Portugal – Brasilien 0:0 / Nordkorea – Elfenbeinküste 0:3

Vorbericht

  • Seit Tagen habe ich nichts mehr von meinem Teilzeitarbeitgeber, dem offiziellen Sportmeinungsbildungsfachorgan Nordkoreas,  PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) gehört. Gestern dann endlich telegraphisch ein Lebenszeichen: GELIEBTER FÜHRER FINDET FUSSBALL DOOF – STOPP – WM HAT NIE STATTGEFUNDEN – STOPP – KEIN INTERESSE MEHR AN BERICHTEN – STOPP – AUSSER SÜDKOREANISCHE MANNSCHAFT MACHT SICH LÄCHERLICH – STOPP. Dabei hatte ich schon so eine tolle Reportage zum Achtelfinale Nordkorea – Spanien geschrieben. Mit dem fünffachen Torschützen Tae-Se Jong, der drei Treffer trotz glatt durchgebrochener Wirbelsäule erzielt. Einem Stadion in rotem Flaggenmeer, welches das Bild des vor Liebe zu seinem Volk schon ganz schusselig werdenden Führers auf die Ränge projiziert. Und einem sich tief verbeugenden Sepp Blatter, der Nordkorea spontan die nächsten vier Weltmeisterschaften zuspricht. Alles für die Katz‘.
  • Bei einem 0:1 zwischen Portugal und Brasilien benötigt die Elfenbeinküste – Moment, jetzt muss ich den Rechenschieber zücken – ein 8:0 gegen die Getreuen von Kim Jong-Il. Das scheint auf den ersten Blick machbar zu sein. Denn der Brasilianer schenkt bei diesem Turnier nicht mehr so beherzt ein wie früher. Aber 8 Treffer gegen eine Mannschaft, die die verrückte Absicht hat, wohlbehalten in die diktatorische Heimat zurückzukehren, sind schon ein happige Angelegenheit.
  • Der Übungsleiter der Elfenbeinküste, zu seinem eigenen Erstaunen immer noch Sven-Göran Eriksson, hat daher bereits erste Bestechungsversuche eingeleitet. Im Angebotsportfolio enthalten sind: ein sexy Autogrammkarten-Set von Didier Drogba (mit und ohne Ellbogen-Manschette), drei schon ziemlich ausgeleierte Escort-Damen aus diversen Sexskandalen zu Erikssons Zeit als Trainer der Engländer, vier Kisten mit Duftpröbchen aus der Kakao-Produktion und eine liebevoll von Kindersklavenhänden abgepumpte Dose Erdöl. Bestechlichkeits-Experten gehen davon aus, dass dem Unternehmen bei umgekehrter Interessenlage mehr Erfolg beschieden sein dürfte.
  • Brasilien und Portugal reicht ein Unentschieden, um ins Achtelfinale einzuziehen. Trainer Carlos Dunga hat daher bereits angekündigt, besonders lustlos nach vorne spielen zu lassen. Dienst nach Vorschrift ist das Motto der Stunde. Cristiano Ronaldo auf der anderen Seite hat seinen heutigen Gesichtspeeling-Termin abgesagt und will sogar sowohl ungekämmt als auch ungeschminkt auflaufen. Das kann ja was werden…

Nachbericht

  • Eine Partie, wie geschaffen für die Kaffeefahrtreklamebroschüren dieser Welt. Gebrüder Nepp-Busreisen präsentiert: erleben Sie 90 Minuten plus Nachspielzeit das Schaulaufen der Stars! Portugiesische und brasilianische Ballkünstler verzaubern Sie mit ihren Tricks, ihren Schussversuchen, ihren Ballstreicheleinheiten. Unterhaltung für alt und jung ist garantiert (gilt nicht für Tore bzw. Torschüsse)! Jetzt neu auch mit ärztlicher Unbedenklichkeitsbescheinigung für Bluthochdruckpatienten. Für die musikalische Begleitung konnten wir die Fünfundachtzigplatzierte des DSDS-Castings 2007, Bärbel Cimcewski aus Gera gewinnen, die bereits einmal in einem Heft mit einem Starschnitt von Cristiano Ronaldo geblättert hat. Im Anschluss geht es direkt auf das Gehöft des Bauern N’kofo mit seinen vuvuzelatrötenden Ziegen und die Deutschlandhymne auf Blockflöten spielenden Kindern. Zum Abendbrot wird ein reichhaltiges Mahl aus Schmierwurst, Blutwurst und grober Ziegenleberwurst gereicht. Beachten Sie auch unser Angebot an kaum gebrauchten Heizdecken zum unschlagbaren Exotenpreis!
  • Was für ein Grottenkick! Ich habe mich so geärgert, dass der liebe Herrgott mich nicht als Tausendfüßler auf die Erde geschickt hat – dann hätte ich mir wenigstens die elend lange Zeit dieses Nichtkicks mit Fußnägelschneiden vertreiben können. Stattdessen habe ich den ARD-Videotext auswendig gelernt. Wusste schon jemand, dass Uli Hoeneß demnächst McDonald’s-Filialen mit Bratwürsten beliefert? Ich weiß es jetzt! Und fand es hochinteressant im Gegensatz zu dem Gegurke auf dem Platz!
  • Ich war so kraftlos, ich konnte nicht mal auf den Kanal schalten, auf dem das andere Spiel lief. Aber immerhin habe ich den Wolfsburger Grafite mal im Dress der Selecao gesehen. Das war es dann ja doch wert. NICHT!
  • Als Schiri hätte ich nach Abpfiff sofort ein Überraschungselfmeterschießen mit Ausscheidungscharakter angeordnet. Da muss die FIFA langsam mal flexibler werden. Die Ivorer haben sich wenigstens bemüht und drei Treffer erzielt. Ein ehrenwertes, aber infolge des tapfer verteidigten Unentschiedens der Portugiesen sinnloses Unterfangen.

Portugal – Nordkorea 7:0

Vorbericht

  • Nach dem ruhmreichen Sieg gegen den mehrfachen Weltmeister aus Brasilien stellt sich unserer tapfer aufspielenden und die Herzen der Welt erobernden Mannschaft heute die Fratze des Kapitalismus in ihrer ganzen Hässlichkeit entgegen: Portugal mit Cristiano Ronaldo. 93 Millionen Euro soll es wert sein, diesen vom Mammon bereits zerfressenen Untoten in seinen Reihen zu haben. Eine Summe, die unser täglich in der Liebe seines Volkes vollbadender Führer monatlich aufwendet, um unsere Nation vor schändlichen Angriffen des Klassenfeindes im Süden zu schützen! Wie etwa der Behauptung, dass der Brasilianer gegen unsere fußballspielenden Genossen zwei Tore erzielt haben soll.  Einfach nur lachhaft. Beschämend. Peinlich. Jeder Bürger Nordkoreas ist eingeladen, sich anhand des liebevoll staatlich gepflegten Intranets an den Universitäten unseres großartigen Landes vom Gegenteil zu überzeugen. Wahrheit! Intranet! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Pech für den vom Volk täglich auf Händen getragenen Führer, dass er die Schmähung „Kim Jong-Il Gae Heng Hi Hi“ noch nicht aus dem World Wide Web herausfiltern lassen konnte. Google zeigt sie trotz mehrfacher Intervention seitens der nordkoreanischen Zensurfachbeamtenschaft immer noch an. Wenn ich den Schmutzfink erwische, der diesen Satz in Umlauf gebracht hat!
  • Portugal kann mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen. Gegen das bereits qualifizierte Brasilien würde dann ein Unentschieden genügen, um den zweiten Platz zu sichern. Der portugiesische Trainer Carlos Queiroz hat beim Schiedsrichtergespann der Partie vorab eine Liste möglicher Aktionen nordkoreanischer Spieler  gegen Superstar Cristiano Ronaldo eingereicht, die sofort zu unterbinden sind: böse gucken, anfassen, schubsen sowie Ball abnehmen und davonlaufen.
  • Bei einem Unentschieden rege ich mich sowas von auf, denn dann wäre mein Oddset-Tippschein 255 Euro wert gewesen, wenn der Slowake gegen Paraguay gewonnen hätte. Ich fahr nach Bratislava und pinkele solange dortige Sehenswürdigkeiten an, bis man mir den Verlust erstattet.

Nachbericht

  • Erneut hat die Volksmannschaft der demokratischen Republik Korea einen bleibenden Eindruck bei diesem WM-Turnier hinterlassen können. Strahlender Sonnenschein im Stadion zu Johannesburg wurde Zeuge einer überragenden kämpferischen Leistung, mit der unser Kollektiv den Portugiesen ein 0:0 abzutrotzen vermochte. Superstar Cristiano Ronaldo verließ bereits in der 10. Spielminute mit Heulkrämpfen das Feld, so sehr war er vom wieselflinken und zupackenden Spiel seiner Gegner zermürbt und verwirrt worden. Ich will an dieser Stelle keine großen Worte über die Begegnung verlieren, denn ich denke, das Unentschieden alleine spricht für sich. Beschämend allerdings erneut das Verhalten des Klassenfeindes im Süden, der das Fernsehsignal erst zu einer Zeit im einzig wahren Korea ankommen lässt, zu der zum Schutz seiner wertvollen Infrastruktur rein routinemäßig der Strom abgestellt sein wird. Der jeden Morgen von der Liebe seines Volkes noch leicht aufgequellte Führer Kim Jong-Il hat jedoch bereits erwirken können, dass unserer Mannschaft ein Zusatzpunkt für ihre Verdienste gegen die kapitalistische Streitmacht Portugal zuteil werden wird. Damit ist die letzte Partie gegen die eh bisher schwach auftretenden Ivorer ohne Bedeutung geworden und bedarf auch keiner Übertragung durch den sonst stets zuverlässig arbeitenden nordkoreanischen Rundfunk. Zusatzpunkt! Achtelfinale! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Nun ein paar Worte für die freie Welt: der Portugiese schlägt zu. Sieben superb herausgespielte Treffer sind schon eine Marke. Dem Nordkoreaner kann man nun wirklich nicht vorwerfen, dass er nach dem 2:0 vielleicht schon keine Lust mehr gehabt hätte. Aber wie die Angriffe der Portugiesen perfekt abgewickelt wurden, das lässt erahnen, was noch drin sein könnte in der Wundertüte der Mannschaft. Gefreut hat mich der Treffer von Hugo Almeida, den von Cristiano Ronaldo nehme ich halt hin.
  • Nordkorea ist damit ausgeschieden. Ich glaube, die Spieler würden sich herzlich freuen, wenn sie zuhause so etwas wie Presse hätten, die allein mit Worten auf sie einknüppeln würde. Ein bisschen haben die mir nach Abpfiff schon leid getan. Schon weil die Begegnung tatsächlich live im dortigen Fernsehen übertragen wurde.

Brasilien – Nordkorea 2:1

Vorbericht

  • Der Nordkoreaner kann ganz befreit aufspielen. Sobald sicher ist, dass er nicht mehr nach Hause muss. Dieser Witz ist gerade der absolute Brüller in den Arbeitslagern rundum Pjöngjang. Pech für den heißgeliebten Führer Kim Jong-Il, dass China die Ladung elektronischer Fußfesseln nicht rechtzeitig zum Turnierbeginn liefern konnte. Zwar lagert noch ein in der Heimat erbautes Produkt im Keller des Ministeriums für glücklichmachende Umerziehung: dieses besteht allerdings aus einer Kette  mit einer 25 Kilo schweren Kugel am Ende. Zu schwer für den kommunistisch-strammen Siegestorschuss, wie Experimente ergaben.
  • Hier mein jüngster Gastbeitrag für die PPP (Prima Propaganda Pjöngjang): Der uns vor Glück zur Ekstase treibende, geliebte Führer hat erneut einen entscheidenden Beitrag zum Gewinn der Weltmeisterschaft geleistet! Mit Genosse Kim Myong-Won stellt unser glorreiches Land den bestausgebildetsten Mittelfeldspieler für Feld und Tor! Voll und ganz ist er in seiner neuen Rolle als dritter Torwart aufgegangen worden – auf der Ersatzbank wird er motivierende Ansprachen für seine Genossen halten, Kampfblätter verteilen, als offiziell einzig zugelassener Fan Nordkoreas jubeln und den Kapitalismus für immer zerstören. Ersatzbank! Sieg! Vaterland!
  • Carlos Dunga, der brasilianische Trainer, verkörpert deutsche Tugenden. Dazu gehört eine akribische Vorbereitung, die auch extreme Notfälle nicht außer Acht lässt. Sollte im Spiel gegen die Nordkoreaner nach 75 Minuten immer noch kein Tor gelungen sein, wird die Aktion „Zidane Reloaded“ ausgerufen. In einem einstündigen Seminar an der Marco Materazzi-Hochschule für gezielte Beleidigungsansprache auf dem Fußballfeld haben sämtliche Spieler den nordkoreanischen Satz „Kim Jong-Il Gae Heng Hi Hi“  (zu deutsch: „Euer geliebter Führer hat einen lachhaft kleinen Lümmel in der Hose“) in der korrekten Intonierung auswendig gelernt. Wer von den Nordkoreanern danach nicht zur Tätlichkeit greift, wird gnadenlos als Vaterlandsverräter beim mitgereisten Parteistab denunziert. Nach fünf Platzverweisen folgt der Spielabbruch und eine 3:0 Wertung des Spiels für Brasilien am grünen Tisch. Kann nichts schiefgehen.
  • Hasenzähnchen spielt nicht mit! Wer nach Ronaldinho Ausschau hält, dürfte enttäuscht werden, denn er wurde nicht nominiert. Damit nimmt er eine ähnliche Entwicklung wie der Spieler mit dem bekanntlich höchsten Trikotspannkraftauslastungswert bei der WM 2006, Ronaldo. Immerhin darf der kleine Racker in einem kleinen Geläuf beim AC Mailand seine Gnadenkarotte fressen und wird ab und an von Silvio Berlusconi mit handwarmen 500-Euro-Scheinen massiert.

Nachbericht

  • (PPP) Unzerstörbar. Unverwundbar. Unschlagbar. Sieg! Hurra! Vaterland! Der kommunistische Schutzwall hielt den Angriffen stand! Durch ein Tor des Genossen Ji Yun-Nam in der 89. Minute triumphierte der einzig wahre Koreaner mit 1:0 über den mehrfachen Weltmeister Brasilien. Zutiefst beschämt über die Überlegenheit des nordkoreanischen Spiels hat der Klassenfeind aus dem Süden ab der 55. Minute das Sendesignal böswillig gestört, sodass eine technisch saubere Übertragung trotz allergrößter Anstrengungen nicht mehr zu gewährleisten war. Torwart Ri Myong-Guk allerdings wurde direkt nach der Partie das Versprechen abgerungen, umgehend in die Heimat zu reisen, um dem in unserer Liebe fast täglich ertrinkenden Führer in allen Details von den Heldentaten seiner Kameraden zu berichten.
  • Wo genau der Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur liegt, konnte man schon beim Abspielen der Hymnen erfahren. In der Demokratie steht es dir frei, zu singen. In der Diktatur musst du singen. Oder wenigstens heulen wie Jong Tae Se. Wobei ich den Text der nordkoreanischen Nationalhymne nun wirklich weniger peinlich-pathetisch fand als den der brasilianischen. Ich hatte da durchaus was in der Richtung von „Wir hau’n den Südkoreaner zu Brei“ erwartet.
  • Zum Spiel: die Brasilianer brauchten eine Menge Dusel, um aus der Nummer ohne Schaden rauszukommen. Stichwort „Torwartecke“. Besonders auffallend: die Nordkoreaner spielten fast ohne jegliches Foul. Von Einzelkönnern, wie sie die Gelb-Blauen zweifellos  in ihren Reihen haben, erwarte ich, dass die mal eins zu eins auf den Mann gehen und Freistöße oder Elfmeter rausholen, wenn spielerisch sonst gar nichts geht.
  • Diktatur hin oder her (und ich will mit meinem Klamauk nichts kleinreden, Nordkorea ist eine der schlimmsten Diktaturen auf dieser Erde), als das 2:1 fiel, musste ich schon in mich hineinschmunzeln. Ich glaube, die letzten Minuten hatte von den Brasilianern nicht nur einer ein kleines Stück Kaka in der Hose. Auf die Partie Nordkorea gegen Portugal freue ich mich jetzt schon.