England gegen Italien 1:2

„Wenn es scheiße wird, wird es für beide Teams scheiße“

  • Sprach der große Andrea Pirlo und meint damit die klimatischen Verhältnisse von Manaus, dem Austragungsort der Partie England gegen Italien. In der „Höllenloch“ genannten Arena Amazonia, die nach der WM nicht mal mehr von einer Profimannschaft bespielt werden wird, herrschen hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit. Ideale Bedingungen also für ein spritziges Spiel!
  • Die Engländer sind seit gestern in Aufruhr. Das Tor von Robin van Persie gegen Spanien hat sie aufgeschreckt und wuschig gemacht. Immer wieder schaufelt Linksaußen James Milner daher den Ball von der Mittellinie nach vorne, wo Wayne Rooney entschlossen nach vorne trabt und einköpft, so um nicht vorher die Luft ausgeht.  Lange Bälle, die lange in der Luft bleiben bis sie einem dank nicht vorhandener Abwehr einsam herumstreunenden Stürmer auf den Kopf fallen sind das neue taktische Erfolgsrezept. Danach geht es mit dem Team in den „offiziellen Fish and Chips-Laden der WM“ in Manaus (kein Witz, den gibt es wirklich) zum entspannten gemeinsamen Auswürgen. Das kann ja was werden.
  • Was gibt’s Neues bei den Three Lions? Wenig. Hinten weiter Joe Hart im Tor, Kapitän ist erneut Steven Gerrard, vorn will Wayne Rooney mal bei einer WM nicht sagenhaft enttäuschen. Robustheit und Physis sind Trumpf; Kreativität, Schnelligkeit und Überraschungen stehen eher nicht auf dem Plan. Noch nicht ganz so geläufige Namen wie Lallana, Sturridge oder Jagielka werde ich mir merken, wenn die Kerle mich in diesem Spiel überzeugen sollten.
  • Die Italiener hingegen haben überrascht bei der vergangenen EM. Nur im Finale gegen Spanien lief die Mischung aus alten und jungen Spielern mit Macken unrund. Pirlo bleibt der Mann für die genialen Momente bei rollendem und ruhendem Ball, die infolge der Temperaturen langsamere Gangart könnte ihm sehr zugutekommen. Mario Balotelli könnte eventuell von dem Neu-Dortmunder Ciro Immobile unterstützt oder gar ersetzt werden, über den ich bei der U21-EM bereits einen Witz gerissen habe, welchen ich hier gerne nochmal verlinke (weil, hey, meine Berichte über diese Veranstaltung hat wirklich niemand gelesen). Im Link gibt es auch noch einen Brüller-Gag über den wegen des Ausfalls von Montolivo dazugestoßenen Marco Verratti. Könnte man jetzt aktuell prima noch mit der NSA als Ort der Handlung verknüpfen.

 

  • Vorab: Scheiße war da gar nichts, ganz im Gegenteil. Auch wenn es mir ein bisschen schwerfällt; man kann die Engländer gar nicht hoch genug loben für das, was sie heute angesichts der äußeren Umstände abgeliefert haben bei Temperaturen, bei denen ich nicht mal eine Apfelsine schälen könnte, ohne als Schweißpfütze zu enden.
  • Besonders auffällig der junge Raheem Sterling. Sieht aus wie eine abgespeckte, 15-jährige  Version von Babyface Gary Coleman, am Ball kann er aber einiges. Bei seinem Schuss in der 4. Minute hätte ich gerne die Bilder der Torkamera gesehen, denn als Schiri hätte ich den direkt gegeben und mich nur über die mangelnde Freude beim Schützen gewundert.
  • Das 0:1 durch Marchisio bescherte einen bei mir seltenen Moment. Mir taten die Engländer richtig leid. Keine Häme, keine Schadenfreude, einfach nur diese Gefühl der kleinen Ungerechtigkeit. Beim Ausgleich durch Sturrington habe ich mich sogar bei einem tonlos ausgesprochenen „Recht so!“ ertappt.
  • Dennoch bleiben die Italiener die Meister in einem besonders wichtigen Fach: Sie sind was das Tore erzielen angeht, effizient wie eine Guillotine mit eingebauter Ersatzklinge. Und der Henker hieß diesmal Balotelli. Vor allem in der zweiten Hälfte, als die Luft noch feuchter und jeder Schritt noch quälender wurde. Vierzig Minuten mussten die Three Lions einem Rückstand hinterherlaufen und gaben alles. Aber wo nicht ein italienisches Abwehrbein lauerte, stand der für Buffon eingesprungene Sirigu und wehrte ab. Am Ende steht die Niederlage, mit den jungen Burschen Sturridge, Sterling, Wilshere und Welbeck können die Kicker von der Insel aber nur gewinnen. Bei dieser WM könnte es allerdings unglücklicherweise wegen der Auslosung in die Todesgruppe D nicht reichen.

Tore:

0:1 Marchisio (35.)
1:1 Sturridge (38.)
1:2 Balotelli (50.)

 

Japan – USA 5:3 (n.E.)

Vorbericht:

  • Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler ist angesäuert. Bei den letzten großen Turnieren konnte er anlässlich seiner Audienzen beim Fußballgott immer eine gute Platzierung für das DFB-Team herausholen. Diesmal jedoch schien er versagt zu haben. Überhaupt war alles anders, als er am Tag des Finales den großen Raum mit dem Eingangsschild „FIFA-Mitglieder müssen leider draußen bleiben“ betrat.
  • „Mein Gott, Walter! Finaaaaale, ohohoho. Heut‘ ist Finaaaale, ohohoho. Eschweiler, altes Schiedsrichtergestell‘, setz dich hin und greif dir ein Schnäpschen.“ „Eure Ballherrlichkeit sind gut gelaunt, so kenne ich Sie gar nicht, wenn ich das anmerken darf.“ „Mit gutem Grund“, setzte der Fußballgott an, „mir ist heute eine Auszeichnung ins Haus geflattert. Der HOLY FUCK Creative Football Design Award 2011 geht an…*trommelwirbel*… moi, meine und deine Heiligkeit! Diesmal habe ich alles richtig gemacht. Ich lese dir mal aus der Begründung der Jury vor, Walter.“ „Wenn es sich nicht vermeiden lässt, mein Gebieter.“
  • Eine gelungene Mischung aus althergebrachter Tradition, auf dem Fuße folgender Strafe, fröhlicher Unterhaltung, internationaler Härte, historischer Dimension und gewohnter Wankelmütigkeit zeichnete die Veranstaltung des diesjährigen Preisträgers aus. Das steht da, Walter, die meinen mich! Ich wusste gleich, es war eine gute Idee, die Engländer am Elfmeterpunkt versagen zu lassen. Das kommt einfach immer gut an, egal ob Frau oder Mann.“ „Mit fröhlicher Unterhaltung sind sicherlich die Schiedsrichterentscheidungen gemeint. Fand ich allerdings nicht so lustig, mein Herr.“ „Ach, Walter, sei mal nicht so spaßresistent. Ohne Fun geht doch heute im Abendprogramm einfach nix mehr. Und hier, meine Idee, das Zeitspiel und generelle Rumgeheule der Brasilianerinnen mit dem frühen Ausscheiden zu bestrafen, war auch ein Knaller. Hab ich eine saumäßige Menge SMS für bekommen und alle waren begeistert. Okay, in Brasilien sollen ein paar den Glauben verloren haben, aber nicht wirklich viele. Sind halt alles Machos da unten. Mal sehen, was ich 2014 mit denen anstelle. Da freu ich mich schon drauf.“
  • „Den Nordkoreanerinnen Doping in den Reis zu mischen war aber nicht sehr fein, Hochballwürden“, warf Walter daraufhin ein. „Ach Quatsch, das ist internationale Härte, klares Feindbild, Axis-of-Evil-Gedöns, das brauchen die Amis.“ „Und das Ausscheiden der deutschen Frauen? Fand ich sehr doof, um ehrlich zu sein.“ „Ja, Walter, ohne Wankelmut kann ich mich direkt einsargen lassen, da nimmt mich doch sonst keiner mehr ernst! Zweimal Trizeweltmeister bei den Männern und drei Mal Weltmeister bei den Frauen? Das geht ja nun wirklich nicht. Dafür lesen Historiker im Weiterkommen von Japan schon eine Parallele zu 1954. Das Wundel von Flankfult! Nippons Sommelmälchen!“
  • „Gewinnen die Japanerinnen denn nun auch das Finale, o Hüter von Ballhalla?“, will Eschweiler jetzt sanft drängend wissen. „Wäre fast fies, wenn nicht, gelle, Walter? Ich bin noch unentschlossen, habe aber extra deine Freundin, die Bibi, zur Schiedsrichterin bestellt, damit es keinen regeltechnischen Huddel gibt. Vielleicht lasse ich ja auch die Amis gewinnen und wenn sie dann nach Hause kommen, ist ihr Staat gerade dabei, bankrott zu gehen. Müsste ich freilich vorab mit dem Finanzgott besprechen, aber der düst ständig in Südeuropa rum, den kriegst du einfach nicht zu fassen.“
  • „Sag mal, willst du nicht entscheiden, Walter?“, fragte der immer noch euphorische, aber entschlussgehemmt wirkende Fußballgott. „Ich mach das schon, o Eure runde Lederigkeit“, antwortete dieser verschmitzt. Und so geschah es, dass die Japanerinnen Weltmeister wurden, weil Bibiana Steinhaus scharfäugig einen Elfmeter zu ihren Gunsten pfiff, den die Kameras erst in der dritten Zeitlupenwiederholung bestätigen konnten. Die Ehre der Schiedsrichterzunft ward wiederhergestellt, Deutschland gefeiert als die edelmütige Nation, die dem geschundenen Asiatenvolk den Vortritt überließ und Walter gönnte sich endlich das Schnäpschen aus feinsten Süßkartoffeln namens Shochu, das er beim Fußballgott hatte mitgehen lassen.

Nachbericht:

  • Ich setze mein breitestes Grinsen auf und male mir einen roten Punkt ins Gesicht: Die kleinsten Frauen sind die Größten, die Geilsten und die Besten im Frauenfußball obendrauf! Was für ein Spiel, was für eine Dramatik. 120 Minuten plus Elfmeterschießen, gekrönt von dieser einen Erkenntnis, die den Fußball so wunderschön macht. Du brauchst nicht baumlang zu sein, du brauchst nicht muskelbepackt zu sein, du brauchst nicht am höchsten springen zu können, du brauchst nicht jeden Gegner in Grund und Boden zu laufen, um am Ende bei diesem Sport zu triumphieren. Danke Japan, für den großartigen Abschluss dieses Turniers.
  • Die Nationalhymnen gaben ein wenig den Takt vor für die ersten 25 Minuten. Während die japanische Auswahl andächtig und in sich gekehrt einer getragenen Melodie lauschte, brannten die Amerikanerinnen zu ihrem „Hoppla, da sind wir“-Heimatlied innerlich alles nieder. Chance um Chance erdrücken sich die US-Damen, beginnend nach wenigen Sekunden und erst so Mitte der ersten Hälfte endend. Cheney, Wambach, Rapinoe wirbeln Frauen und Spielgerät durcheinander. Just als die Asiatinnen langsam ins Spiel finden, zieht Wambach einen Knaller ab Richtung Torwinkel. Für mich war der schon drin, aber die Latte hält wacker dagegen. Halbzeit.
  • Es ähnelt nun langsam ein bisschen Deutschland – Japan, denn die Blauen klären die Angriffsversuche souveräner, wagen sich auch einmal nach vorne. Aber es ergeben sich weiterhin riesige Chancen für die USA, doch der Ball will nicht über die Linie. Bis die Frau mit dem rosa BH den Unterschied zu bringen scheint. Ausgerechnet einen Konter schließt die eingewechselte Alex Morgan mit einem hart geschossenen Aufsetzer ab. Das müsste es wohl gewesen sein. USA all the way und so.
  • Aber nicht doch. Und hier kommt das Putzige an der japanischen Spielweise zutage. Die sind so bescheiden, dass sie selbst nicht in Führung gehen wollen. Liegen sie aber hinten, spielen sie reinsten Spock-Fußball: „Captain, wir liegen zurück, also diktiert die Logik, dass wir ein Tor erzielen müssen“. Schwupp, huschen die kleinen Rackerinnen nach vorne. Was die Amis so verwirrt, dass sie sich in Form von Buehler und Krieger im eigenen Strafraum vor Verzweiflung selbst abschießen und „Manni“ Miyama nur noch reinhauen muss. 81. Minute, es steht 1:1. Ich halte jetzt endgültig zu den Japanerinnen, die plötzlich ein paar Minuten frech auf die Entscheidung zielen und ihr Spiel Richtung US-Tor verlagern. Im Gegenzug schnüren die Amerikanerinnen sie nochmals ein, aber die Verlängerung ist nicht zu verhindern.
  • Kriegen die Amerikanerinnen nun die große Krise? Nein, denn Abby Wambach, die Stürmerin, der wir wohl alle das goldene Tor zugetraut haben, köpft krachledern und humorlos eine Flanke rein. 103. Spielminute, Zeit zum Verzweifeln, zum Aufgeben, möchte man meinen. Aber nicht mit den kleinen japanischen Rasenrobotern. Kurz das Torwärtsprogramm initialisiert und auf geht’s in die Hälfte des Gegners. Wo die Verteidigung sich schnell wieder die Fingernägel wegkaut, angefangen von Rampone über Krieger hin zu Hope Solo höchstselbst.
  • Es schlägt die Sekunde der weisen Frau Sawa. Nach einer Ecke bugsiert sie den Ball über die Linie, als wäre es ein Leichtes, einen Rückstand in einem WM-Finale(!) in der Verlängerung(!) aufzuholen. In dem Moment hätte ich als Amerikaner wirklich den Glauben an dieses Spiel verloren, denn wo die einen sich abackern, legen die anderen lässig nach. Es ist, als hätte man die Geschichte von Hase und Igel auf dem Rasen aufgeführt.
  • Im Elfmeterschießen liegen die Nerven schließlich endgültig blank bei den Titelaspirantinnen aus den US of A. Die kleine Kaihori hält den ersten Strafstoß gegen Boxx, Lloyd schießt Richtung Tribüne. Solo tut ihr Möglichstes, aber ihre Kolleginnen legen beinahe englische Kompetenz am Punkt offen. Die #4 der Japanerinnen, Kumagai, zerstört schließlich den amerikanischen Traum mit einem Hieb oben in den Winkel. Japan ist Weltmeister. Amerika am Boden. Sachen gibt’s, die gibt’s nur im Fußball. Homore Sawa holt alle von der FIFA ausgelobten Titel, den der Torschützenkönigin inklusive. Das japanische Team feiert, die neutralen Zuschauer mit ihm. Und ganz am Ende bleibt die Pointe, dass diese Mannschaft nur von den Engländerinnen geschlagen werden konnte. Auf der Insel wird man und frau sich ärgern. Der Fußballgott hatte wieder seinen Spaß.
  • Das war die Berichterstattung des unfassbar kompetenzfreien WM-Tagebuchs zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Meinen Dank an alle treuen Leserinnen und Leser, die Fans auf Facebook, die fleißigen Twitterer, Verlinker und flattr-Spender. Wir lesen uns hoffentlich 2014 wieder! Zum Ausklang und als Rausschmeisser habe ich wie gehabt ein Lied ausgesucht, diesmal eines aus dem Land der Trizeweltmeisterinnen aus Schweden: In Flames – Liberation [auf Grooveshark anhören] / [auf Facebook anhören]. Um schließlich die Gefühlswelt der Amerikanerinnen anzusprechen und wenigstens einen Song hier drinnen einbinden zu können, noch obendrauf Alkaline Trio mit „The American Scream“ aus dem frisch erschienenen Album „Damnesia“.

Japan – Schweden 3:1

Vorbericht:

  • Dürfen die jetzt Weltmeister werden? Man wird ja wohl mal noch fragen dürfen. Jedesmal, wenn es für die deutsche Elf wieder nicht für den Thron gereicht hat, fangen die Diskussionen an. Soll die Mannschaft, die uns rausgekegelt hat, den Pokal holen? Auf dass wir uns zufrieden mit einem „Uns hat nur der Weltmeister was anhaben können“ auf den Lippen zurücklehnen können? Oder gönnen wir es den Fieslingen nicht, die so dreist unseren großen Traum zerstört haben? Bei den Männern ist die Antwort leicht: klares Nein bei Italien, aktuell wegen der jüngeren Geschichte auch bei Spanien. Klares Ja, wenn die Sieger auf dem Weg noch den Holländer ausschalten.  Klare Fangfrage, wenn man den Engländer ins Spiel bringt, denn der setzt sich doch nie gegen uns durch.
  • Nun sind aber all diese deutlich definierten Nationen nicht mit ihren Frauenmannschaften vertreten. Stattdessen Japan, die unermüdlichen Racker, die neben Freistößen und Flanken jetzt auch die disziplinierte Abwehrarbeit perfektioniert haben. Freilich regt sich in diesem Fall der „Jetzt-lass-die-doch-auch-mal“-Instinkt wegen Erdbeben, Atomunfall und den freundlichen „Thank you for your support“-Bannern, die sie am Ende des Spiels immer umhertragen. Anständig sind sie, nett sind sie, bescheiden sind sie, die würden sich sogar bei Marta entschuldigen, wenn sie ihr im Weg stehen sollten. Oder Schiedsrichterinnen applaudieren, die sie grundlos ihre Elfmeter wiederholen lassen.
  • Ich denke, ich entscheide das nach dem Spiel gegen die Schwedinnen. Da müssen die Töchter Nippons aber anders spielen als gegen uns. Wieder die 120 Minuten-Rumwusel-Taktik mit einmal ins Tor schießen wäre mir zu wenig. Sollten sie jedoch gegen die körperlich überlegenen Nordfrauen spielerisch was reißen, wäre ich der letzte, der sich weigerte, sich einen großen roten Punkt ins bleichgeteinte Gesicht zu malen.
  • Schweden bleibt die Überraschungsmannschaft dieser WM. Nach den ersten beiden Spielen hätte ich denen im Idealfall eine knappe Niederlage gegen Brasilien im Viertelfinale zugetraut. Jetzt können sie mit Lisa Dahlkvist die Torschützenkönigin des Turniers stellen, so die Mittelfeldspielerin noch einmal, besser zweimal einnetzt. Lotta Schelin hingegen ist eh schon jetzt meine Torjägerin der Herzen. Keine jagt schöner, da wird das Treffen zur Nebensache.
  • Lottchen hat übrigens aktuell Nase, also Schnupfen. Das wird sie aber weder am Einlaufen, noch an der Aufführung des sogenannten Logobitombo hindern, dieses kleinen hoppsenden Ausdruckstanzes nach einem Treffer. Nicht mal Wikipedia weiß dazu Genaueres, aber ich denke mir jedesmal, dass bei seiner Entstehung sanfte psychoaktive Drogen im Spiel gewesen sein müssen. Übrigens ein Import aus Schelins Vereinsmannschaft Lyon, denn der gemeine Schwede drückt seine innersten Gefühle exklusiv beim Headbangen aus.

Nachbericht:

  • Ich sage Ja zu Japan. Diese blau-weißen Rasenroboter, die heute Abend die staksigen Schwedinnen mit ihren Pässen und Schüssen vom Platz kombiniert haben, dürfen sehr gerne Weltmeister werden. Spätestens als Homore Sawa das 2:1 mit dem Kopf erzielte, hatte die Nadeshiko auch mein Herz erobert.
  • Dabei legten die Schwedinnen mit dem 0:1 so gut vor. Einen kleinen Aussetzer in der Verteidigungs-KI eiskalt mit einem gelungenen Schuss ins Tor ausgenutzt. Doch nach Öqvist kam nur Ödmist. Wo die anderen Teams in Sachen Laufbereitschaft, Kondition und Aufbauspielstörung viel dazugelernt haben, sind die Japanerinnen beim Pass-Spiel aktuell die absolute Macht im Frauenfußball und demonstrieren das in der Folge.
  • Und wenn der Kopf nicht dran kommt, dann nehmen sie eben mittels eingesprungenem Karatetritt die Kugel mit auf den Weg über die Torlinie. Kawasumis Ausgleich wird in die Kategorie der Irgendwiehalt-Treffer eingehen. Zu dem Zeitpunkt spielen eh nur noch die Asiatinnen, bestimmen anders als noch gegen uns die Partie.
  • Klar ging dem 2:1 ein Fehler der schwedischen Keeperin Lindahl voraus. Aber das Ding mit dem Kopf reinzustubsen, ist schon besonders niedlich. Bleibt noch der zweite Treffer von Kawasumi zu erwähnen, die einen herausgefausteten Ball mit technischer Präzision und flink aus gut 30 Metern ins leere Tor versenkt. Es bleibt bei der schon anlässlich der Männer-WM gelernten Faustregel: man darf Japaner nicht alleine mit dem Ball lassen – unabhängig vom Geschlecht.
  • Japan gegen die USA lautet also die Finalbegegnung. Abby Wambach shampooniert sich angesichts der Art ihrer bisher erzielten drei Tore bestimmt schon die Kopfhaut. Mit einer Leistung wie heute Abend gegen Frankreich wird aber auch ihr Team gegen diese faszinierenden Ballexpertinnen aus dem fernen Osten auf größere Probleme stoßen.

England – Frankreich 4:5 (n.E.)

Vorbericht:

  • Sie ist angebrochen – die Woche, auf die Linda Bresonik schon so leidenschaftlich schwer hingearbeitet hat. Die Woche, in der mir Cristiano Ronaldo während Weltmeisterschaften immer die meiste Freude bereitet. Die Woche, in der Millionen britischer Fußballfans die Rückkehr ihrer Frauenauswahl mit einem „so f*cking what“ kommentieren werden. Ja, es ist die Woche der Ausscheidungsspiele.
  • Beginnen wird sie mit dem europäischen Klassiker England gegen Frankreich. Und vielleicht wird dabei eines der größten Geheimnisse gelüftet werden: Was reden Frauen eigentlich während dieser entscheidenden 90 Minuten und mehr auf dem Platz miteinander? Bei den Männern ist die Sache relativ klar erfassbar: „‚SchhaudiraufsMaul“, „‚Schmachdischplatt“, „Arschlochwichserhurensohn“ oder, für gebildete Abwehrspieler wie etwa Per Mertesacker, „Deine Frau liest heimlich die BILD-Zeitung“.  Nun, da die News of The World-Journaillenmeute von Rupert Murdoch ab morgen spielfrei hat, könnte man die ganzen schicken Abhörapparate doch einem nützlichen Zweck zuführen, bevor die Garantie abläuft. Auf ein paar Trikots gesteckt und den Ton als zweite Kommentarspur freigegeben, wenn es dem Kommentator oder der Kommentatorin gerade ein wenig an Esprit mangeln sollte. Ich persönlich würde mich auf englisch-französische Begegnungsklassiker wie „Ihr trinkt doch nach dem Onanieren kaltes Wasser“, „Du verkackter englischer Frischbiertrinker“ oder auch „I fart in your general direction“ freuen.
  • Die Vorteile der Französinnen liegen meiner Meinung nach klar auf der Hand. 1) In den letzten zehn Partien konnten sie von den Britinnen nicht geschlagen werden, der letzte Sieg datiert aus dem Jahre 1974. 2) Ziemlich sicher wird mon petit chou Sonia Bompastor spielen. 3) Die #3 der Französinnen, Laure Boulleau, ist optisch auch sehr lecker. 4) Der vorzeitige Abflug der Britinnen würde viel mehr Aufhebens machen, denn die Franzosen scheinen sich für ihre kickenden Landsfrauen kaum zu interessieren. Einziger Nachteil: die Stammtorhüterin Bérangère Sapowicz ist wegen ihrer roten Karte aus dem Spiel gegen Deutschland gesperrt. [Nein, ich schreib das jetzt nicht hin] [Doch, mach!] [Nein] [Nun mach schon!] [Okay, *seufz*] Bei den Engländerinnen wäre ein solcher Ausfall bedeutend unterhaltsamer.
  • Wie immer die Begegnung auch enden wird, gegen uns kommen die Siegerinnen frühestens im Finale. Realistischerweise dürften sie aber vorher an dem scheitern, was aus der Schlacht Brasilien gegen die USA übrigbleibt. So oder so sind die Frauen mit dem Einzug ins Viertelfinale jetzt schon erfolgreicher als ihre männlichen Pendants 2010. Denn die Engländer haben, wie ich mich gerne erinnere, gegen uns mit 4:1 den Kürzeren gezogen, während die Franzosen vom Erreichen der Ausscheidungsrunde in etwa so weit entfernt waren wie die RTL2-Sendung „Frauentausch“ von einer Grimme-Nominierung.

Nachbericht:

  • Diesen Nachbericht schreibe ich nach dem Ausscheiden der DFB-Elf gegen Japan. Wer Anzeichen von Lustlosigkeit herausliest, liegt nicht falsch. Also kurzgefasst. England unterliegt im Elfmeterschießen, soweit schon mal nichts Überraschendes.
  • Die Engländerinnen mit der ersten Chance nach 16 Sekunden. Doch Smiths Schuss wird abgeblockt. Ersatztorhüterin Deville sieht schlecht aus und behält diesen Zustand, sofern die Inselfrauen mal in ihre Nähe kommen. Die Französinnen spielerisch besser, mit 2-3 gefährlichen Torschüssen. Aber nichts fällt richtig zwingend aus.
  • Scott schießt in der 59. Minute das 1:0, Deville lungert viel zu weit vor dem Tor, wirkt bei dem Schuss überfordert. „Die kann nix“, ruft Bruder in die Stille hinein. Ich wage nicht zu widersprechen. Frankreich rennt an, aber vor dem Tor brennt es nicht.  Zehn Minuten vor Schluss drehen die Französinnen plötzlich auf, machen Alarm in der gegnerischen Hälfte. Thomis läuft in der 85. Minute frei durch, doch statt voll draufzuhalten, wie es jeder anständige Kerl machen würde, versucht sie einen Lupfer. Eine Minute später kratzt White einen Kopfball von Lepailleur von der Linie. 88. Minute: der Ausgleich, le triomphe dans le winkel, ein wunderbarer Schlenzer aus dem Gewühl von Bussaglia, der Ball geht ins linke Kreuzeck und prallt von dort hinter die Linie. Chapeau, madames!
  • Verlängerung. Stürmerin Kelly Smith beantragt den Halbinvalidenpass, kann aber nicht mehr ausgewechselt werden. Und was machen die Franzfrauen? Nix mit überrollen, überlaufen oder kaputtschießen. Nö, monsieur. Stattdessen verfällt man in die Spielweise der ersten Halbzeit. Wenn sich das nicht mal rächt, denke ich mir. Vielleicht gilt die alte Elfmeterregel doch nur bei den englischen Männern.
  • Erster Elfmeter Frankreich. Mon dieu, Bardsley fängt den Ball, als wäre vorher abgesprochen worden, wo er landen soll. Es scheint wirklich, als hätte die Schützin gewartet, bis die Torhüterin abspringt und den Ball dann zielsicher dorthin bugsiert. Aber am Ende versagt England dann eben doch: Rafferty tritt ewig den Elfmeterpunkt platt, ein sicheres Zeichen für Verunsicherung- und schwupp, rollt die Kugel am Tor vorbei. Faye White schließlich trifft unglücklich die Latte, das war’s. England is coming home after the penalty shootout. And now for something completely usual…

England – Japan 2:0 / Neuseeland – Mexiko 2:2

Vorbericht:

  • Die dritten Spieltage in der Gruppenrunde stehen an. Ekstase, Juhu und Juchee! Das sind übrigens keine Namen japanischer Ersatzspielerinnen, sondern freudvolle Ausdrücke ehrlicher Begeisterung. Denn als WM-Befasler darf ich nun in einem Beitrag gleich zwei Partien vorbescheiden, von denen nach dem bisherigen Turnierverlauf mindestens eine so interessant werden dürfte wie die Wahl zum intelligentesten Bewohner im Big Brother-Haus.
  • Sechs der acht Viertelfinalplätze sind vergeben, die Teams streiten sich nur noch um Platz 1 oder 2 in ihrer Gruppe. Ich höre die Reporterkanonen von ARD und ZDF bereits Motivationsbolzen einschlagen wie „Es geht um den Gruppensieg“, „Hier ist alles entschieden, die Mannschaften können also befreit aufspielen“ (kein Nordkorea-Witz beabsichtigt) oder „Man will sich mit einer guten Leistung aus dem Turnier verabschieden“. Profitipp: wenn letzterer Satz fällt, NICHT GUCKEN! Auch wenn der Augenaufschlag von Sven Voss verführerisch ist. Spätestens aber, wenn Kommentator Norbert Galeske wieder von „Transition“ statt „Übergang“ redet, muss jedem Zuschauer klar sein: hier spricht die pure Verzweiflung ins Mikro.
  • Mexiko kann noch den zweiten Tabellenplatz erreichen, ein Sieg gegen Neuseeland bei gleichzeitig hoher Niederlage von England vorausgesetzt. Und so sehr das Begriffspaar „Hohe Niederlage“ und „England“ auch bei mir als Fußballfan spontan für gute Laune sorgt, traue ich es den Conchitas nicht zu, in ihrem Spiel so derbe auf den Putz zu hauen. Schließlich kann Neuseeland befreit aufspielen und will sich mit einer guten Leistung aus dem Turnier verabschieden (WARNUNG! WARNUNG!).
  • Der endgültige Tabellenzweite dieser Gruppe zieht gegen unsere Auswahl ins Viertelfinale, sofern wir heute Abend die Französinnen rundmachen. Klappt das allerdings nicht, geht es gegen den Tabellenführer. Ich fasse es mal schlicht zusammen: entweder wir gegen Japan oder wir gegen England. Und da wäre mir England lieber, so aus rein historischen Gründen und dem nie zu unterschätzenden Aspekt der Schadenfreude. Schwer diskutiert werden dürften sicherlich die Vor- und Nachteile der weiteren Spielorte: belegen Prinz & Co nämlich nur den zweiten Platz, droht Leverkusen, nur bei einem Sieg geht es weiter nach Wolfsburg. Bundesligafans werden sich noch Generationen hinweg darüber streiten, was wirklich schlimmer ist.
  • Wer in der geselligen Runde sich a) für die einzig interessante Partie, also ENG – JAP entschieden hat und b) in einem Moment überbordender Langeweile Eindruck schinden möchte,  kann fallen lassen, dass Japans Frauen noch nie gegen eine europäische Mannschaft gewonnen haben, während die Engländerinnen wiederum noch nie gegen Japan siegen konnten. Da haben sich ja zwei gesucht und gefunden.

Nachbericht:

  • Jaja, das haben wir gerne, ihr Engländerinnen! In der ersten Runde Mist gespielt, in der zweiten Runde durchgequält und jetzt einfach mal die Japanerinnen geschlagen. Nur damit WIR in einem möglichen Viertelfinale den schwarzen Peter zugeschoben bekommen, das katastrophengeplagte Asienvolk nach Hause zu schicken. Ich könnt‘ mich geradewegs aufregen.
  • Noch schlimmer das Wie der Niederlage. Was bibbere ich mit dem kleinen Ding im Kasten der Japanerinnen, Ayumi Kaihori, immer mit! Keine löst meinen Beschützerinstinkt deutlicher aus; vor allem, wenn ein halbhoher Ball angesegelt kommt. Und was machen die fiesen Insulanerinnen? Überlupfen die arme Frau gleich zweimal bei ihren beiden Toren. Meine Reaktion darauf ließ sich kurz gefasst auf dem Trikot der japanischen #11 ablesen: OH NO.
  • Die liebevollen Bemühungen der Mexikanerinnen auf dem anderen Platz wurden ebenfalls zunichte gemacht. Die wollten am Schluss nicht mal mehr einen Sieg, sondern ließen die Kiwis tatsächlich noch den Ausgleich schießen. Für mich steht jetzt fest: den drehen wir eine Nase, spielen gegen Frankreich nur Unentschieden und hauen sie dann im Viertelfinale weg.
  • Sollten wir doch gegen Japan ran müssen, ist die Taktik wohl leider klar. Nicht ins Spiel kommen lassen, konzentriert abwehren, vorne was Hohes reinschaufeln, fertig. So sehr ich die Japanerinnen auch gegen Mexiko mochte,  die Mittelamerikaner sind nun wahrlich nicht für ihre Verteidigungswälle berühmt.
  • Zum Schluss noch mein Lieblingsspruch aus der wieder reichhaltig gefüllten Bonmots-Schatzschatulle von Claudia Neumann. Die interpretierte eine Traineranweisung von der japanischen Bank als Aufforderung an das Team, „höher zu stehen“. Höher stehende Japanerinnen auf Kommando. Wenn es so einfach wäre…

Neuseeland – England 1:2

Vorbericht

  • Und es begab sich zu einer Zeit, als die Sportschau noch pünktlich um 18:00 Uhr anfing und niemand etwas von überteuertem Bezahlfernsehen wusste, da spielten die Kinder Gottes im Paradies Fußball. Schiedlich, friedlich traten sie gegen das knallbunte runde Etwas und erfreuten sich an dem Gekicke. Die Tore selbst bestanden aus zwei nahestehenden, hochgewachsenen Bäumen als Pfosten, die Latte ward noch nicht erfunden, sondern wurde von den Männern noch schamvoll unter Feigenblättern versteckt.
  • Eines Tages stellte sich ein Menschlein zwischen die beiden Baumstämme und rief: „Ich will jetzt der Torwart sein und euch am Toreschießen hindern“. Gesagt, getan. Tapfer warf er sich in die Ecken, hechtete nach dem Spielgerät und erntete viel Anerkennung und Applaus. Doch der schnelle Ruhm stieg ihm zu Kopf, er wollte gar keinen Ball mehr hinter sich lassen und griff daher zu einem Trick. Denn auf den Bäumen lebten kleine Äffchen, die sich behände von Liane zu Liane schwangen. Die dressierte er, auf dass sie immer dann, wenn das Leder unerreichbar ins Tor zu gehen drohte, zwischen den Ästen hervorrauschten und den sicher geglaubten Treffer noch verhinderten. Groß war die Aufregung! Mürrisch gingen die Menschen zum Fußballgott und baten um ein Eingreifen.
  • Der Fußballgott hatte jedoch keine Zeit und schickte an seiner Stelle eine Abgesandte zum nächsten Spiel. Eine kleine Asiatin mit rötlichem Haar, einem freundlichen Wesen , aber auch ganz, ganz kleinen Augen, die ihr vom Gras auf dem Feld immer zuschwollen. Und so kam es, dass die Abgesandte die flinken Äffchen nicht sehen konnte, obwohl das Publikum und die Spieler pfiffen und schrien. Wieder zogen die Menschen vor den Fußballgott. Der war erzürnt und rief seinen Krisenstab zu sich. Zum nächsten Spiel erschien ein kleiner dicker Mann, welcher allüberall in Eden den Ruf hatte, als stets neutral zu gelten. Jedoch ließ er sich gerne mal eine Banane mitgeben, wenn er seine Inspektionen im Auftrag des Fußballgottes durchzuführen pflegte. Nach dem Spiel von seinem Chef befragt, sagte der kleine dicke Mann „Krise? Ich habe keine Krise gesehen. Aber das hier ist eine schmackhafte Banane“.
  • Als es wieder Geschrei an der Pforte gab, wurde es dem Fußballgott zu bunt. Er verkleidete sich als harmloses Gebüsch und mischte sich unter die Zuschauer. Viel gab es zu bestaunen: Ein blau-weiß gekleideter Mann mit nassem Haar aus dem Süden lachte immer dreckig, wenn ein Spieler kurz vor dem Tor hinfiel. Ein anderer, aus dem hohen Norden, ging stets nach Hause, wenn es spannend wurde. Und der Torwart ließ frech seine Äffchen springen, wenn es brenzlig wurde und feuerte das folgende Gebuhe mit obszönen Gesten weiter an.
  • Da legte der Fußballgott seine Tarnung ab, erschien am Mittelkreis und verkündete mit bebender Stimme: „Du, der du das Tor verengst, sollst fortan den Namen Engländer tragen. Stark und groß wirst du sein im Felde, aber schwächlich und klein zwischen den Pfosten. So ist mein Wille.“ Und so geschah es. Am vergangenen Montag klingelte im Wolfsburger Hotel, wo das englische Frauenfußballteam Einzug gehalten hatte, das Telefon. „Ferngespräch für Frau Bardsley“, rief die junge Frau an der Rezeption. Frau Bardsley nahm den Hörer in die Hand und durch die Leitung knacksten folgende Worte: „Du jetzt auch. Sorry. Gleichberechtigung und so“.
  • Ob Bardsley, Brown oder Chamberlain – ich will Neuseeland siegen sehen. Go, Kiwis, go!

Nachbericht:

  • Die Elfenelf fliegt nach Hause ins Elbenland. Dabei haben sie doch so tapfer gekämpft und gingen gar in Führung. Doch alles Drängen half nichts, Bardsley im Tor der Britinnen ließ nicht nochmal einen Krummen rein.
  • Wobei mich die Lionesses nicht wirklich überzeugt haben, gegen die würde ich unsere Mannschaft als nächstes lieber antreten sehen als gegen die Französinnen. So als Aufbaugegner.
  • Bittere Enttäuschung bei britischen Buchmachern: die Landesvertretung wurde ihrer Favoritenrolle gerecht, die Quoten fielen entsprechend mager aus und wer gespannt auf eine andere Heldin im Kasten gesetzt hatte, durfte sich von seinem Einsatz verabschieden. Spielverderberinnen.
  • Kleiner organisatorischer Hinweis: die Vorberichte über die Partien des Wochenendes könnten verspätet oder gar verkürzt veröffentlicht werden. Ich spüre langsam eine leichte Unlust in den Schreibfingern aufziehen und der Leserschaft scheint es mit dem Lesen ähnlich zu gehen.

Mexiko – England 1:1

Vorbericht

  • Keine Italienerinnen. Keine Spanierinnen. Keine Portugiesinnen. Keine Griechinnen. Keine Türkinnen. Es fehlt etwas bei dieser WM. Wo sind sie, die temperamentvollen Südländerinnen? Wie kann es sein, dass Entscheidungen der Schiedsrichter nicht angezweifelt, diskutiert, mit reichlich Handgewedele kommentiert werden? Soll der Strafraum gar das ganze Turnier über unbefallen bleiben? Tritt keine mal herzhaft nach, wenn die eigene Mannschaft hinten liegt? Wird nicht die große Sehnsucht von Machos wie Mario „Kippe’n’Bier“ Basler erfüllt, dass sich die Spielerinnen mal anständig am Haar ziehen? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht heißt die Hoffnung Mexiko.
  • Traditionell will Mexiko eine Hauptrolle bei der WM spielen. Und am Ende reicht es im Abspann meist gerade so für den Credit als Gastauftritt. Immerhin gelang jüngst sowohl Mann wie Frau ein Sieg gegen den Erzrivalen USA, worauf sich die Conchitas allerdings wohl mehr einbilden können. In der Weltrangliste gerade mal auf Platz 22 verortet und mit einer Weltmeister-Quote von 1:75 gesegnet, wäre es schon ein Wunder, wenn die Mexikos Auswahl über das Viertelfinale hinauskäme. Wo übrigens die DFB-Elf auf sie warten könnte. Auch hier gilt für Mann und Frau gleichermaßen: gegen uns ist Ausfahrt Heimat.
  • Eine putzige Anekdote: Mexikos einzige Weltklassespielerin Maribel Dominguez, genannt Marigoal, unterzeichnete 2004 einen Profi-Vertrag beim mexikanischen Männer-Zweitligisten Celaya. Spielen durfte sie wegen eines Vetos der FIFA dort allerdings nicht.  Gut, dass Wolfsburg letztes Jahr nicht abgestiegen ist, der Felix hätte sie während eine seiner Mittelamerika-Urlaubsreisen sicherlich sofort mitgenommen.
  • „Wir wollen ein neues Deutschland werden“, sprach Englands Trainerin Hope Powell wenige Wochen vor der WM. Ein mutiges Bekenntnis, haben die Männer doch immer noch an den Deutschen von 2010 zu knabbern. Manche ewig Gestrigen hängen sich gar weiterhin an dem Modell 39-45 auf. England gilt als Geheimfavorit, aber das wird bekanntlich auch bei den Männern stets umsonst gepredigt. Immerhin wurden die Three Lionesses 2009 Vize-Europameister, ich traue mich jetzt jedoch fast nicht hinzuschreiben, gegen wen frau damals wie hoch verloren hat. Okay. Uns. 2:6. Hihi.
  • Ich bin stolz darauf, diesen Absatz nicht mit dummen Witzen über englische Torhüter zu füllen. Denn glücklicherweise steht bei den Engländerinnen eine Frau im Tor und die größten Humoristen zwischen den Pfosten in der Geschichte des englischen Fußballs waren bisher durchgehend Männer. Das sollte man Miss Bardsley aber nun wirklich nicht ankreiden.

Nachbericht:

  • Das erste Unentschieden bei dieser WM, der erste kleine Favoritensturz. Ausgelöst ausgerechnet von der Frau, die ich in den Zeilen über diesem Absatz noch so gnädigst ungeschoren ließ. Aber der Reihe nach: Mexiko setzt im Tor auf Kinderarbeit und lässt eine 16-Jährige zwischen die Pfosten. Jugendschützer schreien auf, ich hingegen finde, dass aus der mit Sicherheit mal eine Große werden wird. Sofern sie die Teenager-Angststarre überwinden kann, die sie beim 0:1 durch Fara Williams gegenüber dem Ball zeigt.
  • Die Mexikanerinnen in der Folge in der eigenen Spielhälfte mit einer ungeheuren Präsenz oder anders gesagt: jenseits der Mittellinie ertönen keine Mariachi-Klänge, duftet kein Chili, liegt kein Sombrero. Ich will bereits den Satz: „Das englische Tor war wohlbehütet“ auf meinen Notizblock krakeln, da zieht Monica Ocampo unvermittelt ab und Karen Bardsley leistet der englischen Gleichberechtigungsbewegung einen denkwürdigen Schub. Zwar im negativen Sinn, denn endlich darf man sich nun auch über die Torfrauen von der Insel lustig machen. Aber immerhin.
  • Was meine Sympathien endgültig Richtung Mexikanerinnen ausschlagen lässt, denn ich bin glühender Fan ins Höschen gehender englischer Abwehrversuche. Entsprechend habe ich die El-Tri angefeuert, die gegen Ende nochmals ordentlich Dampf Richtung englisches Tor entwickelte, aber keine Highlights mehr zu setzen vermochte. Zumindest keine spielerischen, dafür erlebte ich ein sehr maskulin-rustikales Einsteigen einer Verteidigerin und die schauspielerisch entzückende Aufführung der traditionellen Siesta auf Krankenbahre von Maribel Dominguez. Vamos, ihr dürft ins Viertelfinale, ihr drolligen Senoritas.