England – Japan 2:0 / Neuseeland – Mexiko 2:2

Vorbericht:

  • Die dritten Spieltage in der Gruppenrunde stehen an. Ekstase, Juhu und Juchee! Das sind übrigens keine Namen japanischer Ersatzspielerinnen, sondern freudvolle Ausdrücke ehrlicher Begeisterung. Denn als WM-Befasler darf ich nun in einem Beitrag gleich zwei Partien vorbescheiden, von denen nach dem bisherigen Turnierverlauf mindestens eine so interessant werden dürfte wie die Wahl zum intelligentesten Bewohner im Big Brother-Haus.
  • Sechs der acht Viertelfinalplätze sind vergeben, die Teams streiten sich nur noch um Platz 1 oder 2 in ihrer Gruppe. Ich höre die Reporterkanonen von ARD und ZDF bereits Motivationsbolzen einschlagen wie „Es geht um den Gruppensieg“, „Hier ist alles entschieden, die Mannschaften können also befreit aufspielen“ (kein Nordkorea-Witz beabsichtigt) oder „Man will sich mit einer guten Leistung aus dem Turnier verabschieden“. Profitipp: wenn letzterer Satz fällt, NICHT GUCKEN! Auch wenn der Augenaufschlag von Sven Voss verführerisch ist. Spätestens aber, wenn Kommentator Norbert Galeske wieder von „Transition“ statt „Übergang“ redet, muss jedem Zuschauer klar sein: hier spricht die pure Verzweiflung ins Mikro.
  • Mexiko kann noch den zweiten Tabellenplatz erreichen, ein Sieg gegen Neuseeland bei gleichzeitig hoher Niederlage von England vorausgesetzt. Und so sehr das Begriffspaar „Hohe Niederlage“ und „England“ auch bei mir als Fußballfan spontan für gute Laune sorgt, traue ich es den Conchitas nicht zu, in ihrem Spiel so derbe auf den Putz zu hauen. Schließlich kann Neuseeland befreit aufspielen und will sich mit einer guten Leistung aus dem Turnier verabschieden (WARNUNG! WARNUNG!).
  • Der endgültige Tabellenzweite dieser Gruppe zieht gegen unsere Auswahl ins Viertelfinale, sofern wir heute Abend die Französinnen rundmachen. Klappt das allerdings nicht, geht es gegen den Tabellenführer. Ich fasse es mal schlicht zusammen: entweder wir gegen Japan oder wir gegen England. Und da wäre mir England lieber, so aus rein historischen Gründen und dem nie zu unterschätzenden Aspekt der Schadenfreude. Schwer diskutiert werden dürften sicherlich die Vor- und Nachteile der weiteren Spielorte: belegen Prinz & Co nämlich nur den zweiten Platz, droht Leverkusen, nur bei einem Sieg geht es weiter nach Wolfsburg. Bundesligafans werden sich noch Generationen hinweg darüber streiten, was wirklich schlimmer ist.
  • Wer in der geselligen Runde sich a) für die einzig interessante Partie, also ENG – JAP entschieden hat und b) in einem Moment überbordender Langeweile Eindruck schinden möchte,  kann fallen lassen, dass Japans Frauen noch nie gegen eine europäische Mannschaft gewonnen haben, während die Engländerinnen wiederum noch nie gegen Japan siegen konnten. Da haben sich ja zwei gesucht und gefunden.

Nachbericht:

  • Jaja, das haben wir gerne, ihr Engländerinnen! In der ersten Runde Mist gespielt, in der zweiten Runde durchgequält und jetzt einfach mal die Japanerinnen geschlagen. Nur damit WIR in einem möglichen Viertelfinale den schwarzen Peter zugeschoben bekommen, das katastrophengeplagte Asienvolk nach Hause zu schicken. Ich könnt‘ mich geradewegs aufregen.
  • Noch schlimmer das Wie der Niederlage. Was bibbere ich mit dem kleinen Ding im Kasten der Japanerinnen, Ayumi Kaihori, immer mit! Keine löst meinen Beschützerinstinkt deutlicher aus; vor allem, wenn ein halbhoher Ball angesegelt kommt. Und was machen die fiesen Insulanerinnen? Überlupfen die arme Frau gleich zweimal bei ihren beiden Toren. Meine Reaktion darauf ließ sich kurz gefasst auf dem Trikot der japanischen #11 ablesen: OH NO.
  • Die liebevollen Bemühungen der Mexikanerinnen auf dem anderen Platz wurden ebenfalls zunichte gemacht. Die wollten am Schluss nicht mal mehr einen Sieg, sondern ließen die Kiwis tatsächlich noch den Ausgleich schießen. Für mich steht jetzt fest: den drehen wir eine Nase, spielen gegen Frankreich nur Unentschieden und hauen sie dann im Viertelfinale weg.
  • Sollten wir doch gegen Japan ran müssen, ist die Taktik wohl leider klar. Nicht ins Spiel kommen lassen, konzentriert abwehren, vorne was Hohes reinschaufeln, fertig. So sehr ich die Japanerinnen auch gegen Mexiko mochte,  die Mittelamerikaner sind nun wahrlich nicht für ihre Verteidigungswälle berühmt.
  • Zum Schluss noch mein Lieblingsspruch aus der wieder reichhaltig gefüllten Bonmots-Schatzschatulle von Claudia Neumann. Die interpretierte eine Traineranweisung von der japanischen Bank als Aufforderung an das Team, „höher zu stehen“. Höher stehende Japanerinnen auf Kommando. Wenn es so einfach wäre…

Neuseeland – England 1:2

Vorbericht

  • Und es begab sich zu einer Zeit, als die Sportschau noch pünktlich um 18:00 Uhr anfing und niemand etwas von überteuertem Bezahlfernsehen wusste, da spielten die Kinder Gottes im Paradies Fußball. Schiedlich, friedlich traten sie gegen das knallbunte runde Etwas und erfreuten sich an dem Gekicke. Die Tore selbst bestanden aus zwei nahestehenden, hochgewachsenen Bäumen als Pfosten, die Latte ward noch nicht erfunden, sondern wurde von den Männern noch schamvoll unter Feigenblättern versteckt.
  • Eines Tages stellte sich ein Menschlein zwischen die beiden Baumstämme und rief: „Ich will jetzt der Torwart sein und euch am Toreschießen hindern“. Gesagt, getan. Tapfer warf er sich in die Ecken, hechtete nach dem Spielgerät und erntete viel Anerkennung und Applaus. Doch der schnelle Ruhm stieg ihm zu Kopf, er wollte gar keinen Ball mehr hinter sich lassen und griff daher zu einem Trick. Denn auf den Bäumen lebten kleine Äffchen, die sich behände von Liane zu Liane schwangen. Die dressierte er, auf dass sie immer dann, wenn das Leder unerreichbar ins Tor zu gehen drohte, zwischen den Ästen hervorrauschten und den sicher geglaubten Treffer noch verhinderten. Groß war die Aufregung! Mürrisch gingen die Menschen zum Fußballgott und baten um ein Eingreifen.
  • Der Fußballgott hatte jedoch keine Zeit und schickte an seiner Stelle eine Abgesandte zum nächsten Spiel. Eine kleine Asiatin mit rötlichem Haar, einem freundlichen Wesen , aber auch ganz, ganz kleinen Augen, die ihr vom Gras auf dem Feld immer zuschwollen. Und so kam es, dass die Abgesandte die flinken Äffchen nicht sehen konnte, obwohl das Publikum und die Spieler pfiffen und schrien. Wieder zogen die Menschen vor den Fußballgott. Der war erzürnt und rief seinen Krisenstab zu sich. Zum nächsten Spiel erschien ein kleiner dicker Mann, welcher allüberall in Eden den Ruf hatte, als stets neutral zu gelten. Jedoch ließ er sich gerne mal eine Banane mitgeben, wenn er seine Inspektionen im Auftrag des Fußballgottes durchzuführen pflegte. Nach dem Spiel von seinem Chef befragt, sagte der kleine dicke Mann „Krise? Ich habe keine Krise gesehen. Aber das hier ist eine schmackhafte Banane“.
  • Als es wieder Geschrei an der Pforte gab, wurde es dem Fußballgott zu bunt. Er verkleidete sich als harmloses Gebüsch und mischte sich unter die Zuschauer. Viel gab es zu bestaunen: Ein blau-weiß gekleideter Mann mit nassem Haar aus dem Süden lachte immer dreckig, wenn ein Spieler kurz vor dem Tor hinfiel. Ein anderer, aus dem hohen Norden, ging stets nach Hause, wenn es spannend wurde. Und der Torwart ließ frech seine Äffchen springen, wenn es brenzlig wurde und feuerte das folgende Gebuhe mit obszönen Gesten weiter an.
  • Da legte der Fußballgott seine Tarnung ab, erschien am Mittelkreis und verkündete mit bebender Stimme: „Du, der du das Tor verengst, sollst fortan den Namen Engländer tragen. Stark und groß wirst du sein im Felde, aber schwächlich und klein zwischen den Pfosten. So ist mein Wille.“ Und so geschah es. Am vergangenen Montag klingelte im Wolfsburger Hotel, wo das englische Frauenfußballteam Einzug gehalten hatte, das Telefon. „Ferngespräch für Frau Bardsley“, rief die junge Frau an der Rezeption. Frau Bardsley nahm den Hörer in die Hand und durch die Leitung knacksten folgende Worte: „Du jetzt auch. Sorry. Gleichberechtigung und so“.
  • Ob Bardsley, Brown oder Chamberlain – ich will Neuseeland siegen sehen. Go, Kiwis, go!

Nachbericht:

  • Die Elfenelf fliegt nach Hause ins Elbenland. Dabei haben sie doch so tapfer gekämpft und gingen gar in Führung. Doch alles Drängen half nichts, Bardsley im Tor der Britinnen ließ nicht nochmal einen Krummen rein.
  • Wobei mich die Lionesses nicht wirklich überzeugt haben, gegen die würde ich unsere Mannschaft als nächstes lieber antreten sehen als gegen die Französinnen. So als Aufbaugegner.
  • Bittere Enttäuschung bei britischen Buchmachern: die Landesvertretung wurde ihrer Favoritenrolle gerecht, die Quoten fielen entsprechend mager aus und wer gespannt auf eine andere Heldin im Kasten gesetzt hatte, durfte sich von seinem Einsatz verabschieden. Spielverderberinnen.
  • Kleiner organisatorischer Hinweis: die Vorberichte über die Partien des Wochenendes könnten verspätet oder gar verkürzt veröffentlicht werden. Ich spüre langsam eine leichte Unlust in den Schreibfingern aufziehen und der Leserschaft scheint es mit dem Lesen ähnlich zu gehen.

Japan – Neuseeland 2:1

Vorbericht

  • Das Wochenende ist vorbei, wir haben gewonnen und ich war gestern wohl ein wenig zu miesepetramäßig drauf, was das Spiel unserer Nationalmannschaft anbelangt. Ich hatte halt die ganzen Testspiele noch im Auge und dachte, das Ding holen wir locker mit 5:0 nach Hause. Mittlerweile bin ich überzeugt: Kanada ist ein bisher ungenannter Mitfavorit, schließlich sind die ja fast so was wie die USA und die wiederum stellen bekanntlich die #1 in the world and überhaupt. Prinz und Bajramaj haben aber wirklich schlecht gespielt und jeden, der mich vom beinharten Fantum zu Melanie „MelB“ Behringer abbringen will, bewerfe ich mit Fußballschuhen.
  • Japan. Da wird es schwer mit den Witzigkeiten. Ich traue mich nicht mal, sowas wie „Godzilla-Girls“ hinzuschreiben. Natürlich wegen des Erdbebens und der Atomkatastrophe, die diese Nation vor wenigen Monaten erleiden musste. Hat es uns nicht alle beeindruckt, wie die stolzen Japaner diesen furchtbaren Schicksalsschlag hingenommen haben, ohne ihren Emotionen freien Lauf zu lassen, ohne in Tränen auszubrechen angesichts dieser Tragödie?
  • „DIE HABEN DICH AUCH NOCH NICHT SUSHI ESSEN SEHEN!“, ruft mir mein Bruder gerade über die Schulter. Das ist wahr. Ich befürchte, ich könnte allein durch einen Mitschnitt meiner Zubereitungs- und Verzehrmodalitäten ihres Nationalgerichts die willensstärksten Asiaten brechen. Ich und die 3,99-Euro-Tiefkühlpackung aus dem Aldi. Wie ich die Tütchen mit dem Ingwer und dem Wasabi zwecks Auftauens aus Schusseligekeit zu lange in der Mikrowelle lasse, bis sie explodieren, wie ich den warmen Matsch aus diesen beiden Bestandteilen mit Sojasoße übergieße und mit dem Reis voran die Sushi darin ertränke – das schlägt schlichtweg die Dimensionen japanischer Quäl-Spielshows. Vielleicht sollte ich doch ein Video davon auf die PS3 im Freizeit-Quartier der Damenauswahl  einschmuggeln und dann massiv auf einen Sieg der Neuseeländerinnen wetten. Die sind nämlich klarer Außenseiter gegen die aktuelle #4 der Weltrangliste.
  • Homare Sawa heißt die Rekordnationalspielerin und -torjägerin, zählt 32 Lenze und spielt schon seit 18 Jahren für die Nadeshiko Japan, wie sich die Auswahl nennt. Das ist bewundernswert, 1993 wäre ich im Alter von 14 froh gewesen, den Spielmechanismus hinter dem 3D-Shooter „DOOM“ begriffen zu haben.  An Legionärinnen erwähnenswert: Yuki Nagasato (Turbine Potsdam) und Kozue Ando (FCR Duisburg). Unbelastetes junges Gemüse, nee, das kann ich jetzt wieder nicht schreiben, Eine aufstrebende Newcomerin stellt für viele Experten die 18-jährige Mana Iwabuchi dar. Allerdings gilt für die ganze Mannschaft: gegen die Top-Teams USA und Deutschland sieht die Bilanz extrem mager aus. Der Weg ist also bereitet: Vorrunde hui, Ausscheidungsrunde pfui.
  • Ich mag Neuseeland, schon bei der letztjährigen WM. Die tapferen Hobbitse haben mir viel Spaß bereitet und blieben damals – das erwähne ich gerne nochmals – die einzige unbesiegte Mannschaft im Turnier. Ähnliches erhoffe ich mir von der Elfenauswahl, die noch auf ihren ersten WM-Sieg wartet.  Wieder allerdings muss ich die neuseeländische Tourismusbehörde rügen: die Männermannschaft lief wegen ihrer Trikotkombination als „All Whites“ in Südafrika auf, die Frauen bekamen nun ausgerechnet den Spitznamen „Swanz“ verpasst. Ich sehe vor mir schon die Transparente mit der Aufschrift „We are proud of our Swanz“ und die kritisch dreinblickenden FIFA-Geschlechts-Inspekteure. Selbst im Deutschen würde ein „Wir sind stolz auf unsere Schwäne“ zu buchstäblichem Ergänzungs-Schabernack einladen. Das muss doch wirklich nicht sein. Wer sehen möchte, wie  man richtig Werbung für Neuseeland betreibt, den verweise ich auf dieses flickr-Fotoset mit Motiven aus dem Büro von Murray Hewitt, Botschaftsmitarbeiter und bester Bandmanager aller Zeiten aus der großartigen TV-Show „Flight of The Conchords“.
  • Neuseeland erinnert mich darüber hinaus oft an mein Heimatland, das Saarland. Tolle Umgebung, tolle Menschen, aber eine schlechte Außenwahrnehmung.  Wenn es etwas über Neuseeland zu lesen gibt, dann meist, wenn altgediente Schafe sterben oder Pinguine stranden. Im Saarland hingegen können selbst Tiere massenweise verenden, überregionale Notiz genommen wird nur, wenn Lafontaine hustet, Nicole an deutschen Grand-Prix-Beiträgen herummeckert oder der saarländische Tatort wieder einmal vollends enttäuscht hat. Eine weitere Parallele: der Neuseeländer kabbelt sich traditionell mit dem sich ach so toll vorkommenden Australier herumkabbeln, sozusagen dem Pfälzer Ozeaniens. Alles Gründe, den Kiwis auch diesmal die Daumen zu drücken.
  • Letzter Absatz, ich schmeiße wieder Namen wichtiger Spielerinnen in die Runde: Hayley Moorwood, Ali Riley, Rosie White, Wyntona Rufer. Nein, Wyntona Rufer habe ich jetzt scherzeshalber reingeschmuggelt. Der heißt Wynton und war mal Stürmer in Bremen. Wollte nur mal kurz die Aufmerksamkeit der Leserschaft austesten. Ich gehe jetzt 2,50 Euro auf einen Sieg der Neuseeländerinnen setzen.

Nachbericht

  • Ich hätte da nicht gespielt. Nö. Bullenhitze, unattraktive Anstoßzeiten (15 Uhr Ortszeit, 1 Uhr nachts in Neuseeland, 22:00 abends in Japan), Bochum, schrecklich stumpfer Rasen. In der Mittagspause war ich heute im Aldi und habe durch reines Warenverladen in den Kofferraum gefühlte 2 Liter Flüssigkeit aus meinem körpereigenen Wasserhaushalt verloren. Insofern schon mal meinen Respekt an die beiden Teams.
  • Modische Akzente wurden zudem auch noch gesetzt; Neuseeland teilweise mit weißer Kampfschminke, was bei den Temperaturen natürlich bald aussah wie KISS im Endstadium. Japans Nr. 4 hingegen überrascht und entzückt mit einer zarten beige-weiß-Stoffkombination als Kopfbedeckung. Verbandfetischisten und Fans von Dieter Hoeneß (möglicherweise sogar alle beide) dürften vor Freude aufgejauchzt haben.
  • Zum Spiel: nach 6 Minuten schon das 1:0 für Japan durch Nagasato. Fehlpass abgefangen, einmal sauber durchgesteckt, reingelupft. Das sieht jetzt bereits besser aus als das, womit mich die Männer letztes Jahr gelangweilt haben. Ich zerknülle weinend meinen Tippschein mit der Wette auf einen neuseeländischen Sieg.
  • Weitere sechs Minuten der Ausgleich: Flanke Bowen, Kopfball Hearn und ich war so stolz, dass ich den ganzen Vorbericht über nicht darauf herumgeritten bin, dass bei den Japanerinnen keine über 1,71 m groß ist. Nun muss ich offiziell vermelden: bei den Japanerinnen ist keine über 1,71 m groß. Auch nicht die Torhüterin. Wovon der Ausgleich durchaus mitbeeinflusst wurde. Sollten wir im Viertelfinale auf Japan treffen, besetzen wir Sturm und offensives Mittelfeld am besten mit Kerstin Garefrekes.
  • Es nimmt mich wunder, dass auch die Japanerinnen trotz ihrer zweifellos großen technischen Fähigkeiten am Ball gerne hohe Flanken spielen. Im Zusammenhang mit der körperlichen Unterlegenheit erscheint das so wirkungsvoll wie Origamifalten gegen Feuersbrünste, aber wenn es denen halt Spaß macht…
  • In der zweiten Hälfte fordert die Hitze schon ihren Tribut. Vor allem die Neuseeländerinnen laufen nicht mehr so geschmeidig, sondern bestechen nur noch durch kluge Fouls und Abseitsfallenstellen. Zu wenig, um die Asiatinnen zu überraschen. Die die Partie durch ein Freistoßtor von Miyama letztlich verdient für sich entscheiden. So sehr ich die Kiwis auch mag, das ist eher eine Getümmelmannschaft, die im Chaos einer Ecke oder eines Freistoßes mal einen reinhieven oder die Rübe dranbekommen. So wird das wohl nicht ausreichen, um ins Viertelfinale zu kommen. Aber mein Herz gehört ihnen trotzdem.


Flattr this

Uruguay – Niederlande 2:3

Vorbericht

  • Schiedsrichter-Ikone Walter Eschweiler ist in Aufruhr. Seit Beginn der WM hatte sich der Fußballgott nicht bei ihm gemeldet. „Afrika ist nicht so meine Baustelle“, hatte er offiziell zu Protokoll gegeben und sich als Vorbereitung für die nächste EM seinem neuen Lieblingshobby, den lustigen Spielmanipulationen in den unterklassigen polnischen und ukrainischen Ligen, gewidmet. Pünktlich zu den Halbfinalspielen klingelte nun aber doch das rote Telefon: „Sitzung heute nachmittag. Bin ernsthaft sauer“ lautete die knappe Anweisung.
  • „Mein Gott Walter, wie lange isses denn noch?“
    „Nun, Eure Ballherrlichkeit, wir haben zwei Halbfinals, ein Spiel um den dritten Platz und das Finale. Was hat Euch denn so erzürnt, dass Ihr nun eine Einmischung anordnet? War es die frühe Heimreise der Favoriten? Das Scheitern der Superstars aus der NIKE-Werbung? Die fehlenden afrikanischen Mannschaften im Halbfinale? Das kleine, dicke, weinende Maradona?“
    „Walter, alter Schwarzkittel, das ist mir doch Latte wie Pfosten. Über den Maradona habe ich sogar selbst kichern müssen. Aber der Uru, der Uru, das…, das ist ein Spitzbu! [Der Fußballgott hatte die Jahre zuvor so ziemlich alle saarländischen Mannschaften absteigen lassen und dabei den Dialekt gelernt; Spitzbu bedeutet in etwa kleiner, ungezogener Junge] Wie der sich durchs Turnier geschlichen hat, das geht nicht an! Da muss man was gegen tun! In einer Pille-Palle-Gruppe Erster geworden, dann gegen fußballerisches Mittelmaß wie Südkorea nur knapp gewonnen und schließlich den Ghanaer im Elfmeterschießen verhohnepipelt. Hast du den Suarez gesehen, wie der erst mit beiden Händen den Ball von der Linie schaufelt und sich danach grinsend von seinen Leuten feiern lässt? Wenn die ins Finale kommen, schieben die MIR das noch in die Schuhe. Kennst ja die Südamerikaner. „Hand Gottes, Wille Gottes, Querbalken Gottes“ und der ganze Kram. Ich muss auch an meinen Ruf denken!“
  • „Ja nun, wie soll es denn laufen, Eure Fußballhoheit?“
    „Okay, Walter, schreib in die Mannschaftsakte: schnelle 2:0 Führung durch Diego Forlan. Unspannendes Ballhalten und -rumgeschubse bis zur 87. Minute. Eigentor zum 2:1. Was ganz Unglückliches, aber auch was zum Lachen. Vollspann vom Verteidiger in den Winkel, so was in der Richtung. 94. Minute: gleich noch ein Eigentor. Vom selben Spieler! Verlängerung. 121. Minute: Robben zieht nach einem Pass auf die rechte Seite nach links Richtung Strafraum, schießt, Ball klatscht an den rechten Innenpfosten, tänzelt schnurgerade über die Linie, touchiert den linken Innenpfosten, prallt an den Popo des am Boden liegenden Torwarts und trudelt infolge eines unerklärlichen Flatulenzanfalls von Muslera ins Tor. Fertig. Der erste eingepupste Siegtreffer der WM-Historie. In HD und Dolby Digital Plus.“
  • „Und wer gewinnt das zweite Halbfinale, oh Hüter von Ballhalla?“
    „Ich mochte ja den Neuseeländer. Zähe kleine Hobbitse. Haben zudem auch kein Spiel verloren. Mach den Neuseeländer ins Finale, Walter.“
    „Würde ich gerne tun, aber die Kiwis sind leider ausgeschieden, weil sie einen Punkt zu wenig hatten. Wir wär’s denn mit den Deutschen? Deren Kapitän wäre rein größentechnisch auch prima als Frodo durchgegangen“
    „Na gut. Von mir aus. Ist zwar langweilig, aber ich mag kleine Kämpfernaturen. Leg beim Rausgehen nochmal die Herr der Ringe-Blu-rays ein und mach die Himmelstür hinter dir zu“.
    Zufrieden trug Walter Eschweiler ein 5:1 der Deutschen gegen Spanien ein. Wieder hatte er für seine Jungens eine weitere Runde klar gemacht.
  • Interessantes, aber sinnfreies Detail – mit einem 3:0 heute könnte der Niederländer doch noch Südamerikameister werden. Bisher liegen wir glatt mit 4:0 vorn, die Oranjes haben bekanntermaßen erst ein 2:1 auf dem Konto. Wünschen wir ihm dafür alles Gute, denn Weltmeister kann er ja leider nicht werden. Unseretwegen.

Nachbericht

  • Ich dachte schon, der Fußballgott wäre wieder so mies drauf wie bei der WM 2006 und würde dem Uru ähnlich damals dem Italiener noch ins Finale helfen. War aber auch so leicht gemein; zweimal durfte der letzte Südamerikaner Endspielluft wittern, nur um letztlich wegen eines Robben-Kopfballs sein Ziel zu verfehlen (dabei ist Robben das Wesen des Kopfballs üblicherweise so fremd wie der kraftvolle Schuss mit dem rechten Spann). Sein Ziel erreicht hingegen hat der Niederländer – nach über 30 Jahren kann er endlich wieder im Finale einer Weltmeisterschaft hinter uns Vizeweltmeister werden. Dafür schon jetzt meinen herzlichen Glückwunsch!
  • Ein Spiel mit Toren aus dem Nichts. Giovanni van Bronckhorst, die alte Abwehreule, die normalerweise alles jenseits der eigenen Spielhälfte doch nur noch schwummerig sieht, zerrt einfach mal aus über 35 Metern einen oben in den Winkel. Beim ersten Hinschauen dachte ich mir noch: „Wie hat sich denn der Muslera die Gelenke verrenkt, dass er da nicht rankommt?“. Aber der Schuss war wirklich sauber, der Uru-Torwart hat nur zu lange staunend hinterher geschaut und so lange im Kopf „uiuiuiuiuiui“ gemacht, bis er zu spät kam.
  • Auch der Ausgleich unerwartet und per Distanzschuss via Diego Forlan. Ich hol jetzt nicht den Edwin aus der verdienten Rente, aber ein gewisser Herr van der Sar hätte den locker rausgefischt und als Matjes zwischen zwei Brötchenhälften eingearbeitet, egal wie der auch gezappelt haben mag. In dem Moment sind wahrscheinlich Podolski und Trochowski, unsere beiden Schussbolzen vom Dienst, sofort zum Trainer gerannt („Jogi, wir wissen, wie man den Holländer schlägt!“) und sind dann raus aufs Trainingsgelände, eiernde Bälle produzieren.
  • Der Uruguayer ist nicht mehr der Holzhacker von früher, das muss man sich eingestehen. Aber er erschafft doch noch erinnerungswürdige Szenen voller körperlichem Einsatz. Siehe die Steigerung des bekannten „Fallrückzieher am Mann“ durch die eingesprungene Figur „Fallrückzieher in den Mann“. In dem Fall die #14 der Elftal, Demy de Zeeuw. Auf meinem Fernseher sah es so aus, als würde dem armen Kerl das halbe Gebiss rausfliegen. Dabei war es nur ein Grasbüschel. Analoges Fernsehen regt halt anders als HD noch die Fantasie an.
  • Zweite Spielhälfte: einen so gemein und heimlich flach unten reingezwirbelt, dass die Abseitsfalle zu lange überlegen musste, ob sie nun zugeschnappt war oder nicht. Obendrauf das Kopfballunikat von Robben. Das schien’s gewesen zu sein. Aber einen durfte der Uru dann doch noch machen, die Nachspielzeit schien sogar extra lang, um ihn besonders verzweifeln zu lassen. Der gesperrte Suarez hat darüber diesmal bestimmt nicht lachen können.


Flattr this

Slowakei – Italien 3:2 / Paraguay – Neuseeland 0:0

Vorbericht

  • Freunde, bin ich entspannt. Mir kann heute niemand was. Die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern, der Rasen hinter meinem Haus wächst und müsste wieder mal gemäht werden. Egal. Seit gestern Abend machen mir Rasen jedweder Sorte und Höhe sowie die darauf herumackernden Fußballerbeine keine Sorgen mehr. Heute darf von mir aus jeder weiterkommen. Wer spielt denn gleich überhaupt?
  • Ach, der Italiener. Nee, scusi, ein Freilos kriegt der dann doch nicht von mir. Nicht nach den bisherigen Spielen. Der soll erstmal schön den Slowaken besiegen, bevor er in unser Achtelfinale darf. Die Situation ist ähnlich wie beim Engländer gestern. Niederlage bedeutet „Ciao e Ciao“ (guten Tag und auf Wiedersehen), bei einem Unentschieden kann Neuseeland mit einem Dreier vorbeiziehen, bei einem Sieg ist der Italiener durch, könnte aber nur Zweiter werden, wenn der Kiwi höher gewinnt als er.
  • Ich würde mich daher an meinem lässig im Mund hängenden Grashalm vor Lachen verschlucken, wenn der Italiener heute 1:0 gewinnt, der Neuseeländer aber zeitgleich mit 2:0 die Paraguayer raushaut und es im Achtelfinale zu der Partie Italien gegen Niederlande kommt. Alternativ könnte natürlich auch der Paraguayer einfach gewinnen, dann hätten wir dasselbe Ergebnis für Italien. Aber ich würde gerne meine Lieblinge aus Neuseeland weiterkommen sehen.
  • Weiß eigentlich jemand, weshalb die Spiele der Gruppe F auf den Nachmittag vorgezogen worden sind? Eigentlich wäre doch Gruppe E mit den Niederländern dran. Wahrscheinlich wollten sich die Italiener nicht am Abend die Schenkel verkühlen. Vielleicht fliegen sie auch lieber abends nach Hause. Ein kleiner Scherz, ich tippe auf einen 1:0-Sieg über die Slowakei. Ich kenn doch meine Pappenheimer.

Nachbericht

  • Ohne Zweifel das gefühlt längste Spiel der Weltmeisterschaft, dieses 3:2 der Slowaken über Italien. Was habe ich den Kiwi auf dem anderen Platz angeschrien, dass er der ganzen irren Situation doch bitteschön mit einem Sieg noch die Krone aufsetzen soll. Aber da kam nix. Dennoch: Neuseeland scheidet unbesiegt aus – eine Leistung, die der Italiener heuer nicht geschafft hat. Normalerweise kommt er ja in der Vorrunde unbesiegt mit drei Unentschieden durch. Diesmal war aber der Slowake davor.
  • Der Robert Vittek ist ein eiskalter Killer, so habe ich den gar nicht in Erinnerung aus Nürnberger Zeiten. Beide Tore blitzschnell reagiert, abgezogen, eingenetzt. Sah man bisher nicht so oft bei dieser WM, wo gerne nochmal auf den anderen Fuß gelegt, ins Leere gepasst oder der Ball vertändelt wird.
  • Beim zwischenzeitigen 3:1 fiel mir der Spruch von Trappatoni ein. Die italienische Verteidigung war in dem Moment aber nicht wie Flasche leer, sondern eher wie ausgetrunkene Getränkegroßproduktionshalle. Dem Italiener, der erneut 90 Minuten ohne Mannschaft spielen wollte, fiel erst zehn Minuten vor Schluss ein, dass er mal ein Tor schießen müsste. Und prompt klappte das sogar. Morgen werden die Gazzetta della sporta wieder voll sein mit Verschwörungstheorien: der slowakische Torhüter Mucha hätte vom Platz fliegen, das Tor zum 2:2 zählen müssen und überhaupt mag niemand den Italiener. Alles wie gehabt.
  • Mein Bruder meinte direkt nach Abpfiff, dass er plötzlich Hunger auf Pizza hätte. Ich komischerweise auch. Gehe ich heute Abend mal gleich zwei Sophia Loren holen. Natürlich beim Kebabmann am Ende der Straße. Ich bin ja nicht lebensmüde.

Italien – Neuseeland 1:1

Vorbericht

  • Neuseeland! Heute gilt’s. Ich drück‘ dir die Daumen, kleiner tapferer Frodo! Wirf den Ring in den Schicksalsberg und mach’ mich glücklich! Doch weit und beschwerlich ist der Weg nach Romdor, äh, Mordor, zahlreich und vielbeinig die Schergen von Saurom, äh, Sauron.  Himmel, heute habe ich es aber mit den Verschreibern.
  • Italien spielt ohne Buffon. Sehr schade, den konnte ich wirklich gut leiden. Bei der EM 2008 hat der immer freundlich nach dem Abpfiff den Schiedsrichter umarmt und gelächelt. Sogar unseren mürrischen Herbert Fandel! Das hat er letzten Montag wohl vergessen angesichts des spielerischen Elends, das seine Kollegen auf dem Platz ausgewalzt haben. Ach nein, der musste ja ausgewechselt werden. Hatte Bandscheibe. Ich auch letztes Jahr, war ganz schlimmes Aua! Gute Besserung, Gianluigi. Ich würde meine Leser an dieser Stelle bitten, mir einen Ersatzsympathieträger der Italiener vorzuschlagen. Hinweis: Catenaccio ist kein Spieler.
  • Heute habe ich tippmäßig einen rausgehauen: 2,50 Euro gesetzt für einen Sieg der Slowaken, ein Unentschieden zwischen Italien und Neuseeland, ein Unentschieden zwischen Portugal und Nordkorea sowie einen Sieg von Brasilien gegen Elfenbeinküste. Ja, ich weiß, der letzte Tipp ist mutig.
  • Juhu, seit wenigen Minuten habe ich die erste Folge der vierten Staffel von IT Crowd auf dem Rechner. Die zieh ich mir sofort rein, wenn eines der Spiele heute langweilig werden sollte. Gegen Moss, Roy und Jen haben weder Alberto noch Nestor oder Marek eine Chance.

Nachbericht

  • Bravo, Frodo! Einen halben Ring versenkt. Das freut mich wirklich. Der Neuseeländer hat ja jetzt spielerisch nicht die ganz großen Künstler in seinen Reihen. Gefährlich wird er eigentlich nur nach Standards. Aber das 0:1 war schon famos. Shane Smeltz, geboren in Göppingen und wegen seines Namens (übersetzt etwa „Shane müffelt“) sicher oft und gerne gehänselt worden, reagiert schneller als ein Pfeil vom Bogen eines Elben flutschen kann.
  • Jetzt versuche ich mal zu beschreiben, weshalb der Italiener bei mir nicht die ganz großen Sympathiewellen erzeugen kann. Nehmen wir die Nr. 6, Daniele de Rossi: kerniger Typ, trägt Vollbart, backt sich sein täglich‘ Olivenbrot wahrscheinlich von Grund auf selbst im original nach Familienrezept zusammengebauten Steinofen. Würde der jetzt mit einem tiefen männlichen Grunzen die Kugel aus 30 Metern in den Winkel hauen, ich wäre sofort dabei, ins versammelte „Sforza Italia“ einzustimmen. Aber was macht er, der Daniele? Fällt im Strafraum, weil ein Neuseeländer ihn festgehalten hat und geht zum Schiri: „Herr Schiedsrichter, Herr Schiedsrichter, der hat mir ans Hemdchen gefasst! Das muss Elfmeter geben, Herr Schiedsrichter“. Klar war das ein Elfmeter. Aber die Umstände… naja, vielleicht bin ich auch nur neidisch, weil sich der Italiener so eine Chance nicht nehmen lässt.
  • Am Ende ein gerechtes Unentschieden, weil die Kiwis kämpften und den Italienern nichts einfiel. Könnte ich italienisch, würde ich morgen ein paar Zeitungen lesen. Am Stiefel geht’s bestimmt rund in den nächsten Tagen.


Flattr this