Nachbemerkung

August 1, 2006

Dieser Weblog enthält die ursprünglich hier veröffentlichten Gedanken zur Fußball-WM 2006. Im Gegensatz zum Original gibt es Bilder, dafür fehlen die Kommentare.

ITA – FRA 6:4 n.E.

[Vorbericht]

- FINALE. OH-OO-OO-OH. FINALE. Leider ohne uns. Wir sind halt so gute Gastgeber, dass wir uns mit dem dritten Platz begnügen und die Bürde des Championats einer anderen Nation überlassen. 2010 in Südafrika wird das natürlich anders, da gibt’s kein Scusi und kein Pardon.

- Möge das bessere Team gewinnen. Und wenn beide schlecht sind, halt Frankreich. Bitte kein taktisches Ballgeschiebe, bis schließlich im Elfmeterschießen die beiden Torhüter gegeneinander antreten müssen. So will ich das nicht enden sehen.

- Mir wäre ein frühes Tor recht. Durch die Franzosen. Andersrum wäre wohl schnell die Spannung weg. Ich will sehen, wie die Italiener mit Mann und Maus nach vorne stürmen, wie brandgefährliche Flanken in den Strafraum geschlagen werden, wie Barthez die Bälle abwehrt, dass es jedem Verfasser von Torwartlehrbüchern die Tränen in die Augenwinkel treibt. Im Gegenzug brandgefährliche Konter, Eins-zu-Eins-Situationen, dramatische Rettungsaktionen. Okay, so wird es nicht laufen, aber träumen wird man doch noch dürfen.

- Wie wäre es mit diesem Verlauf?
Spielstand 2:2, 121. Minute:

Eigentor durch Grosso (als kleine Strafe für den herausgeholten Elfmeter gegen Australien und den Treffer gegen uns).
Bei meinem Glück läuft es aber eher so:

Spielstand 0:0, 2. Minute:

Barthez legt sich bei dem Versuch, den Ball zuerst mit dem Kopf zu stoppen, um ihn dann im Nachfassen zu kontrollieren, die Kugel selbst ins Netz.

[Nachbericht]

- Italien ist Weltmeister. Als fairer Sportsmann gratuliere ich natürlich. Doch es grollt ein wenig Ärger in mir.

- Ärger #1: ich habe die ersten 30 Minuten verpasst. Weil ich Idiot dachte, es ginge wie gewohnt um 21:00 Uhr los und mit meinem Bruder US-Serien geguckt habe. Als ich um 20:30 Uhr meinte, dass ich mir jetzt genüsslich die Vorberichterstattung ansehen wolle, bekam ich ein fieses Grinsen und die Worte “Du, das Spiel läuft schon längst” als Antwort. Es gibt Tage, da scheint das Schicksal als Einzelkind ein durchaus angenehmes.

- Ärger #2: entsprechend habe ich die “turbulente” Anfangsphase inklusive des dreist-lässigen Elfmeters und des Ausgleichs verpasst. Kaum war ich dabei, wurde es langweilig. Grmbl.

- Ärger #3: scheinbar werden Fußballspiele jetzt schon durch gezielte Beleidigungsansprache entschieden. Dieser Materazzi muss heimlich das tödliche Schimpfwort erfunden haben, das gegnerische Spieler selbst in WM-Finalen zum Ausrasten bringt. Ein einfacher Glatzenwitz kann den Aussetzer von Zidane jedenfalls nicht ausgelöst haben. Dennoch darf sich Zizou derartiges freilich nicht leisten. Zumindest nicht so offensichtlich. Meine Forderung: Tonbeweis statt Videobeweis! Damit der Zuschauer auch etwas davon hat.

- Ärger #4: sorry, liebe Italiener, aber auf meiner Gefühlsskala steht ihr als würdiger Champion noch unterhalb von Griechenland anno 2004. Die spielten auch unattraktiv, waren dafür jedoch wenigstens Außenseiter und Underdog. Ist es nicht eine Tragik in sich, dass die Deutschen pünktlich zur WM dem Rumpel- und Ergebnisfußball abschwören und just dieser dann von den Italienern zur Perfektion getrieben wird und ihnen den Weltmeistertitel einbringt?

- Ärger #5: ein Schuss an die Latte entscheidet über den Gewinner eines vierwöchigen Turniers. Und eben jener hat während des Spiels kaum etwas für den Erfolg investiert. Kann man das nicht anders lösen? Handicap für die unattraktiver spielende Mannschaft beim Elfmeterschießen? Publikumsbefragung? Spontane Spielerfrauenschönheitsbewertung?

[Epilog]

Was soll’s. Vorbei ist vorbei. Immerhin sind die Deutschen gegen den Weltmeister rausgeflogen und haben insgesamt einen guten Ball gespielt. Es war eine schöne Zeit, die man so schnell nicht vergessen wird und wenn mich die Sehnsucht packt, werde ich sicherlich nochmals in diesen Einträgen blättern. In dem Zusammenhang meinen aufrichtigen Dank an alle, die hier regelmäßig reingeschaut haben. Ich hoffe, dass das Lesen ab und an für einen kleinen Schmunzler verantwortlich war. Wir lesen uns spätestens bei der EM 2008 wieder.

GER – POR 3:1

[Vorbericht]

- Heute ist wieder WM. Der Kampf um Platz 3. Das Spiel um die goldene Ananas. Ich könnte die Zugriffe auf diesen Blog wahnsinnig steigern, wenn ich hier und jetzt erklärte, woher dieser Begriff seinen Ursprung hat. Aber trotz längerer, hingebungsvoller Suche habe ich wirklich keinen blassen Schimmer.

Wahrscheinlich erforscht jede neue Fußballfan-Generation diese Frage, gibt aber nach kurzer Zeit auf, weil es kontraproduktiv ist, Energie in die Suche nach etwas zu stecken, was am Ende eh keinen interessiert. Ein Teufelskreis. Dafür weiß ich nun, dass man in Polen eine solche Partie ein “Petersilien-Spiel” nennen würde. Immerhin.

- Bei unseren Kickern sind ja mittlerweile Zustände ausgebrochen wie bei Brückentagen in deutschen Arbeitsstuben. Kaum einer da, der arbeiten will, viele plötzlich verletzt (Ballack, Mertesacker, Friedrich), die Ärzte schreiben verdächtig großzügig krank und der Rest nimmt sich Urlaub (Lehmann). Ich will gar nicht wissen, was sich am Ende bei Portugal auf den Rasen schleppt.

- Und zum Schluss der heutigen kleinen Vorberichterstattung eine Aufgabe an die Fußballexperten:

Nennen Sie Teilnehmer, Endergebnis und Torschützen der letzten vier Spiele um Platz 3.

Ich halte mich da besser raus und wünsche dem Rest viel Spaß beim Ärgern der vermeintlichen Alleswisser. Kleiner Tipp: seit 1982 gab es nie weniger als drei Tore und insgesamt 26 Tore in 6 Begegnungen. Na, ihr Netzerjünger da draußen, jetzt muss aber der Groschen langsam gefallen sein. Oder?

[Nachbericht]

- Sieg! Wir sind Trizeweltmeister! Oder wie auch immer die offizielle Bezeichnung für den Gewinner des Spiels um Platz 3 lautet.

- Eine offen geführte, sehr attraktive Partie (vielleicht mit Ausnahme des Beginns der zweiten Spielhälfte) fernab von taktischen Zwängen und Sicherheitsballschiebereien. Mit erstaunlich vielen Freistößen aus guter Position, diversen Torwartparaden und angenehmer Lockerheit. Vielleicht sollte man für die nächste Endrunde alle Mannschaften vorab damit konfrontieren, dass sie nicht mehr Weltmeister werden können. Wer dann die schönste Begegnung abliefert, darf ins Finale. Nur so als Vorschlag zur Förderung des attraktiven Fußballs.

- Was nehmen wir aus dem Spiel mit? Erstens: wir haben einen Großen geschlagen (immerhin den Vize-Europameister). Ohne Elfmeterschießen. Zweitens, und da schließt sich der Kreis zum Eröffnungsspiel: keep on fearing ze power of the german weitschuss! Danke, Swine’s Tiger.

- Ich hoffe doch sehr, dass Kloses 5 Treffer für die Torschützenkanone reichen. Podolski ist bekanntlich offiziell der beste junge Spieler und wenn es einen Publikumsantipathie-Preis geben sollte, hätte ich auch schon einen Kandidaten: spielt bei Portugal und gibt selbst im letzten Spiel alles in der Rolle des klassischen Fallobstes. Es ist eine Kunst, das auch konsequent durchzuziehen, insofern: Respekt für Cristiano Ronaldo.

POR – FRA 0:1

[Vorbericht]

- Mahlzeit allerseits. Na, heute schon wieder gemeckert und mürrisch gewesen? Auch verzweifelt nach Möglichkeiten gesucht, die Italiener als unverdiente Sieger zu brandmarken? Wer hat denen überhaupt den Weg zum gegnerischen Strafraum gezeigt? Hätten die mal schön die 120 Minuten nur hinten gestanden und dann diese gemeinen Tore erzielt, alles wäre in Ordnung gewesen. Was hätten wir auf ihnen herumtrampeln können. Auf nichts kann man sich mehr verlassen.

- Einen Trost und eine Motivation für heute Abend habe ich aber doch. Wer das Spiel gewinnt, wird Weltmeister. Da lege ich mich jetzt schon fest. Der Grund für diese Einsicht? Fabio Grosso, der Torschütze von gestern. Wir und die Australier erinnern uns: das war der feine Herr, der im Achtelfinale so gekonnt über einen Socceroo gestolpert ist und den Elfmeter wenige Sekunden vor Schluss herausholte. Der Mann der ganz späten und ganz schmerzlichen Tore also. Karma lässt sich derartiges auf Dauer nicht gefallen (wer es nicht glaubt, sollte mal “My Name Is Earl” gucken). Zur Strafe darf Signor Grosso folglich in der 121. Minute des Finales eine harmlose Hereingabe ins eigene Netz befördern.

- Frankreich oder Portugal? Die einen haben die bräsigen Brasilianer, die anderen die käsigen Holländer rausgeworfen. Und die Engländer. Leichter Punktvorteil für Luis Figos Mannen auf meiner Sympathieskala also. Die armen Franzosen haben allerdings ein Handicap: die müssen das Elfmeterschießen verhindern, weil Barthez bestimmt jeden reinlässt und Ricardo keinen. Der alte Mann Zidane hätte es auch verdient. Okay, allez les bleus.

[Nachbericht]

- Félicitations. Frankreich steht im Finale. Damit wird es keinen Neuzugang im Weltmeister-Club geben. Mit Scolari und Deco sind auch die letzten Brasilianer draußen. Kein tolles Spiel, aber alleine wegen der peinlichen Schwalbereien von Ronaldo ein verdienter Sieg für die Franzosen.

- Am Samstag spielen unsere Jungs also gegen Portugal. Wahrscheinlich deren B-Elf. Das erinnert mich doch an eine kleine Rechnung, die wir mit denen offen haben. EM 2004, letztes Spiel der Vorrunde, werfe ich als Stichwort in die Runde. Schön, dass die DFB-Elf zum Schluss noch einen Makel beseitigen kann.

- Es ist noch früh, aber ich küre bereits jetzt den unnötigsten Halbsatz dieser WM. Er folgt meist, nachdem der Kommentator die schwache Qualität der Partie eingesteht und lautet:

…aber es ist spannend.

Alle Spiele ab dem Achtelfinale sind spannend, so lange es unentschieden steht. Weil noch nicht fest steht, wer rausfliegt. Genau so gut könnte ich darauf hinweisen, dass jede Mannschaft auch bei dieser WM mit einem Torwart antritt.

- Spannend wird auch das Finale, da bin ich mir sicher. Solange Fabien Barthez im Tor der l’équipe tricolore steht, darf sich der Zuschauer schon jetzt wieder auf lustige Paraden und irre Ausflüge im Strafraum freuen.

GER – ITA 0:2

[Vorbericht]

- Das Spiel hat noch nicht begonnen und schon schlägt mir der blanke Hass entgegen.

Nicht etwa von meinem Stammitaliener, sondern den teutonischen Freunden und Bekannten. Ich muss mir anhören:

“Deine blöden FIFA-Juristenkollegen haben uns den Frings weggesperrt”.
Nein, der darf nur nicht mitspielen. Außerhalb des Platzes ist er ein freier Mann.

“Der ist doch von den Argentiniern provoziert worden”.
Bestimmt, aber trotzdem darf er nicht hauen.

“Der hat nicht gehauen, das war nur ein Schutzreflex”
Sicher, ich strecke auch immer die Faust von mir, um mich zu schützen.

“Diese Italiener müssen ja eine Riesenangst vor uns haben. Nur weil die bei der EM 2004 auch einen Spieler nachträglich gesperrt bekamen, meinen die jetzt, sich bei uns einmischen zu müssen”.
An dieser Stelle kehrt wieder Friede, Freude und Konsens ein. Denn der Totti hatte 2004 den Poulsen angespuckt. Und Poulsen ist ein Schalker, die Vereinszugehörigkeit also ein strafschärfendes Tatbestandsmerkmal. Da sind wir uns einig, sowas ist ein ganz besonders schlimmes Vergehen und mit Sperren allein eigentlich nicht wieder gut zu machen.

Schließlich sind wir überzeugt: die Deutschen hauen die Italiener jetzt erst recht weg.

- Deutschland gegen Italien bei einer WM. Da habe ich noch eine Jugendsünde zu beichten. Es war 1982, der erste Schultag nach dem Endspiel, das die Italiener bekanntlich mit 3:1 für sich entscheiden konnten. Unser Lehrer saß vorne am Pult und meinte sinngemäß: “tja, die Italiener feiern jetzt wohl noch, aber für uns ist wieder Alltag”. Aus den hinteren Bankreihen raunt es “Elende [derbe Umschreibung für Menschen, die hastig ein italienisches Nationalgericht verschlingen], elende”.

Stille.

“WER HAT DAS GESAGT?”, schallt es von vorne.

Schweigen. Der Übeltäter sollte unerkannt und unermittelt bleiben.

Jetzt, 24 Jahre später, kann ich es ja gestehen. Lieber Herr Pfister, falls Sie das lesen: ich war’s. Das Wort hatte mir übrigens mein Bruder beigebracht und war mächtig stolz darauf. Ich dachte mir, ich mache jetzt vor dem Halbfinale mal besser reinen Tisch, damit mir der Fußballgott nicht zürnt. Als Dank erwarte ich nur, dass der Buffon heute mal einen Ball reinlässt. Und der Lehmann wie gewohnt keinen.

[Nachbericht, bedröppelter]

- Ich mach’s kurz:
Grosso scheisso.
Glückwunsch Italien.
Danke Deutschland.

ENG – POR 1:3 n.E.

[Vorbericht]

- Die Engländer sind ja immer noch im Turnier. Langsam ist es aber mal gut. The new heirs of rumble football, die neuen Erben des Rumpelfußballs. Die müssen wir heimlich beim 0:1 damals in Wembley angesteckt haben. Als wir danach gegen große Gegner keine Erfolge mehr erzielen konnten. Aber das ist seit gestern ja Geschichte. Fragt Maradona (den ich leider, leider in den letzten Stunden nirgendwo gesehen habe).

- Portugal gegen Deutschland im Finale. Hätte ich nix dagegen. Haben die bisher schon was gewonnen bei Welt- und Europameisterschaften? Spontan würde ich das verneinen wollen. Heuer wird es zwar leider wieder nichts geben, aber Vizeweltmeister ist doch auch ein schöner Titel für den Briefkopf.

[Nachbericht]

- ENGLAND’S COMING HOME, IT’S COOOMING HOME, IT’S COMING HOME, IT’S COMING. Ach, wie schade. Dass Beckham und Rooney schon draußen waren und nicht dabei helfen konnten, Elfmeter zu verschießen. Testfrage: wer hat als einziger Engländer getroffen? Na? Der Hargreaves. Das hat er in der Bundesliga gelernt.

- Das Bild vom heulenden Beckham (nach seiner Auswechslung) entschädigt schon ein wenig dafür, dass Maradona noch zu keiner öffentlichen Flennerei zu bewegen war. Vorbildlich: Rooney, der bissige kleine Gemächttreter, weiß schon in jungen Jahren, wie man England am sichersten von Triumphen fernhält. Gut gemacht, Pitbully.

BRA – FRA 0:1

[Vorbericht]

- Finale 1998, 3:0 für Frankreich, zwei Kopfballtore von Zinedine Zidane. Bei dem Gedanken allein verliert Roberto Carlos schon mindestens 2 Bar Luftdruck aus den Oberschenkeln. Ich glaube, die Franzosen sind derzeit so unvorhersehbar, dass ihnen alles zuzutrauen ist. Solange nicht zu viele Bälle auf das Tor von Barthez kommen. Am besten sicherheitshalber gar keine.

- Die Franzosen würde ich schon gerne in einem Halbfinale gegen Portugal sehen. Dann heißt es Vorhang auf für The Beauty & The Beast, Luis Figo & Frank Ribery.

Okay, das war jetzt gemein. Der Ribery spielt eine richtig klasse Weltmeisterschaft, meinen Respekt dafür. Und der Luis ist gar nicht so schön. Aber Beckham kotzt ja mittlerweile seine Metrosexualität auf den Platz, da muss man nach Alternativen für den Thron suchen.

[Nachbericht]

- Die Brasilianer sind draußen. Die Ballzauberer. Die Götter. Ich bin immer noch ein wenig baff. Nicht so sehr über das Ob, sondern über das Wie des Ausscheidens. Wollten die den größten Fußballtrick aller Zeiten aufführen und ein Spiel gewinnen, ohne auf’s Tor des Gegners zu schießen? Wir warteten doch alle auf die große Fußballmagie, stattdessen betrat Ronaldinho die Bühne, grinste sich ins Hasenzähnchen und präsentierte anstelle der berauschenden Zaubershow nur einen Zylinder. Wobei er obendrein auch noch vergaß, vorher ein Kaninchen reinzustecken. Erschütternd unspektakulär.

- Die Franzosen hingegen bestimmten das Spiel. Eigentlich unfassbar. Die Nachkommen von Asterix und Obelix sind weiter. Und Methusalix Zidane musste nicht mal zum Zaubertrankfläschchen greifen. Weil die Brasilianer so uneffektiv waren wie die Römer bei ihren gesammelten Angriffen auf das Heimatdorf der Gallier. Als Saarländer fände ich ein Finale Deutschland-Frankreich natürlich reizvoll. Vielleicht verirrt sich dann mal ein Reporter von ARD oder ZDF hierher und fragt mich um kompetenzfreien Rat.

GER – ARG 5:3 n.E.

[Vorbericht]

- Heute ist es soweit. Das Duell der Titanen. Was schreib ich: der Legenden. Alle warten gespannt auf diesen Schlagabtausch.

Franz Beckenbauer vs Diego Armando Maradona.
Live auf der Ehrentribüne des Berliner Olympiastadions.

Im Folgenden ein kurzer Abriss über die spektakulärsten jüngeren Verdienste dieser Fußballgötter:

Beckenbauer:
+ Hat geheiratet. Den Meldungen zufolge eine Sterbliche
+ Guckt sich jedes Gekicke an, ohne auszuflippen
+ Fliegt seinen Hubschrauber wahrscheinlich schon selber. Mit Augenbinde, um gleichzeitig Schlaf zu tanken
+ Findet dennoch jeden Tag die Zeit, mit gelben Fußbällen um sich zu schießen, auf dass sich Zahlen auf einem Stadionrasen formen

Maradona:
+ Stürzt jeden Amateurschreiberling in die Sinnkrise, ob er nun mit einem oder zwei “n” geschrieben wird
+ Hat derzeit aus unerfindlichen Gründen keine Drogenprobleme
+ Muss mindestens 10 Mal während jeder Übertragung im Bild sein, auch wenn er gerade nur in der Nase popelt
+ Ist immer in Begleitung seiner gotteslästerlichen Tochter. Weshalb Argentinien heute rausfliegen wird. Ich bleibe dabei.
+ Kämpft erfolgreich gegen den Mythos, wonach gestreifte Kleidung schlank macht

Die Ausgangssituation ist klar. Franz hat Heimvorteil. Aber kennt er das Olympiastadion auch gut genug, um rechtzeitig die Ehrentribüne zu finden? Sitzt die teilnahmslose Mimik, wenn die Kamera ihn einfängt? Hat Maradona erneut erstklassige Jubelposen und ansatzlose Hüpfeinlagen im Repertoire? Wen drückt er? Wann drückt er? Wie fest drückt er?

Gerüchteweise soll auf dem Spielfeld auch ein reizvolles Begleitprogramm stattfinden. Irgendwas aus Europa gegen irgendwas aus Südamerika. Details im Programmheft. Wer will, kann sich davon kurz ablenken lassen.

- Leute, passt mir auf den Ritchie auf. Ja, ich meine den Lionel Messi. Den nenne ich Ritchie, weil er aussieht wie ein Ritchie. Jung, lange Haare, desinteressierter Blick und ein Gesichtsausdruck, als wüsste er gerade nicht so genau, wo er ist. Die Sorte von Mensch, die einen vor der Rockdisko um eine Zigarette anschnorrt und dann weitschweifig erzählt, weshalb Black Sabbath die beste Band aller Zeiten ist. Alles Tarnung! Der Bub soll den Teufel im Fuß haben. Vorsorglich sofort reingrätschen, wenn er den Ball auch nur mit den Augen fixiert.

[Nachbericht]

- AUS, AUS, AUS – Deutschland ist Weltmeister!!!
Okay, noch nicht, aber doch so gut wie. Wer will uns denn jetzt noch aufhalten?

- Ich war schon leicht zittrig, als es nach 15 Minuten noch nicht 2:0 stand. Und nach dem 0:1 war meine Hoffnung doch sehr gedämpft. Aber dann: unser Klose als Mann des Tages. Erst einen Argentinier in einen Kopfball geschubst (0:1), dann wie aus dem Nichts die eigene Birne reingehalten (1:1). So werden Helden geboren. Der Lehmann war zugegebenermaßen auch nicht schlecht.

- Souverän auch, wie die beiden gefährlichsten Argentinier ausgeschaltet wurden. Maradona nicht im Stadion (mein tief empfundener Dank dem dafür Verantwortlichen) und wegen der argentinischen Führung Messi zur Nichteinwechslung gezwungen. Klarer Punktsieg also für Franz, Diego kann höchstens durch ein paar dicke Tränen wertungsmäßig ein wenig herankommen.

- Elfmeterschießen, immer etwas Besonderes. Ich ahnte, dass Ayala verschießt, der hatte ja schon getroffen und einmal pro Spiel ist für einen Verteidiger auch genug. Aber dass die schönste Haarinsel der WM (Cambiasso) den Ball nicht unterkriegt, hatte ich nicht auf der Rechnung.

- Weil ich jetzt gut gelaunt bin, verzeihe ich Beckmanns schönste Verbalschnitzer. Du bist auch Deutschland, Reinhold.

ITA – UKR 3:0

[Vorbericht]

- Schlechte Spielplanfestsetzung, das muss ich schon sagen. Es sind noch 8 Mannschaften im Turnier. Drei davon haben meiner leider nicht maßgeblichen Meinung nach jegliche Chance verwirkt, Weltmeister zu werden. Ich hüte mich davor, Namen zu nennen. Nur soviel: wenn die obige Begegnung vorbei ist, werde ich sicherlich unentschlossen sein: überwiegt die Freude, dass einer der Unwürdigkeitsvertreter definitiv raus ist oder doch der Ärger, dass einer definitiv ins Halbfinale einzieht?

- Die Ukraine ist spielerisch die kleine Version von Italien – und das ist jetzt nicht als Kompliment gemeint. Alle Mann geschlossen zur Schönheitsberaterin, zwei Kilo Öl ins Haar, blaue Trikots an und voilà: Italia 2. Hinten die gute Zementmischung, im Mittelfeld unspektakulär, und vorne mit Treffern der Marke “das hätte jetzt nicht sein müssen”. Wenn das ein Festival der Tore und der Spannung wird, fress ich meinen Wischmob und gurgele das Schmutzwasser hinterher. Wer vor Ende der WM unbedingt noch ein Buch fertiglesen, eine Semesterarbeit fertigschreiben oder endlich den pochenden Weisheitszahn hinten links selbst herauspuhlen will: heute Abend, 21:00 Uhr.

[Nachbericht]

- Ja, ich habe zu tief in den Lästertopf gegriffen. Für italienische Verhältnisse sensationell viele Tore, aber spannend war es eigentlich nicht. Vielleicht für 15 Minuten nach dem Anpfiff zur zweiten Spielhälfte. Wo deutlich wurde, dass die Klitschkos den Ukrainern in der Pause Prügel angedroht haben müssen.

- Italien ist also unser Halbfinalgegner. IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHRN, IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHRN. Habe ich so ab der 70. Minute ständig gesungen, um die Italiener schon mal zu verunsichern. Die spielen doch nur so erfolgreich, weil sie hoffen, durch den Weltmeistertitel den Bestechungsskandal in ihrer Liga unter den Teppich kehren zu können. Bei dem Gedanken an die frühzeitige Heimreise verkrampfen die sicher. Also: am Dienstag von Anpfiff an alle mitgrölen.

[Prolog]

- Na, hat noch jemand Lust auf weitere Achtelfinal-Kracher wie gestern? Nicht wirklich. Ich habe heute Nacht von gefährlichen Flanken, raffinierten Schüssen und akrobatischen Torwartparaden rundum den schweizer bzw. ukrainischen Strafraum geträumt. Die Psychologen nennen das glaube ich Flucht vor der Realität durch Abgleiten in Fantasiewelten.

BRA – GHA 3:0

[Vorbericht]

- Dieses Spiel darf nicht 1:0 ausgehen. NEIN. Elfmeterschießen nach 0:0 will ich auch nicht sehen. PFUI. Einige Tore während der regulären Spielzeit und ein paar gekonnt vorgetragene Angriffe in Verbindung mit liebenswerten Patzern in den Hinterreihen. Das muss doch zu machen sein. Bitte.

- Ghana. Die sympathischen Afrikaner, die es irgendwie geschafft haben, die Vorrunde zu überstehen. Freut mich riesig. Hoffentlich spielen sie weiter so unverkrampft. Unverkrampft ist eh mein Lieblingswort bei dieser WM. Der Roman Herzog hätte seine Freude an den kleinen Rackern gehabt.

[Nachbericht]

- Jaja, Spannung hatte ich nicht im Anforderungskatalog stehen. Man ist ja bescheiden geworden. Afrika ist somit offiziell ausgeschieden. Dabei haben die Jungs aus Ghana wirklich leidenschaftlich mitgespielt, vor allem in der ersten Hälfte. Dass ich Brasilien mal mit eiskaltem Konterfußball verbinden werde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.

- Die für mich spannendste Frage nach dem 2:0 der Brasilianer: heißt der ghanaische Torwart nun Kingston oder Kingson? Für alle, die sich darüber Gedanken gemacht haben, hier die Antwort: K-I-N-G-S-O-N.

ESP – FRA 1:3

[Vorbericht]

- Von den Franzosen darf man jetzt nicht zuviel verlangen. Die haben laut ewig dröhnender Reporterlaberei 8 Jahre lang gar kein Tor erzielt. Bei Weltmeisterschaften. Da muss man einfach mal Geduld haben. Jetzt sind es immerhin schon drei. Bei konstanter Fortführung dieser Entwicklung stellen die schon im Jahre 2046 locker den Torschützenkönig.

- Die Spanier. Zuletzt souveräner Sieger über Saudi-Arabien. Mit 1:0. Schon wieder 1:0. Ich HASSE 1:0. Da muss heute mehr kommen, ihr Iberer.

[Nachbericht]

- Aus dem Poesiealbum des unbekannten deutschen ARD-Zuschauers:

“Und ist das Spiel auch keine Pein, der Beckmann wird es sicher sein”

Ja, unser allerliebster Meister der leicht falschen Formulierungen war erneut in Höchstform. Nur ER wartet auf “die genialischen Momente des alten Kapitäns Zidane”, nur ER sieht “ein bißchen gelbe Karte für Viera”, nur ER weiß, dass “keine Bewegung mehr zu spüren” ist, nur ER ahnt, dass “das nicht nach Abseits riecht” und nur ER ist sich sicher, dass nach dem gekonnten Schuss in die Weichteile “Gallas nach Luft schnappt”, obwohl der in dem Moment wahrscheinlich gerade irgendwelche altfranzösischen Flüche in den Nachthimmel von Hannover schreit.

- Insgesamt eine sehr ansehnliche Partie, die ein wenig für den Krampf der letzten Tage entschädigt hat. Ich glaube, wir sind Zeuge der Geburt eines neuen Spielertyps geworden: der professionelle Abseitssteher und Abwehrverwirrer. Beim 2:0 der Brasilianer und beim 1:1 der Franzosen sehr schön zu beobachten – ein Stürmer steht deutlich im Abseits, die Abwehr konzentriert sich auf ihn, während -schwuppdiwupp- aus der zweiten Reihe ein Spieler sich den Pass in den nun freien Raum schnappt und einnetzt.

- Dieser neue Trend muss ausgenutzt werden. Daher im folgenden meine Kurzbewerbung an den deutschen Trainerstab:

Lieber Klinsi, lieber Jogi,

mit diesem Schreiben bewerbe ich mich um die Position des professionellen Abseitsstehers(TM) der deutschen Nationalelf(TM). Ich kann:

in der jeweiligen Landessprache des Gegners laut und deutlich “Oh mein Gott, ich glaube, ich stehe nicht im Abseits” rufen,

begleitend dazu durch hektische Armfuchtelei gegnerische Abwehrspieler auf mich aufmerksam machen,

infolge mangelnder Fitness sicherstellen, wirklich immer im Abseits zu stehen (Laktatwerttest jederzeit möglich)

durch konstantes Fernbleiben vom eigenen Strafraum die Gefahr von Eigentoren entscheidend mindern und

wegen fehlender Torschusstechnik Michael Ballack die alleinige Chance zu seinem ersten WM-Treffer gewähren.

Rückmeldung bis spätestens Freitag Mittag erbeten. Gehalt bleibt Verhandlungssache und wird von mir vertraulich behandelt. Ich bin mir sicher, ihr werdet euch nicht lumpen lassen.

Mit freundlichen Grüßen,
Euer Mikael.

[Prolog]

Bruno ist tot. Waldi wird in der nächsten Ausgabe seines WM-Clubs mit Sicherheit ins Weißbierglas weinen, weil seine mystisch-religiöse Prophezeiung vom Fußballheilbringer in Braunbär-Gestalt nicht mehr wahr werden kann.

1954: der Bär im Stadtwappen von Bern

1974: Korbiniansbär im Wappen des Erzbistums München und Freising

1990: Rom, Italien, WM-Gewinn. Seit der letzten Papstwahl Bär im päpstlichen Wappen. Papst=Rom (quasi nachträgliche Seligsprechung des Austragungsortes, man kennt das ja in diesen Kreisen)

2006: Bär tot, erschossen von einer Verschwörergruppe aus Argentinien, Portugal, England, Italien, Schweiz, Spanien und Brasilien, um Deutschland am Gewinn der Weltmeisterschaft zu hindern. Großer Ärger, weil das Endspiel extra von Berlin schon ins bayerisch-österreichische Grenzgebiet verlegt worden war. Und zwar derart, dass das eigene Tor immer mitten auf dem Spitzingsee im Landkreis Miesbach gestanden hätte. Damit wäre Lehmann schon unüberwindbar gewesen. Für das Elfmeterschießen schließlich hätten die Brasilianer keine original FIFA-Schwimmflügel(TM) vorweisen können und wären vom guten Schiedsrichter Ivanov allesamt vom Platz gestellt worden.

So wird es Wikipedia zu berichten wissen, wenn man als Stichwort “Waldi-Wahn” eingibt. Zu den Spielen heute:

ITA – AUS 1:0

[Vorbericht]

- Da tippt wohl jeder auf 1:0. Ich müsste die aktuellen Wettquoten nachschauen, aber ich bin mir sicher, für diesen Tipp kriegt man bei einem Euro Einsatz locker 1,01 Euro zurück. Lieber wäre es mir, wenn Australien in Führung geht und die Italiener Gennaro Gattuso in den Sturm beordern, damit er die dort herumstehenden Verteidiger der Reihe nach zerbeißt.

- Brandheiß: die Italiener haben im Saarland übernachtet. Das Hotel musste extra Klimaanlagen herbeischaffen, damit es die Herrschaften auch schön kühl haben. Der Lieferant wird die Geräte wahrscheinlich bald als “cool italian popo”-Edition teuer weiterverticken. Weicheier. Die Aussis hätten die Nacht in der Kühltruhe verbracht. Inmitten der selbst erlegten Jagdbeute.

[Nachbericht]

- 1:0. Für Italien. Per Elfmeter. Wer hätte damit gerechnet? Immerhin weiß ich seit heute, dass Gattuso sich von einem Mannschaftskollegen die Haare schneiden lässt. Und dass ein gewisser Australier lernen muss, sich im Strafraum nicht rücklings hinzulegen, wenn gerade ein Italiener eingedrungen ist. Sonst keine überraschenden Erkenntnisse.

SUI – UKR 0:3 n.E.

[Vorbericht]

- Von denen wird mit Sicherheit keiner Weltmeister. Darauf lege ich mich jetzt schon fest. Die Ukrainer sind bei mir bekanntermaßen ganz unten durch nach dem Grottenkick gegen Tunesien. Und Koebi Kuhn guckt zu lieb und onkelhaft, um Weltmeister zu werden. Dem fehlt der Killerinstinkt, der einen Trainer dazu antreibt, 5 Minuten vor Schluss bei eigener Führung einfach mal engagiert “Grätscht sie alle um, bis sie nicht mehr zucken!” reinzurufen.

[Nachbericht]

- Örks. Was soll ich zu dieser Begegnung schreiben? Ein Festschmaus für Menschen, die ihre Erfüllung dabei finden, quälend langweilige Fußballspiele zu sehen. Die versammelten Ballallergiker auf dem Platz haben es nicht mal geschafft, im Elfmeterschießen ein wenig Spannung unterzubringen.

- Vielleicht sollte die FIFA-Regelkommission den Schiris einfach mehr Kompetenzen einräumen. Ich stelle mir das so vor:

1) Wird das Spiel nach 30 Minuten primär von grausiger fußballerischer Ödnis geprägt, darf der Unparteiische wahllos gelbe und rote Karten verteilen.
2) Nach 60 Minuten ohne spielerische Besserung darf die Partie abgebrochen und sofort das Elfmeterschießen eingeleitet werden.
3) Bietet auch das Elfmeterschießen für den Zuschauer keine hinreichende Entschädigung, werden beide Mannschaften mit sofortiger Wirkung vom Turnier ausgeschlossen.

Wenn es so liefe, könnten die Ukraine und die Schweiz schon mal zusammen eine Maschine für den Rückflug buchen. Spart deren Geld und vor allem meine Nerven.

[Prolog]

Nachdem die Klinsmänner das Halbfinale schon jetzt sicher in der Tasche haben (siehe letzter Beitrag unten), kümmern wir uns nun um den dort anzutreffenden Gegner.

ENG – ECU 1:0

[Vorbericht]

- Questions you are not supposed to be asked during the world cup (noncompliance may legally allow you to kill the inquirer), lesson one:
“Hatten wir bei dieser WM eigentlich schon ein Elfmeterschießen?”
Did we already see a penalty shoot-out in this world cup?

Haha. Kleiner Scherz.
Wenn es heute Abend wirklich soweit sein sollte, muss ich auf meinem Receiver nochmal Sky News suchen gehen. Die Heimreise der Three Lions ist doch immer wieder ein Highlight bei Europa- und Weltmeisterschaften. Wo die Südländer heulen, hadern die Engländer mit dem Schicksal und greifen so tief in die Tragikkiste, dass der alte Shakespeare sich im Grab windet. Muss man als echter Fußballfan mindestens einmal in seinem Leben erlebt haben. Ich drücke ganz fest die Daumen.

[Nachbericht]

- Oh my god. What a terrible g cucumber. Oh mein Gott. Was für ein schreckliches Gegurke. Ecuador mit einer Riesenchance zu Beginn, Beckham mit dem Freistoßtor und der englische Keeper ist – Originalton mein Bruder – “zu doof, um verletzungsfrei hinzufallen”.

- Bester Kommentatorenmoment: “Beckham ist ein echter Kapitän. Er humpelt auch ein wenig.” Wusste gar nicht, dass das für den Job zu den Grundvoraussetzungen auf der Insel gehört.

- John Terry wurde übrigens zum “Man of the Match” gewählt. Klar, der hat auch für den besten kreativen Moment im Spiel gesorgt, als er die Vorlage zur Chance der Ecuadorianer gegeben hat.

POR – NED 1:0

[Vorbericht]

- Portugal oder Holland, da kann ich mich ja gar nicht entscheiden. Ich bin bekanntlich ein untypischer Deutscher und halte mich von billigen Hollandzoten fern, ja hätte den Oranjes sogar ein gutes Turnier zugetraut. Aber so wie die in den letzten Spielen gekickt haben. Nee. Dann lieber Portugal. Über die habe ich auch noch kaum Lästermaterial zusammengebraut und ausgeschüttet.

[Nachbericht]

- DAS war mal ein Spiel. So soll das sein. Zwei Mannschaften, die Fußball spielen können. Ein Schiri im Verwarnungsrausch. Ein hervorragend herausgespieltes Tor zum 1:0. Ein Team, das verzweifelt einem Rückstand hinterher läuft. Und wenn mal gerade kein Spielfluss zustande kommen will, wird eifrig Holz gehackt. Das ist Unterhaltung, da sehe ich gerne hin. Der krasse Gegensatz zu diesem verweichlichten, metrosexuellen den-Ball-per-Freistoß-ins Tor-Gezwirble von heute nachmittag.

- Emotionen gab es auch im Angebot. Wie z.B. der Ronaldo geheult hat bei der Auswechslung. Ich hatte wirklich darauf gewartet, dass Frauke Ludowig quer über’s Feld hechelt, um sich nebendran zu setzen, die Tränchen mit der Handkamera aufzunehmen und blöde Fragen zu stellen.

- Der Schiri verdient einen eigenen Absatz. Der gute Mann war der Fun-Faktor schlechthin. Und bot reichlich Potenzial für Partyspiele am Rande der Begegnung. Als da wären:

1) heiteres Raten, ob der verwarnte Spieler vom Platz geht oder nicht,

2) hektisches Rufen von Verwarnungsprognosen (”gelb”, “gelb-rot”, “rot”, “irgendwas”) bei jeder Aktion und

3) sinnfreies Erfinden von Verwarnungsgründen (”Figo hat seine Kapitänsbinde schon abgegeben – gelb-rot!”, “Ronaldo heult wegen Verletzung – nachträglich gelb!”, “Rudelbildung außerhalb des Spielfeldes durch bereits vom Platz verwiesene Spieler – rot!”. Ich glaub, der Schiri nestelt heute Nacht noch während des Schlummerns instinktiv an der Brusttasche herum.

- Einziger negativer Aspekt der Partie: die Portugiesen müssen gegen England wieder eine Mannschaft zusammenbringen. Ich würde ja ernsthaft über eine Amnestie wegen des großartigen Unterhaltungsfaktors nachdenken.

- Zum Schluss noch dies: Ruud, komm zu Schalke. Da werden dich alle lieb haben.