Schweden – Frankreich 2:1

Vorbericht:

  • Ein Wohlfühlhallo in die Runde! Mein Name ist Dr. Bettina Hohl-Nuss von der Werbeagentur Schönfärb & Wort-Müll. Sie kennen uns vielleicht noch von unserer spektakulären Kampagne Holländer? Nicht während meiner Arbeitszeit! mit Dr. Dieter Hundt während der Fußball-WM in Südafrika. Aktuell zeichnen wir für die Aktion „Dritte Plätze sind was für Männer!“ verantwortlich, die derzeit großen Anklang findet und die Reputation des Frauenfußballs mit Sicherheit nachhaltig fördern wird.
  • Weil dem Stammautor dieses Blogs bis auf den gemurmelten Hinweis „Interessiert doch eh keine Sau“ nichts zum Themenkomplex „Spiel um den dritten Platz“ eingefallen ist, möchte ich im Folgenden dankbar die Möglichkeit ergreifen, unseren freshesten & hottesten marketing pitch zu präsentieren: Du hast gekämpft. ALLES gegeben. Rückschläge konnten dich nicht aufhalten. Das Ziel liegt vor dir. Es ist an der Zeit, dir alles zurückzuholen. Andere waren nur dabei. Du bist die 3Be all you can be. BE A THREE (powered by Käsfüssener Latschenkiefer, der Nr. 3 im Fuß- und Beinpflegemarkt mit Duftextrakten).
  • Bei den Männern gab es letztes Jahr für den Trizeweltmeister einen neuen Bundespräsidenten, der die Medaillen verteilte, eine geschüttelte Hand vom Blatter Sepp und zum guten Schluss eine dicke Umarmung von Onkel Theo. Zweifelhaft, ob der Wulff extra deswegen abdankt, aber sonst kann diesmal wieder alles drin sein. Vor allem letzteres scheint mir ziemlich sicher. Der Theo lässt doch nix anbrennen, wenn er die Bompastor, die Boulleau, die Landström und das Lottchen knuddeln kann.
  • Die Schwedinnen wollen in Sinsheim nochmal alles geben, um am Ende ihren Hoppsala-Tanz aufführen zu können. Frankreichs Trainer Bruno Bini hingegen hält gewohnt knallhart dagegen: „Vor zwei Monaten hätte keiner einen Cent auf uns gesetzt. Jetzt haben wir uns für Olympia qualifiziert und spielen um den dritten Platz. Ich sage Ihnen: Das Leben ist schön!“. Klingt schwer nach laissez-faire bzw. laissez-gagner. Um am Ende dann doch mit einem Baguette unter dem Arm und einer Flasche Wein in der Hand selbst zu tanzen.

Nachbericht:

  • Die haben meine Sonia Bompastor ausgebuht! Schämen sollen die sich, diese Zuschauer! Wie kann man nur? Das arme Ding war nach Schlusspfiff ganz brutzig und das vollkommen zu Recht. Erst Opfer der bisher einzigen und mit einer roten Karte ausgezeichneten Tätlichkeit in diesem Turnier werden und dann vom Publikum bei jedem Ballkontakt Schmähungen ertragen zu müssen, das haben wir ja gerne. Wenn Frauen treten, zerbrechen Seelen. (Ja, kann sein, dass Madame auch ein bisschen ausgekeilt hat, aber das war im Überschwang und maximal gelbwürdig)
  • Eine angenehm zu verfolgende Partie mit schönen Toren. 29. Minute: Lottchen schenkt zum zweiten Mal im Turnierverlauf ein, weil die französische Torhüterin sich gewohnt verschätzt und beim Rauslaufen zu spät kommt. Un autre jeu, un autre boc – ein weiteres Spiel, ein weiterer Bock.
  • Der Ausgleich durch Thomis in der 56. Minute mit einer Seltenheit bei dieser Weltmeisterschaft. Der platzierte Flachschuss wurde bisher so gar nicht gepflegt, wenn ich zurückblicke. Fans dieser Torerzielungsmethode werden also auch nicht enttäuscht. In der Folge entwickelte sich das typische französische Spiel: gut nach vorne, aber wenn es an den Abschluss geht, möchte man einen traurigen Chanson anstimmen. Trotz Überzahl gelingt es der französischen Auswahl nicht, ihre Überlegenheit in Tore umzumünzen.
  • So kommt es, wie es gerne kommt. Nach einer falschen Eckball-Entscheidung hämmert Hammarström die Kugel unter die Latte. Sehenswert und endgültig den Französinnen den Spaß verderbend. Am Ende tanzen die Schwedinnen und dürfen die Abwesenheit von Onkel Theo Zwanziger beklagen, der stattdessen Innenminister Friedrich zur Medaillenvergabe vorgeschickt hat. Eine großzügige Geste, so konnte der Mann endlich mal nicht übersehen werden und sich ihm freundlichen gesinnten Menschen gegenüber sehen.

England – Frankreich 4:5 (n.E.)

Vorbericht:

  • Sie ist angebrochen – die Woche, auf die Linda Bresonik schon so leidenschaftlich schwer hingearbeitet hat. Die Woche, in der mir Cristiano Ronaldo während Weltmeisterschaften immer die meiste Freude bereitet. Die Woche, in der Millionen britischer Fußballfans die Rückkehr ihrer Frauenauswahl mit einem „so f*cking what“ kommentieren werden. Ja, es ist die Woche der Ausscheidungsspiele.
  • Beginnen wird sie mit dem europäischen Klassiker England gegen Frankreich. Und vielleicht wird dabei eines der größten Geheimnisse gelüftet werden: Was reden Frauen eigentlich während dieser entscheidenden 90 Minuten und mehr auf dem Platz miteinander? Bei den Männern ist die Sache relativ klar erfassbar: „‚SchhaudiraufsMaul“, „‚Schmachdischplatt“, „Arschlochwichserhurensohn“ oder, für gebildete Abwehrspieler wie etwa Per Mertesacker, „Deine Frau liest heimlich die BILD-Zeitung“.  Nun, da die News of The World-Journaillenmeute von Rupert Murdoch ab morgen spielfrei hat, könnte man die ganzen schicken Abhörapparate doch einem nützlichen Zweck zuführen, bevor die Garantie abläuft. Auf ein paar Trikots gesteckt und den Ton als zweite Kommentarspur freigegeben, wenn es dem Kommentator oder der Kommentatorin gerade ein wenig an Esprit mangeln sollte. Ich persönlich würde mich auf englisch-französische Begegnungsklassiker wie „Ihr trinkt doch nach dem Onanieren kaltes Wasser“, „Du verkackter englischer Frischbiertrinker“ oder auch „I fart in your general direction“ freuen.
  • Die Vorteile der Französinnen liegen meiner Meinung nach klar auf der Hand. 1) In den letzten zehn Partien konnten sie von den Britinnen nicht geschlagen werden, der letzte Sieg datiert aus dem Jahre 1974. 2) Ziemlich sicher wird mon petit chou Sonia Bompastor spielen. 3) Die #3 der Französinnen, Laure Boulleau, ist optisch auch sehr lecker. 4) Der vorzeitige Abflug der Britinnen würde viel mehr Aufhebens machen, denn die Franzosen scheinen sich für ihre kickenden Landsfrauen kaum zu interessieren. Einziger Nachteil: die Stammtorhüterin Bérangère Sapowicz ist wegen ihrer roten Karte aus dem Spiel gegen Deutschland gesperrt. [Nein, ich schreib das jetzt nicht hin] [Doch, mach!] [Nein] [Nun mach schon!] [Okay, *seufz*] Bei den Engländerinnen wäre ein solcher Ausfall bedeutend unterhaltsamer.
  • Wie immer die Begegnung auch enden wird, gegen uns kommen die Siegerinnen frühestens im Finale. Realistischerweise dürften sie aber vorher an dem scheitern, was aus der Schlacht Brasilien gegen die USA übrigbleibt. So oder so sind die Frauen mit dem Einzug ins Viertelfinale jetzt schon erfolgreicher als ihre männlichen Pendants 2010. Denn die Engländer haben, wie ich mich gerne erinnere, gegen uns mit 4:1 den Kürzeren gezogen, während die Franzosen vom Erreichen der Ausscheidungsrunde in etwa so weit entfernt waren wie die RTL2-Sendung „Frauentausch“ von einer Grimme-Nominierung.

Nachbericht:

  • Diesen Nachbericht schreibe ich nach dem Ausscheiden der DFB-Elf gegen Japan. Wer Anzeichen von Lustlosigkeit herausliest, liegt nicht falsch. Also kurzgefasst. England unterliegt im Elfmeterschießen, soweit schon mal nichts Überraschendes.
  • Die Engländerinnen mit der ersten Chance nach 16 Sekunden. Doch Smiths Schuss wird abgeblockt. Ersatztorhüterin Deville sieht schlecht aus und behält diesen Zustand, sofern die Inselfrauen mal in ihre Nähe kommen. Die Französinnen spielerisch besser, mit 2-3 gefährlichen Torschüssen. Aber nichts fällt richtig zwingend aus.
  • Scott schießt in der 59. Minute das 1:0, Deville lungert viel zu weit vor dem Tor, wirkt bei dem Schuss überfordert. „Die kann nix“, ruft Bruder in die Stille hinein. Ich wage nicht zu widersprechen. Frankreich rennt an, aber vor dem Tor brennt es nicht.  Zehn Minuten vor Schluss drehen die Französinnen plötzlich auf, machen Alarm in der gegnerischen Hälfte. Thomis läuft in der 85. Minute frei durch, doch statt voll draufzuhalten, wie es jeder anständige Kerl machen würde, versucht sie einen Lupfer. Eine Minute später kratzt White einen Kopfball von Lepailleur von der Linie. 88. Minute: der Ausgleich, le triomphe dans le winkel, ein wunderbarer Schlenzer aus dem Gewühl von Bussaglia, der Ball geht ins linke Kreuzeck und prallt von dort hinter die Linie. Chapeau, madames!
  • Verlängerung. Stürmerin Kelly Smith beantragt den Halbinvalidenpass, kann aber nicht mehr ausgewechselt werden. Und was machen die Franzfrauen? Nix mit überrollen, überlaufen oder kaputtschießen. Nö, monsieur. Stattdessen verfällt man in die Spielweise der ersten Halbzeit. Wenn sich das nicht mal rächt, denke ich mir. Vielleicht gilt die alte Elfmeterregel doch nur bei den englischen Männern.
  • Erster Elfmeter Frankreich. Mon dieu, Bardsley fängt den Ball, als wäre vorher abgesprochen worden, wo er landen soll. Es scheint wirklich, als hätte die Schützin gewartet, bis die Torhüterin abspringt und den Ball dann zielsicher dorthin bugsiert. Aber am Ende versagt England dann eben doch: Rafferty tritt ewig den Elfmeterpunkt platt, ein sicheres Zeichen für Verunsicherung- und schwupp, rollt die Kugel am Tor vorbei. Faye White schließlich trifft unglücklich die Latte, das war’s. England is coming home after the penalty shootout. And now for something completely usual…

Deutschland – Frankreich 4:2 / Kanada – Nigeria 0:1

Vorbericht:

  • Die schlimmste Nachricht gleich vorweg: Melanie Behringer wird mit ziemlicher Sicherheit nicht spielen, sondern wird geschont. An ihrer Stelle wird wohl Hochglanzkickerin Fatmire Bajramaj auflaufen, was für mich Anlass genug ist, folgenden selbst erdachten Witz einzuschieben: Was haben junge Italiener und Frauenfußball-Fans gemeinsam? Beide hätten gerne die alte Lira wieder, obwohl sie sich gar nicht mehr an sie erinnern können. Geht mir ähnlich, ich kenne die eigentlich nur aus der Werbung und wenn sie mich heute Abend wieder nicht überzeugt, ordne ich sie in die große Reihe der Werbemißverständnisse ein – so wie damals, als ich dachte, die hübsche Blondine aus der Alice-Werbung käme persönlich bei mir vorbei, würde mir meinen DSL-Anschluss einrichten und dann noch auf eine Runde Gears of War bleiben.
  • Birgit Prinz wird übrigens auf der Ersatzbank Platz nehmen, entsprechende Andeutungen von Trainerin Neid haben sich verdichtet. Dabei hat die Gute wirklich alles versucht, ihre Tor- und Spielhemmung zu überwinden. Oft sah man sie an der PS3, wie sie faustreckend bei FIFA11 im allereinfachsten Schwierigkeitsgrad an allen Gegnerinnen vorbeilief und einnetzte. Wie sie sich ganz im Stil von Brasiliens Marta beim Spiel gegen Norwegen die Ellenbogen anspitzte und tückisch in diverse Sparringspartner rammte. Oder sich als Verteidigerin tarnte, die einen Abpraller mit der Hand aufnimmt und in der Folge so blitzartig hinter die Linie schiebt, dass jede Schiedsrichterin der Welt sofort auf Anstoß entscheidet. Alles umsonst.
  • Die Krux der Wahrnehmung des deutschen Spiels liegt eindeutig in der naiven Vorbereitung, diesen Vorwurf muss sich die Frau Neid gefallen lassen. Wer um Himmels willen gewinnt denn in den unbedeutenden Spielen vor einer WM fast jede Partie mit 5:0? Da kommen doch ganz falsche Hoffnungen auf! Hier hätte man durchaus von den Männern lernen können. Wenn ich etwa lese: „Die deutsche Nationalmannschaft um Joachim Löw hat im Vorlauf der Weltmeisterschaft Freundschaftsspiele mit Polen, Venezuela und dem Vatikan vereinbart“, ist mir als Fan sofort klar, was zu erwarten ist – knapper, bockloser Sieg gegen Polen, Gebolze und infolge von 11 Auswechslungen fehlender Spielfluss gegen Venezuela und schließlich Kantersieg gegen den Vatikan, um ein positives Abschlusszeichen zu setzen. Würden Jogis Jungs hingegen alles mit mehr als drei Toren niederbrennen, würde umgehend das Gemaule mit dem Vorwurf des verschossenen Pulvers losgehen.
  • A propos Jogis Jungs: ich suche immer noch nach einem entsprechend schneidigen Ausdruck für die Frauennationalmannschaft. „Unsere Mädels“ soll ja leicht verpönt sein, „Neids Frauen“ hört sich dezent phallozentrisch an, „Silvias Mädchen“ eindeutig zu puffig. Vielleicht sollte man es wie der große Pelé halten, der sich den Namen Schweinsteiger nur als „Swine’s Tiger“ merken konnte und insofern zu einer zünftigen phonetischen Einenglischung greifen. „Knight’s Ladies“ etwa hat doch was Erhabenes. „The Knight’s Ladies winneth the game against France by three goalth to noneth“.  Passt auch gut zu meiner aktuellen Lieblingsserie „Game of Thrones“, die ich hier bepreiset und belobiget habe.
  • Ein paar Worte zu den Französinnen. Nun, da meine Melanie nicht spielt, kann ich es ja rauslassen. Ich finde die #8 bei der Equipe Tricolore,  Sonia Bompastor, schwer süß. Die freut sich immer so schön, wenn ein Tor fällt. Wenn die „Va te faire enculer, sale fils de pute“ zu mir sagen würde, würde ich strahlend mit einem „Oui, mon chou“ antworten.
  • Frankreichs Trainer Bruno Bini predigt hingegen schon seit Turnierbeginn, dass die Deutschen Weltmeister würden und er sich freut, maximal Vizeweltmeister zu werden. Der alte Fuchs hat bestimmt schon Ausreden bereitet, weshalb sich an dieser Einschätzung auch nichts ändert, wenn die les Bleus heute den ersten Platz in der Gruppe verteidigen sollten. So macht man das, Lady Knight!
  • Kanada gegen Nigeria spielt auch. Sollte es Schwerverletzte geben, werde ich darüber berichten. Würde mich aber wundern, denn selbst der Afrikaner wird zahm, wenn es nichts mehr zu holen gibt.

Nachbericht:

  • Erster! Und das nach dem wohl besten Spiel bei dieser Weltmeisterschaft. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ohne Melanie Behringer soviel Spaß an einer Partie haben würde. Die deutsche Auswahl stand hinten geordnet, ließ wenig zu, dominierte im Mittelfeld, nur nach vorne wollte der Ball nicht so richtig gefährlich rollen.
  • Bis zum 1:0 durch Garefrekes. Ein langer Ball von Peter, an der Langen der Franzosen, Mademoiselle Sturmfrisur Renard vorbei, auf den Kopf der großgewachsenen, um nicht zu sagen äh langen Deutschen. Reaktionstechnisch gesehen ein désastre complet der französischen Abwehr. Aber gut für die heimische Seele.
  • 2:0, wieder Kopfarbeit, diesmal von Inka Grings nach Flanke von Laudehr. Zweimal gefährlich aufs Tor gekommen, kein Mal das Bein benutzt, eine saubere Leistung. Ich bin so gut gelaunt, dass ich nicht mal mehr meiner Sonia Bompastor nachtrauere, die wegen einer gelben Karte erst gar nicht eingesetzt wurde.
  • Nun das Unschöne: zwei Gegentore, ebenfalls allesamt mit dem oberen Halsfortsatz eingenickt. Erscheint auf den ersten Blick ärgerlich, aber stellt euch mal den japanischen Trainer vor, der sich das mit ansehen musste. Der war sicherlich total geknickt, denn wenn das die einzige Möglichkeit sein sollte, die deutsche Abwehr zu überwinden, kann er gleich die Koffer packen gehen. Gibt es überhaupt ein japanisches Wort für Kopfballpendel? Wenn ja, wäre es dennoch das wohl nutzloseste Trainingsgerät im Gepäck der Asiatinnen.
  • Die erste rote Karte, der erste verwandelte Elfmeter durch Grings (mit Vorarbeit durch Bajramaj, die aber niemals ansatzweise so gut war wie Behringer), ein bisschen banges Warten wegen der Gegentore, bevor Klopfer mit einem feinen Abschluss den Sieg sichert. Meinen absoluten Respekt, den hätten nicht viele Kickerinnen so souverän ins lange Ecke geschaufelt.
  • Fazit: wir haben wieder die Favoritenstellung inne, das Viertelfinale ist praktisch ein Selbstläufer. Kritisch wird es erst ab dem Halbfinale, wo die Amerikanerinnen auf uns warten. Die hätte ich mir lieber bis zum Finale aufgehoben (die Alternative wäre wohl Brasilien geworden, aber die hätte man mit guter Deckung von Marta und Beschäftigung der Abwehr zermürben können) – egal, sei’s drum: es hat Spaß gemacht. SCHLAND!