Deutschland – Frankreich 4:2 / Kanada – Nigeria 0:1

Vorbericht:

  • Die schlimmste Nachricht gleich vorweg: Melanie Behringer wird mit ziemlicher Sicherheit nicht spielen, sondern wird geschont. An ihrer Stelle wird wohl Hochglanzkickerin Fatmire Bajramaj auflaufen, was für mich Anlass genug ist, folgenden selbst erdachten Witz einzuschieben: Was haben junge Italiener und Frauenfußball-Fans gemeinsam? Beide hätten gerne die alte Lira wieder, obwohl sie sich gar nicht mehr an sie erinnern können. Geht mir ähnlich, ich kenne die eigentlich nur aus der Werbung und wenn sie mich heute Abend wieder nicht überzeugt, ordne ich sie in die große Reihe der Werbemißverständnisse ein – so wie damals, als ich dachte, die hübsche Blondine aus der Alice-Werbung käme persönlich bei mir vorbei, würde mir meinen DSL-Anschluss einrichten und dann noch auf eine Runde Gears of War bleiben.
  • Birgit Prinz wird übrigens auf der Ersatzbank Platz nehmen, entsprechende Andeutungen von Trainerin Neid haben sich verdichtet. Dabei hat die Gute wirklich alles versucht, ihre Tor- und Spielhemmung zu überwinden. Oft sah man sie an der PS3, wie sie faustreckend bei FIFA11 im allereinfachsten Schwierigkeitsgrad an allen Gegnerinnen vorbeilief und einnetzte. Wie sie sich ganz im Stil von Brasiliens Marta beim Spiel gegen Norwegen die Ellenbogen anspitzte und tückisch in diverse Sparringspartner rammte. Oder sich als Verteidigerin tarnte, die einen Abpraller mit der Hand aufnimmt und in der Folge so blitzartig hinter die Linie schiebt, dass jede Schiedsrichterin der Welt sofort auf Anstoß entscheidet. Alles umsonst.
  • Die Krux der Wahrnehmung des deutschen Spiels liegt eindeutig in der naiven Vorbereitung, diesen Vorwurf muss sich die Frau Neid gefallen lassen. Wer um Himmels willen gewinnt denn in den unbedeutenden Spielen vor einer WM fast jede Partie mit 5:0? Da kommen doch ganz falsche Hoffnungen auf! Hier hätte man durchaus von den Männern lernen können. Wenn ich etwa lese: „Die deutsche Nationalmannschaft um Joachim Löw hat im Vorlauf der Weltmeisterschaft Freundschaftsspiele mit Polen, Venezuela und dem Vatikan vereinbart“, ist mir als Fan sofort klar, was zu erwarten ist – knapper, bockloser Sieg gegen Polen, Gebolze und infolge von 11 Auswechslungen fehlender Spielfluss gegen Venezuela und schließlich Kantersieg gegen den Vatikan, um ein positives Abschlusszeichen zu setzen. Würden Jogis Jungs hingegen alles mit mehr als drei Toren niederbrennen, würde umgehend das Gemaule mit dem Vorwurf des verschossenen Pulvers losgehen.
  • A propos Jogis Jungs: ich suche immer noch nach einem entsprechend schneidigen Ausdruck für die Frauennationalmannschaft. „Unsere Mädels“ soll ja leicht verpönt sein, „Neids Frauen“ hört sich dezent phallozentrisch an, „Silvias Mädchen“ eindeutig zu puffig. Vielleicht sollte man es wie der große Pelé halten, der sich den Namen Schweinsteiger nur als „Swine’s Tiger“ merken konnte und insofern zu einer zünftigen phonetischen Einenglischung greifen. „Knight’s Ladies“ etwa hat doch was Erhabenes. „The Knight’s Ladies winneth the game against France by three goalth to noneth“.  Passt auch gut zu meiner aktuellen Lieblingsserie „Game of Thrones“, die ich hier bepreiset und belobiget habe.
  • Ein paar Worte zu den Französinnen. Nun, da meine Melanie nicht spielt, kann ich es ja rauslassen. Ich finde die #8 bei der Equipe Tricolore,  Sonia Bompastor, schwer süß. Die freut sich immer so schön, wenn ein Tor fällt. Wenn die „Va te faire enculer, sale fils de pute“ zu mir sagen würde, würde ich strahlend mit einem „Oui, mon chou“ antworten.
  • Frankreichs Trainer Bruno Bini predigt hingegen schon seit Turnierbeginn, dass die Deutschen Weltmeister würden und er sich freut, maximal Vizeweltmeister zu werden. Der alte Fuchs hat bestimmt schon Ausreden bereitet, weshalb sich an dieser Einschätzung auch nichts ändert, wenn die les Bleus heute den ersten Platz in der Gruppe verteidigen sollten. So macht man das, Lady Knight!
  • Kanada gegen Nigeria spielt auch. Sollte es Schwerverletzte geben, werde ich darüber berichten. Würde mich aber wundern, denn selbst der Afrikaner wird zahm, wenn es nichts mehr zu holen gibt.

Nachbericht:

  • Erster! Und das nach dem wohl besten Spiel bei dieser Weltmeisterschaft. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ohne Melanie Behringer soviel Spaß an einer Partie haben würde. Die deutsche Auswahl stand hinten geordnet, ließ wenig zu, dominierte im Mittelfeld, nur nach vorne wollte der Ball nicht so richtig gefährlich rollen.
  • Bis zum 1:0 durch Garefrekes. Ein langer Ball von Peter, an der Langen der Franzosen, Mademoiselle Sturmfrisur Renard vorbei, auf den Kopf der großgewachsenen, um nicht zu sagen äh langen Deutschen. Reaktionstechnisch gesehen ein désastre complet der französischen Abwehr. Aber gut für die heimische Seele.
  • 2:0, wieder Kopfarbeit, diesmal von Inka Grings nach Flanke von Laudehr. Zweimal gefährlich aufs Tor gekommen, kein Mal das Bein benutzt, eine saubere Leistung. Ich bin so gut gelaunt, dass ich nicht mal mehr meiner Sonia Bompastor nachtrauere, die wegen einer gelben Karte erst gar nicht eingesetzt wurde.
  • Nun das Unschöne: zwei Gegentore, ebenfalls allesamt mit dem oberen Halsfortsatz eingenickt. Erscheint auf den ersten Blick ärgerlich, aber stellt euch mal den japanischen Trainer vor, der sich das mit ansehen musste. Der war sicherlich total geknickt, denn wenn das die einzige Möglichkeit sein sollte, die deutsche Abwehr zu überwinden, kann er gleich die Koffer packen gehen. Gibt es überhaupt ein japanisches Wort für Kopfballpendel? Wenn ja, wäre es dennoch das wohl nutzloseste Trainingsgerät im Gepäck der Asiatinnen.
  • Die erste rote Karte, der erste verwandelte Elfmeter durch Grings (mit Vorarbeit durch Bajramaj, die aber niemals ansatzweise so gut war wie Behringer), ein bisschen banges Warten wegen der Gegentore, bevor Klopfer mit einem feinen Abschluss den Sieg sichert. Meinen absoluten Respekt, den hätten nicht viele Kickerinnen so souverän ins lange Ecke geschaufelt.
  • Fazit: wir haben wieder die Favoritenstellung inne, das Viertelfinale ist praktisch ein Selbstläufer. Kritisch wird es erst ab dem Halbfinale, wo die Amerikanerinnen auf uns warten. Die hätte ich mir lieber bis zum Finale aufgehoben (die Alternative wäre wohl Brasilien geworden, aber die hätte man mit guter Deckung von Marta und Beschäftigung der Abwehr zermürben können) – egal, sei’s drum: es hat Spaß gemacht. SCHLAND!
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7 Gedanken zu “Deutschland – Frankreich 4:2 / Kanada – Nigeria 0:1

  1. ich hatte ja fast auch schon magen-darm – aber erst in dem moment, als ich erfahren habe, dass die bresonik nicht spielt. und dann bleibt auch noch melB auf der bank und die prinz wird nicht mal zur zweiten halbzeit eingewechselt… liebe frau neid, ich bin ein alter mann, ich komm mit so vielen veränderungen nicht mehr klar… dann halt per kopfball, (danke, anke… äh, kerstin und inka) wenn es anders nicht so recht gehen will. sehr gut, hat den männern auch schon so oft den arsch gerettet und ich konnte endlich wieder frei durchatmen. … also wären da nicht die anschlusstreffer gewesen. aber wer bin ich zu zweifeln? alles richtig gemacht, frau neid. die franzosen haben sich schon ganz schön dezimiert. und ich muss jetzt nur noch irgendwie versuchen, mein adrenalin wieder auf vernünftige werte zu bekommen.

    • Ich sehe bei verzweifeltem Kopfballaktionismus vor meinem Auge auch immer den Bierhoff hochsteigen, aber wenn es langt, um den Gegner zu besiegen, soll es mir recht sein. So von altem Mann zu altem Mann noch ein Verhaltenstipp: Aufregung aufsparen bis zum Spiel gegen die Amis. DAS wird eine ganz heiße Sache, ich muss heute noch in die Apotheke, um meine Blutdruckmittel auf Vorrat zu kaufen.

    • Den Sepp kann ich gerade nicht fragen, der ist in Nordkorea und feiert mit Kim Jong-Il den Weltmeistertitel. Und Dr. Theo ist immer noch sauer, weil ich das mit seinem aparten blauen Baseballkäppi erwähnt haben. Aber ich drücke die Damen, äh Daumen!

  2. Pingback: Das Buchhörnchennest » Bioschokis WM11-Erlebnisse: Live in Gladbach: Deutschland – Frankreich

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