[Achtelfinale] Deutschland gegen Algerien 2:1 (n.V.)

  • Rabah Madjer und Lakhdar Belloumi. Das waren die algerischen Torschützen 1982 beim 2:1 gegen uns. Falls jemand heute Abend mit „Genau wie ’82 Madjer!!“ oder „Die späte Rache von Belloumi!!“-Aufschreien beeindrucken möchte. Meine persönlichen Highlights  im verlinkten Video: die sich pirouettenhaft wegdrehende deutsche Abwehrkette beim 0:1 und der moserige Ton von Rudi Michel als Kommentator. So was gibt’s heute nicht mehr. Obwohl: direkt nach dem Ausgleich mit dem ersten Spielzug den erneuten Rückstand einfangen, traue ich unseren Jungs durchaus nochmal zu. Da würde der Jogi wohl alle Geschmeidigkeit aus den Gesichtszügen verlieren.
  • Aber in die Gegenwart: Algerien wird ein schwerer Gegner. Die können laufen, kämpfen, köpfen, beten und zwar bis der Mann vom roten Halbmond kommt. Manche hoffen ja, dass die Fennecs wegen des Ramadan etwas geschwächt sein könnten. Stelle ich mir schon hart vor, den ganzen Tag über fasten zu müssen und erst nachts essen und trinken zu dürfen. Mir gelingt das Fasten nur nachts und wenn ich schlafe. Aber dann auch mal lockere acht Stunden hintereinander! Über diesen Witz hat mein Dönermann übrigens nicht lachen können, weshalb ich letzten Sonntag ungefragt extra viel Zwiebeln bekam.
  • „Schweinsteiger oder Khedira?“ ist die Frage, die derzeit die Medien umtreibt. Freunde, wir machen uns das Leben viel zu schwer. Die Algerier fassen sich bei sowas doch an den Kopf, die haben ihr Leben und ihren Fußball souverän vereinfacht: bei denen dürfte ein Schweinsteiger erst gar nicht mitspielen und dennoch sind sie ins Achtelfinale gekommen!
  • Zweimal gespielt, zweimal verloren: das ist nicht nur das entscheidende WM-Fazit der Engländer, sondern auch unsere Bilanz gegen die Algerier. Unser Vorteil: die standen uns seit 32 Jahren nicht mehr auf dem Rasen als Gegner gegenüber. Vielleicht kennen die uns gar nicht und unterschätzen uns deshalb. Das würde ich dem Jogi jetzt aber nicht als Tipp anempfehlen.
  • Falls es wirklich wider Erwarten doch in die Hose gehen sollte, zum Schluss noch ein Aufruf der Gemeinschaft der deutschen Beamten und Altpapiersammlern mit Vervollständigungsneurose e.V.: Bitte die angehäuften WM-Spielpläne weiterhin ausfüllen, auch wenn Deutschland ausgeschieden sein sollte. Ordnung muss sein, selbst wenn alles scheiße ist.

  • „Autokorso? Nein, lass mal gut sein, mir fehlt die Kraft zum Hupen“. Ein Spiel, das Körper und Geist geschlaucht hat. Burschen, ihr seid nochmal gerade so davongekommen. Und gerade in der ersten Hälfte hatte ich den Eindruck, wir könnten heute rausfliegen. Algerien mit den besseren Chancen, immer wieder schicken sie ihre Angreifer mit langen Pässen los, die deutschen Außen sind überfordert. Nur Manu, der Libero, lässt keinen vorbei und grätscht mit Risiko Furchen von der Länge Chiles aufs Spielfeld.
  • Dennoch kommen viel zu viele Schüsse der Hellgrünen auf sein Tor, die zwar vorbeigehen, aber ein abgefälschter Ball von Boateng hätte beinahe sein Ziel gefunden. Für Hoffnung sorgt lediglich die Unsicherheit des algerischen Keepers M’Bohli, der einen guten Versuch aus der Distanz von Kroos nach vorne abprallen lässt. Aber Götze zielt den zweiten Ball für einen gekonnten Beinschuss ein wenig zu hoch. Pause. Ich ziehe mir das Partyhütchen vom Kopf, das wird heute mehr Krampf denn Spaß.
  • Zweite Hälfte: besser. Es scheint, als hätten die Wüstenfüchse beim Fastenbrechen in der Halbzeit ein bisserl zu sehr zugelangt. Sie lassen die Deutschen mehr kommen, geben mehr Räume. Lahm, Müller und Schweinsteiger mit besten Möglichkeiten, aber M’Bohli zeigt keine Schwächen. Dennoch wirken die Deutschen für eine Verlängerung besser gewappnet zu sein, ein Tor schwirrt wie ein Geist über dem Strafraum der Algerier.
  • Verlängerung: der eingewechselte Schürrle hackentrickt eine flache Hereingabe des wie immer emsigen Müller zum erlösenden 1:0 in die Maschen. Das muss es doch gewesen sein. Jetzt gegen demoralisiert wirkende Nordafrikaner das 2:0 eintüten, Klose bringen, dessen 16. WM-Tor bejubeln und noch ein bisschen feiern. Nix. Stattdessen raffen sich die müde gewordenen Wüstenmänner zu einem Eckball auf, den Mostefa knapp neben das Tor setzt. Erst Özil per Nachschuss nach voriger umständlicher Zusammenarbeit mit Schürrle markiert den zweiten Treffer. Der in allerletzter Minute noch von Djabou mit dem 2:1 beantwortet wird. Damit ja bloß keine Entspannung auf der heimischen Couch aufkommen kann. Neuer muss gar nochmal einen Ball abfangen, ehe der Schlusspfiff den Spielstand offiziell macht. Der übrigens exakt umgekehrt das Ergebnis von 1982 widerspiegelt. Eine Finesse, die man mir gerne hätte ersparen können.
  • Jetzt am Freitag Frankreich. Quasi die technisch und offensiv noch eine Spur geschliffenere Ausgabe von Algerien. Das kann ja fast nur leichter werden. Meint glaube ich auch Per Mertesacker.

Tore:

1:0 Schürrle (92.)
2:0 Özil (119.)
2:1 Djabou (120.)

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2 Gedanken zu “[Achtelfinale] Deutschland gegen Algerien 2:1 (n.V.)

    • Pessimisten werden bekanntlich seltener negativ überrascht. Hier mehr Vorsichtsmaßnahme, falls das doch eine eher zähe Angelegenheit werden sollte. In meinem Bekanntenkreis mehren sich die „4:0“ und „Die hau’n wir wech“-Tipps, da bin ich immer sehr kritisch. Wenn’s so kommt, ist es natürlich schön.

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