Japan gegen Griechenland 0:0

  • Tief in der Nacht nach einem Feiertag so ein Knaller. Denen ist wirklich gar nichts heilig. Übertragen wird das ZDF, dessen Zweitbesetzung auch nicht gerade prickelnd ist. „Prickeln“ ist überhaupt ein Wort, das ich mit Moderationsroboter Rudi Cerne nicht unbedingt assoziieren würde. Lutz Pfannenstiel hingegen ist ein cooler Kerl mit vielen Kontakten, wirkt vor der Kamera aber immer dezent mürrisch bis uncharmant. An die ohne Frage und offiziell beste Augenlidschließgesellschaft Beckmann/Elber kommen beide natürlich nicht ran. Becks wie gewohnt zwischen Schmierigkeit und Peinlichkeit rangierend, Elber mit einem Akzent, der dir in den müden Hirnsynapsen kleben bleibt wie Karamel.
  • Griechenland hatte ich schon mal zu früh abgeschrieben. Damals bei der EM 2012 sah ich die Rückkehr des Messias, die anschließende Teilung des Schwarzen Meeres und den Untergang der Insel Usedom noch vor Beginn des Spiels wahrscheinlicher als einen Sieg der Griechen über die Russen. Aber die Hellenen siegten mit 1:0. Man sollte sie also nicht unterschätzen.
  • Japan? Ich weiß nicht. Vielleicht langt’s gegen die Griechen, das will ich nicht ausschließen. Aber gegen die drahtigen und abschlusssicheren Kolumbianer im letzten Vorrundenspiel ziehen die keine Wurstscheibe vom Brot bzw. keinen Fisch vom Reishäppchen. Wie auch immer: es wird befürchte ich ein anstrengendes Spiel für die Uhrzeit.

  • Och Japan. Wieder mal zu freundlich. Da wird ein Grieche zeitig vom Platz geholt und was passiert? Nichts. Denn die Nipponmannen arbeiten mit hohen Flanken in den Strafraum. Wo der Schiri sieben Hellenen die rote Karte hätte zeigen können, die verbliebenen drei hätten noch alles weggeköpft. Fußballerisch quasi die Aufführung des Films „300 – Rise of an Empire“, nur ohne Blut, aber mit kleinen, verzweifelnden Samurais.
  • Der Uchida auf der rechten Flanke hat ein gutes Spiel gemacht, von dort ging noch die meiste Gefahr aus. Aber seine Hereingaben finden stets ein Abwehrbein. Ansonsten schien man die Griechen mit Freistößen totlangweilen zu wollen, während diese wiederum die Otto Rehhagel-Taktik von 2004 („Eckball, was reinhoppeln, Zement ansetzen“) wiederaufleben lassen wollten.
  • Grundsätzlich sage ich Ja zu Japan. Aber mit der Leistung haben sie sich wohl aus dem Turnier gewuselt. Und zuhause wartet die Frau und kichert, weil sie im Fußball viel erfolgreicher ist.

Tore:

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Uruguay gegen England 2:1

  • Gruppe D ist die geilste Gruppe bei dieser Weltmeisterschaft, da lasse ich nichts drauf kommen. „All killer, no filler“, würde der Brite sagen, der heute allerdings hinterrücks vom Torschützenkönig der eigenen Liga dahingemeuchelt werden könnte. Was mich schon in einen inneren Zwiespalt treibt. Einerseits haben die Engländer gegen die Italiener ein richtig gutes Spiel abgeliefert, vor allem die jungen Kerle Sturridge und Sterling wussten zu gefallen. Und nach Spanien wäre Italien ein weiterer für die deutschen Fans angenehmer Heimticketbucher.
  • Andererseits sehe ich kein Team lieber medial die Koffer gepackt bekommen als die Kicker von der Insel. Traditionell suche ich auch heute wieder die Sender BBC und SKY NEWS auf meiner Satellitenempfangsliste und hieve sie nach oben. Um zu sehen, wie sie wieder auf Rooney eindreschen, die Schiedsrichterentscheidungen betrauern, den Torwart an den Pranger stellen oder – so tippe ich dieses Jahr – die „bloody awful“ Auslosung bejammern. So ein Spektakel kann mir der Italiener nicht bieten. Denn seine Sprache verstehe ich ja nicht. Noch gibt es zudem keinen Sender, der im Falle des Ausscheidens der squadra azzurra nur wild gestikulierende und mit den Händen herumfuchtelnde Italiener zeigt.
  • Luis Suarez, mit 31 Treffern der amtierende Torschützenkönig der Premier League, setzt auf Psychoterror. Er kenne alle englischen Spieler und ihre Schwächen, tönt er vor dem Spiel. Nach einer Operation im Vorfeld der WM sei er nun pünktlich wieder fitgeworden und werde alle Unzulänglichkeiten in Englands Abwehr ausnutzen. Große Worte für einen, dessen Mannschaft gegen Costa Rica schön eins auf die Ohren bekommen hat. Ich glaube, dem Kerlchen kannst du auch nur als beinharter Fan des FC Liverpool so etwas wie Sympathie entgegenbringen. Ich freue mich jedenfalls auf dieses Spiel, denn möglicherweise scheidet eines der Teams heute schon aus. Mein spontaner „Die-würde-ich-gerne-weiterkommen-sehen“-Wunsch geht aber derzeit eindeutig an die Auswahl von der reichen Küste.

  • Luis Suarez wieselt die Engländer so gut wie aus dem Turnier. Zwei Treffer des Liverpooler Stürmers dürften das erste Vorrunden-Aus der Three Lions seit 1958 besiegelt haben. Wayne Rooney trifft endlich in einem WM-Turnier, sein Tor dürfte allerdings den Wert einer eingeschläferten Bulldogge haben. Tragisch: Steven Gerrard hebt mit seinem Kopfball das Abseits von Suarez auf, der dann frei auf Joe Hart zulaufen und den entscheidenden Treffer setzen kann.
  • Ein insgesamt tolles Spiel, mit Vorteilen für Uruguay in der ersten Hälfte, während England nach der Pause für Druck sorgte. Jetzt müssen die Inselmannen auf Italien hoffen; denn nur, wenn die gewinnen, haben sie noch eine rechnerische Chance auf ein Weiterkommen. Aber die meisten Fans und Medien sind da eher fatalistisch – mit 0 Punkten nach zwei Spielen kommst du nur in absoluten Ausnahmefällen weiter.

Tore:

1:0 Suarez (39.)
1:1 Rooney (75.)
2:1 Suarez (85.)

Kolumbien gegen Elfenbeinküste 2:1

  • Die WM ist nicht ganz eine Woche alt und ich habe mein Guthabenkonto bei bet-at-home schon leergespielt. Ich meine mittlerweile jedesmal ein leises Lachen zu hören, wenn ich mich dort anmelde. Weil von meinen legendären Kombinationstipps mit vier bis fünf Vorhersagen mit absoluter Treffsicherheit die erste schon in die Hose geht.
  • Ich habe auf Kamerun!!! gegen Mexiko gesetzt. Sah Spanien als Sieger über die Niederlande. Uruguay als Gewinner gegen Costa Rica. Nigeria packt doch den Iran, oder? Nope. Frustriert wechselte ich auf over/under-Wetten, also die Zahl der Tore. 7 Partien hintereinander mit weniger als 3,5 Treffern, das musste nach dem 0:0 der Brasilianer und dem 1:1 der Südkoreaner doch drin sein. Erste Partie in der Reihe: Australien gegen Niederlande. Als der Aussie zum Ausgleich trifft und gar in Führung geht, habe ich mich gefreut, ahnte aber, dass ich meinem Geld den Abschiedskuss geben konnte. Last but not least die schiere Verzweiflung: auf der Startseite des Wettanbieters grinst mich „Gewinnt Spanien heute zu Null?“ an. Draufgeklickt und nach 20 Minuten den Kopf geschüttelt.
  • Weshalb ich das alles schreibe? Weil mir zu Kolumbien gegen Elfenbeinküste nichts einfällt. Haben beide zum Auftakt gewonnen. Werden beide wohl weiterkommen. Wetten würde ich aber nicht drauf. Mit was auch. Wahrscheinlich spielt Drogba, dafür fällt Ya Konan aus. Kolumbien weiter ohne Falcao. Ja, ich habe nichts Interessantes oder Lustiges im Vorfeld zu berichten. Falls jemand noch einen Witz über den Namen des ivorischen Trainers Lamouchi hat, gerne her damit. So in der Richtung „Wie würde Edmund Stoiber seine Frau nennen, wenn sie Französin wäre?“ Ich höre besser jetzt auf.

  • Für die ersten 45 Minuten habe ich nur Nonsens auf meinem Notizzettel stehen: „Howard Webb malt einen schönen Freistoßkringel“, „Die #17 der Ivorer hat sein Trikot mit S.Aurier beflocken lassen“, „Wenn ich mir diese Mediathek-App runterlade, kann ich das Spiel dann auch aus der Perspektive einer drallen Latinoschönheit aus dem Publikum sehen? Weil dann könnte ich mir wenigstens 90 Minuten auf die Brüste schauen“.
  • Die Elfenbeinküstler zu behäbig, Kolumbien mit der besseren Spielanlage, vorne aber sehr schwach im Abschluss. Erst mit der Einwechslung von Didier Drogba wachten alle Beteiligten plötzlich auf. Kopfballtor zum 1:0, sauber einen schlampigen Pass eines Verteidigers ausgenutzt zum 2:0, schöne Einzelleistung von Gervinho zum Anschluss.
  • Fazit? Mit Drogba wurde das Spiel guckbar. Lamouchi sollte ihn öfter dazustoßen lassen.

Tore:

1:0 James (64.)
2:0 Quintero (70.)
2:1 Gervinho (74.)