Elfenbeinküste gegen Japan 2:1

  • Als er das erste Mal auf dem Plan die Zahl 3.00 sah, musste er sich eine kleine Träne aus dem Augenwinkel drücken. Stille Freude ließ seinen Körper sanft erbeben. Sein Tag würde kommen. Alle würden an seinen Lippen hängen. Er wäre nicht mehr der ignorierte Freak, sondern der strahlende Held. Sicherlich würde er bei seinen Ausführungen übertreiben, aber konnte man es ihm verdenken, wenn er seinen Moment im Scheinwerferlicht gnadenlos ausnutzen wollte? Der Chef würde endlich seinen Namen richtig aussprechen, die Sekretärinnen ihn lustvoll anlächeln. Denn er hatte die Kenne, er hatte die Knowledge, wie sie es in der Werbeabteilung nannten. Schon um 8:00 Uhr hätte man ihm den großen Konferenzraum zur Verfügung gestellt, die gesamte Belegschaft wäre versammelt und mit ausladender Geste würde ihm der Boss das Wort erteilen: „Potofski, Sie haben doch letzte Nacht Elfenbeinküste gegen Japan gesehen. Wie ist das denn ausgegangen?“
  • Was Potofski leider übersehen hat: Das Spiel findet um 3 Uhr in der Nacht auf Sonntag statt. Warum und wieso mag man nur erahnen. Vielleicht wollten die Japaner, die knapp 12 Stunden vor der brasilianischen Zeit leben, mal schön Sonntagmorgens zum Frühstück ihre Nationalmannschaft spielen sehen und nicht wie gewohnt das ganze Gekicke tief in der Nacht zwischen 1:00 und 7:00 Uhr.
  • Bemerkenswert bei Japan ist die Prämienvereinbarung. Frage in die Runde: Was bekommt der Japaner, wenn er den Titel holt? 2 Quadratmeter Anbau in seiner Wohnung in Tokio? Sushi bis ans Lebensende? Eine goldene Playstation 4? Weit gefehlt! Bis zu 7,1 Millionen Euro pro Mann sind es laut dem Bericht im kicker WM-Sonderheft. Dafür würde der Afrikaner glatt zwei Tage früher anreisen, als es sein müsste. Grund sind die üppigen Sponsorenverträge der Spieler. Vor allem Keisuke Honda, der „Motor“ des WM-Teams, verdient sich da sicher ein feines Zubrot. Vielleicht sollte man auch hierzulande überlegen, japanische Nationalmannschaft zu sponsern. Hartmut Mehdorn plant da wahrscheinlich die Verpflichtung der Nationalspielerin Shinobu „Flughafen BER“ Ohno.
  • Aber Scherz beiseite: bei den Nipponmännern spielen viele, die sich in der Bundesliga einen Namen gemacht haben. Atsuto Uchida (Schalke), die Sakais (Hiroki – Hannover / Gotoku – Stuttgart), Makoto Hasebe und Hiroshi Kiyotake (beide Nürnberg), Shinji Okazaki (Mainz) sowie der ex-Dortmunder Shinji Kagawa.
  • Die Elfenbeinküste ist, war und bleibt Didier Drogba. Daneben noch ein bisschen Yaya Touré. Die Bundesligafahne halten hoch: Arthur Boka (Stuttgart), Constant Djakpa (Frankfurt) und Didier Ya Konan (Hannover). Der Trainer der Mannschaft ist Franzose und heißt Lamouchi. Das muss jetzt reichen, da führe ich jetzt keinen expliziten Witz mehr dazu aus, beim nächsten Spiel der Ivorer schreib ich mehr über sie. Jetzt muss ich noch für morgen Geld auf Honduras setzen. Mittelamerika rockt diese WM!

 

  • Rassel mich sanft in den Schlaf, baby. Sprüh mich ins Schlummerland, Reinhold. Diese afrikanischen Fans mit ihrer Kombination aus Rasseln, Trommeln, Tröten und Durchhaltevermögen in allen Ehren, aber um 3 Uhr in der Nacht wirkt der ständig selbe Rhythmus extrem einlullend. Vor allem die Rasseln, dieses schubbernde Geräusch, das sich mit fortschreitender Dauer in ein Nicken umwandelt und einem schließlich fast die Augen zufallen lässt. Die Herausforderung des Wachbleibens wird selbstverständlich noch größer, wenn Beckmann und Elber in der Pause mit Sprayschaum spielen und Jens Riewa zuvor die Nachrichten vorgelesen hat.
  • Als Honda früh traf, war ich noch einigermaßen wach. Eher im Halbschlaf bekam ich mit, dass in der zweiten Spielhälfte kein Schuss mehr auf das Tor der Ivorer gelingen sollte. Ungünstig, wenn die Männer von der Elfenbeinküste kurz nach Einwechslung von Leitelefant Didier Drogba innerhalb von 100 Sekunden das Spiel mit zwei Toren drehen. Irgendwas haben die Japaner da wohl falsch verstanden. MAN MUSS NACH EINEM RÜCKSTAND TORE SCHIESSEN, UM ZU GEWINNEN. ERST DANN GIBT’S PRÄMIENGELD! Ach, was rege ich mich auf, wieder ein paar Euro mit meinem Tipp in den Wind geschossen.

Tore:

0:1 Honda (16.)
1:1 Bony (64.)
2:1 Gervinho (66.)
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Japan – USA 5:3 (n.E.)

Vorbericht:

  • Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler ist angesäuert. Bei den letzten großen Turnieren konnte er anlässlich seiner Audienzen beim Fußballgott immer eine gute Platzierung für das DFB-Team herausholen. Diesmal jedoch schien er versagt zu haben. Überhaupt war alles anders, als er am Tag des Finales den großen Raum mit dem Eingangsschild „FIFA-Mitglieder müssen leider draußen bleiben“ betrat.
  • „Mein Gott, Walter! Finaaaaale, ohohoho. Heut‘ ist Finaaaale, ohohoho. Eschweiler, altes Schiedsrichtergestell‘, setz dich hin und greif dir ein Schnäpschen.“ „Eure Ballherrlichkeit sind gut gelaunt, so kenne ich Sie gar nicht, wenn ich das anmerken darf.“ „Mit gutem Grund“, setzte der Fußballgott an, „mir ist heute eine Auszeichnung ins Haus geflattert. Der HOLY FUCK Creative Football Design Award 2011 geht an…*trommelwirbel*… moi, meine und deine Heiligkeit! Diesmal habe ich alles richtig gemacht. Ich lese dir mal aus der Begründung der Jury vor, Walter.“ „Wenn es sich nicht vermeiden lässt, mein Gebieter.“
  • Eine gelungene Mischung aus althergebrachter Tradition, auf dem Fuße folgender Strafe, fröhlicher Unterhaltung, internationaler Härte, historischer Dimension und gewohnter Wankelmütigkeit zeichnete die Veranstaltung des diesjährigen Preisträgers aus. Das steht da, Walter, die meinen mich! Ich wusste gleich, es war eine gute Idee, die Engländer am Elfmeterpunkt versagen zu lassen. Das kommt einfach immer gut an, egal ob Frau oder Mann.“ „Mit fröhlicher Unterhaltung sind sicherlich die Schiedsrichterentscheidungen gemeint. Fand ich allerdings nicht so lustig, mein Herr.“ „Ach, Walter, sei mal nicht so spaßresistent. Ohne Fun geht doch heute im Abendprogramm einfach nix mehr. Und hier, meine Idee, das Zeitspiel und generelle Rumgeheule der Brasilianerinnen mit dem frühen Ausscheiden zu bestrafen, war auch ein Knaller. Hab ich eine saumäßige Menge SMS für bekommen und alle waren begeistert. Okay, in Brasilien sollen ein paar den Glauben verloren haben, aber nicht wirklich viele. Sind halt alles Machos da unten. Mal sehen, was ich 2014 mit denen anstelle. Da freu ich mich schon drauf.“
  • „Den Nordkoreanerinnen Doping in den Reis zu mischen war aber nicht sehr fein, Hochballwürden“, warf Walter daraufhin ein. „Ach Quatsch, das ist internationale Härte, klares Feindbild, Axis-of-Evil-Gedöns, das brauchen die Amis.“ „Und das Ausscheiden der deutschen Frauen? Fand ich sehr doof, um ehrlich zu sein.“ „Ja, Walter, ohne Wankelmut kann ich mich direkt einsargen lassen, da nimmt mich doch sonst keiner mehr ernst! Zweimal Trizeweltmeister bei den Männern und drei Mal Weltmeister bei den Frauen? Das geht ja nun wirklich nicht. Dafür lesen Historiker im Weiterkommen von Japan schon eine Parallele zu 1954. Das Wundel von Flankfult! Nippons Sommelmälchen!“
  • „Gewinnen die Japanerinnen denn nun auch das Finale, o Hüter von Ballhalla?“, will Eschweiler jetzt sanft drängend wissen. „Wäre fast fies, wenn nicht, gelle, Walter? Ich bin noch unentschlossen, habe aber extra deine Freundin, die Bibi, zur Schiedsrichterin bestellt, damit es keinen regeltechnischen Huddel gibt. Vielleicht lasse ich ja auch die Amis gewinnen und wenn sie dann nach Hause kommen, ist ihr Staat gerade dabei, bankrott zu gehen. Müsste ich freilich vorab mit dem Finanzgott besprechen, aber der düst ständig in Südeuropa rum, den kriegst du einfach nicht zu fassen.“
  • „Sag mal, willst du nicht entscheiden, Walter?“, fragte der immer noch euphorische, aber entschlussgehemmt wirkende Fußballgott. „Ich mach das schon, o Eure runde Lederigkeit“, antwortete dieser verschmitzt. Und so geschah es, dass die Japanerinnen Weltmeister wurden, weil Bibiana Steinhaus scharfäugig einen Elfmeter zu ihren Gunsten pfiff, den die Kameras erst in der dritten Zeitlupenwiederholung bestätigen konnten. Die Ehre der Schiedsrichterzunft ward wiederhergestellt, Deutschland gefeiert als die edelmütige Nation, die dem geschundenen Asiatenvolk den Vortritt überließ und Walter gönnte sich endlich das Schnäpschen aus feinsten Süßkartoffeln namens Shochu, das er beim Fußballgott hatte mitgehen lassen.

Nachbericht:

  • Ich setze mein breitestes Grinsen auf und male mir einen roten Punkt ins Gesicht: Die kleinsten Frauen sind die Größten, die Geilsten und die Besten im Frauenfußball obendrauf! Was für ein Spiel, was für eine Dramatik. 120 Minuten plus Elfmeterschießen, gekrönt von dieser einen Erkenntnis, die den Fußball so wunderschön macht. Du brauchst nicht baumlang zu sein, du brauchst nicht muskelbepackt zu sein, du brauchst nicht am höchsten springen zu können, du brauchst nicht jeden Gegner in Grund und Boden zu laufen, um am Ende bei diesem Sport zu triumphieren. Danke Japan, für den großartigen Abschluss dieses Turniers.
  • Die Nationalhymnen gaben ein wenig den Takt vor für die ersten 25 Minuten. Während die japanische Auswahl andächtig und in sich gekehrt einer getragenen Melodie lauschte, brannten die Amerikanerinnen zu ihrem „Hoppla, da sind wir“-Heimatlied innerlich alles nieder. Chance um Chance erdrücken sich die US-Damen, beginnend nach wenigen Sekunden und erst so Mitte der ersten Hälfte endend. Cheney, Wambach, Rapinoe wirbeln Frauen und Spielgerät durcheinander. Just als die Asiatinnen langsam ins Spiel finden, zieht Wambach einen Knaller ab Richtung Torwinkel. Für mich war der schon drin, aber die Latte hält wacker dagegen. Halbzeit.
  • Es ähnelt nun langsam ein bisschen Deutschland – Japan, denn die Blauen klären die Angriffsversuche souveräner, wagen sich auch einmal nach vorne. Aber es ergeben sich weiterhin riesige Chancen für die USA, doch der Ball will nicht über die Linie. Bis die Frau mit dem rosa BH den Unterschied zu bringen scheint. Ausgerechnet einen Konter schließt die eingewechselte Alex Morgan mit einem hart geschossenen Aufsetzer ab. Das müsste es wohl gewesen sein. USA all the way und so.
  • Aber nicht doch. Und hier kommt das Putzige an der japanischen Spielweise zutage. Die sind so bescheiden, dass sie selbst nicht in Führung gehen wollen. Liegen sie aber hinten, spielen sie reinsten Spock-Fußball: „Captain, wir liegen zurück, also diktiert die Logik, dass wir ein Tor erzielen müssen“. Schwupp, huschen die kleinen Rackerinnen nach vorne. Was die Amis so verwirrt, dass sie sich in Form von Buehler und Krieger im eigenen Strafraum vor Verzweiflung selbst abschießen und „Manni“ Miyama nur noch reinhauen muss. 81. Minute, es steht 1:1. Ich halte jetzt endgültig zu den Japanerinnen, die plötzlich ein paar Minuten frech auf die Entscheidung zielen und ihr Spiel Richtung US-Tor verlagern. Im Gegenzug schnüren die Amerikanerinnen sie nochmals ein, aber die Verlängerung ist nicht zu verhindern.
  • Kriegen die Amerikanerinnen nun die große Krise? Nein, denn Abby Wambach, die Stürmerin, der wir wohl alle das goldene Tor zugetraut haben, köpft krachledern und humorlos eine Flanke rein. 103. Spielminute, Zeit zum Verzweifeln, zum Aufgeben, möchte man meinen. Aber nicht mit den kleinen japanischen Rasenrobotern. Kurz das Torwärtsprogramm initialisiert und auf geht’s in die Hälfte des Gegners. Wo die Verteidigung sich schnell wieder die Fingernägel wegkaut, angefangen von Rampone über Krieger hin zu Hope Solo höchstselbst.
  • Es schlägt die Sekunde der weisen Frau Sawa. Nach einer Ecke bugsiert sie den Ball über die Linie, als wäre es ein Leichtes, einen Rückstand in einem WM-Finale(!) in der Verlängerung(!) aufzuholen. In dem Moment hätte ich als Amerikaner wirklich den Glauben an dieses Spiel verloren, denn wo die einen sich abackern, legen die anderen lässig nach. Es ist, als hätte man die Geschichte von Hase und Igel auf dem Rasen aufgeführt.
  • Im Elfmeterschießen liegen die Nerven schließlich endgültig blank bei den Titelaspirantinnen aus den US of A. Die kleine Kaihori hält den ersten Strafstoß gegen Boxx, Lloyd schießt Richtung Tribüne. Solo tut ihr Möglichstes, aber ihre Kolleginnen legen beinahe englische Kompetenz am Punkt offen. Die #4 der Japanerinnen, Kumagai, zerstört schließlich den amerikanischen Traum mit einem Hieb oben in den Winkel. Japan ist Weltmeister. Amerika am Boden. Sachen gibt’s, die gibt’s nur im Fußball. Homore Sawa holt alle von der FIFA ausgelobten Titel, den der Torschützenkönigin inklusive. Das japanische Team feiert, die neutralen Zuschauer mit ihm. Und ganz am Ende bleibt die Pointe, dass diese Mannschaft nur von den Engländerinnen geschlagen werden konnte. Auf der Insel wird man und frau sich ärgern. Der Fußballgott hatte wieder seinen Spaß.
  • Das war die Berichterstattung des unfassbar kompetenzfreien WM-Tagebuchs zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Meinen Dank an alle treuen Leserinnen und Leser, die Fans auf Facebook, die fleißigen Twitterer, Verlinker und flattr-Spender. Wir lesen uns hoffentlich 2014 wieder! Zum Ausklang und als Rausschmeisser habe ich wie gehabt ein Lied ausgesucht, diesmal eines aus dem Land der Trizeweltmeisterinnen aus Schweden: In Flames – Liberation [auf Grooveshark anhören] / [auf Facebook anhören]. Um schließlich die Gefühlswelt der Amerikanerinnen anzusprechen und wenigstens einen Song hier drinnen einbinden zu können, noch obendrauf Alkaline Trio mit „The American Scream“ aus dem frisch erschienenen Album „Damnesia“.

Japan – Schweden 3:1

Vorbericht:

  • Dürfen die jetzt Weltmeister werden? Man wird ja wohl mal noch fragen dürfen. Jedesmal, wenn es für die deutsche Elf wieder nicht für den Thron gereicht hat, fangen die Diskussionen an. Soll die Mannschaft, die uns rausgekegelt hat, den Pokal holen? Auf dass wir uns zufrieden mit einem „Uns hat nur der Weltmeister was anhaben können“ auf den Lippen zurücklehnen können? Oder gönnen wir es den Fieslingen nicht, die so dreist unseren großen Traum zerstört haben? Bei den Männern ist die Antwort leicht: klares Nein bei Italien, aktuell wegen der jüngeren Geschichte auch bei Spanien. Klares Ja, wenn die Sieger auf dem Weg noch den Holländer ausschalten.  Klare Fangfrage, wenn man den Engländer ins Spiel bringt, denn der setzt sich doch nie gegen uns durch.
  • Nun sind aber all diese deutlich definierten Nationen nicht mit ihren Frauenmannschaften vertreten. Stattdessen Japan, die unermüdlichen Racker, die neben Freistößen und Flanken jetzt auch die disziplinierte Abwehrarbeit perfektioniert haben. Freilich regt sich in diesem Fall der „Jetzt-lass-die-doch-auch-mal“-Instinkt wegen Erdbeben, Atomunfall und den freundlichen „Thank you for your support“-Bannern, die sie am Ende des Spiels immer umhertragen. Anständig sind sie, nett sind sie, bescheiden sind sie, die würden sich sogar bei Marta entschuldigen, wenn sie ihr im Weg stehen sollten. Oder Schiedsrichterinnen applaudieren, die sie grundlos ihre Elfmeter wiederholen lassen.
  • Ich denke, ich entscheide das nach dem Spiel gegen die Schwedinnen. Da müssen die Töchter Nippons aber anders spielen als gegen uns. Wieder die 120 Minuten-Rumwusel-Taktik mit einmal ins Tor schießen wäre mir zu wenig. Sollten sie jedoch gegen die körperlich überlegenen Nordfrauen spielerisch was reißen, wäre ich der letzte, der sich weigerte, sich einen großen roten Punkt ins bleichgeteinte Gesicht zu malen.
  • Schweden bleibt die Überraschungsmannschaft dieser WM. Nach den ersten beiden Spielen hätte ich denen im Idealfall eine knappe Niederlage gegen Brasilien im Viertelfinale zugetraut. Jetzt können sie mit Lisa Dahlkvist die Torschützenkönigin des Turniers stellen, so die Mittelfeldspielerin noch einmal, besser zweimal einnetzt. Lotta Schelin hingegen ist eh schon jetzt meine Torjägerin der Herzen. Keine jagt schöner, da wird das Treffen zur Nebensache.
  • Lottchen hat übrigens aktuell Nase, also Schnupfen. Das wird sie aber weder am Einlaufen, noch an der Aufführung des sogenannten Logobitombo hindern, dieses kleinen hoppsenden Ausdruckstanzes nach einem Treffer. Nicht mal Wikipedia weiß dazu Genaueres, aber ich denke mir jedesmal, dass bei seiner Entstehung sanfte psychoaktive Drogen im Spiel gewesen sein müssen. Übrigens ein Import aus Schelins Vereinsmannschaft Lyon, denn der gemeine Schwede drückt seine innersten Gefühle exklusiv beim Headbangen aus.

Nachbericht:

  • Ich sage Ja zu Japan. Diese blau-weißen Rasenroboter, die heute Abend die staksigen Schwedinnen mit ihren Pässen und Schüssen vom Platz kombiniert haben, dürfen sehr gerne Weltmeister werden. Spätestens als Homore Sawa das 2:1 mit dem Kopf erzielte, hatte die Nadeshiko auch mein Herz erobert.
  • Dabei legten die Schwedinnen mit dem 0:1 so gut vor. Einen kleinen Aussetzer in der Verteidigungs-KI eiskalt mit einem gelungenen Schuss ins Tor ausgenutzt. Doch nach Öqvist kam nur Ödmist. Wo die anderen Teams in Sachen Laufbereitschaft, Kondition und Aufbauspielstörung viel dazugelernt haben, sind die Japanerinnen beim Pass-Spiel aktuell die absolute Macht im Frauenfußball und demonstrieren das in der Folge.
  • Und wenn der Kopf nicht dran kommt, dann nehmen sie eben mittels eingesprungenem Karatetritt die Kugel mit auf den Weg über die Torlinie. Kawasumis Ausgleich wird in die Kategorie der Irgendwiehalt-Treffer eingehen. Zu dem Zeitpunkt spielen eh nur noch die Asiatinnen, bestimmen anders als noch gegen uns die Partie.
  • Klar ging dem 2:1 ein Fehler der schwedischen Keeperin Lindahl voraus. Aber das Ding mit dem Kopf reinzustubsen, ist schon besonders niedlich. Bleibt noch der zweite Treffer von Kawasumi zu erwähnen, die einen herausgefausteten Ball mit technischer Präzision und flink aus gut 30 Metern ins leere Tor versenkt. Es bleibt bei der schon anlässlich der Männer-WM gelernten Faustregel: man darf Japaner nicht alleine mit dem Ball lassen – unabhängig vom Geschlecht.
  • Japan gegen die USA lautet also die Finalbegegnung. Abby Wambach shampooniert sich angesichts der Art ihrer bisher erzielten drei Tore bestimmt schon die Kopfhaut. Mit einer Leistung wie heute Abend gegen Frankreich wird aber auch ihr Team gegen diese faszinierenden Ballexpertinnen aus dem fernen Osten auf größere Probleme stoßen.

Schweden – Australien 3:1

  • Nee. Bäh. Ich mag nicht. Das hat doch keinen Sinn mehr. Ich habe letzte Nacht davon geträumt, wie Mario Basler und Nico Rosberg in Sport-BHs um mich herumgetanzt sind, sich gegenseitig an den Genitalien gezogen und dauernd „Oh, wie ist das schön“ angestimmt haben. Bis Cristiano Ronaldo hereinkam und mir sein neues Parfüm verkaufen wollte, während Melanie Behringer dauernd Flanken nach ihm schlug, die er alle mit dem Kopf ins sperrangelweit offene Fenster einnickte. In dem Moment bin ich schreiend aufgewacht.
  • Ich komme mir vor, als hätte ich mir ein neues Spielzeug gekauft, das schon nach ein paar Tagen kaputt gegangen ist. Und jetzt bin ich zu enttäuscht und leer, um es umtauschen zu lassen oder mein Geld zurückzufordern. Stattdessen starre ich das Ding an und stelle mir vor, wieviel Spaß ich noch damit hätte haben können.
  • Aber angefangene Dinge soll man nun mal beenden. Schweden gegen Australien also. Gegen die Siegerin wären wir gekommen.  Die hätten uns beide sicher besser gelegen. Lotta Schelin hätte man ruhig in der Verlängerung einmal aufs Tor laufen lassen können. Die Frau hätte den Anstand gehabt, den Ball in dem Moment neben das Tor zu setzen. Um dann im Elfmeterschießen zu treffen, das wir dann aber gewonnen hätten  Während bei den Australierinnen Servet Uzunlar hinten sicher einmal lieb zu unseren Gunsten gepatzt hätte.
  • Die Statistik spricht mit 5:1 Siegen klar für die Skandinavierinnen, aber seit gestern wissen wir ja, dass Statistiken ganz großer Mist sind. Wenn ich alleine schon die Ballbesitzstatistik sehe, kommt es mir schon hoch. Die sagt doch nur aus, wie viel länger eine Mannschaft den Ball in den eigenen Reihen rumspielt als die andere. Egal. Den Schwedinnen gönne ich ein Weiterkommen, die haben mir gegen die USA viel Spaß bereitet und den traue ich zu, diese flinken und zähen Japanerinnen nach Hause zu schicken. Wo sie sich mal ruhig in eine Ecke setzen und darüber nachdenken können, was sie gestern Abend angestellt haben.

Nachbericht:

  • Wenn Wissenschaftler eines Tages die DNA von englischen und australischen Fußballer/innen mischen, könnte sich das Problem der englischen Erfolglosigkeit am Elfmeterpunkt erledigt haben. Allerdings leider, weil das Ergebnis sich schon in 90 Minuten aus dem Turnier verteidigt hätte. Das ist jetzt gemein gegenüber den großartig kämpfenden Matildas, aber mit den Abwehrleistungen braucht es schon übermenschliche Kräfte, um den Rückstand immer wieder zu egalisieren.
  • Schon in der sechsten Minute das Zusammentreffen der Chancenfrauen dieser WM. Eine australische Verteidigerin schafft die Gelegenheit, Schelin verstolpert sie. Ein Duell, das die Australierinnen auf lange Sicht verlieren sollten. Denn Lotta kommt fünf Minuten später über außen, passt nach innen auf Sjögran, die trocken ins kurze Ecke abzieht. Barbieri braucht zu lange Richtung Boden und lässt den Schuss passieren – 1:0.
  • 16. Minute: Torschützin Sjögran flankt, Dahlkvist steht vogelfrei alleine im Strafraum, von so einer Situation träumen die kleinen Japanerinnen nachts, wenn sie im Dunkeln vom Hotel aus auf das Kopfballpendel schauen. Souverän oben eingenickt, 2:0. War es das schon? Das Spiel scheint für die Schwedinnen wie Urlaub auf Bullerbü zu werden nach den Auseinandersetzungen mit den USA,  Nordkorea und Kolumbien.
  • Bis Australiens #6, Ellyse Perry, wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff vom Strafraumeck einen Ball wunderbarst in den Winkel schlenzt. Sicherlich eines der schönsten Tore dieser Weltmeisterschaft. Es geht in die Pause, der Urlaub auf Bullerbü ist gestrichen.
  • Wird es nochmal spannend? Können die Aussie-Ladies zurückkommen? Hält die Abwehr? Nein, nein, ach was sind die korrekten Antworten. Grausamer Rückpass von Kim Carroll auf Lotta Schelin und den lässt sich die #8 der Schwedinnen dann wirklich nicht mehr nehmen, tanzt die Torhüterin aus und schiebt zum 3:1 ein. Lottchen hat getroffen, das kann nur das Ende bedeuten.
  • Die Matildas laufen weiter an, aber es wird nichts mehr. Besonderes Vorkommnis: Garriock haut Schelin den Ellenbogen ins Gesicht, eine klare Tätlichkeit, die ungeahndet bleibt. Ich bin mir aber sicher, heute Abend bei USA gegen Brasilien fliegt noch jemand vom Platz. Ich benenne meine Favoritin im Vorbericht.
  • Schweden steht im Halbfinale gegen Japan und schnappt sich den letzten europäischen Platz bei Olympia. Die deutschen Frauen werden 2012 also nicht in London dabei sein. Schade, aber nicht zu ändern.

Deutschland – Japan 0:1 (n.V.)

Vorbericht:

  • Norio Sasaki ist ein lustiger Mensch. Der Trainer der japanischen Frauennationalmannschaft gab jüngst hinsichtlich der körperlichen Unterlegenheit seiner Elf zu Protokoll: „Ich habe ihnen beim Mittagessen gesagt, sie sollen ordentlich zuschlagen. Damit sie stark werden und vielleicht noch wachsen.“ Super Sache, wenn jemand jetzt für mich schon die ganzen dummen Witze übernimmt. Wer weiß, vielleicht hängt bei der Nadeshiko genannten Landesauswahl das Kopfballpendel mittlerweile bereits in einer Höhe von 1,75 m.
  • Flach spielen, hoch gewinnen, lautet eine alte Fußballweisheit. Und wenn jemand weise ist, dann ja wohl der Japaner, der sich geschlechtsübergreifend dementsprechend daran und die Kugel knapp über der Grasnarbe hält. Unterschätzen darf man sie allerdings nicht, die Töchter Nippons. Lässt man ihnen den Raum, kombinieren sie die gegnerische Verteidigung ins Koma, die Flanken von „Manni“ Miyama sind hochgefährlich und eine Japanerin anlässlich eines Freistoßes alleine mit dem Ball zu lassen, ist so töricht wie das Stehenlassen eines Beines bei einem heranstürmenden Italiener im Strafraum.
  • Soll die Taktik nun also sein, ordentlich dazwischenzugehen, alles weit vor dem Sechzehner wegzugrätschen und am Ende durch ein offensichtliches Kopfballtor von Kerstin Garefrekes oder Simone Laudehr mit 1:0 zu gewinnen? Oder gar die putzige japanische Torfrau dreckig, fies und gemein mit einem Lupfer bloßzustellen, wie es die Engländerinnen getan haben? Nein, nein und nochmals nein. Dann wäre nämlich das Bild vom häßlichen Deutschen wieder präsent, der am Ende dank eines groß gewachsenen Schlussmanns und einer einzigen gut und hoch hereingeschälten Flanke auf einen Oliver Bierhoff-Klon den Sieg davonträgt, während der geknickte Gegner in sein erdbebenkaputtes und teilverstrahltes Land zurückreisen muss. „Buhu, Deutschland, schämt euch, nehmt es doch mit Leuten eurer Größe auf“, höre ich die internationale Reporterschar aufschreien. Allen voran wahrscheinlich die Engländer.
  • Mein Vorschlag daher: die Japanerinnen auch mal schießen lassen. So aus 25 Metern, das dürfte für unsere Nadine Angerer kein Problem darstellen. Eine gute Kombination mit einem Schuss unten die Ecke abschließen, danach die Gegnerinnen anrennen lassen, vielleicht noch einen Konter zum 2:0 setzen und nach Schlusspfiff die tolle Leistung der Asiatinnen in den Himmel loben. Die dann hocherhobenen Hauptes und ohne Gesichtsverlust nach Hause fahren dürfen. Sollte das nicht klappen, ab der Verlängerung halt nur noch hohe Flanken in den Strafraum hobeln. In der Liebe, im Krieg und in den zusätzlichen 2x 15 Minuten während einer WM ist schließlich alles erlaubt.
  • Auch schön wäre die Entscheidung durch ein Tor der eingewechselten Birgit Prinz, wenn man das so hindrehen könnte. Die hat bekanntlich mit ihrem offenen und ehrlichen Auftritt bei der Pressekonferenz am Donnerstag viele Sympathien geerntet. In dieser Mannschaft ähnelt nun mal keine Spielerin im Auftreten einem Michael Ballack. Außer vielleicht Celia Okoyino „Klopfer“ da Mbabi. Aber nur, wenn sie lacht. Und da kann sie ja nichts für.
  • Melanie Behringer wird spielen und uns spätestens im Finale alle retten. Das hat mir meine Hausspinne Thekla so orakelt. Kann sein, dass ich mir das auch eingeredet habe. Jedenfalls vertraue ich ihr mehr als irgendwelchen Elefantendamen oder weiblichen Kraken. Wie auch immer: Das Ding kann also praktisch gar nicht schiefgehen. Auf ins Halbfinale, Mädels!

Nachbericht:

  • Frauofrauofrauofrau, das kann doch nicht wahr sein. Wir sind draußen. Im Viertelfinale. Gegen Japan. Bei der Heim-WM. Da kriegst du die Krise, wenn du sie nicht schon hast. Das letzte Mal, dass ich so etwas durchmachen musste, war 1994. Kopfball Yordan Letchkov. 1:2 gegen Bulgarien. Aber das hier ist noch eine ganze Schippe schlimmer.
  • Ein Lob muss man den tapferen Japanerinnen aussprechen. Wo der Ball auch hinkam, stand eine von denen bereit, um ihn wegzukicken. Müde werden die wohl auch erst, wenn sie im Mannschaftsbus sitzen. Aber das wusste man doch vorher schon. Trotzdem gelang es faktisch nie, diesen Gegner unter Druck zu setzen, zu Fehlern zu zwingen, von mir aus auch den Kopf mal frei an den Ball zu bekommen. Das war einfach zu wenig. Ich kann jetzt nicht mit Statistiken um mich werfen, aber die Momente, wo das japanische Tor in Gefahr war, konnte man an etwa zwei Fingern abzählen.
  • Auf meinem Notizblock stehen nur Plattitüden. Deutschland drückend, aber nicht zwingend. Garefrekes kommt nach einer Flanke von Behringer nicht tief genug mit dem Kopf runter. Laudehr kriegt einen Ball Richtung Tor, doch er wird vor der Linie geklärt. Japan vorne gefährlich wie eine Plastiktasse voll Reis. Einmal kommen sie durch, aber Nagasoto verzieht deutlich. Auf der anderen Seite flankt und flankt Behringer, aber es passiert nichts. Fast will man selbst mal in eine Hereingabe reinspringen, so schwer kann das doch nicht sein.
  • So geht es Minute um Minute weiter, die erste Hälfte vergeht, die zweite folgt ihr, es beginnt die Verlängerung. Kleinkriegen ist bei den Japanerinnen nicht im Wortschatz, totlaufen ebensowenig. Die setzen darauf, dass die Deutschen irgendwann die Lust verlieren. Ich diskutiere mit meinem Bruder schon die Chancen im Elfmeterschießen. Motto: Techniker verschießen immer. Also noch Hoffnung. Grings verzieht derweil aus einer richtig guten Schussposition.
  • Nachspielzeit 1. Hälfte der Verlängerung. Angerer sieht bei einer Hereingabe nicht gut aus. Oh-Oh. Knapp drei Minuten später das 0:1. Pass nach außen, Maruyama setzt sich im Laufduell durch und schiebt ins lange Eck. Angerer macht nur die kurze Ecke zu und sieht nicht gut aus. Keine Ahnung, ob sie hätte rankommen können, wenn sie auf die lange Ecke gegangen wäre, aber es wirkt unglücklich. Bruder winkt schon ab mit dem Zitat: „Frauenfußball ist eben doch scheiße, da ärgere ich mich lieber über Männer“.
  • Noch 10 Minuten. Wo ist die Brechstange? Ich kann Behringer keine Flanken mehr schlagen sehen, die soll mal etwas anderes machen. Tut sie, ein guter Schuss, aber Kaihori faustet ihn weg. So muss es doch gehen. Stattdessen weiter Flanken, die zurückkommen und wieder reingeschaufelt werden. Ein Kopfball von Klopfer, zu hoch angesetzt. Dann der Abpfiff. Vorbei das Sommermärchen. Mädels, das war einfach zu wenig. Wenn man einen Gegner wie Japan, den man hinten körperlich gut im Griff hat, vorne nicht in Verlegenheit bringen kann, sei es spielerisch, sei es über den Kampf, dann hat man im Halbfinale nichts zu suchen. Hart, aber wahr. Den Frauenfußball in Deutschland dürfte diese Nummer auf einige Zeit hinaus nach hinten geworfen haben.
  • Ich glaube, über die Partien morgen werde ich eher wenig schreiben. Über Australien gegen Schweden wahrscheinlich nur „Mir doch egal“. Aber das Turnier geht weiter, das WM-Tagebuch auch. Meine Sympathien gehören jetzt den Französinnen. Die gewinnen gegen England im Elfmeterschießen. Da ist die Welt noch in Ordnung.

England – Japan 2:0 / Neuseeland – Mexiko 2:2

Vorbericht:

  • Die dritten Spieltage in der Gruppenrunde stehen an. Ekstase, Juhu und Juchee! Das sind übrigens keine Namen japanischer Ersatzspielerinnen, sondern freudvolle Ausdrücke ehrlicher Begeisterung. Denn als WM-Befasler darf ich nun in einem Beitrag gleich zwei Partien vorbescheiden, von denen nach dem bisherigen Turnierverlauf mindestens eine so interessant werden dürfte wie die Wahl zum intelligentesten Bewohner im Big Brother-Haus.
  • Sechs der acht Viertelfinalplätze sind vergeben, die Teams streiten sich nur noch um Platz 1 oder 2 in ihrer Gruppe. Ich höre die Reporterkanonen von ARD und ZDF bereits Motivationsbolzen einschlagen wie „Es geht um den Gruppensieg“, „Hier ist alles entschieden, die Mannschaften können also befreit aufspielen“ (kein Nordkorea-Witz beabsichtigt) oder „Man will sich mit einer guten Leistung aus dem Turnier verabschieden“. Profitipp: wenn letzterer Satz fällt, NICHT GUCKEN! Auch wenn der Augenaufschlag von Sven Voss verführerisch ist. Spätestens aber, wenn Kommentator Norbert Galeske wieder von „Transition“ statt „Übergang“ redet, muss jedem Zuschauer klar sein: hier spricht die pure Verzweiflung ins Mikro.
  • Mexiko kann noch den zweiten Tabellenplatz erreichen, ein Sieg gegen Neuseeland bei gleichzeitig hoher Niederlage von England vorausgesetzt. Und so sehr das Begriffspaar „Hohe Niederlage“ und „England“ auch bei mir als Fußballfan spontan für gute Laune sorgt, traue ich es den Conchitas nicht zu, in ihrem Spiel so derbe auf den Putz zu hauen. Schließlich kann Neuseeland befreit aufspielen und will sich mit einer guten Leistung aus dem Turnier verabschieden (WARNUNG! WARNUNG!).
  • Der endgültige Tabellenzweite dieser Gruppe zieht gegen unsere Auswahl ins Viertelfinale, sofern wir heute Abend die Französinnen rundmachen. Klappt das allerdings nicht, geht es gegen den Tabellenführer. Ich fasse es mal schlicht zusammen: entweder wir gegen Japan oder wir gegen England. Und da wäre mir England lieber, so aus rein historischen Gründen und dem nie zu unterschätzenden Aspekt der Schadenfreude. Schwer diskutiert werden dürften sicherlich die Vor- und Nachteile der weiteren Spielorte: belegen Prinz & Co nämlich nur den zweiten Platz, droht Leverkusen, nur bei einem Sieg geht es weiter nach Wolfsburg. Bundesligafans werden sich noch Generationen hinweg darüber streiten, was wirklich schlimmer ist.
  • Wer in der geselligen Runde sich a) für die einzig interessante Partie, also ENG – JAP entschieden hat und b) in einem Moment überbordender Langeweile Eindruck schinden möchte,  kann fallen lassen, dass Japans Frauen noch nie gegen eine europäische Mannschaft gewonnen haben, während die Engländerinnen wiederum noch nie gegen Japan siegen konnten. Da haben sich ja zwei gesucht und gefunden.

Nachbericht:

  • Jaja, das haben wir gerne, ihr Engländerinnen! In der ersten Runde Mist gespielt, in der zweiten Runde durchgequält und jetzt einfach mal die Japanerinnen geschlagen. Nur damit WIR in einem möglichen Viertelfinale den schwarzen Peter zugeschoben bekommen, das katastrophengeplagte Asienvolk nach Hause zu schicken. Ich könnt‘ mich geradewegs aufregen.
  • Noch schlimmer das Wie der Niederlage. Was bibbere ich mit dem kleinen Ding im Kasten der Japanerinnen, Ayumi Kaihori, immer mit! Keine löst meinen Beschützerinstinkt deutlicher aus; vor allem, wenn ein halbhoher Ball angesegelt kommt. Und was machen die fiesen Insulanerinnen? Überlupfen die arme Frau gleich zweimal bei ihren beiden Toren. Meine Reaktion darauf ließ sich kurz gefasst auf dem Trikot der japanischen #11 ablesen: OH NO.
  • Die liebevollen Bemühungen der Mexikanerinnen auf dem anderen Platz wurden ebenfalls zunichte gemacht. Die wollten am Schluss nicht mal mehr einen Sieg, sondern ließen die Kiwis tatsächlich noch den Ausgleich schießen. Für mich steht jetzt fest: den drehen wir eine Nase, spielen gegen Frankreich nur Unentschieden und hauen sie dann im Viertelfinale weg.
  • Sollten wir doch gegen Japan ran müssen, ist die Taktik wohl leider klar. Nicht ins Spiel kommen lassen, konzentriert abwehren, vorne was Hohes reinschaufeln, fertig. So sehr ich die Japanerinnen auch gegen Mexiko mochte,  die Mittelamerikaner sind nun wahrlich nicht für ihre Verteidigungswälle berühmt.
  • Zum Schluss noch mein Lieblingsspruch aus der wieder reichhaltig gefüllten Bonmots-Schatzschatulle von Claudia Neumann. Die interpretierte eine Traineranweisung von der japanischen Bank als Aufforderung an das Team, „höher zu stehen“. Höher stehende Japanerinnen auf Kommando. Wenn es so einfach wäre…

Japan – Mexiko 4:0

Vorbericht:

  • Viel darf man schimpfen über das Abschlussvermögen der Damen bei dieser Weltmeisterschaft. Statistiker haben ausgehustet, dass aktuell nur noch halb so viele Tore erzielt werden wie anlässlich früherer Endrunden. Woran mag es liegen? Stören die ungewohnt vielen Zuschauer bei der Konzentration? Ist der Speedcell genannte Ball ungeeignet? Sehnend erwartet mein Auge den Anblick einer sich vergebens noch der Kugel streckenden Torfrau, meistens genügt ein Ausfallschritt, um das kullernde Etwas aufzuhalten.
  • Doch es gibt Ausnahmen: Monica Ocampo beispielsweise. Die Mexikanerin hat beim 1:1 gegen England bisher den gelungensten Fernschuss abgefeuert, was freilich etwas in den Hintergrund trat, weil die britische Torfrau mit einer spektakulären Nichtabwehraktion den Ruhm der Stunde auf sich zog. Interessantes Detail: Senorita Ocampo schießt von Natur aus mit links, bei ihrem Treffer bediente sie sich allerdings des rechten Vollspanns. Vielleicht eine Anregung für manche Spielerin, die vor lauter Aufregung aus 30 Metern schon das Bedürfnis verspürt, draufzuhalten.  Bein wechseln und sich überraschen lassen, was passiert.
  • Feingefühl im Umgang mit dem Ball zeigten hingegen die Japanerinnen bei ihrem Auftaktsieg gegen Neuseeland. Nach schneller Kombination fein gelupft und später einen Freistoß reingezwirbelt. Überhaupt sind die Japaner dafür bekannt, am ruhenden Ball zaubern zu können.   Der dänische Torwart bei der WM 2010 kann davon ein Lied singen.
  • Das soll es gewesen sein für diesen Vorbericht. Viel ist mir ehrlich gesagt nicht eingefallen, dafür ist der Text zu Neuseeland gegen England schön geworden.

Nachbericht:

  • Bevor angesichts des Spiels jetzt allen das Wasser im Mund zusammenläuft, muss ich mich als Speichelabsauger betätigen: gegen diese Japanerinnen kommen wir, falls am Dienstag nicht gegen Frankreich gewonnen wird.
  • Abschlussfeinkost aus Fernost, anders kann man dazu nicht sagen. Herausragend: die #8, Aya Miyama, die ich ab sofort nach dem Alt-Hamburger Flankengott Manfred Kaltz  nur noch Manni nennen werde. Manni schlägt Bälle rein, da kann sich mancher Kerl eine Scheibe von anschneiden. Und vorne lauert die alte weise Frau Homare Sawa, deren drei Tore bei Prinzens Birgit hoffentlich die nächste Zeit in Dauerrotation auf dem DVD-Player laufen werden.
  • Und Mexiko? Ich könnte zwei schöne Szenen anbieten, wo handgestützt eine zarte Diskussion über die jeweilige Entscheidung der Schiedsrichterin geführt wurde. Kein Interesse? Verständlich, das wäre sicherlich mit einer bestimmten südkoreanischen Spielleiterin und einer bestimmten afrikanischen Mannschaft als Gegner auch lustiger geworden.