Uruguay – Deutschland 2:3

Vorbericht

  • Juhu, wieder Fußball! Och nö, die Partie um Platz 3. Auch bekannt unter den Namen: Spiel um die goldene Ananas oder Spiel, auf das Philip Lahm schon am Mittwoch keine Lust mehr hatte. Der Sinn und Zweck dieser Übung verbleibt mir ja weiterhin im Dunkeln. Bekommt der Gewinner eigentlich etwas? Eine Bronzemedaille zum Herumschwenken? Einen Wangenkuss von Sepp Blatter? Oder einmal einen Köpper vom Sprungbrett im Geldspeicher der FIFA?  2006 ging das ja in Ordnung, unsere Jungs hatten mehr erreicht als unter Klinsmann erwartet, zum Schluss haben wir im heimischen Gottlieb Daimler-Stadion den Cristiano Ronaldo noch ein paar Mal auf dem Rasen abgelegt und mit 3:1 gewonnen. Aber jetzt? So viele Meilen von der Heimat weg, wieder mit Vuvuzela-Tröten in den Ohren und höchstwahrscheinlich mit ganz neuen Spielkameraden im Aufgebot – da kann man schon unlustvoll werden.
  • Sicher, es gibt Menschen, die wollen Mario Gomez mal von Anfang an spielen sehen. Hauptsächlich Mario Gomez und seine Familie, würde ich mal ahnen wollen. Desweiteren wohl Wiese im Tor, der aus reiner Boshaftigkeit (Interpretation Wiese) bzw. Reizpunktsetzungstaktik (Interpretation Löw) zur Halbzeit durch Butt ersetzt werden dürfte; Aogo, Tasci und Badstuber brauchen sicherlich auch mal Auslauf. Fraglich ist, ob Klose mit auslaufen kann – dem Mann würde ich noch 1 bis 2 Törchen gönnen, um ganz vorne in der ewigen WM-Torschützenliste zu stehen. Beten wir also, dass die Wirbelsäule hält. Thomas Müller muss ebenfalls spielen und am besten eher mäßig, damit ich mir nicht mehr einrede, dass der alleine uns ins Finale hätte schießen können.
  • Der Uruguayer hingegen ist beileibe nicht so erfahren im An-der-Trophäe-Schnüffeln wie wir und dementsprechend mehr motiviert. 1970 hat er gegen uns den dritten Platz durch ein 0:1 verloren und trauert dem wohl immer noch nach. Genügsame Burschen, mag man denken, aber wenn der letzte Titel schon 60 Jahre her ist, freut man sich über alles. Als Schalke-Fan kann ich das nachvollziehen. Die Fans fahren dort unten eh schon seit einer Woche Autokorso, ziehen sich Forlan-Stirnbänder über den Kopf und wehren Fußbälle ohne behandschuhte Finger vor der Torlinie ab.
  • Unsicher scheint der Einsatz von Diego Forlán, weiterhin verletzt ist Nicolás Lodeiro. Wieder mitspielen kann hingegen Luis Suárez. Und wenn ich noch hinzufügen dürfte: das ist mir alles ziemlich egal. Ich wollte die Namen nur einmal richtig mit dem korrekten Akzentzeichen über dem a geschrieben haben.  Hauptsache bleibt, dass sich unsere Jungs ordentlich verabschieden und nicht zu geknickt nach Hause fahren.

Nachbericht

  • Wieder Trizeweltmeister! Und diesmal habe ich mir auch gemerkt, was man für den dritten Platz bei einer Weltmeisterschaft bekommt: einen neuen Bundespräsidenten, der Medaillen verteilt (ab wann gibt es dann eigentlich eine neue Bundesregierung?), eine geschüttelte Hand vom Blatter Sepp und zum guten Schluss eine dicke Umarmung von Onkel Theo. Was hat der Zwanziger am Ende so erwartungsvoll mit dem Bronzegehänge in der Hand auf den Jogi gewartet – und der hat nicht mal anständig zurückgedrückt! Für mich das Bild dieses Spiels.
  • Eine schöne Partie mit vielen Toren, dem richtigen Sieger und einem angenehmen Abschlussgefühl. Ich kann mich in den letzten Wochen nur an wenige Spiele erinnern, die so viele Treffer und Chancen auf beiden Seiten verteilt anzubieten hatten. Dabei kann Fußball doch so einfach sein: einen draufgepfeffert von Schweinsteiger, kleiner Torwartbock und abgestaubt durch Müller. Eine Flanke, großer Torwartbock und ungewollt aussehender Kopfball von Jansen. Ein Eckball, Tohuwabohu mit zauderndem Torwart im Strafraum, hübsch vollendet mit Einnicktrick von Khedira. Man mag sich fragen, ob die Urus nicht vielleicht doch mit Suarez im Tor hätten spielen sollen…
  • Natürlich haben wir auch den Uruguayer mitspielen und Tore schießen lassen. „Ballverlust im Mittelfeld ischt strengschtens zu vermeiden“, würde Jogi sagen. Warum, sah man beim 1:1: einmal dem Schweinsteiger den Ball weggegrätscht und hinten war die Abwehr entblößter als das Pärchen im Biologie-Sexualkundebuch. Für das künstlerische Highlight schließlich sorgte Diego Forlán mit einem tückischen Direktabnahmeaufsetzer-Dingens (und einem Freistoß an die Latte in allerletzter Sekunde, aber das wäre dann auch zuviel des Guten gewesen).
  • Was bleibt? Wir waren verdammt gut. Haben 16 Tore erzielt und damit die lasch gestartete WM-Party erst richtig in Schwung gebracht. Haben zwei Mannschaften aus dem Turnier geholt, die ich nicht als Weltmeister hätte sehen wollen. Alt (Klose) und jung (Müller) haben gezeigt, dass sie wissen, wo das Tornetz hängt. Und wenn wir bis zum nächsten Turnier dem Özil eine Spritze mit Torgefährlichkeit verpasst haben, kann sich der Rest der fußballspielenden Welt ganz schön warm anziehen. Danke Jungs, es hat richtig Spaß gemacht mit euch!

Deutschland – Spanien 0:1

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Was will er denn überhaupt, der Spanier? Von Null auf Hundert gleich alle Titel einheimsen? Erst Europameister und nun Weltmeister? So geht’s aber nicht. Stück für Stück ans Glück, lautet das Motto. Unsere Jungs mussten 1998-2002 auch durch ein Tal der Tränen wandern. 02 Vizeweltmeister, bei der EM 04 blamiert, Trizeweltmeister 06 im eigenen Land, Vizeeuropameister 08 und jetzt bietet sich als Belohnung für die ganzen Mühen einfach mal als Steigerung das kollektive  Trophäe-in-den Abendhimmel-Schwenken am Sonntag an. Der Iberer hingegen hatte zugegeben auch seine Durststrecke, aber nun torkelt er wie ein Lottogewinner in die Annahmestelle rein, legt den Schein auf den Tisch und ruft: „Fräulein, dasselbe bitte nochmal!“. Das kann doch einfach nicht klappen. Dem Franzosen ist bekanntlich das Double 1998 und 2000 in umgekehrter Reihenfolge gelungen, aber man sieht ja, was daraus geworden ist.
  • Mein persönliches Verhältnis zum Spanier ist zwiegespalten. Gerne erinnere ich mich, wie er mir 2008 in der Vorrunde durch einen völlig unnötig gewordenen 2:1-Sieg gegen Griechenland über 210 Euro in die Tippkasse spülte. Da verzieh ich ihm sogar das 1:0 im Finale gegen uns, weil wir in den 90 Minuten ehrlich gesagt auch ziemlichen Mist auf dem Rasen verteilt hatten. Aber 1984 vergesse ich den sonnengebrannten Strandtänzern nicht! Das war die erste EM, die ich als Fan bewusst miterlebt habe (1980 war ich gerade 9 Jahre alt und schwer von meiner Lustiges-Taschenbuch-Abhängigkeit wegzukriegen) und ebendort kickten uns die Spanier in der Vorrunde raus. IN DER VORRUNDE! Ich seh noch vor mir, wie der Kopfball eine Minute vor Schluss am Schumacher Toni vorbei ins lange Eck fliegt. Der Toni war damals mein Held, hatte im Spiel einen Elfer gehalten, ein Unentschieden hätte uns gereicht, das konnte man doch nicht machen! Europameisterschaften waren für mich von da an scheiße.
  • Doch zurück ins Hier und Jetzt. Fernando Torres, der derzeit sympathischste Neben-Sich-Her-Läufer der Spanier, quasi der Gegenentwurf zu unserem Weltklasse-Klose, soll angeblich nicht spielen. Gemein! Dahin ist meine Taktik, David Villa in Manndeckung nehmen und den Torres halt einfach vogelwild rumlaufen zu lassen. Dank frischer Informationen aus dem kicker kann ich dem Jogi aber direkt den nächsten Knaller anbieten. Ich zitiere folgende Sätze aus der aktuellen Ausgabe (Seite 32, letzter Absatz): „Nach dem Training im Quartier in Potchefstroom hat er über Skype (Videotelefon) regelmäßig Kontakt mit den Töchtern Zaida und Olalla. Ansonsten habe er ja den Blockbuster „Lost“ im Gepäck.“ Für mich als Kenner der Serie wäre die Sache damit klar: bei einem harmlosen Plausch im Strafraum in Erwartung einer Ecke plötzlich knallhart und unvermittelt das Finale der Show nacherzählen! Notfalls in Spanisch. Der Hansi könnte auch Texttafeln bemalen oder den Stadionsprecher bestechen: „Una información importante por señor David Villa: el final del Lost no bien. Mucho mysterio existencio“. Davon erholt sich der Stürmerstar garantiert nicht mehr („Que? NOOOOOOO!“), der trauert doch mindestens 90 Minuten den ganzen ungeklärten Mysterien nach. So wie ich damals Ende Mai.
  • Bei uns im Kader ist derweil der Platzhirschkampf ausgebrochen. Ballack gegen Lahm. Beide wollen Kapitän sein. Tja, die beiden mit kapitalen Achtendern, das stelle ich mir schon als leicht unfaires Duell vor. Dem Philipp mit seinem kleinen Kopf würde doch bestimmt jedesmal das Geweih abrutschen. Unser aller Lieblingsmüller hingegen darf gar nicht mitspielen, statt seiner läuft wohl Piotr „Muss schießen!“ Trochowski auf. Vielleicht gar keine schlechte Idee, der Iker Casillas im Tor schien mir nicht so sicher drauf zu sein. Soll an seiner Liaison mit einer spanischen TV-Journalistin liegen (kicker, Seite 31, erster Absatz). Sensationell, was man so alles erfährt. Der Hund von Xavi heißt übrigens „Tor“. Auf spanisch oder deutsch stand nicht dabei.
  • Der Spanier ist kein Engländer und auch kein Argentinier, würde Kaiser Franz in seiner unglaublichen Völkerunterscheidungssicherheit sagen. Der Spanier ist eingespielt, kennt die Laufwege seiner Muchachos, steht hinten geordnet und vorne kurzpasst er seinen Gegner ins Koma, wenn man ihn lässt. Aber Jogi ist vorbereitet. „Laufen, laufen, laufen“ heißt erneut das Motto. „Ein frühes Tor hilft immer. Druck aufbauen im Mittelfeld. Chancen effizient nutzen. Und wenn alles nichts bringt, ziehe ich meinen blauen Glückspullover an und bohre das ganze Spiel konzentriert nach Nasengold“.
  • Gerade fällt mir ein, dass ich ja am Boden zerstört sein muss. Denn der Kraken-Paul, das WM-Orakel hat einen Sieg der Spanier vorhergesagt. Das ist doch erbärmlich, dass man an so etwas glaubt. Das arme Viech hat doch keine Ahnung von Fußball. Hat stundenlang herumgeeiert, um das Weiterkommen gegen Argentinien vorherzusagen! Das wusste ich nach drei Minuten! Wir leben in einer modernen Welt, Vorhersagen gehören doch in die Zelte von herumwanderndem Gesindel auf dem Jahrmarkt. Streng davon zu trennen sind natürlich sich wissenschaftlich verfestigende Tendenzen. Wie zum Beispiel jene, dass heftiges Drücken des flattr-Buttons hier unten sich wohltuend auf die deutsche Spielsouveränität auswirkt (wenn das wirklich diesmal wieder klappt und ich die Krake aus dem Rennen schmeiße, setze ich für das Finale eine 100 flattr-Punkte-Untergrenze).

Nachbericht

  • Aus und vorbei. Der Kraken-Paul hat doch mehr Ahnung als ich. Unsere Jungs sind vom alten Kampfpudel Puyol aus dem Turnier gebissen worden und ich kann leider nicht einmal behaupten, dass es unverdient gewesen wäre. Die DFB-Elf kam mir heute vor wie eine Rockband, die monatelang in der Garage geübt, danach drei großartige Auftritte auf Festivals hingelegt hat und nun auf der Bühne von „Rock am Ring“ steht und zitternd versucht, die geilen Songs von hastig beschriebenen Notenblättern nachzuspielen. Zu respektvoll, zu verkrampft, nicht frech, sondern gehemmt und unkeck. Und Fußball mit respektvollem Krampf im Bein ist wie nach Noten gespielter Rock’n’Roll: damit kommst du nicht an die Spitze.
  • Schon die ersten 15 Minuten roch es nach Ernst-Happel-Stadion in Wien vor knapp 2 Jahren. Diesen Pedro statt dem Torres zu bringen war aber auch wirklich eine Gemeinheit von del Bosque; den hätte ich viel früher ausgewechselt. Aber als Deutscher hatte ich da ja kein Mitspracherecht. Um die 60. Minute brannte es hinten bei Neuer, zu dem Zeitpunkt betete ich schon für ein deutsches Fernschusswunder, weil sonst wohl nichts beim Spanier reingehen würde.
  • Kroos hätte es machen können. In der 69. Minute. Wäre nicht verdient gewesen, aber egal. Ich hätte es überwinden können. Eine gute Flanke von Podolski, der Toni haut aber nicht satt genug drauf, sondern schießt auf Iker Casillas, der wieder erschreckend wenig zu tun bekam. Wie 2008. Sogar das Ergebnis stimmt mit dem von damals überein. Mist.
  • 78. Minute. Ein großes Wehklagen durchzieht deutsche Wohnzimmer und Public Viewing-Stätten. Der Kommentator hat soeben den Namen erwähnt, der kollektive Hoffnungslosigkeit verbreitet. Gefühlte 732 Mal haben wir in der Bierwerbung gesehen, wie er sich mit dem Kopf gen Ball reckt und der arme dunkelhäutige Verteidiger zu spät kommt. Sein Name: Mario Gomez Garcia. Drei Minuten später ersetzt er Khedira. And then there was nothing. Und es ward nichts. So fühle ich mich derzeit auch im Inneren. Glückwunsch Spanien. Ihr habt es spannend gemacht (vor allem erwähnter Pedro noch mit sehenswerter Großchancenverstolperung). Jetzt werdet halt Weltmeister.


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Argentinien – Deutschland 0:4 (in Worten: null zu vier!)

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Unsere Jungs gegen Diego. Den Armando. Den Maradona. 2006 lautete das Duell noch Kaiser Franz vs. Maradona und fand auf der Ehrentribüne des Berliner Olympiastadions statt. Damals war der Ozzy Osbourne des Weltfußballs nur als Zaungast in Deutschland unterwegs und unterlag schmachvoll gegen unseren Kaiser in der Königsdisziplin Anwesenheit im Stadion. 1 Kaiser, o Maradona.  Was zugegebenermaßen den riesigen Nachteil hatte, dass er das Ausscheiden seiner Landsleute nicht dekorativ für die Kameras beweinen konnte. Heute dürfte es daran nicht scheitern. Kameras müssten reichlich vorhanden sein, die Tränen dann so ab 17:50 Uhr.
  • No hay nadie. Es ist niemand da. Immer wieder wiederholt das spanischsprechende Zimmermädchen diesen einen Satz und versucht beruhigend auf den kleinen dicken Mann im Kleiderschrank einzuwirken. Si!,  stöhnt die aufgeregte Stimme, aquí estádoch, da ist er! Ein zitternder Finger streckt sich aus dem beschützenden Dunkel und zeigt Richtung Badezimmer. El alemán, el diablo, el GUIDO!!! Der Deutsche, der Teufel, der Guido!!! Und in der Tat lacht dem Betrachter aus der Duschkabine der kicker-Starschnitt des Weltmeisters Guido Buchwald aus dem Jahre 1990 entgegen. Jener Buchwald, der Maradona im Finale 1990 in Manndeckung nahm und nicht mal auf dem Weg zur Dopingkontrolle alleine ließ. Acht Worte hatten sich damals dem argentinischen Superstar ins Gehirn gebrannt, acht Worte, für die er die ganze deutsche Sprache verdammte, acht Worte, die Buchwald immer gluckste, wenn er auf ihn traf: „Hallöle, heit bischd a glois bissle langsam, gelle?“
  • Die neue Psychotaktik von Joachim Löw verfehlt ihre Wirkung nicht. Ein vollkommen verwirrter Maradona verkündet in der letzten Pressekonferenz vor dem Spiel (die Löw zuvor komplett in Schwäbisch abgehalten hatte), dass Superstar Messi wie damals 2006 auf der Bank Platz nehmen wird. Offizielle Begründung: Schonung und flexible Reaktionsmöglichkeit im Falle einer deutschen Führung. Die Wahrheit sieht anders aus – Liebling Lionel soll Guido von der Trainerbank wegtreten, falls dieser dort auftauchen sollte. Selbst erscheinen wird Buchwald nicht, doch Hansi Flick hält den kicker-Starschnitt stets griff- und einsatzbereit.
  • Falls es doch nicht so kommen sollte, bräuchten wir jemand, der Messi auf die Goldfüße tritt. Khedira? Schweinsteiger? Beide gleichzeitig? Jeder ein Fuß? Wäre vielleicht besser. Für das Angriffsspiel langt unter Umständen ja wieder ein weiter Abschlag von Neuer, den Klose dann einnickt, eingrätscht oder sonst wie über die Linie bugsiert. Alternativ wuselt sich Özil durch und findet hoffentlich einen Abnehmer für seinen tödlichen Pass nach innen, denn so sehr ich den kleinen Türken auch mag, ich will den nicht nochmal allein auf den Torwart zulaufen sehen.
  • War der Argentinier die letzten Spiele wirklich so toll? In der Vorrunde schnell durch dank den Siegen über Nigeria und Südkorea, im Achtelfinale 3:1  gegen Mexiko mit Abseitsdusel, einem nach einem Tor schreienden Aussetzer von Osorio und schließlich einem Weitschusstor. Da haben wir drei Gegenmittel: Arne Friedrich, der keinen Gegenspieler so ganz alleine lässt, Philipp Lahm, der alle Aussetzer korrigiert und Manuel Neuer, den man erwiesenermaßen nicht mit einem Fernschuss überlisten kann (und wenn doch, geht der Ball niemals über die Linie). Ich sehe ganz klare Vorteile für uns.
  • Ach, und sollte es doch nicht klappen, schieben wir es einfach der Bundeskanzlerin in die Schuhe, die sich ja als Glücksbringerin angekündigt und bereits jetzt ihre beiden besten Gesichtsausdrücke eingeübt hat. Tief empfundene Euphorie und leichte Geknicktheit. Leider kennt bis auf sie selbst niemand den Unterschied. Wie auch immer: ich sehe der Sache entspannt entgegen. Verlieren können wir nix mehr, wir haben den Engländer gedemütigt nach Hause geschickt, sind jetzt schon länger dabei als Italiener, Franzosen und Brasilianer. Wenn wir es nicht werden, soll es halt der Spanier machen. Oder der Uruguayer. Weitere Kandidaten gibt’s ja nicht.

Nachbericht

  • WRINGT MICH AUS, ICH QUELLE ÜBER VOR GLÜCK!!! 4:0!! VIER ZU NULL!!! VIER TORE FÜR UNS, KEINS FÜR DEN ARGENTINIER!!!! DIE FINDEN DEN WEG NICHT MEHR ALLEINE NACH HAUSE, SO RUND HAM WIR DIE GEMACHT!!!
  • 3. Minute: der Gaucho hat noch nicht mal seine Streifen richtig sortiert, da nickt der Müller schon ein. Müller, du alter Blitzschopf! Der Zopf von Sergio Romero hingegen fliegt traurig ins Leere. Wir haben nach Tausenden ins Leere gehubelten Bälle einen Standard reingemacht, ich werd‘ nimmer! Maradonas Gesicht fällt in die Feldherrenstarre, so Stilrichtung später Napoleon kurz nach Beginn der Schlacht von Waterloo, als ihm die ersten Soldaten schweigend vorwurfsvoll ein paar Gliedmaße vor die Füße legten.
  • Wo der Argentinier auch ist, der Deutsche ist schon da. Quasi der Guido Buchwald von 1990 als Kollektivversion ins Jahr 2010 gebeamt. Nix kriegt die Albiceleste hin, absolut rein gar nix. Klose haut eine Riesenchance drüber, aber da stelle ich den Tor-Countdown schon runter auf 1, denn wir wissen ja: einen braucht der Miro immer für die Justierung. Kurze Zeit darauf kriegt Müller eine gelbe Karte. Unschön, das hätte nicht sein müssen, das war doch keine böse Hand, Herr Schiri! Halbzeit. Hat Neuer eigentlich was zu tun gehabt? Jetzt außer Messis zu hoch angesetzten Schüssen nachzugucken?
  • Zweite Spielhälfte: Maradonas Jungs wollen, die Deutschen lassen sie eher, ich knabbere mir einen Satz Fingernägel weg. Wo bleibt denn der England-Konter? Wann zieht Özil von dannen? Wann schießt Podolski einen Unmöglichen rein? Stattdessen fängt Neuer an, Schüsse einzufangen. Muss auch deprimierend für die Zauberfüße sein, dass alles Abgefeuerte sicher in den Handschuhen landet.
  • 68. Minute: Müller im Liegen (ich muss mir schon wieder eine Portion Gerd-Müller-Nostalgie aus den Augenwinkeln reiben) zu Podolski, der rüber zu Klose, der das Ding noch vorschriftsmäßig stoppt und dann über die Linie schiebt. Da hätte er wie damals Rummenigge auch noch auf den Boden sinken und ihn mit dem Kopf rüberstuppen können. Aber so ist er ja nicht, der Klose. Ich befürchte, dass Messi und Co jetzt ganz aggressiv auf Ball und Knochen gehen.
  • 73. Minute: Kein gescheiter Angriff entgleitet den gegnerischen Füßen, stattdessen tanzt Schweinsteiger ein paar Verteidigerbeine aus, legt flach rein und unser neuer Verteidigergott himself, the Arne, the Friedrich macht das 3:0. Noch kein Treffer im Nationalhemd erzielt und heute frisch mal damit angefangen. Hat sich wohl hinten gelangweilt, der Arne. Weil Mertesacker diesmal klasse drauf ist und abräumt. Maradona guckt wie zwei Tage altes Graubrot. Das war’s dann wohl, jetzt mit heilen Knochen und ohne Karten rauskommen.
  • 88. Minute: Ach komm, einen hauen wir noch rein. Das Wetter ist heute ja auch recht angenehm für dieses Trainingsspiel- GEGEN ARGENTINIEN! Flanke Özil und Klose vollendet lässig samt Salto, als würde er eine frische Packung Chips aufmachen. 14. Weltmeisterschaftstor für Miro. So viele wie der Gerd. Dass ich das noch erleben darf – um den Gerd live mitzuverfolgen war ich ja noch zu jung. Ja, zu jung. So lang ist das schon her.
  • Ich habe soeben beschlossen, dass wir jetzt Weltmeister werden. Jawoll. Einspruch abgelehnt. Wir ziehen das jetzt durch. Spanien ist nur Zwischenstation. Und der Holländer wird im Finale wieder an Müller verzweifeln, wie schon 1974.
  • Ein letztes Wort noch: sehr fair, wie die Argentinier die Party, äh, die Partie zu Ende gebracht haben. Wir waren heute einfach zu gut und das wurde respektiert. Deshalb spar ich mir jetzt weitere Witze auf Kosten von Diego Maradona. Der dürfte für die nächste Zeit eh bedient sein.


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Deutschland – Australien 4:0

Vorbericht

  • Jetzt geht’s los. Natürlich drängen sich viele Fragen auf: sind wir zu jung, sind wir zu brav, sind wir zu unerfahren? Fehlt da nicht einer, der mal seine Mitspieler anschreit, den Schiri bedrängt, Härte ins Spiel bringt? Bei dem Lahm kann ich mir das nicht so recht vorstellen. Dessen schwierigste Situation war es doch seinerzeit bei Bayern unter Klinsmann, sich nach dem Spiel ans Mikro zu stellen und Durchhalteparolen zu säuseln.
  • Ein fiktiver Blick in die deutsche Kabine vor dem Spiel gegen Australien: Miro Klose hat die Kopfhörer ins Ohr gestöpselt. Von dem Rest der Meute schon als Turnier-Opi gehänselt, widmet er sich voll und ganz dem vom Kaiser persönlich eingesprochenen Hörbuch „Jagut..äh –  Wenn WM war, konnte der Klose ja praktisch immer„. Marko Marin nuckelt an seiner Kaba und liest das Lustige Taschenbuch. Manuel Neuer beschwert sich bei Jogi, dass der fiese Wiese ihm schon wieder Milchschnittenfüllung in die Handschuhe getan hat.  Piotr Trochowski muss erneut diversen Hollywoodstars schreiben, die ihn vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina sahen, als er sich gemeinsam mit Lahm bei Neuer untergehängt hatte, dass er nicht adoptiert werden möchte.
  • Mein Liebling ist der Helmut, auch genannt Cacau. Der lacht immer freundlich und auch wenn es mal nicht läuft, denkt er sich als gläubiger Christ: „Der Herr gibt’s, der Herr nimmt’s“. Die Einstellung hätte ich auch gerne. Ein bisserl Angst habe ich um die Abwehr, Per Fußballgottesacker war da zuletzt nicht ganz so souverän. Müssen wir unser Heil eben in der Offensive finden, am besten mit der Achse Schweini-Poldi-Klosi – wie damals 2006.
  • Der Australier ist klarer zu erfassen. Er ist zäh, läuft ohne Unterlass und setzt seinen Körper ein, von dem er auch reichlich hat. Vorne allerdings ist er harmlos wie ein Känguruh-Baby. Ich denke mal, ein frühes Tor für uns und wir können alle beruhigter dem Treiben zuschauen. Das allerdings wird der Schwarzer im Kasten der Aussis verhindern wollen.
  • Interessanter Fakt: die Australier gelten qualifikationstechnisch als Asiaten und nicht als Ozeanier. Der Gruppensieger dort (Neuseeland) muss in jedem Fall ein weiteres Spiel gegen einen der beiden Drittplatzierten der Asien-Gruppe bestreiten. Der Aussi hingegen als Gruppensieger Asiens durfte entspannen und direkt die Tickets buchen. Soviel als Einblick in die Sahelzone der WM-Qualifikation.
  • Ich hoffe doch stark, dass sich die Socceroos gegen uns nicht eingraben. Denn eigentlich müssten sie aus Erfahrung wissen, wo sie in dem Fall wieder rauskommen.
  • Ich hab meine erste offizielle Beflattrung erhalten und fühle mich gerade wie Ghana. Vielen Dank, bullion!

Nachbericht

  • Ham wa die Australier vom Feld gehobelt oder nicht? HAMMER! Dabei begannen unsere Jungs in den ersten Minuten eher hüftsteif. Keine Minute gespielt, da steht der Australier im Strafraum. Kurz darauf darf er sogar schießen! Der erste Griff zum Herzmittel ist unausweichlich.
  • Die erste Chance durch Klose. Vogelwildfrei steht er und bugsiert den Ball dem Schwarzer wie auf dem Tablett in die abwehrbereiten Füße. Ich springe das erste Mal auf und lege ein Trampelsolo aufs Parkett. Den musst du doch machen, Miro!
  • 8. Minute: Özil Zuckerpass, Müller himmelsgleich schön auf Podolski mit seiner anbetungswürdigen Schusstechnik und -wusch- 1:0. Frühes Tor, alles wird gut, der Blutdruck kann sich bald auf sinkende Werte einstellen.
  • 24. Minute: Wieder hadere ich mit unserer Sturmspitze. Wie gemalt streichelt Poldi den Ball rein, ich will dem Klößchen schon für den eingesprungenen Jubelsalto in Hilfestellung gehen, da semmelt der das Ding neben die Kiste.
  • 27.Minute: Mit dem Kopf geht’s immer. Lahm flankt, Klose hält die Rübe rein, Schwarzer segelt mit voll beflaggtem Mast vorbei. 2:0. Das Herzmittel kann zurück ins Badezimmerschränkchen, die Nummer ist gelaufen.
  • Noch ein paar weitere Chancen für die DFB-Elf, aber mehr muss im Moment gar nicht sein. Geht ja nicht drum, die meisten Tore in der Vorrunde zu schießen. Sonst wären die Holländer seit Jahren schon Weltmeister.
  • Bela Rethy mit einem gelungenen Scherz. Redet zuerst von der U21, der gewonnenen Europameisterschaft und führt dann aus: „…die jüngste Mannschaft seit 1934. Khedira war damals auch schon dabei“. Ohne jetzt nachgooglen zu müssen – das wage ich stark anzuzweifeln. In der Halbzeitpause lässt Müller-Hohenstein den Reichsparteitag raus. Sicherlich, um von diesem Patzer abzulenken.
  • Die rote Karte für Cahill war übertrieben, da sind wir uns wohl alle einig. War der Schiri, der an einer deutschen Schule unterrichtet, doch ein bisschen zu freundlich zu uns. Hätte gar nicht sein müssen.
  • 68. Minute: Müller mit dem 3:0. In Halbrücklage links unten rein wie 1974 der Gerd im Finale gegen die Holländer. Nun muss das Taschentuch her, um ein paar Nostalgietränchen aufzufangen.
  • 70. Minute: jetzt darf auch Helmut. Mein Lieblingsspieler! Wer auch immer bei den Aussis für die Raumaufteilung zuständig ist, er lässt netterweise Lücken in der Größe ihres Kontinents.
  • Insgesamt ein überragendes Spiel unserer Jungs. Ich könnte ihnen allen in die Arme fallen. Was für Pässe, was für Flanken, das hast du bei dieser WM noch nicht gesehen. Der Australier kann schon praktisch nach Hause fahren. Wir machen hier nun alle rund! So. Ich gehe jetzt auf diese Seite und drehe noch ein paar Schleifen. Heut nacht wird gehupt, da kommt keine Vuvuzuela mit.