt dann aus: „…die jüngste Mannschaft seit 1934. Khedira war damals auch schon dabei“. Ohne jetzt nachgooglen zu müssen – das wage ich stark anzuzweifeln. In der Halbzeitpause lässt Müller-Hohenstein den Reichsparteitag raus. Sicherlich, um von diesem Patzer abzulenken.
  • Die rote Karte für Cahill war übertrieben, da sind wir uns wohl alle einig. War der Schiri, der an einer deutschen Schule unterrichtet, doch ein bisschen zu freundlich zu uns. Hätte gar nicht sein müssen.
  • 68. Minute: Müller mit dem 3:0. In Halbrücklage links unten rein wie 1974 der Gerd im Finale gegen die Holländer. Nun muss das Taschentuch her, um ein paar Nostalgietränchen aufzufangen.
  • 70. Minute: jetzt darf auch Helmut. Mein Lieblingsspieler! Wer auch immer bei den Aussis für die Raumaufteilung zuständig ist, er lässt netterweise Lücken in der Größe ihres Kontinents.
  • Insgesamt ein überragendes Spiel unserer Jungs. Ich könnte ihnen allen in die Arme fallen. Was für Pässe, was für Flanken, das hast du bei dieser WM noch nicht gesehen. Der Australier kann schon praktisch nach Hause fahren. Wir machen hier nun alle rund! So. Ich gehe jetzt auf diese Seite und drehe noch ein paar Schleifen. Heut nacht wird gehupt, da kommt keine Vuvuzuela mit.