Japan – USA 5:3 (n.E.)

Vorbericht:

  • Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler ist angesäuert. Bei den letzten großen Turnieren konnte er anlässlich seiner Audienzen beim Fußballgott immer eine gute Platzierung für das DFB-Team herausholen. Diesmal jedoch schien er versagt zu haben. Überhaupt war alles anders, als er am Tag des Finales den großen Raum mit dem Eingangsschild „FIFA-Mitglieder müssen leider draußen bleiben“ betrat.
  • „Mein Gott, Walter! Finaaaaale, ohohoho. Heut‘ ist Finaaaale, ohohoho. Eschweiler, altes Schiedsrichtergestell‘, setz dich hin und greif dir ein Schnäpschen.“ „Eure Ballherrlichkeit sind gut gelaunt, so kenne ich Sie gar nicht, wenn ich das anmerken darf.“ „Mit gutem Grund“, setzte der Fußballgott an, „mir ist heute eine Auszeichnung ins Haus geflattert. Der HOLY FUCK Creative Football Design Award 2011 geht an…*trommelwirbel*… moi, meine und deine Heiligkeit! Diesmal habe ich alles richtig gemacht. Ich lese dir mal aus der Begründung der Jury vor, Walter.“ „Wenn es sich nicht vermeiden lässt, mein Gebieter.“
  • Eine gelungene Mischung aus althergebrachter Tradition, auf dem Fuße folgender Strafe, fröhlicher Unterhaltung, internationaler Härte, historischer Dimension und gewohnter Wankelmütigkeit zeichnete die Veranstaltung des diesjährigen Preisträgers aus. Das steht da, Walter, die meinen mich! Ich wusste gleich, es war eine gute Idee, die Engländer am Elfmeterpunkt versagen zu lassen. Das kommt einfach immer gut an, egal ob Frau oder Mann.“ „Mit fröhlicher Unterhaltung sind sicherlich die Schiedsrichterentscheidungen gemeint. Fand ich allerdings nicht so lustig, mein Herr.“ „Ach, Walter, sei mal nicht so spaßresistent. Ohne Fun geht doch heute im Abendprogramm einfach nix mehr. Und hier, meine Idee, das Zeitspiel und generelle Rumgeheule der Brasilianerinnen mit dem frühen Ausscheiden zu bestrafen, war auch ein Knaller. Hab ich eine saumäßige Menge SMS für bekommen und alle waren begeistert. Okay, in Brasilien sollen ein paar den Glauben verloren haben, aber nicht wirklich viele. Sind halt alles Machos da unten. Mal sehen, was ich 2014 mit denen anstelle. Da freu ich mich schon drauf.“
  • „Den Nordkoreanerinnen Doping in den Reis zu mischen war aber nicht sehr fein, Hochballwürden“, warf Walter daraufhin ein. „Ach Quatsch, das ist internationale Härte, klares Feindbild, Axis-of-Evil-Gedöns, das brauchen die Amis.“ „Und das Ausscheiden der deutschen Frauen? Fand ich sehr doof, um ehrlich zu sein.“ „Ja, Walter, ohne Wankelmut kann ich mich direkt einsargen lassen, da nimmt mich doch sonst keiner mehr ernst! Zweimal Trizeweltmeister bei den Männern und drei Mal Weltmeister bei den Frauen? Das geht ja nun wirklich nicht. Dafür lesen Historiker im Weiterkommen von Japan schon eine Parallele zu 1954. Das Wundel von Flankfult! Nippons Sommelmälchen!“
  • „Gewinnen die Japanerinnen denn nun auch das Finale, o Hüter von Ballhalla?“, will Eschweiler jetzt sanft drängend wissen. „Wäre fast fies, wenn nicht, gelle, Walter? Ich bin noch unentschlossen, habe aber extra deine Freundin, die Bibi, zur Schiedsrichterin bestellt, damit es keinen regeltechnischen Huddel gibt. Vielleicht lasse ich ja auch die Amis gewinnen und wenn sie dann nach Hause kommen, ist ihr Staat gerade dabei, bankrott zu gehen. Müsste ich freilich vorab mit dem Finanzgott besprechen, aber der düst ständig in Südeuropa rum, den kriegst du einfach nicht zu fassen.“
  • „Sag mal, willst du nicht entscheiden, Walter?“, fragte der immer noch euphorische, aber entschlussgehemmt wirkende Fußballgott. „Ich mach das schon, o Eure runde Lederigkeit“, antwortete dieser verschmitzt. Und so geschah es, dass die Japanerinnen Weltmeister wurden, weil Bibiana Steinhaus scharfäugig einen Elfmeter zu ihren Gunsten pfiff, den die Kameras erst in der dritten Zeitlupenwiederholung bestätigen konnten. Die Ehre der Schiedsrichterzunft ward wiederhergestellt, Deutschland gefeiert als die edelmütige Nation, die dem geschundenen Asiatenvolk den Vortritt überließ und Walter gönnte sich endlich das Schnäpschen aus feinsten Süßkartoffeln namens Shochu, das er beim Fußballgott hatte mitgehen lassen.

Nachbericht:

  • Ich setze mein breitestes Grinsen auf und male mir einen roten Punkt ins Gesicht: Die kleinsten Frauen sind die Größten, die Geilsten und die Besten im Frauenfußball obendrauf! Was für ein Spiel, was für eine Dramatik. 120 Minuten plus Elfmeterschießen, gekrönt von dieser einen Erkenntnis, die den Fußball so wunderschön macht. Du brauchst nicht baumlang zu sein, du brauchst nicht muskelbepackt zu sein, du brauchst nicht am höchsten springen zu können, du brauchst nicht jeden Gegner in Grund und Boden zu laufen, um am Ende bei diesem Sport zu triumphieren. Danke Japan, für den großartigen Abschluss dieses Turniers.
  • Die Nationalhymnen gaben ein wenig den Takt vor für die ersten 25 Minuten. Während die japanische Auswahl andächtig und in sich gekehrt einer getragenen Melodie lauschte, brannten die Amerikanerinnen zu ihrem „Hoppla, da sind wir“-Heimatlied innerlich alles nieder. Chance um Chance erdrücken sich die US-Damen, beginnend nach wenigen Sekunden und erst so Mitte der ersten Hälfte endend. Cheney, Wambach, Rapinoe wirbeln Frauen und Spielgerät durcheinander. Just als die Asiatinnen langsam ins Spiel finden, zieht Wambach einen Knaller ab Richtung Torwinkel. Für mich war der schon drin, aber die Latte hält wacker dagegen. Halbzeit.
  • Es ähnelt nun langsam ein bisschen Deutschland – Japan, denn die Blauen klären die Angriffsversuche souveräner, wagen sich auch einmal nach vorne. Aber es ergeben sich weiterhin riesige Chancen für die USA, doch der Ball will nicht über die Linie. Bis die Frau mit dem rosa BH den Unterschied zu bringen scheint. Ausgerechnet einen Konter schließt die eingewechselte Alex Morgan mit einem hart geschossenen Aufsetzer ab. Das müsste es wohl gewesen sein. USA all the way und so.
  • Aber nicht doch. Und hier kommt das Putzige an der japanischen Spielweise zutage. Die sind so bescheiden, dass sie selbst nicht in Führung gehen wollen. Liegen sie aber hinten, spielen sie reinsten Spock-Fußball: „Captain, wir liegen zurück, also diktiert die Logik, dass wir ein Tor erzielen müssen“. Schwupp, huschen die kleinen Rackerinnen nach vorne. Was die Amis so verwirrt, dass sie sich in Form von Buehler und Krieger im eigenen Strafraum vor Verzweiflung selbst abschießen und „Manni“ Miyama nur noch reinhauen muss. 81. Minute, es steht 1:1. Ich halte jetzt endgültig zu den Japanerinnen, die plötzlich ein paar Minuten frech auf die Entscheidung zielen und ihr Spiel Richtung US-Tor verlagern. Im Gegenzug schnüren die Amerikanerinnen sie nochmals ein, aber die Verlängerung ist nicht zu verhindern.
  • Kriegen die Amerikanerinnen nun die große Krise? Nein, denn Abby Wambach, die Stürmerin, der wir wohl alle das goldene Tor zugetraut haben, köpft krachledern und humorlos eine Flanke rein. 103. Spielminute, Zeit zum Verzweifeln, zum Aufgeben, möchte man meinen. Aber nicht mit den kleinen japanischen Rasenrobotern. Kurz das Torwärtsprogramm initialisiert und auf geht’s in die Hälfte des Gegners. Wo die Verteidigung sich schnell wieder die Fingernägel wegkaut, angefangen von Rampone über Krieger hin zu Hope Solo höchstselbst.
  • Es schlägt die Sekunde der weisen Frau Sawa. Nach einer Ecke bugsiert sie den Ball über die Linie, als wäre es ein Leichtes, einen Rückstand in einem WM-Finale(!) in der Verlängerung(!) aufzuholen. In dem Moment hätte ich als Amerikaner wirklich den Glauben an dieses Spiel verloren, denn wo die einen sich abackern, legen die anderen lässig nach. Es ist, als hätte man die Geschichte von Hase und Igel auf dem Rasen aufgeführt.
  • Im Elfmeterschießen liegen die Nerven schließlich endgültig blank bei den Titelaspirantinnen aus den US of A. Die kleine Kaihori hält den ersten Strafstoß gegen Boxx, Lloyd schießt Richtung Tribüne. Solo tut ihr Möglichstes, aber ihre Kolleginnen legen beinahe englische Kompetenz am Punkt offen. Die #4 der Japanerinnen, Kumagai, zerstört schließlich den amerikanischen Traum mit einem Hieb oben in den Winkel. Japan ist Weltmeister. Amerika am Boden. Sachen gibt’s, die gibt’s nur im Fußball. Homore Sawa holt alle von der FIFA ausgelobten Titel, den der Torschützenkönigin inklusive. Das japanische Team feiert, die neutralen Zuschauer mit ihm. Und ganz am Ende bleibt die Pointe, dass diese Mannschaft nur von den Engländerinnen geschlagen werden konnte. Auf der Insel wird man und frau sich ärgern. Der Fußballgott hatte wieder seinen Spaß.
  • Das war die Berichterstattung des unfassbar kompetenzfreien WM-Tagebuchs zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Meinen Dank an alle treuen Leserinnen und Leser, die Fans auf Facebook, die fleißigen Twitterer, Verlinker und flattr-Spender. Wir lesen uns hoffentlich 2014 wieder! Zum Ausklang und als Rausschmeisser habe ich wie gehabt ein Lied ausgesucht, diesmal eines aus dem Land der Trizeweltmeisterinnen aus Schweden: In Flames – Liberation [auf Grooveshark anhören] / [auf Facebook anhören]. Um schließlich die Gefühlswelt der Amerikanerinnen anzusprechen und wenigstens einen Song hier drinnen einbinden zu können, noch obendrauf Alkaline Trio mit „The American Scream“ aus dem frisch erschienenen Album „Damnesia“.

Schweden – USA 2:1 / Nordkorea – Kolumbien 0:0

Vorbericht:

  • (PPP) Überraschung! Sensation! Freude! DAS EINZIG WAHRE KOREA IST WELTMEISTER! Die gute Nachricht traf die Mannschaft um den vielumjubelten und nie um einen Scherz verlegenen Trainer Kim Kwang Min just beim großen Festbankett anlässlich ihres gewohnt überragenden Auftretens bei der Fußball-WM in der Deutschen Demokratischen Republik und den angeschlossenen 11 neuen Bundesländern. Sepp Blatter, das unumstrittene und wirklich auch sehr ordentlich viel geliebte Oberhaupt der internationalen Fußballkommission, überbrachte höchstselbst ein von allen Mannschaften des Turniers unterschriebenes Manifest, in dem die drückende Überlegenheit des roten Kollektivs, die blendende Attraktivität seiner Spielerinnen und die Unfehlbarkeit des die Liebe seines Volkes mittlerweile in Brühwürfelform stapelnden und lagernden geliebten Führers Kim Jong-Il ihre offizielle Bestätigung fanden. Das Ministerium für Freude rief umgehend alle Genossinnen und Genossen auf, ihrem Jubel Ausdruck zu verleihen: „Öffnet die lange aufgehobene Extra-Dose Reis! Braut euch eine leckere original Geliebter Führer-Kraftbrühe! Bis zur Sperrstunde um 18:00 Uhr ist es darüber hinaus jedem Bürger erlaubt, ein traditionelles nordkoreanisches Feuerwerk zu zünden. Papier falten! Anzünden! Hochwerfen! Vaterland!“ (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Es reizt mich ja schon, in die Begegnung Nordkorea gegen Kolumbien reinzulinsen. Denn ich erwarte einen gepflegten Tollwutlauf des kommunistischen Kollektivs. Man und frau will ja schließlich mit wenigstens drei Punkten und einem überzeugenden Sieg nach Hause kommen. Mir fiele im Falle des Ausbleibens eines Sieges gegen die wirklich putzig harmlosen Kolumbianerinnen ehrlich gesagt auch keine gute Ausrede mehr ein. Aber vielleicht wäre das ja eine Aufgabe für die nächste WM: Offizieller Pressereferent der Auswahl Nordkoreas. Bringt bestimmt eine ordentliche Stange Geld, eventuell eine schicke Uniform mit Kim Jong-Il-Anstecker und ob ich jetzt ein paar arme Asiaten in der Heimat anlüge oder die Presse, ist doch egal.
  • Schweden gegen die USA ist natürlich das interessantere Aufeinandertreffen. Mit einem Sieg oder einem Unentschieden gehen die USA einem Viertelfinal-Duell mit Brasilien aus dem Weg. Fände ich jetzt unschön mit Blick auf ein späteres Aufeinandertreffen mit der DFB-Elf. Gerüchten zufolge will allerdings Pia Sundhage, Schwedin und US-Trainerin, den amerikanischen Superstar and everybody’s darling Abby Wambach schonen. Auf der anderen Seite wird jedoch die Frau mit dem herzigen Augenaufschlag und den meisten versiebten Chancen, Lotta Schelin, auflaufen. Hat die Dinger danebengesemmelt, da springt der Elch aus der Pfanne und der Hering aus dem Salat. Wenn ich die Zeit und das Material hätte, würde ich ein Video auf YouTube hochladen.
  • Zum Abschluss noch ein Ähnlichkeits-Insider: Immer wenn ich Schwedens Trainer Thomas Dennerby von der Seite sehe, will ich ihn Thorsten Fink rufen. Gut, dass die WM nach diesen beiden Spielen bis Samstag pausiert.

Nachbericht:

  • Überraschung! Sensation! Freude! U – S – A – what the fuck??? Die haben verloren! Gegen die Minimalschwedinnen mit Schelin, dem schönen Chancentod. Die erste große Überraschung des Turniers und gleichzeitig auch das spannendste Spiel, weil man natürlich dem Außenseiter die Daumen drückt, bis die Nägel rot werden.
  • Kleiner MelB-Fan-Service-Einschub: Melanie Behringer sitzt neben der Kanzlerin, würdigt sie aber keines Blickes und redet kein Wort mit ihr, solange die beiden im Bild sind. Eine tolle Frau!
  • 7. Minute: Schelin stürmt alleine auf Solo zu, die mit einer edlen Beinschere abwehrt. Nichts Neues für Lotta, aber für mich die Bestätigung: die Hope kann was.
  • 16. Minute: wieder na-wer-wohl alleine auf weiter Flur, LePeilbet stürzt rein und die schwedische Unglückstrine um. Ein klarer Elfmeter, den uns Lotta clevererweise nicht selbst schießen will. Solo wirft sich in Pose, als wäre Fotoshooting, aber Dahlkvist verwandelt sicher – 1:0 für Schweden.
  • Was ist überhaupt mit diesen Schwedinnen los? Vorne gefährlich, hinten mit guter Aufteilung und starker Aufräumarbeit. Die Amis sind beeindruckt und fangen an, verzweifelte Distanzschüsse loszulassen. Die anders als beim Spiel gegen Kolumbien aber nicht ihr Ziel finden.
  • 35. Minute: Freistoß Fischer, die Frau, bei der ich mich stets frage, ob sie sich die Haare selbst schneidet und weshalb sie die wilden Reste unbedingt mit einem Haarband einfangen muss. Unhaltbar abgefälscht von -hello again- LePeilbet. Das 2:0, die Sensation macht sich breit.
  • Die Amerikanerinnen finden kein Mittel, die Defensive steht wie Wackelpudding und vorne fehlt der Masterplan. „Hoch auf Wambach“ scheint das allgemein akzeptierte Motto der Hilflosigkeit zu sein. Ich rechne derweil verzückt aus, dass sich bei einem Sieg Schwedens Amerika und Brasilien gegenseitig eliminieren dürfen, während wir nach Japan entweder auf Schweden oder Australien treffen. Prima Sache!
  • 67. Minute: Abby Wambach And The Shoulder Of Doom. Nach einer Ecke von Cheney stürzt sich die Stürmerin mit allem, was sie hat in den Ball, trifft die Schulter und das Tor. Ich habe das Gefühl, dass den Schwedinnen nach diesem Anschlusstreffer zum 2:1 die Puste ausgehen könnte.
  • 86. Minute: O’Hara verzieht frei vor dem Tor. Ich mag gar nicht hinschauen. Hat sich wohl zu lange in der Nähe von Lotta aufgehalten.
  • 91. Minute: Jetzt aber – Lotta Schelin schließt nach gutem Zuspiel fulminant zum 3:1 ab, der Treffer wird jedoch zu Unrecht wegen Abseits aberkannt. Egal, Lottalein, in meinen Augen bist du jetzt rehabilitiert. Noch eine schöne Momentaufnahme zum Schluss, als bei einem Eckball der Schwedinnen keine einzige gelb-blaue Trikotträgerin im Strafraum und außerhalb davon zu sehen ist. Abpfiff. Sensation. Ich liebe Schweden.

Nordkorea – Schweden 0:1

Vorbericht:

  • (PPP) Hurra! ER! Ist! Da! Anlässlich des siegreichen und umjubelten Auftretens der koreanischen Frauennationalmannschaft ließ es sich der von seinem Volk fanatisch blind geliebte und daher bereits seine dritten Augentransplantate tragende Führer Kim Jong-Il nicht nehmen, dem kapitalistisch-geprägten Freistaat Bayern einen Kurzbesuch zu erstatten. In dem „Puppenkiste“ genannten zentralen Volksvertretungsorgan zu Augsburg sprach er sich für die Rückkehr zum Einparteiensystems aus, gab zahlreiche Autogramme auf sein frisch veröffentlichtes kommunistisches Manifest „Der Kim Kann’s“ sowie das neue literarische Werk seines Sohnes Kim Jong-Un („Der kleine Pups fährt um die Welt“) und beeindruckte die Abgeordneten mit seinen Deutschkenntnissen, als er seine Rede mit einem donnernden „I bin a Weißwurscht“ beendete. Offen angesprochen wurde auch der infame Anschlag des Klassenfeindes aus dem Süden, der die weltweit verehrte Genossenauswahl des einzig wahren Koreas mit gezielten Blitzschlägen ausser Gefecht zu setzen trachtete. Die bayrische Landesregierung versprach umgehend Abhilfe in Form von Gummischuhen und Blitzableitern. Nun steht dem Weltmeistertitel praktisch nichts mehr im Wege. Weißwurscht! Gummischuhe! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Nordkorea könnte mit einer Niederlage aus dem Turnier fliegen. Was bei den letzten beiden Weltmeisterschaften hinsichtlich des Verlierens schon prima klappte, denn in den dortigen Begegnungen gegen Schweden unterlag man mit 0:1 und 1:2. Aber Diktatur hin oder her, ein Sieg der Koreanerinnen würde die dritte Runde spannender gestalten. Und ich habe noch so viele tolle, an der Wahrheit grandios vorbeischliddernde Geschichten rundum den geliebten Führer, die ich meinem Teilzeitarbeitgeber PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) für teures Geld andrehen könnte.
  • Schwedens Stürmerstar Schelin packt gerne die Gitarre aus und singt sich zu Natalie Bedingfields Hit „Wild Horses“ in den Schlaf. Ich habe da eben mal reingehört: definitiv kein Melodic Death Metal, es sei denn, da brüllt am Ende noch einer das süße Stimmchen weg. Aber nett. Stürmerkollegin Landström hingegen ist eher „Punk als Singer-Songwriter“. Deshalb hat die auch schon getroffen. Die Schwedinnen bleiben meine Lieblinge. Sollen halt die Amis und Kolumbien in der Gruppe rausfliegen.
  • Selbstverständlich gibt es auch Offizielles aus dem nordkoreanischen Lager zu berichten. In den Vorberichten auf der offiziellen FIFA-Seite kommen stets der Trainer oder eine Spielerin der jeweils beteiligten Mannschaften mit Zitaten zu Wort. Hier nun im Wortlaut und gnadenlos herauskopiert die Einschätzung von Nordkoreas Kim Kwang Min:
  • nixnixnixnixnixnixnixnixnixnix

Nachbericht:

  • (PPP) In einer erwartet dominant geführten Partie siegten unsere Genossinnen durch Tore von Hong, Kong und Pong mit 3:0 gegen die schwedische Auswahl. Wie bereits bei den Männern im vergangenen Jahr ist damit das dritte Spiel nun ohne weitere Bedeutung. „Lasst die mal nach Hause kommen“ rief der von der Liebe seines Volkes einfach nicht mürbe werdende geliebte Führer Kim Jong-Il seinem Freund, dem Obersten Vorsitzenden der internationalen Fußballkommission Sepp Blatter, auf der Tribüne der Augsburger Volkskampfbahn zu. Sein Wunsch ward ihm Befehl: Mit einer Sondergenehmigung der FIFA dürfen unsere ruhmreichen Frauen vor dem anstehenden Viertelfinalspiel gegen Äquatorial-Guinea kurz in die so quälend vermisste Heimat zurückkehren, um von unserem geliebten Führer persönlich empfangen zu werden. Rückkehr! Heimat! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Es ist gut möglich, dass während der Begegnung eine Kim statt einer Song aufgelaufen ist. Möglicherweise auch umgekehrt. Oder mit Jong Son statt Kim. Oder Song. Kommentator Bernd Schmelzer war jedenfalls einem ganz großen Ding auf der Spur. Statistiker mögen auch diese Zahlen interessieren: 1.70; 1,90; 1.80; 1,80. Das waren meine Luftdruckwerte an allen vier Reifen (in bar), bevor ich heute Morgen an der Tanke im Globus in Einöd vorfuhr. 
  • Wieder größtenteils ein Fest für Fußballfreunde, die torgefährliche Situationen und Tore für gefährlichen Schnickschnack halten.  Erst gegen Ende wusste mich die Partie zu packen, weil ich Idiot 5 Euro auf einen Sieg der Nordkoreanerinnen gesetzt hatte. Keine Ahnung, was Trainer Kim Kwang Min die ganze Zeit über so streng geheim gehalten hat. Das Torschusstraining kann es schon mal nicht gewesen sein.
  • Zum Abschluss noch eine kleine Auswahl an Ausreden, falls die Nummer mit dem Blitzeinschlag nicht mehr ziehen sollte: „Wir hatten kollektiv unsere Tage“, „Der Ball war nicht aus sozialistischer Produktion“, „Der Klassenfeind aus dem Süden hat heimlich die komplette Mannschaft unterwandert und durch willenlose Unterhaltungsgeräte ersetzt“.

USA – Nordkorea 2:0

Vorbericht

  • Bei der WM in Südafrika wurde mir die großartig bezahlte Ehre zuteil, als Korrespondent für das führende nordkoreanische Sportmeinungsbildungs-Fachorgan, PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) tätig zu werden.  Unmittelbar nach Abschluss des Turniers erhielt ich in Ehrung meiner Verdienste die Auszeichnung der „verbogenen Feder für glückseligmachende Berichterstattung“ in edelstem Hartplastik und den goldenen Schlüssel zur Stadt, wenn sie mal gerade geschlossen sein sollte. Was aber natürlich nie der Fall ist. Sicherheitshalber soll ich jedoch vorher bei einem Militärposten durchklingeln. Hier mein aktueller, bereits abgesegneter Aufmacher:
  • (PPP) Nach dem triumphalen Gewinn des Weltmeistertitels durch unsere tapferen Genossen im vergangenen Jahr sind nun unsere vor Weiblichkeit strotzenden Genossinnen an der Reihe, ihren unbestreitbaren ersten Platz in der Welt und in den Herzen der Menschen zu verteidigen. Der die Liebe seines Volkes täglich ausschwitzende und als bekömmliches Erfrischungsgetränk aufbereitende geliebte Führer Kim Jong-Il, der in seiner Zeit als aktiver Fußballspieler sowohl in der Herren- als auch in der Damennationalmannschaft hervorstach, hat bereits die offizielle Kampfparole verkündet: „Selbst die nordkoreanische Frau ist mehr wert als jeder Mann des Klassenfeindes aus dem Süden. Frau! Sieg! Vaterland!“. Das siegessichere Kollektiv wurde bereits mit offenen Armen in Dresden, einer der schönsten Städte der Deutschen Demokratischen Republik, empfangen und umjubelt. Staatsratsvorsitzender Erich Honecker gab der Mannschaft bei der Begrüßungsveranstaltung vor 100.000 begeisterten Freunden unserer Volksrepublik ein aufmunterndes „Torwärts immer, rückwärts nimmer“ auf den Weg. Unerträglich hingegen die Provokationen des Teufels aus dem Westen, dessen wildgewordene Weiber mit Sicherheit zu unfairen Mitteln greifen werden, um den verdienten Siegeszug unserer Genossinnen zu stoppen.  Wie die Ratten verschanzen sie sich in ihren Quartieren, schmieden in dunkler Abgeschiedenheit Intrigen und verweigern sich dem frohen, weltoffenen Fest, das diese Weltmeisterschaft auf sozialistisch-brüderlichem Boden doch darstellen soll. Wie gut, dass diese ekelhafte Posse spätestens zum Ende der Vorrunde ihren Abschluss finden wird. Freude! Offenheit! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Das Spiel findet übrigens nicht wie bisher gewohnt um 18:00 Uhr, sondern 15 Minuten später statt. Die Suche nach Massenvernichtungswaffen nimmt nun mal ihre Zeit in Anspruch. Gespannt wartet die Welt auf den Moment, in dem sich die beiden Teams zur Begrüßung die Hand reichen. Die amerikanische Trainerin Pia Sundhage hat bereits angekündigt, ihre Spielerinnen den von der letzten WM berüchtigten nordkoreanischen Schmähsatz „Kim Jong-Il Gae Heng Hi Hi“ (zu deutsch: „Euer geliebter Führer hat einen lachhaft kleinen Lümmel“) zwischen den Zähnen hindurchzischeln zu lassen. Neu im Repertoire: „Kim Jong-Un Puh Hui Ho Ho“ (etwa: „Der Sohn eures geliebten Führers stinkt ganz gewaltig aus der Hose“).
  • Amerika ist die Nummer 1 im Frauenfußball. Zumindest sagt das die Weltrangliste. Der letzte Weltmeistertitel liegt allerdings bereits schmucke 12 Jahre zurück. Die außerordentlich hohe Qualität des Frauenfußballs in Amerika ist einfach zu erklären: wenn Mom und Dad einen Sohnemann auf die Welt bringen und der anfängt, dem runden Leder nachzujagen, setzt es besorgte Gesichter. Das Kind kriegt Baseballschläger geschenkt, muss mit einem übergroßen Handschuh unterm Kissen schlafen, wird am Basketballring streckungshalber mal eine Nacht hängengelassen oder läuft gut gepolstert hundert Mal täglich gegen die Hauswand. Wenn gar nichts mehr hilft, kriegt er eine Xbox360, das neue Call of Duty, reichlich Dollar für Essen bei McDonald’s  und gibt sporttechnisch hernach endlich Ruhe. Mädchen spielen dagegen Fußball, solange und so oft sie möchten und der Daddy hofft, dass sie mal berühmt werden, einen attraktiven Footballer heiraten und Söhne zeugen. Worauf der Kreislauf wieder von vorne beginnt.
  • Die Qualifikation der Amerikanerinnen verlief über Umwegen und gelang erst durch einen Sieg in den Play-Offs gegen die Italienerinnen. Dominanz liest sich anders. Herausragend im Team ist sicherlich Mary Abigail „Abby“ Wambach, im Tor steht mit Hope Solo eine tolle Einzelkämpferin, die ich gerne ehelichen und unseren Sohn dann Han nennen würde. Nordkorea setzt dagegen mit viel Kim, Hong, Song und Jong, wer vermag die schon alle auseinanderzuhalten.  Was soll ich mir also die Mühe machen. Okay, stellvertretend erwähne ich jetzt Jo Yun Mi. Die Truppe ist ein Geheimfavorit, ohne Zweifel, aber mal ehrlich: wenn die Weltmeister würden, wäre doch die ganze schöne Stimmung dahin, wie wenn jemand auf einer Party plötzlich Marschmusik auflegt.

Nachbericht

  • (PPP) Die volkseigene Auswahl der Republik Korea besiegt das vergebens hinterherjapsende amerikanische Team mit 2:0 durch Tore von Kim und Kim. Auf der Pressekonferenz hinsichtlich des nie gefährdeten Sieges gab Trainer Kim Kwang Min gut gelaunt und mit einem herzhaften Lachen auf den Lippen zu Protokoll: „Wir haben heute maximal 10% unseres Leistungspotenzials abgerufen. Den Sieg widme ich meinem von der Liebe zu seinem Volk heute Abend wahrscheinlich hackedicht betrunken herumtanzenden, geliebten Führer Kim Jong-Il“. Ein wunderbarer Schlusspunkt eines gelungenen Auftritts der einzig wahren koreanischen Frauenfußballmannschaft, die daraufhin in das wuselige Dresdener Nachtleben entlassen wurde.  (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Kommentator Galeske sah in der ersten Hälfte ein gutes Spiel. Diskutabel, sofern man nicht ein „zum Zehennägelschneiden oder „zum Nachmittagsschlafnachholen“ hintenanstellt. In meinen handschriftlichen Notizen prangt nur ein Satz: „Dr. Theo Zwanziger trägt ein apartes, hellblaues Baseballkäppi“.
  • In der zweiten Hälfte gleich zu Beginn mehr Leben in der Bude. Hong im Tor der Nordkoreaner fängt jedoch alles weg. Wo Ball, da Hong. Bis zur 54. Minute, als Cheney frech gegen die Laufrichtung der Keeperin köpft. Die Asiatinnen schlagen zurück, auch Hope bleibt nicht mehr länger Solo im Torraum, es begegnen sich Ball und Latte. Die USA nun drängender, mit echten Torchancen. Ein Kopfball touchiert die Latte, wenige Minuten später könnte Buehler aus dem Hintergrund schießen, schießt und Tor! Sah nicht so gefährlich aus, kam aber scharf und flach, das schmeckt Hong nicht, sie mag es eher mild und halbhoch. 76. Minute, das sollte es gewesen sein. Noch ein nicht gegebenes 3:0, kurz danach Abpfiff. Letztlich verdienter Sieg der Amerikanerinnen, die ein Titelaspirant bleiben. Von der nordkoreanischen Auswahl bin ich ein wenig enttäuscht.
  • Ich verfolge ja die ganzen Vor-, Zwischen- und Nachberichte der übertragenden Fernsehsender nicht, weil ich parallel meine Texte schreiben muss. Als ich heute allerdings das Paar Silke Rottenberg und Sven Voss sah, spürte ich fast durch den Schirm die Enttäuschung der ehemaligen deutschen Torhüterin, dass Oliver Kahn nicht für diese WM zur Verfügung stand. Man hätte so gut zueinander gepasst, sich so gut austauschen, ergänzen oder ja, vielleicht auch mal gegenseitig zärtlich in den Nacken beißen können. Sven Voss wirkt dagegen im Zusammenspiel mit ihr wie Thomas Anders in der Spätschleimphase, der sich ständig vor Cynthia Rothrock ducken muss.

Gedanken zur Frauenfußball-WM 2011

  • Du hast keine Ahnung von Frauen und – wenn man deine Tipp-Vorhersagen bei der letzten WM als Maßstab nimmt – auch keine Ahnung von Fußball. Weshalb schreibst du also nicht zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft im Sommer ein neues unfassbar kompetenzfreies Tagebuch?„. Es sind Fragen wie diese, die mich nachdenklich machen. Bestechende Logik gepaart mit journalistisch wunderbar herausgearbeiteter Argumentation, vollendet mit dem bohrenden Drang nach Antworten. Wer bin ich, dass ich dazu schweigen könnte? Vor allem, wenn diese Einleitung mit dem frechen Fragezeichen am Schluss plagiatsfrei von mir selbst stammt?
  • Wer soll es denn sonst machen?“ will es unüberlegt meiner Zunge entfleuchen. Zärtliche Anfragen etwa bei Alice Schwarzer würden ihrer Pressestelle sicherlich lediglich ein „Frau Schwarzer tritt nur gegen Bälle, wenn sie halbhoch auf sie zukommen und ein Mann dranhängt“ zu entlocken wissen. Im Fachkompetenzbereich „Kann so richtig voll gemein sein zu Frauen“ drängen sich natürlich The Heidi The Klum und Detlef D! Soost mit ihren Sendungsversuchen auf, die doch beide – so die ganz persönliche Meinung des Autoren – eine Schar gluckender Hühner zeigen, die quasi gefiedernah dabei sein wollen, wenn ein anderes gluckendes Huhn auf der Stange, äh Bühne performt. Wenn es allerdings so weit kommen sollte, müssen sich unsere Nationalmannschaftsdamen am Ende noch Kommentare im Sinne von „Pfui, wie stilettolos eingeköpft„, „Die achtlos hinter die Torlinie geworfene Handtasche der deutschen Torfrau macht mich voll crazy und angry und so“ oder „C’mon, move your body, bitch!“ zu Herzen nehmen. Das geht ja nun wirklich nicht.
  • Soll man sich die WM überhaupt anschauen? Als Frau sicherlich. Als Mann wird es schwierig, weil man seine Entscheidung vor den Geschlechtsgenossen erklären muss. Das Fachmagazin kicker hat in einer Umfrage unter Bundesligaprofis herausgefunden, dass sich 70% der Befragten nicht für die Weltmeisterschaft im Frauenballsport interessieren. Da wird es schwer, sich auf die Gegenseite zu schlagen, auf der wahrscheinlich nur Philipp Lahm und andere Kicker stehen, die ihren Lebenspartnerinnen körperlich unterlegen sind. Natürlich gibt es noch jene, die bereits gerade eben beim Begriff „Frauenballsport“ schon in sich gekichert haben. Zum Beispiel den hier:  Berlin, Nobelviertel: Ein kleiner vor Selbsteuphorie meckernder Mann steht am Bügelbrett, telefoniert mit seinem Markenrechtsanwalt und brennt hektisch den Schriftzug „TRIKOTTAUSCH“ auf grob billig erzeugte T-Shirts. Zwar gibt es dieses humoristisch vergilbtbärthige Produkt schon im Handel, aber das wird den schwer witzbedürftigen Comedian („Hömma, det is der Hamma, det muss man sich schützen lassen, weeßte?“) sicherlich nicht stören.
  • Ich hingegen sage JA zur deutschen Fußballfrau. Sportlerinnen im Allgemeinen haben mich bereits in frühen Jahren begeistert. Unvergessen etwa die lang durchwachten Leichtathletik-Nächte in den 80ern, als der erste weibliche Hochgeschwindigkeits-Panzer in der grazilen Form der Tschechin Jarmila Kratochvilovà noch die Bahnen dieser Welt unsicher machte. Angetrieben von diesem nostalgischen Schub muss ich natürlich schon deshalb die Spiele sichten, um eine neue Hans-Petra Briegel meines Herzens zu entdecken. Meine Hoffnungen lege ich insofern auf die Teilnehmernationen Nigeria, Nordkorea und Äquatorial-Guinea. Kein Witz, die machen dort alle mit. Besonders freue ich mich dabei auf Nordkorea, wo mir bereits von dem von seinem Volk wirklich (und nicht gaddafiesk-fake) geliebten Führer die körperlich straff organisierte Sportfunktionärin Oberstgeneral  Kom-Mu Shi zugeteilt worden ist, um meine Berichte zu überprüfen.
  • Die entscheidenden Argumentationshilfen zur Überzeugung männlicher Fußballfans sind jedoch folgende:
    • Unsere Damen sind richtig gut. Überlegen gut. Wenn-die-nicht-gewinnen-muss-was-mit-dem-Ball-nicht-gestimmt-haben-gut.
    •  Es dürften viel mehr Tore fallen, wenn Goliatha auf Davida trifft. Was haben wir uns doch letztes Jahr geärgert, als nicht mal der Honduraner ordentlich einen eingeschenkt bekommen haben wollte!
    • Bei den Torfrauen fehlt bis auf wenige Ausnahmen noch die Souveränität, was die kontrollierte und endgültige Ballabwehr anbelangt. Auf Unterhaltung fixierte Menschen wie ich sind hier natürlich extrem gespannt auf die Auswahl Englands.
    • Die schwedischen Frauen sind dabei! SCHWEDINNEN! Optisch kann das doch nur ein Treffer werden.
    • Spanien hingegen fehlt. Komplett. Auch keine Männer. Das habe ich mir nochmals eidesstattlich versichern lassen! Bedeutet: kein Ärger für uns im Halbfinale oder Finale.
    • Falls Oliver Kahn vertraglich gebunden ist, als Experte tätig zu werden, muss er seine weibliche Seite entdecken. Das darf man nicht verpassen, wenn der Titan sich in der Umkleidekabine auf Eierstöckesuche begibt, Duftkerzen aufstellt und fehlende Wickeltische beklagt.
  • Diesmal habe ich wirklich keine Ahnung von den Teams, der Qualifikation, den Hintergründen. Die Regel werde ich mir auch nicht draufschaffen können, wohl aber die Regeln. 2010 in Südafrika mag hier und der Ansatz von Wissen durchgeschienen haben, wofür ich mich entschuldige. Diesen Vorwurf kann ich allerdings für die WM 2011 kategorisch und weit von mir zurückweisen. Dennoch lasse ich alle Besucher dieser Seite gerne bis zum 1.6.2011 darüber abstimmen (und verlange dummerweise nicht mal Geld dafür), ob es ein WM-Tagebuch geben soll.

Flattr this

Portugal – Brasilien 0:0 / Nordkorea – Elfenbeinküste 0:3

Vorbericht

  • Seit Tagen habe ich nichts mehr von meinem Teilzeitarbeitgeber, dem offiziellen Sportmeinungsbildungsfachorgan Nordkoreas,  PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) gehört. Gestern dann endlich telegraphisch ein Lebenszeichen: GELIEBTER FÜHRER FINDET FUSSBALL DOOF – STOPP – WM HAT NIE STATTGEFUNDEN – STOPP – KEIN INTERESSE MEHR AN BERICHTEN – STOPP – AUSSER SÜDKOREANISCHE MANNSCHAFT MACHT SICH LÄCHERLICH – STOPP. Dabei hatte ich schon so eine tolle Reportage zum Achtelfinale Nordkorea – Spanien geschrieben. Mit dem fünffachen Torschützen Tae-Se Jong, der drei Treffer trotz glatt durchgebrochener Wirbelsäule erzielt. Einem Stadion in rotem Flaggenmeer, welches das Bild des vor Liebe zu seinem Volk schon ganz schusselig werdenden Führers auf die Ränge projiziert. Und einem sich tief verbeugenden Sepp Blatter, der Nordkorea spontan die nächsten vier Weltmeisterschaften zuspricht. Alles für die Katz‘.
  • Bei einem 0:1 zwischen Portugal und Brasilien benötigt die Elfenbeinküste – Moment, jetzt muss ich den Rechenschieber zücken – ein 8:0 gegen die Getreuen von Kim Jong-Il. Das scheint auf den ersten Blick machbar zu sein. Denn der Brasilianer schenkt bei diesem Turnier nicht mehr so beherzt ein wie früher. Aber 8 Treffer gegen eine Mannschaft, die die verrückte Absicht hat, wohlbehalten in die diktatorische Heimat zurückzukehren, sind schon ein happige Angelegenheit.
  • Der Übungsleiter der Elfenbeinküste, zu seinem eigenen Erstaunen immer noch Sven-Göran Eriksson, hat daher bereits erste Bestechungsversuche eingeleitet. Im Angebotsportfolio enthalten sind: ein sexy Autogrammkarten-Set von Didier Drogba (mit und ohne Ellbogen-Manschette), drei schon ziemlich ausgeleierte Escort-Damen aus diversen Sexskandalen zu Erikssons Zeit als Trainer der Engländer, vier Kisten mit Duftpröbchen aus der Kakao-Produktion und eine liebevoll von Kindersklavenhänden abgepumpte Dose Erdöl. Bestechlichkeits-Experten gehen davon aus, dass dem Unternehmen bei umgekehrter Interessenlage mehr Erfolg beschieden sein dürfte.
  • Brasilien und Portugal reicht ein Unentschieden, um ins Achtelfinale einzuziehen. Trainer Carlos Dunga hat daher bereits angekündigt, besonders lustlos nach vorne spielen zu lassen. Dienst nach Vorschrift ist das Motto der Stunde. Cristiano Ronaldo auf der anderen Seite hat seinen heutigen Gesichtspeeling-Termin abgesagt und will sogar sowohl ungekämmt als auch ungeschminkt auflaufen. Das kann ja was werden…

Nachbericht

  • Eine Partie, wie geschaffen für die Kaffeefahrtreklamebroschüren dieser Welt. Gebrüder Nepp-Busreisen präsentiert: erleben Sie 90 Minuten plus Nachspielzeit das Schaulaufen der Stars! Portugiesische und brasilianische Ballkünstler verzaubern Sie mit ihren Tricks, ihren Schussversuchen, ihren Ballstreicheleinheiten. Unterhaltung für alt und jung ist garantiert (gilt nicht für Tore bzw. Torschüsse)! Jetzt neu auch mit ärztlicher Unbedenklichkeitsbescheinigung für Bluthochdruckpatienten. Für die musikalische Begleitung konnten wir die Fünfundachtzigplatzierte des DSDS-Castings 2007, Bärbel Cimcewski aus Gera gewinnen, die bereits einmal in einem Heft mit einem Starschnitt von Cristiano Ronaldo geblättert hat. Im Anschluss geht es direkt auf das Gehöft des Bauern N’kofo mit seinen vuvuzelatrötenden Ziegen und die Deutschlandhymne auf Blockflöten spielenden Kindern. Zum Abendbrot wird ein reichhaltiges Mahl aus Schmierwurst, Blutwurst und grober Ziegenleberwurst gereicht. Beachten Sie auch unser Angebot an kaum gebrauchten Heizdecken zum unschlagbaren Exotenpreis!
  • Was für ein Grottenkick! Ich habe mich so geärgert, dass der liebe Herrgott mich nicht als Tausendfüßler auf die Erde geschickt hat – dann hätte ich mir wenigstens die elend lange Zeit dieses Nichtkicks mit Fußnägelschneiden vertreiben können. Stattdessen habe ich den ARD-Videotext auswendig gelernt. Wusste schon jemand, dass Uli Hoeneß demnächst McDonald’s-Filialen mit Bratwürsten beliefert? Ich weiß es jetzt! Und fand es hochinteressant im Gegensatz zu dem Gegurke auf dem Platz!
  • Ich war so kraftlos, ich konnte nicht mal auf den Kanal schalten, auf dem das andere Spiel lief. Aber immerhin habe ich den Wolfsburger Grafite mal im Dress der Selecao gesehen. Das war es dann ja doch wert. NICHT!
  • Als Schiri hätte ich nach Abpfiff sofort ein Überraschungselfmeterschießen mit Ausscheidungscharakter angeordnet. Da muss die FIFA langsam mal flexibler werden. Die Ivorer haben sich wenigstens bemüht und drei Treffer erzielt. Ein ehrenwertes, aber infolge des tapfer verteidigten Unentschiedens der Portugiesen sinnloses Unterfangen.

Portugal – Nordkorea 7:0

Vorbericht

  • Nach dem ruhmreichen Sieg gegen den mehrfachen Weltmeister aus Brasilien stellt sich unserer tapfer aufspielenden und die Herzen der Welt erobernden Mannschaft heute die Fratze des Kapitalismus in ihrer ganzen Hässlichkeit entgegen: Portugal mit Cristiano Ronaldo. 93 Millionen Euro soll es wert sein, diesen vom Mammon bereits zerfressenen Untoten in seinen Reihen zu haben. Eine Summe, die unser täglich in der Liebe seines Volkes vollbadender Führer monatlich aufwendet, um unsere Nation vor schändlichen Angriffen des Klassenfeindes im Süden zu schützen! Wie etwa der Behauptung, dass der Brasilianer gegen unsere fußballspielenden Genossen zwei Tore erzielt haben soll.  Einfach nur lachhaft. Beschämend. Peinlich. Jeder Bürger Nordkoreas ist eingeladen, sich anhand des liebevoll staatlich gepflegten Intranets an den Universitäten unseres großartigen Landes vom Gegenteil zu überzeugen. Wahrheit! Intranet! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Pech für den vom Volk täglich auf Händen getragenen Führer, dass er die Schmähung „Kim Jong-Il Gae Heng Hi Hi“ noch nicht aus dem World Wide Web herausfiltern lassen konnte. Google zeigt sie trotz mehrfacher Intervention seitens der nordkoreanischen Zensurfachbeamtenschaft immer noch an. Wenn ich den Schmutzfink erwische, der diesen Satz in Umlauf gebracht hat!
  • Portugal kann mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen. Gegen das bereits qualifizierte Brasilien würde dann ein Unentschieden genügen, um den zweiten Platz zu sichern. Der portugiesische Trainer Carlos Queiroz hat beim Schiedsrichtergespann der Partie vorab eine Liste möglicher Aktionen nordkoreanischer Spieler  gegen Superstar Cristiano Ronaldo eingereicht, die sofort zu unterbinden sind: böse gucken, anfassen, schubsen sowie Ball abnehmen und davonlaufen.
  • Bei einem Unentschieden rege ich mich sowas von auf, denn dann wäre mein Oddset-Tippschein 255 Euro wert gewesen, wenn der Slowake gegen Paraguay gewonnen hätte. Ich fahr nach Bratislava und pinkele solange dortige Sehenswürdigkeiten an, bis man mir den Verlust erstattet.

Nachbericht

  • Erneut hat die Volksmannschaft der demokratischen Republik Korea einen bleibenden Eindruck bei diesem WM-Turnier hinterlassen können. Strahlender Sonnenschein im Stadion zu Johannesburg wurde Zeuge einer überragenden kämpferischen Leistung, mit der unser Kollektiv den Portugiesen ein 0:0 abzutrotzen vermochte. Superstar Cristiano Ronaldo verließ bereits in der 10. Spielminute mit Heulkrämpfen das Feld, so sehr war er vom wieselflinken und zupackenden Spiel seiner Gegner zermürbt und verwirrt worden. Ich will an dieser Stelle keine großen Worte über die Begegnung verlieren, denn ich denke, das Unentschieden alleine spricht für sich. Beschämend allerdings erneut das Verhalten des Klassenfeindes im Süden, der das Fernsehsignal erst zu einer Zeit im einzig wahren Korea ankommen lässt, zu der zum Schutz seiner wertvollen Infrastruktur rein routinemäßig der Strom abgestellt sein wird. Der jeden Morgen von der Liebe seines Volkes noch leicht aufgequellte Führer Kim Jong-Il hat jedoch bereits erwirken können, dass unserer Mannschaft ein Zusatzpunkt für ihre Verdienste gegen die kapitalistische Streitmacht Portugal zuteil werden wird. Damit ist die letzte Partie gegen die eh bisher schwach auftretenden Ivorer ohne Bedeutung geworden und bedarf auch keiner Übertragung durch den sonst stets zuverlässig arbeitenden nordkoreanischen Rundfunk. Zusatzpunkt! Achtelfinale! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Nun ein paar Worte für die freie Welt: der Portugiese schlägt zu. Sieben superb herausgespielte Treffer sind schon eine Marke. Dem Nordkoreaner kann man nun wirklich nicht vorwerfen, dass er nach dem 2:0 vielleicht schon keine Lust mehr gehabt hätte. Aber wie die Angriffe der Portugiesen perfekt abgewickelt wurden, das lässt erahnen, was noch drin sein könnte in der Wundertüte der Mannschaft. Gefreut hat mich der Treffer von Hugo Almeida, den von Cristiano Ronaldo nehme ich halt hin.
  • Nordkorea ist damit ausgeschieden. Ich glaube, die Spieler würden sich herzlich freuen, wenn sie zuhause so etwas wie Presse hätten, die allein mit Worten auf sie einknüppeln würde. Ein bisschen haben die mir nach Abpfiff schon leid getan. Schon weil die Begegnung tatsächlich live im dortigen Fernsehen übertragen wurde.