Argentinien gegen Bosnien-Herzegowina 2:1

  • Bosnien-Herzegowina ist zum ersten Mal bei einer WM dabei. Und Welpenschutz damit das Stichwort. Hier spielt genauer betrachtet wieder die heimische Bundesliga auf, denn so ziemlich alles, was den Gauchos heute entgegentritt, hat dort schon seine Fußspuren hinterlassen: Salihovic (Hoffenheim), Ibisevic (Stuttgart), Dzeko (ex-Wolfsburg, nun Manchester City), Misimovic (ex-Wolfsburg, nun irgendwo in China). Die Abwehrformation rekrutiert sich sogar komplett aus der höchsten deutschen Spielklasse: Kolasinac (Schalke), Spahic (Leverkusen), Bikakcic (Braunschweig) sowie Mujdza (Freiburg).
  • Nicht nur deshalb verdienen die Bosnier bis dato bei mir einiges an Kredit: Sie haben uns anders als andere slawische Mannschaften wie die Kroaten oder Serben noch nicht geärgert und mussten zweimal in den Playoffs zu Welt- bzw. Europameisterschaften gegen Portugal ran, um sich vom fiesen Cristiano Ronaldo die Endrundenhoffnungen zerballern zu lassen. Der kleine osteuropäische Kumpel also, den man von der Arbeit her kennt und dem man gerne einen ausgibt, weil er es bisher nicht leicht hatte und sich noch nichts zu schulden hat kommen lassen.
  • Auf der anderen Seite: Messi. Di Maria. Higuain. Aguero. Namen, die einem FAVORIT entgegenschreien. Aber die Uruguayer haben vor der Partie gegen Costa Rica auch kräftig gerufen und das Ergebnis ist bekannt. Rojo, Fernandez, Garay oder Zabaleta ruft übrigens keiner in Argentinien. Das sind nämlich die Verteidiger in der Abwehrformation der Albiceleste. Und die fallen desöfteren qualitätsmäßig ganz schön gegenüber ihren offensiven Kollegen ab.
  • Kleines dickes Maradona wird übrigens auch vor Ort sein, als Stargast eines täglichen Fernsehprogramms. 1986, beim letzten WM-Titel stand er noch auf dem Platz. 28 Jahre ist das mittlerweile her. Ich denke allerdings noch viel lieber vier Jahre zurück, als wir das Maradona mit 0:4 aus dem Wettbewerb kegelten. Ich merke, so langsam geht die Vorfreude auf das Spiel morgen gegen Portugal los.

  • Der erste Schalker Torschütze bei diesem Turnier. Kolasinac setzte den Ball nur leider und unangenehm früh in den falschen Kasten. Ohne dieses frühe Tor hätten die Bosnier mit stolz geschwellter Brust in die Pause gehen können. Gut draufgegangen, Messi eher in unaufgeräumtem Zustand gehalten, die gegnerische Abwehr zu sehr vielen Freistößen und Ecken gezwungen. Nur hätte man aus diesen Standards auch was machen müssen.
  • Messi hatte dann doch seinen einen glanzvollen Moment. Kann man wohl nie ganz verhindern. Der Anschluss durch Ibisevic kam zu spät. Schade, Bosnien-Herzogewina, aber für die nächsten Partien drücke ich euch weiterhin die Daumen.

Tore:

1:0 Kolasinac (3., Eigentor)
2:0 Messi (65.)
2:1 Ibisevic (85.)

 

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Frankreich gegen Honduras 3:0

  • Nennt mich verrückt, aber ich habe eben 5 Euro auf Honduras gesetzt. „Weshalb so wenig?“ mögen jetzt manche mit Gemeinheit beschlagene Menschen fragen. Die letzten Spiele, die um 21:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit angestoßen wurden, waren allesamt Sensationen mit den Siegen von Holland und Costa Rica. Und mal ehrlich: welche Nation bietet sich mehr an als die Franzosen, diese kleine Tradition fortzuführen? Bei unseren Nachbarn würde man vermutlich nicht mal das Wort von der Sensation in den Mund nehmen wollen.
  • „N’expectez rien“ ist das unausgesprochene Motto dieser Weltmeisterschaft. Erwarten ’se nix. Nach dem Ausfall von Franck Ribéry, der hinter dem Baguettevorhang aber so beliebt ist wie Amerikaner, die Cola in ihren Pont Neuf Chateau kippen, müsste es eigentlich „N’expectez plus de rien“ heißen. Staatschef Hollande, mit ähnlichen Beliebtheitswerten gesegnet, erwägt schon das Exil in ein Land der Wahl seines Nachnamens und wahrscheinlich würde es niemandem auffallen.
  • Vom Namen her hat die equipe tricolore freilich genug Spieler, die einen weiten Vorstoß im Turnier ermöglichen sollten: Karim Benzema, Hugo Lloris, Patrice Evra, Blaise Matuidi, Yohan Cabaye oder der junge Aufsteiger Paul Pogba. Aber ob am Ende ein Team draus wird, weiß der liebe Herrgott. Den ich als erfolgloser Tipper jetzt auch mal langsam um Rat fragen muss. Die Qualifikation war jedenfalls zittrig, erst in den Play-Offs nach einem 3:0 über die Ukraine nach voriger 0:2 Niederlage ebendort konnte man das Ticket buchen.
  • Wo ich darüber nachdenke: mit meiner Wette und meiner Aura des absoluten Tippversagens habe ich den Franzosen wahrscheinlich den Sieg oder zumindestens ein Unentschieden gesichert. Dankesspenden bitte via flattr, ich bin wettguthabentechnisch bald im Minus.
  • Honduras, ich mag dich sehr. Könnte jetzt auch nicht sagen, warum ich das nicht tun sollte. Doch die Deutschen missgönnen dir jedes Tor und jeden Punkt.  Jedenfalls nach dieser seltsamen Umfrage der New York Times. Auch der kicker gibt dir nur einen von fünf Sternen und prohezeit: „Selbst in dieser leichten Gruppe ist das Achtelfinale für die schwache Mannschaft utopisch“. Höre nicht auf sie, Honduras, du Perle in Zentralamerika, wo sich die Karibik auch irgendwo in der Nähe herumtreibt! Verwandle diesen stillen Neid der gesichtslosen Masse in Energie und Antrieb, tue es Costa Rica gleich, lass das H auf deiner Brust im Glanze des Sieges erscheinen, erlege den Goliath und fülle meinen leeren Geldbeutel. Tiefe bedeutet dein Name, tief ist mein Dank. Denn ich mag dich sehr. Falls ich das noch nicht geschrieben haben sollte. Oh doch, habe ich. Egal.
  • Der Star ist die Mannschaft, der Zusammenhalt, die verschworene Gemeinschaft. Das übliche Blabla der Unbekannten also. In der Qualifikation besser als Mexiko, aber schlechter als Costa Rica und die USA. Wenn man einen Spieler unbedingt erwähnen muss, wäre das wohl Carlo Costly, der im Nationalteam eine Trefferquote von fast 50% hat.

  • Technische Pannen gleich zum Einstieg: Paul Pogba verpatzt deutlich seinen Einsatz im Ellenbogenpräsentionsvideoclip, die Hymnen fallen gar komplett aus.
  • In der ersten Hälfte ein Spiel mit dem Mühseligkeitsfaktor einer Baumfällung mit stumpfer Säge und Muskelkater im Arm. Mit Frankreich als Säge, Honduras als knorriger Baum und mir als Muskelkaterschmerz. Immerhin zuckte zweimal der Ast, äh die Latte.
  • Mit dem Elfmeter löste sich die Stammkraft auf, dank technischer Unterstützung setzte es den zweiten Hieb und danach konnte locker, aber wuchtig der Rest von Hauptforstmeister Benzema durchtrennt werden.

 

Tore:

1:0 Benzema (45., Foulelfmeter)
2:0 Valladares (48., Eigentor)
3:0 Benzema (72.)
 

Schweiz gegen Ecuador 2:1

  • Ich bin noch mitgenommen von der ganz späten Schicht gestern mit Reinhold Beckmann und Elber. Die in der Pause wirklich das Freistoßspray getestet und teils verköstigt haben. In den wenigen Stunden Schlaf danach träumte ich davon, dass ich morgens ins Bad käme, Reinhold sich Rasierschaum auf die Hand gesprüht, daran geleckt und lauthals lachend „SCHMECKT ABER NACH NICHTS“ gerufen hätte. Gut, dass dies das einzige WM-Spiel zu ganz später Stunde war. Die Nacht lässt Menschen seltsam werden.
  • Die Schweizer haben vergangenen Freitag ein wichtiges Trademark in ihrem Fußballportfolio verloren: den Sieg über die Spanier bei einer Weltmeisterschaft. 0:1 triumphierte man damals in Südafrika im ersten Spiel der Vorrunde. Und scheiterte schließlich an Honduras, denen einfach kein Tor beizubringen war. Diese überzeugende Nichtleistung konkurriert nur mit jener von der WM 2006, als die Eidgenossen im Elfmeterschießen gegen die Ukraine keinen einzigen Ball hinter die Linie bekamen, nachdem man zuvor selbst in allen Spielen ohne Gegentor geblieben war. Mit dem Tor fremdelt er also noch etwas, der Schweizer, da sollte man nicht unbedingt auf ihn bauen. Ein 0:0 gilt heute angesichts dessen als risikoarmer Tipp.
  • Ich mag unsere Nachbarn. Haben mit Ottmar Hitzfeld einen deutschen Trainer, viele Bundesliga-Legionäre wie z.B. Benagli0 (Wolfsburg), Shaqiri (Bayern München), Drmic (bald Leverkusen), Xhaka (Mönchengladbach) oder Mehmedi (Freiburg) und seit heute muss man von Seiten der Deutschen aufpassen: aus dieser Gruppe könnte unser Viertelfinalgegner kommen. Mit den Schweizern wäre ich da recht zufrieden – die knacken wir doch spätestens im Elfmeterschießen.
  • Bei Ecuador denke ich als erstes immer an Bergziegen. Das soll jetzt keine Beleidigung sein, ist aber so. Wohl weil die Burschen ihre Qualifikationsspiele stets im heimischen Quito in luftiger Höhe gewinnen und sich so die entscheidenden Punkte holen. Groß aber ist das Gemähe, wenn die Herde fernab gewohnter Felder ein paar hundert Meter tiefer spielen muss; dann gelingt ihr nämlich wenig. Kein einziger Auswärtssieg bei acht Partien, Torverhältnis von 5:13 in der Fremde bei 15:3 zuhause. Nun haben ecuadorianische Wissenschaftler herausgefunden, dass gerade bei dieser WM nur Auswärtsspiele anstehen. Dumm gelaufen.
  • Antonia Valencia (Manchester United) ist der bekannteste Spieler, aber wer ManU vergangene Saison gesehen hat, zäunt da jetzt nicht vor Angst seine Weide ein. Ich denke, der Ottmar wird die ganz Alm-Öhi-mäßig mit ruhiger Hand im Griff haben. Aber Tore schießen nicht vergessen!

 

  • Alexander Frei, Alt-Internationaler der Schweiz, braucht da keine ZDF Mediatheken-App, um zu seinem Urteil zu kommen: „Freier geht’s nicht“, war das Motto dieses Spiels.
  • Das 0:1 lässt Ottmar Hitzfeld, ganz Mathematiklehrer, seine Mund- und Gesichtspartie zu zwei dünnen Parallelen formen. Lichtsteiner soll später der Fußballmathematik die Schaumkurvendiskussion schenken, weil der Ecudorianer vor der Hereingabe den Ball nicht korrekt in den Kringel gelegt hat.
  • Der Ausgleich durch Mehmedi – das erste Bundesligator dieser WM! Vom Ablauf her dezent kopiert, fast dieselbe Stelle, ein bisschen Gegner mehr.
  • Und schließlich in allerletzter Sekunde, nach einigem heftigen Abwehrtohuwabohu wirklich noch der Siegtreffer durch den eingewechselten Seferovic. Rodriguez, der Wolfsburger, leistet erneut die Vorarbeit. Freier geht’s nicht. Drei Punkte Schweiz, ein Tor Bundesliga, zwei Vorlagen Bundesliga, null Punkte Ecuador. Glückwunsch an die Eidgenossen.

Tore:

0:1 E. Valencia (22.)
1:1 Mehmedi (48.)
2:1 Seferovic (90.)