Deutschland – Nigeria 1:0

Vorbericht:

  • Die Weltmeisterschaft hat ihren ersten handfesten Skandal. Auch ich bin geschockt, empört, außer Sinnen vor Wut. Hat die ostasiatische Wettmafia vor dem Eröffnungsspiel unserer Fatmire Bajramaj K.O.-Tropfen in das Fußnagellack-Fläschchen geträufelt? Schlimmer. War die Kanadierin Christine Sinclair beim völlig irrealistisch anmutenden Freistoßtreffer gegen Nadine Angerer gedopt? Noch viel schlimmer. Hat Torschützin Kerstin Garefrekes beschlossen wegen ihres Fauxpas vor dem leeren Tor den Ball 90 Minuten nur noch mit dem Kopf spielen zu wollen? Nein.
  • DAS FONTDESIGN DES DEUTSCHEN NATIONALMANNSCHAFTSTRIKOTS IST FÜR DEN POPO. Experten reden von Schweinebauchdesign und sind sich einig, dass diese Schriftart nur von optisch nervgestörten Supermarktleitern oder Kindergärtnerinnen mit dem Drang zum Erstellen lustiger Geburtstagskarten eingesetzt wird. Eine nationale Schande. Dazu trägt dieser Ausbund an Hässlichkeit den Namen „Action-Man“, was dem Ganzen noch die Krone aufsetzt.  Der Mut, diesen Missstand aufzudecken, inspiriert auch mich, offen und ehrlich die Punkte anzusprechen, die mir diese WM langsam zu vermiesen drohen.
  • So höre ich während der Spiele dauernd eine Stimme (manchmal eine Frau, manchmal ein Mann) die mich mit fortschreitender Dauer eindösen lässt. Die Werbebanden wirken männlich kantig statt weiblich abgerundet. Die einzelnen Tormaschen sind nicht voll symmetrisch. Und jedesmal, wenn ich nach dem Halbzeitpfiff kurz auf die Toilette gehe und zurückkomme, ist die Werbepause zu Ende. Ich habe ohne Witz bisher keinen einzigen Spot gesehen. Langsam macht das keinen Spaß mehr.
  • Der Fontkatastrophe gilt es jedoch auch, Einhalt zu gebieten. Hier ein paar meiner Vorschläge, die durch weibliche Ästhetik, feinsinnige Formen und optische Schmeichelei bestechen:



  • Los geht es übrigens um 20:45 Uhr. Champions League-Zeit. Und das ist gut so, denn mal ehrlich: um 15 Uhr wird doch nur in der Europa-League-Qualifikation angestoßen, wenn in Dnjepr Dnjepropetrowsk die Zweitklässler rausgeschickt werden, um den Platz trocken zu kehren.
  • Nigeria dürfte in Bestbesetzung antreten, bei Deutschland feiert Torfrau Nadine Angerer ihr 100. Spiel im Trikot der Nationalelf. Hier ein Video, über das die immer etwas verhärtet wirkende Keeperin sicherlich auch lachen kann:
  • Witzig finde ich den Teaser von Spiegel Online zum Live-Ticker. Kann man drehen und wenden wie man will, da spielen heute Abend wohl nur zwei Frauenmannschaften mit. War Katrin Müller-Hohenstein deshalb gestern so sicher, dass in der zweiten deutschen Vorrundepartie mit vielen Toren zu rechnen sei?
  • Jetzt habe ich über Nigeria gar nichts geschrieben. Es genügt wohl auch der Blick in die offizielle Begegnungsstatistik: 6 Niederlagen, 2:21 Tore. Tippfreunde wissen, wo sie das Kreuzchen zu setzen haben.

Nachbericht:

  • Ein herzliches Willkommen zur ersten offiziellen Meisterschaft im Frauentreten. Es treten gegeneinander: die Auswahl aus Nigeria (schwer aktiv) und Deutschland (zunächst hauptsächlich passiv). Geleitet wird die Partie von einer kleinen, freundlich grinsenden südkoreanischen Schiedsrichterin namens Sung Mi Cha, die die Trikots der nigerianischen Frauen zweifellos mit OP-Leibchen verwechselt und dementsprechend wohl auch eine Operation am offenen Knochen hätte weiterlaufen lassen.
  • Ich bin sauer. Die haben meine Melanie kaputtgetreten, diese wildgewordenen Afrikanerinnen. Was da heute Abend auf dem Platz Gesundheitsamok gelaufen ist, war eine Mischung aus Maik Franz und mehreren Buschsöldnern mit Macheten zwischen den Zähnen. Immerhin geriet das deutsche Tor nie ernsthaft in Gefahr, denn wer mit Äxten am Bein schießt, kriegt keinen geschliffenen, sondern nur einen aufgeschlitzten Ball auf den Kasten.
  • Beeindruckt von der Härte war die DFB-Auswahl allerdings doch. Gerade in der ersten Spielhälfte funktionierte gar nichts. Eine frühe Torchance von Laudehr, danach ging der spielerische Aspekt in der schreienden Blindheit des Schiedsrichterinnengespanns unter. Prinz wieder ohne Bindung zum Spiel, nicht mal richtig gefoult wurde die Arme, weil von ihr einfach keine Gefahr ausging. Fast konnte sie einem leid tun.
  • Ab der zweiten Hälfte jedoch wird dagegengeholzt. Die Taktik der Nigerianerinnen ist klar: einen Punkt und vielleicht den einen oder anderen Knochensplitter als Trophäe mitnehmen. Doch daraus wird nichts, denn Simone Laudehr trifft nach einer Standardsituation aus dem Gewusel zum 1:0. Das war 2011 von seiner eindeutig weniger schönen Seite, aber solche Spiele musst du eben auch gewinnen, wenn du Weltmeisterin werden willst. Nigeria ist damit ausgeschieden, Kanada genauso. Und wenn für meine Melanie ebenfalls die WM vorbei sein sollte, trete ich heute noch ein südkoreanisches Elektrogerät zu Schrott.

Kanada – Frankreich 0:4

Vorbericht:

  • Auf geht’s in die zweite Runde. Und diesmal wird getippt! Jawoll, ich opfere wieder 2,50 Euro bei Oddset (plus 0,50 Cent Bearbeitungsgebühr), um mit einer Handvoll souverän richtig angekreuzter Tendenzen das große Geld zu machen. Was zwar nicht passieren wird, aber so habe ich wenigstens die Motivation, weiterhin bei allen Spielen mitfiebern zu können. Aktuell haben alle Teams einmal vorspielen dürfen und wenn ich einen Trend unter dem Mantel der Verschwiegenheit herumraunen darf: egal, wer spielt, es wird immer eine enge Kiste. Ausnahme vielleicht England, da geht es gewohnheitsmäßig geräumiger zu, sofern ein Schuss drauf kommt.
  • Kanada gegen Frankreich, das legt die Vermutung nahe, dass sich die Verantwortlichen vor der WM in einem Café in Quebec getroffen, einen guten Roten gesüffelt und alle nicht französisch sprechenden Gäste von oben runter angemaunzt haben. Bei einer Niederlage wäre Kanada draußen, ein als felsenfest sicher geltender Sieg unserer Elf gegen Nigeria vorausgesetzt. Also unentschieden oder knapper Sieg von Kanada. Kommt wohl drauf an, ob Christine Sinclair auflaufen kann.
  • Die hat bekanntermaßen am Sonntag den Ellbogen von unserer Babett Peter ins Gesicht bekommen. Kein Beinbruch, möchte man meinen: „Doch“, entgegnet daraufhin die Nase. Auf der anderen Seite fehlt mit Sicherheit die hochgewachsene und zu meinem Unmut nun tieftoupierte Wendie Renard. Im Rahmen der Aktion „Tipp dich reich mit Onkel Ini“ setze ich meine Moneten auf ein Unentschieden. Hatten wir bisher nur einmal und nach meiner reichhaltigen Erfahrung bei Weltmeisterschaften wird es langsam Zeit für ein 0:0. Selbstverständlich übernehme ich keine Haftung für meine Wettvorschläge, mitmachen läuft auf eigene Gefahr und Verstand.
  • Den französischen Trainer finde ich übrigens goldig. Ein lebensfroher und lustiger Mensch, der mich an Gérard Dépardieu erinnert, den alten Speiseöl-und-auch-sonst-alles-was-in-Flaschen-abgefüllt-wird-Trinker. In einem Interview zu Frankreichs Titelchancen meinte Bruno Bini: „Wir sind auch dabei. Da kann man doch sagen, dass das Leben schön ist, oder? Dazu wird es so sein, dass alle Teams zu elft gegen uns spielen werden. Das haben wir uns zusichern lassen“. Ein cleverer Hund!

Nachbericht:

  • Zeit, den Abgesang anzustimmen: O Canada, du warst nicht wunderbar. Dein Sturm war schrecklich lahm, im Beutel machst mich arm. 2,50 Euro schon mit dem ersten Spiel in den Sand gesetzt. Dabei spielte doch Frau Sinclair, die Maskenhafte, blieb aber leider sehr blass. Frau Matheson hätte ich erneut gerne unter die Arme geklemmt und mit nach Hause genommen, so quirlig ackerte sie über den Rasen. Leider konnte das zehn Ausfälle nicht gutmachen.
  • Anders die Französinnen. Mit dem Fuß, mit dem Kopf, wuchtig ins Tor oder lässig die Keeperin hinter sich gelassen. Die Madames zeigten, dass die Frau am Ball auch entschlossen abschließen kann. Dass ich im Zusammenhang mit Franzosen mal von einer großartigen, geschlossenen Leistung schreiben werde, hätte ich mir mit Blick auf die Kerle 2010 in Südafrika auch nicht erträumt.
  • Jetzt sind wir unter Druck, Frankreich hat gut vorgelegt. Nachmachen, Nachlegen, Nigeria niederspielen.

Brasilien – Australien 1:0

Vorbericht

  • Wer ist eigentlich die beste Fußballspielerin der Welt? Wer hat bis auf die Heiligsprechung alle nationalen irdischen Titel gesammelt, gilt als Gesicht ihrer Vereinsmannschaft, schießt die schönsten Tore, ist ein Idol für die weltumspannende Fangemeinschaft, hat allerdings noch nie mit der Nationalelf eine Weltmeisterschaft gewonnen? Klar, da kann es nur eine Antwort geben: Cristiano Ronaldo Marta.
  • Die 25-jährige Brasilianerin ist auch dieses Jahr Topfavoritin auf die Torjägerkrone, die sie sich schon 2007 sichern konnte. Schwedische Meisterin 2005-2008, Brasilianische Meisterin 2009, US-Meisterin 2010, Weltfußballerin der vergangenen fünf(!) Jahre – wo die Frau auch hinkommt, gravieren die örtlichen Goldschmiede schon weit im Voraus ihren Namen in die Pokale. Wie kann es da sein, dass die gute Frau noch nicht Weltmeisterin geworden ist? Ach ja, dafür müsste sie in der DFB-Elf spielen.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass die brasilianische Elf in Hilflosigkeit verfällt, wenn es nicht rund läuft und im Strafraum keine Samba getanzt werden kann, sondern sich görendreiste Abwehrspielerinnen frech in den Weg stellen. In diesen Momenten verfällt die Auswahl gerne in den MAWAMA-Modus (MAchWAsMArta), die Auserwählte reiht daraufhin panisch Übersteiger an Übersteiger bis heiße Luft aus dem runden Leder quillt. Vergleiche mit der brasilianischen Herrenmannschaft verbieten sich eigentlich, aber hier fallen sie positiv aus. Viele sehen in der Spielweise der Frauen die Wiederbelebung der temporeichen, kreativen und leichtfüßigen Ballbehandlung früherer Selecao-Mannen. Die Verteidigung übrigens soll ähnlich sattelfest sein wie damals.
  • Matilda hingegen ist der Star in der australischen Truppe. Für diesen Satz fällt mir wahrscheinlich Berti Vogts gleich um den Hals, denn Matildas lautet der Spitzname der Auswahl von Down Under. Die Chronistenpflicht, journalistische Sorgfalt und die aktuell eher darbende Zugriffszahl hier drin gebieten es, darauf hinzuweisen, dass sich die Auswahl von 1998 für einen Kalender zur finanziellen Unterstützung ihres Verbandes ästhetisch wertvoll nackig gemacht hat. Den Link dazu gibt es hier, die folgenden Zeilen widme ich der lieben Googlesuchmaschine: Frauenfußball, Kalender, nackig, nackt, australische Frauen nackt, australische Fußballfrauen nackt, australische Fußballfrauennationalmannschaft nackt, Justin Bieber, Lady Gaga,  Transformers 3.
  • Asiens Fußballerin des Jahres ist die Australierin Kate Gill. Was mich wieder zu der Erklärung nötigt, dass Australien fußballtechnisch zu Asien gezählt wird, Neuseeland hingegen zu Ozeanien. Deshalb sind beide Mannschaften oft bei Turnieren dabei, treffen dort meist aber nicht aufeinander, weil nach der Vorrunde schon gewohnheitsmäßig die Heimreise ansteht. Frau Gill ist das letztlich egal, denn sie spielt wegen eines Kreuzbandrisses eh nicht mit.  Realistischer treffen, weil noch mit intaktem Bandapparat im Kniegelenk, können Samantha Kerr und Kyah Simon.

Nachbericht:

  • Es mag sein, dass ich in letzter Zeit zu viel Frauenfußball gesehen habe. Vielleicht drücken mich abends auch die Betablocker runter, die ich wegen meines Bluthochdrucks nehmen muss. Aber: war das in der ersten Hälfte wirklich wie von Kommentator Norbert Galeske beschrieben ein „ordentliches, passables Spiel“? Ich fand es genauso langweilig wie tags zuvor die ersten 45 Minuten von USA gegen Nordkorea und wenn ich nicht zur Pause die Augen zumachen hätte können, wäre die zweite Halbzeit ohne mich gelaufen.
  • Beschäftigt hat mich folgender Gedanke: weshalb spielten die Brasilianerinnen nicht im traditionellen Gelb-Blau, obwohl sie doch den zugelosten Heimvorteil hatten und daher ihr Trikot bestimmen konnten? Sagt schon einiges über die Qualität der Partie aus, wenn es nichts gab, was mich von dieser Grübelei ablenken konnte.
  • Nerven tut mich auch, wenn unspektakulären Aktionen der Anstrich der Torgefahr gegeben wird. Ein „guter Kopfball“ etwa ist keiner, der 5 Meter am Tor vorbeirollt. Andererseits wird erst ein „gelungener Schuss“ gelobt, den die Torhüterin ohne Probleme aufnehmen kann, wenige Minuten später kommt ein Ball ähnlicher Kajütte auf den Kasten und es heißt: „Ein Schlenzer, eher wie eine Rückgabe“. Man tut dem Frauenfußball doch wirklich keinen Gefallen mit diesen Aufbauschungen. Ich möchte hier nicht zum ständigen Rumnölen aufrufen, aber ein kleiner Realitäts-Check hier und da täte manchem Kabinenvogel mal ganz gut.
  • Kein Problem habe ich damit, das 1:0 durch Rosana als technisch gelungene Ballannahme, gefolgt von einem tollen Schuss, einzuordnen. Aber der Rest? Ich erwarte keine Knaller in den Winkel, Hackentricktore, Heber (obwohl die Japanerinnen gezeigt haben, dass das geht) oder Seitfallzieher. Weit übers Tor zimmern tun auch die Männer. Allerdings kann auch frau in guter Position mal den Ball gezielt flach oder mit einem feinen Schlenzer über die Linie bringen.
  • Wie auch immer: Brasilien gewinnt, ohne seine Favoritenrolle auch nur ansatzweise untermauern zu können.  Die Leistung von Marta, der auserkorenen Überstürmerin, fand ich ernüchternd bis enttäuschend. Vielleicht brauche ich jetzt wirklich eine Pause. Gut, dass es morgen kein Mittagsspiel gibt, sondern um 18 Uhr und 20:45 Uhr erst wieder angepfiffen wird.

Norwegen – Äquatorial-Guinea 1:0

Vorbericht

  • Mir geht es heute gar nicht gut. Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben, aber ich denke, dass vorgetäuschte Stärke weder dem Autor noch dem Leser hilft. Die Wahrheit mag schockieren, auch, dass ich so lange darüber geschwiegen habe, aber jetzt muss es raus. Gestern, beim Spiel Schweden gegen Kolumbien, hatte ich mehrere unerklärliche Bildausfälle. Experten erahnen, was passiert sein dürfte: Blitzeinschläge, die Todfeinde der gelungenen Fußballaufführung und -berichterstattung.
  • Auch mich hatte es schwer erwischt, aber infolge schier unmenschlicher Anstrengung ließ ich mir nichts anmerken. Üblicherweise führt in solchen Fällen ja nichts an einem längeren Krankenhausaufenthalt vorbei, ärztlich dringend verordnete Bettruhe inklusive. Aber man will die Fans nicht enttäuschen. Die aus meinem Starrsinn entsprungenen Fehler in den gestrigen Berichten kann ich heute nur mühselig korrigieren: es gibt keine britische Verschwörung im schwedischen Tor, Hedvig Lindahl sieht nicht aus wie Karen Bardsley, die erste Halbzeit bei USA gegen Nordkorea war superspannend, Silvia Rottenberg heißt in Wirklichkeit Silke und würde niemals Oliver Kahn in den Nacken beißen wollen, Thomas Anders schließlich hatte noch nie eine Spätschleimphase, sondern schleimt frisch wie eh und je. Entschuldigung.
  • Der Afrikaner hat, das ist für Experten nichts Neues, aber so was von gar keine Ordnung auf seinem Kontinenten. Aktuelles Beispiel: die Lage von Äquatorial-Guinea. Als erfahrener Weltenbummler verorte ich Guinea natürlich mit geschultem scharfen Blick im Westen der Wiege der Menschheit, umgeben von Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste,  Mali, Senegal und -hallo!- Guinea-Bissau. Da kann die Äquatorialvariante ja nicht weit davon entfernt sein. Pustekuchen, Suchen und Fluchen! Über 2500 km weiter östlich, wo die Verschlankung des Kontinenten beginnt, versteckt sich der kleine Tunichtgut. Man stelle sich vor, sowas machte bei uns Schule und schwupps, Sachsen-Anhalt würde an seiner Grenze zu Sachsen entfernt und irgendwo ins tiefste Georgien verlegt. Der NPD stünde ein unerträglich schwerer Wahlkampf bevor.
  • Äquatorial-Guinea ist laut Wikipedia eine autoritäre Kleptokratie, der Präsident Teodoro Obiang putschte sich gegen seinen Onkel an die Macht, in der Korruptionsweltrangliste belegt man einen beeindruckenden 10. Platz. Bitte an dieser Stelle selbst einen FIFA-Witz eigener Wahl einbauen. Gerne wird von anderen afrikanischen Nationen behauptet, dass in der Frauen-Elf auch Männer spielen, die FIFA höchstselbst allerdings stellte zuletzt offiziell das Gegenteil fest. Das Land ist reich an Erdöl und Gas, das Vermögen des Staatsoberhaupts Obiang wird auf drei Milliarden Dollar geschätzt. Und ich weiß auch nicht, weshalb ich den vorherigen Satz geschrieben habe. Die Frauennationalmannschaft gilt beim Turnier als krasser Außenseiter, die bekannteste Spielerin heißt Genoveva Anonma und natürlich drücke ich denen die Daumen, denn bisher war diese WM doch eher überraschungsarm.
  • Zu Norwegen fällt mir eigentlich nur Black Metal ein. Höre ich aber nicht sonderlich gerne. Verbreitet bei mir irgendwie nicht so recht die optimale Stimmung, zudem geht mir das Gefauche auf den Keks.  Aber die Videos des Vegan Black Metal Chefs sind sehr lehrreich, deshalb sind die nun auch verlinkt. Von Fjorden, dem Königshaus und Edvard Grieg will ich jetzt auch nicht anfangen, das ist mir zu klischeebeladen und überhaupt zieht gerade ein Gewitter auf.
  • Deshalb kurz die wichtigsten Fakten zur Landesauswahl: souveräne Qualifikation, Weltmeister 1995 gegen uns, Spitznamen Gresshoppene (Grashüpfer), eingespieltes Team, Schlüsselspielerinnen sind Maren Mjelde, Ingvild Stensland, Leni Larsen Kaurin und Isabell Lehn Herlovsen. Platz 2 in der Gruppe könnte drin sein, wenn die Australierinnen geschlagen werden. Ich würd mich das nicht trauen.

Nachbericht

  • Der Verband Äquatorial-Guineas hat also beschlossen, die beiden Geschwister Salimata und Bilguisa Simpore nicht zu nominieren. Offiziell aus Krankheitsgründen, inoffiziell munkelt man „weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllt haben, um am Turnier teilzunehmen“, wie es Kommentatorin Claudia Neumann umständlich formulierte. Meine Güte, Claudia! Die beiden sollen einen Piephahn statt einer Mumu haben, das wird man doch auch im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen mal mutig aussprechen dürfen!
  • Was haben die Begriffe Massenvernichtung und Festival gemeinsam? Das Wort Torchancen vorangestellt, fassen beide das Spiel dieses Nachmittags perfekt zusammen. Ich habe schon oft während dieser WM „Jetzt schieß doch mal, Mädchen!“ reingerufen, aber dieses Mal war mir der Mund meist durch meine flache Hand verdeckt. Was da an Gelegenheiten versemmelt wurde,  mochte man gar nicht mitansehen. Dem einen auf Show bedachten Fan aus Äquatorial-Guinea im blauen Trikot ging es da sehr ähnlich. Den hätte ich übrigens gerne beim nächsten Mal als alternativen Kommentator auf einem separaten Tonkanal. Sofern er sich nicht am Ende vor Leid von der Tribüne gestürzt oder die Augen ausgekratzt hat.
  • Denn Norwegen erzielte in der 84. Minute durch Emilie Haavi das 1:0. Natürlich galt die Sympathie den Außenseitern aus Afrika, die mit der Schussmaschine Anonma für einigen Wirbel sorgten. Ganz schlecht waren die Skandinavierinnen aber auch nicht, wie immerhin drei Pfostentreffer bezeugten. 84 Minuten hat die oben erwähnte Frau Neumann die Truppe gedisst, herumgemäkelt, enttäuschende Leistungen gesehen. Aber als die Kugel dann doch noch im Tor  zappelte, war es eine „hart erarbeitete Führung“ durch die natürlich „stärkste Norwegerin“ auf dem Platz.
  • Fazit: Eine größtenteils ausgeglichene Begegnung, mit vielen Torraumszenen. Aber wenn ich eine Bitte äußern dürfte: zum nächsten Mal Torschusstraining für alle. Aber echt jetzt.

USA – Nordkorea 2:0

Vorbericht

  • Bei der WM in Südafrika wurde mir die großartig bezahlte Ehre zuteil, als Korrespondent für das führende nordkoreanische Sportmeinungsbildungs-Fachorgan, PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) tätig zu werden.  Unmittelbar nach Abschluss des Turniers erhielt ich in Ehrung meiner Verdienste die Auszeichnung der „verbogenen Feder für glückseligmachende Berichterstattung“ in edelstem Hartplastik und den goldenen Schlüssel zur Stadt, wenn sie mal gerade geschlossen sein sollte. Was aber natürlich nie der Fall ist. Sicherheitshalber soll ich jedoch vorher bei einem Militärposten durchklingeln. Hier mein aktueller, bereits abgesegneter Aufmacher:
  • (PPP) Nach dem triumphalen Gewinn des Weltmeistertitels durch unsere tapferen Genossen im vergangenen Jahr sind nun unsere vor Weiblichkeit strotzenden Genossinnen an der Reihe, ihren unbestreitbaren ersten Platz in der Welt und in den Herzen der Menschen zu verteidigen. Der die Liebe seines Volkes täglich ausschwitzende und als bekömmliches Erfrischungsgetränk aufbereitende geliebte Führer Kim Jong-Il, der in seiner Zeit als aktiver Fußballspieler sowohl in der Herren- als auch in der Damennationalmannschaft hervorstach, hat bereits die offizielle Kampfparole verkündet: „Selbst die nordkoreanische Frau ist mehr wert als jeder Mann des Klassenfeindes aus dem Süden. Frau! Sieg! Vaterland!“. Das siegessichere Kollektiv wurde bereits mit offenen Armen in Dresden, einer der schönsten Städte der Deutschen Demokratischen Republik, empfangen und umjubelt. Staatsratsvorsitzender Erich Honecker gab der Mannschaft bei der Begrüßungsveranstaltung vor 100.000 begeisterten Freunden unserer Volksrepublik ein aufmunterndes „Torwärts immer, rückwärts nimmer“ auf den Weg. Unerträglich hingegen die Provokationen des Teufels aus dem Westen, dessen wildgewordene Weiber mit Sicherheit zu unfairen Mitteln greifen werden, um den verdienten Siegeszug unserer Genossinnen zu stoppen.  Wie die Ratten verschanzen sie sich in ihren Quartieren, schmieden in dunkler Abgeschiedenheit Intrigen und verweigern sich dem frohen, weltoffenen Fest, das diese Weltmeisterschaft auf sozialistisch-brüderlichem Boden doch darstellen soll. Wie gut, dass diese ekelhafte Posse spätestens zum Ende der Vorrunde ihren Abschluss finden wird. Freude! Offenheit! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Das Spiel findet übrigens nicht wie bisher gewohnt um 18:00 Uhr, sondern 15 Minuten später statt. Die Suche nach Massenvernichtungswaffen nimmt nun mal ihre Zeit in Anspruch. Gespannt wartet die Welt auf den Moment, in dem sich die beiden Teams zur Begrüßung die Hand reichen. Die amerikanische Trainerin Pia Sundhage hat bereits angekündigt, ihre Spielerinnen den von der letzten WM berüchtigten nordkoreanischen Schmähsatz „Kim Jong-Il Gae Heng Hi Hi“ (zu deutsch: „Euer geliebter Führer hat einen lachhaft kleinen Lümmel“) zwischen den Zähnen hindurchzischeln zu lassen. Neu im Repertoire: „Kim Jong-Un Puh Hui Ho Ho“ (etwa: „Der Sohn eures geliebten Führers stinkt ganz gewaltig aus der Hose“).
  • Amerika ist die Nummer 1 im Frauenfußball. Zumindest sagt das die Weltrangliste. Der letzte Weltmeistertitel liegt allerdings bereits schmucke 12 Jahre zurück. Die außerordentlich hohe Qualität des Frauenfußballs in Amerika ist einfach zu erklären: wenn Mom und Dad einen Sohnemann auf die Welt bringen und der anfängt, dem runden Leder nachzujagen, setzt es besorgte Gesichter. Das Kind kriegt Baseballschläger geschenkt, muss mit einem übergroßen Handschuh unterm Kissen schlafen, wird am Basketballring streckungshalber mal eine Nacht hängengelassen oder läuft gut gepolstert hundert Mal täglich gegen die Hauswand. Wenn gar nichts mehr hilft, kriegt er eine Xbox360, das neue Call of Duty, reichlich Dollar für Essen bei McDonald’s  und gibt sporttechnisch hernach endlich Ruhe. Mädchen spielen dagegen Fußball, solange und so oft sie möchten und der Daddy hofft, dass sie mal berühmt werden, einen attraktiven Footballer heiraten und Söhne zeugen. Worauf der Kreislauf wieder von vorne beginnt.
  • Die Qualifikation der Amerikanerinnen verlief über Umwegen und gelang erst durch einen Sieg in den Play-Offs gegen die Italienerinnen. Dominanz liest sich anders. Herausragend im Team ist sicherlich Mary Abigail „Abby“ Wambach, im Tor steht mit Hope Solo eine tolle Einzelkämpferin, die ich gerne ehelichen und unseren Sohn dann Han nennen würde. Nordkorea setzt dagegen mit viel Kim, Hong, Song und Jong, wer vermag die schon alle auseinanderzuhalten.  Was soll ich mir also die Mühe machen. Okay, stellvertretend erwähne ich jetzt Jo Yun Mi. Die Truppe ist ein Geheimfavorit, ohne Zweifel, aber mal ehrlich: wenn die Weltmeister würden, wäre doch die ganze schöne Stimmung dahin, wie wenn jemand auf einer Party plötzlich Marschmusik auflegt.

Nachbericht

  • (PPP) Die volkseigene Auswahl der Republik Korea besiegt das vergebens hinterherjapsende amerikanische Team mit 2:0 durch Tore von Kim und Kim. Auf der Pressekonferenz hinsichtlich des nie gefährdeten Sieges gab Trainer Kim Kwang Min gut gelaunt und mit einem herzhaften Lachen auf den Lippen zu Protokoll: „Wir haben heute maximal 10% unseres Leistungspotenzials abgerufen. Den Sieg widme ich meinem von der Liebe zu seinem Volk heute Abend wahrscheinlich hackedicht betrunken herumtanzenden, geliebten Führer Kim Jong-Il“. Ein wunderbarer Schlusspunkt eines gelungenen Auftritts der einzig wahren koreanischen Frauenfußballmannschaft, die daraufhin in das wuselige Dresdener Nachtleben entlassen wurde.  (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Kommentator Galeske sah in der ersten Hälfte ein gutes Spiel. Diskutabel, sofern man nicht ein „zum Zehennägelschneiden oder „zum Nachmittagsschlafnachholen“ hintenanstellt. In meinen handschriftlichen Notizen prangt nur ein Satz: „Dr. Theo Zwanziger trägt ein apartes, hellblaues Baseballkäppi“.
  • In der zweiten Hälfte gleich zu Beginn mehr Leben in der Bude. Hong im Tor der Nordkoreaner fängt jedoch alles weg. Wo Ball, da Hong. Bis zur 54. Minute, als Cheney frech gegen die Laufrichtung der Keeperin köpft. Die Asiatinnen schlagen zurück, auch Hope bleibt nicht mehr länger Solo im Torraum, es begegnen sich Ball und Latte. Die USA nun drängender, mit echten Torchancen. Ein Kopfball touchiert die Latte, wenige Minuten später könnte Buehler aus dem Hintergrund schießen, schießt und Tor! Sah nicht so gefährlich aus, kam aber scharf und flach, das schmeckt Hong nicht, sie mag es eher mild und halbhoch. 76. Minute, das sollte es gewesen sein. Noch ein nicht gegebenes 3:0, kurz danach Abpfiff. Letztlich verdienter Sieg der Amerikanerinnen, die ein Titelaspirant bleiben. Von der nordkoreanischen Auswahl bin ich ein wenig enttäuscht.
  • Ich verfolge ja die ganzen Vor-, Zwischen- und Nachberichte der übertragenden Fernsehsender nicht, weil ich parallel meine Texte schreiben muss. Als ich heute allerdings das Paar Silke Rottenberg und Sven Voss sah, spürte ich fast durch den Schirm die Enttäuschung der ehemaligen deutschen Torhüterin, dass Oliver Kahn nicht für diese WM zur Verfügung stand. Man hätte so gut zueinander gepasst, sich so gut austauschen, ergänzen oder ja, vielleicht auch mal gegenseitig zärtlich in den Nacken beißen können. Sven Voss wirkt dagegen im Zusammenspiel mit ihr wie Thomas Anders in der Spätschleimphase, der sich ständig vor Cynthia Rothrock ducken muss.

Kolumbien – Schweden 0:1

Vorbericht

  • Kolumbien und Brasilien vertreten also den südamerikanischen Kontinenten bei dieser Weltmeisterschaft. Moment, gibt es da nicht üblicherweise noch eine Nation, die man bei so einem Turnier erwartet? Ach, jetzt komm ich nicht auf den Namen. Wo dieser Messi spielt. Wo der Trainer so geheult hat letztes Jahr. Weil sie gegen uns 4:0 im Viertelfinale verloren haben. 4:0! Argentinien, ja genau. Wo sind die eigentlich?
  • Meine erste spontane Theorie war folgende: weil bei den Gauchos der Macho noch seine Stiefel auf den Esstisch legen kann, ohne dass es ihm droht angemault zu werden, hat man keine eigene Trainerin für die Frauenmannschaft angestellt, sondern den gerade zufälligerweise unbeschäftigten Diego Maradona engagiert. Dessen Übungseinheiten orientierten sich streng an dem ihm vorschwebenden Frauenbild: 100 Meter-Sprints in Pumps und ohne Sport-BH, Steakzubereitung am Anstoßkreis, Bikinischau in Tornetzstrümpfen und Schminken während des Zweikampfs. Am Ende hatte Diego ein Team zusammen, welches ein Fotonegativ seiner Selbst war: sahen alle prima aus, aber keine konnte was mit dem Ball anfangen. Das Qualifikationsspiel wurde schließlich infolge einer zeitlichen Kollision mit einer privaten Feier im Hause des Trainers verpasst, die Mannschaft nicht zur WM zugelassen und Maradona fühlte sich wie gewohnt als Opfer einer gigantischen Verschwörung. Okay, in Wirklichkeit hat Argentinien mit 0:1 gegen Kolumbien verloren und erreichte deshalb nur den dritten Platz bei der Südamerikameisterschaft. Aber mit Maradona liest sich alles doch gleich viel lustiger, oder?
  • Kolumbien gilt als Außenseiter und Exot, die Mannschaft trägt den Namen „Cafeteras“, was für mich verdammt schwer nach Kaffeeausschank klingt. Und übersetzt in der Tat auch Kaffeekanne oder Kaffeemaschine heißt. Die haben schon Humor da unten, ihre Frauen Kaffeekannen zu nennen, Liebe zum nationalen Getränk hin oder her. Man stelle sich vor, wir würden unsere Auswahl Wurstaufschnitten rufen, da wäre aber was los. Wie auch immer: Chefkännchen draußen ist die 17-jährige Yoreli Rincon, Ingrid Vidal und Maria Cataline Usme können ebenfalls gut einschenken, der Trainer sieht die größten Stärken seines Teams im Glauben an Gott, dem großen Selbstbewusstsein und der Liebe zum eigenen Land. Die Fähigkeit, Bälle ins Tor schießen zu können ist -wie bei Südamerikanern üblich- eher zweitrangig.
  • Schwedinnen lächeln beim Kopfball, Schwedinnen sehen aus wie Agnetha Fältskog von ABBA in den 70ern, Schwedinnen strahlen den doppelten Bänderriss weg und machen aus jedem Humpeln einen Gang auf dem Catwalk. Mag sein, dass das alles großer Käse ist, aber eines ist sicher: da zuckt der Mann auf, das will er sehen, da begehrt er auf, drängt sich vor den Fernseher und stellt mit schwitzigen Händen auf der Fernbedienung die Bildschärfe höher. Meine Zuneigung muss sich dieses Land nicht auf solche billige Art einholen, als audiophiler Lärmfachverarbeiter stehen dermaßen viele Alben schwedischer Bands in meinem CD-Regal, dass ich den Nordfrauen einfach zwingend die Daumen drücken muss: Amon Amarth, Spiritual Beggars, Grand Magus, PAIN, Dark Tranquillity und ganz frisch die neue In Flames laufen in der schwedischen Kabine doch sicherlich rauf und und runter, während wir uns betroffen einen grönemeyern oder heulend rumnadooen.
  • Musikalisch also top, fußballerisch leider nicht mehr ganz so erfolgreich wie früher. Die erste schwedische Liga war vor Jahren mal die stärkste der Welt, das Nationalteam immer ganz vorne mit dabei, wenn die WM- oder EM-Glocke läutete. 2007 allerdings überstand man schon die Vorrunde nicht: bezeichnenderweise in der Gruppe mit den USA und Nordkorea. Stürmerstar ist Lotta Schelin, Mittelfeldregisseurin Caroline Seger, die meisten Erfahrungspunkte sammeln konnte bisher Therese Sjögran und wenn die Frauen diesmal in die Ausscheidungsrunde vorrücken, dürfen sie ihre männlichen Pendants kräftig hänseln: die fliegen nämlich pünktlich zum Abpfiff des Achtelfinales immer noch Hause.

Nachbericht

  • Ich bin möglicherweise einer großen Sache auf der Spur, denn die schwedische Frau im Tor sah dem armen britischen Ding von gestern doch sehr ähnlich. Ob wir da ein Comeback von Frau Bardsley gesehen haben, konnte ich allerdings nicht überprüfen, weil sie keinen wirklich gefährlichen Ball auf die Kiste bekommen hat. Ich bleib aber dran, versprochen.
  • 2. Minute und schon widerlegt die kolumbianische Verteidigerin Natalia Gaitan eindrucksvoll ein von Witzbolden verbreitetes Vorurteil: wenn der Ball über die Linie zu trudeln droht, läuft frau nicht mit den Händen vor dem Kopf und einem „Uiuiuiuiuiuiui“ auf den Lippen panisch davon, sondern grätscht die Kugel sauber vor der Linie weg. Fein gemacht.
  • 13. Minute: Landström hubelt den Ball freistehend über das Tor. So schieße ich auch mit links, aber die Frau ist glaube ich Linksfüßerin. Oder heißt es Linksfüßin? Wie auch immer. Da hat jemand zu viel Bundesliga mit Gomez, Lakic und Błaszczykowski geguckt.
  • Feinschmeckerli für Freunde des Foulspiels. Landström läuft Gaitan mit Schmackes über den Haufen. Die Schwedinnen sind drückend überlegen, langen auch mal kräftig zu, das Wikingerblut schimmert durch. Nur treffen tun sie nicht.
  • Allen voran Lotta Schelin. Lotta, Lotta, Lotta, da wird doch das Knäckebrot trocken! Was die Frau alles liegenlässt. Dann endlich, in der 57. Minute die Erlösung: Flachpass Schelin, Abstauber Landström, da kann nichts schiefgehen.
  • Und die Kolumbiannerinnen? Ich lehne es mal an einen alten Werbespruch an: „Heute bleibt die Kanne kalt, wir fahren in den IKEA und kaufen unserem Sturm ein Sitzbänkchen“. Will sagen, da war nichts. Außer ein paar Fernschüssen gegen Ende, die selbst die möglicherweise englische Torhüterin nicht erschrecken konnten.


Mexiko – England 1:1

Vorbericht

  • Keine Italienerinnen. Keine Spanierinnen. Keine Portugiesinnen. Keine Griechinnen. Keine Türkinnen. Es fehlt etwas bei dieser WM. Wo sind sie, die temperamentvollen Südländerinnen? Wie kann es sein, dass Entscheidungen der Schiedsrichter nicht angezweifelt, diskutiert, mit reichlich Handgewedele kommentiert werden? Soll der Strafraum gar das ganze Turnier über unbefallen bleiben? Tritt keine mal herzhaft nach, wenn die eigene Mannschaft hinten liegt? Wird nicht die große Sehnsucht von Machos wie Mario „Kippe’n’Bier“ Basler erfüllt, dass sich die Spielerinnen mal anständig am Haar ziehen? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht heißt die Hoffnung Mexiko.
  • Traditionell will Mexiko eine Hauptrolle bei der WM spielen. Und am Ende reicht es im Abspann meist gerade so für den Credit als Gastauftritt. Immerhin gelang jüngst sowohl Mann wie Frau ein Sieg gegen den Erzrivalen USA, worauf sich die Conchitas allerdings wohl mehr einbilden können. In der Weltrangliste gerade mal auf Platz 22 verortet und mit einer Weltmeister-Quote von 1:75 gesegnet, wäre es schon ein Wunder, wenn die Mexikos Auswahl über das Viertelfinale hinauskäme. Wo übrigens die DFB-Elf auf sie warten könnte. Auch hier gilt für Mann und Frau gleichermaßen: gegen uns ist Ausfahrt Heimat.
  • Eine putzige Anekdote: Mexikos einzige Weltklassespielerin Maribel Dominguez, genannt Marigoal, unterzeichnete 2004 einen Profi-Vertrag beim mexikanischen Männer-Zweitligisten Celaya. Spielen durfte sie wegen eines Vetos der FIFA dort allerdings nicht.  Gut, dass Wolfsburg letztes Jahr nicht abgestiegen ist, der Felix hätte sie während eine seiner Mittelamerika-Urlaubsreisen sicherlich sofort mitgenommen.
  • „Wir wollen ein neues Deutschland werden“, sprach Englands Trainerin Hope Powell wenige Wochen vor der WM. Ein mutiges Bekenntnis, haben die Männer doch immer noch an den Deutschen von 2010 zu knabbern. Manche ewig Gestrigen hängen sich gar weiterhin an dem Modell 39-45 auf. England gilt als Geheimfavorit, aber das wird bekanntlich auch bei den Männern stets umsonst gepredigt. Immerhin wurden die Three Lionesses 2009 Vize-Europameister, ich traue mich jetzt jedoch fast nicht hinzuschreiben, gegen wen frau damals wie hoch verloren hat. Okay. Uns. 2:6. Hihi.
  • Ich bin stolz darauf, diesen Absatz nicht mit dummen Witzen über englische Torhüter zu füllen. Denn glücklicherweise steht bei den Engländerinnen eine Frau im Tor und die größten Humoristen zwischen den Pfosten in der Geschichte des englischen Fußballs waren bisher durchgehend Männer. Das sollte man Miss Bardsley aber nun wirklich nicht ankreiden.

Nachbericht:

  • Das erste Unentschieden bei dieser WM, der erste kleine Favoritensturz. Ausgelöst ausgerechnet von der Frau, die ich in den Zeilen über diesem Absatz noch so gnädigst ungeschoren ließ. Aber der Reihe nach: Mexiko setzt im Tor auf Kinderarbeit und lässt eine 16-Jährige zwischen die Pfosten. Jugendschützer schreien auf, ich hingegen finde, dass aus der mit Sicherheit mal eine Große werden wird. Sofern sie die Teenager-Angststarre überwinden kann, die sie beim 0:1 durch Fara Williams gegenüber dem Ball zeigt.
  • Die Mexikanerinnen in der Folge in der eigenen Spielhälfte mit einer ungeheuren Präsenz oder anders gesagt: jenseits der Mittellinie ertönen keine Mariachi-Klänge, duftet kein Chili, liegt kein Sombrero. Ich will bereits den Satz: „Das englische Tor war wohlbehütet“ auf meinen Notizblock krakeln, da zieht Monica Ocampo unvermittelt ab und Karen Bardsley leistet der englischen Gleichberechtigungsbewegung einen denkwürdigen Schub. Zwar im negativen Sinn, denn endlich darf man sich nun auch über die Torfrauen von der Insel lustig machen. Aber immerhin.
  • Was meine Sympathien endgültig Richtung Mexikanerinnen ausschlagen lässt, denn ich bin glühender Fan ins Höschen gehender englischer Abwehrversuche. Entsprechend habe ich die El-Tri angefeuert, die gegen Ende nochmals ordentlich Dampf Richtung englisches Tor entwickelte, aber keine Highlights mehr zu setzen vermochte. Zumindest keine spielerischen, dafür erlebte ich ein sehr maskulin-rustikales Einsteigen einer Verteidigerin und die schauspielerisch entzückende Aufführung der traditionellen Siesta auf Krankenbahre von Maribel Dominguez. Vamos, ihr dürft ins Viertelfinale, ihr drolligen Senoritas.

Japan – Neuseeland 2:1

Vorbericht

  • Das Wochenende ist vorbei, wir haben gewonnen und ich war gestern wohl ein wenig zu miesepetramäßig drauf, was das Spiel unserer Nationalmannschaft anbelangt. Ich hatte halt die ganzen Testspiele noch im Auge und dachte, das Ding holen wir locker mit 5:0 nach Hause. Mittlerweile bin ich überzeugt: Kanada ist ein bisher ungenannter Mitfavorit, schließlich sind die ja fast so was wie die USA und die wiederum stellen bekanntlich die #1 in the world and überhaupt. Prinz und Bajramaj haben aber wirklich schlecht gespielt und jeden, der mich vom beinharten Fantum zu Melanie „MelB“ Behringer abbringen will, bewerfe ich mit Fußballschuhen.
  • Japan. Da wird es schwer mit den Witzigkeiten. Ich traue mich nicht mal, sowas wie „Godzilla-Girls“ hinzuschreiben. Natürlich wegen des Erdbebens und der Atomkatastrophe, die diese Nation vor wenigen Monaten erleiden musste. Hat es uns nicht alle beeindruckt, wie die stolzen Japaner diesen furchtbaren Schicksalsschlag hingenommen haben, ohne ihren Emotionen freien Lauf zu lassen, ohne in Tränen auszubrechen angesichts dieser Tragödie?
  • „DIE HABEN DICH AUCH NOCH NICHT SUSHI ESSEN SEHEN!“, ruft mir mein Bruder gerade über die Schulter. Das ist wahr. Ich befürchte, ich könnte allein durch einen Mitschnitt meiner Zubereitungs- und Verzehrmodalitäten ihres Nationalgerichts die willensstärksten Asiaten brechen. Ich und die 3,99-Euro-Tiefkühlpackung aus dem Aldi. Wie ich die Tütchen mit dem Ingwer und dem Wasabi zwecks Auftauens aus Schusseligekeit zu lange in der Mikrowelle lasse, bis sie explodieren, wie ich den warmen Matsch aus diesen beiden Bestandteilen mit Sojasoße übergieße und mit dem Reis voran die Sushi darin ertränke – das schlägt schlichtweg die Dimensionen japanischer Quäl-Spielshows. Vielleicht sollte ich doch ein Video davon auf die PS3 im Freizeit-Quartier der Damenauswahl  einschmuggeln und dann massiv auf einen Sieg der Neuseeländerinnen wetten. Die sind nämlich klarer Außenseiter gegen die aktuelle #4 der Weltrangliste.
  • Homare Sawa heißt die Rekordnationalspielerin und -torjägerin, zählt 32 Lenze und spielt schon seit 18 Jahren für die Nadeshiko Japan, wie sich die Auswahl nennt. Das ist bewundernswert, 1993 wäre ich im Alter von 14 froh gewesen, den Spielmechanismus hinter dem 3D-Shooter „DOOM“ begriffen zu haben.  An Legionärinnen erwähnenswert: Yuki Nagasato (Turbine Potsdam) und Kozue Ando (FCR Duisburg). Unbelastetes junges Gemüse, nee, das kann ich jetzt wieder nicht schreiben, Eine aufstrebende Newcomerin stellt für viele Experten die 18-jährige Mana Iwabuchi dar. Allerdings gilt für die ganze Mannschaft: gegen die Top-Teams USA und Deutschland sieht die Bilanz extrem mager aus. Der Weg ist also bereitet: Vorrunde hui, Ausscheidungsrunde pfui.
  • Ich mag Neuseeland, schon bei der letztjährigen WM. Die tapferen Hobbitse haben mir viel Spaß bereitet und blieben damals – das erwähne ich gerne nochmals – die einzige unbesiegte Mannschaft im Turnier. Ähnliches erhoffe ich mir von der Elfenauswahl, die noch auf ihren ersten WM-Sieg wartet.  Wieder allerdings muss ich die neuseeländische Tourismusbehörde rügen: die Männermannschaft lief wegen ihrer Trikotkombination als „All Whites“ in Südafrika auf, die Frauen bekamen nun ausgerechnet den Spitznamen „Swanz“ verpasst. Ich sehe vor mir schon die Transparente mit der Aufschrift „We are proud of our Swanz“ und die kritisch dreinblickenden FIFA-Geschlechts-Inspekteure. Selbst im Deutschen würde ein „Wir sind stolz auf unsere Schwäne“ zu buchstäblichem Ergänzungs-Schabernack einladen. Das muss doch wirklich nicht sein. Wer sehen möchte, wie  man richtig Werbung für Neuseeland betreibt, den verweise ich auf dieses flickr-Fotoset mit Motiven aus dem Büro von Murray Hewitt, Botschaftsmitarbeiter und bester Bandmanager aller Zeiten aus der großartigen TV-Show „Flight of The Conchords“.
  • Neuseeland erinnert mich darüber hinaus oft an mein Heimatland, das Saarland. Tolle Umgebung, tolle Menschen, aber eine schlechte Außenwahrnehmung.  Wenn es etwas über Neuseeland zu lesen gibt, dann meist, wenn altgediente Schafe sterben oder Pinguine stranden. Im Saarland hingegen können selbst Tiere massenweise verenden, überregionale Notiz genommen wird nur, wenn Lafontaine hustet, Nicole an deutschen Grand-Prix-Beiträgen herummeckert oder der saarländische Tatort wieder einmal vollends enttäuscht hat. Eine weitere Parallele: der Neuseeländer kabbelt sich traditionell mit dem sich ach so toll vorkommenden Australier herumkabbeln, sozusagen dem Pfälzer Ozeaniens. Alles Gründe, den Kiwis auch diesmal die Daumen zu drücken.
  • Letzter Absatz, ich schmeiße wieder Namen wichtiger Spielerinnen in die Runde: Hayley Moorwood, Ali Riley, Rosie White, Wyntona Rufer. Nein, Wyntona Rufer habe ich jetzt scherzeshalber reingeschmuggelt. Der heißt Wynton und war mal Stürmer in Bremen. Wollte nur mal kurz die Aufmerksamkeit der Leserschaft austesten. Ich gehe jetzt 2,50 Euro auf einen Sieg der Neuseeländerinnen setzen.

Nachbericht

  • Ich hätte da nicht gespielt. Nö. Bullenhitze, unattraktive Anstoßzeiten (15 Uhr Ortszeit, 1 Uhr nachts in Neuseeland, 22:00 abends in Japan), Bochum, schrecklich stumpfer Rasen. In der Mittagspause war ich heute im Aldi und habe durch reines Warenverladen in den Kofferraum gefühlte 2 Liter Flüssigkeit aus meinem körpereigenen Wasserhaushalt verloren. Insofern schon mal meinen Respekt an die beiden Teams.
  • Modische Akzente wurden zudem auch noch gesetzt; Neuseeland teilweise mit weißer Kampfschminke, was bei den Temperaturen natürlich bald aussah wie KISS im Endstadium. Japans Nr. 4 hingegen überrascht und entzückt mit einer zarten beige-weiß-Stoffkombination als Kopfbedeckung. Verbandfetischisten und Fans von Dieter Hoeneß (möglicherweise sogar alle beide) dürften vor Freude aufgejauchzt haben.
  • Zum Spiel: nach 6 Minuten schon das 1:0 für Japan durch Nagasato. Fehlpass abgefangen, einmal sauber durchgesteckt, reingelupft. Das sieht jetzt bereits besser aus als das, womit mich die Männer letztes Jahr gelangweilt haben. Ich zerknülle weinend meinen Tippschein mit der Wette auf einen neuseeländischen Sieg.
  • Weitere sechs Minuten der Ausgleich: Flanke Bowen, Kopfball Hearn und ich war so stolz, dass ich den ganzen Vorbericht über nicht darauf herumgeritten bin, dass bei den Japanerinnen keine über 1,71 m groß ist. Nun muss ich offiziell vermelden: bei den Japanerinnen ist keine über 1,71 m groß. Auch nicht die Torhüterin. Wovon der Ausgleich durchaus mitbeeinflusst wurde. Sollten wir im Viertelfinale auf Japan treffen, besetzen wir Sturm und offensives Mittelfeld am besten mit Kerstin Garefrekes.
  • Es nimmt mich wunder, dass auch die Japanerinnen trotz ihrer zweifellos großen technischen Fähigkeiten am Ball gerne hohe Flanken spielen. Im Zusammenhang mit der körperlichen Unterlegenheit erscheint das so wirkungsvoll wie Origamifalten gegen Feuersbrünste, aber wenn es denen halt Spaß macht…
  • In der zweiten Hälfte fordert die Hitze schon ihren Tribut. Vor allem die Neuseeländerinnen laufen nicht mehr so geschmeidig, sondern bestechen nur noch durch kluge Fouls und Abseitsfallenstellen. Zu wenig, um die Asiatinnen zu überraschen. Die die Partie durch ein Freistoßtor von Miyama letztlich verdient für sich entscheiden. So sehr ich die Kiwis auch mag, das ist eher eine Getümmelmannschaft, die im Chaos einer Ecke oder eines Freistoßes mal einen reinhieven oder die Rübe dranbekommen. So wird das wohl nicht ausreichen, um ins Viertelfinale zu kommen. Aber mein Herz gehört ihnen trotzdem.


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Deutschland – Kanada 2:1

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Mit der Eröffnungsfeier. Wer mich kennt, weiß: Eröffnungsfeiern sind mein Ding. Zwei Weltmeisterschaften und eine Europameisterschaft habe ich mich zu diesem Thema mit größtem Desinteresse geäußert, aber diesmal drängt mich natürlich wie jeden Fan die Frage, was denn der Unterschied zu einer Männer-WM-Eröffnungsfeier sein könnte. Kinder sind in jedem Fall schon mit von der Partie, das habe ich gelesen. Blumen müssten auch sein, sonst wäre ich bitterlich enttäuscht. Duftkerzen. Große Duftkerzen. Bengalische Duftfeuerkerzen. Bleiche Männer in offenen Hemden, die dezent dickliche Frauen anschmachten. Vom Himmel regnende Schuhe. Ich weiß jetzt schon: die Inszenierung wird mich berühren. Wahrscheinlich in etwa zwei Zentimeter Lufthöhe über meiner persönlichen Hakle-Feucht-Zone.
  • In jedem Fall dabei: Sepp Blatter, der vom Volk so geliebte Tribun der FIFA. Mit reichlich Gebuhe unverbesserlicher Menschen dürfte zu rechnen sein. Natürlich vollkommen ungerechtfertigterweise, wie ich in Hoffnung auf eine Schmiergeldzahlung für mein Geschleime zu Protokoll geben möchte. War es doch Blatter selbst gewesen, der ein Zeichen gegen Korruption und Bestechlichkeit hatte setzen wollen, indem er öffentlich im Rahmen der Eröffnungszeremonie einen 1000-Franken-Geldschein zu verspeisen gedachte. Leider scheiterte die Aktion an technischen Problemen, da vom chronisch klammen Regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin nur ein 500-Euro-Schein organisiert werden konnte. „Unt’rrr 1000 Frrränkli gibt’s von miirrr ab’rr nichts“, gab der Präsident darauf entrüstet zurück. Eine verständliche Reaktion, die auch folgende, so gut wie offizielle Entscheidung begründete: Die WM 2026 findet auf dem Mond statt, weil nur noch dort die von der FIFA mit allem Recht geforderten Mondpreise verlangt werden können. Ich persönlich pumpe schon mal freudig meinen Astronautenanzug auf.
  • Nun aber zu den Teams. Ich habe mich anhand der kicker-Interviews der letzten Monate vorbereitet und kann zusammenfassend sagen: Die deutschen Auswahlkickerinnen sind modebewusst, achten auf ihr Äußeres und schminken sich vor dem Spiel – insofern also schon mal keine Unterschiede zu Cristiano Ronaldo. Ja, tut mir leid, einmal musste ich den jetzt unterbringen. Unsere bekanntesten Damen sind Birgit Prinz, die treffsicherste, aber auch dienstälteste Stürmerin der Mannschaft. Weiß  immer noch, wo das Tornetz hängt, galoppiert aber nicht mehr so ganz jugendhaft frisch wie früher bis dorthin. Man könnte sie somit als Mischung aus Völler und Klose bezeichnen, sozusagen Frau Völlklo, aber das wäre ein eher beschissener Spitzname. Dahinter lauern Inka Grings und Alexandra Popp, die ihre erste WM spielen, was reißen und beißen wollen. Ich nenne sie jetzt aber nicht die Geschwister Gomez. Von den Werbeabteilungen umschwärmt und für einen Spitznamen prädestiniert: Célia Okoyino da Mbabi, die ich von nun an der Einfachheit halber „Klopfer“ rufen werde. Fatmire Bajramaj, das Sommermärchenmädchen, das Gesicht der WM, hoffentlich auch der Fuß.  Nadine Angerer, die höchstens im Training mal einen Ball hinter sich lässt. Verteidigerinnen haben wir auch, sogar ganz tolle, aber eher trifft sich Lothar Matthäus mit Frauen jenseits der 20 als dass diese mal ernsthaft eingreifen müssen. Weshalb ich mir die Namen jetzt spare.
  • Meine absolute Lieblingsspielerin ist allerdings Melanie Behringer. Läuft, rennt, schwitzt, mit Muskeln bepackt, die Fußkettchen sprengen könnten,  schießt mit der Kraft eines Ochsen und flankt, dass die gegnerischen Torfrauen vor Panik nicht mehr wissen, an welchem Körperteil die Handschuhe zu befestigen sind. DAS IST MEIN MÄDCHEN! Eine grundehrliche Arbeiterin, die halt kein Postergirlmaterial ist und im kicker Sonderheft bei der Vorstellung mit drei Sätzen abgespeist wird (im Vergleich zu etwa Bajramaj mit fast einer halben Spalte und doppelseitigem Hausbesuchs-Interview plus ausführlicher Bebilderung ihres roten Nagellackfläschchens). Die will ich spielen und siegen sehen.
  • Kanadier sind prinzipiell ungefährlich, sofern sie nicht auf Eis spielen oder eine Axt in der Hand halten dürfen. Gute Voraussetzungen insofern für eine gepflegte Auftaktniederlage. Bei kanadischen Frauen denke ich als Serienjunkie an wunderbare Wesen wie Coby Smulders (How I Met Your Mother), Evangeline Lilly (Lost) oder die fußballerisch überragend schön benannte Sarah Chalke (Scrubs). Kanadische Sportlerinnern hingegen erwecken bei vielen Männern zunächst einmal die Erinnerung an das nationale Curlingteam. Attraktive Frauen im besten Alter, die beim Anschieben des Steins jene Ausholbewegung vollführen wie damals Muttern beim Einfahrenlassen des Backblechs in den Ofen – das erfreut Magen und Schwellkörper, zwei der bekanntermaßen wichtigsten männlichen Organe. Ah. Moment, jetzt habe ich vor lauter Gemilfe den Überblick verloren…
  • Ach ja, Kanada im Frauenfußball war das Thema. Star des Teams ist Christine Sinclair, der 116 Treffer in 158 Länderspielen gelangen, mit ziemlicher Sicherheit aber kein entscheidender davon gegen uns. Trainiert wird der Weltranglistensechste von einer Italienerin namens Carolina Morace und spielt seitdem einen technisch anspruchsvollen Kurzpass-Stil. Was entweder beweist, dass die Welt verrückt ist oder Italiener doch attraktiven Fußball akzeptieren und trainieren lassen können. Ich tendiere zu Ersterem.  Letztes Ergebnis gegen unsere Damen war ein 0:5 im September 2010. Wahrscheinlich läuft es also wie immer: wir stürmen, die Gegner kommen kaum über die Anstoßlinie, kriegen ein bis zwei Tore, ehe ab der 75. Minute die Abschuss-Phase mit zwei bis drei weiteren Bällen im Netz beginnt. So wird’s kommen.

Nachbericht

  • Knappe Siege verbinde ich mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in etwa wie Spaß mit dem Ausreißen von Fußnägeln. Dementsprechend bin ich immer noch verwundert über dieses 2:1. In den folgenden Absätzen wird eine Anklage enthalten sein und zwei Spielerinnen gerichtet werden.
  • Zunächst die Eröffnung: Bälle, Segways, Kinder, eine ejakulierende Silberkugel. Von mir aus. Viel mehr hat mich getroffen, dass der Bundespräsident die Eröffnungsrede hielt und nicht mein guter Freund, der Blatter Sepp. Still leidend saß er neben der Angie und hätte doch so gerne die Sau rausgelassen. Ich hätte ihn wenigstens im Hintergrund einmal über die Tartanbahn geschickt, um die Stimmung anzuheizen. Aber nix.
  • 5. Minute: Karla kick mich, ich glaub‘ ich spinne. Die Kanadier überqueren frecherdings nicht nur die Mittellinie, sondern stehen in Form von Miss „Goal“ Sinclair vogelwild allein im Strafraum. Das kann doch nicht wahr sein! Okay, der Ball geht drüber, aber so früh all die schönen Vorurteile widerlegt zu kriegen, tut weh. Überhaupt muss ich klarstellen, bevor es Lothar Matthäus tut: ein Lothar Matthäus kennt nicht soviele Frauen über 20 wie es im Laufe des frühen Abends im deutschen Strafraum gefährlich werden sollte.
  • Am meisten beeindruckt hat mich bei den Kanadierinnen die #8, Diana Matheson. Guckt gerade mal über die Eckfahne, muss die Schiris vor Anpfiff überzeugen, dass sie und nicht das größere Auflaufkind mitspielen dürfen, aber am Ball gibt sie alles.
  • Das 1:0 durch Garefrekes krönt ein Wechselbad der Gefühle. Eine Minute zuvor wollte ich die kanadische Keeperin noch für ihre wirklich sensationelle Reaktion gegen den Flachschuß von ebenjener Garefrekes loben, da zeigt sie beeindruckend, dass sie als einzige McLeod wohl bei der Highlander-Prüfung durchgefallen ist. Unterläuft den Ball, drin das Ding. Es kehrt Ruhe ein.
  • Unsere Mädels kommen langsam besser ins Spiel, den Alarmkopf wegen drückender Überlegenheit muss aber noch keine Kanadierin drücken. 42. Minute: hoher Pass ins Nichts, McLeod döst schon wieder, Manuel Neuer ist bei der Szene wahrscheinlich vorm Fernseher losgelaufen, aber so steht Klopfer frei und macht die Kiste. 2:0, die haben wir im Sack oder wo Frauen quasi besiegte Gegner nun mal hinstecken. Mamma Mia Morace schaut drein, als würde sie kochen, aber nicht die gute Miracoli-Soße.
  • Auffallend schon in der ersten Hälfte: Birgit Prinz reicht eine Leistung ein, die in etwa an jene von Michael Ballack letzte Saison bei Leverkusen gemahnt. Ich würde die nächsten Tage allen Anrufen von Jogi aus dem Weg gehen, wenn sie diese WM noch spielen will. Beste Spielerin bis zu diesem Zeitpunkt: Melanie Behringer. Das schreibe ich zwar wahrscheinlich jedes Spiel, aber es liegt diesmal auch verdammt nah an der Wahrheit.
  • Zweite Hälfte: das sieht schon eher nach Überlegenheit aus, die Ahornblätter wollen nicht mehr so recht, unsere Damen erzwingen Chance um Chance. Highlights: Klopfer läuft dem Ball nicht hinterher, weil sie meint im Abseits zu stehen. Mädchen, da rennt man einfach los und wenn der Schiri pfeift, mault man den an und regt sich auf. Also ehrlich, das kann man sich doch von den Kerlen abgucken! Garefrekes macht es besser und imitiert Gomez in seiner längst verdrängten, mir aber gerne im Gedächtnis haften gebliebenen Szene gegen Österreich. Sogar der lahme Kommentator erkennt die Parallele.  Ich für meinen Teil bin ganz aufgeregt, weil ich auf dem Nicht-HD-Fernseher meines Bruders dauernd Melanie Behringer mit Alexandra Popp verwechsle und bei jeder Torchance „MEEEEEELAAAANIEE“ schreie.
  • 71. Minute: der Bruch im deutschen Spiel. Behringer geht, Bajramaj kommt und spielt fortan wie Eintracht Frankfurt gegen Ende der letzten Saison. J’accuse, ich klage an: WESHALB MUSSTE BEHRINGER GEHEN? WESHALB??? Keine Flanken, keine Läufe, keine kraftvollen Abschlüsse, es kommt zu wenig, das Spiel wird zu bequem. Laudehr trifft die Latte, mehr ist nicht. Stattdessen, mitten in die üblicherweise von den Deutschen dominierte Schlussphase, das 1:2 per Freistoß. Sinclair überwindet Angerer, die so angesäuert wirkt, dass selbst Oliver Kahn sich in seine Kuschelecke geflüchtet hätte.
  • Zitternd vergehen die letzten Minuten, ehe endlich der Abpfiff ertönt. 2:1. Ein Sieg, aber kein triumphaler. Ich sehe da jetzt keine Welle, auf der wir triumphierend bis ins Finale getragen werden. Die Französinnen haben gerade mal ein Tor weniger, die Nigerianer auch nur zwei. Mein Tipp an Frau Neid: Behringer durchspielen lassen, Popp vorne rein, Klopfer ebenfalls. Und Auswechseln ist für Weicheier.


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Nigeria – Frankreich 0:1

Vorbericht

  • Wer erst heute Abend um 18 Uhr mit Schal und Trikot vor dem heimischen Fernseher sitzt und die offizielle Eröffnungsfeier in Berlin vor 70.000 Zuschauern mit dem sich daran anschließenden offiziellen Eröffnungsspiel Deutschland – Kanada verfolgt, dem darf ich an dieser Stelle freudig gratulieren: Sportsfreunde, gut gemacht, ihr habt das erste Spiel der WM verpasst. Denn Nigeria und Frankreich stoßen bereits um 15 Uhr an. Frauen sind doch für ihr Organisationstalent bekannt, wie kann denn sowas passieren? Ich hätte da zwei Theorien:
  • Theorie 1: der Austragungsort Sinsheim war für die Eröffnung vorgesehen, die Promotionkampagne fürs Fernsehen bereits von übereifrigen, aber fußballerisch ahnungslosen Marketingstudenten ausgearbeitet worden: „Willkommen zum Start des Sommermärchens 2011! Begleiten Sie uns in die Rhein-Neckar-Arena, dem Sitz des ruhmreichen 1899 Hoffenheim mit seinen unzähligen deutschen Meisterschaften, seiner jahrelangen Präsenz in der höchsten deutschen Spielklasse, seiner tief in der Tradition verwurzelten Fankultur und auf Vereinstreue geeichten Mannschaft“. Dummerweise schaffte es OK-Chefin Steffi Jones nicht, den zweiten Satz ohne lautes Prusten und schallendes Gelächter aufzusagen. Woraufhin der Kaiser Franz sie tröstend in den Arm nahm und meinte: „Lasst’s halt was anders spui’n. Vielleicht’s merkt’s ja keiner. Afrika gegen die Franzfrauen zum Beispiel. Die aus Frankreich, nicht meine, ja mei, obwohl i könnt‘ elf zsammkrieg’n, haha.  Mia fahr’n jetzt nach Berlin, gelle Steffi?“.
  • Theorie 2: die FIFA ist ja infamen Gerüchten zufolge ein verschworener Bund alter Männer, in deren muffigen Hinterzimmern viel geraucht und gesoffen, der Herrenwitz gepflegt wird und die neuesten Escortservice-Bewertungsbögen ausgetauscht werden. „Obacht, trug ein Bändchen mit einem Logo der Hamburg-Mannheimer“, „Lobenswert: Beherrschte Herzmassage!“ oder „Suppr! Konnte „SEPP, DU KANNST JA IMMER“ akzentfrei in vier Sprachen sagen“ sind die üblichen Einträge. Nur der für die Spielplanausarbeitung zuständige Greis musste sich ein „Darling, ohne Vorspiel keine feierliche Eröffnung!“ anhören und war darob so vergrätzt, dass er die Nigerianerinnen und Französinnen zum Spiel vorm Spiel verdonnerte. Alternativ könnte die FIFA auch Mario Barth als offiziellen Bespaßungskoordinator eingestellt haben. Daran will ich aber gar nicht denken.
  • „Chérie, isch bömb solange auf Libyen, bis wir in irschendwas wieder Weltmeister sind! Isch schwör’“. Schwer getroffen bis hinein in seine größten oder auch kleinsten Vertreter -je nach Sichtweise-  hat die französische Nation das Debakel ihrer Männer im vergangenen Jahr in Südafrika. Gegen Afrikaner in der Vorrunde verloren und mit einem dicken Schandfleck in der ruhmreichen WM-Historie ausgeschieden. Das Schöne: das kann dieses Mal wieder passieren!
  • Für Nigerias Kicker war ebenfalls nach insgesamt enttäuschender Leistung frühzeitig Schluss, u.a. verlor man(n) dabei sogar gegen Griechenland. Ich persönlich hätte  Verständnis gezeigt, wenn die Staatsführung daraufhin einen militärischen Konflikt vom Zaun gebrochen hätte. Aber Nigeria hat ja keine schweren Waffen und Machetenschmeißen über Kontinente hinweg ist ein eher fruchtloses Unterfangen. In jedem Fall bleibt festzuhalten: die Frauen müssen die Ehre ihres Landes wiederherstellen, es könnte also was auf die Stelzen geben.
  • Zu den wichtigsten Fakten: Nigeria dominiert üblicherweise den afrikanischen Spielbetrieb, die Mannschaft nennt sich Super Falcons, hat einen Deutschen als technischen Berater und flott mal 0:8 gegen unsere Mädels im letzten November verloren. Stars des Teams sind Perpetua Nkwocha (35, dürfte bei dem Vornamen auch noch länger mit dabei sein) und Rita Chikwelu (23). Es fehlt -und da weint mein saarländisches Herz- Cynthia Uwak (24), Afrikas Fußballerin der Jahre 2006 und 2007, die bis zum Saisonende für den Bundesliga-Absteiger 1.FC Saarbrücken spielte. Damit steht für mich fest: die können nicht weit kommen.
  • Frankreichs Damen sammelten jüngst diverse Erfolge, Olympique Lyon ist amtierender Champions League Sieger und hat im Finale Turbine Potsdam geschlagen. Auch wenn es verwundert: die #2, Wendie Renard, spielte damals nicht für Turbine, obwohl das optisch wirklich gepasst hätte wie Trockenhaube auf Haar. Die Qualifikation gelang eindrucksvoll mit 10 Siegen und 50:0 Toren. Gut möglich also, dass die gegen uns unter fünf Stück kassieren. Wichtigste Spielerin: Sandrine Soubeyrand (37) und jetzt höre ich aus Gründen der Schicklichkeit wohl besser auf, das Alter der Ladies mitanzugeben. Bevor noch eine älter ist als ich.

Nachbericht

  • Pfeif‘ auf Berlin, Sinsheim hat seine eigene Eröffnungszermonie! Eine Choreografie mit drei Ausdrucksstehtänzerinnen und lustlos am Anstoßkreis und an den Seitenlinien herumstehenden Mädchen – das weckt Erinnerungen an die Schulzeit des Autoren, wo die selbe Konstellation oft zu beobachten war, wenn im Sportunterricht Fußball gespielt wurde. Irgendwo liegen auch Flaggen rum. Warum liegen da Flaggen rum? Ach ja, die werden zum Schluss hochgehoben. Ich kriege direkt Lust aufs Spiel, weil ich weiß, dass dann die Eröffnung vorbei ist.
  • Wendie Renard spielt anders als noch im Champions League-Finale mit geglätteter Frisur und hat mir deshalb den Witz aus dem Vorbericht kaputtgemacht. Das gibt direkt einen Minuspunkt. Die ersten Minuten lassen mich jetzt nicht vor Ekstase mein komplett gefülltes PANINI-Album der WM 2010 verbrennen, ich habe damals aber auch schon Schlimmeres gesehen. Paraguay gegen Japan etwa, wenn sich daran noch jemand erinnern kann oder will.
  • 26. Minute: die Französinnen dominant, Nigeria aber mit der größten Chance. Ein Konter, abgeschlossen von Desire Oparanozie. Wobei abschließen in dem Zusammenhang lieb umschrieben ist. Juristen würden diskutieren, ob das eine fahrlässige Verschießleistung oder eine vorsätzliche Schußnichtleistung war. Ich mach’s mal am Vornamen fest: wäre nicht zuviel verlangt gewesen, den zumindest aufs Tor zu bringen. In dem Moment haben sicherlich tausende Nigerianer die Hoden in die Höhe gewuchtet und geschrien: „Den hätt ich reingemacht!“.
  • Zweite Hälfte, selbes Bild: Nigeria mit den besseren Aktionen, bei dem Wetter laufen die Afrikanerinnen auch gerne mal länger, wird also nichts mit Kräftenachlass. Dennoch geht Frankreich in der 56. Minute durch Delie in Führung. Hätte man die Positionen nach der Flanke mit Männern besetzt, hätten die das Ding wohl auch nicht verhindern können. Es geht doch.
  • 65. Minute: Frau muss sich auch mal richtig fallenlassen können, so mein Rat an die junge Nigerianerin, die just im Strafraum umgestupst worden ist. Lässt die Mannschaft sympathisch erscheinen, dass sie den Kniff nicht im Repertoire hat, ist aber schlecht für die Punktetabelle. Als Lehrvideo möchte ich diesen Clip zur Verfügung stellen.
  • Fazit: am Ende doch nur ein knapper Sieg der Französinnen, die gegen uns naturellement keine Chance haben werden. Ab Montag werde ich definitiv Begegnungen tippen, denn Oddset hat für einen Sieg Frankreichs gerade mal eine Quote von 1,15 ausgegeben, dafür war das am Ende doch ganz schön knapp.


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