Mexiko – England 1:1

Vorbericht

  • Keine Italienerinnen. Keine Spanierinnen. Keine Portugiesinnen. Keine Griechinnen. Keine Türkinnen. Es fehlt etwas bei dieser WM. Wo sind sie, die temperamentvollen Südländerinnen? Wie kann es sein, dass Entscheidungen der Schiedsrichter nicht angezweifelt, diskutiert, mit reichlich Handgewedele kommentiert werden? Soll der Strafraum gar das ganze Turnier über unbefallen bleiben? Tritt keine mal herzhaft nach, wenn die eigene Mannschaft hinten liegt? Wird nicht die große Sehnsucht von Machos wie Mario „Kippe’n’Bier“ Basler erfüllt, dass sich die Spielerinnen mal anständig am Haar ziehen? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht heißt die Hoffnung Mexiko.
  • Traditionell will Mexiko eine Hauptrolle bei der WM spielen. Und am Ende reicht es im Abspann meist gerade so für den Credit als Gastauftritt. Immerhin gelang jüngst sowohl Mann wie Frau ein Sieg gegen den Erzrivalen USA, worauf sich die Conchitas allerdings wohl mehr einbilden können. In der Weltrangliste gerade mal auf Platz 22 verortet und mit einer Weltmeister-Quote von 1:75 gesegnet, wäre es schon ein Wunder, wenn die Mexikos Auswahl über das Viertelfinale hinauskäme. Wo übrigens die DFB-Elf auf sie warten könnte. Auch hier gilt für Mann und Frau gleichermaßen: gegen uns ist Ausfahrt Heimat.
  • Eine putzige Anekdote: Mexikos einzige Weltklassespielerin Maribel Dominguez, genannt Marigoal, unterzeichnete 2004 einen Profi-Vertrag beim mexikanischen Männer-Zweitligisten Celaya. Spielen durfte sie wegen eines Vetos der FIFA dort allerdings nicht.  Gut, dass Wolfsburg letztes Jahr nicht abgestiegen ist, der Felix hätte sie während eine seiner Mittelamerika-Urlaubsreisen sicherlich sofort mitgenommen.
  • „Wir wollen ein neues Deutschland werden“, sprach Englands Trainerin Hope Powell wenige Wochen vor der WM. Ein mutiges Bekenntnis, haben die Männer doch immer noch an den Deutschen von 2010 zu knabbern. Manche ewig Gestrigen hängen sich gar weiterhin an dem Modell 39-45 auf. England gilt als Geheimfavorit, aber das wird bekanntlich auch bei den Männern stets umsonst gepredigt. Immerhin wurden die Three Lionesses 2009 Vize-Europameister, ich traue mich jetzt jedoch fast nicht hinzuschreiben, gegen wen frau damals wie hoch verloren hat. Okay. Uns. 2:6. Hihi.
  • Ich bin stolz darauf, diesen Absatz nicht mit dummen Witzen über englische Torhüter zu füllen. Denn glücklicherweise steht bei den Engländerinnen eine Frau im Tor und die größten Humoristen zwischen den Pfosten in der Geschichte des englischen Fußballs waren bisher durchgehend Männer. Das sollte man Miss Bardsley aber nun wirklich nicht ankreiden.

Nachbericht:

  • Das erste Unentschieden bei dieser WM, der erste kleine Favoritensturz. Ausgelöst ausgerechnet von der Frau, die ich in den Zeilen über diesem Absatz noch so gnädigst ungeschoren ließ. Aber der Reihe nach: Mexiko setzt im Tor auf Kinderarbeit und lässt eine 16-Jährige zwischen die Pfosten. Jugendschützer schreien auf, ich hingegen finde, dass aus der mit Sicherheit mal eine Große werden wird. Sofern sie die Teenager-Angststarre überwinden kann, die sie beim 0:1 durch Fara Williams gegenüber dem Ball zeigt.
  • Die Mexikanerinnen in der Folge in der eigenen Spielhälfte mit einer ungeheuren Präsenz oder anders gesagt: jenseits der Mittellinie ertönen keine Mariachi-Klänge, duftet kein Chili, liegt kein Sombrero. Ich will bereits den Satz: „Das englische Tor war wohlbehütet“ auf meinen Notizblock krakeln, da zieht Monica Ocampo unvermittelt ab und Karen Bardsley leistet der englischen Gleichberechtigungsbewegung einen denkwürdigen Schub. Zwar im negativen Sinn, denn endlich darf man sich nun auch über die Torfrauen von der Insel lustig machen. Aber immerhin.
  • Was meine Sympathien endgültig Richtung Mexikanerinnen ausschlagen lässt, denn ich bin glühender Fan ins Höschen gehender englischer Abwehrversuche. Entsprechend habe ich die El-Tri angefeuert, die gegen Ende nochmals ordentlich Dampf Richtung englisches Tor entwickelte, aber keine Highlights mehr zu setzen vermochte. Zumindest keine spielerischen, dafür erlebte ich ein sehr maskulin-rustikales Einsteigen einer Verteidigerin und die schauspielerisch entzückende Aufführung der traditionellen Siesta auf Krankenbahre von Maribel Dominguez. Vamos, ihr dürft ins Viertelfinale, ihr drolligen Senoritas.
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