Niederlande – Spanien 0:1

Vorbericht

  • Wer wird denn nun anstelle von uns Weltmeister? Spanien. Sagt jedenfalls Orakel-Krake Paul und so langsam bin ich kurz davor, das Viech für unfehlbar zu halten und einen Termin zur Ausrufung der Rückkehr von Cthulhu anzuberaumen. Gut, dass das Achttentakel nun in Glibber-Rente geht, sonst müsste die FIFA für die nächste WM nur noch einen Glastank an den Anstoßkreis schleppen, kurz die Hymnen der beteiligten Mannschaften bei dem Einlassen der Kisten anstimmen, Krake rein, Ergebnisbestimmung, Interviews mit den Trainern, Abgang. Würde Kosten sparen und so den Gewinn für Sepp & Co mächtig steigern. Wer nun Assoziationen irgendwelcher Art zwischen den Begriffen „FIFA“ und „Krake“ auf der Zunge spürt, sollte sie übrigens runterschlucken. Hab ich eben auch getan. Da kommen keine Anwälte mächtiger Fußballorganisationen mehr dran.
  • Wem drücken wir denn nun die Daumen? Das ist die nächste Frage. Der Niederländer ist laut eigener Nationalhymne ja von deutschem Blut (Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van Duitsen bloed), so dass man sagen könnte: „Hey, wenn schon nicht wir, dann halt was aus unser aller Herzpumpe“. Andererseits fährt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit heute Abend dann halb Holland über die Grenze und hält unsereins in den kommenden Jahrzehnten vor, dass man den Spanier besiegt hat, an dem wir noch gescheitert waren. Und dass sie einfach abgeklärter waren, deutscher gespielt haben als die Deutschen. Das im Zusammenwirken mit einem Grinsen in Mark van Bommels Gesicht lässt die Wahl schon deutlich schwerer werden.
  • Der Spanier hingegen könnte dem Größenwahn anheimfallen. Deutschland geschlagen, Weltmeister geworden, dazu immer noch amtierender Europameister, zu Hause nennen sie manch international eher erfolglose Mannschaft auch schon die Galaktischen. Die Schweizer würden darüber hinaus total durchdrehen und sich als Welt- und Europameisterbezwinger feiern lassen, niemand in der Folge des Überschwangs auf den CERN-Teilchenbeschleuniger aufpassen und wir verschwänden alle in einem fußballrunden, schwarzen Loch. Kurzgefasst: das Gleichgewicht der Fußballmächte würde schwer gestört werden. Weitere Folge eines spanischen Triumphs wäre aber auch, dass sich Neuseeland als einzige unbesiegte Mannschaft des Turniers brüsten könnte. Die dürften das Ende der Welt dann schon leichter akzeptieren und im Jenseits fortan für alle Ewigkeit den Australier aufziehen.
  • Am Ende entscheiden vielleicht sogar die königlichen Hoheiten. Nach jahrelangem Studium der „Echo der Frau im Spiegel mit Herz“ weiß ich glasklar Bescheid – Throninhaber- und Thronfolgerpaare kennen eigentlich nur zwei Gefühlszustände. Entweder ist was unterwegs („Sie hält seine Hand, er schaut an ihrem pastellfarbenen Kostüm herunter und lächelt. Sehen wir da etwa ein süßes Babybäuchlein? Sozialpsychologin Dr. Sigrun Bloed-Kuh analysiert“) oder es kracht hinter den Kulissen („Sie sucht seine Nähe, doch er hat nur Augen für das Spiel auf dem Platz. Hach! Wie lange geht das noch gut? Laut zuverlässig informierter Quellen vom Hofe soll sie nachts sehr oft weinen“). Mir gefallen die jungen Oranje-Thronfolger schon ein bisschen besser, aber heute soll ja auch der König von Spanien anwesend sein. Auch hier wieder der Blick in die niederländische Hymne: „Den Koning van Hispanje heb ik altijd geëerd. Den König von Spanien hab’ ich allzeit geehrt“. Das könnte direkt nach Abpfiff Krieg geben. Der Spanier weiß schon, weshalb er seiner Hymne immer noch keinen Text angedeihen lassen hat.
    • Ich entschuldige mich für den letzten Absatz. Da ist etwas mit mir durchgegangen. Wir sind hier in einem Fußballblog, also analysieren wir einfach kritisch die vorhandenen Spieler. Denn entscheidend ist auf dem Platz (hier übrigens die anderen Mannschaften dieser WM).

    • Meiner Meinung sind deutliche Vorteile für Holland zu erkennen. Dirk Kuyt liegt in meiner Gunst weit vorne, Mathijsen, Robben und Sneijder könnten spielentscheidend sein, mit van der Vaart hat man noch einen Trumpf in der Hand.

  • Der Spanier setzt mit Iniesta, Puyol, Ramos und Xavi gut dagegen – ich denke allerdings, dass Bert von Marwijk am Ende den besseren Riecher haben wird.
  • Wie immer die verehrte Leserschaft auch ihre Sympathien verteilt, ich schaue mir das Finale ganz gelassen an. Der Verlierer wird mit ziemlicher Sicherheit mehr geknickt sein als unsere Jungs vor vier Tagen. Denn wir haben bereits drei WM-Titel. Einer der beiden heute Abend wird die verpasste historische Chance bejammern müssen.

Nachbericht

  • Das war’s. Spanien ist Weltmeister, Holland zumindest für ein Spiel der Weltmeister der Härten (de Jong, van Bommel) und wir sind Weltmeister der Herzen, weil wir ohne Zweifel den besten und herzerfrischendsten Fußball des Turniers gespielt haben. Ich habe den beiden Finalteilnehmern extra noch die Chance gegeben, besser zu sein als wir – aber das haben sie vermasselt.
  • Ein bisschen langweilig war es ja schon und als selbst Jesus (Navas) den Zuschauer nicht erlösen wollte, hatte ich schon das Bild vor mir, wie die Spanier im Elfmeterschießen an ihrer zu ausgefeilten Technik scheitern. So aber versenkte Iniesta tatsächlich eine der gegen Ende herausgespielten Chancen zum 1:0. Ich denke, das ging auch in Ordnung. Ini ist ja die Abkürzung meines Nicknames, esta bien hintendran geschoben ergibt ein: „na gut“ und so lässt sich das ganze Finale zusammenfassen. Iniesta esta bien. Iniesta, na gut.
  • Nicht unterschlagen darf man das persönliche Muskel-Drama des Arjen Robben. Vor der WM verletzt, daraufhin bei einer Mischung aus Spezialdoktor und Medizinmann in Behandlung. Auf der Bank sodann die ersten Spiele hindurch die Oberschenkelmuskulatur gedehnt, bis sich die Kollegen durch das davon ausgehende, hochfrequente ZING!-Geräusch belästigt fühlten. Als er aber nach guten Bewegungen in den Ausscheidungsspielen samt Kopfballtor(!) im Halbfinale schließlich auf dem Weg zur Krönung alleine auf Iker Casillas zulief, machte prompt der Lupfmuskel zu. Keine Ahnung, wie der Lupfmuskel medizinisch korrekt heißt und wo er im holländischen Fußapparat bei aufkommender Torschuss-Panik zu finden ist, aber Arjen hätte sicherlich alles dafür gegeben, ihn zu aktivieren. Oder auf das spärlich behaarte Haupt ausweichen zu können. Wofür das Spielgerät aber wohl etwas zu dicht an der Grasnarbe lag. Obwohl: nach der vergebenen Chance hing der Kopf des Rasenwühlers tief genug. Um das Drama noch zu steigern, ärgerte sich Robben wegen seines Versagens und mangels Bauches eben ein Loch in den betreffenden Muskel. So hätte ich jedenfalls als Fußballverband seine aktuelle Verletzung erklärt und sämtliche Ansprüche der Münchener Bayern zurückgewiesen. Aber mich fragt ja keiner.
  • Ich für meinen Teil verabschiede mich nun auch von diesem Blog. Die nächsten Wochen werde ich leider die weiteren Reaktionen nicht mehr verfolgen können, denn der Teamarzt hat mich heute gedrängt, im Laufe des Tages ein Krankenhaus seines Vertrauens aufzusuchen. Ich bedanke mich für alle Kommentare, Verlinkungen, Lobpreisungen in Wort und flattr-Punkten. Bis zur EM 2012!
  • Schließen möchte ich wie schon bei der EM 2008 mit einem Lied. Vielleicht dem Lieblingslied von Jogi Löw, der ja ein großer Fan des Laufens ist – Diamond Head mit „Run“ aus dem Jahre 1993:

Diamond Head – Run auf Grooveshark anhören


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8 Gedanken zu “Niederlande – Spanien 0:1

  1. Ich zitiere mal dich selbst: „Glückwunsch Spanien. Jetzt werdet halt Weltmeister.“ Ganz genau, für mich nämlich gar keine Frage, wer heute gewinnen soll, ich will doch gefälligst nicht gegen den Vize ausgeschieden sein. Und mit good old Cruyff als Patenonkel des Spiels der spanischen Mannschaft würden ja auch unsere Nachbarn einen Teil des Glanzes abbekommen.

  2. Holland am Anfang sehr Glück gehabt mit dem einen Karatetritt. Aber die Verlängerung war selten SO parteiisch gepfiffen wie das. Extrem enttäuschend, dass wieder Schwalben und Fehlentscheidungen dieses Spiel quasi entscheiden.
    Schade Holland.
    und eine Bitte könnten wir glaube ich an das ZDF richten: sucht euch n neuen Kommentator. Wenn der Herr Rety nach der 20. Zeitlupe immer noch nich rafft, dass des kein Elfemeter war und der sich selber getreten hat, dann weiss ich auch nicht mehr.

  3. und wie eine Freundin von mir grad so treffend meinte: „wir sind weltmeister und spanien 3. dieses spiel war ja wohl die größte schande seit beginn der wm.“

    Mehr kann man dazu nicht sagen.

  4. … und in einem kleinen, feinen Land südlich von Deutschland sind wir alle ein paar Zentimeter grösser …
    EUROPAMEISTER-UND-WELTMEISTER-BESIEGER!

  5. Hey mr blog writer,

    ganz großes dankeschön für die lustigen momente und das durchhalten zua llen spielen sich was aus der rübe zu quetschen.

    viel gelacht und saftiger sarkasmus geht ja immer gut runter.

    habs gut bis zum nächsten mal

    – marko –

  6. Von mir auch ein RIESEN Danke für den Superblog und die kompetenzfreien Analysen. Hat mir und meinen Freunden wirklich sehr sehr viel Spaß gemacht! 🙂
    Alles Gute für dich und bis zur EM 2012 🙂

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