Nordkorea – Schweden 0:1

Vorbericht:

  • (PPP) Hurra! ER! Ist! Da! Anlässlich des siegreichen und umjubelten Auftretens der koreanischen Frauennationalmannschaft ließ es sich der von seinem Volk fanatisch blind geliebte und daher bereits seine dritten Augentransplantate tragende Führer Kim Jong-Il nicht nehmen, dem kapitalistisch-geprägten Freistaat Bayern einen Kurzbesuch zu erstatten. In dem „Puppenkiste“ genannten zentralen Volksvertretungsorgan zu Augsburg sprach er sich für die Rückkehr zum Einparteiensystems aus, gab zahlreiche Autogramme auf sein frisch veröffentlichtes kommunistisches Manifest „Der Kim Kann’s“ sowie das neue literarische Werk seines Sohnes Kim Jong-Un („Der kleine Pups fährt um die Welt“) und beeindruckte die Abgeordneten mit seinen Deutschkenntnissen, als er seine Rede mit einem donnernden „I bin a Weißwurscht“ beendete. Offen angesprochen wurde auch der infame Anschlag des Klassenfeindes aus dem Süden, der die weltweit verehrte Genossenauswahl des einzig wahren Koreas mit gezielten Blitzschlägen ausser Gefecht zu setzen trachtete. Die bayrische Landesregierung versprach umgehend Abhilfe in Form von Gummischuhen und Blitzableitern. Nun steht dem Weltmeistertitel praktisch nichts mehr im Wege. Weißwurscht! Gummischuhe! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Nordkorea könnte mit einer Niederlage aus dem Turnier fliegen. Was bei den letzten beiden Weltmeisterschaften hinsichtlich des Verlierens schon prima klappte, denn in den dortigen Begegnungen gegen Schweden unterlag man mit 0:1 und 1:2. Aber Diktatur hin oder her, ein Sieg der Koreanerinnen würde die dritte Runde spannender gestalten. Und ich habe noch so viele tolle, an der Wahrheit grandios vorbeischliddernde Geschichten rundum den geliebten Führer, die ich meinem Teilzeitarbeitgeber PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) für teures Geld andrehen könnte.
  • Schwedens Stürmerstar Schelin packt gerne die Gitarre aus und singt sich zu Natalie Bedingfields Hit „Wild Horses“ in den Schlaf. Ich habe da eben mal reingehört: definitiv kein Melodic Death Metal, es sei denn, da brüllt am Ende noch einer das süße Stimmchen weg. Aber nett. Stürmerkollegin Landström hingegen ist eher „Punk als Singer-Songwriter“. Deshalb hat die auch schon getroffen. Die Schwedinnen bleiben meine Lieblinge. Sollen halt die Amis und Kolumbien in der Gruppe rausfliegen.
  • Selbstverständlich gibt es auch Offizielles aus dem nordkoreanischen Lager zu berichten. In den Vorberichten auf der offiziellen FIFA-Seite kommen stets der Trainer oder eine Spielerin der jeweils beteiligten Mannschaften mit Zitaten zu Wort. Hier nun im Wortlaut und gnadenlos herauskopiert die Einschätzung von Nordkoreas Kim Kwang Min:
  • nixnixnixnixnixnixnixnixnixnix

Nachbericht:

  • (PPP) In einer erwartet dominant geführten Partie siegten unsere Genossinnen durch Tore von Hong, Kong und Pong mit 3:0 gegen die schwedische Auswahl. Wie bereits bei den Männern im vergangenen Jahr ist damit das dritte Spiel nun ohne weitere Bedeutung. „Lasst die mal nach Hause kommen“ rief der von der Liebe seines Volkes einfach nicht mürbe werdende geliebte Führer Kim Jong-Il seinem Freund, dem Obersten Vorsitzenden der internationalen Fußballkommission Sepp Blatter, auf der Tribüne der Augsburger Volkskampfbahn zu. Sein Wunsch ward ihm Befehl: Mit einer Sondergenehmigung der FIFA dürfen unsere ruhmreichen Frauen vor dem anstehenden Viertelfinalspiel gegen Äquatorial-Guinea kurz in die so quälend vermisste Heimat zurückkehren, um von unserem geliebten Führer persönlich empfangen zu werden. Rückkehr! Heimat! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Es ist gut möglich, dass während der Begegnung eine Kim statt einer Song aufgelaufen ist. Möglicherweise auch umgekehrt. Oder mit Jong Son statt Kim. Oder Song. Kommentator Bernd Schmelzer war jedenfalls einem ganz großen Ding auf der Spur. Statistiker mögen auch diese Zahlen interessieren: 1.70; 1,90; 1.80; 1,80. Das waren meine Luftdruckwerte an allen vier Reifen (in bar), bevor ich heute Morgen an der Tanke im Globus in Einöd vorfuhr. 
  • Wieder größtenteils ein Fest für Fußballfreunde, die torgefährliche Situationen und Tore für gefährlichen Schnickschnack halten.  Erst gegen Ende wusste mich die Partie zu packen, weil ich Idiot 5 Euro auf einen Sieg der Nordkoreanerinnen gesetzt hatte. Keine Ahnung, was Trainer Kim Kwang Min die ganze Zeit über so streng geheim gehalten hat. Das Torschusstraining kann es schon mal nicht gewesen sein.
  • Zum Abschluss noch eine kleine Auswahl an Ausreden, falls die Nummer mit dem Blitzeinschlag nicht mehr ziehen sollte: „Wir hatten kollektiv unsere Tage“, „Der Ball war nicht aus sozialistischer Produktion“, „Der Klassenfeind aus dem Süden hat heimlich die komplette Mannschaft unterwandert und durch willenlose Unterhaltungsgeräte ersetzt“.
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3 Gedanken zu “Nordkorea – Schweden 0:1

  1. Du hast wirkich 5 Euro auf Nordkorea gesetzt? Du hängst nicht sehr an deinem Geld, oder? Ich fand die Leistungen von Nordkorea prinzipiell nicht ganz schlecht, aber in einer Gruppe mit Schweden und USA ist es natürlich schwierig sich durchzusetzen.

    • Es sollte der Auftakt zu einem Tipp-Triumph werden! 5 Euro auf Nordkorea, USA, Unentschieden AQG und Sieg Brasilien. Gibt ja keine anständigen Quoten, wenn man auf den Favoriten setzt. Nordkorea konnte laufen und passen, aber abschlussmäßig – uiuiuiuiuiui.

  2. Pingback: Ukraine – Schweden (Vorbericht) | Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch

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