Mexiko gegen Kamerun 1:0

  • Nachdem in Tokio heute Morgen kurz nach dem Aufstehen Millionen von Menschen verdutzt den Telefonhörer auflegten, weil eine wuterfüllte Stimme sie in osteuropäischem Akzent mit den Worten „FUCK YOU JAPAN! YOU BLIND??“ angeschrien hatte, widmen wir uns nun dem zweiten Spiel dieser WM.
  • Mexiko. Klein. Stolz. Grün. Fängt früh an, hört früh auf. Dieses Mal allerdings reisen die Nachfahren der Azteken in eher gedämpfter Stimmung an. Denn die Qualifikation war übel: nur Platz 4 in der Abschlusstabelle, erst in den Play-Offs sicherte man sich das WM-Ticket durch Siege gegen die Hobbitse aus Neuseeland. Platz 4, das bedeutet: hinter Honduras, hinter Costa Rica und vor allem hinter den USA. Das ist so dermaßen verkehrte Welt, als würde man in den Hähnchen von Burger King einen höheren Crystal Meth-Gehalt finden als in denen von Los Pollos Hermanos. Oder umgekehrt Aiaiaiai Muy Frio Acapulco den Stanley Cup gewinnen.  Oder Los Pygmaos Guadalajara die NBA-Finalspiele. Aber ich schweife ab…
  • Der mexikanische Trainer Miguel Herrera trägt den Spitznamen „El Piojo“ („Der Floh“). Bitte an dieser Stelle einen eigenen Torwartwitz einfügen. Nein, die Zeiten eines Jorge Campos sind vorbei, alle drei Keeper reißen locker die 1,80 Meter-Latte.  Die allermeisten Spieler verdienen ihre Pesos in der heimischen Liga, international bekannt sind lediglich Javier Hernandez (Manchester United), Giovani dos Santos (Villareal), Diego Reyes (FC Porto) sowie Andres Guardado (Bayer Leverkusen). Alphatier der Truppe ist der mittlerweile 35-jährige Rafael Márquez (ex-Barcelona), der seine vierte WM spielt. Wer sich übrigens in geselliger Runde als schäbiger Kulturbanause outen möchte, fängt eine Diskussion darüber an, ob der Mann nicht erst vor kurzem gestorben sei. (Das war der Schriftsteller Gabriel Garcia Márquez und der war Kolumbianer, also ganz andere Baustelle).
  • Ich hätte gerne eine neue Kategorie im Quizduell: „Prämienstreitigkeiten afrikanischer Mannschaften vor einer WM“. Ein weit zu beackerndes Feld mit vielen Facetten und immer wieder frischen Entwicklungen! Ich würde meine Gegner gnadenlos töten in dieser Kategorie. „Welche afrikanische Nationalmannschaft hatte vor der WM 2014 Ärger mit dem eigenen Verband wegen der ausgehandelten Prämien für den Fall des Gewinns der Weltmeisterschaft?“
  1. Kamerun
  2. Nigeria
  3. Ghana
  4. Alle, wie immer (Antwort: 1 sicher. 4 ist nicht auszuschließen)
  • Trainer ist der aus der Bundesliga bekannte Volker Finke. Ein ruhiger Typ mit langjähriger Erfahrung aus seiner Zeit in Freiburg ausgestattet, der die heißblütigen „unzähmbaren Löwen“ in die Erfolgsspur bringen soll. Im Testspiel gegen unsere Jungs sah das ja auch schon ganz gut aus. Als komplettes Spiegelbild zum Gegner sind alle Spieler in ausländischen Ligen aktiv. Zu beachten sind Samuel Eto’o (Chelsea), Alexandre Song (Barcelona), Stephane Mbia (Sevilla) sowie die bundesligaerprobten Joel Matip (Schalke) und Eric Maxim Choupo-Moting (noch Mainz). Kurz vor Beginn aus der Mannschaft gestrichen wurde Mohamadou Idrissou (ex-Kaiserslautern): der Mann, der schneller vom Ellbogenstoß zur gestenreichen Unschuldsbezeugung wechseln als Lucky Luke ziehen kann.
  • Tippmäßig wird es heute emotional. Nach dem Sieg der Brasilianer bin ich mit meinem Kombinationstipp noch im Rennen; für diese Partie habe ich meine Münzen auf einen Sieg der Afrikaner gesetzt, obwohl die Buchmacher eher Mexiko favorisieren. Wehe, ich werde wieder so  enttäuscht wie bei WM in Südafrika, wo ich den Namen „Kamerun!!!“ immer nur mit drei Ausrufezeichen und zuvor anklagend geschüttelter Faust schreiben konnte.

  • KAMERUN!!!!!! (The saga continues)
  • Wer zu Beginn des Spiels genau aufgepasst hat, konnte erkennen, dass beim Präsentationsvideo zur Aufstellung einer der Kameruner zu langsam war, um rechtzeitig die cool-lässige Ellbogenpose einzunehmen. Der war dann wohl während des Spiels für das Pressing bei Angriffen des Gegners verantwortlich. Wie die die Mexikaner haben laufen lassen, da kriegst du Ausschlag von. Noch schlimmer: Mein Geld ist futsch!
  • Die Daten des Spiels: #1 der Schattentorschützenliste – dos Santos mit zwei regulären, aber nicht gegebenen Treffern. In Sachen Entertainmentfaktor und Kamerapräsenz klarer Punktsieg für Herrera gegenüber Finke. 6 und 9 sind zwei Zahlen, die Thomas Wark gerne mal verwechselt.
  • Insgesamt ein verdienter Sieg der Mexikaner, weil Kamerun enttäuschte und erst zum Ende etwas druckvoller nach vorne agierte. Ich glaube allerdings weiterhin, dass von den beiden Teams keiner das Achtelfinale erreichen wird. Der erste Afrikaner ist heute schon ausgeschieden.
  • Die positive Nachricht: wenigstens klingeln heute nachmittag keine Telefone in Kolumbien, der Heimat des Schiedsrichters. Ist doch auch schon was.

Tore:

1:0 Peralta (61.)

 

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