Schöner Scheitern mit den offiziell abgelehnten WM-Songs

  • Wird wohl wieder nichts.
    Deutschland ist endlich vereint. Im Glauben, dass unsere Mannschaft nach 1994, 1998, 2002, 2006 und 2010 erneut nicht Weltmeister werden wird. Anzeichen für das Scheitern gibt es bereits im Vorfeld: Man betrachte sich nur den Werbespot, in dem die Burschen um Jogi zu trübem Wetter mürrisch schweigend im grauen Outfit umhertraben. Aus dem Off murmelt die blonde Betroffenheitsbankerin knapp an der Grenze zur Depression etwas von nicht erreichbarer Zufriedenheit. Gut, die Frau muss es wissen, denn sie arbeitet ja bei der Commerzbank. Dafür steht sie jeden Morgen auf und joggt hart gegen die ganz schlimm ungerechte Verteilung pekuniärer Mittel an, um wenig später Menschen wie Lukas Podolski marode Anleihen des 1.FC Köln (GARANTIERTE 1,5 % ZINSEN bei Gewinn der Champions League mit 5 Toren Unterschied im Finale) anzudrehen. Weitere stichhaltige Gründe: In Brasilien ist es zu heiß außer für Brasilianer und anderes Volk, das von diesem Kontinenten in der Form einer umgedrehten Zipfelmütze stammt. Die Uhrzeit ist falsch. Reus ist ‚putt. Der Europäer gewinnt traditionell eher ungern auf anderen Erdteilen als seinem eigenem. Worüber wiederum der Spanier nur herzlich lachen kann, hat er doch die letzte WM gegen einen Gegner gewonnen, der am Veranstaltungsort quasi heimisch war.
  • Früher, ja da wären wir mit Tony Marshall und einem flotten Liedchen der Marke „Wir hauen euch den Zucker aus dem Hut“ vorstellig geworden und hätten den Konkurrenten schon mit der bloßen Präsentation von Frisur und Ton bereits Angst und Schrecken eingejagt. Doch seit 1994 kam da nichts mehr. Also besetzte der DFB ein Komitee mit ausgewählten Experten, um den offiziellen WM-Song 2014 zu finden: Franz Beckenbauer (hält Rammsteins „Rein Raus“ für eine Golfhymne), Mario Götze (wurde bereits von drei verwirrten Teenager-Girlies mit Justin Bieber verwechselt) und Jogi Löw („Faster Harder Scooter“). Toni Kroos musste wegen seiner schweren PUR-Abhängigkeit leider und doch irgendwie zurecht draußen bleiben. Das Ziel: Diesmal nichts von einer fremdsprachig daherflötenden Arschwackeltrulla, sondern deutsches Liedgut vom Feinsten.
  • Die Kandidaten:
    Geh In Würde“ von Unheilig. Einhelliges Expertenvotum: muss vom Grafen umgehend als offizieller Song zur Selbstauflösung der Band veröffentlicht werden. Wäre dann garantiert ein Erfolg. Mario Götze meint, der Graf sollte mehr „fun“ haben, nicht so viel nachdenken und noch weniger singen.
    Quäl Dich Nicht (Ich Tu’s Für Dich)“ von Xavier Naidoo. Schmerzhaft sanfter Soul, in dem es eigentlich um Trennungen geht, die keiner aussprechen will. Passte aber auch prima als Metapher für Lieder zu Fußballweltmeisterschaften. Schied aus, weil es Jogi zu sehr an den Abschied von Mario Gomez erinnerte. War Götze „zu hardcore“.
    Ich Hau Dem Dante Mit Der Handkante (Sein ComBinho Kaputt)„, Musik und grammatikalisch fragiler Text von Michael „The Wendler aka Der Wendler“ Wendler. Sonne, Spaß und Beschädigung fremden Eigentums. Mehr Fun als eine angekündigte Razzia der Polizei in den Favelas. Wurde auf Intervention einer Elektronikfachmarktkette allerdings der Bewertung entzogen. „Die haben gedroht, Mario Barth ins DFB-Quartier zu schicken“, stöhnt der Franz.
    Hoch Auf Dem Gelben Wagen (Sitz Ich Beim Strullen Vorn)“, Aktionsbündnis BREIT WIE NIE feat. Aggro Kevin. Der Abfeiertrack zur Trophäenpräsentationsrundfahrt for the let-it-run-generation, die neue Harn-Hymne der Nation. Der Hakle-Haken: Es fand sich kein Sponsor, der die Sauerei danach sauberzumachen versprach.
    Blut Und Rasen„, Till Lindemann (Solokünstler). Nummer mit Sprechgesang, begleitet von einer bösartig tiefer gestimmten Triangel. Wie immer außer Konkurrenz, weil keiner den Subtext verstand. Einschätzung Jogi: „Is scho echt brutal und hökscht provokativ, weil man kann auch rasen, ohne dass es gleich zu Blutvergießen kommen muss“. Mario Götze konnte vor Angst mehrere Tage nicht schlafen.
    I Bin A Bayrisches Urviech„, Thomas Müller. Kenner erkennen sofort an dem vom Interpreten aufgetragenen Lederdirndl: dies ist eine Coverversion von „I Bin A Bayrisches Cowgirl“ von Nicki, aber mit Thomas Müller, dem wie immer sympathischen Hallodri und Jahrgangsbesten in der Thomas-Müller-Schule für Gaudi, Gekickerei und Gedöns. Veto Franz: „Kann ich dem Uli nicht antun. Die haben mittlerweile HD-Fernsehen in Landsberg“.
  • Am Ende besann man sich doch auf den eingesprochenen Hörbuch-Klassiker von 2010, den man nun von Dieter Bohlen am Klavier unter Zuhilfenahme diverser Stöhnproben der DSDS-Frühausgeschiedenen ganz billig zur Ballade der nationalen Hoffnung umfunktionierte: das deutsche „Je t’aime“ des Fußballs, Franz Beckenbauer mit „Ja gut,.. äh – Wenn WM war, konnte der Klose ja praktisch immer„.
  • Nun denn. Wenn es eh in die Hose geht, kann ich auch ein WM-Tagebuch dazu schreiben. Willkommen.
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2 Gedanken zu “Schöner Scheitern mit den offiziell abgelehnten WM-Songs

  1. Hurra, mein Lieblingsblog ist endlich zurück. Und gleich wieder gewohnt großartig. Nur die Schriftgröße ist alles andere als gewohnt, was ist denn da passiert? Das könnte ja Bela Réthy von seinem Garten aus lesen. Also, könnte. Theoretisch… 😉

  2. Mist, jetzt hätte ich den Witz bringen können, dass die Schriftgröße extra so groß ist, DAMIT Béla Réthy es von seinem Garten aus lesen kann. War aber schlicht nach Änderung des Themes so. Ich habe es hier auf 1024×768 laufen (weil mein Bruder die Sehkraft eines 102-Jährigen hat und ich zu faul bin, es jedes Mal umzustellen) und ja, es ist groß! Ist es zu groß? Soll ich’s ändern? Willkommen zurück!

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