Deutschland – Frankreich 4:2 / Kanada – Nigeria 0:1

Vorbericht:

  • Die schlimmste Nachricht gleich vorweg: Melanie Behringer wird mit ziemlicher Sicherheit nicht spielen, sondern wird geschont. An ihrer Stelle wird wohl Hochglanzkickerin Fatmire Bajramaj auflaufen, was für mich Anlass genug ist, folgenden selbst erdachten Witz einzuschieben: Was haben junge Italiener und Frauenfußball-Fans gemeinsam? Beide hätten gerne die alte Lira wieder, obwohl sie sich gar nicht mehr an sie erinnern können. Geht mir ähnlich, ich kenne die eigentlich nur aus der Werbung und wenn sie mich heute Abend wieder nicht überzeugt, ordne ich sie in die große Reihe der Werbemißverständnisse ein – so wie damals, als ich dachte, die hübsche Blondine aus der Alice-Werbung käme persönlich bei mir vorbei, würde mir meinen DSL-Anschluss einrichten und dann noch auf eine Runde Gears of War bleiben.
  • Birgit Prinz wird übrigens auf der Ersatzbank Platz nehmen, entsprechende Andeutungen von Trainerin Neid haben sich verdichtet. Dabei hat die Gute wirklich alles versucht, ihre Tor- und Spielhemmung zu überwinden. Oft sah man sie an der PS3, wie sie faustreckend bei FIFA11 im allereinfachsten Schwierigkeitsgrad an allen Gegnerinnen vorbeilief und einnetzte. Wie sie sich ganz im Stil von Brasiliens Marta beim Spiel gegen Norwegen die Ellenbogen anspitzte und tückisch in diverse Sparringspartner rammte. Oder sich als Verteidigerin tarnte, die einen Abpraller mit der Hand aufnimmt und in der Folge so blitzartig hinter die Linie schiebt, dass jede Schiedsrichterin der Welt sofort auf Anstoß entscheidet. Alles umsonst.
  • Die Krux der Wahrnehmung des deutschen Spiels liegt eindeutig in der naiven Vorbereitung, diesen Vorwurf muss sich die Frau Neid gefallen lassen. Wer um Himmels willen gewinnt denn in den unbedeutenden Spielen vor einer WM fast jede Partie mit 5:0? Da kommen doch ganz falsche Hoffnungen auf! Hier hätte man durchaus von den Männern lernen können. Wenn ich etwa lese: „Die deutsche Nationalmannschaft um Joachim Löw hat im Vorlauf der Weltmeisterschaft Freundschaftsspiele mit Polen, Venezuela und dem Vatikan vereinbart“, ist mir als Fan sofort klar, was zu erwarten ist – knapper, bockloser Sieg gegen Polen, Gebolze und infolge von 11 Auswechslungen fehlender Spielfluss gegen Venezuela und schließlich Kantersieg gegen den Vatikan, um ein positives Abschlusszeichen zu setzen. Würden Jogis Jungs hingegen alles mit mehr als drei Toren niederbrennen, würde umgehend das Gemaule mit dem Vorwurf des verschossenen Pulvers losgehen.
  • A propos Jogis Jungs: ich suche immer noch nach einem entsprechend schneidigen Ausdruck für die Frauennationalmannschaft. „Unsere Mädels“ soll ja leicht verpönt sein, „Neids Frauen“ hört sich dezent phallozentrisch an, „Silvias Mädchen“ eindeutig zu puffig. Vielleicht sollte man es wie der große Pelé halten, der sich den Namen Schweinsteiger nur als „Swine’s Tiger“ merken konnte und insofern zu einer zünftigen phonetischen Einenglischung greifen. „Knight’s Ladies“ etwa hat doch was Erhabenes. „The Knight’s Ladies winneth the game against France by three goalth to noneth“.  Passt auch gut zu meiner aktuellen Lieblingsserie „Game of Thrones“, die ich hier bepreiset und belobiget habe.
  • Ein paar Worte zu den Französinnen. Nun, da meine Melanie nicht spielt, kann ich es ja rauslassen. Ich finde die #8 bei der Equipe Tricolore,  Sonia Bompastor, schwer süß. Die freut sich immer so schön, wenn ein Tor fällt. Wenn die „Va te faire enculer, sale fils de pute“ zu mir sagen würde, würde ich strahlend mit einem „Oui, mon chou“ antworten.
  • Frankreichs Trainer Bruno Bini predigt hingegen schon seit Turnierbeginn, dass die Deutschen Weltmeister würden und er sich freut, maximal Vizeweltmeister zu werden. Der alte Fuchs hat bestimmt schon Ausreden bereitet, weshalb sich an dieser Einschätzung auch nichts ändert, wenn die les Bleus heute den ersten Platz in der Gruppe verteidigen sollten. So macht man das, Lady Knight!
  • Kanada gegen Nigeria spielt auch. Sollte es Schwerverletzte geben, werde ich darüber berichten. Würde mich aber wundern, denn selbst der Afrikaner wird zahm, wenn es nichts mehr zu holen gibt.

Nachbericht:

  • Erster! Und das nach dem wohl besten Spiel bei dieser Weltmeisterschaft. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ohne Melanie Behringer soviel Spaß an einer Partie haben würde. Die deutsche Auswahl stand hinten geordnet, ließ wenig zu, dominierte im Mittelfeld, nur nach vorne wollte der Ball nicht so richtig gefährlich rollen.
  • Bis zum 1:0 durch Garefrekes. Ein langer Ball von Peter, an der Langen der Franzosen, Mademoiselle Sturmfrisur Renard vorbei, auf den Kopf der großgewachsenen, um nicht zu sagen äh langen Deutschen. Reaktionstechnisch gesehen ein désastre complet der französischen Abwehr. Aber gut für die heimische Seele.
  • 2:0, wieder Kopfarbeit, diesmal von Inka Grings nach Flanke von Laudehr. Zweimal gefährlich aufs Tor gekommen, kein Mal das Bein benutzt, eine saubere Leistung. Ich bin so gut gelaunt, dass ich nicht mal mehr meiner Sonia Bompastor nachtrauere, die wegen einer gelben Karte erst gar nicht eingesetzt wurde.
  • Nun das Unschöne: zwei Gegentore, ebenfalls allesamt mit dem oberen Halsfortsatz eingenickt. Erscheint auf den ersten Blick ärgerlich, aber stellt euch mal den japanischen Trainer vor, der sich das mit ansehen musste. Der war sicherlich total geknickt, denn wenn das die einzige Möglichkeit sein sollte, die deutsche Abwehr zu überwinden, kann er gleich die Koffer packen gehen. Gibt es überhaupt ein japanisches Wort für Kopfballpendel? Wenn ja, wäre es dennoch das wohl nutzloseste Trainingsgerät im Gepäck der Asiatinnen.
  • Die erste rote Karte, der erste verwandelte Elfmeter durch Grings (mit Vorarbeit durch Bajramaj, die aber niemals ansatzweise so gut war wie Behringer), ein bisschen banges Warten wegen der Gegentore, bevor Klopfer mit einem feinen Abschluss den Sieg sichert. Meinen absoluten Respekt, den hätten nicht viele Kickerinnen so souverän ins lange Ecke geschaufelt.
  • Fazit: wir haben wieder die Favoritenstellung inne, das Viertelfinale ist praktisch ein Selbstläufer. Kritisch wird es erst ab dem Halbfinale, wo die Amerikanerinnen auf uns warten. Die hätte ich mir lieber bis zum Finale aufgehoben (die Alternative wäre wohl Brasilien geworden, aber die hätte man mit guter Deckung von Marta und Beschäftigung der Abwehr zermürben können) – egal, sei’s drum: es hat Spaß gemacht. SCHLAND!
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Deutschland – Nigeria 1:0

Vorbericht:

  • Die Weltmeisterschaft hat ihren ersten handfesten Skandal. Auch ich bin geschockt, empört, außer Sinnen vor Wut. Hat die ostasiatische Wettmafia vor dem Eröffnungsspiel unserer Fatmire Bajramaj K.O.-Tropfen in das Fußnagellack-Fläschchen geträufelt? Schlimmer. War die Kanadierin Christine Sinclair beim völlig irrealistisch anmutenden Freistoßtreffer gegen Nadine Angerer gedopt? Noch viel schlimmer. Hat Torschützin Kerstin Garefrekes beschlossen wegen ihres Fauxpas vor dem leeren Tor den Ball 90 Minuten nur noch mit dem Kopf spielen zu wollen? Nein.
  • DAS FONTDESIGN DES DEUTSCHEN NATIONALMANNSCHAFTSTRIKOTS IST FÜR DEN POPO. Experten reden von Schweinebauchdesign und sind sich einig, dass diese Schriftart nur von optisch nervgestörten Supermarktleitern oder Kindergärtnerinnen mit dem Drang zum Erstellen lustiger Geburtstagskarten eingesetzt wird. Eine nationale Schande. Dazu trägt dieser Ausbund an Hässlichkeit den Namen „Action-Man“, was dem Ganzen noch die Krone aufsetzt.  Der Mut, diesen Missstand aufzudecken, inspiriert auch mich, offen und ehrlich die Punkte anzusprechen, die mir diese WM langsam zu vermiesen drohen.
  • So höre ich während der Spiele dauernd eine Stimme (manchmal eine Frau, manchmal ein Mann) die mich mit fortschreitender Dauer eindösen lässt. Die Werbebanden wirken männlich kantig statt weiblich abgerundet. Die einzelnen Tormaschen sind nicht voll symmetrisch. Und jedesmal, wenn ich nach dem Halbzeitpfiff kurz auf die Toilette gehe und zurückkomme, ist die Werbepause zu Ende. Ich habe ohne Witz bisher keinen einzigen Spot gesehen. Langsam macht das keinen Spaß mehr.
  • Der Fontkatastrophe gilt es jedoch auch, Einhalt zu gebieten. Hier ein paar meiner Vorschläge, die durch weibliche Ästhetik, feinsinnige Formen und optische Schmeichelei bestechen:



  • Los geht es übrigens um 20:45 Uhr. Champions League-Zeit. Und das ist gut so, denn mal ehrlich: um 15 Uhr wird doch nur in der Europa-League-Qualifikation angestoßen, wenn in Dnjepr Dnjepropetrowsk die Zweitklässler rausgeschickt werden, um den Platz trocken zu kehren.
  • Nigeria dürfte in Bestbesetzung antreten, bei Deutschland feiert Torfrau Nadine Angerer ihr 100. Spiel im Trikot der Nationalelf. Hier ein Video, über das die immer etwas verhärtet wirkende Keeperin sicherlich auch lachen kann:
  • Witzig finde ich den Teaser von Spiegel Online zum Live-Ticker. Kann man drehen und wenden wie man will, da spielen heute Abend wohl nur zwei Frauenmannschaften mit. War Katrin Müller-Hohenstein deshalb gestern so sicher, dass in der zweiten deutschen Vorrundepartie mit vielen Toren zu rechnen sei?
  • Jetzt habe ich über Nigeria gar nichts geschrieben. Es genügt wohl auch der Blick in die offizielle Begegnungsstatistik: 6 Niederlagen, 2:21 Tore. Tippfreunde wissen, wo sie das Kreuzchen zu setzen haben.

Nachbericht:

  • Ein herzliches Willkommen zur ersten offiziellen Meisterschaft im Frauentreten. Es treten gegeneinander: die Auswahl aus Nigeria (schwer aktiv) und Deutschland (zunächst hauptsächlich passiv). Geleitet wird die Partie von einer kleinen, freundlich grinsenden südkoreanischen Schiedsrichterin namens Sung Mi Cha, die die Trikots der nigerianischen Frauen zweifellos mit OP-Leibchen verwechselt und dementsprechend wohl auch eine Operation am offenen Knochen hätte weiterlaufen lassen.
  • Ich bin sauer. Die haben meine Melanie kaputtgetreten, diese wildgewordenen Afrikanerinnen. Was da heute Abend auf dem Platz Gesundheitsamok gelaufen ist, war eine Mischung aus Maik Franz und mehreren Buschsöldnern mit Macheten zwischen den Zähnen. Immerhin geriet das deutsche Tor nie ernsthaft in Gefahr, denn wer mit Äxten am Bein schießt, kriegt keinen geschliffenen, sondern nur einen aufgeschlitzten Ball auf den Kasten.
  • Beeindruckt von der Härte war die DFB-Auswahl allerdings doch. Gerade in der ersten Spielhälfte funktionierte gar nichts. Eine frühe Torchance von Laudehr, danach ging der spielerische Aspekt in der schreienden Blindheit des Schiedsrichterinnengespanns unter. Prinz wieder ohne Bindung zum Spiel, nicht mal richtig gefoult wurde die Arme, weil von ihr einfach keine Gefahr ausging. Fast konnte sie einem leid tun.
  • Ab der zweiten Hälfte jedoch wird dagegengeholzt. Die Taktik der Nigerianerinnen ist klar: einen Punkt und vielleicht den einen oder anderen Knochensplitter als Trophäe mitnehmen. Doch daraus wird nichts, denn Simone Laudehr trifft nach einer Standardsituation aus dem Gewusel zum 1:0. Das war 2011 von seiner eindeutig weniger schönen Seite, aber solche Spiele musst du eben auch gewinnen, wenn du Weltmeisterin werden willst. Nigeria ist damit ausgeschieden, Kanada genauso. Und wenn für meine Melanie ebenfalls die WM vorbei sein sollte, trete ich heute noch ein südkoreanisches Elektrogerät zu Schrott.

Nigeria – Frankreich 0:1

Vorbericht

  • Wer erst heute Abend um 18 Uhr mit Schal und Trikot vor dem heimischen Fernseher sitzt und die offizielle Eröffnungsfeier in Berlin vor 70.000 Zuschauern mit dem sich daran anschließenden offiziellen Eröffnungsspiel Deutschland – Kanada verfolgt, dem darf ich an dieser Stelle freudig gratulieren: Sportsfreunde, gut gemacht, ihr habt das erste Spiel der WM verpasst. Denn Nigeria und Frankreich stoßen bereits um 15 Uhr an. Frauen sind doch für ihr Organisationstalent bekannt, wie kann denn sowas passieren? Ich hätte da zwei Theorien:
  • Theorie 1: der Austragungsort Sinsheim war für die Eröffnung vorgesehen, die Promotionkampagne fürs Fernsehen bereits von übereifrigen, aber fußballerisch ahnungslosen Marketingstudenten ausgearbeitet worden: „Willkommen zum Start des Sommermärchens 2011! Begleiten Sie uns in die Rhein-Neckar-Arena, dem Sitz des ruhmreichen 1899 Hoffenheim mit seinen unzähligen deutschen Meisterschaften, seiner jahrelangen Präsenz in der höchsten deutschen Spielklasse, seiner tief in der Tradition verwurzelten Fankultur und auf Vereinstreue geeichten Mannschaft“. Dummerweise schaffte es OK-Chefin Steffi Jones nicht, den zweiten Satz ohne lautes Prusten und schallendes Gelächter aufzusagen. Woraufhin der Kaiser Franz sie tröstend in den Arm nahm und meinte: „Lasst’s halt was anders spui’n. Vielleicht’s merkt’s ja keiner. Afrika gegen die Franzfrauen zum Beispiel. Die aus Frankreich, nicht meine, ja mei, obwohl i könnt‘ elf zsammkrieg’n, haha.  Mia fahr’n jetzt nach Berlin, gelle Steffi?“.
  • Theorie 2: die FIFA ist ja infamen Gerüchten zufolge ein verschworener Bund alter Männer, in deren muffigen Hinterzimmern viel geraucht und gesoffen, der Herrenwitz gepflegt wird und die neuesten Escortservice-Bewertungsbögen ausgetauscht werden. „Obacht, trug ein Bändchen mit einem Logo der Hamburg-Mannheimer“, „Lobenswert: Beherrschte Herzmassage!“ oder „Suppr! Konnte „SEPP, DU KANNST JA IMMER“ akzentfrei in vier Sprachen sagen“ sind die üblichen Einträge. Nur der für die Spielplanausarbeitung zuständige Greis musste sich ein „Darling, ohne Vorspiel keine feierliche Eröffnung!“ anhören und war darob so vergrätzt, dass er die Nigerianerinnen und Französinnen zum Spiel vorm Spiel verdonnerte. Alternativ könnte die FIFA auch Mario Barth als offiziellen Bespaßungskoordinator eingestellt haben. Daran will ich aber gar nicht denken.
  • „Chérie, isch bömb solange auf Libyen, bis wir in irschendwas wieder Weltmeister sind! Isch schwör’“. Schwer getroffen bis hinein in seine größten oder auch kleinsten Vertreter -je nach Sichtweise-  hat die französische Nation das Debakel ihrer Männer im vergangenen Jahr in Südafrika. Gegen Afrikaner in der Vorrunde verloren und mit einem dicken Schandfleck in der ruhmreichen WM-Historie ausgeschieden. Das Schöne: das kann dieses Mal wieder passieren!
  • Für Nigerias Kicker war ebenfalls nach insgesamt enttäuschender Leistung frühzeitig Schluss, u.a. verlor man(n) dabei sogar gegen Griechenland. Ich persönlich hätte  Verständnis gezeigt, wenn die Staatsführung daraufhin einen militärischen Konflikt vom Zaun gebrochen hätte. Aber Nigeria hat ja keine schweren Waffen und Machetenschmeißen über Kontinente hinweg ist ein eher fruchtloses Unterfangen. In jedem Fall bleibt festzuhalten: die Frauen müssen die Ehre ihres Landes wiederherstellen, es könnte also was auf die Stelzen geben.
  • Zu den wichtigsten Fakten: Nigeria dominiert üblicherweise den afrikanischen Spielbetrieb, die Mannschaft nennt sich Super Falcons, hat einen Deutschen als technischen Berater und flott mal 0:8 gegen unsere Mädels im letzten November verloren. Stars des Teams sind Perpetua Nkwocha (35, dürfte bei dem Vornamen auch noch länger mit dabei sein) und Rita Chikwelu (23). Es fehlt -und da weint mein saarländisches Herz- Cynthia Uwak (24), Afrikas Fußballerin der Jahre 2006 und 2007, die bis zum Saisonende für den Bundesliga-Absteiger 1.FC Saarbrücken spielte. Damit steht für mich fest: die können nicht weit kommen.
  • Frankreichs Damen sammelten jüngst diverse Erfolge, Olympique Lyon ist amtierender Champions League Sieger und hat im Finale Turbine Potsdam geschlagen. Auch wenn es verwundert: die #2, Wendie Renard, spielte damals nicht für Turbine, obwohl das optisch wirklich gepasst hätte wie Trockenhaube auf Haar. Die Qualifikation gelang eindrucksvoll mit 10 Siegen und 50:0 Toren. Gut möglich also, dass die gegen uns unter fünf Stück kassieren. Wichtigste Spielerin: Sandrine Soubeyrand (37) und jetzt höre ich aus Gründen der Schicklichkeit wohl besser auf, das Alter der Ladies mitanzugeben. Bevor noch eine älter ist als ich.

Nachbericht

  • Pfeif‘ auf Berlin, Sinsheim hat seine eigene Eröffnungszermonie! Eine Choreografie mit drei Ausdrucksstehtänzerinnen und lustlos am Anstoßkreis und an den Seitenlinien herumstehenden Mädchen – das weckt Erinnerungen an die Schulzeit des Autoren, wo die selbe Konstellation oft zu beobachten war, wenn im Sportunterricht Fußball gespielt wurde. Irgendwo liegen auch Flaggen rum. Warum liegen da Flaggen rum? Ach ja, die werden zum Schluss hochgehoben. Ich kriege direkt Lust aufs Spiel, weil ich weiß, dass dann die Eröffnung vorbei ist.
  • Wendie Renard spielt anders als noch im Champions League-Finale mit geglätteter Frisur und hat mir deshalb den Witz aus dem Vorbericht kaputtgemacht. Das gibt direkt einen Minuspunkt. Die ersten Minuten lassen mich jetzt nicht vor Ekstase mein komplett gefülltes PANINI-Album der WM 2010 verbrennen, ich habe damals aber auch schon Schlimmeres gesehen. Paraguay gegen Japan etwa, wenn sich daran noch jemand erinnern kann oder will.
  • 26. Minute: die Französinnen dominant, Nigeria aber mit der größten Chance. Ein Konter, abgeschlossen von Desire Oparanozie. Wobei abschließen in dem Zusammenhang lieb umschrieben ist. Juristen würden diskutieren, ob das eine fahrlässige Verschießleistung oder eine vorsätzliche Schußnichtleistung war. Ich mach’s mal am Vornamen fest: wäre nicht zuviel verlangt gewesen, den zumindest aufs Tor zu bringen. In dem Moment haben sicherlich tausende Nigerianer die Hoden in die Höhe gewuchtet und geschrien: „Den hätt ich reingemacht!“.
  • Zweite Hälfte, selbes Bild: Nigeria mit den besseren Aktionen, bei dem Wetter laufen die Afrikanerinnen auch gerne mal länger, wird also nichts mit Kräftenachlass. Dennoch geht Frankreich in der 56. Minute durch Delie in Führung. Hätte man die Positionen nach der Flanke mit Männern besetzt, hätten die das Ding wohl auch nicht verhindern können. Es geht doch.
  • 65. Minute: Frau muss sich auch mal richtig fallenlassen können, so mein Rat an die junge Nigerianerin, die just im Strafraum umgestupst worden ist. Lässt die Mannschaft sympathisch erscheinen, dass sie den Kniff nicht im Repertoire hat, ist aber schlecht für die Punktetabelle. Als Lehrvideo möchte ich diesen Clip zur Verfügung stellen.
  • Fazit: am Ende doch nur ein knapper Sieg der Französinnen, die gegen uns naturellement keine Chance haben werden. Ab Montag werde ich definitiv Begegnungen tippen, denn Oddset hat für einen Sieg Frankreichs gerade mal eine Quote von 1,15 ausgegeben, dafür war das am Ende doch ganz schön knapp.


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Griechenland – Argentinien 0:2 / Nigeria – Südkorea 2:2

Vorbericht

  • Otto gegen Diego Armando – das hätte sich unser rüstiger Rentner Rehhagel auch nicht träumen lassen, dass er bei diesem Turnier nochmal in die Trickkiste greifen muss, um seine Griechen ins Achtelfinale zu manövrieren. Ein Sieg gegen die Gauchos (bei denen Maradona nicht selbst auflaufen wird, weil er tatsächlich noch 11 andere Spieler gefunden hat, die er nicht zu schonen braucht) bei gleichzeitigem Unentschieden in der anderen Partie und der Spaß geht weiter. Obwohl ich die griechische Spielweise jetzt nicht unbedingt mit Spaß in Verbindung bringen würde.
  • Rein theoretisch könnte Argentinien sogar noch ausscheiden, zwei Kantersiege von Griechenland und Südkorea vorausgesetzt. Da lacht selbst der Chaostheoretiker, der Utopieforscher und der Paralleluniversumsanalytiker.
  • Ich schaue mir Nigeria gegen Südkorea an (läuft auf dem ZDF infokanal), da wird meiner Meinung nach der zweite Platz hinter Argentinien ausgespielt. Der nigerianische Fußballverband hat mit großer Wahrscheinlichkeit per SMS ein Rundschreiben an die südkoreanischen Spieler verteilt, wonach sich im Falle einer deutlichen Niederlage mit Sicherheit irgendwo im Land ein reicher Erbprinz finden ließe, der sie adoptieren und ihnen eine Heidensumme aufs Konto überweisen würde. Blöd nur, dass der Südkoreaner moderne Spamfilter auf seinem Samsung-Handy installiert hat.
  • Dass der Nigerianer nach zwei Niederlagen überhaupt noch eine Chance hat, ist schon sensationell. Den dominierenden Südamerikanern sei Dank. Meiner Meinung nach könnte sich heute einer der potenziell stärksten Afrikaner aus dem Turnier verabschieden. Südafrika und Kamerun sind ja bereits draußen. Ghana hat einen Torwart, der ihnen spätestens in der Ausscheidungsrunde das Weiterkommen unmöglich machen dürfte. Algerien hat schlechte Karten als aktuell Letzter der Gruppe und die Elfenbeinküste müsste Nordkorea hoch zweistellig vom Platz schießen, um noch eine Chance zu haben.  Afrika scheint die WM schon in der Vorrunde zu verlieren.

Nachbericht

  • Jetzt habe ich beim Vorbericht glatt vergessen, dass Ottos Mannen bei einem Sieg von Nigeria auch ein Unentschieden genügt hätte. Das sei hiermit nachgetragen. Letzten Ende ja nur reinste Punktetheorie, denn was ich so gesehen habe, hatte Rehakles Messi wirklich in Manndeckung nehmen und die Vielzahl seiner Stürmer auf der Bank sitzen lassen, obwohl er Tore gebraucht hätte. Zwischen Geniestreich und Altersstarrsinn liegt manchmal nicht viel.
  • Ich habe doch zwischen beiden Begegnungen hin- und hergeschaltet, weil Poschmann auf dem ZDF infokanal die ersten Tore schon verkündet hatte, als der Ball noch nicht mal auf dem Fuß des Schützen lag. Oben drauf haute er wieder die Hammersprüche raus („Langkornreis. Der gute Langkornreis hat den Südkoreaner über die Jahre wachsen lassen“), da blieb kein Finger weg von der Fernbedienung.
  • Nigeria hat sich erneut selbst rausgeschossen. Die Mannschaft versiebte zwei Hundertprozentige so dermaßen brutal, dass sogar Trainer und Oberstoiker Lagerbäck für seine Verhältnisse vollkommen durchdrehte und sich gnadenlos durchs Haar fuhr.  Nun darf der Südkoreaner im Achtelfinale gegen Uruguay ran. Vielleicht isst er bis dahin extra viel Langkornreis und wächst weiter über sich hinaus. Den Spruch schenke ich Poschi.

Griechenland – Nigeria 2:1

Vorbericht

  • Wieder sind die Griechen nach 2008 der heißeste Anwärter auf den goldenen gesenkten Daumen, den „Die will schon ab dem zweiten Spiel keiner mehr sehen“-Publikumspreis. Otto Rehhagel plant erneut, seine Kritiker und vor allem seine Mannschaft mit einer ausgefeilten Taktik zu überraschen. Wie das genau geschehen soll, kann ich allerdings beim besten Willen nicht sagen. Aber ich denke, der alte Dickkopf wird es stur durchziehen und am Ende die griechische Journaille anmeckern, weil sie kulturlose Banausen sind und keine einzelne Seite der Werke von Goethe, Schiller oder Schopenhauer auswendig rezitieren können.
  • Nachdem der Südafrikaner gerade seine Tröte auswringen muss, stellt sich durchaus die Frage, welcher afrikanischen Mannschaft bei dieser WM noch eine furiose Rolle zukommen könnte. Mich haben die Nigerianer in ihrem Auftaktspiel gegen das MessiAs durchaus beeindrucken können. Der ersten Einschätzung nach ein guter Torwart im Kasten, ein Mittelfeld mit Zug nach vorne und im Sturm mit den bundesligaerfahrenen Chinedu Obasi und Obafemi Martins – die wissen, wo das Tornetz hängt.
  • Wer erraten kann, auf welcher Seite meine Sympathien liegen, kann folgenden Preis gewinnen: mein tief empfundenes Lob dafür, das er/sie dieses WM-Tagebuch aufmerksam verfolgt. In dem Zusammenhang mein tief gebeugt eingesprungener Knicks an die bisher 7 Leute, die mein bescheidenes Werk beflattrt haben.

Nachbericht

  • Ach, der Afrikaner und sein ungezügeltes Temperament. Man könnte verzweifeln. All die von Trainer Lagerbäck geleiteten Seminare im Knäckebrotkauen, Elchkuhniederstarren und Blutdruckmessen helfen doch nichts, wenn sich der Kaita mit einem strunzdummen Tritt vom Platz manövriert. Und das nach einer 1:0 Führung.
  • Ein Mann mehr auf dem Platz, Rückstand, Verunsicherung beim Gegner – da hat selbst der Grieche keine Gründe mehr, es sich hinten gemütlich zu machen und so stürmt er halt nach vorne. Natürlich kriegt der Nigerianer es nicht hin, mal ein Ergebnis über die Zeit zu schaukeln. Ausgleich kurz vor der Halbzeitpause, dann gibt Torwart Enyeama den Oliver Kahn vom Finale 2002, das war’s. Dumm gelaufen, vor allem weil Obasi bei einem Konter das leere Tor nicht trifft.
  • Poschi (der glaube ich nur noch die nominellen Krötenspiele belabern darf) redet von einem deutlichen Sieg der Griechen. Bei einem 2:1 gegen 10 Mann? Egal. Ich hätte jetzt aber doch lieber die Südkoreaner im Achtelfinale.

Argentinien – Nigeria 1:0

Vorbericht

  • Von dem Titelfavoriten Spanien sagt man gerne, dass sich die Mannschaft eigentlich nur selbst schlagen kann. Bei Argentinien ist es fast genauso, hier kann aber auch Diego Maradona mit seiner schier überbordenden Kompetenz die Albiceleste aus dem Turnier kegeln. Als Fußballspieler war der Mann zweifellos mindestens ein Halbgott, als Trainer… nun ja. Gerne nominiert er mal Spieler, die im Krankenhaus liegen, fordert Journalisten zu homoerotischen Abenteuern heraus und ich würde mich nicht wundern, wenn die Torhüter im Training eigens geschneiderte Leibchen trügen, um nicht Gefahr zu laufen, im Spiel später als Stürmer eingesetzt zu werden.
  • Im Hintergrund werkelt die Trainerlegende Carlos Bilardo und wenn es die Truppe um die Superstars wie Messi, Higuain, Milito und Tevez schafft, ihren offiziellen Übungsleiter als eine Art Maskottchen zu sehen, das ihnen ab und an mal den Allerwertesten entgegenstrecken darf und im Gegenzug den Bauch gekrault bekommt, könnte bei dem Tunier mehr rausspringen als bei der grauenvoll mies eingespielten Qualifikation.
  • Bei der WM 2006 schrieb ich über die Schweden, die später gegen die deutsche Mannschaft im Achtelfinale antreten und ausscheiden durften: „Müssen die Schweden halt 2010 in Südafrika was reissen. Der Skandinavier fühlt sich in Gefilden südlich des Äquators ja auch sofort heimisch..“
    Das haben wohl irgendwelche Verantwortliche in afrikanischen Fußballverbänden tatsächlich ernst genommen (dass sich die Schweden erst gar nicht qualifiziert haben, ist ihnen hingegen entgangen). Weshalb Nigeria nun von dem ehemaligen schwedischen Trainer Lars Lagerbäck trainiert wird. Den Auftritt dieses Mannes als dröge zu bezeichnen, ist schon ein Ausbund an Untertreibung. Ich stelle mir den ersten Arbeitstag als ein richtiges Aufeinanderprallen zweier Kulturen vor; wo der Nigerianer es gewohnt war, gleich zu Beginn eine Voodoopuppe des gegnerischen Torwarts ins Torkreuz zu hängen, ein frisch geschlachtetes Hühnchen am Anstoßpunkt zu vergraben und sich mit dem Ball am Fuß vom eigenen Strafraum aus nach vorne zu dribbeln, muss er nun radikal umdenken. Quälend lange Seminare im kollektiven Knäckebrotkauen, Elchkuhniederstarren und Blutdruckmessen stehen auf dem Programm, um das aufbrausende Temperament der Westafrikaner zu zähmen. Und wozu? Für’s Achtelfinale, wo nach alter schwedischer Tradition Schluss sein wird.
  • Nigeria muss auf John Obi Mikel verzichten. Ganz schlimme Sache. Ich kenne den Mann nicht, aber was da an möglichen Werbeeinnahmen für das Handwerkerfachmarktwesen verloren geht, ist schon verdammt traurig.

Nachbericht

  • Die Gauchos mit einer Anfangsoffensive, da drückt’s dir die Stollen in die Sohle. Heinze mit Flugkopfball in den Winkel, das sagt dem Gegner schon gleich: „Euch schieben wir nicht die 08/15-Kuller rein, hier setzt es Abschlussfeinkost. Aber reichlich!“ Reichlich ist es zwar dann doch nicht geworden, weil das Messi-As noch nicht gestochen hat.  Wenn ich den Ritchie jedoch so den Rasen pflügen sehe, wird mir schon Angst und Bange vor einem möglichen Viertelfinale gegen unsere Jungs.
  • Aber auf die Nigerianer lass ich auch nichts mehr kommen. Bisher konnte ich die nicht so recht einschätzen, deshalb das ganze Ablenkungsgefasel um den Schweden-Lars im Vorbericht. Das wird verdammt emotional, wenn ich am Ende der Vorrunde entweder von denen oder meinen Südkoreanern Abschied nehmen muss. In dem Zusammenhang: Otto kann heute Abend schon mal die Frühbucherangebote für die Rückreise studieren.
  • Der Reporter (dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, was immer ein gutes Zeichen ist, weil er mich dann nicht genervt hat) hat es erwähnt: die afrikanischen Torhüter sind sehr stark. Früher stand stets ein großes „Heieiei“ und „Uuiuiui“ auf dem Programm, Veteranen wie ich erinnern sich auch gerne an die südamerikanischen Pendants, aber mittlerweile ist da Qualität auf breiter Ebene eingezogen.
  • Fazit: hochklassige Partie, die auch 3:2 hätte ausgehen können. Tolle Tempo-Vorstöße der Argentinier, starkes Dagegenhalten der Nigerianer, ab der zweiten Hälfte ein Duell auf Augenhöhe. Nur den Maradona mit seiner affektierten Poserart kann ich weiterhin nicht leiden. Wenn der Weltmeister werden sollte, trabt der sicher nicht getragen kaiserlich über den Rasen wie unser Franz 1990 in Rom. Der reißt sich die Kleider vom Leib, steckt sich eine Tröte in den Hintern und pupst die Nationalhymne.