Deutschland gegen Ghana 2:2

  • Jugoslawien. Irland. Kroatien. Serbien. Weltmächte des Fußballs, gegen die wir in den letzten Jahren in unseren Zweitrundenspielen bei Turnieren ergebnismäßig ziemlich alt ausgesehen haben. Diese schlimmen Erinnerungen graben deutsche Medien jetzt natürlich genüsslich aus, um die Euphorie nach dem famosen 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal zu dämpfen. Was aber keinem der Pressefritzen und mir erst durch knallharte Recherche aufgefallen ist: auf dieser Liste „des verfluchten zweiten Spiels“ findet sich kein afrikanisches Team, das nach dem zweiten Spiel schon mit dem Rücken zur Wand steht und zum Siegen verdammt ist. Wer jetzt die ollen Algerier aus dem Jahre 1982 hervorholt: 1.) das war damals die Erstrundenpartie und 2.) könnten wir heute doch locker mit Klinsi und Berti einen Deal wie damals mit den Ösis vor dem Spiel in Gijón ausbaldowern.
  • Der Afrikaner fährt ja traditionell seine immensen Turnierstärken auf, wenn er Bammel vor der Heimreise hat. Das sind: Krach mit dem Trainer, martialische Drohgebärden, Selbstdemontage und lautstarkes Rumgenöle beim Verband wegen der WM-Prämien. Check, check, check und natürlich check bei Ghana. Der Kevin-Prince ist halt wieder im „Blut und Knochen“-Modus, da sollte man seine Syndesmosebänder vorsichtshalber vor ihm verstecken, wenn es zur Halbzeit wieder 3:0 stehen sollte. Sofern die nicht noch Hans Sarpei aufs Feld schicken, schätze ich sie nicht stärker ein als die Niederländer, die wir bei der letzten EM in der zweiten Runde besiegen konnten.
  • Falls der auch mir wegen seiner Art (nicht wegen seiner Vereinszugehörigkeit) sympathische bajuwarische Hallodri heute wieder einnetzen sollte, stelle ich hiermit dem Duden einen für die nächste Ausgabe fälligen Eintrag zur Verfügung:

Reinmüllern, das: unorthodoxes Erzielen eines Treffers im Fußball durch Einsatz von wenig Muskeln, aber viel Gelenk und Instinkt. Benannt nach Thomas „Das letzte Einhorn“ Müller (Torschützenkönig WM 2010-2022). Satzbeispiel: Der schöne Portugiese mit reichlich Gel im Haar weint herzzerreißend: „Och Menno, der hat mir schon wieder einen reingemüllert!“

  • In eigener Sache: Ich bitte recht herzlich, die Aussetzer von Katrin Müller-Hohenstein mir in den Kommentaren nachzureichen. Ich kriege die nämlich vor lauter Tagebuchschreiberei in den allermeisten Fällen nicht mit.

  • Ich habe ja sowas von keine Ahnung. Was für ein Drama. In der ersten Hälfte ein ausgeglichenes Spiel mit maximal leichten Vorteilen für Deutschland. Götze mit einer ästhetisch anspruchsvoll eingesprungenen Kopf-Knie-Kombination zum 1:0, die mit der musikalischen Untermalung durch das Benny-Hill-Thema in der Zeitlupenwiederholung sicherlich nochmal besser kommt. Was zum Lachen, was zum Freuen, was zum Feiern, das sind ja gleich drei Sachen auf einmal.
  • Denkste. GROSSES DENKSTE. Fast im Gegenzug pennt der für Boateng gekommene Mustafi nach einer Flanke, Ayew köpft unhaltbar ein. Wie dumm! Wie unnötig! Knapp zehn Minuten die Steigerung: Ballverlust im Mittelfeld, Lahm zu klein, Gyan bolzt rein. Wie dümmer! Wie unnötiger! Das sind die Momente, da verlierst du den Glauben an die Mannschaft. Da traust du den Burschen auf dem Feld zu, dass sie so einen Klops möglicherweise auch in einem Halbfinale oder Finale braten können. Das darf nicht passieren.
  • Dankt Gott für Klose. Der alte Mann veredelt eine Kopfballverlängerung von Höwedes und markiert sein 15. Weltmeisterschaftstor. Hat mich wahnsinnig gefreut, denn ich mag den Miro. „Torgefährlich. Anständig. Nett. Zuverlässig. Nervt mich nicht durch blöde Werbespots“ war schon 2006 meine Einschätzung und so ist es heute noch.
  • Die letzte Viertelstunde ein für Zuschauer und Spieler kräftezehrendes Hin und Her. Müller müllert vorne eine Großchance nicht rein, dafür steht kurz darauf nach einem Eckball der Deutschen plötzlich hinten alles offen und nur der Verplantheit der drei Ghanaer, die nach vorne sprinten, ist es zu verdanken, dass es beim Unentschieden bleibt.
  • Ich brauche jetzt Ruhe. Das war knapp. Wenigstens nicht verloren. Rechnet selbst aus, welche Auswirkungen dieses Ergebnis für das letzte Spiel hat und wie USA gegen Portugal am optimalsten für uns ausgehen sollte. Ich bin zu kaputt.

Tore:

1:0 M. Götze (51.)
1:1 A. Ayew (54.)
1:2 Gyan (63.)
2:2 Klose (71.)

Nigeria gegen Bosnien-Herzegowina 1:0

[Dauerwerbebeitrag]

  • Nigeria – Champions of the Heart. Ein herzliches Wohlfühlhallo in die Runde zu später Stunde. Mein Name ist Klotilde von der Schnepfenweide, Senior Public Relations Manager bei Schönfärb & Wort-Müll, der PR-Agentur ihres Vertrauens. Sie kennen uns von unseren Werbekampagnen „Holländer? Nicht während meiner Arbeitszeit“ oder „Be a Three„, dem heißen Motivations-Pitch für das Spiel um Platz 3. Heute präsentieren wir Ihnen in bewusster Abwesenheit des Hauptautoren und in Zusammenarbeit mit der nigerianischen Tourismusbehörde unser neuestes Promotionkonzept.
  • Stolz, unbesiegt, unüberwunden. Das wunderbare Nigeria sorgt für Furore bei der Weltmeisterschaft. Als einziges afrikanisches Team ohne Niederlage und ohne Gegentreffer macht es sich auf, den Weg zum Titel anzutreten und die Träume des afrikanischen Kontinents zu erfüllen. Dreams come true.  Wandeln auch Sie auf den verschlungenen, grünen Pfaden dieses Landes! Lassen Sie Frau und Kinder zurück und erkunden Sie den wilden Norden, wo ein Mann noch ein Mann sein und Public Viewing zu einem unvergesslichen Abenteuer werden kann. Erleben Sie exotische religiöse Riten und Gebräuche. Tauchen Sie ein in die geheimnisvolle Welt der örtlichen Stammesgruppen, die von der westlichen Zivilisation noch vollkommen unberührt geblieben sind. Nigeria – Champions of the Heart. Be a part.

 

  • Der ganze lange Witz zum Einstieg ist kaputt, denn irgendwann zwischen letzten Montag und gestern Nacht sind die Nigerianer richtig gut geworden. Starke Verteidigung, die kaum Standards zulässt und hartnäckig, aber fair zu Werke geht. Ein bombensicherer Keeper im Tor. Und diesmal ein Treffer mehr als der Gegner, der sich mühte, aber am Ende kraft- und glücklos war.
  • Der Treffer von Dzeko hätte Anerkennung finden müssen. Die Dutzende von Momenten, wo ein Bosnier an seinem Gegner im Mittelfeld vorbeizieht, hätten zu einer Torchance führen müssen. Der Schuss kurz vor Ende der Nachspielzeit hätte nicht an der Latte landen müssen. Dank „hätte“ ist Bosnien-Herzegowina nun draußen. Nach zwei nicht mal schlecht geführten Spielen.
  • Putzige Anekdote: mit meinen Tipps, die ich während Argentinien gegen Iran fiktiv geändert habe, hätte ich drei Punkte im Tippspiel geholt.

Tore:

1:0
Odemwingie (29., Rechtsschuss, Emenike)

Argentinien gegen Iran 1:0

  • Nach den teils vogelwilden Ergebnissen im oberen Tableau der Vorrundengruppen befinden wir uns nun wieder in ruhigeren Gewässern. „Spanien raus, England raus, Italien wankt! Erwischt es nun Argentinien?“ ist eine Schlagzeile, die wohl nur ganz verzweifelte Sportredaktionsmenschen absondern, nachdem sie sich gestern in den Pubs von London die volle Kante gegeben haben.
  • Die starke Offensive von Argentinien trifft auf vorne harmlose Iraner, die nicht einmal gegen Nigeria einen Überraschungstreffer landen konnten. Sondern gemeinsam mit diesen das erste 0:0 der WM produzierten und sich so prompt in den Favoritenkreis zum „Griechenland-Gedächtnis-Pokal für unansehnliches Ballgetrete“ spielten. Lionel Messi, der mittlerweile wohl die Taktik der Albiceleste vorgeben darf, dürfte spätestens im siebten Slalomversuch durch die Teheraner Abwehrstangen wedeln und seinen zweiten Treffer erzielen. Ob danach noch was kommt, weiß nur Allah.
  • Revolutionen vom Iran zu erwarten ist vielleicht doch ein eher gewagtes Unterfangen. Seit 1979 kam da ja nichts mehr! Die tragen eben auch ihr Kreuz mit dem durchschlagsarmen Angriff. Oder was man im Islam halt so trägt.

  • Ein temporeiches Spiel mit einer glänzend aufgelegten Kugel, die blitzartig durch die Reihen auf dem Spielfeld wanderte und der sich sehr viele Einschuss-Chancen eröffneten. Ich hatte richtig viel Spaß damit. Obendrauf ist es noch bis 30.6. für 4,99 Euro im Angebot im Steam Store: Star Wars Pinball – Heroes Within. Das habe ich jedenfalls gezockt, dieses tor- und harmlose Gekicke der Argentinier gegen Iran in der ersten Hälfte konnte ich nur aus den Augenwinkeln verfolgen und ertragen. Der Schiedsrichter schien mir besser im Spiel zu sein als Messi. Sieht gut aus für meinen 4:0-Tipp. Läuft.
  • Iran mit der besten Chance des Spiels! Ein Kopfball von Reza, den der argentinische Keeper mit Mühe entschärft. Wer bei dieser WM auf sichere Tipps setzt, muss einen Hang zum Masochimus haben.
  • Ich bin jetzt Iran-Fan. Die sollen Weltmeister werden. Im Endspiel gegen Honduras, Nigeria oder Griechenland. 0:0 nach 120 Minuten und Elfmeterschießen. Der Sieger wird dann von der FIFA ausgelost. So wird’s kommen.
  • Habe flugs meine Tipps für die nächsten Spiele geändert. Deutschland gegen Ghana 13:13, Nigeria gegen Bosnien-Herzogewina 25:0, USA gegen Portugal 1:-2,5.
  • Och nö. Jetzt hängt der Messi kurz vor Schluss doch noch einen rein. Musste das jetzt wirklich sein? Da kann man schon ein wenig den Glauben an den Fußballgott verlieren. Denken die sich im Iran bestimmt auch. Der Papst ist halt Argentinier.

Tore:

1:0 Messi (90.)