Uruguay – Niederlande 2:3

Vorbericht

  • Schiedsrichter-Ikone Walter Eschweiler ist in Aufruhr. Seit Beginn der WM hatte sich der Fußballgott nicht bei ihm gemeldet. „Afrika ist nicht so meine Baustelle“, hatte er offiziell zu Protokoll gegeben und sich als Vorbereitung für die nächste EM seinem neuen Lieblingshobby, den lustigen Spielmanipulationen in den unterklassigen polnischen und ukrainischen Ligen, gewidmet. Pünktlich zu den Halbfinalspielen klingelte nun aber doch das rote Telefon: „Sitzung heute nachmittag. Bin ernsthaft sauer“ lautete die knappe Anweisung.
  • „Mein Gott Walter, wie lange isses denn noch?“
    „Nun, Eure Ballherrlichkeit, wir haben zwei Halbfinals, ein Spiel um den dritten Platz und das Finale. Was hat Euch denn so erzürnt, dass Ihr nun eine Einmischung anordnet? War es die frühe Heimreise der Favoriten? Das Scheitern der Superstars aus der NIKE-Werbung? Die fehlenden afrikanischen Mannschaften im Halbfinale? Das kleine, dicke, weinende Maradona?“
    „Walter, alter Schwarzkittel, das ist mir doch Latte wie Pfosten. Über den Maradona habe ich sogar selbst kichern müssen. Aber der Uru, der Uru, das…, das ist ein Spitzbu! [Der Fußballgott hatte die Jahre zuvor so ziemlich alle saarländischen Mannschaften absteigen lassen und dabei den Dialekt gelernt; Spitzbu bedeutet in etwa kleiner, ungezogener Junge] Wie der sich durchs Turnier geschlichen hat, das geht nicht an! Da muss man was gegen tun! In einer Pille-Palle-Gruppe Erster geworden, dann gegen fußballerisches Mittelmaß wie Südkorea nur knapp gewonnen und schließlich den Ghanaer im Elfmeterschießen verhohnepipelt. Hast du den Suarez gesehen, wie der erst mit beiden Händen den Ball von der Linie schaufelt und sich danach grinsend von seinen Leuten feiern lässt? Wenn die ins Finale kommen, schieben die MIR das noch in die Schuhe. Kennst ja die Südamerikaner. „Hand Gottes, Wille Gottes, Querbalken Gottes“ und der ganze Kram. Ich muss auch an meinen Ruf denken!“
  • „Ja nun, wie soll es denn laufen, Eure Fußballhoheit?“
    „Okay, Walter, schreib in die Mannschaftsakte: schnelle 2:0 Führung durch Diego Forlan. Unspannendes Ballhalten und -rumgeschubse bis zur 87. Minute. Eigentor zum 2:1. Was ganz Unglückliches, aber auch was zum Lachen. Vollspann vom Verteidiger in den Winkel, so was in der Richtung. 94. Minute: gleich noch ein Eigentor. Vom selben Spieler! Verlängerung. 121. Minute: Robben zieht nach einem Pass auf die rechte Seite nach links Richtung Strafraum, schießt, Ball klatscht an den rechten Innenpfosten, tänzelt schnurgerade über die Linie, touchiert den linken Innenpfosten, prallt an den Popo des am Boden liegenden Torwarts und trudelt infolge eines unerklärlichen Flatulenzanfalls von Muslera ins Tor. Fertig. Der erste eingepupste Siegtreffer der WM-Historie. In HD und Dolby Digital Plus.“
  • „Und wer gewinnt das zweite Halbfinale, oh Hüter von Ballhalla?“
    „Ich mochte ja den Neuseeländer. Zähe kleine Hobbitse. Haben zudem auch kein Spiel verloren. Mach den Neuseeländer ins Finale, Walter.“
    „Würde ich gerne tun, aber die Kiwis sind leider ausgeschieden, weil sie einen Punkt zu wenig hatten. Wir wär’s denn mit den Deutschen? Deren Kapitän wäre rein größentechnisch auch prima als Frodo durchgegangen“
    „Na gut. Von mir aus. Ist zwar langweilig, aber ich mag kleine Kämpfernaturen. Leg beim Rausgehen nochmal die Herr der Ringe-Blu-rays ein und mach die Himmelstür hinter dir zu“.
    Zufrieden trug Walter Eschweiler ein 5:1 der Deutschen gegen Spanien ein. Wieder hatte er für seine Jungens eine weitere Runde klar gemacht.
  • Interessantes, aber sinnfreies Detail – mit einem 3:0 heute könnte der Niederländer doch noch Südamerikameister werden. Bisher liegen wir glatt mit 4:0 vorn, die Oranjes haben bekanntermaßen erst ein 2:1 auf dem Konto. Wünschen wir ihm dafür alles Gute, denn Weltmeister kann er ja leider nicht werden. Unseretwegen.

Nachbericht

  • Ich dachte schon, der Fußballgott wäre wieder so mies drauf wie bei der WM 2006 und würde dem Uru ähnlich damals dem Italiener noch ins Finale helfen. War aber auch so leicht gemein; zweimal durfte der letzte Südamerikaner Endspielluft wittern, nur um letztlich wegen eines Robben-Kopfballs sein Ziel zu verfehlen (dabei ist Robben das Wesen des Kopfballs üblicherweise so fremd wie der kraftvolle Schuss mit dem rechten Spann). Sein Ziel erreicht hingegen hat der Niederländer – nach über 30 Jahren kann er endlich wieder im Finale einer Weltmeisterschaft hinter uns Vizeweltmeister werden. Dafür schon jetzt meinen herzlichen Glückwunsch!
  • Ein Spiel mit Toren aus dem Nichts. Giovanni van Bronckhorst, die alte Abwehreule, die normalerweise alles jenseits der eigenen Spielhälfte doch nur noch schwummerig sieht, zerrt einfach mal aus über 35 Metern einen oben in den Winkel. Beim ersten Hinschauen dachte ich mir noch: „Wie hat sich denn der Muslera die Gelenke verrenkt, dass er da nicht rankommt?“. Aber der Schuss war wirklich sauber, der Uru-Torwart hat nur zu lange staunend hinterher geschaut und so lange im Kopf „uiuiuiuiuiui“ gemacht, bis er zu spät kam.
  • Auch der Ausgleich unerwartet und per Distanzschuss via Diego Forlan. Ich hol jetzt nicht den Edwin aus der verdienten Rente, aber ein gewisser Herr van der Sar hätte den locker rausgefischt und als Matjes zwischen zwei Brötchenhälften eingearbeitet, egal wie der auch gezappelt haben mag. In dem Moment sind wahrscheinlich Podolski und Trochowski, unsere beiden Schussbolzen vom Dienst, sofort zum Trainer gerannt („Jogi, wir wissen, wie man den Holländer schlägt!“) und sind dann raus aufs Trainingsgelände, eiernde Bälle produzieren.
  • Der Uruguayer ist nicht mehr der Holzhacker von früher, das muss man sich eingestehen. Aber er erschafft doch noch erinnerungswürdige Szenen voller körperlichem Einsatz. Siehe die Steigerung des bekannten „Fallrückzieher am Mann“ durch die eingesprungene Figur „Fallrückzieher in den Mann“. In dem Fall die #14 der Elftal, Demy de Zeeuw. Auf meinem Fernseher sah es so aus, als würde dem armen Kerl das halbe Gebiss rausfliegen. Dabei war es nur ein Grasbüschel. Analoges Fernsehen regt halt anders als HD noch die Fantasie an.
  • Zweite Spielhälfte: einen so gemein und heimlich flach unten reingezwirbelt, dass die Abseitsfalle zu lange überlegen musste, ob sie nun zugeschnappt war oder nicht. Obendrauf das Kopfballunikat von Robben. Das schien’s gewesen zu sein. Aber einen durfte der Uru dann doch noch machen, die Nachspielzeit schien sogar extra lang, um ihn besonders verzweifeln zu lassen. Der gesperrte Suarez hat darüber diesmal bestimmt nicht lachen können.


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Niederlande – Slowakei 2:1

Vorbericht

  • Ich bin heute schon wieder so was von entspannt. Siege der deutschen Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften scheinen wirklich gesundheitsfördernd zu sein. Viererpack gegen Herzinfarkt, Müller-Tor beugt Hirnschlag vor, mit Miro Klose rockt die Hose, dank Poldi wieder auf die Oaldi. Nur zu Schweinsteiger fällt mir jetzt nichts ein.
  • Seltsames tut sich im Trainingslager der niederländischen Auswahl. Wenige Stunden vor dem Achtelfinale ließ Bonds-Coach Bert van Marwijk eher ungewöhnliche Übungseinheiten anordnen. Elfmeterschießen mit einer Orange auf dem Kopf, 100 Meter Langsam-Trotten, gemeinsames Bong-Reinigen, lockeres Danebensemmeln aus der Distanz und schmucklose Hackentrick-Fehlpässe. Arjen Robben, der wegen Unterforderung zu rebellieren drohte, erhielt umgehend den Hinweis, dass seine Schnelligkeit und Agilität im gegenwärtigen System keinen Platz hätten.
  • Zufrieden kehrt Marwijk nach erledigter Arbeit zurück in seinen beschaulichen kleinen Wohnwagen, zieht die Vorhänge zu und widmet sich seinem kleinen Geheimnis, das niemand erfahren darf. Eine Vinyl-Single der Gebrüder Blattschuss aus dem Jahre 1978. Damals, als seine Landsleute das letzte Mal in einem WM-Finale standen. Sanft legt er die Nadel des Plattenspielers auf die Rille und wartet auf seinen großen Moment: die Liedzeile, die er selbst umgetextet hat und immer tonlos in sich hineinschreit: HOLLANDS WM-TOUR WIRD LANG, HOLLANDS WM-TOUR WIRD LANG. ERST FANGEN WIR GANZ LANGSAM AN. ABER DANN. ABER DANN!
  • Der Slowake hingegen wundert sich. Ist er wirklich noch im Turnier? Hatten seine Kollegen nicht erst kürzlich gepackt? Nein, es war der Slowene, der leise Tschüss gesagt hatte und hoffentlich nicht in das falsche Land abgereist war – das wäre eine unangenehme Überraschung am Flughafen von Bratislava geworden. Robert Vittek, derzeit lustlos bei Ankaragücü in einem Leihgeschäft gefangen, weiß um seine Torjägereigenschaften: „Ich machen wie bei drei Tore vorher. Wir nicht spielen gut, aber ich schießen Tor und Sieg und alles gut“. Blöd nur, wenn der Gegner auf dem Platz  genau die selbe Taktik hat.

Nachbericht

  • 1:0 für Holland!„. „Ach Mist, das hab ich jetzt verpasst. Kannst‘ es mal beschreiben, ich hab doch dieses WM-Tagebuch, wo ich über die Spiele berichte“. „Also, der Robben kriegt einen langen Pass auf rechts, läuft, zieht nach innen, haut mit links drauf und drin ist das Ding„. „Ja, nee, is klar“. „Was denn? Genau so war’s!„. „Quatsch, du hältst mir wieder das Tor vor, dass er im Pokal auf Schalke erzielt hat“. „Glaub’s mir, genauso war’s. Der kann gar nicht anders„. „Ist gut, ich schau’s mir selber an. Danke für nichts“.
  • Ein Treffer und dann Spielkontrolle, Ballberuhigung, Passverwaltung. Nichts ist mehr mit dem ungestümen Sturm und Drang. Gestümes Abwarten, Malgucken und vielleicht kurz ein, zwei Chancen abliefern ist der aktuelle Trend im Fußball. Fast hätte es sich gerächt, denn die Slowakei ist zweimal frei im Strafraum, doch diesmal kriegt Robert Vittek das Tütchen mit dem Instant-Kill nicht auf, die Suppe bleibt unversalzen.
  • Fehler von Mucha (dessen Namen irgendetwas Beruhigendes hat, ich wiederhole den reflexartig, wenn ich ihn höre – Mucha), Kuyt legt rüber auf Sneijder, Mahlzeit. Beim Elfmeter von Vittek haben die Niederländer schon die Schlafanzughosen an. Schonen heißt es, denn als nächstes wartet wohl der Brasilianer. Der macht ja seit neuestem auch nicht mehr als nötig.

Niederlande – Japan 1:0

Vorbericht

  • Der Japaner versucht sich heute als Robbenfänger. Ich wollte jetzt gerade von der problematischen Beziehung des Asiaten mit dem Flossenfüßer anfangen, da fiel mir ein, dass der Japaner ja eher dicke Löcher in Wale bohrt als Robben hinterherjagt. Mit den tierischen Zeitgenossen befasst sich eher der Kanadier auf die unschöne Art. Hat der ein Glück, dass er nicht bei der WM mitmachen darf, dem würde ich was erzählen! Aber zurück zu Arjen. Gut möglich, dass der heute spielt. Würde mich freuen. Die japanische Abwehr hatte gegen Kamerun (KAMERUN!) ja so gut wie nichts zu tun. Reimt sich und schmerzt mich hinzuschreiben.
  • Von den Asiaten im Turnier hat mich der Japaner trotz seines Sieges am meisten enttäuscht. Frisurtechnisch machen die fast alle auf wilden Samurai bis harten Grungerocker (ganz im Gegensatz zum Nordkoreaner, der die Bum Kun-Cha-Einheitsfrisur aus den 80ern aufträgt), aber wenn der Ball in ihre Nähe kommt, wird’s handzahmer Kuschelrock mit stumpfem Taschenmesser statt Hattori Hanzo-Schwert. Wenn doch wenigstens der Neu-Schalker Atsudo Uchida auflaufen würde, damit ich dessen Spielkunst kritisch würdigen könnte.
  • Der Niederlande hat im ersten Spiel gegen Dänemark nicht überzeugen können. Aber gewonnen und darauf kommt es an. Hoffentlich liest von unseren Nachbarn im Westen niemand den vorhergehenden Satz. Er könnte das Geheimnis für den WM-Titel in sich tragen! Also, liebe Oranjes, spielt heute mal wieder jubeltoll und wunderbar – kann doch nicht sein, dass die Vorrunde ohne fußballerische Demonstration von Sneijder & Co. zu Ende geht.

Nachbericht

  • Direkt und offen heraus damit: mich hat das Geschehen auf dem Platz (es muss so nach 20 Minuten gewesen sein) in den Schlummer getrieben. Ich habe nur noch orangene und weiße Rechtecke gesehen und als ich aufwachte, erzählte Philip Lahm gerade etwas auf einer Pressekonferenz. Ich bin untröstlich. Hiro, reiche mir mein treues Harakiri-Schwert. Moment, da soll gar nichts passiert sein? Puh. Dennoch als kleine Entschädigung folgender kostenloser Rat, wie man 45 Minuten unterhaltsamer gestalten kann. Normalerweise bin ich ja nicht als WM-Spiele-Befasler, sondern US-TV-Show-Abhängiger unterwegs. Und in dieser Eigenschaft kann ich guten Gewissens sagen, dass die dritte Staffel von Breaking Bad richtig super geworden ist.
  • Ist das die neue Taktik der Niederländer? Abwarten, bis sich der Gegner selbst einen reinlegt? Zu meiner aktiven Torwartzeit hat mir das Lehrbuch von Sepp Maier folgendes beigebracht: Schüsse zur Seite abwehren. Wenn’s gar nicht anders geht, halt nach vorne. Ins Tor ist ganz schlecht.
  • Danach plötzlich der Japaner wie mit einem Toyota inklusive eingeklemmtem Gaspedal unterwegs und mit Okubo am Steuer. Die Orangehemden kontern, kriegen den Käse aber nicht ins Tor gebacken. Kurz vor Schluss gar eine Riesenchance für Godzillas Erben, aber wenn’s drauf ankommt, kriegt die Reisschüssel eben den Torwärtsgang nicht rein. Sieg für die Niederlande, die diese WM wirklich ernsthaft knacktrockenen Ergebnisfußball anbieten will. So werden die noch Weltmeister. Herr Marwijk, bitte hören Sie auf, hier drin mitzulesen!

Niederlande – Dänemark 2:0

Vorbericht

  • Montag, 8:30 Uhr: Arbeitgeberpräsident Dr. Dieter Hundt sitzt gramgebeugt an seinem Schreibtisch und schüttelt den Kopf. Sein Plan scheint nicht zu funktionieren. Dabei wollte er doch nur die deutsche Wirtschaft vor immensem Schaden bewahren. Was war er damals schockiert gewesen, als er hörte, dass der übergeschnappte Afrikaner während der WM sogar Spiele mitten in die schönste deutsche Kernarbeitszeit hinein übertragen wollte.
  • Flugs setzte er sich mit der renommierten Werbeagentur Schönfärb & Wort-Müll zusammen, die seine Kampagne als „fresh. wild. irresistible“ gelobt hatte. Er höchstselbst im Deutschland-Trikot, mit seinem gewinnendsten Lächeln, die  orange-rote Karte dynamisch dem Betrachter ins Gesicht haltend: „HOLLÄNDER? NICHT WÄHREND MEINER ARBEITSZEIT!“ 10 Millionen Aufkleber als BILD-Beilage, Premium Social Networking Guerilla-Marketing und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte sogar fest versprochen, bei der offiziellen Pressekonferenz als Frau Antje verkleidet mehrere kalte Platten mit Holländerwitzen zu servieren. Doch die einzige Reaktion bisher war ein Kommentar auf Facebook mit dem Inhalt „Hundt? Am Arsch! Nix da! Olé Olé Olé Olé Olé! Schalalalala!“
  • Vor dem Holländer brauchen wir seit unserer Lehrbuchvorstellung gestern Abend keine Angst mehr zu haben. Vielleicht höchstens, wenn er in der Vorrunde Käse spielen sollte. Dann nämlich hebt er sich die Sahne für die Ausscheidungsrunde auf – und dann wird’s gefährlich! Gott sei Dank ist er bisher noch nie auf diese Idee gekommen.
  • Arjen Robben, der Mann mit dem Teufel im linken Fuß, kann wegen seiner Verletzung noch nicht ins Turnier eingreifen. Stattdessen singt er im extra angemieteten Studio in Kapstadt die Hymne „Hoep Holland Hoep“ ein, deren Tonspur das niederländische Fernsehen über den trötenden Liveton legen wird. Eine feine Sache.
  • Der Däne hat weiterhin das Urlaubsfußballer-Image an sich kleben. 1992 in Schweden wegen des Kosovo-Krieges für Jugoslawien ins Turnier gekommen, ein paar McDonald’s geplündert, in der Sonne gelegen und am Ende Europameister geworden.
  • Dänemark hat durch und durch sympathische Spieler und Fans, Morten Olsen besetzt schon seit gefühlten 200 Jahren die Trainerbank, für „Spielabbruch“, „Stadionverbot“ oder „Störenfried“ lassen sich nirgends Übersetzungen finden. Kurzum: unsere nördlichen Nachbarn sind die Darlings, die Golden Retrievers des Weltfußballs. Man krault sie gerne hinterm Ohr, weil man weiß, dass sie nicht beißen. Vorne im Sturm sind sie nämlich so durchschlagskräftig wie ein weichgelutschter Legostein. Wie alle Skandinavier sind sie gern gesehene Gäste, denn als Gastgeber kann man damit rechnen, dass sie keinen Nachschlag verlangen und die Teller sauber zurückgeben.

Nachbericht

  • Dieser Bert van Marwijk ist ein Fuchs. Lässt seine Jungs genau so spielen wie ich befürchtet hatte. Den Turnierschönspielpreis ganz dreist uns unterjubeln, um dann im Windschatten in der Runde der letzten 16 schön Gegner um Gegner nach Hause zu schicken. Ich fall da nicht drauf rein.
  • Die Niederlande tat sich lange schwer mit dem Gegner. In der ersten Spielhälfte hatten die Nordmannen gar die besseren Einschussgelegenheiten, agierten zudem roboterhaft diszipliniert in der Abwehr und machten die Räume dicht. In der 46. Minute aber landet eine Flanke von van Persie unglücklich auf dem Selbstzerstörungsknopf des Dänen Poulsen – bzzzzz – Rücken von Agger – Tor. Mir ein Rätsel, wo der den Ball hinköpfen wollte, das kann einfach nur ein technischer Defekt gewesen sein.
  • Mit dem Tor lief es lockerer, Robben auf der Ersatzbank konnte aufhören, hektisch seinen linken Oberschenkel zu dehnen. Ich schreib als Fazit mal zwei Sätze hin, die mir selbst Angst machen:
  1. Der Niederländer spielte heute fast ein wenig wie Deutschland 2002. Ein bisschen Dusel beim Führungstreffer, dann die Fitness in die Waagschale geworfen und die Punkte nach Hause gebracht.
  2. Wir Deutschen sind momentan die Niederländer des bisherigen WM-Verlaufs.