Kamerun gegen Kroatien 0:4

  • Kamerun!!! wird mir auf ewig zärtlich in Hassliebe mit dieser WM verbunden sein. Haben doch die Afrikaner  für meinen ersten verlorenen, geldgestützten Tipp gesorgt. Naiv war ich, dumm war ich. Zu glauben, dass Volker Finke ihnen den Schlendrian austreibt und sie gleich gegen den vermeintlich leichtesten Gegner in der Gruppe drei Punkte holen. Selbst wenn da heute der Schalker Schlaks Matip auflaufen sollte – so richtig sehen will ich die nicht mehr. Ausfallen wird möglicherweise Samuel Eto’o, der an einer Knieverletzung leidet. Vielleicht spielt die Theatertruppe in diesem Turnier ohne Diva besser.
  • Dann lieber die Kroaten. Gutes Spiel gegen den Gastgeber, unglücklich ohne Punkt geblieben. Gegen Kamerun!!! ist Mario Mandzukic wieder an vorderster Front. Der Mann sucht einen neuen Verein und muss sich daher präsentieren. Da ist der heutige, angeschlagene Gegner willkommene Beute.
  • Ich würde mein Geld daher auf Kroatien setzen, traue es Kamerun!!! allerdings auch ohne weiteres zu, aus reiner Bosheit klar zu gewinnen. So ich denn tippen würde. Was ich aber aus Trotz einfach mal nicht mache. Das haben die jetzt davon.

  • In the jungle, the mighty jungle / The lion sleeps tonight. Und damit ein fröhliches Wimba Way in die Runde. Vier Tore aus der Bundesliga, zwei made in Wolfsburg und in der Endphase vergebene Chancen im feinsten Hurra-Stil prägten dieses Spiel. Auch im Angebot: eine rote Karte für Song, dessen Ellbogenschlag in Mandzukics Rücken auf der nach oben offenen Vinny Jones-Skala für fehlende Raffinesse im Foulspiel eine Topwertung kassierte. Nur getoppt vom mannschaftsinternen Pepe-Kopfkuschler zwischen Assou-Ekotto und Moukandjo kurz vor Abpfiff.
  • Kamerun!!! in den ersten Minuten gefährlicher vorm Tor als in den 90 Minuten zuvor gegen Mexiko. Kroatien mit feinem Passspiel vorm 0:1 durch Ivica Olic. Perisic erfindet beim 0:2 nach Vorarbeit durch Itandje den Abstoßsolokonter. Ein Kopfball- und ein Abstaubertor von Mandzukic. Volker Finke öffnet und verteilt derweil mit ruhiger Hand Wasserflaschen. Jetzt noch ein paar schöne Tage Resturlaub im Dschungel, dann schnell die Kündigung einreichen, bevor beim Verband die Macheten aufblitzen. Neuer Trainer wird ziemlich sicher Samuel Eto’o, der clevererweise erst gar nicht mitgespielt hat.

Tore:

0:1 Olic (11.)
0:2 Perisic (48)
0:3 Mandzukic (61.)
0:4 Mandzukic (73.)

Spanien gegen Chile 0:2

  • „Spanien? UIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUI“, um es mal mit den Worten von Fritz von Thurn und Taxis auszudrücken . Nach dem 1:5-Klopper gegen die Niederländer muss heute was kommen. Ich bin selbst immer noch ganz baff, was da letzten Freitag passiert ist. Das Ergebnis scheint auch mittlerweile offiziell zu sein, obwohl von der katholischen Kirche als zuständige Behörde für Wunder meines Wissens noch nicht abgesegnet. Der Fußballtempel Maracana wäre jedenfalls ein passender Ort, um wahlweise weltmeisterschaftliche Hoffnungen zu Grabe zu tragen oder zünftig Wiederauferstehung zu feiern.
  • 2010 gab es das Duell schon mal in der Vorrunde, am Ende stand ein mühselig erarbeitetes 2:1 für die Spanier. Wegen der Auftaktniederlage gegen die Schweiz brauchte La Furia Roja auch damals unbedingt einen Dreier, Villa traf aus 43 Metern ins Tor. Zur Vorbereitung stand bei den Mannen um del Bosque ein entspannter Grillabend an, der Trainer selbst ließ anklingen, dass Fußball zwar die schönste, aber eben doch nur eine Nebensache sei. Das muss er im Falle einer frühen Heimfahrt dann auch den heißblütigen Fans näherbringen. Del Bosque erinnert mich übrigens ein wenig an Mr. L aus den Clever & Smart-Comics, nur mit komplett gegensätzlich gepoltem Gemütszustand.
  • Chile wahrscheinlich wieder mit Arturo Vidal und Alexis Sanchez, möglicherweise auch mit diesmal weniger Leerlauf als gegen die Australier, wo man nach zwei frühen Toren immer mehr den Anschluss ans Spiel verlor und vor allem Kopfbälle und Weitschüsse zuließ. Zumindest Kopfbälle haben die Spanier ja aus ihrem Repertoire herausoperiert und auch Schüsse aus der Distanz sind eher verpönt. Dennoch: die Spanier haben Hunger und der treibt bekanntlich alles rein.

  • Und in Madrid sitzt Kronprinz Felipe probeweise auf dem Thron und denkt sich: „Scheiße, fängt ja gleich gut an. Ich hab‘ jetzt schon keinen Bock mehr“. Spanien ist draußen. Der Weltmeister. Der Europameister. Der Dreifach-Titel-Abräumer. Raus mit 1:7 Toren. Und gegen Australien kommen wahrscheinlich noch mehr dazu.
  • Spanien in Rückstand ist wie ein klassisches Orchester, das plötzlich Death Metal spielen soll. Sie gucken auf das Notenblatt, zucken mit den Schultern, spielen wie gewohnt und bringen keinerlei Druck aus ihren Instrumenten. Chile hingegen ist auf dem Platz Melodic Death Metal; aggressiv, gut nach vorne abgehend, aber durchaus noch im fairen Bereich. Und sie haben Instinkt, wenn es um Abschlussaktionen geht. Das 0:1 eine furiose Kombination, raffiniert vollendet von Vargas.
  • Noch deutlicher zu sehen beim 0:2. Freistoß Sanchez, schlechte Abwehr Casillas und Aranguiz zögert nicht lange und haut ihn mit der Pike rein. Jeder Spanier hätte an seiner Stelle noch einen Ausdruckstanz hingelegt und dann den Ball zur Seite geschoben.
  • Gut für uns Deutsche, ein Konkurrent weniger. Zumal einer, der uns in den letzten Jahren oft genug geärgert hat. Wundern musste ich mich über die spanischen Fans, die ausdruckslos vor sich hin starrten und als die Kamera sie im Bild hatte, anfingen zu lachen und zu winken. Lustigster Moment bei uns in der Runde, als unmittelbar nach solch einer Szene kurz vor Abpfiff auf die spanische Ersatzbank geschwenkt wurde und jeder darauf wartete, dass dort auch plötzlich ausgelassene Stimmung herrschte. Traurig hingegen war wohl Tom Bartels, denn in dieser Partie hätte er seine schönsten Schluchzer unterbringen können.

Tore:

0:1 E. Vargas (20.)
0:2 Aranguiz (43.)

Australien gegen Niederlande 2:3

  • Ich muss der exzessiven WM-Guckerei langsam Tribut zollen. An das Spiel der Australier beispielsweise kann ich mich nur sehr schemenhaft erinnern. Die haben wirklich ein Tor gegen Kolumbien erzielt? Wem es genau so geht wie mir, für den habe ich als kleinen Erinnerungsservice das Archiv meiner gesammelten Beiträge großzügig erweitert (siehe Aktuelle Beiträge)  und direkt rechts in der Seitenleiste platziert. Denn meine peinlichen Vorhersagen kann man immer wieder lesen.
  • Wir haben das erste „Wenn nicht jetzt, dann heim“-Spiel dieser WM. Wobei die Mutter aller dieser Spiele unter Beteiligung des amtierenden Weltmeisters ja drei Stunden später angepfiffen wird. Die Australier müssen also liefern, sonst geht’s directemang zurück in den Busch zum Kängurustreicheln. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass die Niederländer nach ihrem Rausch gegen Spanien was anbrennen lassen?
  • Na-na-na, reckt sich der Zeigefinger des Mahners in die Höhe und wahrscheinlich gehört er Johan Cruyff, dem alten Miesmacher. Denn 2008 gelang bei der EM ebenfalls ein furioser Start gegen einen Titelkandidaten und im Achtelfinale kombinierten elf modisch höchst glanzlos frisierte Russen die Oranje-Truppe aus dem Turnier.  Wer meinen Spielbericht von damals nochmal lesen möchte, folge hier entlang (bitte Rumänien – Frankreich locker runterscrollen). Den Abschlussabsatz der Partie Niederlande – Russland (1:3 n.V.) packe ich auch noch dazu: Mir kamen die Holländer vor wie ein Boxer, der bisher alle Gegner K.O. geschlagen hatte, plötzlich einen schweren Haken einstecken muss, aber den Rest des Kampfes weitertänzelt, um sich am Ende zu wundern, dass er verloren hat. Den Oranjes fiel auf das Konzept einer drohenden Niederlage einfach nix ein. So schnell kann Glanz stumpf werden, da hilft auch die gute alte Ajax-Schule nicht mehr.
  • Zum Schluss noch spontan in die Runde gefragt: Besteht noch Interesse an den Nachberichten oder soll ich mir die schenken?


  • Aus, Aus, Australien ist Weltmeister-Demontierer-Bezwinger..nein… Punktabtrotzer… ach, gebt den Aussies einen Titel, denn nach dem Spiel haben sie sich wirklich einen verdient. Bester WM-Party-Gast 2014 (TM), ja, das wäre eine passende Auszeichnung. Bitte nicht schnöde „erster Heimticketbucher“, denn das entspricht zwar leider der Wahrheit, würdigt aber nicht die großartige Leistung der Socceroos.
  • Johan Cruyff hat wahrscheinlich den größten Teil der Partie in allen Sprachen der Welt den Satz „Ich habe gewarnt!!!“ auswendig gelernt, um pünktlich zum Abpfiff bei allen Sportredaktionen auf diesem Erdball durchzuklingeln.
  • Sehr schade, dass den Australiern nicht mal ein Punkt geblieben ist. Nach dem 0:1 hätte ich nie mit einer direkten Antwort in Form des Ausgleichs gerechnet. So dominant gegen den Weltmeisterdemontierer Niederlande aufzutreten, da ziehe ich ganz tief den Hut vor. Ein Elfmeter zur Führung, direkt der Ausgleich und schließlich das 2:3 nach einem Fehler des Keepers. Ärgerlich. Ich bin mir sicher, in einer Gruppe mit etwa Südkorea und Russland hätten die Männer aus Down Under richtig für Furore sorgen können. Kein Goodbye, sondern thanks, mates!

Tore:

0:1 Robben (20.)
1:1 T. Cahill (22.)
2:1 Jedinak (54., Handelfmeter)
2:2 van Persie (57.)
2:3 Depay (69., Rechtsschuss)