Schweiz gegen Ecuador 2:1

  • Ich bin noch mitgenommen von der ganz späten Schicht gestern mit Reinhold Beckmann und Elber. Die in der Pause wirklich das Freistoßspray getestet und teils verköstigt haben. In den wenigen Stunden Schlaf danach träumte ich davon, dass ich morgens ins Bad käme, Reinhold sich Rasierschaum auf die Hand gesprüht, daran geleckt und lauthals lachend „SCHMECKT ABER NACH NICHTS“ gerufen hätte. Gut, dass dies das einzige WM-Spiel zu ganz später Stunde war. Die Nacht lässt Menschen seltsam werden.
  • Die Schweizer haben vergangenen Freitag ein wichtiges Trademark in ihrem Fußballportfolio verloren: den Sieg über die Spanier bei einer Weltmeisterschaft. 0:1 triumphierte man damals in Südafrika im ersten Spiel der Vorrunde. Und scheiterte schließlich an Honduras, denen einfach kein Tor beizubringen war. Diese überzeugende Nichtleistung konkurriert nur mit jener von der WM 2006, als die Eidgenossen im Elfmeterschießen gegen die Ukraine keinen einzigen Ball hinter die Linie bekamen, nachdem man zuvor selbst in allen Spielen ohne Gegentor geblieben war. Mit dem Tor fremdelt er also noch etwas, der Schweizer, da sollte man nicht unbedingt auf ihn bauen. Ein 0:0 gilt heute angesichts dessen als risikoarmer Tipp.
  • Ich mag unsere Nachbarn. Haben mit Ottmar Hitzfeld einen deutschen Trainer, viele Bundesliga-Legionäre wie z.B. Benagli0 (Wolfsburg), Shaqiri (Bayern München), Drmic (bald Leverkusen), Xhaka (Mönchengladbach) oder Mehmedi (Freiburg) und seit heute muss man von Seiten der Deutschen aufpassen: aus dieser Gruppe könnte unser Viertelfinalgegner kommen. Mit den Schweizern wäre ich da recht zufrieden – die knacken wir doch spätestens im Elfmeterschießen.
  • Bei Ecuador denke ich als erstes immer an Bergziegen. Das soll jetzt keine Beleidigung sein, ist aber so. Wohl weil die Burschen ihre Qualifikationsspiele stets im heimischen Quito in luftiger Höhe gewinnen und sich so die entscheidenden Punkte holen. Groß aber ist das Gemähe, wenn die Herde fernab gewohnter Felder ein paar hundert Meter tiefer spielen muss; dann gelingt ihr nämlich wenig. Kein einziger Auswärtssieg bei acht Partien, Torverhältnis von 5:13 in der Fremde bei 15:3 zuhause. Nun haben ecuadorianische Wissenschaftler herausgefunden, dass gerade bei dieser WM nur Auswärtsspiele anstehen. Dumm gelaufen.
  • Antonia Valencia (Manchester United) ist der bekannteste Spieler, aber wer ManU vergangene Saison gesehen hat, zäunt da jetzt nicht vor Angst seine Weide ein. Ich denke, der Ottmar wird die ganz Alm-Öhi-mäßig mit ruhiger Hand im Griff haben. Aber Tore schießen nicht vergessen!

 

  • Alexander Frei, Alt-Internationaler der Schweiz, braucht da keine ZDF Mediatheken-App, um zu seinem Urteil zu kommen: „Freier geht’s nicht“, war das Motto dieses Spiels.
  • Das 0:1 lässt Ottmar Hitzfeld, ganz Mathematiklehrer, seine Mund- und Gesichtspartie zu zwei dünnen Parallelen formen. Lichtsteiner soll später der Fußballmathematik die Schaumkurvendiskussion schenken, weil der Ecudorianer vor der Hereingabe den Ball nicht korrekt in den Kringel gelegt hat.
  • Der Ausgleich durch Mehmedi – das erste Bundesligator dieser WM! Vom Ablauf her dezent kopiert, fast dieselbe Stelle, ein bisschen Gegner mehr.
  • Und schließlich in allerletzter Sekunde, nach einigem heftigen Abwehrtohuwabohu wirklich noch der Siegtreffer durch den eingewechselten Seferovic. Rodriguez, der Wolfsburger, leistet erneut die Vorarbeit. Freier geht’s nicht. Drei Punkte Schweiz, ein Tor Bundesliga, zwei Vorlagen Bundesliga, null Punkte Ecuador. Glückwunsch an die Eidgenossen.

Tore:

0:1 E. Valencia (22.)
1:1 Mehmedi (48.)
2:1 Seferovic (90.)
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Niederlande – Spanien 0:1

Vorbericht

  • Wer wird denn nun anstelle von uns Weltmeister? Spanien. Sagt jedenfalls Orakel-Krake Paul und so langsam bin ich kurz davor, das Viech für unfehlbar zu halten und einen Termin zur Ausrufung der Rückkehr von Cthulhu anzuberaumen. Gut, dass das Achttentakel nun in Glibber-Rente geht, sonst müsste die FIFA für die nächste WM nur noch einen Glastank an den Anstoßkreis schleppen, kurz die Hymnen der beteiligten Mannschaften bei dem Einlassen der Kisten anstimmen, Krake rein, Ergebnisbestimmung, Interviews mit den Trainern, Abgang. Würde Kosten sparen und so den Gewinn für Sepp & Co mächtig steigern. Wer nun Assoziationen irgendwelcher Art zwischen den Begriffen „FIFA“ und „Krake“ auf der Zunge spürt, sollte sie übrigens runterschlucken. Hab ich eben auch getan. Da kommen keine Anwälte mächtiger Fußballorganisationen mehr dran.
  • Wem drücken wir denn nun die Daumen? Das ist die nächste Frage. Der Niederländer ist laut eigener Nationalhymne ja von deutschem Blut (Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van Duitsen bloed), so dass man sagen könnte: „Hey, wenn schon nicht wir, dann halt was aus unser aller Herzpumpe“. Andererseits fährt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit heute Abend dann halb Holland über die Grenze und hält unsereins in den kommenden Jahrzehnten vor, dass man den Spanier besiegt hat, an dem wir noch gescheitert waren. Und dass sie einfach abgeklärter waren, deutscher gespielt haben als die Deutschen. Das im Zusammenwirken mit einem Grinsen in Mark van Bommels Gesicht lässt die Wahl schon deutlich schwerer werden.
  • Der Spanier hingegen könnte dem Größenwahn anheimfallen. Deutschland geschlagen, Weltmeister geworden, dazu immer noch amtierender Europameister, zu Hause nennen sie manch international eher erfolglose Mannschaft auch schon die Galaktischen. Die Schweizer würden darüber hinaus total durchdrehen und sich als Welt- und Europameisterbezwinger feiern lassen, niemand in der Folge des Überschwangs auf den CERN-Teilchenbeschleuniger aufpassen und wir verschwänden alle in einem fußballrunden, schwarzen Loch. Kurzgefasst: das Gleichgewicht der Fußballmächte würde schwer gestört werden. Weitere Folge eines spanischen Triumphs wäre aber auch, dass sich Neuseeland als einzige unbesiegte Mannschaft des Turniers brüsten könnte. Die dürften das Ende der Welt dann schon leichter akzeptieren und im Jenseits fortan für alle Ewigkeit den Australier aufziehen.
  • Am Ende entscheiden vielleicht sogar die königlichen Hoheiten. Nach jahrelangem Studium der „Echo der Frau im Spiegel mit Herz“ weiß ich glasklar Bescheid – Throninhaber- und Thronfolgerpaare kennen eigentlich nur zwei Gefühlszustände. Entweder ist was unterwegs („Sie hält seine Hand, er schaut an ihrem pastellfarbenen Kostüm herunter und lächelt. Sehen wir da etwa ein süßes Babybäuchlein? Sozialpsychologin Dr. Sigrun Bloed-Kuh analysiert“) oder es kracht hinter den Kulissen („Sie sucht seine Nähe, doch er hat nur Augen für das Spiel auf dem Platz. Hach! Wie lange geht das noch gut? Laut zuverlässig informierter Quellen vom Hofe soll sie nachts sehr oft weinen“). Mir gefallen die jungen Oranje-Thronfolger schon ein bisschen besser, aber heute soll ja auch der König von Spanien anwesend sein. Auch hier wieder der Blick in die niederländische Hymne: „Den Koning van Hispanje heb ik altijd geëerd. Den König von Spanien hab’ ich allzeit geehrt“. Das könnte direkt nach Abpfiff Krieg geben. Der Spanier weiß schon, weshalb er seiner Hymne immer noch keinen Text angedeihen lassen hat.
    • Ich entschuldige mich für den letzten Absatz. Da ist etwas mit mir durchgegangen. Wir sind hier in einem Fußballblog, also analysieren wir einfach kritisch die vorhandenen Spieler. Denn entscheidend ist auf dem Platz (hier übrigens die anderen Mannschaften dieser WM).

    • Meiner Meinung sind deutliche Vorteile für Holland zu erkennen. Dirk Kuyt liegt in meiner Gunst weit vorne, Mathijsen, Robben und Sneijder könnten spielentscheidend sein, mit van der Vaart hat man noch einen Trumpf in der Hand.

  • Der Spanier setzt mit Iniesta, Puyol, Ramos und Xavi gut dagegen – ich denke allerdings, dass Bert von Marwijk am Ende den besseren Riecher haben wird.
  • Wie immer die verehrte Leserschaft auch ihre Sympathien verteilt, ich schaue mir das Finale ganz gelassen an. Der Verlierer wird mit ziemlicher Sicherheit mehr geknickt sein als unsere Jungs vor vier Tagen. Denn wir haben bereits drei WM-Titel. Einer der beiden heute Abend wird die verpasste historische Chance bejammern müssen.

Nachbericht

  • Das war’s. Spanien ist Weltmeister, Holland zumindest für ein Spiel der Weltmeister der Härten (de Jong, van Bommel) und wir sind Weltmeister der Herzen, weil wir ohne Zweifel den besten und herzerfrischendsten Fußball des Turniers gespielt haben. Ich habe den beiden Finalteilnehmern extra noch die Chance gegeben, besser zu sein als wir – aber das haben sie vermasselt.
  • Ein bisschen langweilig war es ja schon und als selbst Jesus (Navas) den Zuschauer nicht erlösen wollte, hatte ich schon das Bild vor mir, wie die Spanier im Elfmeterschießen an ihrer zu ausgefeilten Technik scheitern. So aber versenkte Iniesta tatsächlich eine der gegen Ende herausgespielten Chancen zum 1:0. Ich denke, das ging auch in Ordnung. Ini ist ja die Abkürzung meines Nicknames, esta bien hintendran geschoben ergibt ein: „na gut“ und so lässt sich das ganze Finale zusammenfassen. Iniesta esta bien. Iniesta, na gut.
  • Nicht unterschlagen darf man das persönliche Muskel-Drama des Arjen Robben. Vor der WM verletzt, daraufhin bei einer Mischung aus Spezialdoktor und Medizinmann in Behandlung. Auf der Bank sodann die ersten Spiele hindurch die Oberschenkelmuskulatur gedehnt, bis sich die Kollegen durch das davon ausgehende, hochfrequente ZING!-Geräusch belästigt fühlten. Als er aber nach guten Bewegungen in den Ausscheidungsspielen samt Kopfballtor(!) im Halbfinale schließlich auf dem Weg zur Krönung alleine auf Iker Casillas zulief, machte prompt der Lupfmuskel zu. Keine Ahnung, wie der Lupfmuskel medizinisch korrekt heißt und wo er im holländischen Fußapparat bei aufkommender Torschuss-Panik zu finden ist, aber Arjen hätte sicherlich alles dafür gegeben, ihn zu aktivieren. Oder auf das spärlich behaarte Haupt ausweichen zu können. Wofür das Spielgerät aber wohl etwas zu dicht an der Grasnarbe lag. Obwohl: nach der vergebenen Chance hing der Kopf des Rasenwühlers tief genug. Um das Drama noch zu steigern, ärgerte sich Robben wegen seines Versagens und mangels Bauches eben ein Loch in den betreffenden Muskel. So hätte ich jedenfalls als Fußballverband seine aktuelle Verletzung erklärt und sämtliche Ansprüche der Münchener Bayern zurückgewiesen. Aber mich fragt ja keiner.
  • Ich für meinen Teil verabschiede mich nun auch von diesem Blog. Die nächsten Wochen werde ich leider die weiteren Reaktionen nicht mehr verfolgen können, denn der Teamarzt hat mich heute gedrängt, im Laufe des Tages ein Krankenhaus seines Vertrauens aufzusuchen. Ich bedanke mich für alle Kommentare, Verlinkungen, Lobpreisungen in Wort und flattr-Punkten. Bis zur EM 2012!
  • Schließen möchte ich wie schon bei der EM 2008 mit einem Lied. Vielleicht dem Lieblingslied von Jogi Löw, der ja ein großer Fan des Laufens ist – Diamond Head mit „Run“ aus dem Jahre 1993:

Diamond Head – Run auf Grooveshark anhören


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Chile – Spanien 1:2 / Schweiz – Honduras 0:0

Vorbericht

  • Hätte mir vor der WM jemand erzählt, dass mich Portugal gegen Brasilien ins Halbwachkoma entschlummern und Schweiz gegen Honduras vor Anspannung erzittern lassen würde, ich hätte ihn in die nächste Paul Gascoigne-Klappsmühle einliefern lassen. Aber so ist sie nun mal, diese seltsame Veranstaltung.
  • Die Schweiz braucht zwei Tore gegen Honduras (den Benaglio überwinden die eh nicht). Zwei Tore für ein Hallelujah, denn dann – wenn ich mich nicht verrechnet habe – ist ihr der Einzug unter die besten 16 Teams nicht mehr zu nehmen. Gottmar Hitzfeld könnte demzufolge nach zwei schnellen Einschlägen in der Coaching-Zone einen Fernseher aufstellen lassen und sich ob der Verzweiflungstaten der Spanier und Chilenen frische Lachfalten ins Gesicht bauen. Zwei Tore haben die Eidgenossen bisher ja auch schon gesehen. Dummerweise noch nicht in einem Spiel und für sich.
  • Was los wäre, wenn der große Turnierfavorit Spanien nach Hause fahren müsste, kann ich mir gar nicht vorstellen. Trainer del Bosque würde wahrscheinlich direkt nach Ankunft in Villariba oder Villabacho gepaellat und gazpachot werden, Xavi müsste gar einen bürgerlichen Namen annehmen, David Villa seinen Namen in Mietwohnung ändern. Andererseits könnte Schweiz gegen Brasilien ein interessanteres Spiel bieten als Spanien gegen Brasilien. Hat man ja heute mittag gesehen, was dabei rauskommt, wenn zwei hoch gehandelte Mannschaften unbedingt nicht verlieren wollen.
  • Mein Rat an Hitzfeld: bring den Derdiyok vorne als Spitze und lass ruhig körperbetont spielen. Dann verliert der Spaßkicker aus der Karibik schnell die Lust. Ein früh gezücktes kleines Brechstängli kann doch niemandem schaden.

Nachbericht

  • Nee, ihr Schweizer, jetzt habt’s endgültig verbockt. Spielerisch war das etwas, was die Eidgenossen wirtschaftlich wohl nie einreichen werden – nämlich eine Bankrotterklärung. Da hilft auch die Ausrede nicht, dass es am großen Gegner gefehlt hat, gegen den ihr besser hättet aussehen können. Wer bei einer WM gegen Honduras nicht gewinnen kann, hat im Achtelfinale nichts zu suchen.
  • Lustig war der Honduraner ja schon. Ich hab mich stellenweise gefragt, weshalb die Schweizer bei den Kontern überhaupt noch nach hinten gelaufen sind. Da wäre doch eh nie etwas passiert. Ein Angriff, der eigentlich für den nächsten Friedensnobelpreis nominiert werden müsste. Mahatma Gandhi und der Dalai Lama gemeinsam auf Mutter Teresa hätten eher einen Spielzug zum Siegtreffer abgeschlossen.
  • Damit hat der Südamerikaner alle Teilnehmer durchgebracht. Immerhin ist es nach Brasilien gegen Chile einer weniger. Spanien hingegen trifft auf Portugal. Viel krampfiger als der Schweizer heute kann das wahrlich auch nicht werden.

Chile – Schweiz 1:0

Vorbericht

  • Der Eidgenosse in Ekstase; wer seine liebgewonnenen Vorurteile pflegt, dem kommt diese Kombination so unrealistisch vor wie mit Geld um sich werfende Schotten, Gourmet-Engländer oder nüchterne Iren. Aber mich hat’s schon sehr gefreut, wie der stolze Spanier am vergangenen Mittwoch das Taschenhandtuch in die Arena werfen musste. So ein bisschen möchte unsereiner die Schweizer auch für sich vereinnahmen, falls die DFB-Elf am Donnerstag nochmal einen ganz gebrauchten Spieltag erwischen sollte. Deutscher Trainer, viele Spieler aus der Bundesliga, fast kriechen einem die adoptivväterlichen Tränen des Stolzes in die Augenwinkel. Der Hitzfeld kennt das Gefühl gut.
  • Aber Vorsicht! Der Südamerikaner spielt ein verdammt gutes Turnier. Hat überhaupt einer bisher ein Team von diesem Kontinenten schlagen können? Moment, ich schaue nach… nö. Unbesiegt nach fast zwei Spieltagen. Womit kann das zusammenhängen? Nur weil das Turnier in der südlichen Hemisphäre stattfindet? Egal. Die Chilenen müssten zu packen sein. Ein 1:0 gegen Honduras ist doch nichts, wovor man Respekt haben müsste. Eher träumt der Chilene schon nachts von El Benaglio, dem vielhändigen Teufel und Bändiger des Spaniers.
  • Mit einem Sieg können die Schweizer den Brasilianern in der anderen Gruppe aus dem Weg gehen. Und dem Spanier gegen Honduras ordentlich Druck machen. Da zittert’s im Flamenco-Schuh, wenn die ersten Angriffe hängenbleiben. Am letzten Spieltag dürfen schließlich die beiden spanischstämmigen Mannschaften sich gegenseitig rundmachen, während der Schweizer auf Honduras urlaubt und mit der zweiten Elf  lächelnd ein Pünktli mitnimmt. So eine Ausgangsposition hätte ich gerne für unsere Jungs am Mittwoch gehabt.

Nachbericht

  • Gleich mal was Grundsätzliches für die lieben Chilenen. Nationalstolz hin oder her, extra lange Version hin oder her – es geziemt sich nicht, in die Hymne der anderen Mannschaft reinzusingen. Als Deutscher habe ich das Problem mit den zwingend und dringlichst reinzugrölenden Zusatzstrophen ja nicht, aber das hat mich schon gestört.
  • Wieso darf der Undiano eigentlich schon wieder pfeifen? Sepp, was soll denn das? Ach, das war ein anderer? Muss ich mir also neue Beleidigungen einfallen lassen. DU SPIELVERPFEIFER, WEICHSPIELER, FARBENBLINDER GOCKEL, GEH DOCH NACH HAUSE, LEG EINE KUSCHELROCK-CD EIN UND MASSIER DIR DIE WADEN MIT ORIGINAL LATSCHENKIEFER-EXTRAKT, DU ZWEIKAMPFALLERGIKER! Das war doch maximal eine gelbe Karte für Behrami, der hat halt hinten nun mal keine Augen! Und in der zweiten Hälfte dem Medel nur Gelb zeigen! Für’s an die Gurgel gehen! Markier dir doch vor dem Spiel die Karten, wenn du sie schon nicht auseinanderhalten kannst!
  • Anders als der Oliver Kahn will ich den Chilenen jetzt nicht so sehr Schauspielerei vorwerfen. Hand im Gesicht löst wohl bei jedem den Hinfallreflex aus. War bei dem Schweizer von Bergen in der 61. Minute auch so. Aber so richtig ans Herz gewachsen sind mir Waldo Ponce und Co auch nicht.
  • Mich hat das Spiel emotional berührt. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an den Freitag. Ich hab überall Serben gesehen. Und statt Benaglio dauernd NEUER gerufen. Aber der Diego hat hinten wieder einiges rausgeholt. Das 1:0 war Pech, den köpft der Gonzalez auch nicht immer so perfekt über das hochgerissene Verteidigerbein rein.
  • Normalerweise rege ich mich bei keinem Spiel auf, wenn die Deutschen nicht beteiligt sind. Da können Tribünen einkrachen, Riesenchancen versemmelt werden oder Tore umfallen. Als aber der Derdiyok in der 90. Minuten den Ausgleich danebenzimmert, habe ich einmal kraftvoll „ACH SCHEISSE“ ausrufen müssen.
  • Ich halte den Schweizern weiter die Daumen. Gegen Honduras müsste ein Sieg ja wohl locker drin sein. So einen Schiri erwischst du doch nur einmal im Turnier. Huch, sowas Ähnliches habe ich auch letzten Freitag geschrieben…

Spanien – Schweiz 0:1

Vorbericht

  • Die Spanier werden Weltmeister. Sagt jedenfalls jeder, den man so fragt. Weil sie bei der EM allen ordentlich die Öhrchen langgezogen und sich ungeschlagen den Pokal gekrallt haben. Noch schlimmer: sie gewannen samt und sonders alle Spiele. Sogar das eine gegen uns. Knapp, aber leider wahr.  Xavi, Fabregas, Iniesta, Silva, Villa und Torres vernaschen Abwehrriegel zum Frühstück und sorgen selbst bei gestandenen Verteidigern am Morgen vor dem Auseinanderdröseln der Abwehrkette für durchgeschwitzte Kopfkissen.
  • Aber: bei der Auslosung zur WM haben sie wie Italien oder England die vom Namen her ganz harmlosen Teams zugesteckt bekommen. Schweiz. Chile. Honduras. Ja, nicht mal ein schnuckeliger Afrikaner hat sich in dieses Idyll verirrt. Wo soll der durchschnittliche José Maria da die Motivation hernehmen? Schließlich gibt es für den stolzen Iberer keinen Ruhm zu ernten. Unter 4:0 wird gemeckert, alles obendrüber als normal angesehen. Meine Prognose daher: der Spanier langweilt sich durch die Vorrunde und wird im Achtelfinale vom hellwachen Nordkoreaner aus dem Wettbewerb gekegelt.
  • Eine Nation hängt gebannt an den Tränensäcken eines Mannes: Ottmar Hitzfeld ist der Star der diesjährigen schweizer Nati-Auslese. Nach der WM 2006 stürzte das Team in eine tiefe Krise, blamierte sich beim Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen die Ukraine, wo kein Schütze den Ball über die Linie brachte. Jahrelang kam auf die einst das Selbstbewusstsein der Schweizer definierende Frage „Wer hat’s erfunden?“, nur ein „Was? Das Elfmeterschießen? Ihr ja schon mal nicht, haha.“ 2008 bei der EM im eigenen Haus erfand Kapitän Alexander Frei den Fachbegriff des „Sich-aus-dem-Turnier-Freiens“, also das frühzeitige Ausscheiden eines Hoffnungsträgers infolge Verletzung. Dieses Jahr probiert es Frei gleich wieder.
  • Eines hat der Schweizer aber uns Deutschen voraus: er soll angeblich ein fast 40 Bilder umfassendes Sonderset an Panini-Bildern erhalten, in dem nationenübergreifend Spieler enthalten sind, die nun doch an der WM teilnehmen. Und ich soll mir dieses Käseblatt SportBild kaufen, um Neuer, Khedira, Kroos oder Müller einkleben zu können.  Sauerei.

Nachbericht

  • Ja, leck mich doch am Tschöpli! Ich glaub, meine Kuhglocke schlägt zwölf! Der Schweizer mit der ersten Sensation des Turniers. Wenn der Spanier normalerweise Abwehrriegel zum Frühstück verspeist, hat er sich heute an einem Toblerone-Massiv verschluckt.
  • Diego Benaglio mit einer absoluten Weltklasseleistung, anders kann man das nicht sagen. Mit dieser Demonstration an Unüberwindbarkeit hat der Mann finanziell endgültig ausgesorgt, der braucht die DVD mit diesem Spiel nur in England bei Seminaren vorzuführen.
  • Das 0:1 war fesch reingewurstelt, aber wie Derdiyok spanischer als der Spanier selbst fast zum 0:2 trifft, da ziehe ich meinen Hut vor. Okay, Kritiker dürften anfügen: nun werden alle, die schon defensiv gespielt haben, sich diese Partie zum Vorbild nehmen. Aber ich fand es klasse, wie es nach der Führung rundging auf dem Platz. So will ich meinen Fußball.
  • Der Spanier muss sich nicht grämen. Gegen Honduras wird er sich quälen müssen, aber die chilenische Spielweise dürfte ihm entgegenkommen. Allerdings wartet danach Brasilien im Achtelfinale. So oder so endlich ein Unterhaltungsschub für eine bisher an Höhepunkten eher arme WM.