Nigeria – Frankreich 0:1

Vorbericht

  • Wer erst heute Abend um 18 Uhr mit Schal und Trikot vor dem heimischen Fernseher sitzt und die offizielle Eröffnungsfeier in Berlin vor 70.000 Zuschauern mit dem sich daran anschließenden offiziellen Eröffnungsspiel Deutschland – Kanada verfolgt, dem darf ich an dieser Stelle freudig gratulieren: Sportsfreunde, gut gemacht, ihr habt das erste Spiel der WM verpasst. Denn Nigeria und Frankreich stoßen bereits um 15 Uhr an. Frauen sind doch für ihr Organisationstalent bekannt, wie kann denn sowas passieren? Ich hätte da zwei Theorien:
  • Theorie 1: der Austragungsort Sinsheim war für die Eröffnung vorgesehen, die Promotionkampagne fürs Fernsehen bereits von übereifrigen, aber fußballerisch ahnungslosen Marketingstudenten ausgearbeitet worden: „Willkommen zum Start des Sommermärchens 2011! Begleiten Sie uns in die Rhein-Neckar-Arena, dem Sitz des ruhmreichen 1899 Hoffenheim mit seinen unzähligen deutschen Meisterschaften, seiner jahrelangen Präsenz in der höchsten deutschen Spielklasse, seiner tief in der Tradition verwurzelten Fankultur und auf Vereinstreue geeichten Mannschaft“. Dummerweise schaffte es OK-Chefin Steffi Jones nicht, den zweiten Satz ohne lautes Prusten und schallendes Gelächter aufzusagen. Woraufhin der Kaiser Franz sie tröstend in den Arm nahm und meinte: „Lasst’s halt was anders spui’n. Vielleicht’s merkt’s ja keiner. Afrika gegen die Franzfrauen zum Beispiel. Die aus Frankreich, nicht meine, ja mei, obwohl i könnt‘ elf zsammkrieg’n, haha.  Mia fahr’n jetzt nach Berlin, gelle Steffi?“.
  • Theorie 2: die FIFA ist ja infamen Gerüchten zufolge ein verschworener Bund alter Männer, in deren muffigen Hinterzimmern viel geraucht und gesoffen, der Herrenwitz gepflegt wird und die neuesten Escortservice-Bewertungsbögen ausgetauscht werden. „Obacht, trug ein Bändchen mit einem Logo der Hamburg-Mannheimer“, „Lobenswert: Beherrschte Herzmassage!“ oder „Suppr! Konnte „SEPP, DU KANNST JA IMMER“ akzentfrei in vier Sprachen sagen“ sind die üblichen Einträge. Nur der für die Spielplanausarbeitung zuständige Greis musste sich ein „Darling, ohne Vorspiel keine feierliche Eröffnung!“ anhören und war darob so vergrätzt, dass er die Nigerianerinnen und Französinnen zum Spiel vorm Spiel verdonnerte. Alternativ könnte die FIFA auch Mario Barth als offiziellen Bespaßungskoordinator eingestellt haben. Daran will ich aber gar nicht denken.
  • „Chérie, isch bömb solange auf Libyen, bis wir in irschendwas wieder Weltmeister sind! Isch schwör’“. Schwer getroffen bis hinein in seine größten oder auch kleinsten Vertreter -je nach Sichtweise-  hat die französische Nation das Debakel ihrer Männer im vergangenen Jahr in Südafrika. Gegen Afrikaner in der Vorrunde verloren und mit einem dicken Schandfleck in der ruhmreichen WM-Historie ausgeschieden. Das Schöne: das kann dieses Mal wieder passieren!
  • Für Nigerias Kicker war ebenfalls nach insgesamt enttäuschender Leistung frühzeitig Schluss, u.a. verlor man(n) dabei sogar gegen Griechenland. Ich persönlich hätte  Verständnis gezeigt, wenn die Staatsführung daraufhin einen militärischen Konflikt vom Zaun gebrochen hätte. Aber Nigeria hat ja keine schweren Waffen und Machetenschmeißen über Kontinente hinweg ist ein eher fruchtloses Unterfangen. In jedem Fall bleibt festzuhalten: die Frauen müssen die Ehre ihres Landes wiederherstellen, es könnte also was auf die Stelzen geben.
  • Zu den wichtigsten Fakten: Nigeria dominiert üblicherweise den afrikanischen Spielbetrieb, die Mannschaft nennt sich Super Falcons, hat einen Deutschen als technischen Berater und flott mal 0:8 gegen unsere Mädels im letzten November verloren. Stars des Teams sind Perpetua Nkwocha (35, dürfte bei dem Vornamen auch noch länger mit dabei sein) und Rita Chikwelu (23). Es fehlt -und da weint mein saarländisches Herz- Cynthia Uwak (24), Afrikas Fußballerin der Jahre 2006 und 2007, die bis zum Saisonende für den Bundesliga-Absteiger 1.FC Saarbrücken spielte. Damit steht für mich fest: die können nicht weit kommen.
  • Frankreichs Damen sammelten jüngst diverse Erfolge, Olympique Lyon ist amtierender Champions League Sieger und hat im Finale Turbine Potsdam geschlagen. Auch wenn es verwundert: die #2, Wendie Renard, spielte damals nicht für Turbine, obwohl das optisch wirklich gepasst hätte wie Trockenhaube auf Haar. Die Qualifikation gelang eindrucksvoll mit 10 Siegen und 50:0 Toren. Gut möglich also, dass die gegen uns unter fünf Stück kassieren. Wichtigste Spielerin: Sandrine Soubeyrand (37) und jetzt höre ich aus Gründen der Schicklichkeit wohl besser auf, das Alter der Ladies mitanzugeben. Bevor noch eine älter ist als ich.

Nachbericht

  • Pfeif‘ auf Berlin, Sinsheim hat seine eigene Eröffnungszermonie! Eine Choreografie mit drei Ausdrucksstehtänzerinnen und lustlos am Anstoßkreis und an den Seitenlinien herumstehenden Mädchen – das weckt Erinnerungen an die Schulzeit des Autoren, wo die selbe Konstellation oft zu beobachten war, wenn im Sportunterricht Fußball gespielt wurde. Irgendwo liegen auch Flaggen rum. Warum liegen da Flaggen rum? Ach ja, die werden zum Schluss hochgehoben. Ich kriege direkt Lust aufs Spiel, weil ich weiß, dass dann die Eröffnung vorbei ist.
  • Wendie Renard spielt anders als noch im Champions League-Finale mit geglätteter Frisur und hat mir deshalb den Witz aus dem Vorbericht kaputtgemacht. Das gibt direkt einen Minuspunkt. Die ersten Minuten lassen mich jetzt nicht vor Ekstase mein komplett gefülltes PANINI-Album der WM 2010 verbrennen, ich habe damals aber auch schon Schlimmeres gesehen. Paraguay gegen Japan etwa, wenn sich daran noch jemand erinnern kann oder will.
  • 26. Minute: die Französinnen dominant, Nigeria aber mit der größten Chance. Ein Konter, abgeschlossen von Desire Oparanozie. Wobei abschließen in dem Zusammenhang lieb umschrieben ist. Juristen würden diskutieren, ob das eine fahrlässige Verschießleistung oder eine vorsätzliche Schußnichtleistung war. Ich mach’s mal am Vornamen fest: wäre nicht zuviel verlangt gewesen, den zumindest aufs Tor zu bringen. In dem Moment haben sicherlich tausende Nigerianer die Hoden in die Höhe gewuchtet und geschrien: „Den hätt ich reingemacht!“.
  • Zweite Hälfte, selbes Bild: Nigeria mit den besseren Aktionen, bei dem Wetter laufen die Afrikanerinnen auch gerne mal länger, wird also nichts mit Kräftenachlass. Dennoch geht Frankreich in der 56. Minute durch Delie in Führung. Hätte man die Positionen nach der Flanke mit Männern besetzt, hätten die das Ding wohl auch nicht verhindern können. Es geht doch.
  • 65. Minute: Frau muss sich auch mal richtig fallenlassen können, so mein Rat an die junge Nigerianerin, die just im Strafraum umgestupst worden ist. Lässt die Mannschaft sympathisch erscheinen, dass sie den Kniff nicht im Repertoire hat, ist aber schlecht für die Punktetabelle. Als Lehrvideo möchte ich diesen Clip zur Verfügung stellen.
  • Fazit: am Ende doch nur ein knapper Sieg der Französinnen, die gegen uns naturellement keine Chance haben werden. Ab Montag werde ich definitiv Begegnungen tippen, denn Oddset hat für einen Sieg Frankreichs gerade mal eine Quote von 1,15 ausgegeben, dafür war das am Ende doch ganz schön knapp.


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8 Gedanken zu “Nigeria – Frankreich 0:1

  1. Ich weiß, es geht erst nächste Woche los, genauer gesagt in 9 Tagen. Aber ich dachte mir: haust halt schon vorher Mal den ersten Teil des Vorberichtes raus. Danke für das Lob.

  2. Heute *schock*? Ach ne … puh, ich dachte schon ich habs verpasst. Also ich bin eindeutig für Variante A. Weil ich auch nicht weiter als ruhmreich kommen würde.

  3. Ganz ruhig bleiben. Ich weiß, ist irreführend, dass „heute Abend“ im Text steht, vor allem im Zusammenspiel mit dem Veröffentlichungsdatum 17.Juni 2011. Aber wenn ich letzteres ändere, verschwindet der komplette Beitrag mit zum 26. Juni und das wollte ich auch nicht.

    Nach „ruhmreich“ wird es wirklich schwer, ich hatte da schon Probleme beim Schreiben. Zu „auf Vereinstreue geeicht“ musste ich mich wirklich zwingen.

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