Spanien gegen Niederlande 1:5 (!!!!!!)

Kommt der Spanier zum FIFA-Sepp und sagt: „¡Hola amigo!, ich würde gerne wieder Weltmeister werden“. „JETZT IST ABER MAL GUT!“, empört sich da der Sepp lautstark, damit es jeder hören kann. Dann legt er dem Señor die Hand auf die Schulter und flüstert verschwörerisch: „Da wäre nun langsam aber wirklich ein Gebührli fällig, oder?“

  • Ein dummer, fiktiver Witz, der aber doch einen Kern an Wahrheit in sich trägt. Schon wieder Spanien wäre irgendwie langweilig und eigentlich nur für Weltenbrandfreunde interessant, wenn die Iberer auf dem Weg dorthin Brasilien ausschalten sollten. Was theoretisch schon im Achtelfinale passieren kann! Aber soweit wollen wir nicht gewaltfantasieren.
  • Spanische Mannschaften haben die Champions League und die Europa League gewonnen und erschreckenderweise finden sich viele aus deren Reihen auch im Nationalteam wieder. Die Recken Casillas, Ramos, Xabi Alonso, Xavi, Iniesta oder Villa, die das Finale von Südafrika trotz aller niederländischer Bemühungen körperlich verarbeiten konnten, sind freilich älter geworden. Allerdings lauert mit u.a. Koke, Juan Mata, Cazarlo und Diego Costa schon die nächste Titelklaubergeneration mit gespitzten Krallen. Vor allem Diego Costa ist ein echter Strafraumräuber, der alle klassischen Stürmertugenden in sich vereint und der dir beim Begriff „falsche Neun“ zur Demonstration mit dem Ball die Zähne aus dem Mundwinkel schießt.
  • Der niederländische Coach van Gaal führte hierzulande während seiner Zeit bei Bayern München die Redewendung „Tod oder Gladiolen“ in den verwunderten Sprachgebrauch ein. „Van der Vaart oder Robben“ trifft es in Bezug auf die Mannschaft eher, denn zwischen diesen beiden Extremen scheint alles möglich. Die Truppe hat eine überragende Qualifikation gespielt, vorne ist mit van Persie, Robben und Sneijder noch genug Klasse drin. Andererseits fehlt mit Kevin Strootman verletzungsbedingt ein funkelndes Juwel im Mittelfeld, die Abwehr ist erschreckend jung und möglicherweise nagt das frühe Ausscheiden bei der EM 2012 mit null Punkten am Selbstvertrauen. Wie auch schon damals können die Niederländer nur dann mein Herz wärmen, wenn sie den Schalker Klaas-Jan Huntelaar spielen lassen. Machen sie aber wahrscheinlich nicht.
  • Lustig könnten die Interviews mit van Gaal werden, denn der Mann ist ein Meister der perfektionierten Unberechenbarkeit, wie dieser Artikel anschaulich darstellt. Sollten die Oranjes diese heutige Partie mit 0:4 verlieren, hätte ich gerne Jochen Breyer im Interview mit van Gaal und der Eröffnung: „Na, Louis, schon zeitig die Tulpen eingepflanzt, damit sie pünktlich zur Heimreise blühen?“
  • Tippmäßig war ich schlimm unentschlossen und setzte auf „under 2,5“, also dass weniger als 3 Tore fallen. Vorher muss aber eben auch Kamerun gegen Mexiko gewonnen haben, was zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch nicht der Fall war. Hat sich dank KAMERUN!!!!!! erledigt.

  • Dicke Gladiolen für die Oranjes und der kleine Tod für Spanien. Moment, ich muss kurz nachfragen: Habe ich eben ein Testspiel gesehen und die in den weißen Trikots waren Gibraltar? Nein, das war ein verdammtes WM-Spiel und der amtierende Europa-Welt-Europameister ist vom Platz geschmirgelt worden!
  • Ich hatte mit einem 1:0 nach reichlichem Rumgeknoddele gerechnet. Vielleicht 2:0, wenn die junge Abwehr der Holländer Lehrgeld hätte zahlen müssen. Und nach dem Elfmeter sah es auch danach aus. Ob Diego Costa da nun wirklich gefoult worden ist, dürfte strittig bleiben. Ich sag’s mal so: wenn du dich so täuschend gut filigran statt plump hinlegen kannst, dass es wie ein Foul aussieht, fällt das unter den Kunstbegriff und ist daher schützenswert. Machte am Ende eh keinen großen Unterschied.
  • Der Ausgleich ein Traum, von dem Engländer heute Nacht noch Ergüsse bekommen dürften. Robin van Persie rushet und headet wonderfully nach kick from far outside. Spaniens Abwehr um Ramos schaut interessiert nach.
  • Zweite Hälfte: Aufruf der Chaostage in der spanischen Verteidigungszone. Vogelwild wäre da schon ein untertriebener Ausdruck. Robben dribbelt alle in die Steinzeit und trifft zum 1:2.
  • Das 1:3 dann wieder ein Schiedsrichterfehler, dem die Spanier die große Genickbrecherqualität anhängen werden. Hätte wegen eindeutiger Behinderung des Torwarts nicht zählen dürfen. Im dritten Spiel der dritte Aussetzer, so langsam sollte man wohl den Begriff „FIFA Referee Mistake“ (TM) markenrechtlich schützen lassen. Frédéric hat Recht – wenn es so weitergeht, kommt bald das Publikumsvoting per Handy.
  • Casillas danach im „Einer geht noch“-Modus, van Persie schiebt kurz vorm Lachkrampf ein zum 1:4. Robben kurvt alle ins Nirvana, 1:5. Und es hätten locker noch 2-3 Tore fallen können. Fragt mich morgen früh nochmal, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich nicht doch von einem Freundschaftsspiel Gibraltar gegen Niederlande geträumt habe.

Tore:

1:0 Xabi Alonso (27., Elfmeter)
1:1 van Persie (44.)
1:2 Robben (53.)
1:3 de Vrij (64.)
1:4 van Persie (72.)
1:5 Robben (80.)
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Japan – Schweden 3:1

Vorbericht:

  • Dürfen die jetzt Weltmeister werden? Man wird ja wohl mal noch fragen dürfen. Jedesmal, wenn es für die deutsche Elf wieder nicht für den Thron gereicht hat, fangen die Diskussionen an. Soll die Mannschaft, die uns rausgekegelt hat, den Pokal holen? Auf dass wir uns zufrieden mit einem „Uns hat nur der Weltmeister was anhaben können“ auf den Lippen zurücklehnen können? Oder gönnen wir es den Fieslingen nicht, die so dreist unseren großen Traum zerstört haben? Bei den Männern ist die Antwort leicht: klares Nein bei Italien, aktuell wegen der jüngeren Geschichte auch bei Spanien. Klares Ja, wenn die Sieger auf dem Weg noch den Holländer ausschalten.  Klare Fangfrage, wenn man den Engländer ins Spiel bringt, denn der setzt sich doch nie gegen uns durch.
  • Nun sind aber all diese deutlich definierten Nationen nicht mit ihren Frauenmannschaften vertreten. Stattdessen Japan, die unermüdlichen Racker, die neben Freistößen und Flanken jetzt auch die disziplinierte Abwehrarbeit perfektioniert haben. Freilich regt sich in diesem Fall der „Jetzt-lass-die-doch-auch-mal“-Instinkt wegen Erdbeben, Atomunfall und den freundlichen „Thank you for your support“-Bannern, die sie am Ende des Spiels immer umhertragen. Anständig sind sie, nett sind sie, bescheiden sind sie, die würden sich sogar bei Marta entschuldigen, wenn sie ihr im Weg stehen sollten. Oder Schiedsrichterinnen applaudieren, die sie grundlos ihre Elfmeter wiederholen lassen.
  • Ich denke, ich entscheide das nach dem Spiel gegen die Schwedinnen. Da müssen die Töchter Nippons aber anders spielen als gegen uns. Wieder die 120 Minuten-Rumwusel-Taktik mit einmal ins Tor schießen wäre mir zu wenig. Sollten sie jedoch gegen die körperlich überlegenen Nordfrauen spielerisch was reißen, wäre ich der letzte, der sich weigerte, sich einen großen roten Punkt ins bleichgeteinte Gesicht zu malen.
  • Schweden bleibt die Überraschungsmannschaft dieser WM. Nach den ersten beiden Spielen hätte ich denen im Idealfall eine knappe Niederlage gegen Brasilien im Viertelfinale zugetraut. Jetzt können sie mit Lisa Dahlkvist die Torschützenkönigin des Turniers stellen, so die Mittelfeldspielerin noch einmal, besser zweimal einnetzt. Lotta Schelin hingegen ist eh schon jetzt meine Torjägerin der Herzen. Keine jagt schöner, da wird das Treffen zur Nebensache.
  • Lottchen hat übrigens aktuell Nase, also Schnupfen. Das wird sie aber weder am Einlaufen, noch an der Aufführung des sogenannten Logobitombo hindern, dieses kleinen hoppsenden Ausdruckstanzes nach einem Treffer. Nicht mal Wikipedia weiß dazu Genaueres, aber ich denke mir jedesmal, dass bei seiner Entstehung sanfte psychoaktive Drogen im Spiel gewesen sein müssen. Übrigens ein Import aus Schelins Vereinsmannschaft Lyon, denn der gemeine Schwede drückt seine innersten Gefühle exklusiv beim Headbangen aus.

Nachbericht:

  • Ich sage Ja zu Japan. Diese blau-weißen Rasenroboter, die heute Abend die staksigen Schwedinnen mit ihren Pässen und Schüssen vom Platz kombiniert haben, dürfen sehr gerne Weltmeister werden. Spätestens als Homore Sawa das 2:1 mit dem Kopf erzielte, hatte die Nadeshiko auch mein Herz erobert.
  • Dabei legten die Schwedinnen mit dem 0:1 so gut vor. Einen kleinen Aussetzer in der Verteidigungs-KI eiskalt mit einem gelungenen Schuss ins Tor ausgenutzt. Doch nach Öqvist kam nur Ödmist. Wo die anderen Teams in Sachen Laufbereitschaft, Kondition und Aufbauspielstörung viel dazugelernt haben, sind die Japanerinnen beim Pass-Spiel aktuell die absolute Macht im Frauenfußball und demonstrieren das in der Folge.
  • Und wenn der Kopf nicht dran kommt, dann nehmen sie eben mittels eingesprungenem Karatetritt die Kugel mit auf den Weg über die Torlinie. Kawasumis Ausgleich wird in die Kategorie der Irgendwiehalt-Treffer eingehen. Zu dem Zeitpunkt spielen eh nur noch die Asiatinnen, bestimmen anders als noch gegen uns die Partie.
  • Klar ging dem 2:1 ein Fehler der schwedischen Keeperin Lindahl voraus. Aber das Ding mit dem Kopf reinzustubsen, ist schon besonders niedlich. Bleibt noch der zweite Treffer von Kawasumi zu erwähnen, die einen herausgefausteten Ball mit technischer Präzision und flink aus gut 30 Metern ins leere Tor versenkt. Es bleibt bei der schon anlässlich der Männer-WM gelernten Faustregel: man darf Japaner nicht alleine mit dem Ball lassen – unabhängig vom Geschlecht.
  • Japan gegen die USA lautet also die Finalbegegnung. Abby Wambach shampooniert sich angesichts der Art ihrer bisher erzielten drei Tore bestimmt schon die Kopfhaut. Mit einer Leistung wie heute Abend gegen Frankreich wird aber auch ihr Team gegen diese faszinierenden Ballexpertinnen aus dem fernen Osten auf größere Probleme stoßen.

Niederlande – Spanien 0:1

Vorbericht

  • Wer wird denn nun anstelle von uns Weltmeister? Spanien. Sagt jedenfalls Orakel-Krake Paul und so langsam bin ich kurz davor, das Viech für unfehlbar zu halten und einen Termin zur Ausrufung der Rückkehr von Cthulhu anzuberaumen. Gut, dass das Achttentakel nun in Glibber-Rente geht, sonst müsste die FIFA für die nächste WM nur noch einen Glastank an den Anstoßkreis schleppen, kurz die Hymnen der beteiligten Mannschaften bei dem Einlassen der Kisten anstimmen, Krake rein, Ergebnisbestimmung, Interviews mit den Trainern, Abgang. Würde Kosten sparen und so den Gewinn für Sepp & Co mächtig steigern. Wer nun Assoziationen irgendwelcher Art zwischen den Begriffen „FIFA“ und „Krake“ auf der Zunge spürt, sollte sie übrigens runterschlucken. Hab ich eben auch getan. Da kommen keine Anwälte mächtiger Fußballorganisationen mehr dran.
  • Wem drücken wir denn nun die Daumen? Das ist die nächste Frage. Der Niederländer ist laut eigener Nationalhymne ja von deutschem Blut (Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van Duitsen bloed), so dass man sagen könnte: „Hey, wenn schon nicht wir, dann halt was aus unser aller Herzpumpe“. Andererseits fährt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit heute Abend dann halb Holland über die Grenze und hält unsereins in den kommenden Jahrzehnten vor, dass man den Spanier besiegt hat, an dem wir noch gescheitert waren. Und dass sie einfach abgeklärter waren, deutscher gespielt haben als die Deutschen. Das im Zusammenwirken mit einem Grinsen in Mark van Bommels Gesicht lässt die Wahl schon deutlich schwerer werden.
  • Der Spanier hingegen könnte dem Größenwahn anheimfallen. Deutschland geschlagen, Weltmeister geworden, dazu immer noch amtierender Europameister, zu Hause nennen sie manch international eher erfolglose Mannschaft auch schon die Galaktischen. Die Schweizer würden darüber hinaus total durchdrehen und sich als Welt- und Europameisterbezwinger feiern lassen, niemand in der Folge des Überschwangs auf den CERN-Teilchenbeschleuniger aufpassen und wir verschwänden alle in einem fußballrunden, schwarzen Loch. Kurzgefasst: das Gleichgewicht der Fußballmächte würde schwer gestört werden. Weitere Folge eines spanischen Triumphs wäre aber auch, dass sich Neuseeland als einzige unbesiegte Mannschaft des Turniers brüsten könnte. Die dürften das Ende der Welt dann schon leichter akzeptieren und im Jenseits fortan für alle Ewigkeit den Australier aufziehen.
  • Am Ende entscheiden vielleicht sogar die königlichen Hoheiten. Nach jahrelangem Studium der „Echo der Frau im Spiegel mit Herz“ weiß ich glasklar Bescheid – Throninhaber- und Thronfolgerpaare kennen eigentlich nur zwei Gefühlszustände. Entweder ist was unterwegs („Sie hält seine Hand, er schaut an ihrem pastellfarbenen Kostüm herunter und lächelt. Sehen wir da etwa ein süßes Babybäuchlein? Sozialpsychologin Dr. Sigrun Bloed-Kuh analysiert“) oder es kracht hinter den Kulissen („Sie sucht seine Nähe, doch er hat nur Augen für das Spiel auf dem Platz. Hach! Wie lange geht das noch gut? Laut zuverlässig informierter Quellen vom Hofe soll sie nachts sehr oft weinen“). Mir gefallen die jungen Oranje-Thronfolger schon ein bisschen besser, aber heute soll ja auch der König von Spanien anwesend sein. Auch hier wieder der Blick in die niederländische Hymne: „Den Koning van Hispanje heb ik altijd geëerd. Den König von Spanien hab’ ich allzeit geehrt“. Das könnte direkt nach Abpfiff Krieg geben. Der Spanier weiß schon, weshalb er seiner Hymne immer noch keinen Text angedeihen lassen hat.
    • Ich entschuldige mich für den letzten Absatz. Da ist etwas mit mir durchgegangen. Wir sind hier in einem Fußballblog, also analysieren wir einfach kritisch die vorhandenen Spieler. Denn entscheidend ist auf dem Platz (hier übrigens die anderen Mannschaften dieser WM).

    • Meiner Meinung sind deutliche Vorteile für Holland zu erkennen. Dirk Kuyt liegt in meiner Gunst weit vorne, Mathijsen, Robben und Sneijder könnten spielentscheidend sein, mit van der Vaart hat man noch einen Trumpf in der Hand.

  • Der Spanier setzt mit Iniesta, Puyol, Ramos und Xavi gut dagegen – ich denke allerdings, dass Bert von Marwijk am Ende den besseren Riecher haben wird.
  • Wie immer die verehrte Leserschaft auch ihre Sympathien verteilt, ich schaue mir das Finale ganz gelassen an. Der Verlierer wird mit ziemlicher Sicherheit mehr geknickt sein als unsere Jungs vor vier Tagen. Denn wir haben bereits drei WM-Titel. Einer der beiden heute Abend wird die verpasste historische Chance bejammern müssen.

Nachbericht

  • Das war’s. Spanien ist Weltmeister, Holland zumindest für ein Spiel der Weltmeister der Härten (de Jong, van Bommel) und wir sind Weltmeister der Herzen, weil wir ohne Zweifel den besten und herzerfrischendsten Fußball des Turniers gespielt haben. Ich habe den beiden Finalteilnehmern extra noch die Chance gegeben, besser zu sein als wir – aber das haben sie vermasselt.
  • Ein bisschen langweilig war es ja schon und als selbst Jesus (Navas) den Zuschauer nicht erlösen wollte, hatte ich schon das Bild vor mir, wie die Spanier im Elfmeterschießen an ihrer zu ausgefeilten Technik scheitern. So aber versenkte Iniesta tatsächlich eine der gegen Ende herausgespielten Chancen zum 1:0. Ich denke, das ging auch in Ordnung. Ini ist ja die Abkürzung meines Nicknames, esta bien hintendran geschoben ergibt ein: „na gut“ und so lässt sich das ganze Finale zusammenfassen. Iniesta esta bien. Iniesta, na gut.
  • Nicht unterschlagen darf man das persönliche Muskel-Drama des Arjen Robben. Vor der WM verletzt, daraufhin bei einer Mischung aus Spezialdoktor und Medizinmann in Behandlung. Auf der Bank sodann die ersten Spiele hindurch die Oberschenkelmuskulatur gedehnt, bis sich die Kollegen durch das davon ausgehende, hochfrequente ZING!-Geräusch belästigt fühlten. Als er aber nach guten Bewegungen in den Ausscheidungsspielen samt Kopfballtor(!) im Halbfinale schließlich auf dem Weg zur Krönung alleine auf Iker Casillas zulief, machte prompt der Lupfmuskel zu. Keine Ahnung, wie der Lupfmuskel medizinisch korrekt heißt und wo er im holländischen Fußapparat bei aufkommender Torschuss-Panik zu finden ist, aber Arjen hätte sicherlich alles dafür gegeben, ihn zu aktivieren. Oder auf das spärlich behaarte Haupt ausweichen zu können. Wofür das Spielgerät aber wohl etwas zu dicht an der Grasnarbe lag. Obwohl: nach der vergebenen Chance hing der Kopf des Rasenwühlers tief genug. Um das Drama noch zu steigern, ärgerte sich Robben wegen seines Versagens und mangels Bauches eben ein Loch in den betreffenden Muskel. So hätte ich jedenfalls als Fußballverband seine aktuelle Verletzung erklärt und sämtliche Ansprüche der Münchener Bayern zurückgewiesen. Aber mich fragt ja keiner.
  • Ich für meinen Teil verabschiede mich nun auch von diesem Blog. Die nächsten Wochen werde ich leider die weiteren Reaktionen nicht mehr verfolgen können, denn der Teamarzt hat mich heute gedrängt, im Laufe des Tages ein Krankenhaus seines Vertrauens aufzusuchen. Ich bedanke mich für alle Kommentare, Verlinkungen, Lobpreisungen in Wort und flattr-Punkten. Bis zur EM 2012!
  • Schließen möchte ich wie schon bei der EM 2008 mit einem Lied. Vielleicht dem Lieblingslied von Jogi Löw, der ja ein großer Fan des Laufens ist – Diamond Head mit „Run“ aus dem Jahre 1993:

Diamond Head – Run auf Grooveshark anhören


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Deutschland – Spanien 0:1

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Was will er denn überhaupt, der Spanier? Von Null auf Hundert gleich alle Titel einheimsen? Erst Europameister und nun Weltmeister? So geht’s aber nicht. Stück für Stück ans Glück, lautet das Motto. Unsere Jungs mussten 1998-2002 auch durch ein Tal der Tränen wandern. 02 Vizeweltmeister, bei der EM 04 blamiert, Trizeweltmeister 06 im eigenen Land, Vizeeuropameister 08 und jetzt bietet sich als Belohnung für die ganzen Mühen einfach mal als Steigerung das kollektive  Trophäe-in-den Abendhimmel-Schwenken am Sonntag an. Der Iberer hingegen hatte zugegeben auch seine Durststrecke, aber nun torkelt er wie ein Lottogewinner in die Annahmestelle rein, legt den Schein auf den Tisch und ruft: „Fräulein, dasselbe bitte nochmal!“. Das kann doch einfach nicht klappen. Dem Franzosen ist bekanntlich das Double 1998 und 2000 in umgekehrter Reihenfolge gelungen, aber man sieht ja, was daraus geworden ist.
  • Mein persönliches Verhältnis zum Spanier ist zwiegespalten. Gerne erinnere ich mich, wie er mir 2008 in der Vorrunde durch einen völlig unnötig gewordenen 2:1-Sieg gegen Griechenland über 210 Euro in die Tippkasse spülte. Da verzieh ich ihm sogar das 1:0 im Finale gegen uns, weil wir in den 90 Minuten ehrlich gesagt auch ziemlichen Mist auf dem Rasen verteilt hatten. Aber 1984 vergesse ich den sonnengebrannten Strandtänzern nicht! Das war die erste EM, die ich als Fan bewusst miterlebt habe (1980 war ich gerade 9 Jahre alt und schwer von meiner Lustiges-Taschenbuch-Abhängigkeit wegzukriegen) und ebendort kickten uns die Spanier in der Vorrunde raus. IN DER VORRUNDE! Ich seh noch vor mir, wie der Kopfball eine Minute vor Schluss am Schumacher Toni vorbei ins lange Eck fliegt. Der Toni war damals mein Held, hatte im Spiel einen Elfer gehalten, ein Unentschieden hätte uns gereicht, das konnte man doch nicht machen! Europameisterschaften waren für mich von da an scheiße.
  • Doch zurück ins Hier und Jetzt. Fernando Torres, der derzeit sympathischste Neben-Sich-Her-Läufer der Spanier, quasi der Gegenentwurf zu unserem Weltklasse-Klose, soll angeblich nicht spielen. Gemein! Dahin ist meine Taktik, David Villa in Manndeckung nehmen und den Torres halt einfach vogelwild rumlaufen zu lassen. Dank frischer Informationen aus dem kicker kann ich dem Jogi aber direkt den nächsten Knaller anbieten. Ich zitiere folgende Sätze aus der aktuellen Ausgabe (Seite 32, letzter Absatz): „Nach dem Training im Quartier in Potchefstroom hat er über Skype (Videotelefon) regelmäßig Kontakt mit den Töchtern Zaida und Olalla. Ansonsten habe er ja den Blockbuster „Lost“ im Gepäck.“ Für mich als Kenner der Serie wäre die Sache damit klar: bei einem harmlosen Plausch im Strafraum in Erwartung einer Ecke plötzlich knallhart und unvermittelt das Finale der Show nacherzählen! Notfalls in Spanisch. Der Hansi könnte auch Texttafeln bemalen oder den Stadionsprecher bestechen: „Una información importante por señor David Villa: el final del Lost no bien. Mucho mysterio existencio“. Davon erholt sich der Stürmerstar garantiert nicht mehr („Que? NOOOOOOO!“), der trauert doch mindestens 90 Minuten den ganzen ungeklärten Mysterien nach. So wie ich damals Ende Mai.
  • Bei uns im Kader ist derweil der Platzhirschkampf ausgebrochen. Ballack gegen Lahm. Beide wollen Kapitän sein. Tja, die beiden mit kapitalen Achtendern, das stelle ich mir schon als leicht unfaires Duell vor. Dem Philipp mit seinem kleinen Kopf würde doch bestimmt jedesmal das Geweih abrutschen. Unser aller Lieblingsmüller hingegen darf gar nicht mitspielen, statt seiner läuft wohl Piotr „Muss schießen!“ Trochowski auf. Vielleicht gar keine schlechte Idee, der Iker Casillas im Tor schien mir nicht so sicher drauf zu sein. Soll an seiner Liaison mit einer spanischen TV-Journalistin liegen (kicker, Seite 31, erster Absatz). Sensationell, was man so alles erfährt. Der Hund von Xavi heißt übrigens „Tor“. Auf spanisch oder deutsch stand nicht dabei.
  • Der Spanier ist kein Engländer und auch kein Argentinier, würde Kaiser Franz in seiner unglaublichen Völkerunterscheidungssicherheit sagen. Der Spanier ist eingespielt, kennt die Laufwege seiner Muchachos, steht hinten geordnet und vorne kurzpasst er seinen Gegner ins Koma, wenn man ihn lässt. Aber Jogi ist vorbereitet. „Laufen, laufen, laufen“ heißt erneut das Motto. „Ein frühes Tor hilft immer. Druck aufbauen im Mittelfeld. Chancen effizient nutzen. Und wenn alles nichts bringt, ziehe ich meinen blauen Glückspullover an und bohre das ganze Spiel konzentriert nach Nasengold“.
  • Gerade fällt mir ein, dass ich ja am Boden zerstört sein muss. Denn der Kraken-Paul, das WM-Orakel hat einen Sieg der Spanier vorhergesagt. Das ist doch erbärmlich, dass man an so etwas glaubt. Das arme Viech hat doch keine Ahnung von Fußball. Hat stundenlang herumgeeiert, um das Weiterkommen gegen Argentinien vorherzusagen! Das wusste ich nach drei Minuten! Wir leben in einer modernen Welt, Vorhersagen gehören doch in die Zelte von herumwanderndem Gesindel auf dem Jahrmarkt. Streng davon zu trennen sind natürlich sich wissenschaftlich verfestigende Tendenzen. Wie zum Beispiel jene, dass heftiges Drücken des flattr-Buttons hier unten sich wohltuend auf die deutsche Spielsouveränität auswirkt (wenn das wirklich diesmal wieder klappt und ich die Krake aus dem Rennen schmeiße, setze ich für das Finale eine 100 flattr-Punkte-Untergrenze).

Nachbericht

  • Aus und vorbei. Der Kraken-Paul hat doch mehr Ahnung als ich. Unsere Jungs sind vom alten Kampfpudel Puyol aus dem Turnier gebissen worden und ich kann leider nicht einmal behaupten, dass es unverdient gewesen wäre. Die DFB-Elf kam mir heute vor wie eine Rockband, die monatelang in der Garage geübt, danach drei großartige Auftritte auf Festivals hingelegt hat und nun auf der Bühne von „Rock am Ring“ steht und zitternd versucht, die geilen Songs von hastig beschriebenen Notenblättern nachzuspielen. Zu respektvoll, zu verkrampft, nicht frech, sondern gehemmt und unkeck. Und Fußball mit respektvollem Krampf im Bein ist wie nach Noten gespielter Rock’n’Roll: damit kommst du nicht an die Spitze.
  • Schon die ersten 15 Minuten roch es nach Ernst-Happel-Stadion in Wien vor knapp 2 Jahren. Diesen Pedro statt dem Torres zu bringen war aber auch wirklich eine Gemeinheit von del Bosque; den hätte ich viel früher ausgewechselt. Aber als Deutscher hatte ich da ja kein Mitspracherecht. Um die 60. Minute brannte es hinten bei Neuer, zu dem Zeitpunkt betete ich schon für ein deutsches Fernschusswunder, weil sonst wohl nichts beim Spanier reingehen würde.
  • Kroos hätte es machen können. In der 69. Minute. Wäre nicht verdient gewesen, aber egal. Ich hätte es überwinden können. Eine gute Flanke von Podolski, der Toni haut aber nicht satt genug drauf, sondern schießt auf Iker Casillas, der wieder erschreckend wenig zu tun bekam. Wie 2008. Sogar das Ergebnis stimmt mit dem von damals überein. Mist.
  • 78. Minute. Ein großes Wehklagen durchzieht deutsche Wohnzimmer und Public Viewing-Stätten. Der Kommentator hat soeben den Namen erwähnt, der kollektive Hoffnungslosigkeit verbreitet. Gefühlte 732 Mal haben wir in der Bierwerbung gesehen, wie er sich mit dem Kopf gen Ball reckt und der arme dunkelhäutige Verteidiger zu spät kommt. Sein Name: Mario Gomez Garcia. Drei Minuten später ersetzt er Khedira. And then there was nothing. Und es ward nichts. So fühle ich mich derzeit auch im Inneren. Glückwunsch Spanien. Ihr habt es spannend gemacht (vor allem erwähnter Pedro noch mit sehenswerter Großchancenverstolperung). Jetzt werdet halt Weltmeister.


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Paraguay – Spanien 0:1

Vorbericht

  • ERST DER GAUCHO, DANN DER ESPANERO! WIR MACH’N EUCH ALLE NASS, DAS WIRD EIN RIESENSPASS. STRENGT EUCH HEUTE ABEND NICHT ZUVIEL AN, IHR SPANIER, DAMIT IHR AM MITTWOCH NICHT SCHON NACH DEM 3:0 ZUR HALBZEIT ZU MÜDE SEID! OLÉ OLÉ OLÉ OLÉ OLÉ!
  • Was soll ich mich jetzt groß mit Halbfinalgegnern abgeben? Unter dem Niederländer machen wir es doch gar nicht mehr. Der Villa kann schon mal üben, wie es ist, ohne Tor und Chance vom Platz zu watscheln. Messi wird ihm da einiges erzählen können.
  • Aber jetzt mal unter uns: den Paraguayer will ich nicht weiterkommen sehen. Der hat mich gegen den ebenso spielerisch öden Japaner dermaßen abgeschreckt, das will ich nicht in unserem Halbfinale haben. Zudem sein Trainer für heute schon angekündigt hat, dass Mauertaktik angesagt ist. BUH! Allein für den Spruch gäbe es von mir schon einen Satz gelbe Karten für alle direkt zum Anpfiff.
  • Für diesen Absatz ist mir nichts eingefallen. Es ist heiß, Deutschland ist gerade Südamerikameister geworden und ich bin am Feiern.  Ach ja, ein kurzes Danke für die 30 Flattr-Punkte im vergangenen Monat (=6,19 Euro). Und jetzt alle: OHH WIE IST DAS SCHÖN, OH WIE IST DAS SCHÖÖN, SO WAS HAT MAN LANGE NICHT GESEH’N, SO SCHÖN, SO SCHÖÖN!

Nachbericht

  • Ich hab mir natürlich einen großen Notizblock parat gelegt, um dieses Spiel auch mit Blick auf das Halbfinale mit unseren Edelkickern analysieren zu können. Hier meine Einträge der ersten 45 Minuten: Paraguayer schießt nach einer Minute bereits aufs Tor. Ganz schön frech/ So, zu dem Zeitpunkt haben wir aber schon geführt/ Überlegen sind die Spanier aber noch nicht/ Wir müssen uns da nicht verstecken/ Also, das Niveau haben wir auch drauf/ Hey, wir waren aber doch besser als das Gewurschtele/ Nein, wirklich jetzt. Wir waren viel besser/ Die machen wir alle am Mittwoch/ Wir sind die Besten! Olé Olé Olé/ Valdez schießt ein Tor? Kann nicht sein. Ah, war’s auch nicht/ Was mache ich denn am Sonntag nach dem Finalsieg?
  • Dem Spanier fehlt der Zug zum Tor. Nach vorn spielt er gefällig, aber wenn es zünden soll, kommt nur ein kleines Puffwölkchen raus. Verschlüsselte Notiz an Jogi: Fernando Torres weiterhin in guter Mario Gomez-Verfassung. Nun spielt der Schiri Elferbingo – jeder darf mal, der die Nummern 1-11 zusammenkriegt. Cardozo mit schöner Verschießleistung. Höchststrafiger geht es wohl nimmer, wenn der Torwart deinen Elfmeter festhält, Bursche!  Besser schon der Versuch von Xabi Alonso. Beim ersten Mal rein, beim zweiten Mal auf den Torwart. Sag mal einer dem Andi Köpke, dass er das aufschreiben soll! Herzhaft, wie der paraguayische Keeper im Nachsetzen Fabregas von den Beinen holt, aber der Unparteiische hat das Experiment „Entscheidung vom Punkt“ nun beleidigt aufgegeben.
  • Typisch für den Spanier: einen klumpt er doch noch rein. Iniesta läuft plötzlich mit Ball am Fuß an einem Verteidiger vorbei Richtung Strafraum und bedient Pedro. Der trifft den linken Pfosten, bevor Villa den Jabulani billardmäßig hinter die Linie zirkelt. Später wird Santa Cruz bei einem Nachschuss gegen Casillas noch zeigen, dass er die Zeit des Roquens auch hinter sich gelassen und auf Chancenvergabe umgesattelt hat. Damit geht es für uns am Mittwoch gegen die roten Furien. Ich sag mal: machbar.

Spanien – Portugal 1:0

Vorbericht

  • Das kann nur besser werden. Hat jemand die spielerische Einöde zwischen Japan und Paraguay überlebt? Ein paar vom Wind angetriebene Heuballen auf dem Feld wären das Highlight der Partie gewesen. Noch schlimmer: mir war so was von egal, wer da rausfliegen würde. Am Ende hätte ich denen beiden die Rückflugtickets bezahlt, nur damit sie endlich aufhören.
  • Bei Spanien gegen Portugal ist das anders. Da gibt’s Drama, weil ein Turnierfavorit oder ein Möchtegernspieler-des-Turniers-Favorit nach Hause fahren muss. Die Drama-Queen des Fußballs ist in jedem Fall dabei, ich schreib jetzt aber nicht nochmal extra den Namen hin.
  • Sorgen macht man sich schon um den Spanier. Offensichtlich gelangweilt hat er sich in seiner Gruppe. Hat nicht gezaubert, sondern meist mürrisch vor sich hingetüdelt und dabei nie mehr als 2 Tore geschossen, war einmal sogar im schweizer Sturm mit 0:1 untergegangen (das war jetzt Sarkasmus). Der Portugiese hingegen ist einmal explodiert und zweimal eingeschlafen. Vor allem das Spiel gegen Brasilien habe ich ihm persönlich übel genommen.
  • Wer immer gewinnt: spielt besser als die Gurkentruppen von heute Nachmittag und schießt danach den Paraguayer raus. So. Ich bin durch. Nach dem Spiel sind zwei Tage Pause. Die müssen jetzt auch wirklich sein.

Nachbericht

  • Das ging schon eher Richtung Fußball, sag ich mal. Furioser Auftakt der Spanier, die schießen gleich drei Mal in den ersten 5 Minuten aufs Tor – ich hab‘ mich richtiggehend erschrocken. Der Portugiese hingegen mit dieser „Ich hab die Ordnung schön“-Abwehrformation aus dem José Mourinho-Studio, die ich so gar nicht leiden kann. Da spielt die #2 gegen die #3 der Weltrangliste und Portugal stellt sich hinten rein, als wär’s Aserbaidschan gegen Brasilien.
  • Ich hatte schon meine Befürchtungen, denn der Portugiese machte von Minute zu Minute weniger. Er guckte ein paar Mal, dass Iker Cassilas auch nicht alles kunstvoll wegfängt, was auf den Kasten kommt und spurtete dann hurtig schnell zurück zu Papa Eduardo in die Verteidigungszone.
  • Insofern war das 1:0 eine kleine Erlösung. Villa mit links scharf flach, dann mit rechts angelupft – der Kerl hat zwei echte Multifunktionswerkzeuge unterhalb des Beckens. Ja, okay, es war wohl knapp Abseits. Aber in dem Moment sag ich: lasst das den Schiri regeln und spart euch die Kosten, um den Platz zum Magnetfeld zu machen oder Kameras in jede Grasnarbe zu drücken. Wenigstens ist jetzt Cristiano Ronaldo draußen, das war es doch wert.
  • Bezeichnend, dass nach der Führung vom hinten liegenden Team so gut wie gar nichts kam. Außer einer Hackenflanke 30 Meter vor dem Tor. Von dem Typ, gegen den ich – das mag in den letzten Tagen zart angeklungen sein – eine leichte Antipathie hege. Nicht mal ein Torschuss kam mehr auf das spanische Tor. Oliver Kahn hätte wohl nach dem Schlusspfiff zur großen Eiersuche aufgerufen.

[Das soll es gewesen sein für die nächsten zwei Tage. Bleibt diesem kleinen Blog gewogen, empfehlt ihn gerne auch weiter und schaut ab Freitag wieder vorbei]