Brasilien – Australien 1:0

Vorbericht

  • Wer ist eigentlich die beste Fußballspielerin der Welt? Wer hat bis auf die Heiligsprechung alle nationalen irdischen Titel gesammelt, gilt als Gesicht ihrer Vereinsmannschaft, schießt die schönsten Tore, ist ein Idol für die weltumspannende Fangemeinschaft, hat allerdings noch nie mit der Nationalelf eine Weltmeisterschaft gewonnen? Klar, da kann es nur eine Antwort geben: Cristiano Ronaldo Marta.
  • Die 25-jährige Brasilianerin ist auch dieses Jahr Topfavoritin auf die Torjägerkrone, die sie sich schon 2007 sichern konnte. Schwedische Meisterin 2005-2008, Brasilianische Meisterin 2009, US-Meisterin 2010, Weltfußballerin der vergangenen fünf(!) Jahre – wo die Frau auch hinkommt, gravieren die örtlichen Goldschmiede schon weit im Voraus ihren Namen in die Pokale. Wie kann es da sein, dass die gute Frau noch nicht Weltmeisterin geworden ist? Ach ja, dafür müsste sie in der DFB-Elf spielen.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass die brasilianische Elf in Hilflosigkeit verfällt, wenn es nicht rund läuft und im Strafraum keine Samba getanzt werden kann, sondern sich görendreiste Abwehrspielerinnen frech in den Weg stellen. In diesen Momenten verfällt die Auswahl gerne in den MAWAMA-Modus (MAchWAsMArta), die Auserwählte reiht daraufhin panisch Übersteiger an Übersteiger bis heiße Luft aus dem runden Leder quillt. Vergleiche mit der brasilianischen Herrenmannschaft verbieten sich eigentlich, aber hier fallen sie positiv aus. Viele sehen in der Spielweise der Frauen die Wiederbelebung der temporeichen, kreativen und leichtfüßigen Ballbehandlung früherer Selecao-Mannen. Die Verteidigung übrigens soll ähnlich sattelfest sein wie damals.
  • Matilda hingegen ist der Star in der australischen Truppe. Für diesen Satz fällt mir wahrscheinlich Berti Vogts gleich um den Hals, denn Matildas lautet der Spitzname der Auswahl von Down Under. Die Chronistenpflicht, journalistische Sorgfalt und die aktuell eher darbende Zugriffszahl hier drin gebieten es, darauf hinzuweisen, dass sich die Auswahl von 1998 für einen Kalender zur finanziellen Unterstützung ihres Verbandes ästhetisch wertvoll nackig gemacht hat. Den Link dazu gibt es hier, die folgenden Zeilen widme ich der lieben Googlesuchmaschine: Frauenfußball, Kalender, nackig, nackt, australische Frauen nackt, australische Fußballfrauen nackt, australische Fußballfrauennationalmannschaft nackt, Justin Bieber, Lady Gaga,  Transformers 3.
  • Asiens Fußballerin des Jahres ist die Australierin Kate Gill. Was mich wieder zu der Erklärung nötigt, dass Australien fußballtechnisch zu Asien gezählt wird, Neuseeland hingegen zu Ozeanien. Deshalb sind beide Mannschaften oft bei Turnieren dabei, treffen dort meist aber nicht aufeinander, weil nach der Vorrunde schon gewohnheitsmäßig die Heimreise ansteht. Frau Gill ist das letztlich egal, denn sie spielt wegen eines Kreuzbandrisses eh nicht mit.  Realistischer treffen, weil noch mit intaktem Bandapparat im Kniegelenk, können Samantha Kerr und Kyah Simon.

Nachbericht:

  • Es mag sein, dass ich in letzter Zeit zu viel Frauenfußball gesehen habe. Vielleicht drücken mich abends auch die Betablocker runter, die ich wegen meines Bluthochdrucks nehmen muss. Aber: war das in der ersten Hälfte wirklich wie von Kommentator Norbert Galeske beschrieben ein „ordentliches, passables Spiel“? Ich fand es genauso langweilig wie tags zuvor die ersten 45 Minuten von USA gegen Nordkorea und wenn ich nicht zur Pause die Augen zumachen hätte können, wäre die zweite Halbzeit ohne mich gelaufen.
  • Beschäftigt hat mich folgender Gedanke: weshalb spielten die Brasilianerinnen nicht im traditionellen Gelb-Blau, obwohl sie doch den zugelosten Heimvorteil hatten und daher ihr Trikot bestimmen konnten? Sagt schon einiges über die Qualität der Partie aus, wenn es nichts gab, was mich von dieser Grübelei ablenken konnte.
  • Nerven tut mich auch, wenn unspektakulären Aktionen der Anstrich der Torgefahr gegeben wird. Ein „guter Kopfball“ etwa ist keiner, der 5 Meter am Tor vorbeirollt. Andererseits wird erst ein „gelungener Schuss“ gelobt, den die Torhüterin ohne Probleme aufnehmen kann, wenige Minuten später kommt ein Ball ähnlicher Kajütte auf den Kasten und es heißt: „Ein Schlenzer, eher wie eine Rückgabe“. Man tut dem Frauenfußball doch wirklich keinen Gefallen mit diesen Aufbauschungen. Ich möchte hier nicht zum ständigen Rumnölen aufrufen, aber ein kleiner Realitäts-Check hier und da täte manchem Kabinenvogel mal ganz gut.
  • Kein Problem habe ich damit, das 1:0 durch Rosana als technisch gelungene Ballannahme, gefolgt von einem tollen Schuss, einzuordnen. Aber der Rest? Ich erwarte keine Knaller in den Winkel, Hackentricktore, Heber (obwohl die Japanerinnen gezeigt haben, dass das geht) oder Seitfallzieher. Weit übers Tor zimmern tun auch die Männer. Allerdings kann auch frau in guter Position mal den Ball gezielt flach oder mit einem feinen Schlenzer über die Linie bringen.
  • Wie auch immer: Brasilien gewinnt, ohne seine Favoritenrolle auch nur ansatzweise untermauern zu können.  Die Leistung von Marta, der auserkorenen Überstürmerin, fand ich ernüchternd bis enttäuschend. Vielleicht brauche ich jetzt wirklich eine Pause. Gut, dass es morgen kein Mittagsspiel gibt, sondern um 18 Uhr und 20:45 Uhr erst wieder angepfiffen wird.
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2 Gedanken zu “Brasilien – Australien 1:0

  1. Pingback: Australien – Äquatorial-Guinea « Das unfassbar kompetenzfreie WM-Tagebuch

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