[Achtelfinale] Deutschland gegen Algerien 2:1 (n.V.)

  • Rabah Madjer und Lakhdar Belloumi. Das waren die algerischen Torschützen 1982 beim 2:1 gegen uns. Falls jemand heute Abend mit „Genau wie ’82 Madjer!!“ oder „Die späte Rache von Belloumi!!“-Aufschreien beeindrucken möchte. Meine persönlichen Highlights  im verlinkten Video: die sich pirouettenhaft wegdrehende deutsche Abwehrkette beim 0:1 und der moserige Ton von Rudi Michel als Kommentator. So was gibt’s heute nicht mehr. Obwohl: direkt nach dem Ausgleich mit dem ersten Spielzug den erneuten Rückstand einfangen, traue ich unseren Jungs durchaus nochmal zu. Da würde der Jogi wohl alle Geschmeidigkeit aus den Gesichtszügen verlieren.
  • Aber in die Gegenwart: Algerien wird ein schwerer Gegner. Die können laufen, kämpfen, köpfen, beten und zwar bis der Mann vom roten Halbmond kommt. Manche hoffen ja, dass die Fennecs wegen des Ramadan etwas geschwächt sein könnten. Stelle ich mir schon hart vor, den ganzen Tag über fasten zu müssen und erst nachts essen und trinken zu dürfen. Mir gelingt das Fasten nur nachts und wenn ich schlafe. Aber dann auch mal lockere acht Stunden hintereinander! Über diesen Witz hat mein Dönermann übrigens nicht lachen können, weshalb ich letzten Sonntag ungefragt extra viel Zwiebeln bekam.
  • „Schweinsteiger oder Khedira?“ ist die Frage, die derzeit die Medien umtreibt. Freunde, wir machen uns das Leben viel zu schwer. Die Algerier fassen sich bei sowas doch an den Kopf, die haben ihr Leben und ihren Fußball souverän vereinfacht: bei denen dürfte ein Schweinsteiger erst gar nicht mitspielen und dennoch sind sie ins Achtelfinale gekommen!
  • Zweimal gespielt, zweimal verloren: das ist nicht nur das entscheidende WM-Fazit der Engländer, sondern auch unsere Bilanz gegen die Algerier. Unser Vorteil: die standen uns seit 32 Jahren nicht mehr auf dem Rasen als Gegner gegenüber. Vielleicht kennen die uns gar nicht und unterschätzen uns deshalb. Das würde ich dem Jogi jetzt aber nicht als Tipp anempfehlen.
  • Falls es wirklich wider Erwarten doch in die Hose gehen sollte, zum Schluss noch ein Aufruf der Gemeinschaft der deutschen Beamten und Altpapiersammlern mit Vervollständigungsneurose e.V.: Bitte die angehäuften WM-Spielpläne weiterhin ausfüllen, auch wenn Deutschland ausgeschieden sein sollte. Ordnung muss sein, selbst wenn alles scheiße ist.

  • „Autokorso? Nein, lass mal gut sein, mir fehlt die Kraft zum Hupen“. Ein Spiel, das Körper und Geist geschlaucht hat. Burschen, ihr seid nochmal gerade so davongekommen. Und gerade in der ersten Hälfte hatte ich den Eindruck, wir könnten heute rausfliegen. Algerien mit den besseren Chancen, immer wieder schicken sie ihre Angreifer mit langen Pässen los, die deutschen Außen sind überfordert. Nur Manu, der Libero, lässt keinen vorbei und grätscht mit Risiko Furchen von der Länge Chiles aufs Spielfeld.
  • Dennoch kommen viel zu viele Schüsse der Hellgrünen auf sein Tor, die zwar vorbeigehen, aber ein abgefälschter Ball von Boateng hätte beinahe sein Ziel gefunden. Für Hoffnung sorgt lediglich die Unsicherheit des algerischen Keepers M’Bohli, der einen guten Versuch aus der Distanz von Kroos nach vorne abprallen lässt. Aber Götze zielt den zweiten Ball für einen gekonnten Beinschuss ein wenig zu hoch. Pause. Ich ziehe mir das Partyhütchen vom Kopf, das wird heute mehr Krampf denn Spaß.
  • Zweite Hälfte: besser. Es scheint, als hätten die Wüstenfüchse beim Fastenbrechen in der Halbzeit ein bisserl zu sehr zugelangt. Sie lassen die Deutschen mehr kommen, geben mehr Räume. Lahm, Müller und Schweinsteiger mit besten Möglichkeiten, aber M’Bohli zeigt keine Schwächen. Dennoch wirken die Deutschen für eine Verlängerung besser gewappnet zu sein, ein Tor schwirrt wie ein Geist über dem Strafraum der Algerier.
  • Verlängerung: der eingewechselte Schürrle hackentrickt eine flache Hereingabe des wie immer emsigen Müller zum erlösenden 1:0 in die Maschen. Das muss es doch gewesen sein. Jetzt gegen demoralisiert wirkende Nordafrikaner das 2:0 eintüten, Klose bringen, dessen 16. WM-Tor bejubeln und noch ein bisschen feiern. Nix. Stattdessen raffen sich die müde gewordenen Wüstenmänner zu einem Eckball auf, den Mostefa knapp neben das Tor setzt. Erst Özil per Nachschuss nach voriger umständlicher Zusammenarbeit mit Schürrle markiert den zweiten Treffer. Der in allerletzter Minute noch von Djabou mit dem 2:1 beantwortet wird. Damit ja bloß keine Entspannung auf der heimischen Couch aufkommen kann. Neuer muss gar nochmal einen Ball abfangen, ehe der Schlusspfiff den Spielstand offiziell macht. Der übrigens exakt umgekehrt das Ergebnis von 1982 widerspiegelt. Eine Finesse, die man mir gerne hätte ersparen können.
  • Jetzt am Freitag Frankreich. Quasi die technisch und offensiv noch eine Spur geschliffenere Ausgabe von Algerien. Das kann ja fast nur leichter werden. Meint glaube ich auch Per Mertesacker.

Tore:

1:0 Schürrle (92.)
2:0 Özil (119.)
2:1 Djabou (120.)

[Achtelfinale] Frankreich gegen Nigeria 2:0

  • Klare Sache für Frankreich. Ende des Vorberichts.
  • Halt, Moment, eine Sache hätte ich da doch. Mich hat dieser SPIEGEL-Artikel um den Singapurer Wilson Raj Perumal erschüttert. Eben jener hat den Ausgang der Partie Kamerun – Kroatien vor dem Spiel in einem Facebook-Chat vorhergesagt (0:4) und sogar den Platzverweis für die Afrikaner korrekt in der ersten Hälfte terminiert. Nun stand Nigeria ja jüngst unter Manipulationsverdacht (das lustige Video mit dem Torwart, der sich den Ball selbst reinschmeißt). Also, ich frag‘ mal: kennt einer diesen Perumal und kann dort anklopfen, was der meint, wie es ausgeht? Ist jetzt ein bisserl kurzfristig, zugegeben. Aber ich würde mich echt freuen!
  • Sonst müsste ich mir selbst den Kopf zerbrechen. Was könnte die Wettmafia von den Nigerianern als Gegenleistung für die Beschaffung der Antrittsprämie verlangen? Verlieren? Naja, es sollte schon Quote einbringen. Gewinnen? Haha, guter Witz. Elfmeter? Gleich mehrere?  Platzverweise? Eigentore? Für zwei oder mehr Elfer in der regulären Spielzeit gibt meine Tippbude 1:8,5.  Platzverweis und Eigentor: Läppische 1:3,4 bzw. 1:8 (mehrere erhöhen leider nicht die Quote).
  • Sehr heiß: bevor es das erste Mal einen Einwurf, Abstoß, Freistoß oder Eckball gibt, ist bereits ein Tor gefallen (1:33). Das würde dem Jogi gefallen, denn da bedarf es durchaus schon sehr früh im Spiel der hökschten Konzentration!  Erst ab einem 8:0 lohnt es sich auch, ein paar Treffer extra reinzulassen (1:80).  Ich hätte ja auf „Kein Spielerwechsel während des Spiels“ getippt (1:100), aber da müssten die Franzosen auch mitmachen. Falls jemand noch einen 100%igen Tipp hat – ab damit in die Kommentare, wenn möglich vor Anpfiff. Wenn das Spiel schnöde 1:0 ausgehen sollte, mache ich mir jedenfalls Sorgen.

  • Was für Enyeama! Nigeria konnte die Partie sehr lange ausgeglichen gestalten. Frankreich zwar mit mehr Räumen in der ersten Hälfte, aber ohne konsequenten Abschluss. Von den zweiten 45 Minuten habe ich leider bis zur 70. Minute alles verschlafen. Immerhin sollte ich die französische Drangphase mitbekommen inklusive Lattenschuss von Cabaye und zwei Großchancen durch Benzema, an deren Ende das 1:0 durch Pogba stand.
  • Vincent Enyeama bis dahin mit einer sicheren Torwartleistung, aber hier lenkte er den Ball auf den Kopf des freistehenden Schützen, der nur noch einnicken musste. Kurz vorm Abpfiff noch das 2:0 durch ein Eigentor von Yobo. Meinen Glückwunsch, wer da drauf gewettet haben sollte. Aber von  Manipulationen war trotz meiner Kalauer im Vorbericht nichts zu sehen. Frankreich damit im Viertelfinale, wo hoffentlich wir als Gegner antreten werden.

Tore:

1:0 Pogba (79.)
2:0 Yobo (90., Eigentor)

[Achtelfinale] Costa Rica gegen Griechenland 6:4 (n.E.)

  • Lieber Fußballgott, bitte lass‘ Costa Rica weiterkommen. Ich meckere auch nicht mehr über die Griechen, die in ihrem letzten Spiel durchaus gezeigt haben, dass sie nach vorne was reißen können. Aber halt nur, wenn es sonst gar nicht mehr anders geht. Ich finde das nicht schön. Wenn du mitspielen kannst, sollst du auch mitspielen. Und nicht die meiste Zeit wie ein Bully brutzig mit verschränkten Armen vor der Brust rumstehen und die anderen unnötig anrennen lassen, bevor du ihnen eine reinhaust. Genau das befürchte ich nämlich heute Abend.
  • Costa Rica ist das erste Mal bei dieser WM Favorit in einer Partie. Sowas kann auch bei den besten Wuslern die Beine lähmen. Selbst das Spiel machen zu müssen, liegt keinem der beiden Teams so recht. Also, lieber Fußballgott, ich schlage Folgendes vor: Lass die Ticos in Führung gehen und wenn die Griechen dann noch gewinnen, soll es halt so sein.
  • Ach ja, wo wir gerade so schön am Plaudern sind: Wenn im Viertelfinale dann die Holländer gegen die Männer von der reichen Küste die Nachhausefahrt buchen müssten, fänd‘ ich das richtiggehend witzig.
  • Griechenlands Nationaltrainer Fernando Santos ließ jedenfalls verkünden: „Wir werden angreifen, so viel wie möglich“. Den Satz klebe ich hier aus wissenschaftlichen Gründen rein, damit ich mir in der Nachschau vielleicht eine Maßeinheit für griechische Angriffs- und Spielstärke erarbeiten kann. Einen Namen dafür hätte ich schon: 1 grAuS.

  • Dear God of football, you have chosen… wisely. Erinnerte vom Ablauf doch ein wenig an die Partie ein paar Stunden zuvor. Lahme erste Hälfte, frühes Tor zu Beginn der zweiten, ein nicht gegebener Elfmeter, Anrennen der zurückliegenden Mannschaft und sehr später Treffer durch einen Bundesligaspieler. Diesmal gab es allerdings noch Verlängerung und Elfmeterschießen, auf die ich gerne verzichtet hätte.
  • Die ersten 45 Minuten ließ ich das Spiel an mir vorbeitröpfeln und habe hauptsächlich „Valiant Hearts“ am PC gezockt (sehr empfehlenswert übrigens). Was ich aus den Augenwinkeln mitbekommen habe, war das ziemlich genau 1 grAuS, wobei Costa Rica auch nicht so richtig zauberte.
  • Der Treffer von Kapitän Ruiz schien mir wie in Zeitlupe ins Tor zu kullern. Flache Direktabnahme, flach ins Eck, den Torwart auf dem falschen Fuß erwischt. Griechenland geschockt, Torosidis kurz darauf mit einem klaren Handspiel im Strafraum, das vom Schiri übersehen wurde. Hellas nun im Vorwärtsgang, unterstützt von Costa Ricas Duarte, der die gelb-rote Karte sieht.
  • Sokratis verwandelt in der Nachspielzeit einen Abpraller von Navas in die Maschen. Die Ticos, kräftemäßig schon bei Minuswerten, überstehen die Verlängerung und retten sich ins Elfmeterschießen. Wo im Gegensatz zum Samstag gekonnt eingenetzt wurde, bis Gekas schließlich scheitert. Umana schießt die Griechen aus dem Turnier.

Tore:

1:0 Ruiz (52.)
1:1 Sokratis (90.)

[Achtelfinale] Niederlande gegen Mexiko 2:1

  • Arjen Robben hat wahrscheinlich vor kurzem den ersten Star Wars-Film gesehen und macht seither auf Admiral Ackbar. Ja, ’siseinefalle, aber auch zu verlockend, bereits an den nächsten Gegner im Viertelfinale zu denken: Griechenland oder Costa Rica. Da tritt der innere Holzschuh schon drüber, ohne groß an den Mexikaner zu denken, dem man heute gegenübersteht.
  • Der wiederum bis in die Haarspitzen motiviert ist. Ja, klickt ruhig auf den Link und weidet euch an einem knallig feschen Jugendbild des unterhaltsamsten Mexikaners, seit Speedy Gonzales und Barney Geröllheimer ein Kind gezeugt haben. Wer auch immer die Begegnung heute live überträgt: ich habe ein Tablet und ich würde mich nicht scheuen, davon Gebrauch zu machen und eure „wahnsinnig tolle App“ runterzuladen, wenn ihr das komplette Spiel über eine Miguel „El Stumpo“ Herrara-Cam anbietet.
  • „Bloß nicht in Schönheit sterben“. Der Satz fällt heute unter Garantie, denn neben WM-Finalspielen zu verlieren, ist dies ein weiteres Trademark der Niederlande. Groß auftrumpfen in der Vorrunde und dann gegen einen unspektakulären Gegner bloß gequirlten Schmelzkäse spielen und rausfliegen. Heiß wird es so oder so in der Mittagshitze von Fortaleza. El Stumpo hat angesichts der Temperaturen bereits angekündigt, die Holländer „körperlich killen“ zu wollen. Dem traue ich das auch zu, falls man seine Coaching Zone nicht vorher noch einzäunt.
  • Zum Schluss ein kleines Geheimnis: Ich habe nochmal getippt, meine letzten 10 Euro gesetzt auf die Wette „In keinem der Achtelfinals fallen mehr als drei Tore“. Bisher hat es gehalten, aber bei den Oranjes werde ich wohl ins Zittern kommen, falls sie es vorne oder hinten mal wieder übertreiben.

  • Huntelaar schlägt Mexiko mit 2:1. 99,99% der fußballschauenden Bevölkerung sind wahrscheinlich mit mir NICHT einer Meinung, wenn ich sage: Das hat mich gefreut. Für den Spieler, nicht so sehr für das Team. Tut mir leid, aber da siegt das in blau und weiß schlagende Herz knapp über den Verstand. Wahrscheinlich verliere ich jetzt einige Leser, aber 99,99% der Bevölkerung verfolgen dieses WM-Tagebuch sowieso nicht.  Selbst mein Bruder (auch Schalke-Fan) meinte: „Jetzt hätte der echt einen nochmal verschießen können“. So couragiert traten die Mexikaner auf und hätten endlich mal den Einzug ins Viertelfinale verdient gehabt.
  • Aber der Reihe nach. Die Niederländer wären diesmal mit Sicherheit nicht in Schönheit gestorben, sondern in Zurückhaltung. Ließen die Mexikaner machen, die eindeutig die bessere Mannschaft in der ersten Hälfte waren. Kurz nach dem Seitenwechsel dann der Donnerschlag durch dos Santos mit einem gut abgefeuerten Distanzschuss.
  • Nun erst wacht Oranje auf, zieht deutlich mehr Richtung Tor. Aber dieser Ochoa holt raus, was rauszuholen ist. Die Sensation in der 76. Minute: van Gaal bringt Klaas-Jan Huntelaar, den Schalker, den vergessenen Sohn Hollands. Was war geschehen? Wie konnte das passieren? Was sollte das jetzt? Es sollte die Wende werden. Eine Kopfballvorlage und ein Elfmeter drehen die Partie innerhalb von einer Viertelstunde.
  • Riesengroßer Respekt an Mexiko, ein bisschen Unwohlsein in Sachen Robben, der zu spektakulär abhob, obwohl er getroffen wurde. Und Glückwunsch an Huntelaar. Jetzt ist ihm und seinen Kollegen wohl alles zuzutrauen.

Tore:

0:1 G. dos Santos (48.)
1:1 Sneijder (88.)
2:1 Huntelaar (90., Foulelfmeter)

[Achtelfinale] Kolumbien gegen Uruguay 2:0

  • Uruguay sind ab jetzt quasi die Böhsen Onkelz dieser Weltmeisterschaft. Nein, sie singen keine dumpfen Gröl-Lieder oder haben sich unnötigerweise wiedervereinigt. Sie fühlen sich geächtet, überhart abgestraft, ausgestoßen und deshalb stark. Denn der Dracula-Laiendarsteller in ihren Reihen darf nicht mehr mitkicken. So etwas kann natürlich auch das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und eine „Wir gegen alle“-Mentalität zutage fördern. Vielleicht laufen die Urus deshalb heute alle in Suarez-Trikots auf. Oder spitzen sich die Zähne an.
  • Mich würde ja interessieren, mit welcher Begründung die Juristen des Verbandes gegen das Urteil der FIFA-Disziplinarkommission angehen. Die Nummer, ungeahndete Verstöße anderer Spieler aufzulisten, ist ja schon mal ganz schwach. Denn es gibt bekanntermaßen kein Recht auf Gleichbehandlung im Unrecht. Ich bin mir sicher, irgendwo in Montevideo arbeiten sie an der Rechtsfigur des entschuldigenden Notbisses oder der rechtfertigenden Bisswehr. Für Fußballer, die unter immensem Druck auf dem Platz stehen und nicht wissen, wohin mit ihrer Dummheit.
  • Ich bin ziemlich emotionslos bei der Frage, wer von mir aus von den beiden Teams am Ende ins Viertelfinale einziehen sollte; den Uruguayern klebe ich jedenfalls nicht den Aussetzer eines Mitspielers an, der ja nun hinreichend bestraft wurde. Wenn es am Freitag dann aber gegen Brasilien geht, werde ich wohl wieder dem Außenseiter die Daumen drücken.

  • Hochverdienter Sieg der Kolumbianer. Da kann sich Brasilien schon mal freuen. Denn die Cafeteros sind derzeit die Mannschaft, die immer für einen magischen Moment gut ist. Wie etwa James beim 1:0 mit dem Rücken zum Tor die Kugel annimmt und dann volley unter die Latte wuchtet, war schon Abschlussfeinkost. Oder wie Cuadrado klug beim 2:0 den Ball auf den frei stehenden Mitspieler auflegt.
  • Mit fünf Treffern ist James damit der alleinige Toptorschütze. Der Bub sieht zwar aus wie einer Boyband entflohen, hat aber definitiv den Teufel im Fuß. Auch erwähnenswert: David Ospina, den ich wegen seines unspektakulären Auftretens eher auf der Poststelle Bogota-Ost III am Schalter als im Tor der Nationalmannschaft verortet hätte. Aber der Mann hält absolut zuverlässig und sicher.

Tore:

1:0 James (28.)
2:0 James (50.)

[Achtelfinale] Brasilien gegen Chile 4:3 (n.E.)

Wir fahr’n nach Haus-Haus-Haus / Denn es ist aus, aus, aus
Ab hier geht’s raus, raus, raus / Eiderdaus, daus daus!

  • Und damit willkommen zu den Ausscheidungswochen bei McWM! Los Wochos Adios! Falls jemand endlich mal den offiziellen Schlager zu den Heimfahrfestspielen schreiben will, darf er sich gerne bei meinen einleitenden Zeilen bedienen. Ich denke, niveaumäßig habe ich damit locker viele der herumschwirrenden WM-Songs durchaus nicht unterbieten können.
  • Heute sind zunächst mal die Südamerikaner unter sich. Finde ich eine feine Sache, dass die sich untereinander eliminieren. Von sechs Mannschaften sind fünf weitergekommen und vier davon reduzieren sich bis zum Halbfinale auf eine. Nur Argentinien macht wahrscheinlich eine Europa-Tournee bis ins Finale. Ich hoffe aber noch auf Costa Rica.
  • Wahrscheinlich bin ich ein schlechter Mensch, aber ich würde gerne Chile weiterkommen sehen. So toll waren die Sambatänzer nun auch nicht. Beim Auftakt freundlich vom Schiri unterstützt, gegen tapfere Mexikaner ohne Tor geblieben und innerlich bereits aufgelöste Kameruner zu schlagen war jetzt auch nicht die ganz große Kunst. Ich halte da gerne für den Underdog, die Rasenwühler und Vollgasrenner von dem schmalen, zerklüfteten Streifen an der Westküste Südamerikas. Ja, ich würde mich sogar richtig ärgern, wenn Chile auf unsaubere Weise rausfliegen sollte. Unberechtigter Platzverweis, seltsame Elfmeterentscheidung, unglückliches Anschießen von Neymar, jedwedes Tor von Fred, sowas in der Richtung. Denn ich glaube, dass Sampaoli und seine Jungs durchaus das Potenzial haben, die Gastgeber aus dem Turnier zu kämpfen.
  • Zum Schluss noch ein Witz: Was ist heute nachmittag der Unterschied zwischen NIKE-Produktionsstätten und chilenischen Verteidigern? Chilenische Verteidiger werden für die Arbeit an der Neymarschine viel, viel besser bezahlt.

  • Nach dem offiziellen Wettbewerb im Nationalhymnenüberziehen ein insgesamt sehr packendes erstes Achtelfinale mit einem glücklichen Gewinner Brasilien und einem unglücklichen Chilenen Gonzalo Jara. Eben jener erzielte die frühe Führung durch ein Eigentor, nachdem die Brasilianer das 2:2 der Deutschen gegen Ghana nachspielten. Eckball, Verlängerung und rein – nur leider vom Verteidigerbein.
  • Hulk viel gelaufen! Hulk viel gekämpft! Hulk dummen Fehlpass gespielt! 1:1 Sanchez! HULK WÜTEND!!! Hulk Tor geschossen! Aber Hand! Meint Schiri! HULK WÜTEND!!! Hulk schießt Elfmeter! Auf Füße von Bravo! HULK WÜT… EGAL, WEIL BRASILIEN WEITER!!!!
  • Nach einer ereignisreichen ersten Hälfte ließen die beiden Mannschaften in den zweiten 45 Minuten es etwas ruhiger angehen. Bravo mit ein paar guten Paraden, auch Julio Cesar rettet einmal gegen Aranguiz. Die größte Chance aber hat Chiles Pinelli, der haarscharf vor dem Abpfiff der Verlängerung die Latte trifft.
  • Beim Elfmeterschießen die Chilenen zunächst mit einer beänstigenden , fast schweizerisch zu nennenden Quote. Überhaupt schießen die ihre Strafstöße gerne unplatziert und mittig. Keine guten Voraussetzungen. Bravo hält sie aber durch einen abgewehrten Elfer gegen Hulk im Spiel. Neymar schlenkert sich beim Anlauf fast einen Knoten ins Bein, trifft aber. Jara schließlich trifft den Innenpfosten, von dem der Ball zurück ins Feld springt. Da hätte er sicherlich gerne bei seinem Eigentor hingezielt und umgekehrt. Brasilien weiter, aber mit Sonne kurz vor der Supernova.

Tore:

1:0 Jara (18., Eigentor)
1:1 A. Sanchez (32.)

Elfmeterschießen:

1:0 David Luiz
1:0 Pinilla verschießt
1:0 Willian verschießt
1:0 A. Sanchez verschießt
2:0 Marcelo
2:1 Aranguiz
2:1 Hulk verschießt
2:2 Diaz
3:2 Neymar
3:2 Jara verschießt

Einwurf: Hymne der früh Gescheiterten (plus Umfrage)

Kamerun. Spanien. England. Australien. Bosnien-Herzegowina. Portugal. Hier die offizielle „Vorbei – Ich sauf’s mir schön“-Hymne.

Oder wie Gary Lineker es so treffend zusammenfasste:

linekertweet

Jetzt zur Umfrage. Entweder spinnt WordPress oder ich hatte gestern nicht mal 100 Zugriffe hier drinnen. Deshalb: mal kurz melden, Hallo sagen oder bei der Umfrage die passende Antwort ankreuzen. Jeder nur ein Kreuz. Danke im Voraus.