Spanien – Portugal 1:0

Vorbericht

  • Das kann nur besser werden. Hat jemand die spielerische Einöde zwischen Japan und Paraguay überlebt? Ein paar vom Wind angetriebene Heuballen auf dem Feld wären das Highlight der Partie gewesen. Noch schlimmer: mir war so was von egal, wer da rausfliegen würde. Am Ende hätte ich denen beiden die Rückflugtickets bezahlt, nur damit sie endlich aufhören.
  • Bei Spanien gegen Portugal ist das anders. Da gibt’s Drama, weil ein Turnierfavorit oder ein Möchtegernspieler-des-Turniers-Favorit nach Hause fahren muss. Die Drama-Queen des Fußballs ist in jedem Fall dabei, ich schreib jetzt aber nicht nochmal extra den Namen hin.
  • Sorgen macht man sich schon um den Spanier. Offensichtlich gelangweilt hat er sich in seiner Gruppe. Hat nicht gezaubert, sondern meist mürrisch vor sich hingetüdelt und dabei nie mehr als 2 Tore geschossen, war einmal sogar im schweizer Sturm mit 0:1 untergegangen (das war jetzt Sarkasmus). Der Portugiese hingegen ist einmal explodiert und zweimal eingeschlafen. Vor allem das Spiel gegen Brasilien habe ich ihm persönlich übel genommen.
  • Wer immer gewinnt: spielt besser als die Gurkentruppen von heute Nachmittag und schießt danach den Paraguayer raus. So. Ich bin durch. Nach dem Spiel sind zwei Tage Pause. Die müssen jetzt auch wirklich sein.

Nachbericht

  • Das ging schon eher Richtung Fußball, sag ich mal. Furioser Auftakt der Spanier, die schießen gleich drei Mal in den ersten 5 Minuten aufs Tor – ich hab‘ mich richtiggehend erschrocken. Der Portugiese hingegen mit dieser „Ich hab die Ordnung schön“-Abwehrformation aus dem José Mourinho-Studio, die ich so gar nicht leiden kann. Da spielt die #2 gegen die #3 der Weltrangliste und Portugal stellt sich hinten rein, als wär’s Aserbaidschan gegen Brasilien.
  • Ich hatte schon meine Befürchtungen, denn der Portugiese machte von Minute zu Minute weniger. Er guckte ein paar Mal, dass Iker Cassilas auch nicht alles kunstvoll wegfängt, was auf den Kasten kommt und spurtete dann hurtig schnell zurück zu Papa Eduardo in die Verteidigungszone.
  • Insofern war das 1:0 eine kleine Erlösung. Villa mit links scharf flach, dann mit rechts angelupft – der Kerl hat zwei echte Multifunktionswerkzeuge unterhalb des Beckens. Ja, okay, es war wohl knapp Abseits. Aber in dem Moment sag ich: lasst das den Schiri regeln und spart euch die Kosten, um den Platz zum Magnetfeld zu machen oder Kameras in jede Grasnarbe zu drücken. Wenigstens ist jetzt Cristiano Ronaldo draußen, das war es doch wert.
  • Bezeichnend, dass nach der Führung vom hinten liegenden Team so gut wie gar nichts kam. Außer einer Hackenflanke 30 Meter vor dem Tor. Von dem Typ, gegen den ich – das mag in den letzten Tagen zart angeklungen sein – eine leichte Antipathie hege. Nicht mal ein Torschuss kam mehr auf das spanische Tor. Oliver Kahn hätte wohl nach dem Schlusspfiff zur großen Eiersuche aufgerufen.

[Das soll es gewesen sein für die nächsten zwei Tage. Bleibt diesem kleinen Blog gewogen, empfehlt ihn gerne auch weiter und schaut ab Freitag wieder vorbei]

Paraguay – Japan 5:3 n.E.

Vorbericht

  • Komm, würfelt es aus. Ist doch egal, wer. Weiter stoßen die eh nicht im Turnier vor. Worte, die auch vom Fußballgott stammen könnten. Ja, es gibt diese Tage, da ist der Fußballgott einer Meinung mit seinen Untertanen. Siehe bei dieser WM das Schicksal von Frankreich, Italien und England.
  • Wäre mal eine schöne Aufgabe für angehende Marketingexperten, diese Begegnung so zu bewerben, dass Millionen Zuschauer sich darum reißen würden, sofort ein lebenslang bindendes PayTV-Abo abzuschließen (Verkauf der Adressdaten des gesamten Haushaltes an GEZ, BILD, BND und SKL inklusive). Zwei Kontinente prallen aufeinander. Nur einer wird überleben. Nie zuvor gab es einen größeren Kampf, nie ging es eindringlicher um die Existenz zweier Mannschaften. Denn wer heute geschlagen zurück bleibt, badet vielleicht nie mehr in den Sonnenstrahlen des güldenen Pokals, nach dem alle Völker streben. Auf Deutsch: bisher hat es keiner von beiden jemals in ein Viertelfinale geschafft. Heute ist es soweit. Und jetzt alle so: von mir aus.
  • Was haben die denn zu bieten? Der Paraguayer ist ein listiger Geselle; unter dem weiten Deckmantel der italienischen Vollversager huschte er einfach als Tabellenführer durchs Ziel. Dabei konnte er die versammelten Ballspielallergiker vom Stiefel nicht mal schlagen. Den Neuseeländer hielt er tapfer auf 0:0-Abstand. Nur dem Slowaken legte er zwei Eier ins Nest. Da bricht jetzt nicht die Euphorie aus mir heraus. Wo stehen denn Lucas Barrios, Roque Santa Cruz oder Nelson Valdez in der Torjägerliste? Auf derselben Stufe wie Wayne Rooney. Da können sie sich was drauf einbilden, wenn es spätestens Samstag Abend nach Hause geht.
  • Elfmeterschießen wäre nicht schlecht. Also direkt Elfmeterschießen, nicht noch vorher 120 sinnlose Minuten Grashalmumtreten auf offenem Feld. Denn der Japaner ballert, wie gegen Dänemark, schon mal gerne aus 20-30 Metern den Jabulani in die Maschen. Was macht der erst ohne Mauer und bei noch geringerer Distanz? Linker Innenpfosten, rechter Innenpfosten, kurzer Tanz des Balls auf der Linie, bevor das zusammenstürzende Tor ihn (den Ball, nicht den Japaner) in vollem Unfang hinter die weiße Kreideschicht drückt. Dann dreht sich Uchida um zum Publikum, verbeugt sich und sagt leise „Bumm“.

Nachbericht

  • Ja, sorry für den späten Nachbericht. Aber ich komme gerade erst vom Autokorso wieder zurück. Was für eine Stimmung, was für wunderbare Schlachtrufe, was für eine Einigkeit! „Hupt, wenn ihr froh seid, dass dieser Mistkick rum ist“, war das einträchtige Motto der Veranstaltung. Ich und der Toyotahändler, auf dessen Parkplatz ich einsam meine Runden drehte, waren ganz einer Meinung.
  • Ein Spiel, als wenn man einem Schwarm hungriger Fliegen vor einer weiß-roten Tapete beim Rumsummen zusieht. 120 verdammte Minuten lang! Dürfte ab morgen apothekenpflichtig sein und im Falle von schweren Schlafstörungen verschrieben werden.
  • Der Asiate hat es ja nicht so mit dem Gesichtsverlust. Deshalb nur ganz der dezente Hinweis: ihr Brüder Nippons, geht nach Haus und schämt euch mal ordentlich aus. Der Paraguayer darf zwar bleiben, ist auf meiner Beliebtheitsskala aber in einer Kategorie mit abgerissenem Fußnagel und schwer beleidigtem Menikus.

Brasilien – Chile 3:0

Vorbericht

  • „Endlich mal ein Spiel für Männer“, ruft der Vorstandsvorsitzende der Sportfreunde Schienbeinsplitter Hartmannsdorf e.V. in die versammelte Runde am Stammtisch. Und in der Tat könnte während dieser WM das erste Festival des harschen Körperkontakts gefeiert werden. Denn die Brasilianer haben die letzten sieben Partien gegen ihre Kontinentkollegen gewonnen, der Chilene war seit 1962 nicht mehr in einem Viertelfinale und muss auf die eingespielte Verteidigung mit Waldo Ponce, Marco Estrada und Gary Medel verzichten. Es sieht nach einem 2:0 für die Sambatänzer mit anschließender Knochenpolitur aus.
  • „Das war ja bisher wie Kaiserin Sissi beim Wiener Opernball“, ereifert sich der erste Kassenwart. „Nicht mal der Engländer hat zurückgekeilt. Und wozu gibt’s all die schönen Zeitlupen, wenn nicht mal ein Wadenbeinbruch in der Entstehung gezeigt werden kann?“. Ein berechtigter Einwurf. Selbst die roten Karten konnte man bisher kaum mit anerkennendem Applaus bedenken, mit Ausnahme vielleicht dieses Nigerianers, der dem Griechen damals in der Vorrunde eine reintreten wollte, aber kaum richtig getroffen hat.
  • Bei den Brasilianern kann Ralph Blumer wieder mitspielen. Der Ralph, die alte Socke! Hat schon zwei Tore erzielt, allerdings unter seinem Künstlernamen Elano. Dem drück ich die Daumen, dass er ohne Schmerz aus der Partie rauskommt. Wenn es gegen uns geht, lässt der sein Trikot bestimmt mit seinem richtigen Namen beflocken, um die deutsche Verteidigung zu täuschen. Ich höre schon den Kommentator vor meinem geistigen Ohr: „Schöner Rückpass von Mertesacker auf Neuer, der leitet direkt weiter zu Blumer … und wie aus dem Nichts das 1:0 für Brasilien!“
  • Gemessen an den bisherigen Leistungen der Brasilianer wird das ein stocknüchternes 2:0. Genau das 2:0, das der Niederländer heute nachmittag im Sinn hatte, sich aber aus reiner Bosheit vermasselte, nur damit mein Tipp nicht eintreten konnte. Die Gefahr von Eintretereien von Seiten des Chilenen ist bei dieser Begegnung allerdings ungleich größer.

Nachbericht

  • Nix Elano, nix Frustfoulero. Ein Südamerikaner weniger im Turnier, aber das konnte jetzt ja nicht so die ganz große Überraschung sein. Was macht man, wenn es nach nicht mal 60 Minuten 3:0 steht? Das alte Spiel: die einen wollen nicht mehr, die anderen können nicht mehr. Einmal reingeköpft, einmal ausgetanzt, einmal geschlenzt, alle dreimal hoch effektiv wie gewohnt. Spannung ist was anderes…
  • Einen Ehrentreffer hätte ich den Chilenen für ihr Bemühen schon gegönnt. Aber Bemühen heißt ab dem Achtelfinale auf Wiedersehen in Lobsprache. Ein wenig kam es mir schon vor, als würden Lucio & Co hinten alle kleinen Sandtürmchen der Chilenen niedertreten, obwohl sie selbst schon eine mehrzinnige Burg in der gegnerischen Hälfte aufgebaut hatten.
  • Ich warte immer noch auf das Achtelfinale, in dem der David dem Goliath mal frech ein Geschoss ins Netz haut, eine lange Nase dreht und Richtung eigener Strafraum davonläuft. Wo es spannend und dramatisch bleibt bis zur letzten Minute, wo eine Sensation in der Luft liegt. Mal sehen, was morgen ansteht: Paraguay gegen Japan. Meeeeh. Meine Erwartungen bleiben auf Sinkflug.

Niederlande – Slowakei 2:1

Vorbericht

  • Ich bin heute schon wieder so was von entspannt. Siege der deutschen Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften scheinen wirklich gesundheitsfördernd zu sein. Viererpack gegen Herzinfarkt, Müller-Tor beugt Hirnschlag vor, mit Miro Klose rockt die Hose, dank Poldi wieder auf die Oaldi. Nur zu Schweinsteiger fällt mir jetzt nichts ein.
  • Seltsames tut sich im Trainingslager der niederländischen Auswahl. Wenige Stunden vor dem Achtelfinale ließ Bonds-Coach Bert van Marwijk eher ungewöhnliche Übungseinheiten anordnen. Elfmeterschießen mit einer Orange auf dem Kopf, 100 Meter Langsam-Trotten, gemeinsames Bong-Reinigen, lockeres Danebensemmeln aus der Distanz und schmucklose Hackentrick-Fehlpässe. Arjen Robben, der wegen Unterforderung zu rebellieren drohte, erhielt umgehend den Hinweis, dass seine Schnelligkeit und Agilität im gegenwärtigen System keinen Platz hätten.
  • Zufrieden kehrt Marwijk nach erledigter Arbeit zurück in seinen beschaulichen kleinen Wohnwagen, zieht die Vorhänge zu und widmet sich seinem kleinen Geheimnis, das niemand erfahren darf. Eine Vinyl-Single der Gebrüder Blattschuss aus dem Jahre 1978. Damals, als seine Landsleute das letzte Mal in einem WM-Finale standen. Sanft legt er die Nadel des Plattenspielers auf die Rille und wartet auf seinen großen Moment: die Liedzeile, die er selbst umgetextet hat und immer tonlos in sich hineinschreit: HOLLANDS WM-TOUR WIRD LANG, HOLLANDS WM-TOUR WIRD LANG. ERST FANGEN WIR GANZ LANGSAM AN. ABER DANN. ABER DANN!
  • Der Slowake hingegen wundert sich. Ist er wirklich noch im Turnier? Hatten seine Kollegen nicht erst kürzlich gepackt? Nein, es war der Slowene, der leise Tschüss gesagt hatte und hoffentlich nicht in das falsche Land abgereist war – das wäre eine unangenehme Überraschung am Flughafen von Bratislava geworden. Robert Vittek, derzeit lustlos bei Ankaragücü in einem Leihgeschäft gefangen, weiß um seine Torjägereigenschaften: „Ich machen wie bei drei Tore vorher. Wir nicht spielen gut, aber ich schießen Tor und Sieg und alles gut“. Blöd nur, wenn der Gegner auf dem Platz  genau die selbe Taktik hat.

Nachbericht

  • 1:0 für Holland!„. „Ach Mist, das hab ich jetzt verpasst. Kannst‘ es mal beschreiben, ich hab doch dieses WM-Tagebuch, wo ich über die Spiele berichte“. „Also, der Robben kriegt einen langen Pass auf rechts, läuft, zieht nach innen, haut mit links drauf und drin ist das Ding„. „Ja, nee, is klar“. „Was denn? Genau so war’s!„. „Quatsch, du hältst mir wieder das Tor vor, dass er im Pokal auf Schalke erzielt hat“. „Glaub’s mir, genauso war’s. Der kann gar nicht anders„. „Ist gut, ich schau’s mir selber an. Danke für nichts“.
  • Ein Treffer und dann Spielkontrolle, Ballberuhigung, Passverwaltung. Nichts ist mehr mit dem ungestümen Sturm und Drang. Gestümes Abwarten, Malgucken und vielleicht kurz ein, zwei Chancen abliefern ist der aktuelle Trend im Fußball. Fast hätte es sich gerächt, denn die Slowakei ist zweimal frei im Strafraum, doch diesmal kriegt Robert Vittek das Tütchen mit dem Instant-Kill nicht auf, die Suppe bleibt unversalzen.
  • Fehler von Mucha (dessen Namen irgendetwas Beruhigendes hat, ich wiederhole den reflexartig, wenn ich ihn höre – Mucha), Kuyt legt rüber auf Sneijder, Mahlzeit. Beim Elfmeter von Vittek haben die Niederländer schon die Schlafanzughosen an. Schonen heißt es, denn als nächstes wartet wohl der Brasilianer. Der macht ja seit neuestem auch nicht mehr als nötig.

Argentinien – Mexiko 3:1

Vorbericht

  • Argentinien oder Mexiko? Egal. Denn: IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN. IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHREN.  MARADONA, WIEDER NACH HAUSE FAHREN, WIE 2006, SO 2010.  OLÉ, OLÉ, OLÉ, OLÉ, OLÉ!
  • DON’T CRY FOR ME, ARGENTINA, NO KNUTSCH FOR ME, MARADONA. DU KLEINES DICKES PUHBÄRCHEN, AM SAMSTAG GEHT’S ZURÜCK IN DIE PAMPA! DANN HEISST ES MIT MESSI ZUSAMMEN DIE BUDE AUFRÄUMEN UND DANN OHNE ZIGARRE AB IN DIE HEIA! OLÉ, OLÉ, OLÉ, OLÉ, OLÉ!
  • MEXXXIKO  KANN AUCH GEWINNEN, SICHER. ABBA NUR HEUTE, GEGEN DEN ARGENDINGENS, NICH GEGEN UNS! SO IS‘ DAS, WOLL!

ARG – MEX 2:1 n.V.

[Nachbericht]

– Argentinien ist also unser Gegner im Viertelfinale. Abgesehen von diesem richtig abgefahrenen Siegtreffer (der wieder die Frage aufkommen lassen wird, ob die Mexikaner nicht mal bald einen 2 Meter-Schlaks für die Torwartposition heranzüchten sollten) darf man aber konstatieren: die Gauchos kochen auch nur mit Wasser bzw. spielen den Ball auch nur mit dem Fuß.

  • Das war 2006. Und wieder hat der Mexikaner einen kleinen Goalie im Kasten rumhüpfen, die werdn auch nich schlauer. Ach, soll doch jeder machen wie er will. SCHLAND!

Nachbericht

  • Unglaublich, diese Fehlentscheidungen! Das Spiel wäre doch ganz anders gelaufen, wenn der Schiri oder seine Hansel an der Linie mal die Glubscher aufgemacht hätten! Das hat doch jeder im Stadion gesehen. Ich bin empört. Okay, das Geheuchele nimmt mir als Deutscher heute wohl niemand mehr ab.
  • Aber ärgerlich war es schon für die Mexikaner. Ich habe zugegebenermaßen die Partie nur zwischendurch gesehen, weil ich auf meinem Receiver SKY NEWS und BBC WORLD gesucht habe (der Brite trägt die Niederlage übrigens mit Fassung und kloppt eher auf die Mannschaft ein als auf den Deutschen). Das 1:0 hätte ich mich allerdings nicht zu geben getraut. Vor allem nicht nach einer peinlich berührt wirkenden Rücksprache mit dem Assistenten an der Linie.
  • Mexiko spielte zu Beginn sehr gut, mit krachigen Distanzschüssen anstelle des üblichen fruchtlosen Um-den-Strafraum-Gekniedels. Aber wenn bei Osorio mitten in der schönsten Verteidigung plötzlich die Birne ausgeht, wird’s natürlich zappenduster fürs Weiterkommen. Higuain schraubt ein – leider keine Ersatzleuchte, sondern das 2:0.
  • Nein. Ich spekuliere nicht darüber, ob sich der mexikanische Torwart beim 3:0 vielleicht doch lieber 10 cm mehr an flugfähiger Körperlänge gewünscht hätte. Wenigstens zeigte Hernandez unseren Jungs, wie sie es am Samstag richten können – einfach den Ball unter die Latte hauen. Funktioniert eigentlich gegen jeden Keeper.

Deutschland – England 4:1 (o.E.)

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Jeder Tritt ein Britt‘. Ja, hallo, ich kann auch einen blöden Weltkriegsspruch absondern! Allerdings ist meiner historisch nachweisbare Propaganda und nicht so peinlich an den Haaren herbeigezogen wie der hier, welcher seit ein paar Tagen kursiert : „It’s the second world war all over again! The French give up, the Americans decide to turn up at the last minute and England is left to face the Germans“. „Yes, haha, and the Russians couldn’t qualify because they didn’t find their way around Slovenia, haha“. Ein paar Strunzköppe lernen eben nie, dass Fußball nichts mit Krieg zu tun hat.
  • Ich weiß ja nicht, wie es den geschätzten Lesern da draußen geht, aber wenn es eine Mannschaft gibt, gegen die ich unsere Jungs nicht ausscheiden sehen will, dann sind es die Engländer. All die schönen Erinnerungen an die Welt- und Europameisterschaften nach 1966 wären verflüchtigt. Auf der Insel hätte man keinen Respekt mehr vor uns. Das Gleichgewicht der Kräfte, das in dem geschätzten Einstiegskonversationssatz  „If you don’t mention the war, i won’t mention the Elfmeterschießen“ zum Ausdruck kommt, wäre dahin. Natürlich hat uns der Brite auch schon geschlagen – nur hatte er nie etwas davon. Bei der EM 2000 siegten die Three Lions und fuhren mit uns nach der Vorrunde nach Hause. Oder die WM Qualifikation 2001 mit dem 1:5 in München. Aber wer kam 2002 ins Finale und wer scheiterte im Viertelfinale?
  • Capello hat Elfmeterschießen trainiert, die fünf Schützen stehen bereits fest. Ich frage mich, wie man die Situation am Punkt bei einer Weltmeisterschaft gegen den Deutschen simulieren kann. Hat er ein paar eingeflogene deutsche Fans „Rooney, du bist nervös“ singen lassen? Oder „Terry, deine Frau weiß, wo dein Auto steht“? Vielleicht kehrt die Mannschaft aber auch nach der Verlängerung kurz in die Kabine zurück, wo diskret Erwachsenenwindeln verteilt werden. Die wird in jedem Fall schon vorher Co-Trainer Stuart Pearce tragen, denn der hat bekanntlich 1990 unseren Goldknie-Bodo angeschossen. Der damals auch kaum jünger als Manuel Neuer heute war. Wiederholt sich da Geschichte?
  • It’s a long way to the top if you wanna play We Are The Champions. Irgendwie ist diese WM eine zweispurige Strecke – die eine Hälfte kutschelt gemütlich über Südkorea, USA, Uruguay oder Ghana ins Halbfinale, während sich der Rest wie Frogger panisch zwischen englischen, spanischen und argentinischen Boliden ans rettende Ufer winden muss.  Da haben wir wohl die Ausfahrt verpasst. Allerdings: der Engländer auch, wenn das heute Nachmittag entgegen aller Wahrscheinlichkeiten anders läuft als erwartet.
  • Helmut Cacau kann nicht spielen! Eine Bauchmuskelzerrung macht einen Einsatz unmöglich. Trockener Kommentar meines Bruders: „Hätt‘ mir nicht passieren können, ich hab keine Muskeln im Bauch“. Ob Schweinsteiger und Boateng spielen können, ist bis zur Stunde fraglich. Inoffiziell soll die BILD-Zeitung schon grünes Licht für beide signalisiert haben, angeblich hat sie die gute Kunde exklusiv aus dem Team erfahren. Wer hat denn da wieder Lothar Matthäus in die deutsche Trainingsresidenz eingeschmuggelt?
  • Ganz vorne soll Klose die Tore schießen. Es hätte schlimmer werden können. Es hätte auch Gomez treffen können. Irgendwie falle ich bei der Wortkombination „Gomez“ und „treffen“ immer in den passiven Konjunktiv und nie in den aktiven Präsens. Für die Abergläubischen setze ich wieder einen flattr-Button rein und gelobe, wie schon bei den Siegen zuvor am gewohnten Fernseher das Geschehen zu verfolgen.

Nachbericht

  • KICK & CRUSH, BABY! Ham wir den Engländern eingeschenkt! Eigentlich geht es ja kaum demütigender. Ein Tor per übelstem, einfallslosestem, aber dennoch herrlichem, wunderbarem Kick (Neuer) & Rush (Klose) reingegrätscht. Ein Anti-Wembley-Tor mit lange anhaltender Pflasterwirkung für 1966. Ein Endergebnis wie nach einem Elfmeterschießen.  Die höchste Niederlage bei einem WM-Turnier für die Insulaner. Fast konnten sie einem ein wenig Leid tun. Aber ich bin momentan zu euphorisch!
  • THOMAS MÜLLER KONTERGOTT! Nach dem 2:0 hielt ich das Match für durch, aber der Anschluss (ich verzeih dir, Manuel) und das Phantomtor ließen mich schon kribbelig werden. Was macht der Schiri, wenn ihm jemand in der Pause steckt, was er für einen Bock geschossen hat? Elfmeter einfach mal so ging ja nicht, dafür kamen Rooney & Co. zu selten eins zu eins durch gegen die neue deutsche Mauer Arne Friedrich. Als der aber eine gelbe Karte bekam, zogen sich mir Sorgenfalten in die Stirn. „Jetzt bloss niemanden anpusten, Arne!“, dachte ich mir. Aber dann setzte es die überragenden Konter, mit denen wir die Roten vom Feld kegelten und alles war gut. Ist der Müller eine hundeschnauzenkalte Sau und der Özil ein wieselflinkes Kaninchen!
  • Überragend waren sie alle. Klose, der ein paar Chancen liegen ließ, aber englischer eintütete als der Engländer selbst. Podolski mit seiner linken Klebe, die ich wieder ein paar Mal verteufelt habe, aber wenn sie einmal pro Spiel den Ball flach und hart an den Innenpfosten pappt, verzeihe ich alles. Schweinsteiger, auch genannt die bayrische Rasen- und Feldweg-Ordnung. Großer Sport, Jungens, ganz großer Sport!
  • Obwohl sie nach Wiederanpfiff schon ein wenig um den Ausgleich gebettelt haben. Aber die Stärke der Briten, den Freistoß, in den Todesstoß umzuarbeiten, das spricht für das Talent der Mannschaft. Jetzt kann der Argentinier oder Mexikaner kommen, denen geht doch jetzt schon das Leibchen auf Grundeis.
  • Der Campino wird’s mir verzeihen:

ZUGABE, ZUGABE, ZUGABE….


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USA – Ghana 1:2 (n.V.)

Vorbericht

  • Der Amerikaner wittert seine Chance. It’s time for US. Nothing’s gonna stop US now. Was sind die drüben ausgeflippt, als Landon Donovan das 1:0 gegen Algerien erzielt hat. Ich war überrascht, welche Euphorie dieses Tor auszulösen vermochte. Hoffentlich sind die jetzt nicht enttäuscht, wenn ihnen jemand erklärt, dass sie es damit gerade mal in die Playoffs geschafft haben.
  • Fußball heißt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ja immer noch Soccer statt Football. Altmeister John Cleese hat in seiner unnachahmlichen Art diesen Irrsinn zu ergründen versucht. Dabei ist der Hintergrundgedanke ganz simpel: reicht es nicht für den ersten, sozusagen den USA-Platz im Turnier, dann liegt Soccer wieder so wunderbar nah an Sucker, dem saugenden Lutschersport.
  • USA gegen Ghana ist auch das Duell mit dem letzten verbliebenen afrikanischen Vertreter. Schmeißen die Amis Kevin Prince und sein Gefolge raus, dürfte das politische Folgen nach sich ziehen. In dem Fall könnte eigentlich nur Universalweltmeister Barack Obama schlichten. Aber der erforscht glaube ich im Moment eher unnatürliche maritime Erdölvorkommen und stellt Rekorde im Schuldenmachen auf.
  • Ghana hat in drei Spielen noch kein Tor aus dem Spiel heraus erzielt. Sondern nur zweimal per Elfmeter getroffen. Ich schweige mich jetzt mal vielsagend darüber aus, welche Taktik da für das Achtelfinale ausgegeben worden sein könnte. Vielleicht geht es aber auch schief, denn der Ami kennt im Fußball keine Taktik. Ball nach vorne treiben, USA USA schreien und den Rest besorgen Landon, Clint und der liebe Gott.

Nachbericht

  • Fußball ist also doch nicht Hollywood. Dabei hatte zunächst alles gepasst: der böse Prinz aus dem fernen Land trifft früh, die US-Boys rappeln sich auf, packen sich gegenseitig an der Ehre, dem Spirit, dem Home of the Brave und der amerikanische Held Donovan sorgt per Elfmeter für den in aller Welt als gerecht empfundenen Ausgleich.
  • Dummerweise macht Asamoah Gyan quasi aus dem Nichts für die vorher quasi nichtexistenten Ghanaer das sehr wohl real existierende 1:2. Danach Kick’n’Rush der Amis, Deckel zu, Helden tot. Das Drehbuch würde sich niemand zu verfilmen trauen.
  • Dabei haben mir die Amerikaner wirklich imponiert. Spielten nach dem Rückstand nach einer gewissen Zeit gut nach vorne, erarbeiteten sich Chancen. Aber man sah auch: wenn auf dem Trikot hinten nicht Dempsey oder Donovan stand, konnte nichts draus werden. Auf der anderen Seite werde ich ab heute aufhören, über Kingson zu lästern. Der hat den Kasten mit allem saubergehalten, was in ihm drin war.
  • Klinsmann sah keine Kommunikation zwischen den Ghanaern, bemängelte die Körpersprache, bewertete es als schweren Nachteil, dass der serbische Coach seine afrikanischen Spieler nicht in ihrer Sprache anreden konnte. Und doch hat Ghana gewonnen. Des hätt net soi dürfe. War aber so. Football, sorry, soccer is crazy.

Uruguay – Südkorea 2:1

Vorbericht

  • Keine Zeit für Verschnaufpausen, direkt ab in die Ausscheidungsrunde. So ging es mir bei dieser Weltmeisterschaft auch sehr häufig, wenn ich die erste Halbzeit eines Spiels nur mit permanenter Fressalienzufuhr ertragen konnte. In dem Zusammenhang übrigens Danke, Brasilien und Portugal, für die kürzliche Magenverstimmung in Verbindung mit eurem oberöden Gekicke und Wasabi-Chips!
  • Für viele fängt die WM jetzt erst richtig an. Kommentatoren früherer Generationen hatten stets folgenden Spruch im Gepäck, der mittlerweile aber selbst bei Steffen Simon als zu abgegriffen gilt: „Ein Tor würde dem Spiel gut tun„. Aktuelle Spielbeschwatzer schwören hingegen auf diese Floskel, die wir zu 100% im Großteil der Begegnungen hören werden: „Aber es ist spannend„. Klar, denn einer fährt nach Hause. Der Südländer sogar oft zu weinenden Verwandten und brennenden Eigentumswohnungen. Bei dem Asiaten liegen hingegen noch zu wenig empirische Daten vor, so oft ist der bisher bei Turnieren noch nicht länger geblieben. Mit vor persönlicher Enttäuschung absichtlich versalzenem Reis könnte aber zu rechnen sein.
  • Achtelfinale ist so eine Sache. Als Veteran habe ich schon oft Rückfälle in den ersten Spieltag der Vorrunde miterlebt. Niemand will verlieren, niemand etwas riskieren, ein Unentschieden langt ja auch, wenn der Torwart am Morgen vor der Partie ein weiteres Paar Arme zur Elfmeterabwehr an sich entdeckt zu haben glaubt. Spannend wird es also erst, wenn einer in Führung geht. Noch besser, wenn es der Underdog ist und dem Favoriten der Angstschweiß des Versagens in die Stutzen läuft. Typische Symptome in der Folge sind: hemmungsloses Angriffsspiel, nach vorne stürmender Torwart in der letzten Spielminute und Platzverweise wegen deftiger, frustgestauter Angriffe auf Leib und Leben.  Schon könnte ich wieder die Brücke zum Uruguayer schlagen!
  • Irgendwie liest sich Uruguay gegen Südkorea nicht wie ein Achtelfinale. Man vergleiche es mal kurz mit Frankreich gegen Nigeria. Das erinnert mich daran, wie sauber ich in der Gruppe mit meinen Tipps danebenlag. Den Uru mit Diego Forlan spüre ich schon ein Stück eher weiterkommen als den Südkoreaner. Sollte mein Instinkt allerdings so versagen wie der des Franzosen vor dem Tor, könnte es zu einem möglichen Viertelfinale Südkorea gegen USA kommen. Was ja auch nicht wirklich angemessen klingen und Kim Jong-Il wohl in die spontane Selbstentleibung drängen würde.

Nachbericht

  • Ja, die magischen Momente des Fußballs vermag der Südkoreaner eben doch nicht zu produzieren. Laufen kann er, grätschen kann er, passen kann er und wehe, der Ball ruht und er kann seine Kenntnisse der Ballphysik in Ansatz bringen. Dummerweise wird seine zentrale Prozessoreinheit gerne mal von unerklärlichen Ausfällen heimgesucht (wie weit ist der Internet Explorer eigentlich im asiatischen Raum verbreitet?).
  • Wie beim Führungstreffer der Uruguayer. In dem Moment haben sicherlich Tausende von pummeligen Koreanern die PS3 hochgewuchtet und geschrien: „Reaction time EPIC FAIL! Den hätte ich aber bei allen 9 bisher erschienenen Pro Evolution Soccer-Versionen locker geklärt“.
  • Immerhin schaltet der Südkoreaner schnell bei Fehlern des Gegners, was man beim Ausgleich bestaunen durfte. Aus dem Turnier kickt man ihn aber endgültig mit dem oben erwähnten magischen Moment. Suarez nimmt den Ball, denkt nicht groß nach, sieht die Lücke und zwirbelt ihn an den Innenpfosten. Das kannst du mit Formeln nicht erklären, nicht kopieren, da braucht es Instinkt und ein bisschen Glück. Es wartet weiter viel Arbeit auf die Fußballforschungsabteilung in Seoul.