Mexiko gegen Kamerun 1:0

  • Nachdem in Tokio heute Morgen kurz nach dem Aufstehen Millionen von Menschen verdutzt den Telefonhörer auflegten, weil eine wuterfüllte Stimme sie in osteuropäischem Akzent mit den Worten „FUCK YOU JAPAN! YOU BLIND??“ angeschrien hatte, widmen wir uns nun dem zweiten Spiel dieser WM.
  • Mexiko. Klein. Stolz. Grün. Fängt früh an, hört früh auf. Dieses Mal allerdings reisen die Nachfahren der Azteken in eher gedämpfter Stimmung an. Denn die Qualifikation war übel: nur Platz 4 in der Abschlusstabelle, erst in den Play-Offs sicherte man sich das WM-Ticket durch Siege gegen die Hobbitse aus Neuseeland. Platz 4, das bedeutet: hinter Honduras, hinter Costa Rica und vor allem hinter den USA. Das ist so dermaßen verkehrte Welt, als würde man in den Hähnchen von Burger King einen höheren Crystal Meth-Gehalt finden als in denen von Los Pollos Hermanos. Oder umgekehrt Aiaiaiai Muy Frio Acapulco den Stanley Cup gewinnen.  Oder Los Pygmaos Guadalajara die NBA-Finalspiele. Aber ich schweife ab…
  • Der mexikanische Trainer Miguel Herrera trägt den Spitznamen „El Piojo“ („Der Floh“). Bitte an dieser Stelle einen eigenen Torwartwitz einfügen. Nein, die Zeiten eines Jorge Campos sind vorbei, alle drei Keeper reißen locker die 1,80 Meter-Latte.  Die allermeisten Spieler verdienen ihre Pesos in der heimischen Liga, international bekannt sind lediglich Javier Hernandez (Manchester United), Giovani dos Santos (Villareal), Diego Reyes (FC Porto) sowie Andres Guardado (Bayer Leverkusen). Alphatier der Truppe ist der mittlerweile 35-jährige Rafael Márquez (ex-Barcelona), der seine vierte WM spielt. Wer sich übrigens in geselliger Runde als schäbiger Kulturbanause outen möchte, fängt eine Diskussion darüber an, ob der Mann nicht erst vor kurzem gestorben sei. (Das war der Schriftsteller Gabriel Garcia Márquez und der war Kolumbianer, also ganz andere Baustelle).
  • Ich hätte gerne eine neue Kategorie im Quizduell: „Prämienstreitigkeiten afrikanischer Mannschaften vor einer WM“. Ein weit zu beackerndes Feld mit vielen Facetten und immer wieder frischen Entwicklungen! Ich würde meine Gegner gnadenlos töten in dieser Kategorie. „Welche afrikanische Nationalmannschaft hatte vor der WM 2014 Ärger mit dem eigenen Verband wegen der ausgehandelten Prämien für den Fall des Gewinns der Weltmeisterschaft?“
  1. Kamerun
  2. Nigeria
  3. Ghana
  4. Alle, wie immer (Antwort: 1 sicher. 4 ist nicht auszuschließen)
  • Trainer ist der aus der Bundesliga bekannte Volker Finke. Ein ruhiger Typ mit langjähriger Erfahrung aus seiner Zeit in Freiburg ausgestattet, der die heißblütigen „unzähmbaren Löwen“ in die Erfolgsspur bringen soll. Im Testspiel gegen unsere Jungs sah das ja auch schon ganz gut aus. Als komplettes Spiegelbild zum Gegner sind alle Spieler in ausländischen Ligen aktiv. Zu beachten sind Samuel Eto’o (Chelsea), Alexandre Song (Barcelona), Stephane Mbia (Sevilla) sowie die bundesligaerprobten Joel Matip (Schalke) und Eric Maxim Choupo-Moting (noch Mainz). Kurz vor Beginn aus der Mannschaft gestrichen wurde Mohamadou Idrissou (ex-Kaiserslautern): der Mann, der schneller vom Ellbogenstoß zur gestenreichen Unschuldsbezeugung wechseln als Lucky Luke ziehen kann.
  • Tippmäßig wird es heute emotional. Nach dem Sieg der Brasilianer bin ich mit meinem Kombinationstipp noch im Rennen; für diese Partie habe ich meine Münzen auf einen Sieg der Afrikaner gesetzt, obwohl die Buchmacher eher Mexiko favorisieren. Wehe, ich werde wieder so  enttäuscht wie bei WM in Südafrika, wo ich den Namen „Kamerun!!!“ immer nur mit drei Ausrufezeichen und zuvor anklagend geschüttelter Faust schreiben konnte.

  • KAMERUN!!!!!! (The saga continues)
  • Wer zu Beginn des Spiels genau aufgepasst hat, konnte erkennen, dass beim Präsentationsvideo zur Aufstellung einer der Kameruner zu langsam war, um rechtzeitig die cool-lässige Ellbogenpose einzunehmen. Der war dann wohl während des Spiels für das Pressing bei Angriffen des Gegners verantwortlich. Wie die die Mexikaner haben laufen lassen, da kriegst du Ausschlag von. Noch schlimmer: Mein Geld ist futsch!
  • Die Daten des Spiels: #1 der Schattentorschützenliste – dos Santos mit zwei regulären, aber nicht gegebenen Treffern. In Sachen Entertainmentfaktor und Kamerapräsenz klarer Punktsieg für Herrera gegenüber Finke. 6 und 9 sind zwei Zahlen, die Thomas Wark gerne mal verwechselt.
  • Insgesamt ein verdienter Sieg der Mexikaner, weil Kamerun enttäuschte und erst zum Ende etwas druckvoller nach vorne agierte. Ich glaube allerdings weiterhin, dass von den beiden Teams keiner das Achtelfinale erreichen wird. Der erste Afrikaner ist heute schon ausgeschieden.
  • Die positive Nachricht: wenigstens klingeln heute nachmittag keine Telefone in Kolumbien, der Heimat des Schiedsrichters. Ist doch auch schon was.

Tore:

1:0 Peralta (61.)

 

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Japan – USA 5:3 (n.E.)

Vorbericht:

  • Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler ist angesäuert. Bei den letzten großen Turnieren konnte er anlässlich seiner Audienzen beim Fußballgott immer eine gute Platzierung für das DFB-Team herausholen. Diesmal jedoch schien er versagt zu haben. Überhaupt war alles anders, als er am Tag des Finales den großen Raum mit dem Eingangsschild „FIFA-Mitglieder müssen leider draußen bleiben“ betrat.
  • „Mein Gott, Walter! Finaaaaale, ohohoho. Heut‘ ist Finaaaale, ohohoho. Eschweiler, altes Schiedsrichtergestell‘, setz dich hin und greif dir ein Schnäpschen.“ „Eure Ballherrlichkeit sind gut gelaunt, so kenne ich Sie gar nicht, wenn ich das anmerken darf.“ „Mit gutem Grund“, setzte der Fußballgott an, „mir ist heute eine Auszeichnung ins Haus geflattert. Der HOLY FUCK Creative Football Design Award 2011 geht an…*trommelwirbel*… moi, meine und deine Heiligkeit! Diesmal habe ich alles richtig gemacht. Ich lese dir mal aus der Begründung der Jury vor, Walter.“ „Wenn es sich nicht vermeiden lässt, mein Gebieter.“
  • Eine gelungene Mischung aus althergebrachter Tradition, auf dem Fuße folgender Strafe, fröhlicher Unterhaltung, internationaler Härte, historischer Dimension und gewohnter Wankelmütigkeit zeichnete die Veranstaltung des diesjährigen Preisträgers aus. Das steht da, Walter, die meinen mich! Ich wusste gleich, es war eine gute Idee, die Engländer am Elfmeterpunkt versagen zu lassen. Das kommt einfach immer gut an, egal ob Frau oder Mann.“ „Mit fröhlicher Unterhaltung sind sicherlich die Schiedsrichterentscheidungen gemeint. Fand ich allerdings nicht so lustig, mein Herr.“ „Ach, Walter, sei mal nicht so spaßresistent. Ohne Fun geht doch heute im Abendprogramm einfach nix mehr. Und hier, meine Idee, das Zeitspiel und generelle Rumgeheule der Brasilianerinnen mit dem frühen Ausscheiden zu bestrafen, war auch ein Knaller. Hab ich eine saumäßige Menge SMS für bekommen und alle waren begeistert. Okay, in Brasilien sollen ein paar den Glauben verloren haben, aber nicht wirklich viele. Sind halt alles Machos da unten. Mal sehen, was ich 2014 mit denen anstelle. Da freu ich mich schon drauf.“
  • „Den Nordkoreanerinnen Doping in den Reis zu mischen war aber nicht sehr fein, Hochballwürden“, warf Walter daraufhin ein. „Ach Quatsch, das ist internationale Härte, klares Feindbild, Axis-of-Evil-Gedöns, das brauchen die Amis.“ „Und das Ausscheiden der deutschen Frauen? Fand ich sehr doof, um ehrlich zu sein.“ „Ja, Walter, ohne Wankelmut kann ich mich direkt einsargen lassen, da nimmt mich doch sonst keiner mehr ernst! Zweimal Trizeweltmeister bei den Männern und drei Mal Weltmeister bei den Frauen? Das geht ja nun wirklich nicht. Dafür lesen Historiker im Weiterkommen von Japan schon eine Parallele zu 1954. Das Wundel von Flankfult! Nippons Sommelmälchen!“
  • „Gewinnen die Japanerinnen denn nun auch das Finale, o Hüter von Ballhalla?“, will Eschweiler jetzt sanft drängend wissen. „Wäre fast fies, wenn nicht, gelle, Walter? Ich bin noch unentschlossen, habe aber extra deine Freundin, die Bibi, zur Schiedsrichterin bestellt, damit es keinen regeltechnischen Huddel gibt. Vielleicht lasse ich ja auch die Amis gewinnen und wenn sie dann nach Hause kommen, ist ihr Staat gerade dabei, bankrott zu gehen. Müsste ich freilich vorab mit dem Finanzgott besprechen, aber der düst ständig in Südeuropa rum, den kriegst du einfach nicht zu fassen.“
  • „Sag mal, willst du nicht entscheiden, Walter?“, fragte der immer noch euphorische, aber entschlussgehemmt wirkende Fußballgott. „Ich mach das schon, o Eure runde Lederigkeit“, antwortete dieser verschmitzt. Und so geschah es, dass die Japanerinnen Weltmeister wurden, weil Bibiana Steinhaus scharfäugig einen Elfmeter zu ihren Gunsten pfiff, den die Kameras erst in der dritten Zeitlupenwiederholung bestätigen konnten. Die Ehre der Schiedsrichterzunft ward wiederhergestellt, Deutschland gefeiert als die edelmütige Nation, die dem geschundenen Asiatenvolk den Vortritt überließ und Walter gönnte sich endlich das Schnäpschen aus feinsten Süßkartoffeln namens Shochu, das er beim Fußballgott hatte mitgehen lassen.

Nachbericht:

  • Ich setze mein breitestes Grinsen auf und male mir einen roten Punkt ins Gesicht: Die kleinsten Frauen sind die Größten, die Geilsten und die Besten im Frauenfußball obendrauf! Was für ein Spiel, was für eine Dramatik. 120 Minuten plus Elfmeterschießen, gekrönt von dieser einen Erkenntnis, die den Fußball so wunderschön macht. Du brauchst nicht baumlang zu sein, du brauchst nicht muskelbepackt zu sein, du brauchst nicht am höchsten springen zu können, du brauchst nicht jeden Gegner in Grund und Boden zu laufen, um am Ende bei diesem Sport zu triumphieren. Danke Japan, für den großartigen Abschluss dieses Turniers.
  • Die Nationalhymnen gaben ein wenig den Takt vor für die ersten 25 Minuten. Während die japanische Auswahl andächtig und in sich gekehrt einer getragenen Melodie lauschte, brannten die Amerikanerinnen zu ihrem „Hoppla, da sind wir“-Heimatlied innerlich alles nieder. Chance um Chance erdrücken sich die US-Damen, beginnend nach wenigen Sekunden und erst so Mitte der ersten Hälfte endend. Cheney, Wambach, Rapinoe wirbeln Frauen und Spielgerät durcheinander. Just als die Asiatinnen langsam ins Spiel finden, zieht Wambach einen Knaller ab Richtung Torwinkel. Für mich war der schon drin, aber die Latte hält wacker dagegen. Halbzeit.
  • Es ähnelt nun langsam ein bisschen Deutschland – Japan, denn die Blauen klären die Angriffsversuche souveräner, wagen sich auch einmal nach vorne. Aber es ergeben sich weiterhin riesige Chancen für die USA, doch der Ball will nicht über die Linie. Bis die Frau mit dem rosa BH den Unterschied zu bringen scheint. Ausgerechnet einen Konter schließt die eingewechselte Alex Morgan mit einem hart geschossenen Aufsetzer ab. Das müsste es wohl gewesen sein. USA all the way und so.
  • Aber nicht doch. Und hier kommt das Putzige an der japanischen Spielweise zutage. Die sind so bescheiden, dass sie selbst nicht in Führung gehen wollen. Liegen sie aber hinten, spielen sie reinsten Spock-Fußball: „Captain, wir liegen zurück, also diktiert die Logik, dass wir ein Tor erzielen müssen“. Schwupp, huschen die kleinen Rackerinnen nach vorne. Was die Amis so verwirrt, dass sie sich in Form von Buehler und Krieger im eigenen Strafraum vor Verzweiflung selbst abschießen und „Manni“ Miyama nur noch reinhauen muss. 81. Minute, es steht 1:1. Ich halte jetzt endgültig zu den Japanerinnen, die plötzlich ein paar Minuten frech auf die Entscheidung zielen und ihr Spiel Richtung US-Tor verlagern. Im Gegenzug schnüren die Amerikanerinnen sie nochmals ein, aber die Verlängerung ist nicht zu verhindern.
  • Kriegen die Amerikanerinnen nun die große Krise? Nein, denn Abby Wambach, die Stürmerin, der wir wohl alle das goldene Tor zugetraut haben, köpft krachledern und humorlos eine Flanke rein. 103. Spielminute, Zeit zum Verzweifeln, zum Aufgeben, möchte man meinen. Aber nicht mit den kleinen japanischen Rasenrobotern. Kurz das Torwärtsprogramm initialisiert und auf geht’s in die Hälfte des Gegners. Wo die Verteidigung sich schnell wieder die Fingernägel wegkaut, angefangen von Rampone über Krieger hin zu Hope Solo höchstselbst.
  • Es schlägt die Sekunde der weisen Frau Sawa. Nach einer Ecke bugsiert sie den Ball über die Linie, als wäre es ein Leichtes, einen Rückstand in einem WM-Finale(!) in der Verlängerung(!) aufzuholen. In dem Moment hätte ich als Amerikaner wirklich den Glauben an dieses Spiel verloren, denn wo die einen sich abackern, legen die anderen lässig nach. Es ist, als hätte man die Geschichte von Hase und Igel auf dem Rasen aufgeführt.
  • Im Elfmeterschießen liegen die Nerven schließlich endgültig blank bei den Titelaspirantinnen aus den US of A. Die kleine Kaihori hält den ersten Strafstoß gegen Boxx, Lloyd schießt Richtung Tribüne. Solo tut ihr Möglichstes, aber ihre Kolleginnen legen beinahe englische Kompetenz am Punkt offen. Die #4 der Japanerinnen, Kumagai, zerstört schließlich den amerikanischen Traum mit einem Hieb oben in den Winkel. Japan ist Weltmeister. Amerika am Boden. Sachen gibt’s, die gibt’s nur im Fußball. Homore Sawa holt alle von der FIFA ausgelobten Titel, den der Torschützenkönigin inklusive. Das japanische Team feiert, die neutralen Zuschauer mit ihm. Und ganz am Ende bleibt die Pointe, dass diese Mannschaft nur von den Engländerinnen geschlagen werden konnte. Auf der Insel wird man und frau sich ärgern. Der Fußballgott hatte wieder seinen Spaß.
  • Das war die Berichterstattung des unfassbar kompetenzfreien WM-Tagebuchs zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Meinen Dank an alle treuen Leserinnen und Leser, die Fans auf Facebook, die fleißigen Twitterer, Verlinker und flattr-Spender. Wir lesen uns hoffentlich 2014 wieder! Zum Ausklang und als Rausschmeisser habe ich wie gehabt ein Lied ausgesucht, diesmal eines aus dem Land der Trizeweltmeisterinnen aus Schweden: In Flames – Liberation [auf Grooveshark anhören] / [auf Facebook anhören]. Um schließlich die Gefühlswelt der Amerikanerinnen anzusprechen und wenigstens einen Song hier drinnen einbinden zu können, noch obendrauf Alkaline Trio mit „The American Scream“ aus dem frisch erschienenen Album „Damnesia“.

Frankreich – USA 1:3

Vorbericht:

  • Das erste Halbfinale mit den Drama-Queens. Und ich weiß gar nicht, von wem ich mich trennen soll. Beide lagen in der regulären Spielzeit zurück, beide trafen kurz bevor der Mannschaftsbus Richtung Heimat vorfuhr, beide gewannen im Elfmeterschießen und beide haben mir echte, herzliche Freude bereitet.
  • Natürlich mussten die Amerikanerinnen noch eine Spur epischer den Sieg davontragen, denn sie traten gegen das Böse an featuring Marta, der Meckerhexe mit dem magischen Fuß und Erika, der zaudernden Zombiefrau, die zwar nur langsam zum Fallen zu bewegen ist, dann aber hurtig von der Bahre springt und rasend schnell wieder auf das Feld spurtet. Ein Albtraum übrigens für alle Zombiefreunde, denn üblicherweise schlurfen diese Gesellinnen ja eher gemächlich. Mit ein paar Erikas allerdings wäre der durchschnittliche Zombiestreifen bereits nach wenigen Minuten rum, denn welches Opfer leistet nach einer erschöpfenden Auseinandersetzung noch Widerstand, wenn die tödliche Gefahr plötzlich putzmunter fidel wieder vor einem steht und durch ein Loch in der Schädeldecke nach seinem Gehirn puhlt? Gut, dass die US-Damen sich kurz vor der finalen Lobotomie am Spirit of the Brave sowie der Hope of the Free gepackt und am Ende doch die Welt gerettet haben.
  • Die Französinnen hingegen kamen über England im Elfmeterschießen weiter. Das ist zwar immer wieder schön anzusehen, aber so spektakulär, frisch und bemerkenswert wie die FIFA-Hymne, die beim Einlaufen der Mannschaften ertönt. Komponiert von Franz Lambert, dem Orgelgott aus Heppenheim. Muss man sich einfach mal in kompletter Länge reinziehen, da groovt es dir die Gedärme durch, da kriegst du Lust, deine alte Bontempi anzustöpseln und krasseste Sounds in den Äther zu schicken. Diese Nummer werden wir wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit hören, aber dennoch schlage ich eine Alternative vor. Das Thema zu „Game of Thrones“ in einem feinen Mashup, das meiner Meinung nach noch viele tausend Views mehr verdient hat. Nach DEM Einstieg würde ich sofort jemanden heroisch umtreten wollen:
  • Frankreichs Trainer Bruno Bini sichert sich weiterhin nach allen Seiten ab. Für ihn war klar, dass nur Deutschland Weltmeister werden kann. Wahrscheinlich bekommt man vor dem Spiel gegen die USA nun zu hören, dass er es als Ehre empfindet, mit seinen Frauen gegen denselben Ball treten zu dürfen wie die Amerikanerinnen. Dabei werkelt der alte Luchs schon an einem Kniff: im offiziellen Vorbericht auf der FIFA-Seite wird enthüllt, dass sich die Französinnen unmittelbar nach Sichtung des Viertelfinals USA – Brasilien mit Hamburgern stärkten, um den Kräftverlust gegen England auszugleichen. Alles mit dem Segen der medizinischen Abteilung. Burger-Doping gegen die Amis – muss man auch erst mal drauf kommen.

Nachbericht:

  • Mon petit chou, je suis désolé. Meine Herzdame Sonia Bompastor wird nicht Weltmeisterin. Allerdings verstehe ich nach diesen 90 Minuten, weshalb die französischen Rundfunkanstalten sich schwer tun, Spiele der Frauenmannschaft zu übertragen. Die waren wohl mal beim Training der Torhüterin dabei.
  • Der Reihe nach: In der 6. Minute meine ich Angela Merkel unter einem zartroséfarbenen Regencape erspäht zu haben. Aber weilt die nicht gerade irgendwo in Afrika? In der Tat. War nicht Angie, sondern die Mutter von Abby Wambach. Vom Gesichtsausdruck und der Begeisterung in den Augen könnten die beiden Zwillinge sein.
  • Frankreich beginnt offensiv, Decib setzt einen gefährlichen Schuss aufs Tor, doch quasi im Gegenzug das 0:1 durch Cheney, die eine Hereingabe von O’Reilly verwertet. Claudia Neumann freut sich wieder so deftig über das „Hineinspritzen“, dass selbst ich mich als Mann unwohl fühle.
  • So aber der 25. Minute dominiert Frankreich, die Amerikanerinnen hat eine gewisse Heldenmüdigkeit erwischt. Aber noch lassen die Französinnen zu viele Schussmöglichkeiten liegen. Verdaddeln nennt das die Reporterschaft. Immerhin trifft Bompastor in der 33. Minute die Latte. Es geht noch etwas.
  • 55. Minute. Mesdames et messieurs, je présente: Bompastor mit dem 1:1. War möglicherweise als Flanke gedacht, Thiney war jedenfalls keineswegs dran, mein Herz pocht vor Freude, das Schätzelein hat eine Bude gemacht. Félicitations! Die Amerikanerinnen tun weiterhin nichts mehr außer Hinterherlaufen. Ich will jetzt die Französinnen im Endspiel haben.
  • Die wiederum haben keine gute Torhüterin. Okay, das ist nichts Ungewohntes, die Franzosenmänner sind aber schließlich auch mit Fabien Barthez in der Kiste Weltmeister geworden. Sapowicz allerdings ist nochmal eine Handelsgüteklasse tiefer anzusiedeln. Erkennt man schon bei einem Freistoß in der 70. Minute von Rapinoe, der einzigen richtig ansprechenden Aktion der Amerikanerinnen in der zweiten Hälfte bis dahin.
  • Ecce ist lateinisch und – das wissen wir kleinen Latinumsinhaber – heißt übersetzt etwa: „Siehe da“. Das muss die französische Torhüterin auch in der 79. Minute staunend gedacht haben, als sie Wambach mit ihrer freundlichen Unterstützung das 1:2 einköpfen lässt. Drei Minuten später läuft sie sinnfrei aus dem Tor, um von Morgan zum entscheidenden 1:3 überlupft zu werden.
  • Schade, ich hätte es den wirklich gut aufspielenden Madames von Herzen gegönnt, ins Finale einzuziehen. Aber gut vorne zu sein reicht alleine nicht, wenn hinten der Mangel regiert und zum Toreschießen einlädt. Trotzdem: die Schande der Männer aus dem letzten Jahr haben die Frauen von meiner Warte aus einigermaßen auszubügeln vermocht.

Brasilien – USA 3:5 (n.E.)

Vorbericht:

  • Diese WM ist schon verrückt. Da treffen kommenden Mittwoch Schweden gegen Japan im Halbfinale aufeinander. Eine Begegnung, die man eher an der Gepäckannahme in einem deutschen Flughafen vor der gemeinsamen Abreise erwartet hätte. Aber die Schwedinnen wurden vor den USA Gruppensieger und die Japanerinnen, naja, ich muss wohl nicht mehr extra daran erinnern. Auf der anderen Seite spielen die Brasilianerinnen ihr erstes Ausscheidungsspiel heute (bereits um 17:30 Uhr) gegen die USA, was sich mindestens wie ein Halbfinale anhört.
  • Abby Wambach gegen Marta. Lauren Cheney gegen Cristiane. Hope Solo gegen … Moment, wie heißt eigentlich die Torhüterin von Brasilien? Mal kurz nachschlagen. Andreia? Barbara? Thais? So jedenfalls die Namen der Kandidatinnen. Also, wenn ich jetzt raten müsste… Andreia, natürlich. Hat die eigentlich bisher was zu tun bekommen? Könnte sich heute ändern.
  • Ich glaube, wenn Brasilien mit zwei, drei Toren zurückliegt und das Scheitern naht, haut Marta einen raus. Bisher gab es ja noch keine rote Karte gegen eine Spielerin wegen einer Tätlichkeit (obwohl diverse Nigerianerinnen und die Australierin Garriock sich in beeindruckender Weise beworben haben), aber dem brasilianischen Superstar traue ich es zu. Die wirkte im Spiel gegen Äquatorial-Guinea bereits schon genervt und tendenziell austeilfreudig.
  • Meine Sympathien liegen ehrlich gesagt bei den Amerikanerinnen. Ich kann mit der Marta nicht so recht. Die strahlt so eine Arroganz aus, wie ich sie bei einem Diego Maradona schon nicht auszuhalten weiß. Auf die Frage nach der besten Spielerin würde die nach meinem Gefühl nicht bescheiden mit „Das möge die Nachwelt entscheiden“ oder „Hey, Amerikas X, Frankreichs Y und Schwedens Z sind auch wirklich gut“ antworten, sondern mit „Ich. Für immer. Wer denn sonst?“.

Nachbericht:

  • Kein tolles Spiel, wenn man ehrlich ist, sogar ein eher enttäuschendes Duell der Giganten. Die jeweiligen Verteidigungsreihen stritten sich darum, wer den größeren Hau weghat. Hau im Sinne von Hektik, Angst und Unvermögen. Kunstvoll schon die Eröffnung von Daiane, die vom Gesicht her die Schwester von Joey DeMaio von Manowar sein könnte. Eine Hereingabe von Boxx schnippt sie technisch anspruchsvoll mit dem Außenrist über die eigene Torlinie. 0:1, die frühe Führung für die Amerikanerinnen.
  • In der Folge keines der Teams besonders auffällig, nur wenn es ans Verteidigen geht, entstehen Momente voller Verzweiflung. Marta versucht wieder Sympathiepreise weit von sich zu weisen, was ihr mit spielerischer Leichtigkeit gelingt. Fast schon ein erhebender Moment, als sie nach einer von ungezählten Meckereien die gelbe Karte erhält.
  • 67. Minute, Rot für Buehler. Marta hat sich den Ball technisch fein im Strafraum vorgelegt und wird umgestoßen. Kann man so sehen, antipathische Gefühle für die Frau hin oder her. Cristiane verschießt gegen Solo, doch der Strafstoß wird wiederholt. Warum genau habe ich nicht verstanden. Hatte sich Solo zu früh bewegt? War eine Spielerin reingelaufen? Den zweiten Versuch setzt Marta in die Maschen. Wir erleben gleichzeitig den Hope Solo-Move aus der Torwartschule von Uli Stein. Motto: Wenn du eh nicht an den Ball kommen kannst, brauchst du dich auch nicht danach zu strecken.
  • Kommentator Bartels findet Rodriguez nicht gut. Sonst keine Auffälligkeiten mehr bis zur Verlängerung. Kurz nach deren Anpfiff das 2:1, wieder durch Marta, die blitzschnell reagiert und die Kugel kunstvoll gegen den Innenpfosten schlenzt. Beim Anspiel vor der Hereingabe soll es allerdings Abseits gewesen sein. Das Publikum, Amis und Neutrale, sind nicht erfreut. Ich vor dem Fernseher auch nicht.
  • Die Amerikanerinnen spielen nach vorne, versuchen alles, aber es ist mehr koordiniertes Humpeln denn schwungvolles Passspiel. Über Andreia sage ich nichts Schlechtes mehr, die verhindert den Ausgleich nach einem gut gesetzten Schuss von Wambach durch schnelles Abtauchen. Erika auf der anderen Seite fällt nach zehnsekündiger Verzögerung im Strafraum hin, lässt sich behandeln, vom Feld tragen und springt kaum außerhalb des Feldes mopsfidel von der Krankenbahre. Die wohl verdienteste gelbe Karte des Turniers. Ich bete derweil zum Fußballgott, dass ich Brasilien nicht siegen sehen will.
  • Und siehe da, es ward Abby. Eine weite Flanke wird von Andreia unterschätzt, Wambach springt fast mit dem Abpfiff rein und köpft den Ausgleich. Es gibt doch noch Gerechtigkeit, mir entfleucht beinahe ein kehliges U-S-A, U-S-A. Elfmeterschießen. Marta verwandelt, Hope bemüht sich einmal richtig gegen die Unglückskickerin Daiane mit dem Eigentor und wehrt deren Versuch ab. Krieger, die Fan von Deutschland ist, verwandelt zum entscheidenden Treffer. Besiegt von einer Krieger. Wenn das Joey DeMaio mitbekommt. Der ist imstande und schreibt ein Lied drüber. Krieger kills, Warrior wins, Marta falls.

Schweden – USA 2:1 / Nordkorea – Kolumbien 0:0

Vorbericht:

  • (PPP) Überraschung! Sensation! Freude! DAS EINZIG WAHRE KOREA IST WELTMEISTER! Die gute Nachricht traf die Mannschaft um den vielumjubelten und nie um einen Scherz verlegenen Trainer Kim Kwang Min just beim großen Festbankett anlässlich ihres gewohnt überragenden Auftretens bei der Fußball-WM in der Deutschen Demokratischen Republik und den angeschlossenen 11 neuen Bundesländern. Sepp Blatter, das unumstrittene und wirklich auch sehr ordentlich viel geliebte Oberhaupt der internationalen Fußballkommission, überbrachte höchstselbst ein von allen Mannschaften des Turniers unterschriebenes Manifest, in dem die drückende Überlegenheit des roten Kollektivs, die blendende Attraktivität seiner Spielerinnen und die Unfehlbarkeit des die Liebe seines Volkes mittlerweile in Brühwürfelform stapelnden und lagernden geliebten Führers Kim Jong-Il ihre offizielle Bestätigung fanden. Das Ministerium für Freude rief umgehend alle Genossinnen und Genossen auf, ihrem Jubel Ausdruck zu verleihen: „Öffnet die lange aufgehobene Extra-Dose Reis! Braut euch eine leckere original Geliebter Führer-Kraftbrühe! Bis zur Sperrstunde um 18:00 Uhr ist es darüber hinaus jedem Bürger erlaubt, ein traditionelles nordkoreanisches Feuerwerk zu zünden. Papier falten! Anzünden! Hochwerfen! Vaterland!“ (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Es reizt mich ja schon, in die Begegnung Nordkorea gegen Kolumbien reinzulinsen. Denn ich erwarte einen gepflegten Tollwutlauf des kommunistischen Kollektivs. Man und frau will ja schließlich mit wenigstens drei Punkten und einem überzeugenden Sieg nach Hause kommen. Mir fiele im Falle des Ausbleibens eines Sieges gegen die wirklich putzig harmlosen Kolumbianerinnen ehrlich gesagt auch keine gute Ausrede mehr ein. Aber vielleicht wäre das ja eine Aufgabe für die nächste WM: Offizieller Pressereferent der Auswahl Nordkoreas. Bringt bestimmt eine ordentliche Stange Geld, eventuell eine schicke Uniform mit Kim Jong-Il-Anstecker und ob ich jetzt ein paar arme Asiaten in der Heimat anlüge oder die Presse, ist doch egal.
  • Schweden gegen die USA ist natürlich das interessantere Aufeinandertreffen. Mit einem Sieg oder einem Unentschieden gehen die USA einem Viertelfinal-Duell mit Brasilien aus dem Weg. Fände ich jetzt unschön mit Blick auf ein späteres Aufeinandertreffen mit der DFB-Elf. Gerüchten zufolge will allerdings Pia Sundhage, Schwedin und US-Trainerin, den amerikanischen Superstar and everybody’s darling Abby Wambach schonen. Auf der anderen Seite wird jedoch die Frau mit dem herzigen Augenaufschlag und den meisten versiebten Chancen, Lotta Schelin, auflaufen. Hat die Dinger danebengesemmelt, da springt der Elch aus der Pfanne und der Hering aus dem Salat. Wenn ich die Zeit und das Material hätte, würde ich ein Video auf YouTube hochladen.
  • Zum Abschluss noch ein Ähnlichkeits-Insider: Immer wenn ich Schwedens Trainer Thomas Dennerby von der Seite sehe, will ich ihn Thorsten Fink rufen. Gut, dass die WM nach diesen beiden Spielen bis Samstag pausiert.

Nachbericht:

  • Überraschung! Sensation! Freude! U – S – A – what the fuck??? Die haben verloren! Gegen die Minimalschwedinnen mit Schelin, dem schönen Chancentod. Die erste große Überraschung des Turniers und gleichzeitig auch das spannendste Spiel, weil man natürlich dem Außenseiter die Daumen drückt, bis die Nägel rot werden.
  • Kleiner MelB-Fan-Service-Einschub: Melanie Behringer sitzt neben der Kanzlerin, würdigt sie aber keines Blickes und redet kein Wort mit ihr, solange die beiden im Bild sind. Eine tolle Frau!
  • 7. Minute: Schelin stürmt alleine auf Solo zu, die mit einer edlen Beinschere abwehrt. Nichts Neues für Lotta, aber für mich die Bestätigung: die Hope kann was.
  • 16. Minute: wieder na-wer-wohl alleine auf weiter Flur, LePeilbet stürzt rein und die schwedische Unglückstrine um. Ein klarer Elfmeter, den uns Lotta clevererweise nicht selbst schießen will. Solo wirft sich in Pose, als wäre Fotoshooting, aber Dahlkvist verwandelt sicher – 1:0 für Schweden.
  • Was ist überhaupt mit diesen Schwedinnen los? Vorne gefährlich, hinten mit guter Aufteilung und starker Aufräumarbeit. Die Amis sind beeindruckt und fangen an, verzweifelte Distanzschüsse loszulassen. Die anders als beim Spiel gegen Kolumbien aber nicht ihr Ziel finden.
  • 35. Minute: Freistoß Fischer, die Frau, bei der ich mich stets frage, ob sie sich die Haare selbst schneidet und weshalb sie die wilden Reste unbedingt mit einem Haarband einfangen muss. Unhaltbar abgefälscht von -hello again- LePeilbet. Das 2:0, die Sensation macht sich breit.
  • Die Amerikanerinnen finden kein Mittel, die Defensive steht wie Wackelpudding und vorne fehlt der Masterplan. „Hoch auf Wambach“ scheint das allgemein akzeptierte Motto der Hilflosigkeit zu sein. Ich rechne derweil verzückt aus, dass sich bei einem Sieg Schwedens Amerika und Brasilien gegenseitig eliminieren dürfen, während wir nach Japan entweder auf Schweden oder Australien treffen. Prima Sache!
  • 67. Minute: Abby Wambach And The Shoulder Of Doom. Nach einer Ecke von Cheney stürzt sich die Stürmerin mit allem, was sie hat in den Ball, trifft die Schulter und das Tor. Ich habe das Gefühl, dass den Schwedinnen nach diesem Anschlusstreffer zum 2:1 die Puste ausgehen könnte.
  • 86. Minute: O’Hara verzieht frei vor dem Tor. Ich mag gar nicht hinschauen. Hat sich wohl zu lange in der Nähe von Lotta aufgehalten.
  • 91. Minute: Jetzt aber – Lotta Schelin schließt nach gutem Zuspiel fulminant zum 3:1 ab, der Treffer wird jedoch zu Unrecht wegen Abseits aberkannt. Egal, Lottalein, in meinen Augen bist du jetzt rehabilitiert. Noch eine schöne Momentaufnahme zum Schluss, als bei einem Eckball der Schwedinnen keine einzige gelb-blaue Trikotträgerin im Strafraum und außerhalb davon zu sehen ist. Abpfiff. Sensation. Ich liebe Schweden.

USA – Kolumbien 3:0

Vorbericht:

  • Die Zugriffszahlen auf diesem Blog entwickeln sich unerfreulicherweise in Richtung Anzahl der anwesenden Fans von Nordkorea bei deren beiden bisherigen Spielen. Deshalb gebe ich für diesen Vorbericht ab an eine Gastautorin: die 12-jährige Britney aus Fort Lauderdale.
  • Hi, my name is Britney and I’m from Fort Lauderdale, Florida. OMG, i really really really love soccer. It’s sooo awesome and Abby Wambach has such beautiful hair. And she scores lots and lots and lots of goals! I will watch the game with my two cats Krieger and Sauerbrunn.  U-S-A-U-S-A! I like horse riding and Lady Gaga.
  • My dad says Columbia is a university in the city of New York. And it’s true, watch for yourself: http://www.columbia.edu/. I don’t understand why they play in the championships, as they are Americans too. But it’s okay, coz this way, America will win anyway. America is the greatest country in the world. America all the way!

Nachbericht:

  • Tja, den Nachbericht muss ich jetzt doch selber schreiben, denn die kleine Britney ist nach dem fulminanten Führungstreffer durch Heather O’Reilly ins „OMG!USA!“-Brabbelkoma gefallen. Wenn sie wieder aufwacht, will ich allerdings auch nicht derjenige sein, der ihr von den liegengelassenen Chancen der Abby Wambach erzählen muss.
  • Weitschüsse sind ein probates Mittel im Frauenfußball. Sofern sie aufs Tor kommen und in etwa 1,80 m Höhe einzuschlagen drohen. Der O’Reilly-Knaller war richtig toll, da zolle ich gerne und offen meinen Respekt für. Die beiden anderen Einschläge aus der Ferne variierten danach jedoch in aufsteigender Haltbarkeit.
  • Richtig goldig fand ich die Einlage von Megan Rapinoe nach dem 2:0. Läuft zur Ecke, schnappt sich das graue Puschelmikro und grölt lauthals „BORN IN THE USA“ hinein. Ich musste wirklich schmunzeln. Das können unsere Frauen aber noch toppen. Mein Tipp an Melanie Behringer (die bis zum nächsten Spiel sicher wieder fit wird): Puschelmikro mit Flammenwerfer anzünden und „FEUER FREI“ von Rammstein anstimmen. Obwohl, gegen Frankreich würde das vielleicht historisch bedingt nicht so prima ankommen.
  • Die USA mit -im Vergleich zu vielen Teams- bei der WM überragender Spielverlagerung und Schusstechnik. Bis zum Strafraum brennen die Girls ein Feuerwerk ab, im eigenen Strafraum lassen sie es hingegen gerne mal anbrennen. Eine sehr unterhaltsame Begegnung, nicht zuletzt weil viele Nationalmannschaften leider nur bis maximal 35 Meter vor dem Tor gut mit dem Ball umgehen können.
  • Und die Kolumbianerinnen? Nun, wenn selbst mein Bruder Mitte der zweiten Hälfte ein „Jetzt lasst die armen Mädchen doch auch mal ein Tor schießen“ von sich gibt, kann man erahnen, wie einseitig die Partie verlaufen war. Tore schießen dürfen sie ja jetzt bald wieder. Aber zuhause.

USA – Nordkorea 2:0

Vorbericht

  • Bei der WM in Südafrika wurde mir die großartig bezahlte Ehre zuteil, als Korrespondent für das führende nordkoreanische Sportmeinungsbildungs-Fachorgan, PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) tätig zu werden.  Unmittelbar nach Abschluss des Turniers erhielt ich in Ehrung meiner Verdienste die Auszeichnung der „verbogenen Feder für glückseligmachende Berichterstattung“ in edelstem Hartplastik und den goldenen Schlüssel zur Stadt, wenn sie mal gerade geschlossen sein sollte. Was aber natürlich nie der Fall ist. Sicherheitshalber soll ich jedoch vorher bei einem Militärposten durchklingeln. Hier mein aktueller, bereits abgesegneter Aufmacher:
  • (PPP) Nach dem triumphalen Gewinn des Weltmeistertitels durch unsere tapferen Genossen im vergangenen Jahr sind nun unsere vor Weiblichkeit strotzenden Genossinnen an der Reihe, ihren unbestreitbaren ersten Platz in der Welt und in den Herzen der Menschen zu verteidigen. Der die Liebe seines Volkes täglich ausschwitzende und als bekömmliches Erfrischungsgetränk aufbereitende geliebte Führer Kim Jong-Il, der in seiner Zeit als aktiver Fußballspieler sowohl in der Herren- als auch in der Damennationalmannschaft hervorstach, hat bereits die offizielle Kampfparole verkündet: „Selbst die nordkoreanische Frau ist mehr wert als jeder Mann des Klassenfeindes aus dem Süden. Frau! Sieg! Vaterland!“. Das siegessichere Kollektiv wurde bereits mit offenen Armen in Dresden, einer der schönsten Städte der Deutschen Demokratischen Republik, empfangen und umjubelt. Staatsratsvorsitzender Erich Honecker gab der Mannschaft bei der Begrüßungsveranstaltung vor 100.000 begeisterten Freunden unserer Volksrepublik ein aufmunterndes „Torwärts immer, rückwärts nimmer“ auf den Weg. Unerträglich hingegen die Provokationen des Teufels aus dem Westen, dessen wildgewordene Weiber mit Sicherheit zu unfairen Mitteln greifen werden, um den verdienten Siegeszug unserer Genossinnen zu stoppen.  Wie die Ratten verschanzen sie sich in ihren Quartieren, schmieden in dunkler Abgeschiedenheit Intrigen und verweigern sich dem frohen, weltoffenen Fest, das diese Weltmeisterschaft auf sozialistisch-brüderlichem Boden doch darstellen soll. Wie gut, dass diese ekelhafte Posse spätestens zum Ende der Vorrunde ihren Abschluss finden wird. Freude! Offenheit! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Das Spiel findet übrigens nicht wie bisher gewohnt um 18:00 Uhr, sondern 15 Minuten später statt. Die Suche nach Massenvernichtungswaffen nimmt nun mal ihre Zeit in Anspruch. Gespannt wartet die Welt auf den Moment, in dem sich die beiden Teams zur Begrüßung die Hand reichen. Die amerikanische Trainerin Pia Sundhage hat bereits angekündigt, ihre Spielerinnen den von der letzten WM berüchtigten nordkoreanischen Schmähsatz „Kim Jong-Il Gae Heng Hi Hi“ (zu deutsch: „Euer geliebter Führer hat einen lachhaft kleinen Lümmel“) zwischen den Zähnen hindurchzischeln zu lassen. Neu im Repertoire: „Kim Jong-Un Puh Hui Ho Ho“ (etwa: „Der Sohn eures geliebten Führers stinkt ganz gewaltig aus der Hose“).
  • Amerika ist die Nummer 1 im Frauenfußball. Zumindest sagt das die Weltrangliste. Der letzte Weltmeistertitel liegt allerdings bereits schmucke 12 Jahre zurück. Die außerordentlich hohe Qualität des Frauenfußballs in Amerika ist einfach zu erklären: wenn Mom und Dad einen Sohnemann auf die Welt bringen und der anfängt, dem runden Leder nachzujagen, setzt es besorgte Gesichter. Das Kind kriegt Baseballschläger geschenkt, muss mit einem übergroßen Handschuh unterm Kissen schlafen, wird am Basketballring streckungshalber mal eine Nacht hängengelassen oder läuft gut gepolstert hundert Mal täglich gegen die Hauswand. Wenn gar nichts mehr hilft, kriegt er eine Xbox360, das neue Call of Duty, reichlich Dollar für Essen bei McDonald’s  und gibt sporttechnisch hernach endlich Ruhe. Mädchen spielen dagegen Fußball, solange und so oft sie möchten und der Daddy hofft, dass sie mal berühmt werden, einen attraktiven Footballer heiraten und Söhne zeugen. Worauf der Kreislauf wieder von vorne beginnt.
  • Die Qualifikation der Amerikanerinnen verlief über Umwegen und gelang erst durch einen Sieg in den Play-Offs gegen die Italienerinnen. Dominanz liest sich anders. Herausragend im Team ist sicherlich Mary Abigail „Abby“ Wambach, im Tor steht mit Hope Solo eine tolle Einzelkämpferin, die ich gerne ehelichen und unseren Sohn dann Han nennen würde. Nordkorea setzt dagegen mit viel Kim, Hong, Song und Jong, wer vermag die schon alle auseinanderzuhalten.  Was soll ich mir also die Mühe machen. Okay, stellvertretend erwähne ich jetzt Jo Yun Mi. Die Truppe ist ein Geheimfavorit, ohne Zweifel, aber mal ehrlich: wenn die Weltmeister würden, wäre doch die ganze schöne Stimmung dahin, wie wenn jemand auf einer Party plötzlich Marschmusik auflegt.

Nachbericht

  • (PPP) Die volkseigene Auswahl der Republik Korea besiegt das vergebens hinterherjapsende amerikanische Team mit 2:0 durch Tore von Kim und Kim. Auf der Pressekonferenz hinsichtlich des nie gefährdeten Sieges gab Trainer Kim Kwang Min gut gelaunt und mit einem herzhaften Lachen auf den Lippen zu Protokoll: „Wir haben heute maximal 10% unseres Leistungspotenzials abgerufen. Den Sieg widme ich meinem von der Liebe zu seinem Volk heute Abend wahrscheinlich hackedicht betrunken herumtanzenden, geliebten Führer Kim Jong-Il“. Ein wunderbarer Schlusspunkt eines gelungenen Auftritts der einzig wahren koreanischen Frauenfußballmannschaft, die daraufhin in das wuselige Dresdener Nachtleben entlassen wurde.  (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Kommentator Galeske sah in der ersten Hälfte ein gutes Spiel. Diskutabel, sofern man nicht ein „zum Zehennägelschneiden oder „zum Nachmittagsschlafnachholen“ hintenanstellt. In meinen handschriftlichen Notizen prangt nur ein Satz: „Dr. Theo Zwanziger trägt ein apartes, hellblaues Baseballkäppi“.
  • In der zweiten Hälfte gleich zu Beginn mehr Leben in der Bude. Hong im Tor der Nordkoreaner fängt jedoch alles weg. Wo Ball, da Hong. Bis zur 54. Minute, als Cheney frech gegen die Laufrichtung der Keeperin köpft. Die Asiatinnen schlagen zurück, auch Hope bleibt nicht mehr länger Solo im Torraum, es begegnen sich Ball und Latte. Die USA nun drängender, mit echten Torchancen. Ein Kopfball touchiert die Latte, wenige Minuten später könnte Buehler aus dem Hintergrund schießen, schießt und Tor! Sah nicht so gefährlich aus, kam aber scharf und flach, das schmeckt Hong nicht, sie mag es eher mild und halbhoch. 76. Minute, das sollte es gewesen sein. Noch ein nicht gegebenes 3:0, kurz danach Abpfiff. Letztlich verdienter Sieg der Amerikanerinnen, die ein Titelaspirant bleiben. Von der nordkoreanischen Auswahl bin ich ein wenig enttäuscht.
  • Ich verfolge ja die ganzen Vor-, Zwischen- und Nachberichte der übertragenden Fernsehsender nicht, weil ich parallel meine Texte schreiben muss. Als ich heute allerdings das Paar Silke Rottenberg und Sven Voss sah, spürte ich fast durch den Schirm die Enttäuschung der ehemaligen deutschen Torhüterin, dass Oliver Kahn nicht für diese WM zur Verfügung stand. Man hätte so gut zueinander gepasst, sich so gut austauschen, ergänzen oder ja, vielleicht auch mal gegenseitig zärtlich in den Nacken beißen können. Sven Voss wirkt dagegen im Zusammenspiel mit ihr wie Thomas Anders in der Spätschleimphase, der sich ständig vor Cynthia Rothrock ducken muss.