Deutschland gegen Portugal 4:0

  • Jetzt geht’s los. Deutschland gegen Portugal. Doch wer soll stürmen? Klose? Müller? Podolski? Jogi grübelt bis tief in die Nacht, da bringt der Franz einen neuen Namen ins Spiel. Denn er hatte sich endlich die allseits ignorierte ZDF-Mediatheken-App runtergeladen und die Statistiken durchstöbert. Wobei er aus gewohnter Tüdeligkeit bei der Wahl der Sportart in die falsche Zeile gerutscht war: „Martin Kaymer, Jogi“, setzte er an, „Martin Kaymer ist unser Mann! Wieder 18 Treffer in 18 Partien, in den USA gerade zum besten Spieler gewählt worden. Und das zieht der Runde um Runde durch!“. Doch Jogi wiegelt behutsam ab: „Hökschd beeindruckend, Franz, aber der braucht 271 Chancen für seine Quote. Das lässt der Portugiese nicht zu, da muschd brutaal effizient sein.“
  • Wenigstens hatten die heißblütigen Mittel-und Südamerikaner aufgehört, ihre Nationalhymne nach Ende der Musik weiterzusingen. Dem Brasilianer und dem Mexikaner hatte das ergebnismäßig geholfen und prompt leitete der DFB eigene Maßnahmen ein. Was durfte der deutsche Fan als Zugabe grölen? Der Abschluss der erste Strophe vom Lied der Deutschen fiel schon mal weg. Jener der zweiten? Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang! Schien gewagt und hätte wahrscheinlich beim bebierbauchten und verheirateten deutschen Fan zu einem Aufschrei geführt. Vielleicht wenn man Frauen durch Fußball und Wein durch Bier ersetzte, wie es in deutschen Ehen zu Weltmeisterschaften ja guter Brauch war. Oder doch „Brüh im Lichte dieses Glückes“, der Klassiker der deutschen Hymnenerweiterung? Oliver Pocher live am Mischpult mit der Ballermann-Techno-Version von „Schwarz und weiß?“. Es war wirklich gut, dass sich das Thema erledigt hatte.
  • Gegen die Portugiesen haben wir zuletzt gute Erfahrungen gemacht. 2006 Spiel um Platz 3 mit 3:1 gewonnen, 2012 bei der EM gab es zum Turnierauftakt ein 1:0 durch einen Treffer von Mario Gomez. War damals wenig spaßig, mit viel Ballbesitz für die Deutschen, aber lange Zeit wenig Zählbarem. Oder wie ich damals schrieb: Zwischen DEN Festspielen rundum den Strafraum und DEM Festspielen rundum den Strafraum liegt nur ein Buchstabe, aber leider auch die ganze Bandbreite des attraktiven Fußballs.
  • Wenn uns einer die Tour vermasseln kann, dann Cristiano Ronaldo. Ich werde wahrscheinlich schon innerlich vor Fremdscham blutend zusammenzucken, wenn der Kerl bei der Videovorstellung statt entschlossener Ellenbogenverschränkung schleimig grinst und posiert. Aber seine Erfolge gegen deutsche Vereinsteams sind nicht von der Hand zu weisen: Mit Schalke, Dortmund und Bayern hat er zuletzt drei deutsche Mannschaften in der vergangenen Saison aus der Champions League geschossen. Gut möglich, dass er neben dem aufgetragenen rutschfesten und schweißabweisenden Mascara schon eine Jubelpose extra für uns einstudiert hat. Mit entblößtem Oberkörper jodeln, Schuhplattler tanzen und dann theatralisch wie nach einem Körpertreffer zu Boden sinken. Und schnell genug wieder aufstehen, bevor Kevin kommt und draufpinkelt.
  • Außer dem Unterwäschemodel noch zu beachten: der raubeinige, aber auch für Platzverweise empfängliche Pepe (Real Madrid), sein dortiger Kollege Fabio Coentrao, der kernige Volltattooträger Raul Meireles (Fenerbahce) und vorne der quirlige Nani (Manchester) sowie der ewige Hugo Almeida (Besiktas). Ich wäre froh, wenn ich im Nachbericht nichts Gutes über sie, sondern nur über unsere Jungs schreiben müsste. Und jetzt Burschen, geht’s raus und gewinnt gefälligst!

  • Ja, ist denn scho wieder Südafrika? Gewonnen! Mit 3:0 zur Halbzeit! Besser kann es doch gar nicht zum Einstieg laufen.
  • Khedira schießt am leeren Tor vorbei. Na und? Dafür wird Mario Götze im Strafraum gehalten und Thomas Müller verwandelt wie einst der Andi 1990. Ein Schuft, wer darüber nachdenkt, ob der Klose auch zu Boden gegangen oder als Meister der Fairness weitergelaufen wäre.
  • 2:0 durch Hummels! Horst Hrubesch hat sich sicherlich die Tränen aus dem vor Freude roten Gesicht gewischt.
  • Platzverweis Pepe. Haut Müller eine rein und will dann mit dem frisch gewachsenen Wuschelkopf rumkuscheln. Verdient Rot.
  • 3:0, wieder Müller. Feinstes Abschlussgedöns des Hallodri von Bayern München. Der erste Verteidiger vorne und eine Sekunde drauf der vorderste Angreifer. Nicht gr0ß nachgedacht, reingemacht. Ich liebe den Burschen.
  • Der für mich schönste Moment in der zweiten Halbzeit, die mehr entspannter Trab mit Ball denn Fußball war: Cristiano Ronaldo schießt trotzig mit seiner Westernhelden-Pose den ersten Freistoß und wirkt dabei wie ein trauriger Clown. Noch besser: beim nächsten Versuch stellt sich nur der kleine Lahm hin und wehrt trotzdem den Schuss ab. Ich hatte Lachtränen in den Augenwinkeln hängen. Schließlich wehrt Manuel Neuer lässig ab.
  • 4:0, Müller staubt im Fallen ab. Mehr muss nicht, Jungs. Sicherlich hätte ich gerne noch ein, zwei Treffer gesehen. Aber die könnt ihr euch aufheben für die Argentinier im Viertelfinale.

Tore:

1:0 T. Müller (12., Foulelfmeter)
2:0 Hummels (32.)
3:0 T. Müller (45.)
4:0 T. Müller (78.)

 

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