USA gegen Portugal 2:2

  • Cristiano Ronaldo ist fokussiert. Die letzten Tage verbrachte er im Schneideraum des portugiesischen Trainingscamps und sichtete seine besten Szenen aus dem Spiel gegen Deutschland. Im Champions League-Finale hatte er für den demnächst erscheinenden Film über ihn nach seinem bedeutungslosen Elfmetertor bereits eine tolle Pose gezeigt, die er sich in Endlosschleife ansah. „Cristiano isse sön, Cristiano isse toll, Cristiano isse beste“, raunte er anerkennend. Für die Dokumentation „CR7 – Winning the World Cup with a Smile“ sah es materialmäßig hingegen noch sehr flau aus. Hatte sich die Kamera doch hauptsächlich auf diesen rural und stillos wirkenden deutschen Spieler konzentriert. „Muller. Bäh. Niche sön“. Und den kleinen Philipp Lahm als Ein-Mann-Mauer konnte er zwar dank digitaler Tricks aus dem Bild verschwinden lassen, aber sein fulminanter Freistoß wollte dennoch nicht formschön ins Tor fallen.  Gegen die USA hatte er nun ein Ziel: 16 Treffer in einem Spiel, um Ronaldo und Klose als Rekordhalter vom Thron zu stürzen. Im schlimmsten Fall würde er die Dinger halt vor einem GreenScreen in den Kasten hauen und später in den Film einkopieren lassen.
  • Ich habe mir Gedanken gemacht, welches Ergebnis das beste für unsere Elf wäre. Ganz klar an erster Stelle: ein Unentschieden. Wir wären weiterhin Gruppenerster  und könnten uns mit Klinsi und Berti auf ein sauber auf den Platz getackertes 0:0 einigen, mit dem sowohl Deutschland als auch die USA weiter wären. An zweiter Stelle: Sieg USA.  Das hört sich jetzt im ersten Moment eher unrealistisch an, aber diese WM war bereits für einige Überraschungen gut und 2002 schafften die US-Boys schon mal ein 3:2. Übrigens nach 3:0 Führung nach 36 Minuten. Mein Herz würde überquellen vor Freude, wenn sich Geschichte nochmals wiederholen ließe. Für den Fall wären die Portugiesen raus und die Ghanaer müssten eben jene im letzten Spiel zu Klump schießen, um an unserem sehr guten Torverhältnis vorbeizukommen.
  • Schlechteste Variante: Sieg Portugal. Mit dem die meisten Experten zu rechnen scheinen. Damit wäre die Mannschaft bis auf einen Punkt an uns dran und könnte – wenn es ganz unglücklich läuft – an uns vorbeiziehen. Vielleicht kratze ich nochmal ein paar Euro zusammen und setze alles auf Portugal. Bei meinem bisherigen Tippglück dürfte dann absolut sicher sein, dass CR7 & Co nicht als Gewinner vom Platz gehen…

  • Op-Ti-Mal-Es Ergebnis, würde ich sagen wollen. Auch wenn sich der Ami in allen Farbschattierungen ärgern wird. Es fing an mit der Aktion „Schöner schenken mit Geoff Cameron“. Wie der US-Verteidiger eine Hereingabe wunderbar auf den Fuß von Nani pflanzt, der nur noch das Tor und einen auf dem Rücken liegenden Tim Howard vor sich hat, das war schon fast praktizierte Nächstenliebe im Fußball. Jesses, den hättest du nicht schöner auflegen können. Extrem dumm gelaufen, wenn man als Mannschaft in der Hitze und Feucht von Manaus einem frühem Rückstand hinterhecheln darf.
  • Aber Hecheln und Laufen können sie, die Amerikaner, das muss man neidlos anerkennen. Übernehmen das Spiel, erarbeiten sich Chancen, zielen gefährlich aus der Ferne aufs Tor. Um kurz vor Halbzeitpfiff fast noch das 0:2 zu kassieren, aber Howard hält einen Nachschuss von Eder spektakulär.
  • Wo war Cristiano Ronaldo? Wieder in seiner Rolle als auf dem Feld herumirrender Gockel. Bradley schießt nach feiner Vorarbeit des sehr guten Fabian Johnson den einsam auf der Torlinie lungernden Ricardo Costa an, aber knapp zehn Minuten später klingelt es doch: Jermaine Jones netzt ein nach gut abgehangenem Schuss aus 20 Metern.
  • Noch besser: die Amis gehen in Führung, Zusi bedient im Strafraum Dempsey, der nicht im Abseits steht, weil ein sich von der Verteidigungsarbeit ausruhender Portugiese nicht rechtzeitig hochkommt. Dempsey hält den Bauchnabel rein, 2:1. Portugal nun als schlurfende Zombies Richtung US-Tor unterwegs, Ronaldo schmiert kurz vor Abpfiff noch eine Flanke rein und der eingewechselte Varela köpft zum Ausgleich.
  • Jermaine Jones fragt beim Interview mit dem deutschen Reporter, ob ein Unentschieden im letzten Spiel reicht und grinst. Den Portugiesen dürfte das 2:2 allerdings nicht reichen, denn das schlechte Torverhältnis drückt gewaltig auf ihre Chance zum Weiterkommen. Selbst eine knappe Niederlage der USA könnte so noch fürs Achtelfinale reichen. Ich bin zufrieden: so hat CR7 am Donnerstag gegen Ghana ausreichend Zeit, seinen ruhmlosen Abschied zu beweinen und Verschwörungstheorien zu spinnen.

Tore:

0:1 Nani (5.)
1:1 J. Jones (64.)
2:1 Dempsey (81.)
2:2 Varela (90.)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s