[Viertelfinale] Frankreich gegen Deutschland 0:1

  • Ich bin mir sicher, das wird heute ein ganz anderes Spiel. Weil nochmal wie gegen Algerien überlebe ich nicht. Es sollte zumindest in der ersten Hälfte diesmal schon etwas mehr mit Fußball zu tun haben und weniger mit „Komm-ich-am-Torwart-vorbei-und-kann-den-Ball-ins-leere-Tor-schießen?“. Aber die Aussichten sehen gut aus, denn die Deutschen wiederholen sich ungern. „Locker durch dank Platzverweis“, „Zurückgekämpft nach Rückstand“, „Souverän weil’s beide wollten“ und „Durchgekrampft“ war das jeweilige Fazit nach den bisher gebotenen Leistungen. Jetzt wird es Zeit für „Wunder (60 Jahre nach dem von Bern)“, „Unverschämtes Glück“ oder „Freistoßlegende“.
  • Für letzteres hat man sich erneut akribisch vorbereitet. Schon vor Ertönen des Freigabepfiffs stürzt Mertesacker ganz vorne mit existenzialistischen Fragen die französischen Verteidiger in die Krise („Was wollt ihr von mir?“, „Was macht ihr überhaupt alle hier?“, „Sind wir vielleicht gar nicht im Jetzt und Raum, sondern nur eines göttlichen Wesens Traum?“), Müller jodelt, Kroos schubst Özil, Özil weint,  Schweinsteiger spielt per Hacke zurück auf den 80 Meter anlaufenden Neuer und … naja, lassen wir uns überraschen.
  • Die BILD-Zeitung meint, Großkreutz würde spielen, Boateng erst gar nicht auflaufen und vorne Müller mit Götze tauschen. Laut den Datenwürgern von Google Cloud haben die Franzosen eine Siegchance von 69%. Ich vertraue da weiterhin nur der NSA (überwachen alles, was sich Richtung Tor bewegt) und meinem Cristiano Ronaldo-Barometer, das eindeutig sagt: „S-piel wird niche sön, weil söne Cristiano Ronaldo niche meh dabei“.
  • Vor knapp vier Jahren standen die französischen Fans hier im Grenzgebiet noch in den Einkaufscentern an, um billig einzukaufen und Jogi-Löw-Nivea-Pappaufsteller zu umarmen, weil ihr eigener Trainer blöd wie drei Tage altes Baguette war. Jetzt sind sie plötzlich Favorit. Und das ist gut so! Denn wer heute weiterkommt, spielt das Halbfinale mit großer Wahrscheinlichkeit gegen Brasilien. Gegen Algerien haben uns alle im Stadion ausgebuht, weil wir Favorit waren. Heute müssen wir harmlos genug sein, dass die Einheimischen im Stadion die Franzmänner niedermachen, weil sie diese als größere Gefahr für die eigene Mannschaft betrachten. Allesch Taktik, würde der Jogi sagen.
  • Mein Lieblingsspieler bei den Franzosen: Blaise Matuidi, allein schon wegen des Namens. Das perlt auf der Zunge, da kämpft der US-Kommentator mit den Tränen, dem Kaugummi im Mundwinkel und dem Cheeseburger im Magen, wenn er das aussprechen soll. Blaze Matthew Die – so dürfte sich das dann wohl anhören und läge damit phonetisch näher am verbalen Mordauftrag als am Fußballspieler.
  • Und zum Schluss ein Gedicht mit dem Titel

Jogi für Anfänger: Wer meditiert, der nicht verliert

Den Neuer stell‘ ich in das Tor
Besser: ins Halbfeld gleich davor
Doch wo pack‘ ich den Lahm bloß hin?
Hat das mit Höwedes noch Sinn?

Was wollen alle bloß mit Durm?
Es spielen doch genug im Sturm!
Der Özil schleppt sich übers Feld,
Der Götze träumt von NIKEs Geld.

Des Müllers Lust platzt aus den Nähten
Bricht sich beim Freistoß fast die Gräten
Es bleibt die Frage aller Fragen
Wie kann ich den Franzosen schlagen?

Der Schumacher war einst dabei
Im Halbfinale ’80-2
Der Toni grinst, meint ungelogen
„Ein bisschen half der Ellenbogen“


  • 0:1. Durch. Ohne Verlängerung. War’s schön? Nein. Aber wer schön will, schneide sich eine Mp3 mit Steffen Simons schönsten Kommentierpausen zusammen, werfe mit Lavendel um sich und lege sich platschlings ins Entspannungsbad. Wobei ich nach diesem Spiel der festen Überzeugung bin, dass Manuel Neuer seine eigene Entspannungsproduktreihe bekommen MUSS. Allein wie der in der letzten Minute den Schuss von Benzema wegwinkt wie eine lästige Fliege. Manuel Neuer-Baldrian, Manuel Neuer-Fußbad, Manuel Neuer-Beruhigungstee, Manuel Neuer-Badezusatz. Herr oder Frau Allgäuer-Latschenkiefer, übernehmen Sie!
  • Nach dem 0:1 durch Hummels war ich richtig relaxt. Es passierte auch nicht viel. Die Torschuss-Statistik mag da anderes verlautbaren, aber ich bin der Meinung, die müsste eh mal reformiert werden. Wenn Neuer nicht zum Ball geht, ist es kein Torschuss gewesen. Wenn Neuer lacht und fängt, vielleicht ein halber. Nach dieser Zählweise hatten die Franzosen etwa dreieinhalb Möglichkeiten.
  • Die Deutschen ab der 70. Minute platt. Das hätte böse ausgehen können, wenn den Franzosen noch der Ausgleich gelungen wäre, denn die DFB-Elf hatte zu diesem Zeitpunkt stellenweise das Momentum eines Elefanten in Zementschuhen. Die Konter gelangen erst spät, aber Schürrle vergab sie. Immerhin wissen wir seit heute: Wir können auch mal einen Vorsprung heimbringen. Wenn man es genau bedenkt, war das heute Capture The Golden Goal mit 72 Minuten Nachspielzeit.

Tore:

0:1 Hummels (12.)

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8 Gedanken zu “[Viertelfinale] Frankreich gegen Deutschland 0:1

  1. Die erste Halbzeit, werter Herr Inishmore, war doch ganz ansehnlich. Das Gestümper der Herren Özil und Schweini mal außen vor gelassen. Höwedes? Fragen Sie mich nicht.

    Herzlich
    Ihr Schoss (Rückennummer 24)

    • Herr Schoss, Sie Teufelskerl! Haben Sie die Hand auf den Bildschirm gelegt? Den Franzosen so die Präzision genommen? Manuel Neuer ihre Unüberwindbarkeit damals in der Frankfurter Abwehrkette telekinetisch übertragen? Ich weiß nicht wie, aber wir haben’s geschafft!

    • Bei Steffen Simon lerne ich meine Stummschalttaste zu lieben. Vor allem, wenn er unmittelbar davor ist, in den Fanempörungsmodus zu wechseln (DAS DARF DOCH NICHT SEIN! DEN MUSSSSS ER DOCH REINMACHEN!). Ein *klick* und Ruhe is.

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