Nicht der Postillon-Newsticker (Fußball-WM-Edition)…

…aber von dort schamlos inspiriert worden. Mit Fußballfachbegriffen, für die wir dank Tiki-Taka-Dominanz wohl demnächst neue Bedeutungen finden müssen.

++++Kracher ans Lattenkreuz: Osteuropäischer Anhänger freut sich über gut gezielten Böllerwurf++++

++++Mit der Brechstange reingeprügelt: Brasilianische Sicherheitskräfte rüsten bei Einsatz in den Favelas auf++++

++++Fallrückzieher: Brasilianischer Stürmerstar Fred entschließt sich trotz leichter Berührung im Strafraum einfach ungerührt weiterzuspielen++++

++++Clever durchgetankt: Lukas Podolski befüllt seinen Sportwagen mit allen an der Zapfsäule angebotenen Benzinsorten und sammelt Bonuspunkte bei seiner Autoreparaturwerkstatt++++

++++Satter Abschluss: Reiner Calmund rülpst nach üppigem Mahl Reihenhaus im Saarland um++++

++++Hechtkopfball: Hobbyangler Miroslav Klose findet unerwarteten Trainingspartner++++

++++Was für ein Strahl!: Cristiano Ronaldo trifft Pissoir in breitbeiniger Duellpose selbst mit fünf Schritten Abstand++++

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Schweden – Australien 3:1

  • Nee. Bäh. Ich mag nicht. Das hat doch keinen Sinn mehr. Ich habe letzte Nacht davon geträumt, wie Mario Basler und Nico Rosberg in Sport-BHs um mich herumgetanzt sind, sich gegenseitig an den Genitalien gezogen und dauernd „Oh, wie ist das schön“ angestimmt haben. Bis Cristiano Ronaldo hereinkam und mir sein neues Parfüm verkaufen wollte, während Melanie Behringer dauernd Flanken nach ihm schlug, die er alle mit dem Kopf ins sperrangelweit offene Fenster einnickte. In dem Moment bin ich schreiend aufgewacht.
  • Ich komme mir vor, als hätte ich mir ein neues Spielzeug gekauft, das schon nach ein paar Tagen kaputt gegangen ist. Und jetzt bin ich zu enttäuscht und leer, um es umtauschen zu lassen oder mein Geld zurückzufordern. Stattdessen starre ich das Ding an und stelle mir vor, wieviel Spaß ich noch damit hätte haben können.
  • Aber angefangene Dinge soll man nun mal beenden. Schweden gegen Australien also. Gegen die Siegerin wären wir gekommen.  Die hätten uns beide sicher besser gelegen. Lotta Schelin hätte man ruhig in der Verlängerung einmal aufs Tor laufen lassen können. Die Frau hätte den Anstand gehabt, den Ball in dem Moment neben das Tor zu setzen. Um dann im Elfmeterschießen zu treffen, das wir dann aber gewonnen hätten  Während bei den Australierinnen Servet Uzunlar hinten sicher einmal lieb zu unseren Gunsten gepatzt hätte.
  • Die Statistik spricht mit 5:1 Siegen klar für die Skandinavierinnen, aber seit gestern wissen wir ja, dass Statistiken ganz großer Mist sind. Wenn ich alleine schon die Ballbesitzstatistik sehe, kommt es mir schon hoch. Die sagt doch nur aus, wie viel länger eine Mannschaft den Ball in den eigenen Reihen rumspielt als die andere. Egal. Den Schwedinnen gönne ich ein Weiterkommen, die haben mir gegen die USA viel Spaß bereitet und den traue ich zu, diese flinken und zähen Japanerinnen nach Hause zu schicken. Wo sie sich mal ruhig in eine Ecke setzen und darüber nachdenken können, was sie gestern Abend angestellt haben.

Nachbericht:

  • Wenn Wissenschaftler eines Tages die DNA von englischen und australischen Fußballer/innen mischen, könnte sich das Problem der englischen Erfolglosigkeit am Elfmeterpunkt erledigt haben. Allerdings leider, weil das Ergebnis sich schon in 90 Minuten aus dem Turnier verteidigt hätte. Das ist jetzt gemein gegenüber den großartig kämpfenden Matildas, aber mit den Abwehrleistungen braucht es schon übermenschliche Kräfte, um den Rückstand immer wieder zu egalisieren.
  • Schon in der sechsten Minute das Zusammentreffen der Chancenfrauen dieser WM. Eine australische Verteidigerin schafft die Gelegenheit, Schelin verstolpert sie. Ein Duell, das die Australierinnen auf lange Sicht verlieren sollten. Denn Lotta kommt fünf Minuten später über außen, passt nach innen auf Sjögran, die trocken ins kurze Ecke abzieht. Barbieri braucht zu lange Richtung Boden und lässt den Schuss passieren – 1:0.
  • 16. Minute: Torschützin Sjögran flankt, Dahlkvist steht vogelfrei alleine im Strafraum, von so einer Situation träumen die kleinen Japanerinnen nachts, wenn sie im Dunkeln vom Hotel aus auf das Kopfballpendel schauen. Souverän oben eingenickt, 2:0. War es das schon? Das Spiel scheint für die Schwedinnen wie Urlaub auf Bullerbü zu werden nach den Auseinandersetzungen mit den USA,  Nordkorea und Kolumbien.
  • Bis Australiens #6, Ellyse Perry, wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff vom Strafraumeck einen Ball wunderbarst in den Winkel schlenzt. Sicherlich eines der schönsten Tore dieser Weltmeisterschaft. Es geht in die Pause, der Urlaub auf Bullerbü ist gestrichen.
  • Wird es nochmal spannend? Können die Aussie-Ladies zurückkommen? Hält die Abwehr? Nein, nein, ach was sind die korrekten Antworten. Grausamer Rückpass von Kim Carroll auf Lotta Schelin und den lässt sich die #8 der Schwedinnen dann wirklich nicht mehr nehmen, tanzt die Torhüterin aus und schiebt zum 3:1 ein. Lottchen hat getroffen, das kann nur das Ende bedeuten.
  • Die Matildas laufen weiter an, aber es wird nichts mehr. Besonderes Vorkommnis: Garriock haut Schelin den Ellenbogen ins Gesicht, eine klare Tätlichkeit, die ungeahndet bleibt. Ich bin mir aber sicher, heute Abend bei USA gegen Brasilien fliegt noch jemand vom Platz. Ich benenne meine Favoritin im Vorbericht.
  • Schweden steht im Halbfinale gegen Japan und schnappt sich den letzten europäischen Platz bei Olympia. Die deutschen Frauen werden 2012 also nicht in London dabei sein. Schade, aber nicht zu ändern.

England – Frankreich 4:5 (n.E.)

Vorbericht:

  • Sie ist angebrochen – die Woche, auf die Linda Bresonik schon so leidenschaftlich schwer hingearbeitet hat. Die Woche, in der mir Cristiano Ronaldo während Weltmeisterschaften immer die meiste Freude bereitet. Die Woche, in der Millionen britischer Fußballfans die Rückkehr ihrer Frauenauswahl mit einem „so f*cking what“ kommentieren werden. Ja, es ist die Woche der Ausscheidungsspiele.
  • Beginnen wird sie mit dem europäischen Klassiker England gegen Frankreich. Und vielleicht wird dabei eines der größten Geheimnisse gelüftet werden: Was reden Frauen eigentlich während dieser entscheidenden 90 Minuten und mehr auf dem Platz miteinander? Bei den Männern ist die Sache relativ klar erfassbar: „‚SchhaudiraufsMaul“, „‚Schmachdischplatt“, „Arschlochwichserhurensohn“ oder, für gebildete Abwehrspieler wie etwa Per Mertesacker, „Deine Frau liest heimlich die BILD-Zeitung“.  Nun, da die News of The World-Journaillenmeute von Rupert Murdoch ab morgen spielfrei hat, könnte man die ganzen schicken Abhörapparate doch einem nützlichen Zweck zuführen, bevor die Garantie abläuft. Auf ein paar Trikots gesteckt und den Ton als zweite Kommentarspur freigegeben, wenn es dem Kommentator oder der Kommentatorin gerade ein wenig an Esprit mangeln sollte. Ich persönlich würde mich auf englisch-französische Begegnungsklassiker wie „Ihr trinkt doch nach dem Onanieren kaltes Wasser“, „Du verkackter englischer Frischbiertrinker“ oder auch „I fart in your general direction“ freuen.
  • Die Vorteile der Französinnen liegen meiner Meinung nach klar auf der Hand. 1) In den letzten zehn Partien konnten sie von den Britinnen nicht geschlagen werden, der letzte Sieg datiert aus dem Jahre 1974. 2) Ziemlich sicher wird mon petit chou Sonia Bompastor spielen. 3) Die #3 der Französinnen, Laure Boulleau, ist optisch auch sehr lecker. 4) Der vorzeitige Abflug der Britinnen würde viel mehr Aufhebens machen, denn die Franzosen scheinen sich für ihre kickenden Landsfrauen kaum zu interessieren. Einziger Nachteil: die Stammtorhüterin Bérangère Sapowicz ist wegen ihrer roten Karte aus dem Spiel gegen Deutschland gesperrt. [Nein, ich schreib das jetzt nicht hin] [Doch, mach!] [Nein] [Nun mach schon!] [Okay, *seufz*] Bei den Engländerinnen wäre ein solcher Ausfall bedeutend unterhaltsamer.
  • Wie immer die Begegnung auch enden wird, gegen uns kommen die Siegerinnen frühestens im Finale. Realistischerweise dürften sie aber vorher an dem scheitern, was aus der Schlacht Brasilien gegen die USA übrigbleibt. So oder so sind die Frauen mit dem Einzug ins Viertelfinale jetzt schon erfolgreicher als ihre männlichen Pendants 2010. Denn die Engländer haben, wie ich mich gerne erinnere, gegen uns mit 4:1 den Kürzeren gezogen, während die Franzosen vom Erreichen der Ausscheidungsrunde in etwa so weit entfernt waren wie die RTL2-Sendung „Frauentausch“ von einer Grimme-Nominierung.

Nachbericht:

  • Diesen Nachbericht schreibe ich nach dem Ausscheiden der DFB-Elf gegen Japan. Wer Anzeichen von Lustlosigkeit herausliest, liegt nicht falsch. Also kurzgefasst. England unterliegt im Elfmeterschießen, soweit schon mal nichts Überraschendes.
  • Die Engländerinnen mit der ersten Chance nach 16 Sekunden. Doch Smiths Schuss wird abgeblockt. Ersatztorhüterin Deville sieht schlecht aus und behält diesen Zustand, sofern die Inselfrauen mal in ihre Nähe kommen. Die Französinnen spielerisch besser, mit 2-3 gefährlichen Torschüssen. Aber nichts fällt richtig zwingend aus.
  • Scott schießt in der 59. Minute das 1:0, Deville lungert viel zu weit vor dem Tor, wirkt bei dem Schuss überfordert. „Die kann nix“, ruft Bruder in die Stille hinein. Ich wage nicht zu widersprechen. Frankreich rennt an, aber vor dem Tor brennt es nicht.  Zehn Minuten vor Schluss drehen die Französinnen plötzlich auf, machen Alarm in der gegnerischen Hälfte. Thomis läuft in der 85. Minute frei durch, doch statt voll draufzuhalten, wie es jeder anständige Kerl machen würde, versucht sie einen Lupfer. Eine Minute später kratzt White einen Kopfball von Lepailleur von der Linie. 88. Minute: der Ausgleich, le triomphe dans le winkel, ein wunderbarer Schlenzer aus dem Gewühl von Bussaglia, der Ball geht ins linke Kreuzeck und prallt von dort hinter die Linie. Chapeau, madames!
  • Verlängerung. Stürmerin Kelly Smith beantragt den Halbinvalidenpass, kann aber nicht mehr ausgewechselt werden. Und was machen die Franzfrauen? Nix mit überrollen, überlaufen oder kaputtschießen. Nö, monsieur. Stattdessen verfällt man in die Spielweise der ersten Halbzeit. Wenn sich das nicht mal rächt, denke ich mir. Vielleicht gilt die alte Elfmeterregel doch nur bei den englischen Männern.
  • Erster Elfmeter Frankreich. Mon dieu, Bardsley fängt den Ball, als wäre vorher abgesprochen worden, wo er landen soll. Es scheint wirklich, als hätte die Schützin gewartet, bis die Torhüterin abspringt und den Ball dann zielsicher dorthin bugsiert. Aber am Ende versagt England dann eben doch: Rafferty tritt ewig den Elfmeterpunkt platt, ein sicheres Zeichen für Verunsicherung- und schwupp, rollt die Kugel am Tor vorbei. Faye White schließlich trifft unglücklich die Latte, das war’s. England is coming home after the penalty shootout. And now for something completely usual…

Äquatorial-Guinea – Brasilien 0:3 / Australien – Norwegen 2:1

Vorbericht:

  • In Gruppe D gibt es nicht mehr allzu viele Fragen aufzuarbeiten. Hält Australien Norwegen auf Distanz und zieht ins Viertelfinale gegen die USA ein, wo es mit Sicherheit ordentlich auf den Känguruhbeutel geben wird? Welches Spiel läuft in der ARD, welches auf ARD Festival, dem Knallersender, der -egal, wann ich auch einschalte- immer nur die Promo mit dem Chamäleon laufen lässt und nie mal eine gescheite Übertragung eines Rockkonzerts. Und kann sich der größte und einzige Weltstar, den diese Sportart bisher hervorgebracht hat,  im Kampf um den Ball auch gegen echte Männer durchsetzen? Moment, die Frage ist schon beantwortet: leider nein, siehe Cristiano Ronaldo bei der WM 2010.
  • Bibi rettet die Welt. Jawoll, die Deutsche Bibiana Steinhaus, sozusagen die Lira Bajramaj der Schiedsrichterzunft, zieht heute los und rückt das schief gewordene Bild der weiblichen Referees ins rechte Licht. Fallobst, Handgesindel, Foulfußvolk und andere Tunichtgute haben keine Chance. Möglicherweise der entscheidende Grund für die ARD, Äquatorial-Guinea gegen Brasilien zu übertragen (zum Zeitpunkt dieses Vorberichts ist noch alles offen). Denn dort dürfte es law’n’order-mäßig ordentlich etwas zu tun geben.
  • Australiens Stürmerin Lisa de Vanna war im September vergangenen Jahres in einen Facebook-Sex-Skandal verwickelt, als sie verwirrende Bilder hocherotischen Inhalts auf ihrer Seite des sozialen Netzwerks veröffentlichte. Gerne gebe ich an dieser Stelle die Moralinstanz im Sinne von des Deutschen liebsten Schmuddelblattes und echauffiere mich: „Schmutz, Schund, einfach nur widerlich, hier ein Beispiel„. Mich erinnert die gute Frau ja immer an einen Charakter aus den Asterix-Comics, ich komme aber jetzt nicht auf den Namen. Vielleicht weiß die werte Leserschaft Rat.
  • Nachtragen muss ich noch meinen Schock über den Stromausfall im Dresdener Stadion während des Matches Kanada gegen Nigeria. Kurzzeitige komplette, auch für das Schiedsrichterinnengespann deutlich sichtbare Dunkelheit. 10 Minuten ging gar nichts mehr auf Rasen. Unmittelbar nach dem Anpfiff das 0:1 für die Nigerianerinnen. Ich werde jetzt nicht den Witz bringen, dass die Afrikanerinnen Dunkelheit eher gewöhnt sind. Ich habe auch noch Würde.
  • Wo wir beim Nachtragen sind, hier der beste Couchdialog während des Spiels Deutschland gegen Frankreich, so stattgefunden unmittelbar nach dem verwandelten Foulelfmeter von Inka Grings. (Bruder) „Die hat die Ecke gehabt!“ (Ich) „Wie bitte?“ [Es läuft die Wiederholung, die französische Ersatztorhüterin fällt nach rechts, der Ball schlägt weit links von ihr ein] (Bruder) „Äh“ (Ich) „Bewirbst du dich jetzt heimlich als Reporter beim ZDF?“ Gelächter.

Nachbericht:

  • Spektakuläres Geständnis gleich zu Beginn: ich habe die ersten 9 Minuten des Spiels verpasst, weil ich dachte, der Anstoß wäre erst um 18:15 Uhr. Das soll sich aber auch einer merken können. Ab dem Viertelfinale kommt übrigens noch die Anstoßzeit 17:30 Uhr hinzu. Die FIFA wünscht frohe Verwirrung.
  • Viel verpasst habe ich allerdings nicht in der ersten Hälfte. Absolutes Highlight: Superstar Marta wird in Manndeckung genommen, Äquatorial-Guineas Handspezialistin Bruna lässt sie nicht aus den Augen und folgt ihr sogar auf dem Weg zum Trainer, als sie dort taktische Anweisungen holen bzw. realistischerweise eher geben will. Es ist eine kühne Vermutung, aber ich glaube, in dem Moment hatte Otto Rehhagel vor dem Fernseher eine Erektion.
  • Die zweite Halbzeit habe ich umgeschaltet. Woraufhin ich feststellte, dass auf EinsFestival HD wieder nur die Promo mit dem Chamäleon läuft. Lediglich auf dem nichthochaufgelösten Kanal gibt es Fußball. Liebe GEZ-Zahler, Ihre Gebühren am Werk! Norwegen für ein Team, das gewinnen musste, erschreckend lustlos im Spiel nach vorne, Australien viel spielbestimmender. Dennoch gehen die Norwegerinnen nach einem wieder mal katastrophalen Fehler durch die abwehrschnitzerprobte Servet Uzunlar mit 0:1 in Führung.
  • Direkt im Gegenzug der Ausgleich durch Simon. Danach das bekannte Spielmuster. Der Kommentator brabbelt aufgeregt die Erfolgsgeschichte der Skandinavierinnen herunter, erklärt ein Ausscheiden zum Weltuntergang. Den Spielerinnen ist es egal, nach vorne kommt wenig, mit Ausnahme eines Freistoßes ans Lattenkreuz durch Rönning. Drei Minuten später das entscheidende 2:1 durch einen Simon-Kopfball und kreative Orientierungslosigkeit der norwegischen Torfrau. Der ex-Weltmeister, ex-Europameister und ex-Olympiasieger ist nun offiziell auch ex-WM Teilnehmer 2011. Ha det, Norge!

Brasilien – Norwegen 3:0

Vorbericht:

  • Ich bin noch eine Beobachtung schuldig, welche bereits seit Tagen im Internet kursiert und die ich hiermit gerne nachreiche: die norwegische Übungsleiterin Eli Landsem sieht aus wie Trainerlegende Hans Meyer. Genauer gesagt sah sie während des Spiels gegen Äquatorial-Guinea meist aus wie Hans Meyer, unmittelbar nachdem er BILD-Zeitungsreporter beim Herumtrampeln in seinen Rosenbeeten erwischt hatte. Einfach selber mal nach Bildmaterial googlen und erstaunt sein.
  • Der brasilianische Superstar Marta hingegen ähnelt erschreckend Birgit Prinz. Nicht vom Optischen, sondern von ihrer Übersehbarkeit auf dem Platz. Das muss sich heute ändern, denn ich hatte sie ja schon im Vorbericht zum Erstrundenspiel beinahe mit dem Meister der Übersehbarkeit und der Tränen auf dem WM-Turnierrasen verwechselt. Ach, ich schreib den Namen jetzt einfach nochmal hin: Cristiano Ronaldo.
  • Mich konnten beide Mannschaften mit ihren jeweiligen 1:0-Humpelsiegen nicht überzeugen. Wenn heute Abend wieder nichts geliefert wird, drücke ich ernsthaft den Australierinnen die Daumen fürs Weiterkommen. Deren Abwehr im Zusammenspiel mit dem Angriff der Amerikanerinnen im Viertelfinale dürfte ein Garant für Spaß sein. Zumindest für Abby Wambach.
  • Nach diesem Spiel ist ein Tag Pause. Also nicht wundern, wenn hier am Montag keinerlei Berichte erscheinen. Garantieren kann ich es allerdings nicht, deshalb sicherheitshalber alle Viertelstunde mal reinklicken und nicht entmutigen lassen, wenn nichts Neues dasteht.

Nachbericht:

  • Good girls go to Heaven, but the bad girls go everywhere. Marta hat endlich ihre Show abgezogen. Verdient über 500.000 Euro im Jahr, verlangt für eine Autogrammstunde 5.000 Euro und ist sich dennoch nicht zu schade, eine Verteidigerin umzuschubsen, wenn es um das erste eigene WM-Tor geht und die Gegnerinnen aus Norwegen lästig gut spielen in den ersten zwanzig Minuten. Natürlich ist die Frau wegen ihres Antritts und ihrer Technik eine begnadete Fußballerin; aber eben mit einem Sympathieausstrahlungswert eines Stefan Effenberg. Das eine schließt im Fußball das andere nun mal leider nicht aus.
  • Zwei schnelle Tore zu Beginn der zweiten Hälfte besiegelten das Schicksal der Skandinavierinnen. „Selbst schuld“, möchte man einwerfen. Denn wenn das Publikum schon die gegnerische Stürmerin wegen des Fouls vor dem 1:0 permanent auspfeift und die Schiedsrichtern zum Wiederanpfiff bedröppelt zum Anstoß bittet, als ob sie zuvor mehrere Zeitlupen der Szene gesehen hätte, gibt es doch nur eine Option: im Strafraum hinfallen lassen und eine Konzessionsentscheidung herbeizwingen. Hätten sie nur mal bei Marta nachgefragt, die fiel sogar vor dem eigenen Strafraum einfach mal so  hin. Das macht den Unterschied.
  • Warum bitteschön beschwert sich eigentlich keiner über das asymmetrische Hakendesign bei den Zahlen auf dem Rücken der brasilianischen Auswahl? Die 2. Oder die 3. Die 8. Alles igittigitt. Da stirbt dir doch der Sehnerv ab. Ich möchte an dieser Stelle einen Font-Blogger um eine dezidierte Stellungnahme bitten.
  • Norwegen war nach den schnellen Treffern eigentlich nur noch bei Ecken auffällig. Massenversammlung im 5-Meter-Raum einberufen und die Hereingaben eng vors Tor ziehen. Auch eine Taktik, aber da muss sich die Torhüterin den Ball schon selbst unbedrängt reinwerfen, sonst würde doch abgepfiffen werden, oder?

Brasilien – Australien 1:0

Vorbericht

  • Wer ist eigentlich die beste Fußballspielerin der Welt? Wer hat bis auf die Heiligsprechung alle nationalen irdischen Titel gesammelt, gilt als Gesicht ihrer Vereinsmannschaft, schießt die schönsten Tore, ist ein Idol für die weltumspannende Fangemeinschaft, hat allerdings noch nie mit der Nationalelf eine Weltmeisterschaft gewonnen? Klar, da kann es nur eine Antwort geben: Cristiano Ronaldo Marta.
  • Die 25-jährige Brasilianerin ist auch dieses Jahr Topfavoritin auf die Torjägerkrone, die sie sich schon 2007 sichern konnte. Schwedische Meisterin 2005-2008, Brasilianische Meisterin 2009, US-Meisterin 2010, Weltfußballerin der vergangenen fünf(!) Jahre – wo die Frau auch hinkommt, gravieren die örtlichen Goldschmiede schon weit im Voraus ihren Namen in die Pokale. Wie kann es da sein, dass die gute Frau noch nicht Weltmeisterin geworden ist? Ach ja, dafür müsste sie in der DFB-Elf spielen.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass die brasilianische Elf in Hilflosigkeit verfällt, wenn es nicht rund läuft und im Strafraum keine Samba getanzt werden kann, sondern sich görendreiste Abwehrspielerinnen frech in den Weg stellen. In diesen Momenten verfällt die Auswahl gerne in den MAWAMA-Modus (MAchWAsMArta), die Auserwählte reiht daraufhin panisch Übersteiger an Übersteiger bis heiße Luft aus dem runden Leder quillt. Vergleiche mit der brasilianischen Herrenmannschaft verbieten sich eigentlich, aber hier fallen sie positiv aus. Viele sehen in der Spielweise der Frauen die Wiederbelebung der temporeichen, kreativen und leichtfüßigen Ballbehandlung früherer Selecao-Mannen. Die Verteidigung übrigens soll ähnlich sattelfest sein wie damals.
  • Matilda hingegen ist der Star in der australischen Truppe. Für diesen Satz fällt mir wahrscheinlich Berti Vogts gleich um den Hals, denn Matildas lautet der Spitzname der Auswahl von Down Under. Die Chronistenpflicht, journalistische Sorgfalt und die aktuell eher darbende Zugriffszahl hier drin gebieten es, darauf hinzuweisen, dass sich die Auswahl von 1998 für einen Kalender zur finanziellen Unterstützung ihres Verbandes ästhetisch wertvoll nackig gemacht hat. Den Link dazu gibt es hier, die folgenden Zeilen widme ich der lieben Googlesuchmaschine: Frauenfußball, Kalender, nackig, nackt, australische Frauen nackt, australische Fußballfrauen nackt, australische Fußballfrauennationalmannschaft nackt, Justin Bieber, Lady Gaga,  Transformers 3.
  • Asiens Fußballerin des Jahres ist die Australierin Kate Gill. Was mich wieder zu der Erklärung nötigt, dass Australien fußballtechnisch zu Asien gezählt wird, Neuseeland hingegen zu Ozeanien. Deshalb sind beide Mannschaften oft bei Turnieren dabei, treffen dort meist aber nicht aufeinander, weil nach der Vorrunde schon gewohnheitsmäßig die Heimreise ansteht. Frau Gill ist das letztlich egal, denn sie spielt wegen eines Kreuzbandrisses eh nicht mit.  Realistischer treffen, weil noch mit intaktem Bandapparat im Kniegelenk, können Samantha Kerr und Kyah Simon.

Nachbericht:

  • Es mag sein, dass ich in letzter Zeit zu viel Frauenfußball gesehen habe. Vielleicht drücken mich abends auch die Betablocker runter, die ich wegen meines Bluthochdrucks nehmen muss. Aber: war das in der ersten Hälfte wirklich wie von Kommentator Norbert Galeske beschrieben ein „ordentliches, passables Spiel“? Ich fand es genauso langweilig wie tags zuvor die ersten 45 Minuten von USA gegen Nordkorea und wenn ich nicht zur Pause die Augen zumachen hätte können, wäre die zweite Halbzeit ohne mich gelaufen.
  • Beschäftigt hat mich folgender Gedanke: weshalb spielten die Brasilianerinnen nicht im traditionellen Gelb-Blau, obwohl sie doch den zugelosten Heimvorteil hatten und daher ihr Trikot bestimmen konnten? Sagt schon einiges über die Qualität der Partie aus, wenn es nichts gab, was mich von dieser Grübelei ablenken konnte.
  • Nerven tut mich auch, wenn unspektakulären Aktionen der Anstrich der Torgefahr gegeben wird. Ein „guter Kopfball“ etwa ist keiner, der 5 Meter am Tor vorbeirollt. Andererseits wird erst ein „gelungener Schuss“ gelobt, den die Torhüterin ohne Probleme aufnehmen kann, wenige Minuten später kommt ein Ball ähnlicher Kajütte auf den Kasten und es heißt: „Ein Schlenzer, eher wie eine Rückgabe“. Man tut dem Frauenfußball doch wirklich keinen Gefallen mit diesen Aufbauschungen. Ich möchte hier nicht zum ständigen Rumnölen aufrufen, aber ein kleiner Realitäts-Check hier und da täte manchem Kabinenvogel mal ganz gut.
  • Kein Problem habe ich damit, das 1:0 durch Rosana als technisch gelungene Ballannahme, gefolgt von einem tollen Schuss, einzuordnen. Aber der Rest? Ich erwarte keine Knaller in den Winkel, Hackentricktore, Heber (obwohl die Japanerinnen gezeigt haben, dass das geht) oder Seitfallzieher. Weit übers Tor zimmern tun auch die Männer. Allerdings kann auch frau in guter Position mal den Ball gezielt flach oder mit einem feinen Schlenzer über die Linie bringen.
  • Wie auch immer: Brasilien gewinnt, ohne seine Favoritenrolle auch nur ansatzweise untermauern zu können.  Die Leistung von Marta, der auserkorenen Überstürmerin, fand ich ernüchternd bis enttäuschend. Vielleicht brauche ich jetzt wirklich eine Pause. Gut, dass es morgen kein Mittagsspiel gibt, sondern um 18 Uhr und 20:45 Uhr erst wieder angepfiffen wird.

Deutschland – Kanada 2:1

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Mit der Eröffnungsfeier. Wer mich kennt, weiß: Eröffnungsfeiern sind mein Ding. Zwei Weltmeisterschaften und eine Europameisterschaft habe ich mich zu diesem Thema mit größtem Desinteresse geäußert, aber diesmal drängt mich natürlich wie jeden Fan die Frage, was denn der Unterschied zu einer Männer-WM-Eröffnungsfeier sein könnte. Kinder sind in jedem Fall schon mit von der Partie, das habe ich gelesen. Blumen müssten auch sein, sonst wäre ich bitterlich enttäuscht. Duftkerzen. Große Duftkerzen. Bengalische Duftfeuerkerzen. Bleiche Männer in offenen Hemden, die dezent dickliche Frauen anschmachten. Vom Himmel regnende Schuhe. Ich weiß jetzt schon: die Inszenierung wird mich berühren. Wahrscheinlich in etwa zwei Zentimeter Lufthöhe über meiner persönlichen Hakle-Feucht-Zone.
  • In jedem Fall dabei: Sepp Blatter, der vom Volk so geliebte Tribun der FIFA. Mit reichlich Gebuhe unverbesserlicher Menschen dürfte zu rechnen sein. Natürlich vollkommen ungerechtfertigterweise, wie ich in Hoffnung auf eine Schmiergeldzahlung für mein Geschleime zu Protokoll geben möchte. War es doch Blatter selbst gewesen, der ein Zeichen gegen Korruption und Bestechlichkeit hatte setzen wollen, indem er öffentlich im Rahmen der Eröffnungszeremonie einen 1000-Franken-Geldschein zu verspeisen gedachte. Leider scheiterte die Aktion an technischen Problemen, da vom chronisch klammen Regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin nur ein 500-Euro-Schein organisiert werden konnte. „Unt’rrr 1000 Frrränkli gibt’s von miirrr ab’rr nichts“, gab der Präsident darauf entrüstet zurück. Eine verständliche Reaktion, die auch folgende, so gut wie offizielle Entscheidung begründete: Die WM 2026 findet auf dem Mond statt, weil nur noch dort die von der FIFA mit allem Recht geforderten Mondpreise verlangt werden können. Ich persönlich pumpe schon mal freudig meinen Astronautenanzug auf.
  • Nun aber zu den Teams. Ich habe mich anhand der kicker-Interviews der letzten Monate vorbereitet und kann zusammenfassend sagen: Die deutschen Auswahlkickerinnen sind modebewusst, achten auf ihr Äußeres und schminken sich vor dem Spiel – insofern also schon mal keine Unterschiede zu Cristiano Ronaldo. Ja, tut mir leid, einmal musste ich den jetzt unterbringen. Unsere bekanntesten Damen sind Birgit Prinz, die treffsicherste, aber auch dienstälteste Stürmerin der Mannschaft. Weiß  immer noch, wo das Tornetz hängt, galoppiert aber nicht mehr so ganz jugendhaft frisch wie früher bis dorthin. Man könnte sie somit als Mischung aus Völler und Klose bezeichnen, sozusagen Frau Völlklo, aber das wäre ein eher beschissener Spitzname. Dahinter lauern Inka Grings und Alexandra Popp, die ihre erste WM spielen, was reißen und beißen wollen. Ich nenne sie jetzt aber nicht die Geschwister Gomez. Von den Werbeabteilungen umschwärmt und für einen Spitznamen prädestiniert: Célia Okoyino da Mbabi, die ich von nun an der Einfachheit halber „Klopfer“ rufen werde. Fatmire Bajramaj, das Sommermärchenmädchen, das Gesicht der WM, hoffentlich auch der Fuß.  Nadine Angerer, die höchstens im Training mal einen Ball hinter sich lässt. Verteidigerinnen haben wir auch, sogar ganz tolle, aber eher trifft sich Lothar Matthäus mit Frauen jenseits der 20 als dass diese mal ernsthaft eingreifen müssen. Weshalb ich mir die Namen jetzt spare.
  • Meine absolute Lieblingsspielerin ist allerdings Melanie Behringer. Läuft, rennt, schwitzt, mit Muskeln bepackt, die Fußkettchen sprengen könnten,  schießt mit der Kraft eines Ochsen und flankt, dass die gegnerischen Torfrauen vor Panik nicht mehr wissen, an welchem Körperteil die Handschuhe zu befestigen sind. DAS IST MEIN MÄDCHEN! Eine grundehrliche Arbeiterin, die halt kein Postergirlmaterial ist und im kicker Sonderheft bei der Vorstellung mit drei Sätzen abgespeist wird (im Vergleich zu etwa Bajramaj mit fast einer halben Spalte und doppelseitigem Hausbesuchs-Interview plus ausführlicher Bebilderung ihres roten Nagellackfläschchens). Die will ich spielen und siegen sehen.
  • Kanadier sind prinzipiell ungefährlich, sofern sie nicht auf Eis spielen oder eine Axt in der Hand halten dürfen. Gute Voraussetzungen insofern für eine gepflegte Auftaktniederlage. Bei kanadischen Frauen denke ich als Serienjunkie an wunderbare Wesen wie Coby Smulders (How I Met Your Mother), Evangeline Lilly (Lost) oder die fußballerisch überragend schön benannte Sarah Chalke (Scrubs). Kanadische Sportlerinnern hingegen erwecken bei vielen Männern zunächst einmal die Erinnerung an das nationale Curlingteam. Attraktive Frauen im besten Alter, die beim Anschieben des Steins jene Ausholbewegung vollführen wie damals Muttern beim Einfahrenlassen des Backblechs in den Ofen – das erfreut Magen und Schwellkörper, zwei der bekanntermaßen wichtigsten männlichen Organe. Ah. Moment, jetzt habe ich vor lauter Gemilfe den Überblick verloren…
  • Ach ja, Kanada im Frauenfußball war das Thema. Star des Teams ist Christine Sinclair, der 116 Treffer in 158 Länderspielen gelangen, mit ziemlicher Sicherheit aber kein entscheidender davon gegen uns. Trainiert wird der Weltranglistensechste von einer Italienerin namens Carolina Morace und spielt seitdem einen technisch anspruchsvollen Kurzpass-Stil. Was entweder beweist, dass die Welt verrückt ist oder Italiener doch attraktiven Fußball akzeptieren und trainieren lassen können. Ich tendiere zu Ersterem.  Letztes Ergebnis gegen unsere Damen war ein 0:5 im September 2010. Wahrscheinlich läuft es also wie immer: wir stürmen, die Gegner kommen kaum über die Anstoßlinie, kriegen ein bis zwei Tore, ehe ab der 75. Minute die Abschuss-Phase mit zwei bis drei weiteren Bällen im Netz beginnt. So wird’s kommen.

Nachbericht

  • Knappe Siege verbinde ich mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in etwa wie Spaß mit dem Ausreißen von Fußnägeln. Dementsprechend bin ich immer noch verwundert über dieses 2:1. In den folgenden Absätzen wird eine Anklage enthalten sein und zwei Spielerinnen gerichtet werden.
  • Zunächst die Eröffnung: Bälle, Segways, Kinder, eine ejakulierende Silberkugel. Von mir aus. Viel mehr hat mich getroffen, dass der Bundespräsident die Eröffnungsrede hielt und nicht mein guter Freund, der Blatter Sepp. Still leidend saß er neben der Angie und hätte doch so gerne die Sau rausgelassen. Ich hätte ihn wenigstens im Hintergrund einmal über die Tartanbahn geschickt, um die Stimmung anzuheizen. Aber nix.
  • 5. Minute: Karla kick mich, ich glaub‘ ich spinne. Die Kanadier überqueren frecherdings nicht nur die Mittellinie, sondern stehen in Form von Miss „Goal“ Sinclair vogelwild allein im Strafraum. Das kann doch nicht wahr sein! Okay, der Ball geht drüber, aber so früh all die schönen Vorurteile widerlegt zu kriegen, tut weh. Überhaupt muss ich klarstellen, bevor es Lothar Matthäus tut: ein Lothar Matthäus kennt nicht soviele Frauen über 20 wie es im Laufe des frühen Abends im deutschen Strafraum gefährlich werden sollte.
  • Am meisten beeindruckt hat mich bei den Kanadierinnen die #8, Diana Matheson. Guckt gerade mal über die Eckfahne, muss die Schiris vor Anpfiff überzeugen, dass sie und nicht das größere Auflaufkind mitspielen dürfen, aber am Ball gibt sie alles.
  • Das 1:0 durch Garefrekes krönt ein Wechselbad der Gefühle. Eine Minute zuvor wollte ich die kanadische Keeperin noch für ihre wirklich sensationelle Reaktion gegen den Flachschuß von ebenjener Garefrekes loben, da zeigt sie beeindruckend, dass sie als einzige McLeod wohl bei der Highlander-Prüfung durchgefallen ist. Unterläuft den Ball, drin das Ding. Es kehrt Ruhe ein.
  • Unsere Mädels kommen langsam besser ins Spiel, den Alarmkopf wegen drückender Überlegenheit muss aber noch keine Kanadierin drücken. 42. Minute: hoher Pass ins Nichts, McLeod döst schon wieder, Manuel Neuer ist bei der Szene wahrscheinlich vorm Fernseher losgelaufen, aber so steht Klopfer frei und macht die Kiste. 2:0, die haben wir im Sack oder wo Frauen quasi besiegte Gegner nun mal hinstecken. Mamma Mia Morace schaut drein, als würde sie kochen, aber nicht die gute Miracoli-Soße.
  • Auffallend schon in der ersten Hälfte: Birgit Prinz reicht eine Leistung ein, die in etwa an jene von Michael Ballack letzte Saison bei Leverkusen gemahnt. Ich würde die nächsten Tage allen Anrufen von Jogi aus dem Weg gehen, wenn sie diese WM noch spielen will. Beste Spielerin bis zu diesem Zeitpunkt: Melanie Behringer. Das schreibe ich zwar wahrscheinlich jedes Spiel, aber es liegt diesmal auch verdammt nah an der Wahrheit.
  • Zweite Hälfte: das sieht schon eher nach Überlegenheit aus, die Ahornblätter wollen nicht mehr so recht, unsere Damen erzwingen Chance um Chance. Highlights: Klopfer läuft dem Ball nicht hinterher, weil sie meint im Abseits zu stehen. Mädchen, da rennt man einfach los und wenn der Schiri pfeift, mault man den an und regt sich auf. Also ehrlich, das kann man sich doch von den Kerlen abgucken! Garefrekes macht es besser und imitiert Gomez in seiner längst verdrängten, mir aber gerne im Gedächtnis haften gebliebenen Szene gegen Österreich. Sogar der lahme Kommentator erkennt die Parallele.  Ich für meinen Teil bin ganz aufgeregt, weil ich auf dem Nicht-HD-Fernseher meines Bruders dauernd Melanie Behringer mit Alexandra Popp verwechsle und bei jeder Torchance „MEEEEEELAAAANIEE“ schreie.
  • 71. Minute: der Bruch im deutschen Spiel. Behringer geht, Bajramaj kommt und spielt fortan wie Eintracht Frankfurt gegen Ende der letzten Saison. J’accuse, ich klage an: WESHALB MUSSTE BEHRINGER GEHEN? WESHALB??? Keine Flanken, keine Läufe, keine kraftvollen Abschlüsse, es kommt zu wenig, das Spiel wird zu bequem. Laudehr trifft die Latte, mehr ist nicht. Stattdessen, mitten in die üblicherweise von den Deutschen dominierte Schlussphase, das 1:2 per Freistoß. Sinclair überwindet Angerer, die so angesäuert wirkt, dass selbst Oliver Kahn sich in seine Kuschelecke geflüchtet hätte.
  • Zitternd vergehen die letzten Minuten, ehe endlich der Abpfiff ertönt. 2:1. Ein Sieg, aber kein triumphaler. Ich sehe da jetzt keine Welle, auf der wir triumphierend bis ins Finale getragen werden. Die Französinnen haben gerade mal ein Tor weniger, die Nigerianer auch nur zwei. Mein Tipp an Frau Neid: Behringer durchspielen lassen, Popp vorne rein, Klopfer ebenfalls. Und Auswechseln ist für Weicheier.


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