[Finale] Deutschland gegen Argentinien 1:0 (n.V.)

  • Walter Eschweiler war entschlossen. Fest entschlossen. Zur traditionellen Abschlussbesprechung mit dem Fußballgott würde er unerbittlich sein und den Titel für seine Heimatnation fordern. An eurer Seite. Bereit wie nie. Wenn nicht heute, wann dann. JETZT MUSS!!! Doch als er in den Katakomben des Maracanã-Stadions die Geheimtür zur Residenz öffnet, weht ihm statt dem vertrauten “MEIN GOTT WALTER, ISSES IMMER NOCH NICHT VORBEI?” gespenstische Stille entgegen.
  • “Hallo? Eure Ballherrlichkeit? HAAAALLLOOO!”
    Walter durchsucht die ganz in weiß gehaltenen Räumlichkeiten, bis er ein leises Wimmern aus dem Bad (vom Fußballgott übrigens scherzhaft “Ausscheidungsraum” genannt, weil er dort immer zu entscheiden pflegte, welche Mannschaft weiterkommen sollte) vernimmt: “Walter, bist du’s? HILFE! Isse immer noch da? Kann ich endlich raus?”
    “Hier ist niemand”, entgegnet der treue Walter.
    Es klickt im Schlüsselloch, kurz darauf öffnet ein erschöpfter Fußballgott die Tür. “Der Horror, der Horror, Walter. Ich mach das nicht mehr lange mit. Ich werde zu alt für den Scheiß”.
    “Was ist denn passiert, oh Hüter des Runden, Balligen und Schönen?”
    “Also, ich erhebe mich gerade aus dem Bett, will mir einen Kaffee aufbrühen und neue Möglichkeiten, die Brasilianer zu demütigen ausdenken, da sehe ich doch diese Frau sich auf meinem geheiligten Fernsehsessel herumfläzen. Bevor ich auch nur einen Piep sagen kann, erschlägt sie mich schon mit einem Fragenschwall. “Na hallööchen, Frühaufsteher sind wir ja nicht gerade, oder? Hihi. Wann geht es denn sonst so auf die Piste? Wie trinkt der mächtige Fußballgott seinen Kaffee? Wussten Sie, dass ihre weiße Unterwäsche weder blütenweiß ist noch aprilfrisch riecht? Putzt denn hier keiner mal durch? Haben Sie eigentlich eine Freundin? Fühlen Sie sich oft einsam? Wann waren Sie zuletzt am Strand und haben den Sand unter den Zehen gespürt? Hach, wären wir nicht alle gerne mal Brasilianer? Trinken Sie auch mal einen über den Durst? Aus einem Gefühl von Lebensfreude heraus? Ach Gottchen, wie unhöflich, ich Schusselinchen hab’ mich noch gar nicht vorgestellt. Ich bin die Katrin”.
  • “Ich muss aufs Klo, habe ich gesagt und mich dann eingeschlossen” erzählt der Fußballgott und streicht sich den Schweiß von der Augenbraue. Von drinnen habe ich noch gehört, wie diese Trulla einige Stichworte in ihr Aufnahmegerät sprach: “Nach Ernährung und Stuhlgang fragen. Angstthema Nähebeziehung Papst – Argentinien ansprechen. Badelatschengeschenk nicht vergessen!” “Schlimm, mein Gebieter, ganz schlimm”, versucht Walter zu trösten. “Aber die Pflicht ruft, das Finale steht an und diesmal muss ich wirklich sagen….””Ich fand mich dieses Jahr recht ordentlich, Walter”, unterbricht ihn der Fußballgott. “Die Kritiker loben meine Unberechenbarkeit: Spanien früh raus, Italien früh raus, Brasilien satt einen auf die Kappe gegeben und Costa Rica hatte NIEMAND auf der Rechnung. Meine persönlichen Highlights aber waren die Schiedsrichterleistungen”. Eschweiler versucht, sich seine Angespanntheit nicht anmerken zu lassen. “Fand ich jetzt nicht so prickelnd, Chef”, grummelt er zwischen den Zähnen hindurch.
    “Ja, Walter, du als altes Unparteiischengestell siehst das natürlich anders. Aber meine PR-Berater meinten: It’s the human factor. Die reden nur englisch, diese Pappnasen. Es ist nu mal so: Die ganze Torlinientechnologie lässt doch die Leute vom Glauben an mich abfallen, da muss ich gegenarbeiten, einen Kontrast anbieten, Technik mit menschlichem Versagen und menschlicher Unvollkommenheit konfrontieren. Die Unberechenbarkeit ins Spiel bringen. Awake the wildness in your game. Be hungry and explore. Reach for new limits. Das habe ich auch dem Suárez gesagt, aber der hat das glaube ich nicht so recht verstanden.
  • “Damit wäre das auch geklärt. Finale Deutschland gegen Argentinien. Heute Abend, 21 Uhr MESZ. Vorher singt Shakira La la la. So heißt das Lied wirklich. Zum Spiel: Ich hätte da einen Vorschlag….”, setzt Walter an. “Ach ja. Deutschland. Da wird mir von Kritikerseite Günstelei vorgeworfen. Alle früheren Angstgegner zeitig eliminiert, den Gastgeber demoliert, mit Argentinien ein Team ins Finale gehievt, gegen die man zuletzt immer gewonnen hat. Es fehlt schon etwas am WOW-Effekt, wenn die den Titel holen, das musst du zugeben, Walter. Where’s the KA-BOOM? würden meine PR-Leute fragen. Niederlage im Elfmeterschießen, der deutschen Disziplin schlechthin, DAS wäre ein Knaller zum Abschluss!
  • Walter Eschweiler atmet tief durch. Er weiß, jetzt ist es an der Zeit, sein bestes Blatt zu spielen.
    “Wie hieß der ungebetene Frauenbesuch gleich nochmal, oh ewiger Herrscher über den Ballbesitz? Katrin? Wahrscheinlich Müller-Hohenstein? Die kenn ich. Hat mir mal ihre Handynummer hinterlassen. Witziges Detail: Ich habe ihr vor 10 Minuten eine SMS geschrieben, dass Jogi und Hansi gemeinsam nackt am Strand joggen. Schätze, so in einer Stunde dürfte sie wieder hier sein. Sehr wissbegierige Frau. Lässt nicht locker. Kommt überall rein. Kriegt alles raus.”
    “Walter! Du machst mir Angst. Das ist Erpressung!”, entrüstet sich der Fußballgott. In Gedanken sieht er sich schon Auskunft über Sepp Blatters galaktische Welteneroberungspläne geben. Oder über die gemeinsamen Bäder in den unterirdischen FIFA-Geldspeichern in Katar.
    “Okay, Walter. Deine Jungs werden’s. Aber erwarte kein schönes Spiel. Der Klose darf auch nicht nochmal. Und du musst dieser Katrin schreiben, dass ich zusammen mit Blatter auf Geschäftsreise bin. In Russland. Da gefällt’s dem Sepp, da herrscht noch Ordnung, da applaudiert ihm jeder. Der Putin meinte schon, er könnte ihn sich prima als seinen Nachfolger vorstellen. Ach, das soll ich doch nicht weitererzählen. Raus mit dir, Walter und lass die Schlösser auswechseln!”
    Und es geschah, dass Deutschland das WM-Finale mit 1:0 gewann nach einem unspektakulären Tor von Özil, der das so gar nicht wollte.

WELTMEISTER

 

  • Ich bin zu besoffen, um was zu schreiben. Götze, du kleines Pupsbärchen, ich hab dich lieb! Schürrle, du Flankengott! Schweini, keiner blutet schöner! Danke, Deutschland. Danke Brasilien. Danke an alle Leserinnen und Leser hier drinnen. Ich kann noch nicht ins Bett. Morgen nachmittag werde ich das hier lesen, mich schämen und diesen Absatz löschen. Bis dahin wird gefeiert. DEUTSCHLAND IST WELTMEISTER!!!
  • Guten Morgen, Frau Weltmeister, guten Morgen, Herr Weltmeister. Ich grüße alle Weltmeister. Mein Bruder wankte gerade an mir vorbei und klagte sein übliches Leid: Kopfweh, Knieschmerzen, Ohrdröhnen und Verstopfung. Meine Antwort: “ABER SEIT HEUTE HAST DU WELTMEISTERLICHE VERSTOPFUNG!”
  • Was für ein Spiel. Auf meiner Skala hinter 1954 eindeutig auf Platz 2 der deutschen WM-Siege. ’74 waren wir Favorit zuhause, ’90 war grausam langweilig und der Elfer eher “mutig” vom Schiri. Aber diesmal: ein Auf und Ab. Wenige Minuten vorm Anpfiff:  Khedira sagt Nein. Einfach so. Ordnet sich unter, weil er sich sicher ist, dass ein fitter Kollege mehr bringt als er. Respekt für so eine Entscheidung. Bruder beschwört natürlich sofort üble Mustafi-Vergleiche angesichts Kramer, sieht Messi schon davontanzend Treffer um Treffer erzielen.
  • Die Deutschen machen das Spiel, Argentinien setzt die berühmten Nadelstiche. Kroos köpft den fatalsten Rückkopfball in der Historie der Rückkopfbälle, aber Higuain legt eine schöne Portion Muffensausen vor Neuer in den Abschluss. Danach ein Abseitstor, das der in schönster Heullaune kommentierende Tom Bartels aber erfreulicherweise zeitig als solches kundtut. Schürrle und Kroos mit den ersten echten Chancen, die DFB-Elf kommt eher zu gefährlichen Situationen als die Niederländer im Halbfinale.
  • Kurz vorm Halbzeitpfiff die Riesengelegenheit für Höwedes, der eine Ecke per Kopf an den Pfosten wuchtet. Hätt’ ich dem Schalker ja sowas von gegönnt, muss ich dann aber schnell in die Schublade “Wenn wir das Ding verlieren, rege ich mich darüber richtig derbe auf” einsortieren.
  • Ein Auftakt der zweiten 45 Minuten zum Gesichtszügeentgleisen: Messi kommt links durch und zieht den Ball haarscharf am langen Eck vorbei. Sind wir jetzt zu offensiv, da Schürrle für den arg ramponierten Kramer gekommen ist. Wo bleibt das eine erlösende Tor, das wir nach Hause bringen können? Es bricht die letzte Viertelstunde an, eine Stimmung auf dem Feld wie im Sexualkundeunterricht, wenn die Plastikgeschlechtsorgane die Runde machen: keiner traut sich ran, keiner will es wissen.
  • Verlängerung. Ich will glauben, dass Neuer uns im Elfmeterschießen rettet. Aber ich kann es mir nicht mit Sicherheit weismachen. Die Deutschen wagen was, Götze spielt auf Schürrle, der zieht ab und trifft genau den argentinischen Torwart. Auf der anderen Seite Palacio, der kickende Jedi-Ritter frei vor Neuer, lupft über diesen hinweg ins … Aus. Boateng wäre noch da gewesen. Überhaupt war Boateng saustark in dieser Partie, ein toller Kerl, steigt Messi nach und klärt alles, was der Gaucho anstellen will. Dessen Verteidigerkollegen operieren derweil Schweinsteiger an Kopf und Gliedmaßen, aber der italienische Schiri findet es reizvoll und lässt weiterspielen.
  • 113. Minute. Schürrle, der eingewechselte Unsterbliche #1, schleppt sich im Sprint an einem Hellblauweißgestreiften vorbei, flankt nach innen, Götze, der eingewechselte Unsterbliche #2, bekommt den Ball freistehend zwischen zwei argentinischen Verteidigern, stoppt den Ball mit der Brust und schießt halbhoch in die lange Ecke. Tor. DAS TOR. Messi darf nochmal weit über eine Mauer schnibbeln, dann ist Schluss.
  • Um schließlich den ganz weiten Bogen in diesem WM-Tagebuch zu spannen, beantworte ich jetzt noch die Frage vom Bundesjogi aus der Commerzbank-Werbung. “Keiner kann garantieren, dass am Ende alle zufrieden sind. Aber wer kann das schon?”

IHR KONNTET ES. DANKE.

Tore:

1:0 Götze (113.)


Nochmals meinen Dank an alle, die hier mitgelesen, kommentiert, geflattrt, geliket, retweetet und gefavoritet haben. Mir hat es sehr viel Freude bereitet, ich hoffe, ihr hattet beim Lesen auch euren Spaß. Zumindest mit dem Verlauf und Ausgang dieser WM konnte man ja definitiv welchen haben.

 

 

 

[Spiel um Platz 3] Brasilien gegen Niederlande 0:3

  • “Ruhe am Set!”
    “Beleuchtung?” (Check!). “Kamera?” (läuft!). “Ton?” (okay!).
    “Werbespot russischer Autohersteller, der jetzt auf den letzten Drücker noch einen Fußballstar unter Vertrag genommen hat, Klappe #1, UND BITTE!”
    [Konferenzraum. Brasiliens #7, Hulk, im viel zu eng sitzenden Anzug. Im Hintergrund ein Flipchart mit den Stichworten HULK, COMEBACK, TRIZEWELTMEISTER, RUSSLAND, AUTO, TOLL!]
    “Hallo. Ich Hulk. Viel Körper. Schießen viele Tore. Nur letzten Dienstag kein Tor. Hulk wütend. Viel ‘putt macht haben. Rasen. Kabine. Hotelzimmer. Dann traurig. Hulk sagen: Vergessen Erfolge. Status Quo sein alt. Rückenschlagen machen stärker. Neymar das wissen. Hulk fangen neu an. Hulk werden Trizeweltmeister. Wie Deutscheland zuvor. Warten bis 2014. WM in Russland. Wo Hulk spielen. In Verein. Und dann wir holen… wie sagen man?”
    [Schwenk auf kleinen deutschen Jungen im DFB-Trikot]
    Uns die nächste Riesenklatsche ab.”
    “Ja.” [Hört Übersetzung] “WAAAS? WAS DU SAGEN? HULK DICH SCHLAGEN GRÜN UND BLAU! HULK DICH MACHEN PLATT, DUMMES ARSCHLOCHEKIND!”
    “Cut. Cut! CUT!”
  • Das Spiel um Platz 3 oder: Bocklos in Brasilia. Hurra, wir bekommen einen neuen Trizeweltmeister! Der Titel, den niemand haben will und den unsere Elf die letzten beiden Male bekleiden durfte. 2006 hatten wir ja zumindest ein bisserl was davon, der Sieg war quasi das kleine Trostpflaster bei der Heim-WM, bei der wir weitergekommen waren als erwartet. 2010 hätte der Gegner Uruguay so seine überraschend gute Teilnahme krönen können. Aber diesmal hat doch wirklich keiner was davon. Die Niederländer waren letztes Jahr im Finale, haben also schlechter abgeschnitten und für die Brasilianer zählte zuhause eh nur der Titel. Immerhin dürfte es ein Spiel ohne taktische Zwänge werden, vielleicht schießen die sogar mal aufs Tor, wozu sie beide in ihren letzten Partien nicht so sehr die Gelegenheit hatten.
  • Mein Vorschlag für das Spiel um Platz 3. Publikumsvoting, die sympathischsten Teams gegeneinander. Wer gewinnt, bekommt eine Medaille mit Sepp Blatter-Konterfei, gerecktem Daumen und seinem gewinnendsten Lächeln. Wer verliert, erhält einen kleinen Pokal mit dem Facepalm-Logo dieser WM. Meine Favoriten wären in der Hinsicht Belgien – Costa Rica. Oder Mexiko – USA.

  • Zwei Tore für die Niederländer nach 16 Minuten, damit doppelt so viele wie uns am Dienstag zu dem Zeitpunkt gelungen waren. Eines davon sogar von dem nominell Blinden bei der Elftal. Da konnte man schon mal kurz ins Grübeln kommen, was der Sieg im Halbfinale wirklich wert war.
  • Danach viel “Holland will nicht mehr, Brasilien kann nicht mehr”. Hulk nur Einwechselspieler, ein eher unsouveräner Schiri, Kommentator Schmidt dezent nervig für den Stellenwert dieser Begegnung, in der Nachspielzeit noch ein Tor durch Wijnaldum, bei dessen Nennung ich immer Ronaldüm verstehe. Der neue türkische Stürmerstar? Wer weiß.
  • Klappe drauf, Deckel zu, Kiste dicht. Brasilien geht nochmals geschlagen aus dem Turnier. Und für morgen kann die Devise nur lauten: Mit einem schwierigen, anstrengenden Spiel rechnen und hoffentlich wieder positiv überrascht werden.

Tore:

0:1 van Persie (3., Foulelfmeter)
0:2 Blind (16.)
0:3 Wijnaldum (90.)

[Halbfinale] Niederlande gegen Argentinien 2:4 (n.E.)

  • “So, lieber Hansi, jetzt musschd du dich entscheide: magschdt lieber den drahtigen Schprinter Arjen, der sisch dir in rasantem Tempo zu Füßen werfet oder doch den quirligen, wendigen Lionel, der manchmal lange auf sich warten lässchd, weil er noch was bei di Maria am Werkelen hat, aber dafür immer für eine schpäte Überraschung kurz vor Toreschluss gut ischt?”. Hansi gackert betrunken, als Jogi tief in der Nacht im Campo Bahia diese taktisch wichtige Frage aufwirft und ernsthaft mit glasiert stierenden Augen eine Antwort erwartet.
  • Draußen auf dem Flur brüllt Präsident Niersbach nur im schwarz-gold-roten Männerslip bekleidet “JETZT.. MUSS… DER VIERTE STERN HER! ODER SOLL! ‘WOLL!”, während Thomas Müller ihm montypythonesk ein “Sternhagelvoll bist du” entgegnet  und ihn behutsam nach draußen führt. Wo bereits Katrin Müller-Hohenstein wartet, die die Zeit nutzte, um kleine Äffchen mit billigem Fusel abzufüllen und der anwesenden Fauna und Flora unter lautem Gekichere auf ihrem ZDF-Tablet den Tumblr Sad Brazilians zu präsentieren. Beeindruckt von dem Titel “Let the feel of your hair calm your emotions” fängt sie langsam an, einzelne Strähnen ihrer Frisur anzuknabbern und träumt dabei von Jogis durchonduliertem Brusthaar.
  • So stelle ich mir das jedenfalls vor. Aber zurück zur Ausgangsfrage: mir wäre es am liebsten gewesen, die Deutschen hätten direkt nach Abpfiff gegen Argenland oder Niederlinien gespielt. Hört sich beides klein an und könnte in Mittelerde liegen. Und wir sind seit gestern Sauron, der die Brasilianer den Ring hat auswürgen lassen.
  • Okay, eine vernünftige Einschätzung soll doch noch her. Argentinien wäre besser, weil dann sind die Einheimischen im Finale auf unserer Seite. Schließlich haben wir uns im Siegesrausch nichts zu schulden kommen lassen, waren fair, Neuer ließ sogar noch einen rein und zum Schluss wurde Trost verteilt in raueren Mengen als Bäcker Büsch es mit Freibrötchen tun konnte. Einen Wunsch hätte ich unabhängig vom Ausgang des Spiels aber doch noch: Liebe Holländer, liebe Argentinier, lasst euch Zeit heute Abend. Und Kraft. Danke im Voraus.

  • Ich stelle folgenden Vergleich in den Raum: Wenn das gestern eine strahlende Galaveranstaltung war, hatte das heute in etwa den Glamourfaktor eines nächtlichen Gangs zur Toilette im Schein einer Taschenlampe. Ein Spiel voller Impulse, wie es die Kommentatorensprache so treffend umschreibt, wenn einem vom Zuschauen vor Langeweile die Schlappen von den blutleeren Füßen zu fallen drohen. Keiner wollte einen Fehler machen, was beiden Teams auch bravorös gelang. Ziemlich armselig für ein Halbfinale einer WM, aber leider immer möglich.
  • Mir fehlte auch die Körperlichkeit. Wo war die Körperlichkeit dieser beiden Teams hingekommen? Okay, ich hatte auf einen Platzverweis gewettet, weil ich dachte, dass im Angesicht des Ausscheidens mal einer aus Frust die gute alte Schienbeinaxt ansetzt, aber es gab ja nicht mal Torchancen, die man mit einem zünftigen Foul hätte verhindern können! Messi schoss einen Freistoß und verschwand. Robben kam einmal in der Nachspielzeit durch und wurde geblockt. Palacio schließlich hätte bequem den Ball annehmen und versenken können, lässt ihn aber lieber von seinem schmalbezopften Haupthaar harmlos in die Arme des niederländischen Keepers plumpsen.Den Trick mit Krul schließlich brachte van Gaal nicht mehr, weil er van Persie durch Huntelaar ersetzen musste, dessen Künste vom Punkt nicht mehr benötigt werden sollten. Ich muss gestehen, ich fand es als ausgleichende Gerechtigkeit für die Psychospielchen gegen Costa Rica, dass das Elfmeterschießen diesmal zu Ungunsten der Holländer ausging.
  • Argentinien also im Finale. Wieder ohne überzeugende Leistung. Ich würde mich nun doch ärgern, wenn die sich auch so im Endspiel durchmogeln und die Trophäe mitnehmen, ohne wirklich Fußball gespielt zu haben. Faktisch sind wir jetzt schon Weltmeister der Herzen.

Tore:

0:0 Vlaar verschießt
0:1 Messi
1:1 Robben
1:2 Garay
1:2 Sneijder verschießt
1:3 Aguero
2:3 Kuijt
2:4 Maxi Rodriguez

[Halbfinale] Brasilien gegen Deutschland 1:7

  • Zeichen, Zeichen, Zeichen, liebe Freunde. Alle sehen wieder überall Zeichen und erahnen in prophetischer Weisheit den Ausgang der Partie heute, bevor auf dem Platz feierlich der erste Querfortsatz eines Wirbels angebrochen worden ist.
  • Nehmen wir die Sportschau und ihre 24-Jahre-Regel, nach der wir das Ding bereits sicher eingetütet haben.  Auf den ersten Blick ein beunruhigender Gedanke, dass Italien dann schon 2030 wieder dran wäre mit Pokalschwenken. Aber es geht ja darum, dass die dreifachen Titelträger 24 Jahre auf den vierten Titel warten mussten. Bei gerade mal zwei bisherigen Kandidaten eine wissenschaftlich-empirisch eher dünne Suppe. Ich bringe meine persönliche 24-Regel ins Spiel: die aktuelle Staffel von 24 wird immer schlechter und wenn das bei den Deutschen auch so läuft, bleibt das Maracana am Sonntag von deutschen Fans untervölkert und Philipp Lahm fährt frühzeitig nach Hause, weil er beim “Philipp-Lahm”-Gedenkspiel um den dritten Platz nicht mitmachen will.
  • Nächste Vorhersage: Die Brasilianer sind zu geschwächt. Ihr Kreativmotor Neymar fällt verletzt aus, Kapitän Thiago Silva kann wegen einer Gelbsperre nicht auflaufen und in diversen Media Märkten verschenken sie jetzt schon die ComBinhos von Dante. Alles natürlich valide Punkte. Aber das Publikum wird jede Ballberührung von unseren Jungs frenetisch bebuhen, dass dem Özil schon nach fünf Minuten die Körpersprache ins Taubstumme abzugleiten droht. Hulk könnte Lahm auf der rechten Seite plattwalzen und bei der bisherigen Regelauslegung durch die Schiris würde nicht mal Sand drübergestreut werden.
  • Der Blick auf das einzige Duell bei einer WM führt ins 2002 zurück. Mit Titan Kahn, der seinen “gefallenen Gott”-Status an jenem 30. Juni gegen den Stürmer mit der sonderschülerigsten Frisur ever zementiert hat. Patzt nun etwa die “wahre Hand Gottes” Neuer? Es ist schon verrückt, wenn du in einem einzigen Augenblick deinen kompletten Ruhm eines Turniers verlierst, weil du einmal zu spät kommst und ein Sambamann an dir vorbeischlenkert und den Ball ins leere Tor humpelt. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was für ein Bullshitstorm über das Team und den Trainer hereinbrechen würde.
  • Einigermaßen sicher ist hingegen Folgendes: Ich schreibe das unfassbar kompetenzfreie WM-Tagebuch seit 2006 und – egal ob ich über Männlein oder Weiblein (2011)  berichtete – spätestens im Halbfinale war immer Schluss. Bin ich nicht stolz drauf! Dieser Fluch, so hat mir ein weiser und einflussreicher Mann aus der Schweiz zugetragen, kann nur durch Bestechung aufgehoben werden. Wer also seinen WM-Planer weiter ausfüllen will… Ich weise lediglich darauf hin…

  • 7777777…!!!!!!!!! Ich male mir Siebener und Ausrufezeichen ins Gesicht und auf den Fernsehbildschirm. So eine 7 sieht auch aus wie eine 1 mit Erektion. Und so geil haben wir gespielt! Und so schlaff haben wir die Gastgeber aussehen lassen! Wir haben die Brasilianer in Brasilien im Halbfinale mit 1:7 weggehauen. Morgen kommt der Nachbericht, falls mir der Schlaf die Glücksstarre aus den Augen getrieben haben sollte.
  • Ich bin nach medizinischen Maßstäben wach und doch nicht sicher. WAS WAR DAS? Gibt’s das öfter? Kann man das kaufen, mieten, leihen? Seit 1982 verfolge ich Weltmeisterschaften, aber derartiges wie gestern zwischen der 23. und 29. Minute habe ich noch nicht erlebt. Das war das fußballerische Äquivalent zu abends über die Körperfettanzeige der Waage jammern und morgens mit Scarlett Johannson im Bett aufwachen. Zu morgens unter der Dusche Dudel-Radio hören und abends den Nachfolger zum weißen Album der Beatles einsingen. Zu abends ein Videospiel zocken und morgens die Welt mit eigenen Händen retten. Unrealistisch, fantastisch, unglaublich, ein Traum und doch kein Traum.
  • Dabei wollte ich zunächst Béla Réthy hauen. Weil er den GAUK, den größten anzunehmenden, unverzeihlichen Kommentarbock geschossen hatte. Beim 0:1 durch Müller, ließ er in die folgende Stille kurz vorm allgemeinen Abheben ein “Zählt nicht, ist abgepfiffen” fallen. Um sich kurz darauf korrigieren zu müssen. Mensch, Béla, da wartet man doch ab, da sagt man was wie “Oh nein! Lässt der Schiri das Tor etwa doch nicht gelten?”, um sanft vorzubereiten. Kein abrupter Stimmungskiller “Nö”, gefolgt von einem “Ach was, doch?”. Ich wollte meinen Nachbericht schon BELA RETHY SCHULDET MIR EIN HALBFINALTOR GEGEN BRASILIEN nennen, aber wir haben dann ja noch SECHS weitere geschossen. Es sei dir verziehen, Béla!
  • 0:2 durch Klose. Wie im Märchen. Der alte Prinz und … gibt es Märchen mit alten Prinzen? Keine Ahnung. Das war jedenfalls jetzt eins. 16 WM-Tore in vier Turnieren und noch eine weitere Chance, diese fantastische Zahl zu überbieten und zu veredeln. Verdient, Miro, absolut verdient.
  • 0:3 Kroos. Der Genickbruch. Der Einschlag flach und hart rechts unten, Julio Cesar sieht nicht gut aus. “Brutaaaal”, hat der Jogi sicher von der Bank aus geflötet. Und der Hansi hat genickt, die Hand vors Gesicht geschoben und geraunt: “Bis zur Pause machen wir das Stadion leer”.
  • 0:4 Kroos, 0:5 Khedira. Vom Auflösen der brasilianischen Abwehrreihen kann man schlecht schreiben, wenn selbige eher wie frei umherschwebende Chaosteilchen agieren. Wären die mir so im Teilchenbeschleuniger des CERN untergekommen, ich hätte die Maschine sicherheitshalber abgestellt. Es ist noch nicht mal eine halbe Stunde rum. Die Kameras fangen heulende Kinder ein, leere Gesichter, selbst die schönen party people zucken nicht mehr auf. Ich überlege, ob die “Força Neymar!”-Kappe noch ein Hit werden wird.
  • “Einer geht noch, einer noch rein”, “So ein Tag, so wunderschön wie heute”, “Ihr seid nur ein Karnevalsverein” – Klassiker des deutschen Stadionliedguts, intoniert in einem ausverkauften Stadion in Brasilien und in bester Akustik. Das kannst du nicht buchen. Verdammt, ich beneide die deutschen Fans, die das vor Ort erleben dürfen. Jetzt Stil wahren und mit heiler Haut rauskommen.
  • Neuer lässt die Brasilianer ein paar Mal lachend an sich scheitern, Schürrle vollendet noch zum 0:6 und 0:7 (einmal vor Müller, einmal instinktiv und technisch anspruchsvoll). Özil trifft selbst jetzt nicht, aber das ist mir so egal wie das Wetter in Timbuktu. Draxler darf rein. Finale sind wir schon seit über einer Stunde, jetzt darf auch der Gastgeber mal einen einschenken. Keine Ruppigkeiten, nur stille Anerkennung, tröstende Umarmungen der Deutschen nach Abpfiff und natürlich Tränen. Dem lieben Herrgott danken sie dennoch. Ich glaube, der hatte heute keine Zeit für sie. Der muss das, um es in den unsterblichen Worten von Horst Hrubesch zu sagen, “erst mal Paroli laufen lassen”.

Tore:

0:1 T. Müller (11.)
0:2 Klose (23.)
0:3 T. Kroos (25.)
0:4 T. Kroos (26.)
0:5 Khedira (29.)
0:6 Schürrle (69.)
0:7 Schürrle (79.)
1:7 Oscar (90.)

[Viertelfinale] Niederlande gegen Costa Rica 4:3 (n.E.)

  • Meine Sympathien sind klar verteilt. Ich sage Ja zu Costa Rica wie ich damals bei der Frauen-WM Ja zu Japan gesagt habe. Wenn Huntelaar allerdings wieder spielen und treffen sollte, könnte ich eine Niederlage der Ticos mit etwas Magengrimmen verschmerzen. Wenn der Bursche aber wirklich nach der WM die Schalker verlässt und sich auf die Insel der Erfolglosen locken lässt, werde ich jeden Anflug von Mitgefühl im Nachhinein rigoros dementieren.
  • Alle warten auf Robben. Genauer: Alle warten, dass Robben wieder im Strafraum hinfällt. Woraufhin das große Gezeter losgeht: Schauspieler! Grasnarbentaucher! Robbenroller! Dabei hat die sogenannte Robben Roll bereits vor vier Jahren Einzug in die Internetkultur gehalten (siehe hier und hier). Ich bin mir sicher, der Arjen hat im Finale vor, sich kurz vor Abpfiff bei seiner besten “Halb-zog-er-ihn-halb-sank-er-hin”-Aufführung ganz neymaresk einen Lendenwirbel zu brechen. Und dann tut es euch leid, doch dann ist es zu spät. Zu spät (zu spät).
  • Erdge Schoss, seiner Zeit Eintracht Frankfurts gefährlichste Waffe in allen Spielsituationen, bringt es wie immer auf den Punkt: 40 Jahre nach München wieder ein Finale gegen Deutschland? Und wir haben wieder einen Müller dabei? Das wäre nicht fair, das wäre nicht schön. Vorher müsste es sich Oranje zudem auch noch mit dem Nachbarn aus Belgien versauen, wenn es so läuft, wie ich es hoffe. Nein. Costa Rica wäre da wilder, cooler, exotischer. Und mit Sicherheit mit ihrem Turnierauftreten hochzufrieden, wenn wir sie im Finale mit 1:0 rauspummeln.

  • Die Niederlande scheitert 120 Minuten an Keylor Navas, Costa Rica scheitert nicht mal 10 Minuten an Tim Krul und dennoch ist Oranje weiter. So ist Fußball. Es war das zu erwartende Spiel: Holland mit dem Spiel alleingelassen, Costa Rica lauernd und leidenschaftlich verteidigend. Ja, van Gaals Mannen hatten die besseren Chancen durch Sneijder, Depay, van Persie, dreimal klingelte es sogar am Aluminium. Zwei Minuten in der Nachspielzeit rettete Tejeda, in dem er den Ball mit dem Oberschenkel an die Latte lenkte. Dennoch hatte ich mehr Spaß an Costa Ricas “NEIN”, als an Hollands “JETZT ABER”.
  • Und als sich in der Verlängerung plötzlich der eingewechselte Urena durchtankte und dem sonst beschäftigungslosen Cillessen den Ball an den Fuß schoss, war ich kurz vorm Durchticoen. Entscheidend sollte aber schließlich der Trick des Bondscoachs sein, Tim Krul als Torwart für das Elfmeterschießen zu bringen. Eine seltsame Nummer, schließlich spielt der Mann bei Newcastle in England, wo Elfmeterhalten ortsbedingt deutlich einfacher sein sollte.
  • Krul hatte bei mir durch Gestik, Auftreten und der Ansprache gegenüber dem Schützen Gonzalez aus Costa Rica gleich Sympathiewerte irgendwo zwischen Joffrey aus “Game Of Thrones” und Ivan Drago aus “Rocky IV”. Aber er sollte zwei Elfmeter abwehren und die Niederlande ins Halbfinale gegen Argentinien führen. Finale 2002 gegen Finale 1978. Wir lesen uns am Dienstag wieder. Und nicht von Krul träumen!

Tore:

0:1 Borges
1:1 van Persie
1:1 Ruiz verschießt
2:1 Robben
2:2 Gonzalez
3:2 Sneijder
3:3 Bolanos
4:3 Kuijt
4:3 Umana verschießt

[Viertelfinale] Argentinien gegen Belgien 1:0

  • Ach du Gottchen ja, die spielen auch noch. Ich bin momentan zu sehr auf Deutschland – Brasilien fixiert. Ohne Neymar, mit Dante und einem bestimmt SEHR wütenden Hulk. Aber dem stellen wir einfach den Lahm entgegen. HULK ANGRY! LAHM TOO TINY TO SMASH!
  • Es wäre zu schön, wenn Belgien diese One-Man-and-Maria-Show, die die Argentinier abziehen, beenden würde. Leider mussten Wilmots junge rote Teufel bekanntlich gegen die USA in die Verlängerung, das könnte bei der zur Mittagszeit angepfiffenen Begegnung kräftemäßig am Ende den Unterschied machen. Mein Tipp daher an de Bruyne & Co: früh ein Tor machen, bisschen verteidigen, Messi und di Maria jemanden auf den Fuß stellen und feiern.
  • Thibaut Courtois, Belgiens und Atletico Madrids Keeper, kennt sich mit Messi bestens aus: in der Liga ließ er gegen Messi in den letzten sieben Aufeinandertreffen kein Tor zu, parierte gar einen Elfmeter gegen ihn. Das war jetzt eine seriöse und sinnvolle Information, die ich kicker online entnommen habe. So kann ich den Absatz nicht beenden. Deshalb: mich erinnert Courtois an Grashüpfer Flip aus Biene Maja, weshalb ich heute vorm Fernseher ständig “Hüü-Hüpf Thibaut” rufen werde, wenn die gestreiften Willis ihm einen reinhauen wollen. Ja, damit habe ich dem Titel dieses Blogs wieder alle Ehre gemacht.

  • Nunja. Mmpf. Es bestätigt sich der Trend, dass die Mannschaft mit dem frühen Tor im Viertelfinale weiterkommt. Und dass nach eben jenem Tor nicht mehr so viel passiert. Als neutraler Fußballfan erhofft man sich ein wildes Hin und Her, Chancen hüben wie drüben und man bekommt: geschäftsmäßiges Runterspielen mit vielleicht 2-3 Momenten, die einen kurz aus dem Gähnen herausholen.
  • Die letzten Minuten wirft die zurückliegende Mannschaft ein bisserl was nach vorn, der Ball kommt hoch, der Abseitspfiff lockt und wird mit trefflicher Sicherheit auch ausgelöst. Wie bei Brasiliens Julio Cesar weiß ich bis zur Stunde auch bei Romero nicht, ob der wirklich was kann, wenn es drauf ankommt.
  • Schade, Belgien, Sensation verpasst. Wilmots war kurz davor, sich selbst einzuwechseln und ein paar Gauchos wegzurammen, um Räume für Mertens oder de Bruyne zu schaffen. Was bleibt: Die Favoriten setzen sich weiterhin auf breiter Front durch und es würde mich wundern, wenn die Niederlande heute Abend nicht auch mit einem frühen Tor ankommt. Dann gönne ich mir ab dem Zeitpunkt aber mal ein Schläfchen.

Tore:

1:0 Higuain (8.)

[Viertelfinale] Brasilien gegen Kolumbien 2:1

  • James, ausgesprochen nicht wie der Butler, sondern Cham-es, ist der neue Star der Kolumbianer. Spielt beim AS Monaco, genau wie sein verhinderter Kollege und Stürmergott Falcao, der übrigens heute nicht im Stadion sein darf, weil der Fürstentum-Club ihn lieber im Training sehen will. Strenge Sitten. Die Brasilianer würden sich bestimmt freuen, wenn diese Aufforderung auch für seinen jungen Kollegen gelten würde.
  • Ich mag den James auch, vor allem, wenn er heute wirklich die Gastgeber rausschießen sollte. Was habe ich mich geärgert, als die die armen Chilenen im Elfmeterkicken eliminiert haben. Da schoss stellenweise ja Not gegen Elend vom Punkt. Aber vorher war diese eine Szene kurz vor Abpfiff, als Pinilla nur die Latte traf. Die geht mir nicht aus dem Kopf. Wie mit einem Schuss ein paar Zentimeter tiefer plötzlich absolute Stille im Stadion gewesen, die Euphorie zu starrem Entsetzen mutiert wäre. Oder um es leicht ergänzt mit Mehmet Scholl zu sagen: Gänsehautentzündungsentzündung.
  • Luiz Gustavo, die deutsche Ordnung zwischen Verteidigung und Angriff, kann wegen seiner zweiten gelben Karte im Turnier nicht mitspielen. Das könnte ein entscheidender Faktor sein. Früher gab es diese Vermittlerrolle gar nicht in der brasilianischen Mannschaft, da hieß es: “Ball nach vorn und hoffen, dass er nicht zurückkommt”. Mittlerweile spielen aber auch die Gastgeber mit funktionierender Abwehr. Wobei ich von dem Julio Cesar im Tor immer noch nicht so überzeugt bin. Wer in Kanada im Kasten steht und dabei keine Maske trägt, dürfte nicht nur den Leuten dort seltsam vorkommen.
  • [An dieser Stelle bitte abhängig vom Ausgang des ersten Viertelfinals Bekundungen wie "Egal, wer da weiterkommt, die machen wir platt, 'woll", "Schlaaaand", "Oje, die hauen uns die Hucke voll", "Heul, die WM ist tot" oder "Hoffentlich kriegt wenigstens der Holländer auch noch einen drauf" einfügen]

  • Verrückte Welt. Bei Brasilien schießen die Verteidiger die Tore nach Standardsituationen. Erst Thiago Silva nach einer Ecke, später Luiz mit einem direkt verwandelten Freistoß. Die Offensivkräfte fallen auf, in dem sie aus dem Spiel heraus scheitern (Hulk), sich verletzen (Neymar) oder einfach plötzlich keinen Schnurres mehr tragen (Fred).
  • Thiago Silva mit einer bemerkenswert dummen gelben Karte, die ihn für das Spiel gegen Deutschland sperrt. Überhaupt viele Fouls und eher wenige spielerische Höhepunkte. Zumindest das 2:0 durch Luiz hätte Manuel “Die Hand Gottes” Neuer ziemlich sicher gehalten.
  • Trotz einer 2:0-Führung am Ende noch ein spannendes Spiel, weil James mit seinem 6. und letzten WM-Treffer per Elfmeter die Cafeteros nochmal heranbringt. Leidenschaftlich gekämpft haben sie, die Kolumbianer aber Brasilien steht letztlich im Halbfinale. Egal, die machen wir platt, ‘woll. Schlaaaand.

Tore:

1:0 Thiago Silva (7.)
2:0 Luiz (69.)
2:1 James (80., Foulelfmeter)