Neuseeland – England 1:2

Vorbericht

  • Und es begab sich zu einer Zeit, als die Sportschau noch pünktlich um 18:00 Uhr anfing und niemand etwas von überteuertem Bezahlfernsehen wusste, da spielten die Kinder Gottes im Paradies Fußball. Schiedlich, friedlich traten sie gegen das knallbunte runde Etwas und erfreuten sich an dem Gekicke. Die Tore selbst bestanden aus zwei nahestehenden, hochgewachsenen Bäumen als Pfosten, die Latte ward noch nicht erfunden, sondern wurde von den Männern noch schamvoll unter Feigenblättern versteckt.
  • Eines Tages stellte sich ein Menschlein zwischen die beiden Baumstämme und rief: „Ich will jetzt der Torwart sein und euch am Toreschießen hindern“. Gesagt, getan. Tapfer warf er sich in die Ecken, hechtete nach dem Spielgerät und erntete viel Anerkennung und Applaus. Doch der schnelle Ruhm stieg ihm zu Kopf, er wollte gar keinen Ball mehr hinter sich lassen und griff daher zu einem Trick. Denn auf den Bäumen lebten kleine Äffchen, die sich behände von Liane zu Liane schwangen. Die dressierte er, auf dass sie immer dann, wenn das Leder unerreichbar ins Tor zu gehen drohte, zwischen den Ästen hervorrauschten und den sicher geglaubten Treffer noch verhinderten. Groß war die Aufregung! Mürrisch gingen die Menschen zum Fußballgott und baten um ein Eingreifen.
  • Der Fußballgott hatte jedoch keine Zeit und schickte an seiner Stelle eine Abgesandte zum nächsten Spiel. Eine kleine Asiatin mit rötlichem Haar, einem freundlichen Wesen , aber auch ganz, ganz kleinen Augen, die ihr vom Gras auf dem Feld immer zuschwollen. Und so kam es, dass die Abgesandte die flinken Äffchen nicht sehen konnte, obwohl das Publikum und die Spieler pfiffen und schrien. Wieder zogen die Menschen vor den Fußballgott. Der war erzürnt und rief seinen Krisenstab zu sich. Zum nächsten Spiel erschien ein kleiner dicker Mann, welcher allüberall in Eden den Ruf hatte, als stets neutral zu gelten. Jedoch ließ er sich gerne mal eine Banane mitgeben, wenn er seine Inspektionen im Auftrag des Fußballgottes durchzuführen pflegte. Nach dem Spiel von seinem Chef befragt, sagte der kleine dicke Mann „Krise? Ich habe keine Krise gesehen. Aber das hier ist eine schmackhafte Banane“.
  • Als es wieder Geschrei an der Pforte gab, wurde es dem Fußballgott zu bunt. Er verkleidete sich als harmloses Gebüsch und mischte sich unter die Zuschauer. Viel gab es zu bestaunen: Ein blau-weiß gekleideter Mann mit nassem Haar aus dem Süden lachte immer dreckig, wenn ein Spieler kurz vor dem Tor hinfiel. Ein anderer, aus dem hohen Norden, ging stets nach Hause, wenn es spannend wurde. Und der Torwart ließ frech seine Äffchen springen, wenn es brenzlig wurde und feuerte das folgende Gebuhe mit obszönen Gesten weiter an.
  • Da legte der Fußballgott seine Tarnung ab, erschien am Mittelkreis und verkündete mit bebender Stimme: „Du, der du das Tor verengst, sollst fortan den Namen Engländer tragen. Stark und groß wirst du sein im Felde, aber schwächlich und klein zwischen den Pfosten. So ist mein Wille.“ Und so geschah es. Am vergangenen Montag klingelte im Wolfsburger Hotel, wo das englische Frauenfußballteam Einzug gehalten hatte, das Telefon. „Ferngespräch für Frau Bardsley“, rief die junge Frau an der Rezeption. Frau Bardsley nahm den Hörer in die Hand und durch die Leitung knacksten folgende Worte: „Du jetzt auch. Sorry. Gleichberechtigung und so“.
  • Ob Bardsley, Brown oder Chamberlain – ich will Neuseeland siegen sehen. Go, Kiwis, go!

Nachbericht:

  • Die Elfenelf fliegt nach Hause ins Elbenland. Dabei haben sie doch so tapfer gekämpft und gingen gar in Führung. Doch alles Drängen half nichts, Bardsley im Tor der Britinnen ließ nicht nochmal einen Krummen rein.
  • Wobei mich die Lionesses nicht wirklich überzeugt haben, gegen die würde ich unsere Mannschaft als nächstes lieber antreten sehen als gegen die Französinnen. So als Aufbaugegner.
  • Bittere Enttäuschung bei britischen Buchmachern: die Landesvertretung wurde ihrer Favoritenrolle gerecht, die Quoten fielen entsprechend mager aus und wer gespannt auf eine andere Heldin im Kasten gesetzt hatte, durfte sich von seinem Einsatz verabschieden. Spielverderberinnen.
  • Kleiner organisatorischer Hinweis: die Vorberichte über die Partien des Wochenendes könnten verspätet oder gar verkürzt veröffentlicht werden. Ich spüre langsam eine leichte Unlust in den Schreibfingern aufziehen und der Leserschaft scheint es mit dem Lesen ähnlich zu gehen.

Japan – Mexiko 4:0

Vorbericht:

  • Viel darf man schimpfen über das Abschlussvermögen der Damen bei dieser Weltmeisterschaft. Statistiker haben ausgehustet, dass aktuell nur noch halb so viele Tore erzielt werden wie anlässlich früherer Endrunden. Woran mag es liegen? Stören die ungewohnt vielen Zuschauer bei der Konzentration? Ist der Speedcell genannte Ball ungeeignet? Sehnend erwartet mein Auge den Anblick einer sich vergebens noch der Kugel streckenden Torfrau, meistens genügt ein Ausfallschritt, um das kullernde Etwas aufzuhalten.
  • Doch es gibt Ausnahmen: Monica Ocampo beispielsweise. Die Mexikanerin hat beim 1:1 gegen England bisher den gelungensten Fernschuss abgefeuert, was freilich etwas in den Hintergrund trat, weil die britische Torfrau mit einer spektakulären Nichtabwehraktion den Ruhm der Stunde auf sich zog. Interessantes Detail: Senorita Ocampo schießt von Natur aus mit links, bei ihrem Treffer bediente sie sich allerdings des rechten Vollspanns. Vielleicht eine Anregung für manche Spielerin, die vor lauter Aufregung aus 30 Metern schon das Bedürfnis verspürt, draufzuhalten.  Bein wechseln und sich überraschen lassen, was passiert.
  • Feingefühl im Umgang mit dem Ball zeigten hingegen die Japanerinnen bei ihrem Auftaktsieg gegen Neuseeland. Nach schneller Kombination fein gelupft und später einen Freistoß reingezwirbelt. Überhaupt sind die Japaner dafür bekannt, am ruhenden Ball zaubern zu können.   Der dänische Torwart bei der WM 2010 kann davon ein Lied singen.
  • Das soll es gewesen sein für diesen Vorbericht. Viel ist mir ehrlich gesagt nicht eingefallen, dafür ist der Text zu Neuseeland gegen England schön geworden.

Nachbericht:

  • Bevor angesichts des Spiels jetzt allen das Wasser im Mund zusammenläuft, muss ich mich als Speichelabsauger betätigen: gegen diese Japanerinnen kommen wir, falls am Dienstag nicht gegen Frankreich gewonnen wird.
  • Abschlussfeinkost aus Fernost, anders kann man dazu nicht sagen. Herausragend: die #8, Aya Miyama, die ich ab sofort nach dem Alt-Hamburger Flankengott Manfred Kaltz  nur noch Manni nennen werde. Manni schlägt Bälle rein, da kann sich mancher Kerl eine Scheibe von anschneiden. Und vorne lauert die alte weise Frau Homare Sawa, deren drei Tore bei Prinzens Birgit hoffentlich die nächste Zeit in Dauerrotation auf dem DVD-Player laufen werden.
  • Und Mexiko? Ich könnte zwei schöne Szenen anbieten, wo handgestützt eine zarte Diskussion über die jeweilige Entscheidung der Schiedsrichterin geführt wurde. Kein Interesse? Verständlich, das wäre sicherlich mit einer bestimmten südkoreanischen Spielleiterin und einer bestimmten afrikanischen Mannschaft als Gegner auch lustiger geworden.