Brasilien – USA 3:5 (n.E.)

Vorbericht:

  • Diese WM ist schon verrückt. Da treffen kommenden Mittwoch Schweden gegen Japan im Halbfinale aufeinander. Eine Begegnung, die man eher an der Gepäckannahme in einem deutschen Flughafen vor der gemeinsamen Abreise erwartet hätte. Aber die Schwedinnen wurden vor den USA Gruppensieger und die Japanerinnen, naja, ich muss wohl nicht mehr extra daran erinnern. Auf der anderen Seite spielen die Brasilianerinnen ihr erstes Ausscheidungsspiel heute (bereits um 17:30 Uhr) gegen die USA, was sich mindestens wie ein Halbfinale anhört.
  • Abby Wambach gegen Marta. Lauren Cheney gegen Cristiane. Hope Solo gegen … Moment, wie heißt eigentlich die Torhüterin von Brasilien? Mal kurz nachschlagen. Andreia? Barbara? Thais? So jedenfalls die Namen der Kandidatinnen. Also, wenn ich jetzt raten müsste… Andreia, natürlich. Hat die eigentlich bisher was zu tun bekommen? Könnte sich heute ändern.
  • Ich glaube, wenn Brasilien mit zwei, drei Toren zurückliegt und das Scheitern naht, haut Marta einen raus. Bisher gab es ja noch keine rote Karte gegen eine Spielerin wegen einer Tätlichkeit (obwohl diverse Nigerianerinnen und die Australierin Garriock sich in beeindruckender Weise beworben haben), aber dem brasilianischen Superstar traue ich es zu. Die wirkte im Spiel gegen Äquatorial-Guinea bereits schon genervt und tendenziell austeilfreudig.
  • Meine Sympathien liegen ehrlich gesagt bei den Amerikanerinnen. Ich kann mit der Marta nicht so recht. Die strahlt so eine Arroganz aus, wie ich sie bei einem Diego Maradona schon nicht auszuhalten weiß. Auf die Frage nach der besten Spielerin würde die nach meinem Gefühl nicht bescheiden mit „Das möge die Nachwelt entscheiden“ oder „Hey, Amerikas X, Frankreichs Y und Schwedens Z sind auch wirklich gut“ antworten, sondern mit „Ich. Für immer. Wer denn sonst?“.

Nachbericht:

  • Kein tolles Spiel, wenn man ehrlich ist, sogar ein eher enttäuschendes Duell der Giganten. Die jeweiligen Verteidigungsreihen stritten sich darum, wer den größeren Hau weghat. Hau im Sinne von Hektik, Angst und Unvermögen. Kunstvoll schon die Eröffnung von Daiane, die vom Gesicht her die Schwester von Joey DeMaio von Manowar sein könnte. Eine Hereingabe von Boxx schnippt sie technisch anspruchsvoll mit dem Außenrist über die eigene Torlinie. 0:1, die frühe Führung für die Amerikanerinnen.
  • In der Folge keines der Teams besonders auffällig, nur wenn es ans Verteidigen geht, entstehen Momente voller Verzweiflung. Marta versucht wieder Sympathiepreise weit von sich zu weisen, was ihr mit spielerischer Leichtigkeit gelingt. Fast schon ein erhebender Moment, als sie nach einer von ungezählten Meckereien die gelbe Karte erhält.
  • 67. Minute, Rot für Buehler. Marta hat sich den Ball technisch fein im Strafraum vorgelegt und wird umgestoßen. Kann man so sehen, antipathische Gefühle für die Frau hin oder her. Cristiane verschießt gegen Solo, doch der Strafstoß wird wiederholt. Warum genau habe ich nicht verstanden. Hatte sich Solo zu früh bewegt? War eine Spielerin reingelaufen? Den zweiten Versuch setzt Marta in die Maschen. Wir erleben gleichzeitig den Hope Solo-Move aus der Torwartschule von Uli Stein. Motto: Wenn du eh nicht an den Ball kommen kannst, brauchst du dich auch nicht danach zu strecken.
  • Kommentator Bartels findet Rodriguez nicht gut. Sonst keine Auffälligkeiten mehr bis zur Verlängerung. Kurz nach deren Anpfiff das 2:1, wieder durch Marta, die blitzschnell reagiert und die Kugel kunstvoll gegen den Innenpfosten schlenzt. Beim Anspiel vor der Hereingabe soll es allerdings Abseits gewesen sein. Das Publikum, Amis und Neutrale, sind nicht erfreut. Ich vor dem Fernseher auch nicht.
  • Die Amerikanerinnen spielen nach vorne, versuchen alles, aber es ist mehr koordiniertes Humpeln denn schwungvolles Passspiel. Über Andreia sage ich nichts Schlechtes mehr, die verhindert den Ausgleich nach einem gut gesetzten Schuss von Wambach durch schnelles Abtauchen. Erika auf der anderen Seite fällt nach zehnsekündiger Verzögerung im Strafraum hin, lässt sich behandeln, vom Feld tragen und springt kaum außerhalb des Feldes mopsfidel von der Krankenbahre. Die wohl verdienteste gelbe Karte des Turniers. Ich bete derweil zum Fußballgott, dass ich Brasilien nicht siegen sehen will.
  • Und siehe da, es ward Abby. Eine weite Flanke wird von Andreia unterschätzt, Wambach springt fast mit dem Abpfiff rein und köpft den Ausgleich. Es gibt doch noch Gerechtigkeit, mir entfleucht beinahe ein kehliges U-S-A, U-S-A. Elfmeterschießen. Marta verwandelt, Hope bemüht sich einmal richtig gegen die Unglückskickerin Daiane mit dem Eigentor und wehrt deren Versuch ab. Krieger, die Fan von Deutschland ist, verwandelt zum entscheidenden Treffer. Besiegt von einer Krieger. Wenn das Joey DeMaio mitbekommt. Der ist imstande und schreibt ein Lied drüber. Krieger kills, Warrior wins, Marta falls.
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Schweden – USA 2:1 / Nordkorea – Kolumbien 0:0

Vorbericht:

  • (PPP) Überraschung! Sensation! Freude! DAS EINZIG WAHRE KOREA IST WELTMEISTER! Die gute Nachricht traf die Mannschaft um den vielumjubelten und nie um einen Scherz verlegenen Trainer Kim Kwang Min just beim großen Festbankett anlässlich ihres gewohnt überragenden Auftretens bei der Fußball-WM in der Deutschen Demokratischen Republik und den angeschlossenen 11 neuen Bundesländern. Sepp Blatter, das unumstrittene und wirklich auch sehr ordentlich viel geliebte Oberhaupt der internationalen Fußballkommission, überbrachte höchstselbst ein von allen Mannschaften des Turniers unterschriebenes Manifest, in dem die drückende Überlegenheit des roten Kollektivs, die blendende Attraktivität seiner Spielerinnen und die Unfehlbarkeit des die Liebe seines Volkes mittlerweile in Brühwürfelform stapelnden und lagernden geliebten Führers Kim Jong-Il ihre offizielle Bestätigung fanden. Das Ministerium für Freude rief umgehend alle Genossinnen und Genossen auf, ihrem Jubel Ausdruck zu verleihen: „Öffnet die lange aufgehobene Extra-Dose Reis! Braut euch eine leckere original Geliebter Führer-Kraftbrühe! Bis zur Sperrstunde um 18:00 Uhr ist es darüber hinaus jedem Bürger erlaubt, ein traditionelles nordkoreanisches Feuerwerk zu zünden. Papier falten! Anzünden! Hochwerfen! Vaterland!“ (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Es reizt mich ja schon, in die Begegnung Nordkorea gegen Kolumbien reinzulinsen. Denn ich erwarte einen gepflegten Tollwutlauf des kommunistischen Kollektivs. Man und frau will ja schließlich mit wenigstens drei Punkten und einem überzeugenden Sieg nach Hause kommen. Mir fiele im Falle des Ausbleibens eines Sieges gegen die wirklich putzig harmlosen Kolumbianerinnen ehrlich gesagt auch keine gute Ausrede mehr ein. Aber vielleicht wäre das ja eine Aufgabe für die nächste WM: Offizieller Pressereferent der Auswahl Nordkoreas. Bringt bestimmt eine ordentliche Stange Geld, eventuell eine schicke Uniform mit Kim Jong-Il-Anstecker und ob ich jetzt ein paar arme Asiaten in der Heimat anlüge oder die Presse, ist doch egal.
  • Schweden gegen die USA ist natürlich das interessantere Aufeinandertreffen. Mit einem Sieg oder einem Unentschieden gehen die USA einem Viertelfinal-Duell mit Brasilien aus dem Weg. Fände ich jetzt unschön mit Blick auf ein späteres Aufeinandertreffen mit der DFB-Elf. Gerüchten zufolge will allerdings Pia Sundhage, Schwedin und US-Trainerin, den amerikanischen Superstar and everybody’s darling Abby Wambach schonen. Auf der anderen Seite wird jedoch die Frau mit dem herzigen Augenaufschlag und den meisten versiebten Chancen, Lotta Schelin, auflaufen. Hat die Dinger danebengesemmelt, da springt der Elch aus der Pfanne und der Hering aus dem Salat. Wenn ich die Zeit und das Material hätte, würde ich ein Video auf YouTube hochladen.
  • Zum Abschluss noch ein Ähnlichkeits-Insider: Immer wenn ich Schwedens Trainer Thomas Dennerby von der Seite sehe, will ich ihn Thorsten Fink rufen. Gut, dass die WM nach diesen beiden Spielen bis Samstag pausiert.

Nachbericht:

  • Überraschung! Sensation! Freude! U – S – A – what the fuck??? Die haben verloren! Gegen die Minimalschwedinnen mit Schelin, dem schönen Chancentod. Die erste große Überraschung des Turniers und gleichzeitig auch das spannendste Spiel, weil man natürlich dem Außenseiter die Daumen drückt, bis die Nägel rot werden.
  • Kleiner MelB-Fan-Service-Einschub: Melanie Behringer sitzt neben der Kanzlerin, würdigt sie aber keines Blickes und redet kein Wort mit ihr, solange die beiden im Bild sind. Eine tolle Frau!
  • 7. Minute: Schelin stürmt alleine auf Solo zu, die mit einer edlen Beinschere abwehrt. Nichts Neues für Lotta, aber für mich die Bestätigung: die Hope kann was.
  • 16. Minute: wieder na-wer-wohl alleine auf weiter Flur, LePeilbet stürzt rein und die schwedische Unglückstrine um. Ein klarer Elfmeter, den uns Lotta clevererweise nicht selbst schießen will. Solo wirft sich in Pose, als wäre Fotoshooting, aber Dahlkvist verwandelt sicher – 1:0 für Schweden.
  • Was ist überhaupt mit diesen Schwedinnen los? Vorne gefährlich, hinten mit guter Aufteilung und starker Aufräumarbeit. Die Amis sind beeindruckt und fangen an, verzweifelte Distanzschüsse loszulassen. Die anders als beim Spiel gegen Kolumbien aber nicht ihr Ziel finden.
  • 35. Minute: Freistoß Fischer, die Frau, bei der ich mich stets frage, ob sie sich die Haare selbst schneidet und weshalb sie die wilden Reste unbedingt mit einem Haarband einfangen muss. Unhaltbar abgefälscht von -hello again- LePeilbet. Das 2:0, die Sensation macht sich breit.
  • Die Amerikanerinnen finden kein Mittel, die Defensive steht wie Wackelpudding und vorne fehlt der Masterplan. „Hoch auf Wambach“ scheint das allgemein akzeptierte Motto der Hilflosigkeit zu sein. Ich rechne derweil verzückt aus, dass sich bei einem Sieg Schwedens Amerika und Brasilien gegenseitig eliminieren dürfen, während wir nach Japan entweder auf Schweden oder Australien treffen. Prima Sache!
  • 67. Minute: Abby Wambach And The Shoulder Of Doom. Nach einer Ecke von Cheney stürzt sich die Stürmerin mit allem, was sie hat in den Ball, trifft die Schulter und das Tor. Ich habe das Gefühl, dass den Schwedinnen nach diesem Anschlusstreffer zum 2:1 die Puste ausgehen könnte.
  • 86. Minute: O’Hara verzieht frei vor dem Tor. Ich mag gar nicht hinschauen. Hat sich wohl zu lange in der Nähe von Lotta aufgehalten.
  • 91. Minute: Jetzt aber – Lotta Schelin schließt nach gutem Zuspiel fulminant zum 3:1 ab, der Treffer wird jedoch zu Unrecht wegen Abseits aberkannt. Egal, Lottalein, in meinen Augen bist du jetzt rehabilitiert. Noch eine schöne Momentaufnahme zum Schluss, als bei einem Eckball der Schwedinnen keine einzige gelb-blaue Trikotträgerin im Strafraum und außerhalb davon zu sehen ist. Abpfiff. Sensation. Ich liebe Schweden.

Brasilien – Norwegen 3:0

Vorbericht:

  • Ich bin noch eine Beobachtung schuldig, welche bereits seit Tagen im Internet kursiert und die ich hiermit gerne nachreiche: die norwegische Übungsleiterin Eli Landsem sieht aus wie Trainerlegende Hans Meyer. Genauer gesagt sah sie während des Spiels gegen Äquatorial-Guinea meist aus wie Hans Meyer, unmittelbar nachdem er BILD-Zeitungsreporter beim Herumtrampeln in seinen Rosenbeeten erwischt hatte. Einfach selber mal nach Bildmaterial googlen und erstaunt sein.
  • Der brasilianische Superstar Marta hingegen ähnelt erschreckend Birgit Prinz. Nicht vom Optischen, sondern von ihrer Übersehbarkeit auf dem Platz. Das muss sich heute ändern, denn ich hatte sie ja schon im Vorbericht zum Erstrundenspiel beinahe mit dem Meister der Übersehbarkeit und der Tränen auf dem WM-Turnierrasen verwechselt. Ach, ich schreib den Namen jetzt einfach nochmal hin: Cristiano Ronaldo.
  • Mich konnten beide Mannschaften mit ihren jeweiligen 1:0-Humpelsiegen nicht überzeugen. Wenn heute Abend wieder nichts geliefert wird, drücke ich ernsthaft den Australierinnen die Daumen fürs Weiterkommen. Deren Abwehr im Zusammenspiel mit dem Angriff der Amerikanerinnen im Viertelfinale dürfte ein Garant für Spaß sein. Zumindest für Abby Wambach.
  • Nach diesem Spiel ist ein Tag Pause. Also nicht wundern, wenn hier am Montag keinerlei Berichte erscheinen. Garantieren kann ich es allerdings nicht, deshalb sicherheitshalber alle Viertelstunde mal reinklicken und nicht entmutigen lassen, wenn nichts Neues dasteht.

Nachbericht:

  • Good girls go to Heaven, but the bad girls go everywhere. Marta hat endlich ihre Show abgezogen. Verdient über 500.000 Euro im Jahr, verlangt für eine Autogrammstunde 5.000 Euro und ist sich dennoch nicht zu schade, eine Verteidigerin umzuschubsen, wenn es um das erste eigene WM-Tor geht und die Gegnerinnen aus Norwegen lästig gut spielen in den ersten zwanzig Minuten. Natürlich ist die Frau wegen ihres Antritts und ihrer Technik eine begnadete Fußballerin; aber eben mit einem Sympathieausstrahlungswert eines Stefan Effenberg. Das eine schließt im Fußball das andere nun mal leider nicht aus.
  • Zwei schnelle Tore zu Beginn der zweiten Hälfte besiegelten das Schicksal der Skandinavierinnen. „Selbst schuld“, möchte man einwerfen. Denn wenn das Publikum schon die gegnerische Stürmerin wegen des Fouls vor dem 1:0 permanent auspfeift und die Schiedsrichtern zum Wiederanpfiff bedröppelt zum Anstoß bittet, als ob sie zuvor mehrere Zeitlupen der Szene gesehen hätte, gibt es doch nur eine Option: im Strafraum hinfallen lassen und eine Konzessionsentscheidung herbeizwingen. Hätten sie nur mal bei Marta nachgefragt, die fiel sogar vor dem eigenen Strafraum einfach mal so  hin. Das macht den Unterschied.
  • Warum bitteschön beschwert sich eigentlich keiner über das asymmetrische Hakendesign bei den Zahlen auf dem Rücken der brasilianischen Auswahl? Die 2. Oder die 3. Die 8. Alles igittigitt. Da stirbt dir doch der Sehnerv ab. Ich möchte an dieser Stelle einen Font-Blogger um eine dezidierte Stellungnahme bitten.
  • Norwegen war nach den schnellen Treffern eigentlich nur noch bei Ecken auffällig. Massenversammlung im 5-Meter-Raum einberufen und die Hereingaben eng vors Tor ziehen. Auch eine Taktik, aber da muss sich die Torhüterin den Ball schon selbst unbedrängt reinwerfen, sonst würde doch abgepfiffen werden, oder?

USA – Kolumbien 3:0

Vorbericht:

  • Die Zugriffszahlen auf diesem Blog entwickeln sich unerfreulicherweise in Richtung Anzahl der anwesenden Fans von Nordkorea bei deren beiden bisherigen Spielen. Deshalb gebe ich für diesen Vorbericht ab an eine Gastautorin: die 12-jährige Britney aus Fort Lauderdale.
  • Hi, my name is Britney and I’m from Fort Lauderdale, Florida. OMG, i really really really love soccer. It’s sooo awesome and Abby Wambach has such beautiful hair. And she scores lots and lots and lots of goals! I will watch the game with my two cats Krieger and Sauerbrunn.  U-S-A-U-S-A! I like horse riding and Lady Gaga.
  • My dad says Columbia is a university in the city of New York. And it’s true, watch for yourself: http://www.columbia.edu/. I don’t understand why they play in the championships, as they are Americans too. But it’s okay, coz this way, America will win anyway. America is the greatest country in the world. America all the way!

Nachbericht:

  • Tja, den Nachbericht muss ich jetzt doch selber schreiben, denn die kleine Britney ist nach dem fulminanten Führungstreffer durch Heather O’Reilly ins „OMG!USA!“-Brabbelkoma gefallen. Wenn sie wieder aufwacht, will ich allerdings auch nicht derjenige sein, der ihr von den liegengelassenen Chancen der Abby Wambach erzählen muss.
  • Weitschüsse sind ein probates Mittel im Frauenfußball. Sofern sie aufs Tor kommen und in etwa 1,80 m Höhe einzuschlagen drohen. Der O’Reilly-Knaller war richtig toll, da zolle ich gerne und offen meinen Respekt für. Die beiden anderen Einschläge aus der Ferne variierten danach jedoch in aufsteigender Haltbarkeit.
  • Richtig goldig fand ich die Einlage von Megan Rapinoe nach dem 2:0. Läuft zur Ecke, schnappt sich das graue Puschelmikro und grölt lauthals „BORN IN THE USA“ hinein. Ich musste wirklich schmunzeln. Das können unsere Frauen aber noch toppen. Mein Tipp an Melanie Behringer (die bis zum nächsten Spiel sicher wieder fit wird): Puschelmikro mit Flammenwerfer anzünden und „FEUER FREI“ von Rammstein anstimmen. Obwohl, gegen Frankreich würde das vielleicht historisch bedingt nicht so prima ankommen.
  • Die USA mit -im Vergleich zu vielen Teams- bei der WM überragender Spielverlagerung und Schusstechnik. Bis zum Strafraum brennen die Girls ein Feuerwerk ab, im eigenen Strafraum lassen sie es hingegen gerne mal anbrennen. Eine sehr unterhaltsame Begegnung, nicht zuletzt weil viele Nationalmannschaften leider nur bis maximal 35 Meter vor dem Tor gut mit dem Ball umgehen können.
  • Und die Kolumbianerinnen? Nun, wenn selbst mein Bruder Mitte der zweiten Hälfte ein „Jetzt lasst die armen Mädchen doch auch mal ein Tor schießen“ von sich gibt, kann man erahnen, wie einseitig die Partie verlaufen war. Tore schießen dürfen sie ja jetzt bald wieder. Aber zuhause.

USA – Nordkorea 2:0

Vorbericht

  • Bei der WM in Südafrika wurde mir die großartig bezahlte Ehre zuteil, als Korrespondent für das führende nordkoreanische Sportmeinungsbildungs-Fachorgan, PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) tätig zu werden.  Unmittelbar nach Abschluss des Turniers erhielt ich in Ehrung meiner Verdienste die Auszeichnung der „verbogenen Feder für glückseligmachende Berichterstattung“ in edelstem Hartplastik und den goldenen Schlüssel zur Stadt, wenn sie mal gerade geschlossen sein sollte. Was aber natürlich nie der Fall ist. Sicherheitshalber soll ich jedoch vorher bei einem Militärposten durchklingeln. Hier mein aktueller, bereits abgesegneter Aufmacher:
  • (PPP) Nach dem triumphalen Gewinn des Weltmeistertitels durch unsere tapferen Genossen im vergangenen Jahr sind nun unsere vor Weiblichkeit strotzenden Genossinnen an der Reihe, ihren unbestreitbaren ersten Platz in der Welt und in den Herzen der Menschen zu verteidigen. Der die Liebe seines Volkes täglich ausschwitzende und als bekömmliches Erfrischungsgetränk aufbereitende geliebte Führer Kim Jong-Il, der in seiner Zeit als aktiver Fußballspieler sowohl in der Herren- als auch in der Damennationalmannschaft hervorstach, hat bereits die offizielle Kampfparole verkündet: „Selbst die nordkoreanische Frau ist mehr wert als jeder Mann des Klassenfeindes aus dem Süden. Frau! Sieg! Vaterland!“. Das siegessichere Kollektiv wurde bereits mit offenen Armen in Dresden, einer der schönsten Städte der Deutschen Demokratischen Republik, empfangen und umjubelt. Staatsratsvorsitzender Erich Honecker gab der Mannschaft bei der Begrüßungsveranstaltung vor 100.000 begeisterten Freunden unserer Volksrepublik ein aufmunterndes „Torwärts immer, rückwärts nimmer“ auf den Weg. Unerträglich hingegen die Provokationen des Teufels aus dem Westen, dessen wildgewordene Weiber mit Sicherheit zu unfairen Mitteln greifen werden, um den verdienten Siegeszug unserer Genossinnen zu stoppen.  Wie die Ratten verschanzen sie sich in ihren Quartieren, schmieden in dunkler Abgeschiedenheit Intrigen und verweigern sich dem frohen, weltoffenen Fest, das diese Weltmeisterschaft auf sozialistisch-brüderlichem Boden doch darstellen soll. Wie gut, dass diese ekelhafte Posse spätestens zum Ende der Vorrunde ihren Abschluss finden wird. Freude! Offenheit! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Das Spiel findet übrigens nicht wie bisher gewohnt um 18:00 Uhr, sondern 15 Minuten später statt. Die Suche nach Massenvernichtungswaffen nimmt nun mal ihre Zeit in Anspruch. Gespannt wartet die Welt auf den Moment, in dem sich die beiden Teams zur Begrüßung die Hand reichen. Die amerikanische Trainerin Pia Sundhage hat bereits angekündigt, ihre Spielerinnen den von der letzten WM berüchtigten nordkoreanischen Schmähsatz „Kim Jong-Il Gae Heng Hi Hi“ (zu deutsch: „Euer geliebter Führer hat einen lachhaft kleinen Lümmel“) zwischen den Zähnen hindurchzischeln zu lassen. Neu im Repertoire: „Kim Jong-Un Puh Hui Ho Ho“ (etwa: „Der Sohn eures geliebten Führers stinkt ganz gewaltig aus der Hose“).
  • Amerika ist die Nummer 1 im Frauenfußball. Zumindest sagt das die Weltrangliste. Der letzte Weltmeistertitel liegt allerdings bereits schmucke 12 Jahre zurück. Die außerordentlich hohe Qualität des Frauenfußballs in Amerika ist einfach zu erklären: wenn Mom und Dad einen Sohnemann auf die Welt bringen und der anfängt, dem runden Leder nachzujagen, setzt es besorgte Gesichter. Das Kind kriegt Baseballschläger geschenkt, muss mit einem übergroßen Handschuh unterm Kissen schlafen, wird am Basketballring streckungshalber mal eine Nacht hängengelassen oder läuft gut gepolstert hundert Mal täglich gegen die Hauswand. Wenn gar nichts mehr hilft, kriegt er eine Xbox360, das neue Call of Duty, reichlich Dollar für Essen bei McDonald’s  und gibt sporttechnisch hernach endlich Ruhe. Mädchen spielen dagegen Fußball, solange und so oft sie möchten und der Daddy hofft, dass sie mal berühmt werden, einen attraktiven Footballer heiraten und Söhne zeugen. Worauf der Kreislauf wieder von vorne beginnt.
  • Die Qualifikation der Amerikanerinnen verlief über Umwegen und gelang erst durch einen Sieg in den Play-Offs gegen die Italienerinnen. Dominanz liest sich anders. Herausragend im Team ist sicherlich Mary Abigail „Abby“ Wambach, im Tor steht mit Hope Solo eine tolle Einzelkämpferin, die ich gerne ehelichen und unseren Sohn dann Han nennen würde. Nordkorea setzt dagegen mit viel Kim, Hong, Song und Jong, wer vermag die schon alle auseinanderzuhalten.  Was soll ich mir also die Mühe machen. Okay, stellvertretend erwähne ich jetzt Jo Yun Mi. Die Truppe ist ein Geheimfavorit, ohne Zweifel, aber mal ehrlich: wenn die Weltmeister würden, wäre doch die ganze schöne Stimmung dahin, wie wenn jemand auf einer Party plötzlich Marschmusik auflegt.

Nachbericht

  • (PPP) Die volkseigene Auswahl der Republik Korea besiegt das vergebens hinterherjapsende amerikanische Team mit 2:0 durch Tore von Kim und Kim. Auf der Pressekonferenz hinsichtlich des nie gefährdeten Sieges gab Trainer Kim Kwang Min gut gelaunt und mit einem herzhaften Lachen auf den Lippen zu Protokoll: „Wir haben heute maximal 10% unseres Leistungspotenzials abgerufen. Den Sieg widme ich meinem von der Liebe zu seinem Volk heute Abend wahrscheinlich hackedicht betrunken herumtanzenden, geliebten Führer Kim Jong-Il“. Ein wunderbarer Schlusspunkt eines gelungenen Auftritts der einzig wahren koreanischen Frauenfußballmannschaft, die daraufhin in das wuselige Dresdener Nachtleben entlassen wurde.  (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Kommentator Galeske sah in der ersten Hälfte ein gutes Spiel. Diskutabel, sofern man nicht ein „zum Zehennägelschneiden oder „zum Nachmittagsschlafnachholen“ hintenanstellt. In meinen handschriftlichen Notizen prangt nur ein Satz: „Dr. Theo Zwanziger trägt ein apartes, hellblaues Baseballkäppi“.
  • In der zweiten Hälfte gleich zu Beginn mehr Leben in der Bude. Hong im Tor der Nordkoreaner fängt jedoch alles weg. Wo Ball, da Hong. Bis zur 54. Minute, als Cheney frech gegen die Laufrichtung der Keeperin köpft. Die Asiatinnen schlagen zurück, auch Hope bleibt nicht mehr länger Solo im Torraum, es begegnen sich Ball und Latte. Die USA nun drängender, mit echten Torchancen. Ein Kopfball touchiert die Latte, wenige Minuten später könnte Buehler aus dem Hintergrund schießen, schießt und Tor! Sah nicht so gefährlich aus, kam aber scharf und flach, das schmeckt Hong nicht, sie mag es eher mild und halbhoch. 76. Minute, das sollte es gewesen sein. Noch ein nicht gegebenes 3:0, kurz danach Abpfiff. Letztlich verdienter Sieg der Amerikanerinnen, die ein Titelaspirant bleiben. Von der nordkoreanischen Auswahl bin ich ein wenig enttäuscht.
  • Ich verfolge ja die ganzen Vor-, Zwischen- und Nachberichte der übertragenden Fernsehsender nicht, weil ich parallel meine Texte schreiben muss. Als ich heute allerdings das Paar Silke Rottenberg und Sven Voss sah, spürte ich fast durch den Schirm die Enttäuschung der ehemaligen deutschen Torhüterin, dass Oliver Kahn nicht für diese WM zur Verfügung stand. Man hätte so gut zueinander gepasst, sich so gut austauschen, ergänzen oder ja, vielleicht auch mal gegenseitig zärtlich in den Nacken beißen können. Sven Voss wirkt dagegen im Zusammenspiel mit ihr wie Thomas Anders in der Spätschleimphase, der sich ständig vor Cynthia Rothrock ducken muss.