Ghana – Deutschland 0:1 / Australien – Serbien 2:1

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Ich dachte, ich fange direkt mit dem Satz an, der auch den Vorbericht zum Spiel gegen Australien eröffnete. Fußballer sind ja bekanntermaßen abergläubisch. Heute also die letzte Partie der deutschen Auswahl. In der Vorrunde. IN DER VORRUNDE! Meine Herrschaften, bitte ruhig bleiben, Zeit für den dramatischen Herzinfarkt oder die spontane Hirnblutung bleibt noch heute Abend zwischen 20:30 und 22:25 Uhr.
  • Ich bin optimistisch. Wir hatten ja schon mal so eine Situation; erstes Spiel gewonnen, zweites gegen irgendwas vom Balkan verloren. Und damals, bei der EM 2008, ging es zum Abschluss mit Siegesdruck im Fuß auch gegen einen Exoten, nämlich den Österreicher. Unvergessen, wie dieser eine Spieler beim Freistoßtor zum späteren 1:0-Endstand im Gesicht die Entschlossenheit eines unter Darmverschluss leidenden Kassenpatienten auf der Schüssel darstellte. Wer war das nochmal gleich? Ach ja. Michael Ballack. Mist.
  • Ein bisschen Bammel habe ich aber dennoch. Vor zwei Jahren hieß mein Schreckgespenst Metzelehmann, das war dieser Torwart-Abwehrspieler-Hybrid, der in der 90. Minute beim Stand von 0:0 den Ball vor die Füße seines Verteidigers fallen lässt, welcher selbigen dann von Panik erfüllt in die eigenen Maschen drischt. Diesmal ist es (falls er denn spielt) der Boateng. Nicht der Böse, sondern der Gute, der Jerome, also der von unserer Seite. Nicht auszuschließen, dass der in der 5. Minute mal einfach aus Spaß an der Freud‘ einen Ghanaer im Strafraum ummäht. Als Jogi Anfang Mai die Mannschaft zusammenstellte, habe ich auf Twitter geschrieben: „Falls Boateng nominiert wird, ist die Taktik klar: den Gegner früh mit einem Platzverweis und Elfmeter zu seinen Gunsten überraschen.“ Das geht mir seitdem verdammt nochmal nach!
  • Ich hasse jetzt übrigens Brasilien. Ach, ich lege noch einen drauf, ich hasse ganz Südamerika. Weshalb? Na, wegen dem Schiedsrichter Carlos Simon, der von dort herkommt, wie kann man da noch fragen? Der ist korrupt, wird Sheriff genannt, verteilt Karten schneller als Trochowski vor Verzweiflung  abziehen kann. Was fällt denen ein, so jemanden unsere schöne Partie pfeifen zu lassen? Der will uns doch draußen haben, damit all die ach so tollen Südamerikaner die WM in ihre Copa América verwandeln können. Und wenn das nicht gelingt, verwarnt er mindestens alle vorbelasteten deutschen Spieler. Dann müssen wir im Achtelfinale mit Gomez im Sturm, Gomez im Mittelfeld und Gomez in der Verteidigung antreten. Überall Gomezze! Natürlich mag es auch ganz anders kommen. Aber wenn die BILD, das Volks- und Fachorgan für Verblödung zum vorauseilenden Meinungsgehorsam aufruft, kann man doch nicht hinten anstehen!
  • Ich werfe ein paar Spielverlaufsszenarien ein, die mich die Angelegenheit beruhigter angehen lassen würden: Platzverweis für Kevin-Prince Boateng direkt am Anstoßkreis. 3:0 für Deutschland nach 10 Minuten (Cacau, Podolski, Eigentor Kingson). 3:0-Führung der Australier auf dem anderen Platz gegen Serbien. Die realistische Aussicht, dass der Aussie dieses eine Mal wirklich in voller Mannschaftsstärke das Spiel beendet. Das kann doch nicht so schwer sein, lieber Fußballgott!
  • Die Ausgangslage: mit einem Sieg sind wir im Achtelfinale, höchstwahrscheinlich sogar Erster. Wo der Engländer, so er sich denn wirklich durchwurschteln sollte, auf uns warten würde. Bei einem Unentschieden gehört uns der zweite Platz in der Gruppe, wenn der Serbe dem Australier keinen einschenken kann. Andere Spielausgänge gibt es nicht. Basta.
  • Ganz zum Schluss noch der Hinweis für alle ganz Abergläubischen. Die wie ich die Partie in der exakten Umgebung sehen werden, wie bei dem deutschen Turnierstart, möglicherweise in derselben Ober- und Unterbekleidung. Vor 10 Tagen, beim 4:0, hatte ich meinen ersten Flattr-Punkt bekommen. Ich würde niemals behaupten, dass dies irgendeine Kausalität zum damals deutlichen und entspannten Sieg begründet hätte. Aber wer weiß.. ich setze mal einfach einen Flattr-Button hier drunter. Nur, falls jemand auf Nummer sicher gehen möchte.

Nachbericht

  • Diese jungen Leute nehmen aber auch wirklich keine Rücksicht auf Menschen mit schwachem Herzen. Egal. Hauptsache weiter. Meinen Dank an Mesut Özil, obwohl er mich in der 25. Minute fast auf die Intensivstation der Kardiologie geschickt hätte. Nicht vergessen darf man die Leistung der Australier, die mit ihren beiden Treffern gegen Serbien die Schlussphase unseres Spiels entkrampfter gestalteten. Thanks, mates!
  • Ein Partie voller Chancen für die Black Stars, ich will gar nicht mehr drüber nachdenken. Obwohl der Ghanaer bisher noch kein Tor aus dem Spiel heraus erzielen konnte, verschickten Mertesacker & Co Einladungskarten mit Schnörkeln und Herzchen. Neuer rettete großartig, stand aber auch einmal leicht neben sich.
  • Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn der Erlösungsschuss nicht gefallen wäre. Das hätte noch ewig ein fröhliches Ballschieben rundum den Strafraum werden können. Aber hängen wir dem „hätte“ nicht länger nach. Wir sind weiter und gegen England wird es eine andere Nummer. Ich glaube, die Spieler von Ghana waren am Ende zufrieden, dass sie es mit den Amerikanern im Achtelfinale doch recht gut getroffen haben.
  • Schiri Simon leitete sicher, kein Sheriffgehabe, kein unnötiger Griff zur Karte und vor allem keine Verwarnung gegen Lahm, Cacau, Schweinsteiger, Özil und Khedira. So einfach kriegt es der Engländer mit uns als Gegner halt doch nicht gemacht.


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Deutschland – Australien 4:0

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Natürlich drängen sich viele Fragen auf: sind wir zu jung, sind wir zu brav, sind wir zu unerfahren? Fehlt da nicht einer, der mal seine Mitspieler anschreit, den Schiri bedrängt, Härte ins Spiel bringt? Bei dem Lahm kann ich mir das nicht so recht vorstellen. Dessen schwierigste Situation war es doch seinerzeit bei Bayern unter Klinsmann, sich nach dem Spiel ans Mikro zu stellen und Durchhalteparolen zu säuseln.
  • Ein fiktiver Blick in die deutsche Kabine vor dem Spiel gegen Australien: Miro Klose hat die Kopfhörer ins Ohr gestöpselt. Von dem Rest der Meute schon als Turnier-Opi gehänselt, widmet er sich voll und ganz dem vom Kaiser persönlich eingesprochenen Hörbuch „Jagut..äh –  Wenn WM war, konnte der Klose ja praktisch immer„. Marko Marin nuckelt an seiner Kaba und liest das Lustige Taschenbuch. Manuel Neuer beschwert sich bei Jogi, dass der fiese Wiese ihm schon wieder Milchschnittenfüllung in die Handschuhe getan hat.  Piotr Trochowski muss erneut diversen Hollywoodstars schreiben, die ihn vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina sahen, als er sich gemeinsam mit Lahm bei Neuer untergehängt hatte, dass er nicht adoptiert werden möchte.
  • Mein Liebling ist der Helmut, auch genannt Cacau. Der lacht immer freundlich und auch wenn es mal nicht läuft, denkt er sich als gläubiger Christ: „Der Herr gibt’s, der Herr nimmt’s“. Die Einstellung hätte ich auch gerne. Ein bisserl Angst habe ich um die Abwehr, Per Fußballgottesacker war da zuletzt nicht ganz so souverän. Müssen wir unser Heil eben in der Offensive finden, am besten mit der Achse Schweini-Poldi-Klosi – wie damals 2006.
  • Der Australier ist klarer zu erfassen. Er ist zäh, läuft ohne Unterlass und setzt seinen Körper ein, von dem er auch reichlich hat. Vorne allerdings ist er harmlos wie ein Känguruh-Baby. Ich denke mal, ein frühes Tor für uns und wir können alle beruhigter dem Treiben zuschauen. Das allerdings wird der Schwarzer im Kasten der Aussis verhindern wollen.
  • Interessanter Fakt: die Australier gelten qualifikationstechnisch als Asiaten und nicht als Ozeanier. Der Gruppensieger dort (Neuseeland) muss in jedem Fall ein weiteres Spiel gegen einen der beiden Drittplatzierten der Asien-Gruppe bestreiten. Der Aussi hingegen als Gruppensieger Asiens durfte entspannen und direkt die Tickets buchen. Soviel als Einblick in die Sahelzone der WM-Qualifikation.
  • Ich hoffe doch stark, dass sich die Socceroos gegen uns nicht eingraben. Denn eigentlich müssten sie aus Erfahrung wissen, wo sie in dem Fall wieder rauskommen.
  • Ich hab meine erste offizielle Beflattrung erhalten und fühle mich gerade wie Ghana. Vielen Dank, bullion!

Nachbericht

  • Ham wa die Australier vom Feld gehobelt oder nicht? HAMMER! Dabei begannen unsere Jungs in den ersten Minuten eher hüftsteif. Keine Minute gespielt, da steht der Australier im Strafraum. Kurz darauf darf er sogar schießen! Der erste Griff zum Herzmittel ist unausweichlich.
  • Die erste Chance durch Klose. Vogelwildfrei steht er und bugsiert den Ball dem Schwarzer wie auf dem Tablett in die abwehrbereiten Füße. Ich springe das erste Mal auf und lege ein Trampelsolo aufs Parkett. Den musst du doch machen, Miro!
  • 8. Minute: Özil Zuckerpass, Müller himmelsgleich schön auf Podolski mit seiner anbetungswürdigen Schusstechnik und -wusch- 1:0. Frühes Tor, alles wird gut, der Blutdruck kann sich bald auf sinkende Werte einstellen.
  • 24. Minute: Wieder hadere ich mit unserer Sturmspitze. Wie gemalt streichelt Poldi den Ball rein, ich will dem Klößchen schon für den eingesprungenen Jubelsalto in Hilfestellung gehen, da semmelt der das Ding neben die Kiste.
  • 27.Minute: Mit dem Kopf geht’s immer. Lahm flankt, Klose hält die Rübe rein, Schwarzer segelt mit voll beflaggtem Mast vorbei. 2:0. Das Herzmittel kann zurück ins Badezimmerschränkchen, die Nummer ist gelaufen.
  • Noch ein paar weitere Chancen für die DFB-Elf, aber mehr muss im Moment gar nicht sein. Geht ja nicht drum, die meisten Tore in der Vorrunde zu schießen. Sonst wären die Holländer seit Jahren schon Weltmeister.
  • Bela Rethy mit einem gelungenen Scherz. Redet zuerst von der U21, der gewonnenen Europameisterschaft und führt dann aus: „…die jüngste Mannschaft seit 1934. Khedira war damals auch schon dabei“. Ohne jetzt nachgooglen zu müssen – das wage ich stark anzuzweifeln. In der Halbzeitpause lässt Müller-Hohenstein den Reichsparteitag raus. Sicherlich, um von diesem Patzer abzulenken.
  • Die rote Karte für Cahill war übertrieben, da sind wir uns wohl alle einig. War der Schiri, der an einer deutschen Schule unterrichtet, doch ein bisschen zu freundlich zu uns. Hätte gar nicht sein müssen.
  • 68. Minute: Müller mit dem 3:0. In Halbrücklage links unten rein wie 1974 der Gerd im Finale gegen die Holländer. Nun muss das Taschentuch her, um ein paar Nostalgietränchen aufzufangen.
  • 70. Minute: jetzt darf auch Helmut. Mein Lieblingsspieler! Wer auch immer bei den Aussis für die Raumaufteilung zuständig ist, er lässt netterweise Lücken in der Größe ihres Kontinents.
  • Insgesamt ein überragendes Spiel unserer Jungs. Ich könnte ihnen allen in die Arme fallen. Was für Pässe, was für Flanken, das hast du bei dieser WM noch nicht gesehen. Der Australier kann schon praktisch nach Hause fahren. Wir machen hier nun alle rund! So. Ich gehe jetzt auf diese Seite und drehe noch ein paar Schleifen. Heut nacht wird gehupt, da kommt keine Vuvuzuela mit.