Mexiko – Schweden 0:3 / Südkorea – Deutschland 2:0

Über vier Jahre lang hatte Ingo Kramer seine Ruhe gehabt. Nun gab es wieder ein Problem. Wie schon 2010 bei der WM in Südafrika. Ein Blick zurück:

Niederlande – Dänemark

Montag, 8:30 Uhr: Arbeitgeberpräsident Dr. Dieter Hundt sitzt gramgebeugt an seinem Schreibtisch und schüttelt den Kopf. Sein Plan scheint nicht zu funktionieren. Dabei wollte er doch nur die deutsche Wirtschaft vor immensem Schaden bewahren. Was war er damals schockiert gewesen, als er hörte, dass der übergeschnappte Afrikaner während der WM sogar Spiele mitten in die schönste deutsche Kernarbeitszeit (13:30 Uhr!) hinein übertragen wollte.

Flugs setzte er sich mit der renommierten Werbeagentur Schönfärb & Wort-Müll zusammen, die seine Kampagne als „fresh. wild. irresistible“ gelobt hatte. Er höchstselbst im Deutschland-Trikot, mit seinem gewinnendsten Lächeln, die orange-rote Karte dynamisch dem Betrachter ins Gesicht haltend: „HOLLÄNDER? NICHT WÄHREND MEINER ARBEITSZEIT!“ 10 Millionen Aufkleber als BILD-Beilage, Premium Social Networking Guerilla-Marketing und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte sogar fest versprochen, bei der offiziellen Pressekonferenz als Frau Antje verkleidet mehrere kalte Platten mit Holländerwitzen zu servieren. Doch die einzige Reaktion bisher war ein Kommentar auf Facebook mit dem Inhalt „Hundt? Am Arsch! Nix da! Olé Olé Olé Olé Olé! Schalalalala!“

Heute war Südkorea gegen Deutschland um 16:00 Uhr angesetzt worden. 44,64 Millionen Stunden an potenzieller Arbeitszeit schienen verloren. Verloren, weil eben diese Zahl an erwerbstätigen Menschen sich unbedingt auch die dritte verkorkste erste Halbzeit der Deutschen bei dieser WM anschauen wollte statt für den Chef produktiv zu sein. „Schlauer werden die auch nicht“, seufzte Kramer. Seine Social Media-Abteilung allerdings hatte nur Mist anzubieten: „Bete und arbeite! (in Kooperation mit der katholischen Kirche)“, „Wie? Gegen Südkorea? Da schaff‘ ich glatt noch mea!“ oder „Korea win? Only on Playstation“. So beließ es der Arbeitgeberpräsident bei einer Nachricht auf twitter:

Macht diesmal hinne, Jungs. #zeitistgeld #zsmmn #geld #moneten #knete #nomoremindestlohn

Dem möchte ich mich anschließen. Frühe Führung, so um die 20. Minute der zweite Treffer, danach entspannt zugucken, wie dem Mexikaner und dem Schweden die Düse geht. Mulmig wird mir nur, wenn ich daran denke, dass wir die letzten Weltmeistertitelträger im Turnier sind, die sich noch blamieren können. Argentinien konnte gestern nochmal von der Schippe springen, der Engländer ist durch. In den letzten beiden Endrunden hat es immer einen europäischen Großen zeitig erwischt: 2014 Spanien. 2010 Italien, Frankreich. Jungs, das ist eine Chance, die ihr beherzt liegen lassen könnt.

Taktisch ist die Sache sonenklar. Son in Manndeckung nehmen. Das war’s. Ach ja, die südkoreanische Abwehr ist sehr elfmetergönnend. 100% bisher in den beiden Vorrundenspielen.

Brandt muss auf den Platz und einmal an den Pfosten schießen. Reus statt Draxler. Süle statt Boateng. Fließbandtore statt Torschusspanik.


Sie haben es wirklich geschafft und ihre historische Chance genutzt. Vorrundenaus gegen Südkorea. Mit risikofreiem, torungefährlichem Ballgeschiebe im Endlosmodus. Angereichert durch Versemmeln der wenigen wirklichen Torchancen. Verdientes Ende einer verkorksten Dienstreise. Kein Wunder, wenn ich mal ein Meme erstelle und auf twitter veröffentliche:

koreawin

Die Realität in Reimen:

Raus

Drei Mal sind sie aufgelaufen
Drei Mal war’s zum Haareraufen
Der Koreaner? Leichte Beute!
Hieß das Motto hier und heute

Historisch wurd’ es wie noch nie
Ein zwei zu null für Kim und Lee
Das Happy End ist ausgeblieben
Für jene, die den Ball rumschieben

Sie konnten schlicht kein Tor erzielen
So ist’s wenn Zombies Fußball spielen

Das war es dann auch für das unfassbar kompetenzfreie WM-Tagebuch. Vielen Dank an alle, die hier reingeschaut haben. Ich für meinen Teil lasse das heute mal sacken und lese in ein paar Tagen vielleicht nochmal das Tagebuch zur letzten WM durch. Denn: #2014wardasvielbesser.