Ghana gegen USA 1:2

  • Die Zeit drängt, ich muss mich noch weiter aufregen/freuen/weinen wegen des Spiels der Deutschen. Und ich habe das Finale der vierten Staffel von „Game of Thrones“ noch nicht gesehen. Deshalb kurz:
  • Ich könnte mich nicht so recht damit anfreunden, wenn die Amis Weltmeister würden. Ein Land, in dem Fußball immer noch kaum eine Rolle spielt, sofern Männer involviert sind, da bliebe ein WM-Sieg doch fast unbemerkt. Ich wette, selbst die NSA schiebt täglich die abgehörten Nachrichten von Jürgen Klinsmann (Memo to all: Believe in the power of Spätzle) oder Berti Vogts (Das Wetter ist schön, das Essen gut und reichlich, liebe Grüße aus Natal) in den SPAM-Ordner.
  • USA: Sieger der Mittelamerika-Qualifikation. Bundesligavertreter: Brooks (Hertha BSC), Chandler (Nürnberg), Johnson (Hoffenheim), Green (Bayern München). Dazu Jermaine Jones (ex-Schalke).
  • Ghana mit Kevin-Prince Boateng (Schalke). Starspieler: Essien (AC Mailand), Muntari (AC Mailand), Asamoah (Juventus Turin), Gyan (Al-Ain).
  • Wieder viel zu viel geschrieben. Ich wollte eigentlich nur den NSA-Witz unterbringen. Ehrlich.

  • Knaller am Anfang, dann eher Ruhe mit eingesprenkten Verletzungen und technisch anspruchsvollen Fouls. Ganz schön ami-like wieselig, der Klinsi; erst freundlich lachend alle auf der Bank von Ghana per Handschlag begrüßen und dann denen ein Ei ins Nest legen, bevor sie sich hingesetzt haben.
  • Ghana erst in der zweiten Hälfte nach der Einwechslung von Kevin-Prince druckvoller, was in dem verdienten Ausgleich mündete. Aber kurz vor Schluss Brooks per Kopf nach Ecke. Gut für uns, jetzt haben die Ghanaer am Samstag den Druck, gewinnen zu müssen. Und CR7 muss gegen die Amis was bringen, sonst geht’s nach Hause.

Tore:

0:1 Dempsey (1.)
1:1 A. Ayew (82.)
1:2 Brooks (86.)

 

 

 

Iran gegen Nigeria 0:0

(Der folgende Vorbericht entstand knapp drei Stunden vor Anpfiff des Spieles Deutschland gegen Portugal und enthält daher viele variable Textbausteine. Unzutreffendes ab 19:50 Uhr bitte selbst streichen. Wer per Zufall auf der Titelseite dieses Blogs gelandet ist und sich fragt, weshalb „der Depp nicht über Deutschland gegen Portugal schreibt“, dem sei dieser Link auf diesen Beitrag über das Spiel von Deutschland gegen Portugal an Herz und Klickfinger gelegt)

  • Haha, schaut euch diesen krassen Videoclip an! Ihr werdet es nicht fassen können, trommelnd am Boden liegen, vor Lachen weinen, weil es ist sooooo lustig. LOL. Ende des Vorberichts.
  • Iran gegen Nigeria, das ideale Spiel zum Runterkommen. Oder gleich Gar-nicht-Gucken. Wer will schon Allah im Kampf um Punkte zusehen, wenn die deutsche Nationalmannschaft so dermaßen [losgelegt] [versagt] [öde nur unentschieden gespielt] hat? Weil Jogi wieder [alles richtig gemacht] [ganz großen Mist gebaut] [ganz unvorteilhaft ausgesehen] hat! Allein über den [Özil] [Cristiano Ronaldo] [Boateng] [Großkreutz] [Gerd Gottlob] könnt‘ ich mich stundenlang [aufregen] [freuen] [beömmeln], diesen [Depp] [Held] [Nichtskönner] [Traum meiner feuchten Nächte]!!! Die Wetteraussichten für heute Abend: ab 18 Uhr bis gegen 20 Uhr verstärkt Alkoholausdünstungen in der Luft, danach deutliches Absinken der Sympathiegrade bis hinunter auf Tiefstwerte und erhöhte Gefahr von Spielmauscheleien.
  • Denn Nigeria sind die bösen Buben des Turniers. In der Heimat Chaos und Mädchenentführungen, dazu ein sehr peinlicher Manipulationsverdacht im Testspiel gegen Schottland (siehe Video oben) und schließlich gab es auch noch Ärger um die ausgehandelte WM-Prämie, wie sich gerade frisch herausstellte. Deren PR-Abteilung würde ich nicht leiten wollen. Und ehrlicherweise würde ich von den Super Eagles auch nur dann etwas erwarten, wenn der örtliche Wettpate Geld auf einen Sieg mit mindestens drei Toren Vorsprung in jedem Spiel gesetzt hätte. Gewonnene Afrikameisterschaft hin oder her.
  • Zur Mannschaft: Alles außer OBI. Kenne ich nicht. John Obi Mikel spielt bei Chelsea und ist mir dort auch mal aufgefallen. Vor vier Jahren fehlte er wegen einer Verletzung. Bundesligalegionäre Fehlanzeige.
  • Iran hingegen hat einen ex-Bundesligisten im Tor stehen: Daniel Davari hütete letzte Saison den Kasten von Eintracht Braunschweig. Vorne könnte Dejagah noch bekannt sein, der früher in Wolfsburg und nun bei Fulham unter Felix Magath zum Einsatz kommt. Wer unbedingt noch einen Namen zum Angeben im Selbstgespräch braucht, weil dieses Spiel eh keiner guckt: Reza Ghoochannejad wuchs in den Niederlanden auf und soll ein ganz beachtenswerter Stürmer sein.

  • Ein Spiel, das dir wirklich jeden vorher aufgestauten Funken Adrenalin in den Adern rückstandslos austrocknen ließ. Ich habe nur mit einem Auge hinsehen können. Daniel Davari hat nicht gespielt, stattdessen Elyas M’Barek (Fack Ju Göthe) – tja, da hast du einen erfolgreichen Kinofilm in Deutschland, schon machst du auch im Sport Karriere. Wie, das war nicht M’Barek? Sondern Haghighi, ausgesprochen Ha-Hi-Hi? Klaro.
  • Beide können von mir aus sofort nach Hause fahren. Ich habe die meiste Zeit dieses spielerischen Trübsinns damit zugebracht, den Videotext zu studieren. Um 2:35 Uhr wird in der ARD übrigens der Tatort „Wegwerfmädchen“ mit Maria Furtwängler wiederholt. Für Menschen, die von Langeweile auch ohne Ball nicht genug bekommen können. Steffen Simon immerhin hat ein Spiel erhalten, das er zweifellos verdient hatte.

Tore:

Deutschland gegen Portugal 4:0

  • Jetzt geht’s los. Deutschland gegen Portugal. Doch wer soll stürmen? Klose? Müller? Podolski? Jogi grübelt bis tief in die Nacht, da bringt der Franz einen neuen Namen ins Spiel. Denn er hatte sich endlich die allseits ignorierte ZDF-Mediatheken-App runtergeladen und die Statistiken durchstöbert. Wobei er aus gewohnter Tüdeligkeit bei der Wahl der Sportart in die falsche Zeile gerutscht war: „Martin Kaymer, Jogi“, setzte er an, „Martin Kaymer ist unser Mann! Wieder 18 Treffer in 18 Partien, in den USA gerade zum besten Spieler gewählt worden. Und das zieht der Runde um Runde durch!“. Doch Jogi wiegelt behutsam ab: „Hökschd beeindruckend, Franz, aber der braucht 271 Chancen für seine Quote. Das lässt der Portugiese nicht zu, da muschd brutaal effizient sein.“
  • Wenigstens hatten die heißblütigen Mittel-und Südamerikaner aufgehört, ihre Nationalhymne nach Ende der Musik weiterzusingen. Dem Brasilianer und dem Mexikaner hatte das ergebnismäßig geholfen und prompt leitete der DFB eigene Maßnahmen ein. Was durfte der deutsche Fan als Zugabe grölen? Der Abschluss der erste Strophe vom Lied der Deutschen fiel schon mal weg. Jener der zweiten? Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang! Schien gewagt und hätte wahrscheinlich beim bebierbauchten und verheirateten deutschen Fan zu einem Aufschrei geführt. Vielleicht wenn man Frauen durch Fußball und Wein durch Bier ersetzte, wie es in deutschen Ehen zu Weltmeisterschaften ja guter Brauch war. Oder doch „Brüh im Lichte dieses Glückes“, der Klassiker der deutschen Hymnenerweiterung? Oliver Pocher live am Mischpult mit der Ballermann-Techno-Version von „Schwarz und weiß?“. Es war wirklich gut, dass sich das Thema erledigt hatte.
  • Gegen die Portugiesen haben wir zuletzt gute Erfahrungen gemacht. 2006 Spiel um Platz 3 mit 3:1 gewonnen, 2012 bei der EM gab es zum Turnierauftakt ein 1:0 durch einen Treffer von Mario Gomez. War damals wenig spaßig, mit viel Ballbesitz für die Deutschen, aber lange Zeit wenig Zählbarem. Oder wie ich damals schrieb: Zwischen DEN Festspielen rundum den Strafraum und DEM Festspielen rundum den Strafraum liegt nur ein Buchstabe, aber leider auch die ganze Bandbreite des attraktiven Fußballs.
  • Wenn uns einer die Tour vermasseln kann, dann Cristiano Ronaldo. Ich werde wahrscheinlich schon innerlich vor Fremdscham blutend zusammenzucken, wenn der Kerl bei der Videovorstellung statt entschlossener Ellenbogenverschränkung schleimig grinst und posiert. Aber seine Erfolge gegen deutsche Vereinsteams sind nicht von der Hand zu weisen: Mit Schalke, Dortmund und Bayern hat er zuletzt drei deutsche Mannschaften in der vergangenen Saison aus der Champions League geschossen. Gut möglich, dass er neben dem aufgetragenen rutschfesten und schweißabweisenden Mascara schon eine Jubelpose extra für uns einstudiert hat. Mit entblößtem Oberkörper jodeln, Schuhplattler tanzen und dann theatralisch wie nach einem Körpertreffer zu Boden sinken. Und schnell genug wieder aufstehen, bevor Kevin kommt und draufpinkelt.
  • Außer dem Unterwäschemodel noch zu beachten: der raubeinige, aber auch für Platzverweise empfängliche Pepe (Real Madrid), sein dortiger Kollege Fabio Coentrao, der kernige Volltattooträger Raul Meireles (Fenerbahce) und vorne der quirlige Nani (Manchester) sowie der ewige Hugo Almeida (Besiktas). Ich wäre froh, wenn ich im Nachbericht nichts Gutes über sie, sondern nur über unsere Jungs schreiben müsste. Und jetzt Burschen, geht’s raus und gewinnt gefälligst!

  • Ja, ist denn scho wieder Südafrika? Gewonnen! Mit 3:0 zur Halbzeit! Besser kann es doch gar nicht zum Einstieg laufen.
  • Khedira schießt am leeren Tor vorbei. Na und? Dafür wird Mario Götze im Strafraum gehalten und Thomas Müller verwandelt wie einst der Andi 1990. Ein Schuft, wer darüber nachdenkt, ob der Klose auch zu Boden gegangen oder als Meister der Fairness weitergelaufen wäre.
  • 2:0 durch Hummels! Horst Hrubesch hat sich sicherlich die Tränen aus dem vor Freude roten Gesicht gewischt.
  • Platzverweis Pepe. Haut Müller eine rein und will dann mit dem frisch gewachsenen Wuschelkopf rumkuscheln. Verdient Rot.
  • 3:0, wieder Müller. Feinstes Abschlussgedöns des Hallodri von Bayern München. Der erste Verteidiger vorne und eine Sekunde drauf der vorderste Angreifer. Nicht gr0ß nachgedacht, reingemacht. Ich liebe den Burschen.
  • Der für mich schönste Moment in der zweiten Halbzeit, die mehr entspannter Trab mit Ball denn Fußball war: Cristiano Ronaldo schießt trotzig mit seiner Westernhelden-Pose den ersten Freistoß und wirkt dabei wie ein trauriger Clown. Noch besser: beim nächsten Versuch stellt sich nur der kleine Lahm hin und wehrt trotzdem den Schuss ab. Ich hatte Lachtränen in den Augenwinkeln hängen. Schließlich wehrt Manuel Neuer lässig ab.
  • 4:0, Müller staubt im Fallen ab. Mehr muss nicht, Jungs. Sicherlich hätte ich gerne noch ein, zwei Treffer gesehen. Aber die könnt ihr euch aufheben für die Argentinier im Viertelfinale.

Tore:

1:0 T. Müller (12., Foulelfmeter)
2:0 Hummels (32.)
3:0 T. Müller (45.)
4:0 T. Müller (78.)