Norwegen – Äquatorial-Guinea 1:0

Vorbericht

  • Mir geht es heute gar nicht gut. Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben, aber ich denke, dass vorgetäuschte Stärke weder dem Autor noch dem Leser hilft. Die Wahrheit mag schockieren, auch, dass ich so lange darüber geschwiegen habe, aber jetzt muss es raus. Gestern, beim Spiel Schweden gegen Kolumbien, hatte ich mehrere unerklärliche Bildausfälle. Experten erahnen, was passiert sein dürfte: Blitzeinschläge, die Todfeinde der gelungenen Fußballaufführung und -berichterstattung.
  • Auch mich hatte es schwer erwischt, aber infolge schier unmenschlicher Anstrengung ließ ich mir nichts anmerken. Üblicherweise führt in solchen Fällen ja nichts an einem längeren Krankenhausaufenthalt vorbei, ärztlich dringend verordnete Bettruhe inklusive. Aber man will die Fans nicht enttäuschen. Die aus meinem Starrsinn entsprungenen Fehler in den gestrigen Berichten kann ich heute nur mühselig korrigieren: es gibt keine britische Verschwörung im schwedischen Tor, Hedvig Lindahl sieht nicht aus wie Karen Bardsley, die erste Halbzeit bei USA gegen Nordkorea war superspannend, Silvia Rottenberg heißt in Wirklichkeit Silke und würde niemals Oliver Kahn in den Nacken beißen wollen, Thomas Anders schließlich hatte noch nie eine Spätschleimphase, sondern schleimt frisch wie eh und je. Entschuldigung.
  • Der Afrikaner hat, das ist für Experten nichts Neues, aber so was von gar keine Ordnung auf seinem Kontinenten. Aktuelles Beispiel: die Lage von Äquatorial-Guinea. Als erfahrener Weltenbummler verorte ich Guinea natürlich mit geschultem scharfen Blick im Westen der Wiege der Menschheit, umgeben von Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste,  Mali, Senegal und -hallo!- Guinea-Bissau. Da kann die Äquatorialvariante ja nicht weit davon entfernt sein. Pustekuchen, Suchen und Fluchen! Über 2500 km weiter östlich, wo die Verschlankung des Kontinenten beginnt, versteckt sich der kleine Tunichtgut. Man stelle sich vor, sowas machte bei uns Schule und schwupps, Sachsen-Anhalt würde an seiner Grenze zu Sachsen entfernt und irgendwo ins tiefste Georgien verlegt. Der NPD stünde ein unerträglich schwerer Wahlkampf bevor.
  • Äquatorial-Guinea ist laut Wikipedia eine autoritäre Kleptokratie, der Präsident Teodoro Obiang putschte sich gegen seinen Onkel an die Macht, in der Korruptionsweltrangliste belegt man einen beeindruckenden 10. Platz. Bitte an dieser Stelle selbst einen FIFA-Witz eigener Wahl einbauen. Gerne wird von anderen afrikanischen Nationen behauptet, dass in der Frauen-Elf auch Männer spielen, die FIFA höchstselbst allerdings stellte zuletzt offiziell das Gegenteil fest. Das Land ist reich an Erdöl und Gas, das Vermögen des Staatsoberhaupts Obiang wird auf drei Milliarden Dollar geschätzt. Und ich weiß auch nicht, weshalb ich den vorherigen Satz geschrieben habe. Die Frauennationalmannschaft gilt beim Turnier als krasser Außenseiter, die bekannteste Spielerin heißt Genoveva Anonma und natürlich drücke ich denen die Daumen, denn bisher war diese WM doch eher überraschungsarm.
  • Zu Norwegen fällt mir eigentlich nur Black Metal ein. Höre ich aber nicht sonderlich gerne. Verbreitet bei mir irgendwie nicht so recht die optimale Stimmung, zudem geht mir das Gefauche auf den Keks.  Aber die Videos des Vegan Black Metal Chefs sind sehr lehrreich, deshalb sind die nun auch verlinkt. Von Fjorden, dem Königshaus und Edvard Grieg will ich jetzt auch nicht anfangen, das ist mir zu klischeebeladen und überhaupt zieht gerade ein Gewitter auf.
  • Deshalb kurz die wichtigsten Fakten zur Landesauswahl: souveräne Qualifikation, Weltmeister 1995 gegen uns, Spitznamen Gresshoppene (Grashüpfer), eingespieltes Team, Schlüsselspielerinnen sind Maren Mjelde, Ingvild Stensland, Leni Larsen Kaurin und Isabell Lehn Herlovsen. Platz 2 in der Gruppe könnte drin sein, wenn die Australierinnen geschlagen werden. Ich würd mich das nicht trauen.

Nachbericht

  • Der Verband Äquatorial-Guineas hat also beschlossen, die beiden Geschwister Salimata und Bilguisa Simpore nicht zu nominieren. Offiziell aus Krankheitsgründen, inoffiziell munkelt man „weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllt haben, um am Turnier teilzunehmen“, wie es Kommentatorin Claudia Neumann umständlich formulierte. Meine Güte, Claudia! Die beiden sollen einen Piephahn statt einer Mumu haben, das wird man doch auch im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen mal mutig aussprechen dürfen!
  • Was haben die Begriffe Massenvernichtung und Festival gemeinsam? Das Wort Torchancen vorangestellt, fassen beide das Spiel dieses Nachmittags perfekt zusammen. Ich habe schon oft während dieser WM „Jetzt schieß doch mal, Mädchen!“ reingerufen, aber dieses Mal war mir der Mund meist durch meine flache Hand verdeckt. Was da an Gelegenheiten versemmelt wurde,  mochte man gar nicht mitansehen. Dem einen auf Show bedachten Fan aus Äquatorial-Guinea im blauen Trikot ging es da sehr ähnlich. Den hätte ich übrigens gerne beim nächsten Mal als alternativen Kommentator auf einem separaten Tonkanal. Sofern er sich nicht am Ende vor Leid von der Tribüne gestürzt oder die Augen ausgekratzt hat.
  • Denn Norwegen erzielte in der 84. Minute durch Emilie Haavi das 1:0. Natürlich galt die Sympathie den Außenseitern aus Afrika, die mit der Schussmaschine Anonma für einigen Wirbel sorgten. Ganz schlecht waren die Skandinavierinnen aber auch nicht, wie immerhin drei Pfostentreffer bezeugten. 84 Minuten hat die oben erwähnte Frau Neumann die Truppe gedisst, herumgemäkelt, enttäuschende Leistungen gesehen. Aber als die Kugel dann doch noch im Tor  zappelte, war es eine „hart erarbeitete Führung“ durch die natürlich „stärkste Norwegerin“ auf dem Platz.
  • Fazit: Eine größtenteils ausgeglichene Begegnung, mit vielen Torraumszenen. Aber wenn ich eine Bitte äußern dürfte: zum nächsten Mal Torschusstraining für alle. Aber echt jetzt.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s