Elfenbeinküste gegen Japan 2:1

  • Als er das erste Mal auf dem Plan die Zahl 3.00 sah, musste er sich eine kleine Träne aus dem Augenwinkel drücken. Stille Freude ließ seinen Körper sanft erbeben. Sein Tag würde kommen. Alle würden an seinen Lippen hängen. Er wäre nicht mehr der ignorierte Freak, sondern der strahlende Held. Sicherlich würde er bei seinen Ausführungen übertreiben, aber konnte man es ihm verdenken, wenn er seinen Moment im Scheinwerferlicht gnadenlos ausnutzen wollte? Der Chef würde endlich seinen Namen richtig aussprechen, die Sekretärinnen ihn lustvoll anlächeln. Denn er hatte die Kenne, er hatte die Knowledge, wie sie es in der Werbeabteilung nannten. Schon um 8:00 Uhr hätte man ihm den großen Konferenzraum zur Verfügung gestellt, die gesamte Belegschaft wäre versammelt und mit ausladender Geste würde ihm der Boss das Wort erteilen: „Potofski, Sie haben doch letzte Nacht Elfenbeinküste gegen Japan gesehen. Wie ist das denn ausgegangen?“
  • Was Potofski leider übersehen hat: Das Spiel findet um 3 Uhr in der Nacht auf Sonntag statt. Warum und wieso mag man nur erahnen. Vielleicht wollten die Japaner, die knapp 12 Stunden vor der brasilianischen Zeit leben, mal schön Sonntagmorgens zum Frühstück ihre Nationalmannschaft spielen sehen und nicht wie gewohnt das ganze Gekicke tief in der Nacht zwischen 1:00 und 7:00 Uhr.
  • Bemerkenswert bei Japan ist die Prämienvereinbarung. Frage in die Runde: Was bekommt der Japaner, wenn er den Titel holt? 2 Quadratmeter Anbau in seiner Wohnung in Tokio? Sushi bis ans Lebensende? Eine goldene Playstation 4? Weit gefehlt! Bis zu 7,1 Millionen Euro pro Mann sind es laut dem Bericht im kicker WM-Sonderheft. Dafür würde der Afrikaner glatt zwei Tage früher anreisen, als es sein müsste. Grund sind die üppigen Sponsorenverträge der Spieler. Vor allem Keisuke Honda, der „Motor“ des WM-Teams, verdient sich da sicher ein feines Zubrot. Vielleicht sollte man auch hierzulande überlegen, japanische Nationalmannschaft zu sponsern. Hartmut Mehdorn plant da wahrscheinlich die Verpflichtung der Nationalspielerin Shinobu „Flughafen BER“ Ohno.
  • Aber Scherz beiseite: bei den Nipponmännern spielen viele, die sich in der Bundesliga einen Namen gemacht haben. Atsuto Uchida (Schalke), die Sakais (Hiroki – Hannover / Gotoku – Stuttgart), Makoto Hasebe und Hiroshi Kiyotake (beide Nürnberg), Shinji Okazaki (Mainz) sowie der ex-Dortmunder Shinji Kagawa.
  • Die Elfenbeinküste ist, war und bleibt Didier Drogba. Daneben noch ein bisschen Yaya Touré. Die Bundesligafahne halten hoch: Arthur Boka (Stuttgart), Constant Djakpa (Frankfurt) und Didier Ya Konan (Hannover). Der Trainer der Mannschaft ist Franzose und heißt Lamouchi. Das muss jetzt reichen, da führe ich jetzt keinen expliziten Witz mehr dazu aus, beim nächsten Spiel der Ivorer schreib ich mehr über sie. Jetzt muss ich noch für morgen Geld auf Honduras setzen. Mittelamerika rockt diese WM!

 

  • Rassel mich sanft in den Schlaf, baby. Sprüh mich ins Schlummerland, Reinhold. Diese afrikanischen Fans mit ihrer Kombination aus Rasseln, Trommeln, Tröten und Durchhaltevermögen in allen Ehren, aber um 3 Uhr in der Nacht wirkt der ständig selbe Rhythmus extrem einlullend. Vor allem die Rasseln, dieses schubbernde Geräusch, das sich mit fortschreitender Dauer in ein Nicken umwandelt und einem schließlich fast die Augen zufallen lässt. Die Herausforderung des Wachbleibens wird selbstverständlich noch größer, wenn Beckmann und Elber in der Pause mit Sprayschaum spielen und Jens Riewa zuvor die Nachrichten vorgelesen hat.
  • Als Honda früh traf, war ich noch einigermaßen wach. Eher im Halbschlaf bekam ich mit, dass in der zweiten Spielhälfte kein Schuss mehr auf das Tor der Ivorer gelingen sollte. Ungünstig, wenn die Männer von der Elfenbeinküste kurz nach Einwechslung von Leitelefant Didier Drogba innerhalb von 100 Sekunden das Spiel mit zwei Toren drehen. Irgendwas haben die Japaner da wohl falsch verstanden. MAN MUSS NACH EINEM RÜCKSTAND TORE SCHIESSEN, UM ZU GEWINNEN. ERST DANN GIBT’S PRÄMIENGELD! Ach, was rege ich mich auf, wieder ein paar Euro mit meinem Tipp in den Wind geschossen.

Tore:

0:1 Honda (16.)
1:1 Bony (64.)
2:1 Gervinho (66.)

Portugal – Brasilien 0:0 / Nordkorea – Elfenbeinküste 0:3

Vorbericht

  • Seit Tagen habe ich nichts mehr von meinem Teilzeitarbeitgeber, dem offiziellen Sportmeinungsbildungsfachorgan Nordkoreas,  PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) gehört. Gestern dann endlich telegraphisch ein Lebenszeichen: GELIEBTER FÜHRER FINDET FUSSBALL DOOF – STOPP – WM HAT NIE STATTGEFUNDEN – STOPP – KEIN INTERESSE MEHR AN BERICHTEN – STOPP – AUSSER SÜDKOREANISCHE MANNSCHAFT MACHT SICH LÄCHERLICH – STOPP. Dabei hatte ich schon so eine tolle Reportage zum Achtelfinale Nordkorea – Spanien geschrieben. Mit dem fünffachen Torschützen Tae-Se Jong, der drei Treffer trotz glatt durchgebrochener Wirbelsäule erzielt. Einem Stadion in rotem Flaggenmeer, welches das Bild des vor Liebe zu seinem Volk schon ganz schusselig werdenden Führers auf die Ränge projiziert. Und einem sich tief verbeugenden Sepp Blatter, der Nordkorea spontan die nächsten vier Weltmeisterschaften zuspricht. Alles für die Katz‘.
  • Bei einem 0:1 zwischen Portugal und Brasilien benötigt die Elfenbeinküste – Moment, jetzt muss ich den Rechenschieber zücken – ein 8:0 gegen die Getreuen von Kim Jong-Il. Das scheint auf den ersten Blick machbar zu sein. Denn der Brasilianer schenkt bei diesem Turnier nicht mehr so beherzt ein wie früher. Aber 8 Treffer gegen eine Mannschaft, die die verrückte Absicht hat, wohlbehalten in die diktatorische Heimat zurückzukehren, sind schon ein happige Angelegenheit.
  • Der Übungsleiter der Elfenbeinküste, zu seinem eigenen Erstaunen immer noch Sven-Göran Eriksson, hat daher bereits erste Bestechungsversuche eingeleitet. Im Angebotsportfolio enthalten sind: ein sexy Autogrammkarten-Set von Didier Drogba (mit und ohne Ellbogen-Manschette), drei schon ziemlich ausgeleierte Escort-Damen aus diversen Sexskandalen zu Erikssons Zeit als Trainer der Engländer, vier Kisten mit Duftpröbchen aus der Kakao-Produktion und eine liebevoll von Kindersklavenhänden abgepumpte Dose Erdöl. Bestechlichkeits-Experten gehen davon aus, dass dem Unternehmen bei umgekehrter Interessenlage mehr Erfolg beschieden sein dürfte.
  • Brasilien und Portugal reicht ein Unentschieden, um ins Achtelfinale einzuziehen. Trainer Carlos Dunga hat daher bereits angekündigt, besonders lustlos nach vorne spielen zu lassen. Dienst nach Vorschrift ist das Motto der Stunde. Cristiano Ronaldo auf der anderen Seite hat seinen heutigen Gesichtspeeling-Termin abgesagt und will sogar sowohl ungekämmt als auch ungeschminkt auflaufen. Das kann ja was werden…

Nachbericht

  • Eine Partie, wie geschaffen für die Kaffeefahrtreklamebroschüren dieser Welt. Gebrüder Nepp-Busreisen präsentiert: erleben Sie 90 Minuten plus Nachspielzeit das Schaulaufen der Stars! Portugiesische und brasilianische Ballkünstler verzaubern Sie mit ihren Tricks, ihren Schussversuchen, ihren Ballstreicheleinheiten. Unterhaltung für alt und jung ist garantiert (gilt nicht für Tore bzw. Torschüsse)! Jetzt neu auch mit ärztlicher Unbedenklichkeitsbescheinigung für Bluthochdruckpatienten. Für die musikalische Begleitung konnten wir die Fünfundachtzigplatzierte des DSDS-Castings 2007, Bärbel Cimcewski aus Gera gewinnen, die bereits einmal in einem Heft mit einem Starschnitt von Cristiano Ronaldo geblättert hat. Im Anschluss geht es direkt auf das Gehöft des Bauern N’kofo mit seinen vuvuzelatrötenden Ziegen und die Deutschlandhymne auf Blockflöten spielenden Kindern. Zum Abendbrot wird ein reichhaltiges Mahl aus Schmierwurst, Blutwurst und grober Ziegenleberwurst gereicht. Beachten Sie auch unser Angebot an kaum gebrauchten Heizdecken zum unschlagbaren Exotenpreis!
  • Was für ein Grottenkick! Ich habe mich so geärgert, dass der liebe Herrgott mich nicht als Tausendfüßler auf die Erde geschickt hat – dann hätte ich mir wenigstens die elend lange Zeit dieses Nichtkicks mit Fußnägelschneiden vertreiben können. Stattdessen habe ich den ARD-Videotext auswendig gelernt. Wusste schon jemand, dass Uli Hoeneß demnächst McDonald’s-Filialen mit Bratwürsten beliefert? Ich weiß es jetzt! Und fand es hochinteressant im Gegensatz zu dem Gegurke auf dem Platz!
  • Ich war so kraftlos, ich konnte nicht mal auf den Kanal schalten, auf dem das andere Spiel lief. Aber immerhin habe ich den Wolfsburger Grafite mal im Dress der Selecao gesehen. Das war es dann ja doch wert. NICHT!
  • Als Schiri hätte ich nach Abpfiff sofort ein Überraschungselfmeterschießen mit Ausscheidungscharakter angeordnet. Da muss die FIFA langsam mal flexibler werden. Die Ivorer haben sich wenigstens bemüht und drei Treffer erzielt. Ein ehrenwertes, aber infolge des tapfer verteidigten Unentschiedens der Portugiesen sinnloses Unterfangen.

Brasilien – Elfenbeinküste 3:1

Vorbericht

  • Brasilien gegen Elfenbeinküste. Da erwartet sich doch jeder etwas. Lässiges Sambatanzen um dicke Trommeln, Torschüsse hüben wie drüben, der Ball kommt gar nicht zur Ruh‘, will gar nicht mehr von ost- und südeuropäischen Rumpelfüßen berührt werden.
  • Ich würde ja gerne in die Vorfeierstimmung miteinstimmen, darf aber den Blick auf die Trainerbänke lenken. Carlos Dunga, der Disziplinfanatiker, der Deutsche, der Anti-Hurra-Fußballer. Ich sehe den vor mir, wie er bei einem Anflug von Tänzelei mit dem Ball sofort in die Pfeife bläst und Strafrunden verteilt: „Kaka? Ein No-Look-Pass am Anstoßkreis? Haste se noch alle?„, „Lucio! Hintenbleiben oder ich kleb‘ dich fest!„, „Grafite! Du hast mir einfach zu viele Tore in der Bundesliga geschossen, bleib du mal schön auf der Ersatzbank!
  • Auf der anderen Seite Sven Göran-Eriksson. Da verstummt die Trommel, da trötet keine Vuvuzela, wenn der Mann mit dem wunderbar geschnittenen Senator Palpatine-Haaransatz mit Tropenhelm und Khaki-Hosen durch die Reihen trottet. Nach Trainingsende gehen natürlich alle zum heimlichen Trainer, Didier Drogba, und reißen ihre Witze über den stocksteifen Schweden.
  • Wenn das ein 0:0 wird, erwäge ich ernsthaft, dem Nordkoreaner den Gruppensieg zu wünschen.

Nachbericht

  • Torreiches Spiel und dennoch hatte ich lange Zeit folgenden Satz im Kopf: der Brasilianer ist bei diesem Turnier kein Zauberer mehr, sondern ein knallharter Verwaltungsvollstreckungsbeamter. Mehr Vollstreckung als Fabiano zum 1:0 geht ja auch fast nicht.
  • Deshalb dürfte Verwaltungsdirektor Dunga folgendes in seinen Notizblock eingetragen haben: befriedigende Vollstreckungsquote, allerdings mehrfach Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (§113 StGB, nur drei Verwarnungen gegen Vollstreckungsgegner!). Aktenzeichen CIV-20/06/10-WM2010 erledigt. Neues Aktenzeichen anlegen: POR-25/06/10-WM2010.
  • Thierry Henry (noch nicht zu Hause) dürfte stolz wie Oskar sein. Denn Fabiano zelebriert den doppelten Handball und krönt das Ganze auch noch mit kackfrecher Leugnung. Wenn ich was zu sagen hätte, dürfte der im nächsten Spiel kein Tor schießen, weil er nämlich auf der Tribüne sitzt.
  • Wer verschwört sich mit mir und denkt ernsthaft darüber nach, dass Kaka mit der zweiten gelben Karte sichergehen wollte, im Achtelfinale eingesetzt werden zu können?
  • Superzeitlupen von krass harten Foulspielen gehen mir dezent auf den Magen. Wie es da die Beinmuskulatur durchschleudert, nein, das will ich nicht sehen. Heute wie damals schon bei der letzten WM mein Rat: die Szenen könnt ihr für den nächsten Saw-Streifen verwenden, aber mich dürft ihr damit gerne in Ruhe lassen. Meine Besserungswünsche an Elano (sehr kalt abgeschlossen zum 3:0) – schon traurig, dass er beim Feiern seines Tores die Schienbeinschoner in die Kamera hält, die ein paar Minuten später nebst Knochen derbe malträtiert werden sollen.
  • Drogba kann auch mit Behinderung ein Tor erzielen. Ich würde es den Ivorern gönnen, ins Achtelfinale einzuziehen. In dem die Brasilianer jetzt bereits sind und dementsprechend gegen Portugal den Schongang einlegen werden. Wer hat das bereits nach dem 0:0 zwischen Portugual und Elfenbeinküste so prophezeit?

Elfenbeinküste – Portugal 0:0

Vorbericht

  • Die gute Nachricht gleich vorweg: Didier Drogba, der Superstar der Ivorer, wird spielen können. Leider ohne Ellenbogen. So mancher Gegenspieler, dessen Gesichtsknochen im Luftkampf bereits schmerzhafte Eindrücke sammeln konnte, wird erfreut sein. Moment, ich erfahre gerade, dass Drogba mit einer Spezialschiene auflaufen wird. Mein Tipp an den Zeugwart der Portugiesen: jetzt noch schnell die guten Schutzhelme mitnehmen!
  • Wieder sitzt ein dröger Schwede auf der Trainerbank. Sven-Göran Eriksson, dessen Karrierehighlights sicherlich die enttäuschenden Welt- und Europameisterschaften 2002-2006  mit den Engländern waren. Ich wüsste schon gerne, was die Personalplaner des ivorischen Fußballverbands da als Einstellungskriterien definiert haben. Intellektuellenbrille? Graues Haar? Sieht gut im Anzug aus?
  • Criiistiiiiannnooo Roooonaaaaaldooo! Der Superstar! Ja, dieser Messi aus Argentinien mag noch besser sein. Aber keiner ist hübscher als Cristiano Ronaldo. Keiner lasert mit seinem Bubu-Blick den Gegner schöner vom Platz als Cristiano Ronaldo. Und keiner erfreut mehr mein Herz, wenn er heulend auf dem Platz liegt als… aber ich schweife ab. Wann wird der eigentlich mal Weltmeister? Ich kann es sagen: wenn man zum Fußballspielen keine Mannschaft, sondern nur noch einen Schönling braucht, der breitbeinig beim Freistoß steht und ihn dann reinschießt. Vorher nicht. Dem Fußballgott sei Dank.
  • Portugal ist das nächste Spanien, meinen viele. Weil Spanien nach langen Jahren konsequenter Erfolgsverweigerung mit der Europameisterschaft einen Titel eingefahren hat, sollen nun ihre westlichen Nachbarn dran sein. Für den Hugo Almeida würd‘ es mich freuen, aber in einer Gruppe mit Brasilien und Nordkorea sehe ich da keine große Chancen.

Nachbericht

  • Ach Scheiße. Sorry für die Wortwahl, aber ich hatte die Tippkombo NZL-SVK 0, IVO-POR 1 und BRA-PRK 1 am Laufen. Und dann kriegt der Afrikaner wieder keinen rein! Einziger richtig leidenschaftlicher Moment des Spiels: der rechte Pfosten (der Cristiano Ronaldo offensichtlich so wenig leiden kann wie ich) streckt sich mit aller Macht dem strammen Schuss des Anstoßkreis-Übersteiger-Posers entgegen und wehrt mit Vehemenz ab.
  • Die Portugiesen will ich jetzt eigentlich schon nicht mehr sehen. Deco legt schon einen Gesichtsausdruck auf, der übt doch bereits für das Vorrundenaus. Hugo musste auf der Ersatzbank bleiben und von Raul Meireles habe ich gelernt, dass Gesamtkörpertätowierungen auf bleicher Haut kränklich wirken. Sonst war nix.
  • Der Ivorer macht mich wohl so unglücklich wie 2006, als es hieß „Drogba, meine Tränen sind nicht trockbar“. Bemüht in der Offensive, aber mindestens ein Ding muss doch über die Linie! So dümpelt sich der Portugiese im letzten Spiel gegen die C-Elf von Brasilien ein 1:0 zusammen und zieht ins Achtelfinale ein. Dann geht das Geheule wieder los. Dabei will ich das doch bei Cristiano…okay, ich hör schon auf.